ZDFneo – ZDF.de

November 27, 2009

ZDFneo – ZDF.de.

Sorry, liebe Leute, nicht Darwin war der größte Ketzer aller Zeiten, er hat ihm nur den Weg gebahnt.

Darwin hat das Bild gemacht, – daran besteht kein Zweifel.

Aus seiner Zeit heraus mußte es ein „Negativ“ sein. – Darwin kannte die „soziale Wirklichkeit“ des Charles Dickens, in dem jeder, der nicht der „Upper Class“ angehörte, Tag für Tag um sein Überleben kämpfen mußte.

Kein Wunder also, daß Darwin seine Erfahrungen in die Natur projizierte.

Wir tun dasselbe heute auch noch: Der Sprachgebrauch in Berichten über die Evolution ist militaristisch, unsere sozialen Bedingungen nähern sich dem frühen 19. Jahrhundert erneut an.

Der Gepard, ein schneller, gnadenloser Jäger! – Fragezeichen! Drehen Sie das Bild einfach einmal um:

Die Gazelle – eine gnadenlose Gepardenkinderkillerin? – So sieht es aus, wenn eine Gazelle einer Gepardin davonrennt und deren Kinder mangels Beute verhungern müssen.

Nicht der Jäger „dominiert“ die Beute. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wer von Pflanzen lebt, kann sich glücklich schätzen, denn diese laufen nicht davon. Wer aber auf die Jagd angewiesen ist, der muß mit dem zufrieden sein, was er erwischen kann. – Und das ist wenig genug.

„Tyrannosaurus Rex“ hat niemals die Erde beherrscht. – Er lebte von den Kadavern, die irgendwo herumlungerten. – Entgegen anderslautenden Berichten war er kein furchterregender Jäger. Mit seinen lächerlichen Ärmchen hätte er kein Beutetier festhalten können. Seine nächsten Verwandten, die Vögel, haben in der „Jagdvariante“ samt und sonders leistungsfähige Greiforgange. – Geier aber nicht. Die Vögel, die sich bei der Beutejagd einzig auf ihren Schnabel verlassen, fressen Insekten. – Ich kenne keinen Biologen, de unseren guten alten T. Rex jemals einen Insektenfresser genannt hätte.

Vom Standpunkt unserer Mitaffen aus gesehen, haben wir ähnlich lächerliche Ärmchen wie T. Rex. – Und weil wir geneigt sind, unsere unangenehmen artspezifischen Eigenschaften  in die Natur zu projizieren, würden uns Schimpanse, Bonobo, Gorilla &Co in einer Art Artbetimmungskonferenz – nicht ohne Humor – wohl zum

Tyrannopithecus Majestix

erklären.

Ich brauchte nur das Negativ, das Darwin entwickelt hatte, neu zu belichten und zu entwickeln. Und schon hatte ich das Bild: Die Evolution als nichtlinear-thermodynamisches System.

Das Chaos ist die Gottgewollte Ordnung.


150 Jahre Evolutionstheorie: Darwins Werk gegen die göttliche Schöpfungslehre – Nachrichten Wissenschaft – Evolution – WELT ONLINE

November 25, 2009

150 Jahre Evolutionstheorie: Darwins Werk gegen die göttliche Schöpfungslehre – Nachrichten Wissenschaft – Evolution –

Sehr geehrte Damen und Herren,
seit 150 Jahren streiten sich „Darwinisten“ und Bibelfundamentalisten darum, wer den Menschen erschaffen hat. – Was kaum jemand zur Notiz genommen hat, hat sich vor 10 Jahren, kurz vor dem 140. Geburtstag der „Entstehung der Arten“ zugetragen und führte zur vollständigen Zerstörung der „Krone der Schöpfung“:

Jüngstes Gericht!
Ja, ich habe die Krone der Schöpfung kaputt gemacht, mit einem Steinwurf. Aber ich konnte nichts dafür, daß der Stein getroffen hat. Vielleicht habe ich auch den Homo sapiens sapiens[1] auf dem Gewissen, trotzdem kann ich ruhig schlafen. Ich habe Homo sapiens sapiens zwar zu fassen versucht, aber als ich seiner habhaft werden wollte, war er verschwunden wie das Einhorn. Wenn ich gefragt werde, wie ich mir sein Verschwinden erkläre, kann ich als Antwort darauf nur Anatole France zitieren: „Es liegt in der menschlichen Natur, vernünftig zu denken und unvernünftig zu handeln“. Diese Sentenz des französischen Schriftstellers ist wahr. Das kann jeder beim Lesen der Tageszeitung unschwer feststellen. Dennoch ist diese Aussage nach wie vor voller Rätsel; vor allem deshalb, weil niemand weiß, warum sie zutrifft. Diese Frage beschäftigt Heerscharen von Anthropologen, Biologen, Philosophen, Psychologen und Theologen zum Teil seit Jahrtausenden. Und der Streit über die wahre Natur des Menschen wird mit einer Heftigkeit geführt, die an einen Glaubenskrieg erinnert.
In diese Auseinandersetzung mischte sich Ende der sechziger Jahre Desmond Morris mit seinem Buch Der Nackte Affe. Er provozierte damit heftigsten Widerspruch bei seinen Artgenossen. Aber Morris hat recht: der Mensch ist ein nackter Affe. Mehr nicht – Punkt! – Das ist Ketzerei, das werde ich in der Hölle büßen müssen. Aber es ist nicht die Angst vor dem Fegefeuer, die mich dazu veranlaßt, meine Behauptung unter Beweis zu stellen, sondern der unter Menschen allgemein übliche Brauch, eine Behauptung, an deren Wahrheit Zweifel bestehen könnten, zu beweisen.
Die Beweisführung erfolgt, indem eine Behauptung soweit mit Tatsachen unterlegt wird, daß an der Richtigkeit der Behauptung keine Zweifel mehr bestehen. Tatsachen sind „konkrete, nach Raum und Zeit bestimmte, der Vergangenheit oder der Gegenwart angehörige Geschehnisse oder Zustände der Außenwelt und des menschlichen Seelenlebens.“[2]

„Das Wahre ist gottähnlich,“ sagt Goethe, „es erscheint nicht unmittelbar, wir müssen es aus seinen Manifestationen erraten.“[3] Diese Worte des großen Dichters, Juristen und Naturforschers besagen nichts anderes, als daß man vom Vorliegen einer Tatsache nicht unbedingt unmittelbar auf eine andere schließen kann. Vielfach eröffnet erst ein ganzes Bündel von Einzel- oder Hilfstatsachen die Möglichkeit zu erkennen, was in Wahrheit vorgefallen ist. Im juristischen Sprachgebrauch nennt man Hilfstatsachen auch Indizien.
Das erste Indiz fand ich nicht einmal einen Steinwurf weit von mir entfernt:
Es war einer jener lichtdurchfluteten Sommersonntage des Jahres 1999. Wie üblich unternahm ich mit meinen Hunden Bobby und Madonna einen ausgedehnten Spaziergang durch die Felder. Während Madonna einem ihrer Hobbys nachging, nämlich dem untauglichen Versuch, Wühlmäuse oder Maulwürfe auszugraben, forderte Bobby mich unmißverständlich auf, Stöckchen oder Steine zu werfen, denen er dann nachjagte. Auf diese Weise hatte ich den Hund zu einer Reihe von Sprints veranlaßt, bis er plötzlich mitten im Lauf innehielt, die Richtung wechselte und das nächste schattige Plätzchen aufsuchte. Dort legte er sich hin und hechelte, was das Zeug hielt. Ab und zu rutschte er einen Meter vor, weil ihm der Boden unter dem Bauch buchstäblich zu heiß geworden war. Mehr als eine halbe Stunde versuchte der Hund verzweifelt, seine überschüssige Wärme an die warme Luft abzugeben. Mir war auch warm geworden, aber ich hatte es einfacher: ich zog mein Hemd aus und schwitzte vor mich hin. – Wasser, das ich dem Hund hätte geben können, war nicht in der Nähe; ich muß wohl irgendwie versucht haben, ihn durch eine dumme Bemerkung aufzuheitern, jedenfalls entfuhr mir der Satz: „Siehst Du, Dicker, das ist der Nachteil, wenn man ein Fell hat.“ Ich blickte in die mitleiderregenden Augen meines Hundes, der augenscheinlich hilf- und wehrlos auf dem Boden lag, sah aber einen Trupp kleiner Männchen. Es waren aber keine kleinen grünen Männchen, sondern dunkelhäutige, die ein unbekanntes Tier, das erheblich größer war als sie selbst, durch dessen eigene Körperwärme zu Boden gezwungen hatten. Damit war für mich eine Frage beantwortet, die nicht erst seit Charles Darwin Biologen in aller Welt beschäftigt, nämlich warum wir Menschen kein Fell haben.
Für mich jedenfalls stand seitdem fest, daß der Prozeß dessen, was wir als „Menschwerdung“ bezeichnen, untrennbar mit der merkwürdigen Gestaltung unserer Körperoberfläche verbunden sein mußte. Ein nach besten Kräften hechelnder Hund ist freilich kein Beweis für eine solche Behauptung. Weitere Beweismittel hielt die Gegenwart auf den ersten Blick nicht zur Verfügung. Folglich unternahm ich eine Reise in die Vergangenheit.
Als kleiner Junge hatte mich der tschechische Jugendfilm „Reise in die Urzeit“ mehr fasziniert als alle Schulbücher zusammen. In diesem Film unternahmen einige Jungen eine zunächst harmlose Flußfahrt mit einem Ruderboot. Diese führte sie in eine von Nebel erfüllte Höhle. Nachdem der Nebel sich gelichtet hatte, bemerkten die Jungen, daß sie sich langsam in die verschiedenen Erdzeitalter zurückbewegten. Vorbei an Mammuts, Sauriern und Großinsekten führte sie der Fluß an die Gestade des kambrischen Meeres, wo sie mit den Trilobiten in der Hand das Ziel ihrer Reise erreicht hatten.
Die Omnipräsenz dieses Films in meinem Gedächtnis wurde durch den Umstand gestärkt, daß einer der Jungen den Namen Jirka trug, ein Name, der auch einem meiner Studienfreunde zu eigen war. Der Stammbaum des Menschen mit seinen offenbar willkürlich und gewaltsam kupierten Seitenzweigen ist außerdem bei genauerer Betrachtung geradezu eine Einladung, eine Flußfahrt à la Jirka & Co zu unternehmen. Allerdings in umgekehrter Fahrtrichtung und ohne Ruder. Jirkas Boot treibt den Fluß entlang, dem Mündungsdelta entgegen. Dort stehen ihm viele Mündungsarme offen. Und dann wird es interressant, denn an jeder Gabelung kann es nur nach rechts oder nach links. Welchen Weg wird das Boot nehmen? Wenn es nach links fährt, erhebt sich automatisch die Frage, was hat Jirkas Boot dazu veranlaßt, eben nach links und nicht nach rechts zu fahren, welchen Wegweisern folgt es?
Ausgangspunkt meiner Reise war Ernst Haeckels sog. „Biogenetisches Grundgesetz“, wonach ein Lebewesen im Verlauf seiner Emryonalentwicklung (Ontogenese) die wichtigsten Stadien seiner Stammesgeschichte (Phylogenese) durchläuft.
Ich hatte mich vor mehr als 46 Jahren vom Einzeller zum Menschen entwickelt. Freilich klafft irgendwie ontogenentisch wie phylogenetisch eine Lücke: Ich hatte kurz vor meiner Geburt mein Fell eingebüßt, dafür aber einen Kopf bekommen, der bereits wenige Monate nach meiner Geburt nicht mehr durch den Geburtskanal gepaßt hätte. Vor langer, langer Zeit mußte etwas passiert sein, das diese Merkwürdigkeit zur Folge hatte. Wo ist die Weggabelung, die in der Stammesgeschichte dem Menschen den Pelz raubte?
Wer den Pfad der menschlichen Stammesgeschichte von seinem Anfang bis zum heutigen Tage nachvollziehen will, benötigt an den Wegscheiden der Evolution entsprechende Hinweisschilder, die an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Freilich haben diese Wegweiser im Laufe der Zeit erheblich gelitten und an Deutlichkeit verloren. Dennoch war es nicht sonderlich schwer, sie zu rekonstruieren und zu entziffern. Denn die Zeichen waren längst bekannt, doch schienen sie in einer exotischen Sprache abgefaßt, die zu mannigfachen Mißdeutungen Anlaß gab und bis heute Rätsel aufgibt. Der Grund dafür ist in unserem nach wie vor extrem anthropozentrischen Menschenbild zu suchen. Der Mensch steht danach außerhalb der Natur. Von Kindesbeinen an bekommen wir eingebleut, Gott hätte den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen. In der Schule betrachten wir auch in säkularen, staatlichen Bildungseinrichtungen ein biologisches Triptychon: Biologie der Pflanzen, Biologie der Tiere und Biologie des Menschen. – Diese Einteilung halte ich für unsinnig weil sie den Blick verstellt. Sie werden im Verlaufe meiner Geschichte feststellen, daß das Entschlüsseln der Wegweiser tatsächlich nicht sonderlich schwer ist:
Zuweilen hängt das Ergebnis nur davon ab, aus welcher Perspektive man eine Frage stellt. Ein Mensch, der das Licht der Welt erblickt, ist quasi noch ein halber Embryo. Gerade in den ersten Wochen und Monaten nach seiner Geburt ist die Größenzunahme seines Gehirns gewaltig. Stellt man vor diesem Hintergrund die Frage, warum der Mensch als halber Embryo geboren wird, kann die lapidare Antwort lauten: weil sein Kopf später nicht mehr durch den Geburtskanal passen würde. – Diese Antwort ist durchaus zutreffend, verbirgt aber das eigentliche Problem. Das erst erschließt sich, wenn die Frage lautet: warum konnte die Evolution auf eine Anpassung des Geburtskanals an die zunehmende Kopfgröße der Kinder verzichten? Die Antwort fällt offensichtlich nicht so leicht. Aber man kann sie suchen; – diese und andere.
Das erste, was mir auf der Suche nach Antworten klar wurde, war, daß einer dabei auf der Strecke bleiben mußte, nämlich der Homo sapiens sapiens. Er entpuppte sich immer mehr als virtuelles Wesen, das vor gut 250 Jahren von Carl von Linné kreiert worden war, aber nie eine reale Existenz erlangte. Wer im Geschichtsunterricht gut aufgepaßt hat, dem wird auffallen, daß diese Artbezeichnung seit ihrer Erfindung fast ausschließlich auf Menschen europäischer Herkunft angewandt wurde und mehr als einmal selbst dort dem Angehörigen des Nachbarvolkes, ja dem unmittelbaren Nachbarn „entzogen“ wurde, um ungehemmt und ungestraft töten zu können.
Sapiens sapiens! Das lateinische Wort sapiens bedeutet weise. Diese Überbetonung, ja Beschwörung der Weisheit, die war mir schon suspekt, als Menschen auf dem Mond landeten und dies zum riesigen Sprung für die Menschheit erklärten, während Millionen ihrer Mitmenschen auf der Erde durch Bomben, Granaten und Napalm vom Leben zum Tode befördert wurden.
Homo sapiens sapiens war also in meinen Augen schon vorher auf dem absteigenden Ast. Den Startschuß für seinen endgültigen Untergang gaben – aus einem vollkommen anderen Zusammenhang heraus – Artgenosse Milosevic und sein Faible für „Ethnische Säuberungen“, sowie die Unfähigkeit der „zivilisierten“ Menschheit, einem auf frischer Tat ertappten mutmaßlichen Völkermörder den Garaus bzw. ihn dingfest zu machen. Homo sapiens sapiens hauchte sein virtuelles Leben in den zerschossenen Häuserzeilen Grosnys (Tschetschenien) endgültig aus. Homo sapiens sapiens löste sich damit buchstäblich in Schall und Rauch auf. Den Ausschlag für diese Beurteilung gab der als „Terroristenjagd“ getarnte Eroberungskrieg und das große Schweigen der „zivilisierten“ Menschheit hierzu.
Aber keine Sorge, die Menschheit wird den Untergang des Homo sapiens sapiens überleben. Freilich wird die Umfirmierung in Australopithecus superbus[4] ein wenig gewöhnungsbedürftig sein, läßt sich aber meines Erachtens nicht vermeiden, denn die Reise von der Urzeit bis an die Schwelle des dritten nachchristlichen Jahrtausends endet unter anderem in der erstaunlichen Feststellung, daß wir uns von jenem Zweibeiner, der vor gut drei Millionen Jahren lebte und den die Forscher liebevoll „Lucy“ [5] tauften, weniger unterscheiden als ein Dackel vom Wolf.
Auf unserer Reise in Jirkas Boot werden wir von der Zeit an, da sich die Wege zwischen Mensch und Schimpansen trennten, bis zur Gegenwart an sechs Stellen die Richtung ändern. Mehr nicht.
Sie werden sehen, warum die Natur aus einer angeborenen Wirbelsäulenverkrümmung der aufrechten Gang entwickeln konnte und ein kleiner Gendefekt einen erfolgreichen Jäger entstehen ließ. (…)


[1] Biologischer Name des heutigen Menschen (dt. der weise, weise Mensch)

[2] Bundesgerichtshof, Neue Juristische Wochenschrift 1981, S. 1562)

[3] Wilhelm Meisters Wanderjahre III, 18. Kapitel

[4]

[4] Australopithecus ist die Gattungsbezeichnung für Hominiden, die vor ca. 4.000.000 bis 1.500.000 Jahren in Ostafrika lebten. „Superbus“ (der Überhebliche) ist der Beiname des letzten römischen Königs Tarquinius, der ca. 510 v.Chr. gestürzt wurde. Danach wurde Rom Republik.

[5] Bei„Lucy“ handelt es sich um das Skelett eines weiblichen Exemplars des eindeutig aufrecht gehenden Australopithecus afarensis.

(Gerhard Altenhoff,  Australopithecus Superbus – der Mensch im Licht nichtlinear-dynamischer Evolution)
Und weil die Evolution sich nicht aufhalten läßt, ist 10 Jahre nach dem Verfassen der obigen Zeilen der von mir zitierte Film bei
YouTube als Mehrteiler zu sehen.
Seit der Urfassung meines Manuskripts hat sich auch die nichtlinear-thermodynamische Variante der Evolutionstheorie weiterentwickelt. Seit Februar 2001 gesellte sich Procrustes dem Australopithecus Superbus hinzu, und zwar an dem Tag, als England Kühe Feuer fingen. Taufpate war Tony Blair, der angeordnet hatte, die Maul- und Klauenseuche mit militärischen Mitteln zu bekämpfen…
Australopithecus Superbus Procrustes – Der hochnäsige Südaffe, der sich mit Gewalt alles passend macht.
Vom Standpunkt der Bonobos, man nennt sie fälschlich auch Zwergschimpansen, also aus der Sicht der Bonobos, hat der Mensch grauslich verkrüppelte Ärmchen und noch grauslicher verkrüppelte soziale Instinkte. – Unter diesem Aspekt wäre man fast geneigt, den Menschen in Analogie zu dem „gefürchteten“ Dino Tyrannosaurus Rex (beachte den Kampf zwischen T.-Rex und Stegosaurus in „Reise in die Urwelt“!) – Tyrannopithecus Majestix zu titulieren. – Majestix zu Ehren des 50 Geburtstags der gallischen Saga vom König, der in seinem Dorf eigentlich nix zu sagen hat…
Darwin hatte seinerzeit eine geradezu phantastische Beweisaufnahme hingelegt. Bei der Beweiswürdigung ist ihm allerdings ein Fehler unterlaufen, der zu seiner Zeit unvermeidbar war:
Erstens hatte er das Verhalten menschlicher Züchter in die Natur projiziert, wobei er freilich übersah, daß auch Züchter zuweilen mit Verkrüppelungen ihrer „Opfer“ arbeiteten. – Weder Dackel noch Boxer sind perfektionierte, als bestens angepaßte Wölfe…
Zweitens hat der die soziale Wirklichkeit des viktorianischen Englands, wie Charles Dickens sie beschrieben hatte, ebenfalls in die Natur projiziert. – Allein Dickens’ Weihnachtsgeschichte zeigt, wie gnadenlos der Frühkapitalismus mit den Menschen umsprang, die tatsächlich um ihr Überleben kämpften.
- Tyrannopithecus Majestix Ebenezer Scrooge?
Drittens war Europa im 19. Jahrhundert miltiaristisch durchorganisiert – bis hin in die Arbeitswelt. – Bis heute hat sich dort der „Vorgesetzte“, die „Anweisungsbefugnis“ und eine militaristisch geprägte Hierarchie erhalten. – Wen wundert es da, daß Darwin und seine Nachfolger den militärischen Sprachgebrauch beibehielten, der, wie die Fakten zeigen, nichts aber auch gar nichts mit der Evolution zu tun haben?

In der Welt des Australopithecus ist kein Raum für Rassismus; dieser schrumpft auf die Dimension einer Familienfehde. Denn aus der Sicht des Australopithecus ist auch der „weiße Mann“, diese merkwürdige „Herrenrasse“, nichts anderes als ein verkrüppelter Neger; der „Weiße“ ist unvollständig, weil ihm Hautpigmente fehlen. Die Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palestinensern, zwischen Hutus und Tutsis erscheinen als ins Groteske übertriebener Bruderzwist. – Und damit steht dieser Konfliktherd nicht allein da. – Allerdings, erst wenn diese Erkenntnis Eingang in die Köpfe unserer Mitmenschen gefunden hat, können Schwerter zu Pflugscharen werden.
Damit aber ist in absehbarer Zeit nicht zu rechnen, deshalb wird die Menschheit bis dahin noch einen unermeßlichen Blutzoll zu zahlen haben; für den sind weniger die Völker, umso mehr aber deren Repräsentanten verantwortlich. Dennoch wird die Natur sich nicht aufhalten lassen; nicht einmal die nuklearen Knallfrösche sind in der Lage, alle Menschen zu vernichten.
Auch jene, die da glauben, durch Genmanipulation den perfekten oder zumindest besseren Menschen schaffen zu können, werden eine herbe Enttäuschung hinnehmen müssen. Das, was den Menschen wirklich ausmacht, ist mehr als die Fähigkeit, zwei und zwei zusammenzählen zu können. Es ist ein bunter Strauß von Verhaltensmustern und Fertigkeiten, die sich nicht aufspalten und trennen lassen, ohne sie bzw. das Ganze zu zerstören. Frankensteins Traum wird auf ewig einer bleiben und der perfekte Mensch das Reich der Phantasie nicht verlassen. Dort bleiben aus guten Gründen auch unsere geklonten Politiker und deren Wunschuntertanen. Sie sind da alle auch sehr gut aufgehoben, denn das Reich der Phantasie, das ist die eigentliche Domäne des Menschen, die er mit keinem anderen Lebewesen dieser Erde zu teilen braucht.
Aber all die Phantasten, die solche Vorstellungen hegen, darf man dafür nicht tadeln, denn gerade die Entwicklung der oftmals als blühend gescholtenen Phantasie hat die Menschheit vor dem drohenden kollektiven Kältetod bewahrt.
Damit will ich mein Eingangsplädoyer abschließen, alle Indizien und Beweismittel vorlegen und Ihnen damit ein eigenes Urteil ermöglichen.
Bevor wir in Jirkas Boot von Ortstermin zu Ortstermin reisen, müssen wir uns erst einmal über die Wirkungsweise der Evolution klar werden. Denn immerhin liegen vom Startpunkt unserer Reise aus gerechnet, rund 3,5 Milliarden Jahre Entwicklungsgeschichte der Organismen hinter uns. Nur die letzten fünf Millionen Jahre bereisen wir; das sind nur rund 0,16%. Wir wollen versuchen, in aller Kürze zu ergründen, warum die Schöpfung 99,84% ihrer Zeit bis heute verstreichen ließ, sich selbst die Krone aufzusetzen. – Sie werden sehen, daß die Methoden der Evolution, neuartige Lebewesen zu schaffen, nicht ganz den Vorstellungen ihres Entdeckers entsprechen.

Damit begann die Reise „aus der Urwelt“. – Das Erschreckenste daran waren die letzen 250 Jahre. Sie waren geprägt von der Produktion menschlicher Leichen. Seit dem 4.7.1776, dem Tag, an dem die Menschheit in den globalen Bürgerkrieg einschwenkte, sind durch militärische und paramilitärische Gewalt mehr als eine halbe Milliarde menschlicher Leichen produziert worden. Wozu? Wegen des „Kampfes ums Dasein“? – Nein, aus reiner Überheblichkeit! – Man kann alles im o.e. Manuskript nachlesen…

Aus diesem Grunde ist es nicht so falsch, was am Anfang des Dekalogs gesagt wird:

Ich bin der Herr!

Und die Vorstellung der alten Griechen, Göttervater Zeus schleudere die Blitze zur Erde, ist ebenfalls nicht ganz unrichtig. Denn es ist der 2.Hauptsatz der Thermodynamik, die Trennung elektrischer Ladungen anläßlich eines Gewitters wieder aufhebt. Damit läßt sich das 1. Gebot unschwer in eine physikalische Fassung bringen:
Wer vorsätzlich oder fahrlässig den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik verletzt, mißachtet oder im Einzelfall Für nicht anwendbar erklärt, kann Katastrophen unübersehbaren Ausmaßes für sich und andere bewirken.
Niemand macht uns das Recht streitig, die Wege der Natur zu erforschen. Aber das angemaßte Recht, die Natur zu beherrschen, wird, wenn wir nicht darauf verzichten, uns gnadenlos um die Ohren gehauen.
Das größte Spannungsverhältnis, das der Mensch je auf Erden erzeugt hat, hat er durch Einsperren ungeheurer Energien in die nuklearen Knallfrösche geschaffen. Kehren wir zum Anfang und zum Ohmschen Gesetz zurück: Wie lange können die Isolatoren der nach Entladung drängenden Energie standhalten. Wohlgemerkt, es geht nicht um die Frage, wie lange die Behälter bei guter Pflege halten; der Mensch mit seinen Entscheidungsalternativen ist Bestandteil der „Isolatoren“. Und er ist die entscheidende Schwachstelle im Gesamtsystem. Wie lange kann er die Finger noch weit genug vom „roten Knopf“ weglassen? – Wird es ihm gelingen, Atomwaffen zu delaborieren und das spaltbare Material für uns nutzbringend in Wärme umzurubeln?
Oder wird das eintreten, was anläßlich des „Militärschlags“ der NATO gegen Jugoslawien beinahe eingetreten wäre, demnächst Wirklichkeit:
Der Fehlwurf eines Bombers traf seinerzeit die chinesische Botschaft. Es bedurfte aller nur erdenklichen diplomatischen Anstrengungen, die chinesische Führung davon abzuhalten, dies als „feindseligen Akt“ zu betrachten und die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen.
Der arme Pilot, dem das Malheur passiert war, hatte dem Kaiser von China nur versehentlich „ins Revier gepinkelt“. Die „diplomatischen Kanäle“ waren intakt und haben gehalten. Was aber ist, wenn ein unpassendes „Bächlein“ über keinen diplomatischen Kanal mehr abfließen kann? – Wenn der, dessen Hose naß wird, ähnlich borniert reagiert wie der Präsident der Vereinigten Staaten auf den 11.9.2001?
Im Moment sieht es nicht so aus, als würde die Menschheit in absehbarer Zukunft „Nein!“ sagen das Joch des Krieges abschütteln. Sie wird es selbst dann nicht tun, wenn am Ende des dritten Weltkrieges „der dritte Teil der Menschheit“, also rund zwei Milliarden Menschen dem Verfolgungswahn verkrüppelter Affen zum Opfer gefallen sein werden:

13. Und der sechste Engel blies seine Posaune; und ich hörte eine Stimme aus den vier goldenen Ecken des Altars vor Gott; die sprach zu dem sechsten Engel, der die Posaune hatte: Laß los die vier Engel, die gebunden sind an den großen Strom Euphrat.
15. Und es wurden losgelassen die vier Engel, die bereit waren für die Stunde und den Tag und den Monat und das Jahr, zu töten den dritten Teil der Menschen.
16. Und die Zahl des reitenden Heeres war vieltausend mal tausend, und ich hörte ihre Zahl.
17. Uns so sah ich in dieser Erscheinung die Rosse und die darauf saßen: Sie hatten feuerrote und blaue und schwefelgelbe Panzer, und die Häupter der Rosse waren wie die Häupter der Löwen, und aus ihren Mäulern kam Feuer und Rauch und Schwefel.
18.Von diesen drei Plagen wurde getötet der dritte Teil der Menschen, von dem Feuer und Rauch und Schwefel, der aus ihren Mäulern kam.
19 Denn die Kraft der Rosse war in ihrem Maul und in ihren Schwänzen; denn ihre Schwänze waren den Schlangen gleich und hatten Häupter, und mit denen taten sie Schaden.
20.Und die übrigen Leute, die nicht getötet wurden von diesen Plagen, bekehrten sich doch nicht von den Werken ihrer Hände, daß sie nicht mehr anbeteten die bösen Geister und die goldenen, silbernen, ehernen, steinernen und hölzernen Götzen, die weder sehen noch hören noch gehen können,
21 und sie bekehrten sich auch nicht von ihren Morden, ihrer Zauberei, ihrer Unzucht und ihrer Dieberei.

Da flogen vier Engel los, drei erreichten ihr Ziel. – Johannes knüpft die Reduzierung von vier auf drei zwar an die Erscheinung von Feuer, Rauch und Schwefel an, gönnen wir Johannes jedoch die traumartige Verdichtung seiner Vision:
Das „Feuerroß“ ist eigentlich jedem als die indianische Übersetzung für Dampflokomotive bekannt. Der Rythmus der Auspuffschläge einer Dampflok erinnern in der Tat an das Stampfen und Keuchen eines Pferdes.
Das gilt nicht für ein Düsenflugzeug. Dessen Abgasgeräusch ist mit dem Wort „Brüllen“ nicht unzutreffend beschrieben. Die Geräusche, die ein Pferd erzeugt, sind wohlvertraut und beruhigend. Das Gebrüll des Löwen hingegen ist furchteinflößend. – Für einen Menschen, der nicht weiß, was ein Jet ist, muß daher ein solches „Feuerroß“ einem Löwen gleichen. Egal aus welcher Perspektive er es betrachtet, sein brüllender Lärm löst Angst aus.
Das alles ist selbstverständlich Spekulation, bleibt aber im Gegensatz zu denen Erich von Dänikens auf der Erde. Spekulieren wir also ein wenig weiter, nämlich hinsichtlich des „Dritten Teils“ der Menschheit, der bei dem Anschlag der Engel draufgehen sollte. Aber könnte es sein, daß die Worte des biblischen Urtextes auch mit „dreitausend“ übersetzt werden können. ‑ Dann käme selbst die Zahl der Todesopfer ungefähr hin, und zwei Milliarden Menschen wären aus dem Schneider. Immerhin muß bedacht werden, daß nicht alle Visionäre kühl kalkulieren.
Die Offenbarung des Johannes läßt überdies offen, ob tatsächlich am Ende der dritte Teil der Menschheit vernichtet wird oder ob ex nur eine Risikobeschreibung ist; bislang jedenfalls hat Johannes zu 100% recht mit seiner Feststellung:
20.Und die übrigen Leute, die nicht getötet wurden von diesen Plagen, bekehrten sich doch nicht von den Werken ihrer Hände, daß sie nicht mehr anbeteten die bösen Geister und die goldenen, silbernen, ehernen steinernen und hölzernen Götzen, die weder sehen noch hören noch gehen können,
21 und sie bekehrten sich auch nicht von ihren Morden, ihrer Zauberei, ihrer Unzucht und ihrer Dieberei.

Schaut man sich die Streitmacht an, die gegenwärtig am persischen Golr zusammengezogen wird, so muß man Johannes auch darin beipflichten, ohne ihn vorerst auf die genaue Zahl festzunageln, denn niemand kann voraussagen, welche Folgen ein „Militärschlag“ haben wird:

16. Und die Zahl des reitenden Heeres war vieltausend mal tausend, und ich hörte ihre Zahl.
Wie auch immer man die Offenbarung des Johannes auslegen will, was immer auch in Zukunft geschehen mag: die drei Prinzipien der Evolution, nämlich Kommunikation, Kooperation und Harmonie werden den Menschen nicht aus ihren Fängen herauslassen.
Die Wiederherstellung der weltweiten ungestörten Kommunikation zwischen den Menschen nahm vor wenigen Jahren erst seinen Anfang und explodiert als Internet über den Planeten. Diese Art der Verständigung ist freilich anders geartet als zu Zeiten des Neandertalers, dafür um ein Vielfaches effizienter. Hoimar von Ditfurth würde angesichts des Internet zu einer ähnlichen Frage gelangen wie in seinem oben zitierten Aufsatz: „Manchmal wüßte man gerne, wer das Ganze programmiert.“
Damit ist der einzig gangbare Weg, den die Menschheit in Zukunft gehen kann, in groben Umrissen durch unsere Geschichte vorgezeichnet. Die Alternative ist der kollektive Untergang. Discovery sitzt an einem Gabelungspunkt auf Grund, aber sie wird wieder flott werden, denn erneut ist es nicht die Wissenschaft, die den Wegweiser bereithält, sondern die Kunst des Geschichtenerzählens:
Neben uralten Mythen erzählen auch moderne Drehbuchautoren ewige Wahrheiten. Dazu zählt der englische Drehbuchautor und Regisseur Val Guest, der 1963 den Film „Der Tag, an dem die Erde Feuer fing“ produzierte.

Der Plot des Films ist simpel: Amerika und Rußland hatten in der Nähe der Pole durch zufällig gleichzeitige Zündung von Wasserstoffbomben den Planeten aus der Umlaufbahn geworfen. Die Politik versuchte das zu vertuschen, die Presse deckte es auf. Am Ende versuchte man, mit Wasserstoffbomben den Fehler zu korrigieren. Ob das gelang, läßt der Film offen.
In der Schlußsequenz läßt der Guest seinen Protagonisten durchs Telefon diktieren:
»Wir hatten den Wind gesät, jetzt haben wir den Sturm geerntet. Vielleicht wird er in wenigen Stunden die Erinnerung an das Vergangene und die Hoffnung auf die Zukunft ausgelöscht haben. Dann werden alle Werke des Menschen von dem Feuer verschlungen, das er selbst entfacht hat.
Aber vielleicht ist im Herzen des Feuers eine unfaßbare Kraft verborgen, die mehr zu seiner endgültigen Rettung beitragen wird, als er es selbst je konnte.

(Einblendung alternativer Schlagzeilen: „Wird die Welt gerettet? – Die Menschheit betet.“ – „Ist die Welt zum Untergang verdammt? – Die Menschheit betet.“)
Und sollte dem Menschen noch eine neue Zukunft gegeben sein, dann wäre es an der Zeit, daß er seinen erbarmungslosen Stolz und sein Streben nach Macht vergißt. Dann muß er an die Stelle all dessen die Liebe setzen. Vielleicht darf er dann eines Tages wieder sagen „wie schön ist doch das Licht!“ – und seine Augen zur Sonne erheben.«
Ersetzen Sie einfach das Wort „Liebe“ durch religio. – Dann haben Sie das Ziel unserer Reise erreicht, von dem auch ich zu Beginn nicht ahnte, daß es überhaupt existiert.

Jirkas Boot wurde nach dem 11. September von mir in Discovery umgetauft. Das englische Wort Dicovery, übersetzt man es ins Altgriechische, taucht dort als Apokalypse wieder auf: Entschleierung. – Kein Weltuntergang. – Und zumindest der Trailer von „The Day the Earth Caught Fire“ ist bei YouTube zu bestaunen…
Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Altenhoff
Bismarckstr.40
41542 Dormagen
Tel 02133 97 30 29

WELT ONLINE.


Zivildienst vor dem Aus? | tagesschau.de

November 4, 2009

Zivildienst vor dem Aus? | tagesschau.de.

Brauchen wir „Zivildienst“ oder brauchen wir nach rund 6000 Jahren eine Reformation der „Politik <!– @page { margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } –>“?:

<!– @page { margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } –>

Politik ist das Organisieren der Erledigung von Gemeinschaftsaufgaben.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Auf diese Begriffsbestimmung haben mich übrigens die Kno­chen der Neandertaler gebracht, die der Planet fre­undlicherweise für uns konserviert hatte. Eine Reihe der geborgenen Skelette und Skelettreste gehört zu Individuen, die man heute als „Pflege­fall“ einstufen würde. Neandertaler kannten noch keine Pflegever­sicherung, dennoch wurden sie bis ans Ende ihrer Tage von der „Allge­meinheit“ der Horde offenbar rührend umsorgt. Der Neandertaler kannte weder Kranken- noch Renten- noch Pflegeversicherung. Er hatte sie nicht, weil er sie ein­fach nicht brauchte! – Sie glauben das nicht? – Dann lassen Sie sich einfach überraschen:


Die Neandertaler müssen deutlicher als alle anderen Geschöpfe vor ihnen empfunden haben, wie kostbar ein Leben ist, denn auf der fundamentalsten Ebene sind Begräbnisriten gleichbedeutend mit dem Wunsch, das Menschliche zu bewahren. Das Begraben besagt, daß irgendein wesentlicher Teil des menschlichen Lebens – man mag es Geist oder Seele nennen   nicht zerstört werden kann, son­dern nach dem Tode irgendwo anders in irgendeiner anderen Form weiterexistiert.

Dieser zunehmende Sinn für den Wert des Lebens spiegelt sich nicht nur in den Begräbnisriten der Neandertaler, sondern auch in ihrer Fürsorge für alte und behinderte Menschen. So war zum Bei­spiel der Mann von La Chapelle-aux-Saints längst über die besten Mannesjahre hinaus, als er starb. Sein Skelett läßt erkennen, daß er unter Arthritis litt und unmöglich noch an Jagden teilnehmen konnte. Selbst das Essen muß ihm schwergefallen sein, da er alle Zähne bis auf zwei verloren hatte. Hätte er zu einer früheren Zeit gelebt, hätte man ihn wahrscheinlich ausgesetzt und verhungern las­sen, nachdem er für die Gruppe nicht mehr von Nutzen war. Aber die Neandertaler ließen sich an­scheinend nicht von einer derart grausamen Logik leiten. Die Gefährten dieses Mannes versorgten ihn selbstlos mit Essen, vielleicht kauten sie es ihm sogar vor.

Auch die Funde von Shanidar lassen vermuten, daß die Neandertaler für Behinderte sorgten. Einige der dort gefundenen Knochen gehören einem 40jährigen Mann, der vermutlich durch Steinschlag getötet wurde. Die Untersuchung seines Skeletts ergab, daß ihm vor dem tödlichen Unfall nur ein Arm zur Verfügung gestanden hatte. Der rechte Arm und die Schulter waren verkümmert – vermut­lich ein angeborener Defekt. Trotz dieser erheblichen Behinderung erreichte er ein für einen Nean­dertaler hohes Alter. Seine Vorderzähne sind ungewöhnlich stark abgenutzt, was darauf hindeutet, daß er einen großen Teil seiner Zeit damit verbrachte, Tierhäute weichzukauen, damit sie als Klei­dung verwendet werden konnten, oder daß er seine Zähne anstelle des fehlenden Arms zum Festhal­ten von Gegenständen benutzte. (…) Auch der ursprüngliche Neandertaler aus Deutschland hat eine schwere Verletzung überlebt, sich allerdings nicht gut von ihr erholt: Die Knochen seines linken El­lenbogens waren so deformiert, daß er nicht imstande war, die Hand zum Mund zu heben; ob Mensch oder Tier für diese Verletzung verantwortlich war, läßt sich nicht feststellen (George Con­stable, Der Neandertaler, 1979, S. 101f)


Diese Feststellungen machen doch erschreckend deutlich, daß während der Eiszeit Kranke und Be­hinderte offensichtlich einen Stellenwert hatten, den man sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts ei­gentlich nur wünschen kann.

Es ist nicht anzunehmen, daß der Neandertaler die Fürsorge für Kranke und Behinderte erfunden hat. Angesichts seiner Lebensbedingungen hätte man aus heutiger Sicht eher das Gegenteil erwartet. Allein deswegen ist die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, daß bereits die frühesten Formen des Menschen ihre kranken und behinderten Gruppenmitglieder nicht einfach ihrem Schicksal über­ließen, sondern sich vielmehr ebenso intensiv wie um ihren Nachwuchs kümmerten.

Weil das so war und weil der heutige „Staat“ nicht einmal seine zum Krüp­pel geschossenen Solda­ten angemessen versorgt, finden wir die „eigentlichen“ Staatsaufgaben eher im Katalog der „ver­sicherbaren Risiken“ als im Grundgesetz.


Adieu homo sapiens

Oktober 19, 2009

Wenn ich „Ardi“ mit „Angie“ vergleiche, kann ich mich eines kräftigen Lachens nicht erwehren.

„Ardi“, die sympathische Dame aus vergangener Zeit auf der einen Seite – auf der anderen Seite die typische Vertreterin des Australopithecus superbus Procrustes. – Fast bin ich geneigt, diese Namensgebung ad acta zu legen und die gegenwärtige Form des Menschen in Tyrannopithecus umzutaufen:

von Mensch zu Mensch

von Mensch zu Mensch

Nun aber Spaß beiseite: Die im ersten Teil angesprochene „kraniale Flexur“ hat mich nicht losgelassen. Also begab ich mich in die Düsseldorfer Universitätsbibiliothek und wollte die Tabelle sehen, die mir seit mehr als 30 Jahren im Kopf herumspukte. – Das ermöglicht uns, die anatomische „Nähe“ von „Ardi“ zum „modernen“ Menschen näher zu bestimmen ( Keine Ahnung, warum der rechte Rand der Tabelle in der Anzeige nicht in eine Spalte zu kriegen ist – Sorry!):

Beibehaltung der kranialen Flexur:                                           ja

Langer, schlanker Hals:                                                                  ja

Vorgerückte Position des Foramen Magnum:                      ja

Orbita unter der kranialen Kavität:                                           ja

Flachheit des Gesichtes:                                                              nein

Verzögerte Schließung der kranialen Nähte:                         ?

Beträchtliches Gehirnvolumen:                                               nein

Kleines Gesicht und großer Schädel:                                         ?

Rundköpfigkeit:                                                                                  ?

Kleine Zähne:                                                                                      ja

Später Durchbruch der bleibenden Zähne:                            ?

Fehlen des Augenbrauenwulstes:                                               ?

Fehlen der kranialen Leiste:                                                        ja

Dünne Schädelknochen:                                                                 ?

Kugelförmigkeit des Schädels:                                                 nein

Haarlosigkeit des Körpers:                                                        nein

Fehlen der Hautpigmente bei manchen Rassen:              nein

Dünne Nägel:                                                                                      ?

Fehlende Rotation der großen Zehe:                                    nein

Inkomplette Rotation des Daumens:                                    nein

Verlängerte Abhängigkeit der Jungen:                                  ?

Verlängerte Wachstumsperiode:                                             ?

(Tabelle nach Jonas & Jonas, Signale der Urzeit, 1977, S. 67)

Daß nur sechs der neotenen Merkmale, die den „Menschen“ vom „Affen“ unterscheiden, bei „Ardi“ ein eindeutiges „Ja“ tragen, liegt daran, daß das Gros der übrigen Abgrenzungskriterien erst später entstand:

Die Füße konnten erst in der Savanne die heutige Form der Laufsohle annehmen, nachdem sie von der „Last des Kletterns“ befreit waren. – Der menschliche Fuß näherte sich, wie die Neotenie nahelegt, sich wieder dem „klassischen“ Bild des unspezifizierten Sohlengängers an, wie man ihm u.a. beim Bären heute noch vorfindet. – Freilich wurde der menschliche Fuß zum Laufen auf nur zwei Beinen „perfektioniert“.

Die Hand, vom Zwang zum Hangeln befreit, konnte „frei“ zu der Greifhand mit opponierbarem Daumen mutieren, wie wir ihn heute noch haben.

Alle übrigen neotenen Merkmale des menschlichen Körpers kann die nichtlinear-thermodynamsiche Variante der Evolutionstheorie unschwer erklären. – Mit Ausnahme der Haut sind sie sind keine spezifische Anpassung an einen „bestimmten“ Lebensraum, sie sind einfach in dem Lebensraum, den „Ardi“, „Lucy“ und wir bevölkern, einfach „zugelassen“ – ohne jede Wertung.

Ich muß gegenüber meinem letzten Beitrag eine Korrektur einfügen, denn „Signale der Urzeit“ kann nicht vor 1977 zu mir gekommen sein. Der Irrtum im Datum liegt wohl darin begründet, daß das „Begleitbuch“ auf dem Gabentisch tatsächlich das „Mannheimer Forum 72“ war. – Man sehe es mir nach.

Immerhin verblüffte mich auch nach 32 statt nach 37 Jahren die Lektüre des Kapitels „Die Entwicklung des Neotenie-Konzepts“. – Die ersten Ansätze entstanden bereits sieben Jahre nach Darwins „Entstehung der Arten“. Karl Ernst von Baer hatte schon 1866 im Bulletin der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften eine Abhandlung über „Padogenesis“ veröffentlicht. 1883 tauchte erstmals der Begriff „Neotenie“ auf; das Phänomen war bekannt, aber niemand wußte es recht zu deuten. Deshalb geisterten Begriffe wie „Protogenese“, „Fötalisation“ oder „Bradygenese“ durch die wissenschafliche Literatur, ohne jedoch bei denen, die es anging, nähere Beachtung zu finden. – Im Laufe des frühen 20. Jahrunderts ging es weiter mit „Neomorphose“ „Protrogenese“ oder „Paedomorphose“ ( Jonas & Jonas aaO, S. 65ff).

Das Phänomen der Erhaltung „verkrüppelter“ Strukturen bei lebenden Organismen paßte und paßt nicht in das Konzept der „klassischen“ Evolutionstheorie. Deswegen wurde und wird das „Neoteniekonzept“ in der darwinistischen, neodarwinistischen und vor allem in der sozialdarwinistischen Diskussion totgeschwiegen.

Dank „Ardi“ dürfte sich die „wissenschaftliche Omerta“ – das Gesetz des Totschweigens unliebsamer Erkenntnisse, auch im Biologieunterricht der Zukunft in Luft auflösen. – Ein Phänomen, das nicht einmalig in der Wissenschaftsgeschichte ist. Man denke nur an die Plattentektonik in der Geologie. Alfred Wegener wurde von der „Fachwelt“ verlacht, als er 1916 das Wandern der Kontinente postulierte. 60 Jahre später mußten die Geologen den Hut vor ihm ziehen.

Noch länger wird Ludwig Bolk (1866-1930) auf den Durchbruch seiner Erkenntnisse warten müssen. Die o.a Liste hatte Bolk erstellt. Hierzu bemerken Jonas & Jonas, daß die Beibehaltung der kranialen Flexur für Bolk von besonderem Interesse gewesen sei, eben weil sie sich bei den Föten aller Säuger und der meisten übrigen Wirbeltiere findet; mit Ausnahme des Menschen finde in den lezten Monaten der intrauterinen Entwicklung eine Rotation des Kopfes statt, wodurch die Richtung der Körperachse sich in der Richtung der Kopfachse fortsetze, wie beispielsweise beim Hund; beim Hund seien sowohl die Sehachse als auch die Körperachse horizontal. (Jonas & Jonas aaO, S. 67f)

„Der Säugling des Menschenaffen“, so schreiben Jonas & Jonas wörtlich, „muß seinen Kopf aufrecht halten wie der Mensch; daher findet man das Foramen Magnum beim neugeborenen Menschenaffen in zentraler Position. Die Rückwärtsbewegung des Foramens beginnt zur Zeit der Beendigung der Saugperiode, während der Mensch dieses infantile Merkmal beibehält.“ (Jonas & Jonas aaO, S. 69)

Daß ich „Signale der Urzeit“ bei Abfassung meines Manuskripts nicht zur Hand hatte, können Sie unschwer daran erkennen, daß ich es mir am unteren Ende der Wirbel“säule“ hätte einfacher machen können:

„“die pubische Flexur, in der die Sexualorgane und das Rektum eingeschlossen sind, ist beim Embryo nach vorne gerichtet. Bei allen anderen Säugern rotieren diese Strukturen, bis sie sich parallel zu der Wirbelsäule eingerichtet haben. Beim erwachsenen Menschen aber ist die embryonale Richtung beibehalten, wodurch die Vaginalöffnung nach vorn gerichtet ist. Die menschliche Eigenheit der ventralen Position beim Geschlechtsverkehr ist daher mit der neotenen Morphologie der Schamregion verbunden.“ (Jonas & Jonas aaO)

Diese Feststellung könnte schon fast wieder zum Schmunzeln anregen. Denn berücksichtigt man das Sexualverhalten der Bonobos, so ist es durchaus vorstellbar und macht es wahrscheinlich, daß das Sexualverhalten die Kompensation der Wirbelbogenverkrümmung am unteren Ende des Wirbelbogens nicht unerheblich beschleunigte. – Die Evolution geht manchmal seltsame Wege, aber kaum den des „Kampfes ums Dasein“. – Da lag Darwin voll daneben.

Und die Biologen, die seit Carl von Linné versuchen, den Ursprüngen des „Homo Sapiens Sapiens“ auf die Spur zu kommen, laufen in die Irre. „HSS“ gab und gibt es nicht. Die Gattung „Homo“ existiert nicht. Wir sitzen mit „Ardi“, „Lucy“ und „Angie“ in einem Boot. – Wir unterscheiden uns von „Ardi“ weniger als ein Labrador vom Dackel.

Wenn wir unserer „Gestalt“ schon einen eigenen Artbegriff zulegen wollen, dann kann er – angesichts der „Produktion“ von gut und gern(?) einer halben Milliarde menschlicher Leichen in den letzten 250 Jahren durch „militärische“ Gewalteinwirkung – sicherlich nicht HOMO SAPIENS SAPIENS lauten.

Wie eingangs erwähnt:

Fast bin ich geneigt, auch die Namensgebung „AUSTRALOPITHECUS SUPERBUS PROCRUSTES“ ad acta zu legen und die gegenwärtige Form des Menschen in Tyrannopithecus Caesar umzutaufen.


Sind wir nicht alle Urmenschen? – Nachrichten WELT am SONNTAG – WELT ONLINE

Oktober 9, 2009

Sind wir nicht alle Urmenschen? – Nachrichten WELT am SONNTAG – WELT ONLINE.

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Aus meinem Leserbrief vom 29.4.2004:

Nach meinen tatsächlichen Feststellungen sind wir von unseren Vorfahren, die vor rund fünf Millionen Jahren in Ostafrika lebten, nicht einmal so weit „entfernt“ sind wie mein Labrador vom Wolf.

Das war mit einer der Gründe, warum ich die hochtrabende Selbstbeweihräucherung des homo sapiens sapiens (Weisheit im Doppelpack!) verwerfen mußte und die Artbezeichnung Australopithecus superbus Procrustes wählte: Der überhebliche Südaffe, der sich mit Gewalt alles passend macht.

(…)

Wann hört der Mensch eigentlich auf, Tieren Eigenschaften anzudichten, die allein den Umgang der Menschen miteinander betreffen. Der „Weltbürger und Fischdieb“ Fischadler kann kein „Dieb“ sein, weil der die dieser Bewertung zugrundeliegenden menschlichen Verhaltensmuster nicht kennt und nicht kennen kann. Fischadler haben Fische aus dem Wasser gezogen lange bevor Menschen Gewässer zu ihrem Eigentum deklarierten.

(…)

Der Staat läßt länger arbeiten. Wer oder was ist „der Staat?“ Seit rund 6.000 Jahren ist „der Staat“ ein parasitäres Phänomen. In Europa hatte dieses Phänomen seine Blütezeit zur Zeit des Absolutismus (L’Etat c’est moi). Der Absolutismus rettete sich in Form der „öffentlichen Haushalte“ in die Moderne hinüber. „Der Staat“ läßt jetzt nur seine unmittelbar Bediensteten länger arbeiten. Alle anderen, die ohnehin schon unentgeltlich, aber nicht „ehrenamtlich“ für ihn tätig sind, müssen allein aufgrund der Steuerlast länger und härter arbeiten. Wie nennt man jemanden, der andere für sich arbeiten läßt, ohne sie zu bezahlen? – Sklavenhalter. Aus diesem Grunde sind Tabakhändler, Tankstellenpächter und eigentlich alle Arbeitgeber und Gewerbetreibenden offensichtlich Sklaven. Sie kassieren für „den Staat“ beim „Steuerschuldner“ die Steuer, ohne für das Inkasso eine angemessene Vergütung zu erhalten.

(…)

Mit freundlichen Grüßen


Evolution: Sensationsfund „Ardi“ war nicht Affe, nicht Mensch – Nachrichten Wissenschaft – WELT ONLINE

Oktober 8, 2009

Evolution: Sensationsfund „Ardi“ war nicht Affe, nicht Mensch – Nachrichten Wissenschaft – WELT ONLINE.

„Ardi“ war eindeutig und zweifelsfrei Mensch. Das erkennt man sofort an der „kranialen Flexur“, dem fast rechten Winkel zwischen der Wirbelsäulenachse und dem Blickwinkel. – Die „kraniale Flexur“  ist so einmalig wie die menschliche Sprache; und auch die ist so einmalig wie der Rüssel des Elefanten. – Der Rüssel asiatischer Elefanten unterscheidet sich kaum von dem eines afrikanischen. Aber die Tiere, die an den jeweiligen Rüsseln hängen, unterscheiden sich in ihrem Verhalten erheblich voneinender. Der Afrikaner ist kaum zu zähmen. – Darin unterscheidet der sich wiederum nicht vom Zebra, das auch nichts anderes zu sein scheint als ein Pferd in Sträflingskleidung…

Das von Carl von Linné entwickelte System der „Arten“ ist so in der Natur nicht verwirklicht. Mit Kant und Leibnitz sollten wir eher von „Erscheinungen“ reden. Die Grenzen sind fließend. Das kann nicht anders sein, denn die Evolution ist nichtlinear-thermodynamisches System, das sein „Gesicht“ unablässig verändert. – Wenn Sie Ihr eigenes Gesicht betrachten, werden Sie das bestätigen können. -Die Differenz zwischen zwei Bildern wird Ihnen zwar beim täglichen Blick in den Spiegel nicht auffallen. Aber wenn Sie alte Photos betrachten, ist der Unterschied von früher zu heute beachtlich. – Oder?

Sie unterliegen einem beständigen Gestaltwandel, das werden Sie nicht leugnen wollen. – Nach Haeckels biogenetischer Grundregel gleichen sich die Verhältnisse. Individualentwicklung und Stammesgeschichte haben das gleiche Gesicht. – Stimmt.

Der Grund ist einfach: In der Entwicklung des einzelnen Organismus schreitet die Evolution den von ihr vor Jahrmilliarden eingeschlagenen Pfad immer wieder auf’s neue ab. Stur und erfolgreich. Pannen inbegriffen.


» Jonas Edition

Oktober 7, 2009

» Jonas Edition.

Yeah! That’s it!

Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts bekam ich das Buch „Signale der Urzeit“ von J0nas und Jonas geschenkt. – Mein Exemplar ist mittlerweile verschollen. Aber was mir trotzdem über all die Jahre im Gedächtnis war: Das Neoteniekonzept und die Liste der neotenen Merkmale unseres Körpers. – Jetzt wurde das Buch neu aufgelegt. – Fein gemacht.


„Ardi“, „Lucy“ und „Angie“ – Wir bleiben, wer wir waren

Oktober 7, 2009

Quelle: Rheinische Post vom 3.10.2009
Quelle: Rheinische Post vom 3.10.2009

In ihrer Ausgabe vom 3.10. 2009 rätselt die RHEINISCHE POST auf ihrem Titelblatt mit der „ganzen Welt“ über Urfrau Ardi. – Auf Seite A 8 teilt die RHEINISCHE POST dann mit, daß Ardi bereits aufrecht gehen konnte. – Nun gut, das abgebildete Skelett Ardis läßt den Schluß darauf ohne weiteres zu.

Sie ähnelt, wen wundert es, der weltbekannten „Lucy“.

Verblüfft hat mich dann doch der Hinweis des Autors Ludwig Juvanovic, daß Ardi bereits den Schädel auf der Wirbelsäule „balancierte“, während bei Affen das Rückgrat direkt am Hinterkopf  endet. -

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen und ich hätte mir in das untere Ende meiner Wirbel-“säule“ beißen können: Verdammt nochmal! – Jedes Menschenaffenkind beherrscht das „Balacieren“ seines Schädels auf der Wirbelsäule, weil der Winkel, den seine Schädelbasis zur Wirbelsäule bildet, exakt dem des Menschen entspricht. – Das entscheidende anatomische Merkmal, das den „Menschen“ ausmacht und ihn von Schimpansen, Bonobos, Orang-Utans und Gorillas scheidet, sitzt uns buchstäblich im Nacken. – Die „kraniale Flexur“ war für mich jedoch so selbstverständlich, daß ich sie als kontituierendes Element für das Menschsein einfach übersehen hatte. Zwei andere anatomische Anomalien des menschlichen Körpers wären hinreichend gewesen, die Entwicklung des „aufrechten Gangs“ zu rechtfertigen, aber die „kraniale Flexur“ war die wohl notwendige Bedingung. Aber fangen wir mit der „Wirbelsäule“ an. Ich darf zitieren aus „Australoptithecus Superbus – Der Mensch im Licht nichtlinear-dynamischer Evolution“ (S. 63ff) denn Evolution ist alles andere als „das Überleben des Tüchtigsten“,  sie ist vielmehr:

Die Stunde der Krüppel.

Discovery treibt gemächlich den Fluß des Lebens hinab und begleitet den letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse. Langsam wird die erste Gabelung sichtbar, ein Graben tut sich auf:

Bis vor etwa 5 Mio. Jahren war Afrika von der West- bis zur Ostküste von Wald bedeckt. Danach veränderte der Planet die Lebensbedingungen im östlichen Afrika. Die ostafrikanische Senke, das Rift-Valley, begann, nach und nach den Kontinent zu teilen . Das Rift-Valley ist der Grabenbruch, der vermutlich dereinst Afrika auseinanderreißen wird.  Während westlich des Rift-Valley keine wesentliche Veränderung eintrat, änderte sich östlich des Grabenbruchs das Klima. Die Wälder verschwanden allmählich und machten einer ausgedehnten Savanne Platz.

Westlich des Rift-Valley blieben unsere baumbewohnenden Verwandten vorherrschend. Für deren Verwandte im Osten Afrikas wurden die Lebensbedingungen naturgemäß immer problematischer. Mit dem langsamen Waldsterben schrumpfte auch der Lebensraum für Baumhangler. –

Wie aber konnten Lebewesen, die an ein Leben in den Bäumen gewohnt waren, in die Savanne vordringen und warum haben sie in diesem Zusammenhang den aufrechten Gang erworben?

An dieser Stelle müssen wir uns vor Augen halten, daß es eine Reihe von Affen gibt, die ebenfalls in der Savanne zuhause sind, beispielsweise der Pavian. Im Gegensatz zum Menschen läuft der Schimpanse grundsätzlich auf vier Beinen.

Wenn wir in der Geschichte der Organismen blättern, stellen wir zudem fest, daß der Mensch nicht das erste Lebewesen ist, daß die zweibeinige (bipede) Lebensweise angenommen hat. Vögel laufen auf zwei Beinen, Känguruhs laufen bzw. hüpfen auf zwei Beinen, Hasen ebenso. Fledermäuse sind zwar nicht gut zu Fuß, aber ebenfalls Zweibeiner. Bei Dinosauriern, von denen unsere Vögel ja abstammen, war bipede Lebensweise ebenfalls gang und gäbe. Der bekannteste Vertreter ist Tyrannosaurus Rex, der Gigant mit dem Riesenschädel und der lächerlichen Ärmchen. – Eben die Arme des T. Rex geben uns einen Hinweis. Bei bipeden Dinosauriern waren die Vordergliedmaßen verkrüppelt. Aus diesen Verkrüppelungen gingen die Flügel der Vögel hervor und auch die Schwingen der  Flugsaurier, die denen der Fledermäuse verblüffend ähneln. Hasen haben verkürzte Vorderbeine, Känguruhs auch. Allen gemeinsam ist aber nach wie vor die Form der Wirbelsäule. Sie gleicht denen aller andern Landwirbeltiere:

Landwirbeltiere haben eine bogenförmige Wirbelsäule. – Der Begriff „Wirbelsäule“ trifft eigentlich nur auf den Menschen zu. Bei Landwirbeltieren von „Wirbelbogen“ oder „Wirbelbrücke“ zu sprechen, wäre zutreffender. (64) Nun haben wir aus dem Biologieunterricht behalten, daß der Mensch eine doppelt S-förmig gebogene Wirbelsäule hat, die die Belastungen durch den aufrechten Gang optimal abfedert. Die V- förmige Ausrichtung derOberschenkelknochen dient ebenfalls der optimalen Gewichtsverteilung.

Soweit die von Generation zu Generation kolportiere Legende von der perfekten Anpassung.

Wie sieht es in Wahrheit aus? – Immer mehr Menschen haben Probleme mit den Bandscheiben. Der Meniskus, ein Knorpelstück im Kniegelenk, das die Last des Körpers auf die geraden „Stempel“ der Unterschenkel verteilt, ist gegen Verschleiß sehr anfällig. Wahrscheinlich ist die hohe Anfälligkeit des menschlichen Skeletts gegen Abnutzungserscheinungen in früheren Zeiten nicht so sehr aufgefallen, weil die Menschen nicht so alt wurden wie heute.

Ich weiß nicht mehr, wo ich den Satz gelesen habe. Da es mir nicht liegt, mich mit fremden Federn zu schmücken, zitiere ich ihn trotzdem: „Wäre der liebe Gott allmächtig, hätte er dem Menschen statt der Wirbelsäule eine Spiralfeder eingebaut.“

Betrachten wir die menschliche Wirbelsäule ein wenig näher. Drehen wir sie einmal um 90 Grad in die Horizontale und vergleichen wir sie mit der Wirbelsäule aller anderen Landwirbeltiere.

Um 90° verdreht und auf die für Landwirbeltiere übliche Wirbelbrücke projiziert, vermittelt die menschliche Wirbelsäule im unteren Brust- undim Lendenbereich einen geradezu „eingefallenen“ und damit verkrümmten,  verkrüppelten Eindruck.

Stellen wir uns einen baumbewohnenden Affen vor, bei dem ein genetischer Defekt im Jugendalter dazu führt, daß seine Wirbelsäule sich zum Bauch hin verkrümmt. Welche Chance hätte er, sich erfolgreich fortzupflanzen? – Nach der klassischen Evolutionstheorie keine, denn die Mutation ist ja nachteilig.

Aus der Sicht einer als laminar begriffenen Evolution ist eine derartige Mutation nur vordergründig nachteilig. Die Vermehrungsmöglichkeiten derart verkrüppelter Lebewesen wird durch die selektive Impedanz, dieden Lebensraum und die ökologische Nische der Art definieren, stark eingeschränkt. Als Baumhangler im Wald werden die Träger dieser Anomalie erhebliche Probleme gehabt haben. Dennoch, unsere eigene Wirbelsäule ist der Beleg dafür, ist ein solcher genetischer „Defekt“ immer wieder aufgetreten.

Vor fünf Mio. Jahren erlebten unsere Vorfahren eine Art Klimakatastrophe. Der Lebensraum für waldbewohnende Baumhangler schrumpfte im Laufe der Zeit dramtisch.

Könnte sich der Nachteil einer verkrüppelten Wirbelsäule unter veränderten Lebensbedingungen in einen Vorteil verwandelt haben?

Das setzt voraus, daß die Fortpflanzungschancen eines derart benachteiligten Wesens nicht mehr annähernd Null waren.

(65) Nun vollzog sich der Übergang vom Regenwald zur Savannenlandschaft nicht ruckartig, sondern allmählich. Junge Bäume konnten mangels Wasser nicht mehr nachwachsen, die alten starben nach und nach ab. In den dadurch freiwerdenden Lebensraum sickerten zunächst Pflanzen ein, denen Pflanzenfresser folgten. Diese wiederum lockten nach und nachdie Fleischfresser an. – Die Natur folgte auch hier dem immer gleichbleibenden Muster der Besiedlung.

Unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, sind keine Nahrungsspezialisten, wir sind es auch nicht. Unsere gemeinsamen Vorfahren konnten es daher ebenfalls nicht gewesen sein. Aus diesem Grunde waren sie in der Lage, ihr Futter auch im offenen Gelände zu suchen. In den frühen Savannentagen, als es dort erst wenige andere Pflanzenfresser gab, war auch die Gefährdung durch die ihnen folgenden Raubtiere sehr gering.

Freilich steht dem Nahrungserwerb eines Waldbewohners in der Savanne ein nicht zu unterschätzender Widerstand entgegen. Dieser ist im Organismus selbst zu finden und heißt Angst. Angst ist eine körperliche Reaktion auf tatsächliche oder vermeintliche Gefahren. Sie setzt vor allem Adrenalin frei, das Hormon, das den Organismus auf die Reaktionen Kampf oder Flucht vorbereitet. Alle bekannten Wirbeltiere erleben ungewohnte Situationen als Bedrohung; das ist sinnvoll, weil Unbekanntes lebensgefährlich sein kann. Diese Schwelle galt es für unsere Vorfahren zu überwinden, wenn sie den Wald und damit ihre gewohnte Umgebung verlassen wollten. Nun gibt es innerhalb jeder Art Individuen, die ängstlicher sind als der Durchschnitt, aber auch Vertreter, die sich vom Durchschnitt durch mehr Mut unterscheiden. An diesem Ende des Spektrums sind diejenigen unserer Vorfahren zu finden, die sich als erste in das offene Gelände vorwagten. Sie stießen bei der Nahrungssuche zunächst einmal auf wenig Konkurrenz und ein niedriges Gefährdungspotential. Nach und nach, wohl über Generationen hinweg, zogen die ängstlicheren Vertreter der Art nach.

Wer aber gilt als der mutigste Artgenosse? – Wahrscheinlich der, der dieGefahrensituation als lustvoll erlebt. Das Lusterlebnis als Gegenspieler der Angst. In einem „intakten“ Ökosystem, in dem das Zusammenspiel von Fressen und Gefressenwerden eingependelt ist, bedeutet Lustgewinndurch Angst den frühen Tod. – Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin  um.

Nicht so unsere Vorfahren. Sie trafen bei ihren Ausflügen unter den freien Himmel nur wenig reale Gefahren für Leib und Leben an. Das muß so gewesen sein, denn die Lust an der Gefahr hat sich bis zum heutigen Tage in unserem Erbgut erhalten. Das können Sie beim Zappen durch die Sender leicht feststellen. Actionfilm hier, Kriegsfilm da, auf Kanaldrei und fünf je ein Western; nach dem nächsten Werbeblock folgt dann ein Horrorfilm.- Allen gemeinsam ist, daß sie Bedrohung und die Gefahr für Leib und Leben des Protagonisten zum Thema haben. Von der Odyssee bis zu den Romanen von John Grisham und Stephen King finden Sie über die Jahrtausende kontinuierlich die Schilderung von Gefahrensituationen in den Bestsellerlisten. Aber nicht nur Filmindustrie und Verla- (66)ge verdienen gut am Spaß mit dem Schrecken. Kein Jahrmarkt ohne Achterbahn, und die Geisterbahn darf auch nicht fehlen. Der zivilisierte Mensch gibt sehr viel Geld dafür aus, Angst lustvoll erleben zu dürfen.

Auch in der alltäglichen Realität ist Selbstgefährdung gang und gäbe. Expeditionen in unbekannte Gegenden, Bergsteigen und Skirennen, Fallschirmspringen und Bungeejumping. – Diese Aufzählung ist keineswegs vollständig, es sind nur Beispiele für all die Situationen, in denen sich Menschen bewußt einer Gefahr aussetzen. Ohne diese Neigung wäre die Menschheit allerdings keinen Schritt weiter als vor etwa 5 Mio. Jahren, denn das lustvolle Erleben der Gefahr ist ein konstituierendes Element dessen, das wir gemeinhin als Pioniergeist bezeichnen. Und es ist wieder einmal das biologische Erbe, das Geistesinhalten Gestalt verleiht.

Zum Leidwesen vieler gehört hierher aber auch das Rasen über Autobahn und Landstraße. Das lustvolle Erleben der Gefahr ist stärker als alle Vernunft. – Auch die härtesten Strafen werden das Phänomen nicht aus der Welt schaffen können, dafür ist es viel zu tief in uns verwurzelt.

Angst und Vorsicht sind auch Raubtieren nicht fremd, und solange diese in den Resten des Regenwalds genügend Nahrung fanden, werden sie esvermieden haben, ins offene Gelände überzuwechseln. Die selektive Impedanzf ür die Vermehrung der Gefährdungshungrigen war praktisch Null.

Der relativ geringe Kontrolldruck durch natürliche Feinde verringerte denWiderstand gegen die Vermehrung „erbkranken“ Nachwuchses. Die nachteiligen Wirkungen einer Wirbelsäulenverkrümmung waren durch die Lebensumstände neutralisiert.

Wenn Sie das nächste Mal einen Einkaufsbummel in einer Großstadt machen, achten Sie verstärkt auf die Hinterteile Ihrer Mitmenschen. Deren Form wird im wesentlichen von der Breite der Beckenknochen bestimmt. bewußt darauf achten, werden Sie erstaunt sein, wie groß die Variationsbreite des menschlichen Beckens ist. Bei Frauen ist das augenscheinlicher als bei Männern, aber auch bei diesen gibt es erhebliche Unterschiede.

Bei Ihrem nächsten Besuch im Freibad schauen Sie Ihren Mitmenschen einmal ungeniert auf die Beine. Sie werden sehen, daß X- bzw. O – Bein gar nicht einmal so selten sind. In beiden Fällen handelt es sich um Fehlstellungen der hinteren Extremitäten.

Wir sehen im Laufe unseres Lebens Tausende von Menschen, aber kaum Schimpansen. Die Breite der Beckenschaufeln dürfte beim Schimpansenin ähnlicher Weise variieren wie beim Menschen. Auch unter Schimpansen werden Fehlstellungen der Beine vorkommen. – Letzteres bedeutet infreier Wildbahn in der Regel den frühen Tod, denn jede Fehlstellung der Beine vermindert das Tempo beim Klettern und erhöht die Wahrscheinlichkeit, einem Freßfeind zum Opfer zu fallen.

Raubtiere hinterlassen allerdings kaum Belege für anatomische Anomalien. Dennoch wird es sie geben, aus welchem Grunde sollten Affen die Ausnahme bilden? – Die von menschlichen Züchtern gesteuerte Entwicklung des Wolfes zum Dackel basiert auf Verkrüppelungen des Beinskeletts; bei der „modernen“ Variante des deutschen Schäferhundes mit sei- (67) ner angeborenen Hüftdysplasie gilt die Fehlstellung der hinteren Extremitätenals der letzte Schrei.

Halten wir uns vor Augen, daß die sich öffnende Savanne für unsere  Vorfahren eine Art Reservat darstellte , in dem sie vor Nachstellungen relativsicher waren. Innerhalb des Reservats lebten sowohl Affen mit Rückgratverkrümmung als auch Affen, die ein breites Becken und einwärts gerichtete Oberschenkel hatten.

Innerhalb dieses Reservats ist eine Kreuzung zwischen den „Varianten “ nahezu unvermeidlich. Halten wir fest, daß es innerhalb der Variationsbreiteder Skelettbildung genügend Ansatzpunkte gab, den  „Mangel“ der verkrümmten Wirbelsäule zu kompensieren. Inzestuöse Beziehungen zwischen „Sonderlingen“ erhöhen zudem die Wahrscheinlichkeit der Merkmalskombination. Das reicht vollkommen aus, um eine Rückkoppelungsschleife in Gang zu setzen.

Minus mal minus ergibt plus, sagen die Mathematiker; in der Natur gilt dieser Satz mit der Einschränkung, daß die Randbedingungen es zulassen.

Die Randbedingungen waren zur damaligen Zeit allerding nicht so, daß die sich bildende Savanne genügt hätte, die junge Menschheit zu ernähren. Sie stellte überwiegend Gräser als Nahrungsmittel zur Verfügung, das haben Pollenanalysen ergeben. Früchte, deren Transport sich gelohnt hätte, hielt die Savanne also nicht bereit.

Dank langjähriger Beobachtung weiß man heute, daß selbst Schimpansen zur Fortbewegung gelegentlich nur die hinteren Extremitäten benutzen,vor allem dann, wenn sie begehrenswerte Früchte transportieren wollen.  Der Aktionsradius unseres Vorfahren war nicht auf die Savanne beschränkt. Seine Abenteuerlust ermöglichte ihm die Rückkehr in seine ursprüngliche Heimat, die Reste des Regenwaldes. Damit konnte er auch dessen Nahrungsquellen anzapfen; eine Gelegenheit, die die Natur nur sehr wenigen Lebewesen bietet.

Und dieses Dasein als „Grenzgänger“ könnte unseren Vorfahren den entscheidenden Überlebensvorteil gewährt haben. Die infolge der einander  kompensierenden Verkrüppelungen geschaffene Möglichkeit, mehr Nahrungsmittelzu transportieren als die Konkurrenten, gab der Rückkoppelungsschleife in Richtung des aufrechten Gangs weiteren Schwung.

Computeranimationen zeigen, daß aus heutiger Sicht der damalige aufrechteGang unserer Vorfahren ein wenig watschelhaft erscheint. Aber wir, ihre Nachkommen, sind der Beweis, daß sie sich äußerst erfolgreichdurchs Leben geschlagen haben.

Zwei einander kompensierende anatomische Anomalien sind für die Entwicklungdes aufrechten Gangs hinreichend. Die Rahmenbedingungen ließen es zu. – (Ende des Zitats)

Sie sehen, die „kraniale Flexur“, die fast rechtwinklige Verbindung zwischen Schädelbasis und Wir belsäule ist nicht erwähnt.

die kraniale Flexur

die kraniale Flexur

Warum aber ist sie für die Unterscheidung von Mensch und seinen Mitaffen von zentraler Bedeutung?

Erstens: Erst im Laufe der Kindheit eines Menschenaffen wandert die Verbindungsstelle zwischen Schädel und Wirbelsäule in Richtung Hinterkopf. – Stellen Sie sich einmal einen Affen vor, der wegen eines Leidens, das man „kraniale Flexur“ nennt, gezwungen ist, zeitlebens seinen Blick entweder zum Boden zu richten oder ständig mit einem „Hans-Guck-in-die Luft“- Hals durch die Weltgeschichte zu hangeln. – Große Chancen, das fortpflanzungsfähige Alter zu erreichen, hätte er jedenfalls nicht.

Zweitens: Wie bewerkstelligt es die Natur, das Hinterhauptsloch (die Nahtstelle zwischen Schädel und Wirbelbogen) an den Hinterkopf „wandern“ zu lassen? – Nun, ganz einfach: die Knochenmasse an der Schädelbasis nimmt zu. – Wenn sie es nicht tut, bleibt die „kraniale Flexur“ erhalten. Wenn diese aber erhalten bleibt, ist das ein weiteres gutes Indiz für die Schlüssigkeit des Neoteniekonzepts: Die Evolution hat an dieser Stelle „vergessen“, wie es weitergeht. Und es zeigt sich gerade hier, wie einmalig die „Erfindung“ des „aufrechten“ Gangs war:

Drittens: Die „kraniale Flexur“ ermöglicht auch bei „doppelt-S-förmig“ verbogenem Wirbelbogen, also nach Ausbildung der „Wirbelsäule“ einen nach vorn gerichteten Blick und eine ungestörte räumliche Wahrnehmung des Lebensraums. – Und das ist es, worauf es ankommt.

Deswegen ist das Vorhandensein der „kranialen Flexur“ das hauptsächliche Kriterium zur Entscheidung der Frage, ob ein Lebewesen „schon“ Mensch oder aber „noch“ Affe ist. – Ardi ist demnach eindeutig ein Mensch. – Was sie von „Lucy“, die vor rund 3,5 Mio Jahren lebte, und „Angie“, die heute versucht, die Domina der Welt zu spielen, genetisch unterscheidet, sind nur noch Nuancen.

„Ardi“ war wegen der kranialen Flexur eindeutig ein Mensch.

Aber ihre Anatomie sagt uns noch nichts über ihr Sozialverhalten. Dennoch gibt es Hinweise aus dem Sozialverhalten der Bonobos, die wir auch bei uns wiederfinden, seit Jahrtausenden freilich auf sogenannte „Rotlichtviertel“ beschränkt. Bonobos praktizieren Sex öffentlich. „Öffentlichen Sex“, den gibt es beim Menschen weltweit erst wieder seit der Erfindung des Internet. Das gibt durchaus Anlaß, einmal darüber nachzudenken, ob die kulturelle Sexualfeindlichkeit eine „natürliche“ Ursache haben kann:

Sexclub Neandertal

Bei Bonobofrauen sehr beliebt ist „Hoka-Hoka“ von Biologen auch G-G-Rubbing genannt:

Forscher beschreiben Sex zwischen Bonoboweibchen mit einem stimmigen, aber für unsere Zwecke doch zu sterilen Begriff: Genito-genitales Reiben. Denn der Ausdruck GG-Reiben (so wird er im Allgemeinen abgekürzt) wird kaum der Hingabe und Verzückung gerecht, mit denen zwei Weibchen diese Art Sex praktizieren. Wir wollen daher lieber das Wort der Mongandus benutzen, um diesen bemerkenswerten Akt zu kennzeichnen: Hoka-Hoka.

Hoka-Hoka sieht folgendermaßen aus: Das junge Weibchen sitzt da und beobachtet das ältere. Wenn das ältere Hoka-Hoka wünscht und gesehen hat, dass das jüngere auf eine Einladung wartet, legt es sich auf den Rücken und spreizt die Beine. Das jüngere springt dann auf, nähert sich, und beide umarmen sich. Gesicht an Gesicht, wie Menschen in der Missionarsstellung, haben die Weibchen schnellen, erregten Sex. Ihre Hüften bewegen sich rasch und im Gleichtakt, ihre sensitivsten Sexualorgane – die Klitoris – reiben sich aneinander. Die Klitoris der Bonoboweibchen ist groß, verglichen mit der der menschlichen Frau oder der Menschenaffenweibchen, und liegt, im Vergleich zu den Schimpansen, mehr zum Bauch hin. Kano ist davon überzeugt, dass sich Lokalisierung und Form der Bonobo-Klitoris entwickelt haben, um schönes Hoka-Hoka zu ermöglichen. Hoka-Hoka endet damit, dass beide Weibchen laut aufschreien, die Glieder fest ineinander verkrallt, die Muskeln kontrahiert. Dann ein stiller, intensiver Moment. Es sieht ganz nach Orgasmus aus. (Wrangham/Petersen „Bruder Affe“, 2001 S. 259)

Man findet diese Art des Verhaltens auch beim heutigen Menschen.   Man schweigt darüber, aber „Hoka-Hoka“ begeistert bei YouPorn.com sogar ein Millionenpublikum…

Wir heutigen Menschen sollten uns am Sozialverhalten unserer Vorfahren und unserer nächsten Verwandten im Tierreich ein Beispiel nehmen. „Make Love not War“ – ist keine Erfindung der „68er“ – es ist ein Gebot der Biologie. Man könnte auch sagen:

„Kuscheln statt Killen“

Und wenn Sie das nächste Mal in den Spiegel schauen, werden Sie ein weiteres Neotenes Merkmal erkennen, denn Ihre Gesichtsporportionen entsprechen dem eines Affensäuglings. – Wenn Sie so wollen, hat auch „‘Angie“ nichts anderes als eine verkrüppelte Schnauze, ob ihr das paßt oder nicht.