Mit dem Fallbeil – köpft man besser!

Von: gerhard.altenhoff@email.de
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Datum: 17.01.07 23:38:59

Betreff: Enthauptung durch den Strang/FW: Inszenierung von Saddams Tod / Tagesthemen-Kommentar

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Wed, 17 Jan 2007 23:38:59 +0100
Date: Wed, 17 Jan 2007 23:38:59 +0100
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—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: the.history@planet.ms
Gesendet: 03.01.07 02:50:26
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Betreff: FW: Inszenierung von Saddams Tod / Tagesthemen-Kommentar

—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: the.history@planet.ms
Gesendet: 02.01.07 20:23:20
An: kulturzeit@3sat.de

Betreff: Inszenierung von Saddams Tod

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihre Berichterstattung über Saddams vermeintlichen Tod stößt bei mir auf ein wenig Unverständnis. Erstens ist der Tod keine Strafe, weil es den „Tod“ eigentlich gar nicht gibt. Johannes Paul II hat ihn mit ins Grab genommen. (siehe „der Schnitter ging über den Jordan“ http://www.lulu.com/advocatusdeorum)
Zweitens ist – entgegen der Auffassung eines gewissen George W. Bush. – die Todesstrafe kein „Meilenstein auf dem Weg zur Demokratie“, sondern zutiefst antidemokratisch, sie ist ein Relikt aus der Zeit, in der zwischen „Staat“ und „Herrscher“ Identität bestand und der „Herrscher eines Landes“ zugleich „Herrscher über Leben und Tod“ war. In einer Demokratie bedarf die „Herrschaft“ der Legitimation durch das Volk. Das Volk kann den „Herrscher“ allerdings nicht zu mehr ermächtigen, als Rechte im Land existieren. – Nemo plus ius transferre potest quam ipse habet. (Niemand kann mehr Recht übertragen, als er selbst hat.) Dieser – leider weitgehend in Vergessenheit geratene – Rechtsgrundsatz steht einer „;Lizenz zum Töten“ durch den Staat entgegen. Töten ist und bleibt unrechtmäßig, es sei denn unter den Voraussetzungen von Notwehr und rechtfertigendem Notstand. Das Töten von Menschen mittels eines Stricks ist genauso „;rechtswidrig“ wie das Töten von Menschen mittels eines Marschbefehls. (siehe „;Aktenzeichen 6
/6/44 – Mordsache Private James Ryan“ http://www.lulu.com/advocatusdeorum )
Und drittens sollte man sich nicht über „;heimlich“ gedrehte Aufnahmen von der Hinrichtung aufregen. Auch das Nürnberger Kriegsverbrechertribunal hat die Exekutionen der von ihm Verurteilten filmen lassen. Es sei daran erinnert, daß von der Antike bis zu den Taliban und den Saudis Hinrichtungen nur im Ausnahmefall unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfanden:
So etwa die Exekution der sogenannten „;Catilinarischen Verschwörer im Carcer Mamertinus“, deren Hinrichtung durch den Konsul Cidero persönlich überwacht wurde. „;Vixerunt“ -„Sie haben gelebt“ soll er anschließend der auf dem Capitol wartenden Menge zugerufen haben.
Der Auftritt George W. Bushs anläßlich seiner Rede vom „;Meilenstein“ erinnert doch sehr stark an die „;Inszenierung“ Ciceros. An gleicher Stelle starb unter Ausschluß der Öffentlichkeit Vercingetorix, auch dessen Genick wird mit einem deutlich vernehmbaren Knacken gebrochen sein.
Marie Antoinettes Kopf fiel übrigens unter dem Jubel der Menge, den Augenblick ihres Todes wollte sich damals wohl keiner entgehen lassen.
Nachdem die Köpfe der „;Schinderhannes-Bande“ in Mainz gerollt waren, soll in den Freudenhäuser der Stadt ein Andrang geherrscht haben wie heute nur im Schlußverkauf…
Zum Abschluß noch viertens: Wenn sich „;die Bundesregierung“ gegen die Todesstrafe ausspricht, dann sollte sie so konsequent sein, jede Vollstreckung eines Todesurteils beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ zu brandmarken, damit nicht wieder alles auf mir hängenbleibt. Die Todesstrafe ist wie der Krieg nichts anderes als abscheulicher Brudermord, wie die Erkenntnisse des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie ergeben haben. – Diese wohl wichtigste Erkenntnis des 20. Jahrhunderts wurde der Weltöffentlichkeit durch die Medien freilich vorenthalten. Mit Hinrichtungen lassen sich schließlich höhere Einschaltquoten erzielen als mit einem Dreizeiler über die Tatsache, daß alle 6 Milliarden Menschen eigentlich immer noch „Brüder“ bzw „Schwestern“ sind. Die entsprechende Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft finden Sie als html-Datei in der Anlage. Im übrigen ist auch sie sowohl in „Der Schnitter ging über den Jordan“ als auch „Aktenzeichen 6/6/44 …“ wiedergegeben.
Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Altenhoff

Danke für Ihren Kommentar, in dem die Hinrichtung Saddam explizit mit der Chaos-Theorie verknüpft (!) wird. – Die Chaos-Theorie ist so universell, daß selbstverständlich auch die „Medien“ davon nicht verschont bleiben. – „;Ordnung“ ist nicht einmal das halbe Leben.
Weil nach unserer Vorstellung indes alles seine „;Ordnung“ haben muß, auch die Vollstreckung eines Todesurteils, sollten „die Medien“ einmal der Frage nachgehen, ob die Hinrichtung Saddams wirklich „in Ordnung“ war:
Wenige Tage vor Saddams Tod präsentierte die BILD Aufnahmen von der Richtstätte, die ganz andere Stricke zeigte als den, der Saddam das Genick brach. Laut zugehörigem Text bevorzugte man im Irak die Methode des Strangulierens.
Ich dachte eigentlich, in Ludwig Barrings „Götterspruch und Henkerhand“ über die Tabellen gelesen zu haben, die sich Henker zulegten, um die Länge des Stricks zu berechnen, die für einen zuverlässigen Genickbruch erforderlich war. Barring schreibt hierzu jedoch lediglich:
„;In neueren Zeiten nahm die Zahl der Hinrichtungen schon dadurch ab, daß nun auf viele Delikte, die im Mittelalter noch das Hängen nach sich gezogen hatten, nur noch Freiheitsstrafen standen. Aber gehängt wurde weiter, nicht mehr in jenem großzügig-grausamen Stil, der die Galgenberge in Stätten beinahe mythischen Schreckens und Zentren abergläubischer Furcht verwandelte, aber doch mit erstaunlicher Konsequenz. Denn die Strafe selbst, darüber läßt sich kaum streiten, ist in ihrer Grundtendenz, in der verächtlichen Bloßstellung des Hinzurichtenden, hinter der gesellschaftlichen und geistigen Entwicklung Europas seit dem achtzehnten Jahrhundert weit zurückgeblieben. Als Strafe von Wanderstämmen, als Selbsthilfe kleiner Orte (wie noch in der modernen Lynchjustiz) mochte sie hingehen. Aber es zählt zu den verwunderlichsten Tatsachen im modernen Strafvollzug, daß in einer Reihe von Kulturstaaten noch immer das Hängen die offizielle Todesstrafe ist, ja daß man diese Art der Exekution, nachdem sie schon abgeschafft war, wieder einführte, wie es zum Beispiel die Justiz unter Hitler mit sich brachte.
Zwar gab es nun keine Galgenberge mehr, auf denen der Leib des Gehängten im Winde baumelte, und auch die Hochgerichte, in deren Ketten die Leichen zerfielen, verschwanden spätestens infolge der Französischen Revolution. Kempten versteigerte im Januar 1814 gleich vier »Galgen und Rabensteine gegen bare Bezahlung auf Abbruch«, und die Gefängnishöfe wurden zu den Schauplätzen der Hinrichtungen, bei denen sich das Publikum auf eine kleine Schar berufsmäßiger Zeugen reduzierte. Der Vorgang des Hängens selbst blieb jedodi weiterhin archaisch-undurchsichtig, und es steht bis heute nicht fest, ob jener immer wieder angeführte gnädige Genickbruch, der das Leiden des Delinquenten abkürzen soll, tatsächlich regelmäßig oder nur häufig oder gar nur bei einem Teil der Fälle eintritt.
Aus den Erinnerungen des letzten Wiener Scharfrichters, des vielbesprochenen Meisters Lang, ist bekannt, daß er grundsätzlich strangulierte; das heißt: die Schlinge brach dem Delinquenten nicht den Hals, sondern schnitt ihm lediglich die Luftzufuhr ab, und es trat der minutenlange, qualvolle Erstickungstod ein. Bei anderen Hinrichtungen wurden die Halswirbel nicht gebrochen, sondern nur gewaltsam gegeneinander verschoben. Es kam – wie auch oft beim Genickbruch durch Unfall – nicht zu jener Durchtrennung der Nerven- und Blutbahnen, die allein den schnellen Tod in der Schlinge herbeiführt. Und nur von verhältnismäßig wenigen Scharfrichtern geht die Sage, daß sie ihr Handwerk so meisterhaft beherrschten, daß der Genickbruch tatsächlich sogleich eintrat.
Eine Strafe wird noch nicht zur Zufallsstrafe, weil es dem Zufall überlassen bleibt, ob der Hinzurichtende durch Genickbruch oder durch Strangulation aus dem Leben scheidet. Aber in der langen, langen Zeit, in der diese unerfreuliche Prozedur schon angewendet wird, kam es natürlich doch ein paar Dutzend Male vor, daß ein Gehängter ohnmächtig abgenommen wurde und wieder zum Leben erwachte, daß der Strick riß und der Henker sich weigerte, die Hinrichtung noch einmal zu vollziehen, daß die Falltür sich nicht öffnete und die Menge daraufhin Gnade für den Menschen forderte, der die Todesängste ohnedies schon ausgestanden hatte und nun nicht auch noch den Tod erleiden sollte. In der köstlichen Western-Moritat von Cat Ballou, angeblich nach wahren Vorkommnissen gedreht, wartet unter der Falltür sogar schon der rettende Kutschwagen, während ein anderer Retter, oben auf dem Galgen kauernd, just im richtigen Augenblick den Strick durchschneidet. Verbürgt sind von all diesen Rettungen und Rettungsversuchen jedoch nur sehr wenige Fälle, und einen der seltsamsten unter ihnen berichtet uns die Vossische Zeitung in ihrer Nr. 32 vom Jahr 1768.
»Zu Armagh in Irland wurde im vorigen Dezember ein Pferdedieb im Beyseyn des Sheriffs gehenkt. Als er ohngefähr eine halbe Stunde gehangen hatte, bemerkte der Sheriff, daß er den Kopf bewegte, als wenn er nicht bequem genug hinge. Er ließ ihm darauf Rock und Weste ausziehen, und ob sich gleich, nachdem solches geschehen, nichts zeigte, das seinen Argwohn bestärken konnte, so befahl er doch, ihm auch das Hemde auszuziehn, welches der Nachrichter, weil es unanständig und die Zeit, die der Delinquent hängen müßte, bald vorbey wäre, zu thun sich weigerte. Allein der Sheriff bestand darauf, und als es geschehen, zeigte es sich, daß der Gehängte ein eisernes Halsband um den Hals hatte, woran zwei Riemen waren, die ihm unter die Arme gingen und an vier ändern Riemen befestigt waren, die um den Leib angebracht waren, woran wieder zwei andere festsaßen, die bis auf die Füße gingen und an eisernen Platten unter den Fußsohlen angemacht waren, von welchen wieder ein paar Riemen um den Leib gingen. Der Sheriff ließ sofort alle diese Riemen zerschneiden und blieb vier Stunden auf dem Gerichtsplatz, ließ auch den nunmehr wirklich erwürgten Gehängten die ganze Nacht durch bewachen, ihn den ändern Morgen abschneiden und sogleich begraben. Diese Erzählung ist um so glaubwürdiger, da sie von einem Augenzeugen herkommt.«
Hier war ein ingeniöser Delinquent auf einen erbitterten Anhänger der Todesstrafe gestoßen, der obendrein zu wenig Humor hatte, um eine so mühsam zustandegebrachte Schutzvorrichtung entsprechend zu würdigen. Lang, der es wissen muß, plaudert in seiner Abneigung gegen die unsichere Genickbruch-Methode eine Menge Fälle aus, in denen es Pannen gab: Die Schlinge, die das Genick brechen sollte, bewirkte nicht nur das nicht, sondern strangulierte dann auch noch unzureichend. Hentig verzeichnet Fälle, in denen der Delinquent erst nach einer halben Stunde tot war. Aber selbst das ist noch immer ein gnädiger Tod gegen die Grausamkeit jenes Grafen Wilhelm von Wallerstein aus Nördlingen, der am 6.12.1584 einen Juden namens Abraham Haas an den Füßen aufhängen ließ, zwei ebenso gehängte hungrige Hunde zur Seite: Haas starb erst nach achtundvierzig Stunden …
Gehören auch solche Grausamkeiten – von seltenen Fällen der Lynchjustiz abgesehen – inzwischen glücklicherweise der Vergangenheit an, so ist das Hängen von allen Todesstrafen des modernen Strafvollzugs doch am härtesten bekämpft und am heißesten umstritten. Niemand vermag heute den Widerspruch zu übersehen, der zwischen der Behandlung eines Mörders bis zu seinem Tod und diesem Tod selbst besteht. In langsamem Übergang zu menschlicheren Methoden hat die Strafjustiz eine wirksame Verteidigung, Einspruchs- und Berufungsmöglichkeiten, moderne Haftanstalten, körperliche und seelische Betreuung der Häftlinge, Zuchthausbibliotheken und dergleichen mehr geschaffen. Zwischen dem Delinquenten und dem Henker aber ist alles so geblieben wie vor Jahrhunderten, ja Jahrtausenden, denn ob die Schlinge an einem Galgen oder an einem Baumast hängt, ob der Hinzurichtende von einer Leiter gestoßen wird oder sich eine Falltür unter ihm öffnet, das sind >Fortschritte<, die allzu deutlich beweisen, daß man auf diesem Gebiet gar keinen echten Fortschritt erzielen, sondern allenfalls die Fassade renovieren wollte.“ (Barring S. 106ff)
Bei Barring hatte ich es also nicht gelesen, dann kann der Bericht über das andere Problem beim Hängen nur noch bei Will Berthold „;Vollstreckt“ beschrieben sein. Dabei handelt es sich um einen Bericht über Johann Reichart, den letzten Henker des deutschen Reiches. – Leider ist mir dieses Buch im Laufe einiger Umzüge verloren gegangen. Wie dem auch sei, ist de Strick zu lang, besteht die Gefahr des ungewollten Guillotinieren des Delinquenten. – Dem kann es eigentlich egal sein, ob ihm das Genick gebrochen oder der Kopf abgerissen wird. Tot ist tot, beides geht gleich schnell. Das Abreißen des Kopfes widerspricht jedoch der perfiden „;Ordnung“ der Todesstrafe. Tod durch Erhängen ist eben nicht Tod durch Enthauptung. Enthauptung ist weniger schimpflich als Erhängen.
Saddams Henker waren, so zeigt es das Video, offensichtlich keine Profis, sondern rachedurstige Amateure, denen es eigentlich gar nicht recht sein konnte, Saddam ein rasches Ende zu bereiten.
Warum also nahmen sie Zuflucht zur „;Long-Drop“-Version des Hängens“?
Daß der Strick genau die Länge hatte, die für einen deutlich hörbaren Genickbruch erforderlich war, kann angesichts der Inszenierung kein Zufall gewesen sein, aber auch nicht von den Henkern ersonnen. Sie müssen Informationen von dritter Seite gehabt haben, welche Länge Saddam Strick haben mußte. Und diese kann eigentlich nur aus dem „;Westen“ stammen. Entweder aus alten englischen Aufzeichnungen oder aus dem noch wilderen Westen. Sehr unwahrscheinlich ist nämlich, daß das deutsche Justizministerium sein Archiv geöffnet hat, um der irakischen Regierung hier „;Amtshilfe“ zu leisten.
Die Regisseure dieser Schmierenkomödie saßen sonstwo, aber nie und nimmer in Bagdad.
Die Henker von Bagdad hätten besser daran getan, Saddam auch gegen seinen Willen eine Kapuze über den Kopf zu ziehen. Denn diese dient der Abwehr des „;bösen Blicks“, der sie so durchaus getroffen haben kann. Gott sei ihrer armen Seele gnädig.

Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Altenhoff

Wer mag da wohl bei der Exekution von Saddams Halbbruder am „Rädchen“ gedreht haben? Wurde der arme Kerl doch tatsächlich durch den Strang enthauptet. Das war, wie sich aus oben Gesagtem ergibt, durchaus kein „bedauerlicher Zwischenfall“, sondern schlicht und ergreifend Unvermögen der Henker. Wenn man das Strangulieren gewohnt ist, sollte man eben die Finger vom „Long Drop“ lassen. —
Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Altenhoff
Bismarckstr. 40
41542 Dormagen
Tel. 0 21 33 97 30 29
http://www.bundesadel.de
Publikationen:
http://www.lulu.com/advocatusdeorum

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