Die Alten und das Klima

—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: dave.bowman@email.de
Gesendet: 15.04.07 02:26:01
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Betreff: Kinder sind Zukunft

Liebes Sabine-Christiansen-Team,
Nicht alle Dinge sind so, wie sie scheinen:
„Kinder sind Zukunft“, das ist der Titel der Propagandakampagne, an der sowohl „der Führer“ als auch der „Herr Reichsminister“ mit dem Klumpfuß ihre helle Freude gehabt hätten.
Diesmal wird sie freilich von PR- und Werbeagenturen veranstaltet, nicht mehr von Ministerialbürokraten. Das ändert aber an der Sache nichts. – Das Gedächtnis der Menschen ist kurz, wer erinnert sich noch daran, daß vor kaum zwei Monaten die „Vergreisung der Gesellschaft“ die Tagesthemen und die Talkshows beherrschte. – Dann kam der „Klimawandel“, die „Alten “ waren „out“, CO-2 war „in“.
Die Menschen beginnen gerade, sich mit Badehose und Bikini im April an die „Klimakatastrophe“ zu gewöhnen, und schon werden sie von der nächsten Kampagne überrollt, ohne zu merken, daß diese geeignet und bestimmt ist, tatsächlich in die Katastrophe zu führen.
Kurz bevor die „Klimakatastrophe“ über den Planeten hereinbrach, der davon weder etwas weiß noch etwas wissen will,  fing ich an, mich mit dem Problem der Überbevölkerung auseinanderzusetzen. Am 8.1.2007 war mit Heiz Habers Buch „Stirbt unser blauer Planet“ in der Stadtbibliothek Dormagen „auf’s Auge gedrückt“ worden.  Ich will meine im Januar 2007 begonnen Gedanken hier und jetzt zum (vorläufigen) Abschluß bringen:

„Altenrepublik“ oder  „Land der Pioniere“?
Allenthalben hört man das Wehgeschrei über die fortschreitende „Vergreisung“ Deutschlands. Dieser Prozeß scheint geradewegs in die Katastrophe zu führen und das deutsche Volk dem Aussterben ein Stück näher zu bringen. Aber, so lautet meine Frage, ist das tatsächlich so oder ist die „sterbende Republik“ der virtual reality zuzurechenen.
Vor rund 34 Jahren schrieb der erste deutsche „Fernsehprofessor“ Heinz Haber ein Buch, dem er den Titel „Stirbt unser blauer Planet?“, in dem er das Thema Überbevölkerung behandelte und die Alternativen aufzeigte, die dem ungezügelten Wachstum der Menschheit ein jähes Ende bereiten könnte. Das Schlusskapitel versah er mit dem Titel „Der letzte Intelligenztest“, in Anlehnung an eine Sendung des ZDF über Science-Fiction, die Haber just zu dieser Zeit vorbereitete.
Der „letzte Intelligenztest“ wird veranstaltet von einem Forschungsraumschiff der „Galaktischen Union“, das überprüfen soll, ob die Menschheit reif genug für die Aufnahme in die Union sei.  Die globale PISA-Studie fällt indes für die Menschheit verheerend aus. Prof. Haber schreibt hierzu:
„Den letzten Inteligenztest jedoch bestanden sie nicht. Im Gegensatz zu der Vielzahl aller anderen bewohnten Planeten in der Michstraße ist unsere Erde für das Wachstum und das Überleben einer intelligenten Gattung hervorragend ausgestattet. Dieser Planet nämlich besitzt nicht nur freien Sauerstoff in seiner Atmosphäre, er hat auch durch den gerade richtigen Abstand von seiner Sonne ein hervorragendes Klima. Und das Wichtigste schließlich: Die Erde besitzt einen fast unerschöpflichen Schatz an dem wertvollsten Material des Universums, nämlich Wasser. Kaum eine andere intelligente Gattung von den anderen Planeten aus den Tiefen der Milchstraße hatte solch günstige Startbedingungen für ihr Überleben.
Und darin hat die irdische Menschheit versagt. Sie hat nämlich diesen unerhört wichtigen und wertvollen Schatz schon fast verrotten lassen und die gütigen Naturkräfte in ihrem goldenen Gleichgewicht schon schwer gestört. Das lag daran, dass die irdische Menschheit nicht die Intelligenz besessen hat, diese Naturkräfte in ihrem Zusammenspiel rechtzeitig zu begreifen, sich in ihrer Zahl weise zu beschränken.“ (S. 120)
Haber weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß wir eigentlich gar nicht auf die galaktischen PISA-Tester zu warten brauchen, um uns „unser entscheidendes Versagen in den letzten 200 Jahren vorhalten zu lassen.“ – Haber weist an dieser Stelle nochmals auf  Thomas Robert Malthus‘ Essay on the Principles of  Population“ aus dem 1798 hin, in dem dieser die explosive Tendenz, die der Vermehrung von Organismen innewohnt, dargelegt und vor den Gefahren gewarnt hatte, die sich daraus ergeben, weil der Zuwachs an Nahrungsmitteln damit nicht Schritt halten kann, zudem verweist er auf Aldous Huxley, der ebenfalls frühzeitig vor dem Problem der Überbevölkerung gewarnt hatte.
Haber rekapituliert die Alternativen, die dem Planeten zur Verfügung stehen, um mit der Überbevölkerung der Erde durch die Menschen fertig zu werden:
„In den vorangegangenen Kapiteln hatten wir vier Ereignisse diskutiert, die eine drastische Reduzierung in der Zahl der Menschen auf der Erde bewirken können. Alle diese vier Ereignisse sind katastrophal, erschreckend, unmenschlich und hoffentlich vermeidbar. Wir diskutierten die Möglichkeit einer Superpest, die den Großteil unserer Superpopulation dahinrafft; ein nuklearer Krieg mit einer völligen, radioaktiven Verwüstung unseres Planeten könnte das Ende bedeuten; vielleicht hätten wir die Chance, mit unserer zukünftigen Technik auf andere Planeten auszuweichen – das ist eine absolute Utopie; die Grenzen der Menschheit erden erreicht, wenn ihr Geburtenüberschuß verhungert, wobei die Überlebenden sich auf ein miserables Leben beschränken müssen; damit allerdings entsteht e8in unerträglicher Zustand des Kampfes eines jeden gegen jeden um geringste Vorteile. Das waren die vier Alternativen. Die fünfte Alternative haben wirr uns für dieses Kapitel aufbewahrt. Malthus hat dieses Rezept schon vor fast 200 Jahren sehr zivilisiert ausgedrückt; er sprach von der weisen Beschränkung unserer eigenen Zahl.“
Haber vergleicht das Problem der Überbevölkerung mit einer Welle die tagelang auf dem Pazifik unterwegs ist, bis sie sich langsam der kalifornischen Küste nähert: „Dann, nach stundenlanger Reise, nähert sich die Woge dem Land. Die walzenförmige, rhythmische Drehung der Welle fasst plötzlich Grund an, da die Meerestiefe nun nur noch 20 Meter beträgt. Langsam, aber unaufhaltsam beginnt die kilometerlange Woge sich ein wenig aufzutürmen., da die Reibung am Boden ihren Fortschritt immer mehr hemmt; ihr Kamm wird etwas steiler und spitzer, und wenn man ganz tief am Strand sitzt, kann man in das Wasser wie in eine Wand aus grünem Glas hineinschauen.  Mehr und Mehr verliert die Welle an Tiefgang, da das Wasser immer flacher wird. Dann schließlich stolpert die Welle. Hunderttausende von Tonnen Wasser haben plötzlich nur leere Luft vor sich; in einem gewaltigen Kreisbogen stürzen sie nach vorn, und der Donner der brechenden Welle ist kilometerweit zu hören. Di gesamte aufgestaute Energie der Welle entlädt sich binnen weniger Sekunden, und über eine Fläche von 100, 200 Meter Breite schießt turbulentes Wasser den Strand hinauf, zischend, bedeckt mit Milliarden von weißen Luftblasen. Nach 24 Stunden gelichförmigen Ablaufs in der Dünung des Weltmeeres hat sich innerhalb von knapp einer Minute ein dramatisches Finale aufgebaut, das dann in etwa 20 Sekunden tosend zu Ende ging.
Nach nun fast 1000 Generationen Kulturgeschichte der Menschheit werden wir heute, in der 999. Generation, von der Spitze des grünen Wasserberges langsam hoch getragen, der Kamm brodelt bereits, und wir können voraussehen, daß spätestens in der nächsten Generation die Welle sich brechen wird. Sie wird die Menschheit mitreißen in einer gewaltigen Explosion, endend in einem völlig unberechenbaren turbulenten Kraftfedl von unvorstellbaren chaotischen Gewalten.“ ( S. 109) – Mit diesen dramatischen Worten schildert Haber die Zukunft, wenn, und das ist Voraussetzung für dieses Horror-Szenario, die Menschen die Forderung „Seid fruchtbar und mehret euch!“ weiterhin für bare Münze nimmt. Zum Zeitpunkt der Drucklegung prognostizierte man für das Jahr 2000 eine Weltbevölkerung von rund 7. Mrd. Menschen, also nur „geringfügig“ mehr, als heute tatsächlich leben.
„In einer scharfsinnigen Untersuchung hat der deutsche Physiker Professor Wilhelm Fucks den Gesetzen der Bevölkerungszunahme in den verschiedenen Nationen und Kontinenten während unserer Zeit nachgespürt. Er hat für viele Länder den Verlauf des Geburtenüberschusses in Abhängigkeit von dem Grad ihrer Industrialisierung verfolgt. Typisch für seine Ergebnisse war, daß nach der Erreichung eines gewissen Lebensstandards der Geburtenüberschuß stark absinkt. Seine Überlegungen werden bestätigt durch den immer kleiner werdenden Geburtenüberschuß gerade der industriell hoch entwickelten Länder.“ ( S. 121) Leider gibt Haber hier seine Quelle nicht preis.
Heinz Haber, das sei an dieser Stelle noch eingeflochte, beantwortet die Titelfrage seines Buches übrigens mit einem klaren „Nein!“, weil man, so seine Forderung, die Naturgeschichte unseres blauen Planeten und unsere eigene in den richtigen kosmischen Maßstäben sehen müsse. Er schließt mit den Worten: “ So dürfen wir es auch nicht dazu kommen lassen, dass vielleicht in zwei Millionen Jahren unser Mond die Erde wie folgt anspricht: “ Entschuldigen Sie, gnädige Frau, geht es Ihnen heute wieder besser?“ Darauf antwortet die Erde: “ Ach, Sie meinen wohl diese kleine Infektion, die ich vor zwei Millionen Jahren hatte?“ Darauf der Mond: „Genau – mich hat es ja auch ein bisschen angepackt, allerdings lange nicht so schlimm wie Sie.“ – „Ach,“ sagt die Erde, „das habe ich eigentlich schon längst vergessen. Seit mehr als anderthalb Millionen Jahren geht es mir so gut wie eh. (S . 139)
Es hat mich mehr als erstaunt, dass Heinz Haber und nicht sein Kollege Jim Lovelock dieser Worte unserer Mutter Erde in den Mund geschoben hat. Astrophysiker Lovelock ist zusammen mit der Biologin Lynn Margulies Begründer der Gaia-Hypothese, wonach unser blauer Planet ein sich selbst regulierendes System ist; jeder Versuch des Menschen, dieses „sich untertan“ zu machen ist demnach als untauglicher Versuch zu qualifizieren, der am Ende dazu führt, dass der Mensch sich bestenfalls eine blutige Nase holt und sich am Ende selbst nur lächerlich macht. – Ich habe das so ausgedrückt: Der Mensch ist zu klein und zu unbedeutend, als dass er Mutter Erde auch nur am Nagellack kratzen könnte. – “
Knapp ein halbes Jahrhundert verpasste der holländische Biomathematiker Verhulst der Malthusschen Mathematik einen nichtlinearen Dämpfer, indem er zur Modellierung des Bevölkerungswachstums die sogenannte logistische Funktion ersann. Dem exponentiellen Produkt von Population x -index n-  und Reporoduktionsrate ( r  ) fügte er den nichtlinearen Term (1 – x -index n- ), so daß die Funktion lautet: x –index n + 1 = r * x –index n- * ( 1 – x –index n-). Über die Konsequenzen ist sich Verhulst zeitlebens nicht klar geworden. Erst mit der Entwicklung der modernen Computertechnik gelang es, die Bahnkurve dieser Funktion sichtbar zu machen. Solange waren die Biomathematiker auf ein großes Rätselraten angewiesen:
„Stellen Sie sich einmal folgende Situation vor: In einem Teich gäbe es eine bestimmte Anzahl von Fischen einer Sorte. Wir nehmen nun an, daß die Variable x die Anzahl der i-ten Generation von diesen Fischen bezeichnet.
Jeder ausgewachsene Fisch bekomme r Nachkommen für den Fall, daß die Probleme der Überbevölkerung vernachlässigt werden können. Weiterhin muß man noch annehmen, daß aufeinanderfolgende Generationen zeitlich deutlich voneinander getrennt sind. Für den Fall, daß sich das Fortpflanzungspotential von Generation zu Generation nicht ändert, kann diese Situation durch folgende lineare Gleichung X’ = r*x beschrieben werde, wobei x’ die Anzahl der Fische der folgenden Generation bezeichnet. Diese Gleichung ist jedoch eine zu starke Vereinfachung der Wirklichkeit. Kein Teich kann beliebig viele Fische enthalten. Man muß deshalb im Modell berücksichtigen, daß die Anzahl der Fische der nächsten Generation nicht nur linear von der derzeitigen Anzahl abhängen kann. Man benützt deshalb eine etwas kompliziertere Gleichung x’ = r*x*(1-x), um die zeitliche Entwicklung der Anzahl von Fischen in einem Teich zu modellieren. Der Term (1-x) beschreibt den Einfluß einer hohen Bevölkerungsdichte auf die nachfolgende Generation, das heißt, falls zu viele Fische in der i-ten Generation vorhanden sind, reicht das Nahrungsangebot nicht für alle Fische, und in der nachfolgenden Generation gibt es nur noch wenige Fische.“ (vgl. Lerbinger/Kuchenbuch, Faszination Fraktale S 123.)
Nach einer gewissen Zeit des ungehemmten Wachstums beginnt die Zahl der Fische zu schwanken, mal periodisch, dann wieder so stark, dass eine Vorhersage der Fischanzahl in der nächsten Generation vollkommen unmöglich wird.
Die Bahnkurve der logistischen Funktion, das sogenannte Feigenbaum-Diagramm offenbart, warum das so ist. Das Feigenbaum-Diagramm zeigt bei näherer Betrachtung auch, warum das so ist. Man muß nur genau hinschauen, genauer jedenfalls, als das die Chaostheoretiker und alle, die sich bislang literarisch mit dem Diagramm auseinandersetzten, je getan haben – Man braucht freilich nicht zu rechnen, ein Blick auf die „Bahnkurve“ der logistischen Funktion „im Phasenraum“ mag genügen. Denn man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus: https://fotoalbum.web.de/gast/willem.tell/All-Maechtige_Prozessordnung  Die Bilder, die Sie dort sehen, hat vielleicht vor mir noch nie ein Mensch zu Gesicht bekommen. Und es gibt eine schier unendliche Anzahl von Bildern, die ihrer Entdeckung auch dann och harren werden, wenn Sie und ich längst das Zeitliche gesegnet haben.
In diesem Zusammenhang darf und muß ich daran erinnern, daß auch die „Kettenreaktion“ der Chemiker und Physiker nicht mehr ist als eine lineare Näherung an die tatsächlichen Verhältnisse. Das von Prof. Haber gezeichnete Diagramm finden Sie nicht nur in „Sitrbt unser blauer Planet, sie finden es auch in seinem „Bausteine unserer Welt“. Das dort wiedergegebeme Diagramm finden Sie unter http://www.bundesadel.de. ( Prof. Heinz Haber hat in einer seiner Fernsehsendungen die Kettenreaktion beispielhaft anhand von Tischtennisbällen auf Mausefallen vorgeführt. Mehrere Hundert Tischtennisbälle wurden von einem in die Menge geworfenen Tischtennisball zum Tanzen gebracht. Die mathematische Folge 1,2,4,8,16 usw. wurde damit aber nicht gezeigt, vielmehr bekam der Zuschauer die nichtlineare Dynamik auch dieses Vorgangs unmittelbar vor Augen geführt. Nach anfänglichem Zögern schienen sich alle Bälle wie von Geisterhand auf einmal in der Luft zu bewegen. Und die Zeitlupenaufnahme verdeutlichte den chaotischen Verlauf des Vorgangs.)
Dem jüngeren Fernsehpublikum, vor allem dem, das der Raumfahrt und der Atomenergie distanzierter gegenüberstand, dürfte Prof. Hoimar von Ditfurth bekannter sein. Von Ditfurth, das sei der Generation 30-Minus ins Stammbuch geschrieben, war nach Haber einstmals bekannteste Fernseh-Professor.
In seinem kleinen Büchlein „Zusammenhänge“, in dem er einige Aufsätze zu Themen und Problemen der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zusammengefaßt hatte, schrieb er:

Die lautlose Explosion
Ein angesehener amerikanischer Bevölkerungsstatistiker hat vor einiger Zeit ausgerechnet, daß der Weltuntergang am 13. Juni des Jahres 2116 stattfinden wird -einem Freitag notabene, wie könnte es anders sein. Die Ursache der Vernichtung wird weder ein thermonuklearer Krieg sein – falls wir uns zu dieser Lösung nicht schon lange vorher entschlossen haben sollten – noch eine kosmische Katastrophe, sondern einfach der Umstand, daß die Menschen sich von diesem ominösen Datum ab gegenseitig physisch erdrücken werden.
Die Berechnung des Amerikaners ergab, daß am 13. 6. 2116 auf der gesamten Landmasse der Erde für jeden einzelnen Lebenden nur noch ein Stehplatz frei sein wird, wenn die augenblickliche Zuwachsrate der Weltbevölkerung unverändert bleiben sollte.
Ein einziger Frosch legt im Laufe seines Lebens 10000 Eier. Auch die meisten anderen Spezies sind mit einer so hohen Vermehrungsfähigkeit ausgestattet, daß sie innerhalb weniger Generationen den ganzen Globus überschwemmen würden, stände ihrem Vermehrungspotential nicht eine entsprechend hohe natürliche Vernichtungsrate gegenüber. Allein der Mensch hat es gelernt, im Verlaufe seiner Geschichte mit zunehmender Wirksamkeit in dieses Gleichgewicht einzugreifen und die von der Natur über seine Art verhängte Vernichtungsrate durch die Ausschaltung aller Konkurrenten, durch die Verbesserung seiner Ernährungsgrundlage und schließlich durch die Ausrottung der großen Volksseuchen immer weiter zu senken. Das Resultat dieses Eingriffs nimmt sich folgendermaßen aus:
Die Geschichte des Homo sapiens begann spätestens vor 100000 Jahren. Nicht weniger als 98% dieses gewaltigen Zeitraums, nämlich 98000 Jahre, benötigte unsere Spezies, um bis zu der bescheidenen Anzahl von insgesamt 250 Millionen Individuen anzuwachsen. So wenige Menschen gab es noch vor 2000 Jahren, zur Zeit von Christi Geburt. Die erste Verdoppelung dieser Zahl erfolgte in der schon erstaunlich verkürzten Zeitspanne von nur 1 1/2 Jahrtausenden. Etwa 500 Millionen Menschen lebten zur Zeit der Entdeckung Amerikas. Die nächste Verdoppelung benötigte gar nur noch 300 Jahre : i Milliarde Menschen zählte die Weltbevölkerung zu Beginn des vorigen Jahrhunderts. Bis heute ist die Zeitspanne, innerhalb derer sich die Zahl der auf der Erde lebenden Menschen verdoppelt, bereits auf 35 Jahre zusammengeschrumpft, und noch immer nimmt sie weiter ab. Bei der jetzigen Wachstumsrate von rund 2 % pro Jahr würde sich die Menschheit in der lächerlichen Frist der nächsten 100 Jahre versechsfachen.
Angesichts dieser Situation dürfen wir nicht übersehen, daß es einen Faktor der natürlichen Vernichtungsrate gibt, der auch bei unserer Spezies unangetastet geblieben, ja dessen Bedeutung in den letzten Jahrzehnten sogar ähnlich sprunghaft angewachsen ist wie die Vermehrungsrate der Menschheit, nämlich die durch kriegerische Auseinandersetzungen dargestellte potentielle Vernichtungsrate.
Die logisch einzig mögliche Alternative einer derart katastrophalen «Beseitigung» des Problems ist die eines Eingriffs auf der anderen Seite des aus den Fugen geratenen Gleichgewichts: die Reduzierung der Wachstumsrate durch eine planmäßige Bevölkerungspolitik. Dieser einzig denkbaren humanen Lösung stehen nun aber nicht nur mächtige psychologische und – bei ihrer weltweit notwendigen Koordinierung – politische Hindernisse im Wege, sondern ein noch viel schwerer wiegendes Phänomen:
Wir kennen die Zahlen, und wir können die Konsequenzen berechnen, und trotzdem erscheint uns die Gefahr gar nicht als real. Das kommt daher, daß sich der kritische, explosionsartige Charakter der Entwicklung nur dann zu erkennen gibt, wenn man sie über die Jahrtausende hinweg betrachtet. Solchen Zeiträumen gegenüber versagt aber einfach unsere Vorstellungskraft. Die Gefahr wird von einem Prozeß gebildet, den wir nicht wahrzunehmen vermögen.
So scheint alles davon abzuhängen, ob wir noch rechtzeitig einsehen werden, daß eine Explosion auch dann tödlich sein kann, wenn sie für unsere Ohren unhörbar abläuft.

Im Jahre 1989 legte Prof. Haber in seinem letzten Buch „Eiskeller oder Treibhaus“ noch einen drauf:  Bezeichnend ist, daß es irgendwann vom Ullstein-Verlag ausgesondert und an „Restposten-Läden“ verramscht wurde. So hatte ich das Glück, ein Exemplar am 3.4.2007 für 99 Euro-Cent erwerben zu können. Das nachfolgend wiedergegebene Ende von „Eiskeller oder Treibhaus“ dürfte für Frau von der Leyen schlimmer sein als ein Besuch im Porno-Kino:

Die Folgen eines weltweiten Atomkrieges wären so furchtbar und sind deshalb heute Allgemeingut im Bewußtsein der Menschen. Moderne Historiker haben schon vielfach die Meinung geäußert, daß uns just die Atombombe vor einem dritten Weltkrieg bewahrt hat. Diese historische Tatsache des gesunden Menschenverstandes ist der einzige Lichtblick und die einzige Hoffnung in der heutigen Situation mit den schrecklichen Zukunftsaussichten der Überbevölkerung.
Zum Schluß allerdings wollen und müssen wir noch einen Schritt weitergehen. Der große schwedische Naturforscher Karl von Linne (1707-1778) hat den Biologen einen Hinweis gegeben, wie sie in der unübersehbaren Fülle der Lebensformen von Fauna und Flora eine Übersicht gewinnen können. Er gab jeder Art und Gattung der Lebewesen einen lateinischen Doppelnamen, der ganz knapp die wesentlichen und charakteristischen Eigenschaften aller Geschöpfe kennzeichnen soll. Dem Menschen gab er den Namen »homo sapiens«. Mir will scheinen, daß Linne uns voreilig einen zu schmeichelhaften Namen gegeben hat, denn eine andere Bezeichnung wäre für uns Menschen viel treffender: »homo bellicosus« – das heißt: der kriegführende Mensch. Von allen anderen Geschöpfen unterscheidet uns offenbar weniger unsere Klugheit, sondern vielmehr unser unbezwinglicher Hang, uns unaufhörlich gegenseitig zu bekämpfen. Die Lösung unserer schweren Zukunftsprobleme kann nur darin liegen, daß wir uns der voreiligen Bezeichnung von Linne wirklich würdig erweisen.
Die Natur wird so oder so das goldene Gleichgewicht wieder herstellen, das wir zu zerstören begonnen haben. Die Mittel der Natur gegen die Katastrophe der Überbevölkerung und auch des Treibhauseffektes mit seinen Wirkungen sind ebenfalls, wie wir gesehen haben, alle katastrophal. Wir müssen als Menschheit weltweit zur Besinnung kommen.
Jüngste Berichte aus der Medizin vermelden, daß es gelungen ist, für Männer und Frauen eine Unfruchtbarkeitsspritze zu entwickeln, die ohne jeden Eingriff in die Gesundheit und das Wohlbefinden für ein Jahr lang unfruchtbar machen. Freilich müssen wir dazu kommen, daß die Menschheit sich eines solchen Mittels freiwillig bedient und daß es nicht, wie nach dem chinesischen Vorbild, unter einem weltweiten Zwang erfolgen müßte. Spätestens in der nächsten Generation – nein, lieber früher noch – muß die Menschheit sich zu solchen Eingriffen freiwillig entschließen. Vielleicht kommt es dann dazu, daß die Menschheit sich dazu durchringt, freiwillig auf das dritte Kind zu verzichten. Wenn jedes Elternpaar nur zwei Kinder bekommt, pflanzt es sich in der Zahl nur selbst fort, und die Weltbevölkerung würde endlich stagnieren. Ja, es ist sogar so, daß durch die unvermeidliche, wenn auch geringer werdende Kindersterblichkeit die Zahl der Menschen langsam abnähme, und das muß auch das Ziel sein.
Wir müssen uns von dem biblischen Wert lossagen: »Seid fruchtbar und mehret Euch.« Dieses Gebot haben wir längst übererfüllt. Denken wir statt dessen lieber an das Wort aus der Bergpredigt: »Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.« An dieser göttlichen Weisung gibt es noch viel zu erfüllen.
Mir will scheinen, daß die einzige Zukunftshoffnung darin besteht, daß wir weltweit die Moral ändern. Die Geschichte zeigt uns, daß der Mensch auf Gebote und Verbote vielfach nur trotzig reagiert und vielfach doch so handelt, wie er will. Etwas anderes ist es, wenn er mit seinem Ansehen und seiner Ehre in der Gesellschaft bestehen will. Dann kann der Mensch plötzlich sehr diszipliniert sein.
Es muß in naher Zukunft dazu kommen, daß das dritte Kind als ein Verbrechen an der Menschheit angesehen wird. Es muß eine Schande für jedes Elternpaar sein, mehr als zwei Kinder zu haben. Die Menschheit hat bisher einen vergeblichen Traum geträumt, der dann vielleicht auch endlich Wirklichkeit werden kann: der weltweite Frieden.

Hat Haber da nicht gerade auf „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst“ hingewiesen? – Diese Forderung war verwirklicht, bevor die Bibel geschrieben wurde, vor allem aber gehörte sie zum natürlichen Verhaltensrepertoire des Menschen, bevor „Sozialpolitik“ gemacht wurde.

>>Die Änderung von Brutpflege- und Sexualverhalten in Richtung auf eine verstärkte Zuwendung revolutionierte ein einmaliger Weise auch das Sozialverhalten der Menschen. Die Fürsorge für den Kranken und Schwachen, kurzum, das, was wir Menschlichkeit nennen, erblickte gemeinsam mit den Kindern des nackten Affen das Licht der Welt. Die von der Evolution herausgebildeten Auslöser für den Brutpflegetrieb werden offenbar auch von Kranken betätigt.
Ich kann mich an einen Vortrag erinnern, der vor längerer Zeit an einem Sonntagvormittag ausgestrahlt wurde. – Bitte versuchen Sie nicht, mich auf den Sender festzunageln, aber ich meine, es wäre SWR 3 gewesen. – Der Referent trug vor, er hätte sich einmal das Bein gebrochen; die ihm dadurch zuteil gewordene Pflege und Zuwendung hätte ihm vor Augen geführt, in welch grauer Vorzeit bereits Krankenpflege betrieben worden wäre. Er wies in diesem Zusammenhang auf die Knochenfunde von Frühmenschen hin, die deutliche Spuren ausgeheilter Knochenbrüche trugen.
„Die Neandertaler müssen deutlicher als alle anderen Geschöpfe vor ihnen empfunden haben, wie kostbar ein Leben ist, denn auf der fundamentalsten Ebene sind Begräbnisriten gleichbedeutend mit dem Wunsch, das Menschliche zu bewahren. Das Begraben besagt, daß irgendein wesentlicher Teil des menschlichen Lebens – man mag es Geist oder Seele nennen   nicht zerstört werden kann, sondern nach dem Tode irgendwo anders in irgendeiner anderen Form weiterexistiert.
Dieser zunehmende Sinn für den Wert des Lebens spiegelt sich nicht nur in den Begräbnisriten der Neandertaler, sondern auch in ihrer Fürsorge für alte und behinderte Menschen. So war zum Beispiel der Mann von La Chapelle-aux-Saints längst über die besten Mannesjahre hinaus, als er starb. Sein Skelett läßt erkennen, daß er unter Arthritis litt und unmöglich noch an Jagden teilnehmen konnte. Selbst das Essen muß ihm schwergefallen sein, da er alle Zähne bis auf zwei verloren hatte. Hätte er zu einer früheren Zeit gelebt, hätte man ihn wahrscheinlich ausgesetzt und verhungern lassen, nachdem er für die Gruppe nicht mehr von Nutzen war. Aber die Neandertaler ließen sich anscheinend nicht von einer derart grausamen Logik leiten. Die Gefährten dieses Mannes versorgten ihn selbstlos mit Essen, vielleicht kauten sie es ihm sogar vor.
Auch die Funde von Shanidar lassen vermuten, daß die Neandertaler für Behinderte sorgten. Einige der dort gefundenen Knochen gehören einem 40jährigen Mann, der vermutlich durch Steinschlag getötet wurde. Die Untersuchung seines Skeletts ergab, daß ihm vor dem tödlichen Unfall nur ein Arm zur Verfügung gestanden hatte. Der rechte Arm und die Schulter waren verkümmert – vermutlich ein angeborener Defekt. Trotz dieser erheblichen Behinderung erreichte er ein für einen Neandertaler hohes Alter. Seine Vorderzähne sind ungewöhnlich stark abgenutzt, was darauf hindeutet, daß er einen großen Teil seiner Zeit damit verbrachte, Tierhäute weichzukauen, damit sie als Kleidung verwendet werden konnten, oder daß er seine Zähne anstelle des fehlenden Arms zum Festhalten von Gegenständen benutzte. (…) Auch der ursprüngliche Neandertaler aus Deutschland hat eine schwere Verletzung überlebt, sich allerdings nicht gut von ihr erholt: Die Knochen seines linken Ellenbogens waren so deformiert, daß er nicht imstande war, die Hand zum Mund zu heben; ob Mensch oder Tier für diese Verletzung verantwortlich war, läßt sich nicht feststellen…“ (George Constable, Die Neandertaler, 1979, S. 101 ff)
Diese Feststellungen machen doch erschreckend deutlich, daß während der Eiszeit Kranke und Behinderte offensichtlich einen Stellenwert hatten, den man sich am Ende des 20. Jahrhunderts eigentlich nur wünschen kann.
Es ist nicht anzunehmen, daß der Neandertaler die Fürsorge für Kranke und Behinderte erfunden hat. Angesichts seiner Lebensbedingungen hätte man aus heutiger Sicht eher das Gegenteil erwartet. Allein deswegen ist die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, daß bereits die frühesten Formen des Menschen ihre kranken und behinderten Gruppenmitglieder nicht einfach ihrem Schicksal überließen, sondern sich um sie vielmehr ebenso intensiv wie um ihren Nachwuchs kümmerten.
Die Umstellung vom Fell auf die nackte Haut bildete also nicht nur einen Gabelungspunkt bezüglich der „Arbeitsteilung“ zwischen den Geschlechtern, sondern stellte den Ausgangspunkt dar für das, was wir als Humanität bezeichnen.
Das Jagen besorgten die Männer, das Sammeln übernahmen vorwiegend die Frauen, die sich natürlicherweise auch um den Nachwuchs kümmerten, – nicht allein um ihn, auch um die Gruppenmitglieder, die krank oder behindert waren.<<  (G. Altenhoff, Australopithecus Superbus – Der Mensch im Licht nichtlinear-dynamischer Evolution, http://www.lulu.com/advocatusdeorum S. 82f)
– Um dem Vorwurf des Sexismus vorzubeugen: Die von mir geschildetere „Arbeitsteilung“ zwischen den Geschlechtern ergab sich aus rein praktischen Gründen, weil eine aufrecht gehende schwangere Frau nun einmal einen ungünstigeren Schwerpunkt hat als eine schwangere Löwin oder Wölfin. Auch mit einem Kind auf dem Arm oder an der Hand wird man kaum in der Lage sein, Wasserbüffeln, Antilopen oder anderem Großwild in der Gruppe nachzuhetzen. –
Und nun denken Sie einmal darüber nach, wieviel Geld für die Alten und Kranken nach Abzug der Kosten für den Luxus „Staat“ von diesem „Luxus“ übriggelassen wird.
Daß „der Staat“ für den Bürger ein „Luxus“ ist, den er sich eigentlich nicht leisten kann, können Sie in meiner kleinen Schrift „Die Biene Maja, der Glückliche Löwe und die Sozialversicherung“ , http://www.lulu.com/advocatusdeorum nachlesen.
Denken Sie dabei auch an die „Nullrunden“, die „der Staat“ den Rentnern zumutet, denken Sie an die stetig steigenden Beiträge zur Krankenversicherung. Wenn Sie intensiv darüber nachdenken, werden Sie Christian Klar als „Staatsfeind Nr. 1“ den Rang ablaufen. – Klar?
Klar! Denn auch Sie dürften begriffen haben: wir sind keine „Altenrepublik“. Deutschland und China dürfen wir getrost zu den „Pionierstaaten“ rechnen, die den Reproduktionsdruck des Menschen heruntergefahren haben. Japan gehört übrigens auch dazu.
Wir, das ist sicher, können die Kräfte der Natur nicht kontrollieren, die Kräfte der Natur kontrollieren uns. Sie kontrollieren uns, freilich nicht in dem Sinne, in dem ein Bundesinnenminister uns kontrollieren möchte.
Kinderlosigkeit muß nichts mit Kinderfeindlichkeit zu tun haben, ganz im Gegenteil. Die weitaus überwiegende Zahl der Wölfe in einem Rudel haben keine eigenen Kinder, aber sie tun alles für den Nachwuchs des Rudels. Die Biene Maja hat keine Kinder, weil sie von Natur aus steril ist. Aber sie tut alles dafür, daß eine einzige ihrer Schwestern den Staffelstab der Evolution in einem neuen „Staat“ weitertragen kann.
„Knut“ wird von aller Welt als das „eigene“ Junge betrachtet. – Wir sind nicht nur Papst, wir sind nicht nur Weltmeister, wir sind „Knuts“ Eltern, vor allem aber sind wir alle die Eltern der Kinder dieser Welt!
Das erste, was ein Mensch nach seiner Geburt der Welt zum Tausch anbietet, ist das Lächeln. Dieses Verhaltensmuster ist angeboren, und Baby erwartet, daß man das Lächeln erwidert. – Wir sind verpflichtet, es zu tun.

Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Altenhoff
Bismarckstr. 40
41542 Dormagen
Tel. 0 21 33 97 30 29
http://www.bundesadel.de
Publikationen:
http://www.lulu.com/advocatusdeorum

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