EHEC – EVOLUTION – NEIN DANKE?

Größer könnte der Kontrast nicht sein:

Bei der Vogelgrippe ist man sich zu 100% über den Infektionsweg, der Menschen offenbar weitgehend verschont, sicher. 10.000 weitere Hühner werden getötet.  – So zumindest die jüngsten Medienmeldungen.

Anders bei EHEC, deswegen stimmt da was nicht:

Man sucht immer noch nach der „Infektionsquelle“ – ohne jede Aussicht, sie jemals zu finden. Wieder einmal spielt die Verwendung der falschen Metapher den Schlußfolgerungen einen Streich: Wenn man beim Wasser die „Quelle“ findet und sie verstopft, hört der Fluß auf zu fließen. – So einfach ist das, – ja wenn da die dynamischen Eigenschaften des Wassers nicht wären; – eine sprudelnde Quelle lässt sich nicht einfach „verstopfen“ – das Wasser bahnt sich seinen Weg an anderer Stelle. Man hat wohl bei der Verwendung des Begriffes „Quelle“ eher den Wasserhahn im Sinn, den man zudrehen möchte. Selbst wenn man diesen Wasserhahn finden würde, es wäre zu spät. Das EHEC-Bakterium dieses besonderen Stammes hat sich von seiner „Stammzelle“ ausgehend auf den Weg in die Welt gemacht. Aber deswegen braucht man keine Angst zu haben, es wird uns nicht vernichten. – Auch wir werden uns daran gewöhnen, und zwar in einer Art und Weise, daß kaum noch „Erkrankungen“ dieser Art auftreten werden, denn schließlich haben wir uns auch an andere Varianten der Coli-Bakterien angepaßt. – Aber es dauert halt und „Kollateralschäden“ sind in der Evolution nicht ungewöhnlich.

„Das biogenetische Grundgesetz spiegelt im Individuum den Pfad der Stammesgeschichte wider. In den Erbanlagen eines jeden Lebewesens ist also die Abfolge der Schleusenereignisse gespeichert. Das führt zwangsläufig zu der Frage, mit welchen Mitteln sich das Genom sich diesen Weg gemerkt hat. Damit drängt sich die Vermutung auf, daß die DNA mehr Informationen enthält, als wir ihr bisher entlocken konnten.

Einsteins Kommentierung zu Heisenbergs Unschärferelation bestand aus einem Satz: „Gott würfelt nicht.“ – Er würfelt nicht, weil die Möglichkeiten des Würfels zu begrenzt sind. Gott bevorzugt das Kartenspiel, – das würde eher zutreffen. Jedes Individuum ist ein Runde mit unendlich vielen Karten, bei der Fortpflanzung werden die Karten neu gemischt, einige weggelassen, andere hinzugefügt. Wer die nächste Runde erreicht, hat gewonnen. Das allerdings gilt auf den ersten Blick nur für vielzellige Lebewesen. Wie aber sehen die Verhältnisse im Mikrokosmos aus?

Einzellige Lebewesen wie Bakterien und Pantoffeltierchen vermehren sich durch Zellteilung, wobei aus einer zwei identische Zellen entstehen. Das scheint einer Teilnahme am großen Spiel entgegenzustehen, denn wo werden da die Karten neu gemischt? – Einzeller tauschen von Zeit zu Zeit genetisches Material aus. Gene enthalten Informationen; auch unter einzelligen Lebewesen findet daher ein Informationsaustausch statt. Wenn sie so wollen, gibt es Schwatzhaftigkeit bereits im Mikrokosmos. – Und das ist auch sehr sinnvoll:

Folgender Fall: In einer Petri-Schale eines pharmazeutischen Labors wächst eine Bakterienkolonie. Bakterie A verfügt über eine Gensequenz, die wir als y bezeichnen wollen. Diese Gensequenz y verlangsamt die Teilungshäufigkeit und erschwert den Energieumsatz. A gerät dadurch gegenüber seinen Artgenossen ins Hintertreffen. Gleichwohl überträgt A im Zuge mehrerer Konjugationen y auf seine Geschwister. Diese werden dadurch ebenfalls benachteiligt.

Bakterien in einer Petri-Schale sind Versuchsobjekte. Also werden sie eines Tages mit einen neuentwickelten Antibiotikum konfrontiert. Alle Bakterien sterben ab, bis auf die Träger der Gensequenz y, die nebenbei gegen das Antibiotikum resistent macht. Ohne Genaustausch wäre A als einziges Bakterium übriggeblieben. Das hätte als Ansatzpunkt für eine Rückkoppelungsschleife ausgereicht, denn bereits nach wenigen Stunden hätte A tausende von Nachkommen gehabt. – Alle immun gegen das neue Medikament. Durch den Informationsausstausch im Mikrokosmos erhöhte sich die Chance um ein Vielfaches, denn A hätte wegen seiner „Randexistenz“ zugrunde gehen können, lange bevor sich der Laborant entschloß, die chemische Keule in die Petri-Schale zu werfen.[1] (Gerhard Altenhoff, Australopithecus Superbus – der Mensch im Licht nichtlinear-thermodynamischer Evolution)

In Sachen EHEC ./. Mensch ist die Evolution bislang Sieger nach Punkten. – Und sie wird es auch bleiben. Nachdem nunmehr klar geworden ist, daß die spanischen Gurken nicht mit „unserem“ Stamm kontaminiert worden waren, geht das muntere Rätselraten weiter.

Egal, wo und wie das „Mutterbakterium“ erzeugt wurde, der Weg in die Zukunft seiner (ihrer – wir wollen ja nicht sexistisch sein) ist vorgezeichnet:

Der Mensch als „Lebensraum“ – man kann diesen auch als „ökologische Nische“ bezeichnen, eignet sich für „unseren“ EHEC-Stamm nicht, weil er am Ende vernichtet wird. – EHEC sägt den Ast ab, auf dem er sitzt. Wenn EHEC langfristig keinen Weg mehr findet, auf andere Menschen übertragen zu werden, ist das Aussterben dieses Zweigs des EHEC-Stammes unvermeidlich. – So wollen es die Regeln der Evolution. – Man muß sich in diesem Zusammenhang vor Augen führen, daß nach einer Inkubationszeit von etwa 10 Tagen die Individuen des 10. Tages weiter von ihrer „Stammzelle“ entfernt sind als die heutigen Menschen von den ersten Menschen, die seßhaft wurden. (Bei einer „menschlichen“ Generation von angenommenen 33 Jahren und einer  Reproduktionsgeschwindigkeit des Bakteriums von einer Generation/Stunde) – In dieser Zeit wächst nicht nur die Zahl der Individuen, es wächst auch das Mutationspotential. Somit kann die scheinbare „Epidemie“ nicht nur dadurch zum Stillstand kommen, daß „Infektionswege“ blockiert werden, sie kann auch einfach dadurch aufhören, daß eine Variante um sich greift, die sich mit dem Menschen gewissermaßen „arrangiert“. – So einfach ist Evolution, ihr Pfad ist wenig erstaunlich.

Erstaunlich ist nur die Inkonsequenz unserer Politiker. Da werden -zigtausende  von Hühnern aus Angst vor der Vogelgrippe „vorsorglich“ getötet; Horst Seehofer setzte gar „Tornados“ ein, als die ersten toten Vögel auf Rügen einschlugen.  – Da werden aus Angst vor Erdbeben & Co Kernkraftwerke vom Netz genommen. – Alles nach dem von Karl Valentin entwickelten Grundsatz:

„Sicherheit geht vor Seltenheit“.

– Ja wo bleiben denn die Vernichtungsaktionen gegenüber dem als „gesünder“ propagierten Grünzeug? – Müßten nicht aus Gründen der „Gefahrenvorsorge“ sämtliche auf dem Markt befindliche Gurken, Tomaten und Salate verbrannt werden? Müßten nicht umgehend alle entsprechenden Pflanzen, deren Früchte fast zur „Marktreife“ gelangt sind, rasch und konsequent gerodet werden? – Solange die „Quelle“ nicht identifiziert ist, besteht immer die Gefahr, daß erneut kontaminierte Gurken, Tomaten und Salate auf den Teller ahnungsloser Verbraucher gelangen. – Bakterien sind so heimtückisch wie Strahlung: Niemand kann sie sehen!

Nein! – In diesem Fall verläßt sich „die Politik“ auf den „Kachelmann-Effekt“ – und der wirkt:

Weil die „Verbraucher“ durch die „fehlenden Entwarnungen“ seitens „der Politik“ verunsichert sind, müssen Gurken und andere „verdächtige“ Feldfrüchte in der Größenordnung von hunderten von Tonnen vernichtet werden, weil sie frisch nicht verkauft werden können und später nicht mehr verkauft werden dürfen.

Es ist eine Sünde und eine Schande.

Warum eigentlich werden öffentlich zugängliche Toiletten nicht umgehend gesperrt? – Wer Durchfall hat, sucht wohl eher eine öffentlich zugängliche Toilette auf als jemand ohne Durchfall. Wer Durchfall hat ist auch dann geneigt, eine öffentlich zugängliche Toilette aufzusuchen, wenn er sie sonst meidet. Und auf öffentlich zugänglichen Toiletten ist das Toilettenpapier ebenfalls öffentlich zugänglich. Es ist kaum vorstellbar, daß sich jemand die Hände wäscht, bevor er sich den Hintern abwischt. Hat er aber einmal Bakterien auf dem Klopapier hinterlassen, kommt der nächste „Besucher“ damit in Kontakt. – Niemand kann sich darauf verlassen, daß sich dieser anschließend die Hände wäscht. – Ist die öffentlich zugängliche Toilette in einem Restaurant – na dann „Nacht Mattes“!

Wie eingangs gesagt, da stimmt was nicht. Das einzige was nicht stimmt, ist die Reaktion „der Politik“. Unsere Politiker beschuldigen und verurteilen schnell und ohne Beweis. – Hier stehen sie vor einem Problem, das für sie unlösbar ist: Sie haben keine Ahnung, wen sie beschuldigen können, ihre übliche Maßnahme, nämlich Gewalt und Verbot, müssen versagen, weil ansonsten die Eingangsbereiche der Supermärkte leergefegt wären und die Kids vor den Pommesbuden endlose Schlangen bilden würden.

EHEC: Eßt Heute Eine Currywurst, denn Gurken kann tödlich sein.


[1]              Unter diesem Aspekt ergeben sich aus den in der Natur vorhandenen Muster ganz neue Fragen:

Aus dem Biologieunterricht kennen Sie noch den Begriff der analogen Organe. Diese tauchen bei gänzlich unterschiedlichen Lebewesen auf. Der Maulwurf ist ein Säugetier, die Maulwurfsgrille ein Insekt. Dennoch sind beide mit schaufelförmigen Vordergliedmaßen ausgestattet, die sowohl von der Funktion als auch vom Aussehen her fast deckungsgleich sind.

Dinosaurier und Säugetiere brachten in zeitlicher Abfolge ebenfalls Strukturen hervor, bei denen die Ähnlichkeit den Betrachter durchaus in Erstaunen versetzten kann. Vergleichen Sie nur den Bau der Flügel bei Flugsauriern und Fledermäusen.

Bei Beutel- und Plazentatieren, gibt es Parallelentwicklungen, die verblüffend ähnliche Lebewesen hervorbrachten.

Alle drei Feststellungen werfen die Frage auf: Wie kommt das? -Betrachten wir Ernst Haeckels biogenetisches Grundgesetz, wonach jedes Individuum in seiner Individualentwicklung die Stammesgeschichte in ihren Grundzügen wiederholt, aus Sicht einer laminaren Evolution, so könnte man behaupten, daß Lebewesen von der Zeugung an in ihre endgültige Form fließen.

Als nichtlineare dynamische Systeme geraten sie ständig an irgendwelche Verzweigungspunkte. Wenn sich dabei in vollkommen verschiedenen Familien und Klassen erstaunliche Ähnlichkeiten im Muster ergeben, wirft das natürlich die Frage auf, ob nicht die DNA, das Erbmolekül erheblich mehr Informationen enthält, als wir es uns bislang vorstellen können.

Wer sagt uns denn, daß die Nachfahren der heutigen Hasen und Kaninchen nicht dereinst die Känguruhs der Plazentatiere sein werden? Mit ihren verkürzten Vordergliedmaßen und powervollen Hinterbeinen sind sie dafür geradezu prädestiniert. Der Osterhase als Missing Link der Zukunft?

Es ist allerdings auch möglich, daß der „verstümmelte“ Schwanz der Hasen verhinderte, daß diese zu „vollwertigen“ Känguruhs der Plazentatiere wurden. Vielleicht entwickelten sie die heute bekannten Überlebensstrategien gerade aus diesem Grunde. – Wir leben nicht lange genug, und wir greifen zu tief in den Ablauf der Evolution der uns umgebenden Pflanzen und Tiere ein, um diese Frage jemals entscheiden zu können.

Wer garantiert, daß die Nachfahren der Robben und ihrer Verwandten nicht eines Tages zu einer „voll“ aquatischen Lebensweise übergehen werden? – Sind auch sie die „Missing links“ der Zukunft?

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