Pkw-Maut und soziale Sicherung|

Haushaltsdebatte: Ramsauer hält an Pkw-Maut fest | tagesschau.de.

Seit den Tagen der Pharaonen hat eine „Regierung“ nichts anderes im Sinn, als „abzuzocken“. Denn immer und ausnahmslos war eine „Regierung“ gegen das Volk, nie aber für das Volk da.

Wasrum sollte es zu Beginn des 21. Jahrhunderts anders sein als vor 5000 Jahren:

Wenn man seine Festplatte aufräumt, findet man manchmal Entwürfe, die dem menschlichen Gedächtnis einfach mal so eben entfallen. Gleichwohl könnten sie vom gestrigen Tage stammen.- Der einzige Unterschied ist der, daß damals ein gewisser Gerhard Schöder das Kanzleramt besetzt hatte und Hans Eichel denjenigen verkörperte, dem das Wasser bis zum Hals stand:

Sehr geehrte Damen und Herren,

nun versucht die Regierung mit aller ihr zur Verfügung stehenden Macht die sozialen Sicherungssysteme zu destabilisieren. Leider, so muß man sagen, spielt mein „Wunschkanditat“ des Jahres 2002 für das Amt des Bundeskanzlers, Roman Herzog, hierbei eine führende Rolle. Ich bin so maßlos enttäuscht, daß ich mir hier und jetzt anmaße, die „Reform der sozialen Sicherungssysteme“ schon jetzt für gescheitert zu erklären:

Alle Kommissionen, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben, gehen von Voraussetzungen aus, die nicht gegeben sind, weil sie nicht gegeben sein können. Sie unterstellen alle, daß „der Staat“ bezüglich Wirtschaft und Bevölkerungsentwicklung etwas steuern könnte. Wie kann jemand etwas steuern, wenn er in Wirklichkeit nicht existent ist? „Der Staat“ ist nicht existent, weil er sich lediglich in den Köpfen der Menschen abspielt. Menschen sind keine „staatenbildenen“ Lebewesen, wie es etwa Ameisen oder Bienen sind. Aber auch Ameisen und Bienen bilden keine „Staaten“, sondern einen Gesamtorganismus. Das heißt, ein Ameisen- oder Bienenstaat unterscheidet sich nicht grundlegend von einem menschlichen Körper. Alle Individuen, egal ob Biene oder Zelle, verhalten sich so, daß die Summe der einzelnen Verhaltensmuster als Verhalten der Gesamteinheit erscheint. Voraussetzung dafür sind drei Dinge: Verständigung und Zusammenarbeit. Zusammenarbeit besteht in der Abstimmung des Verhaltens der Individuen. Die Abstimmung des Verhaltens setzt wiederum das voraus, was man gewöhnlich als Harmonie bezeichnet.

Verständigung, Zusammenarbeit und Harmonie: Kommunikation, Kooperation und Harmonie, das sind die Grundvoraussetzungen für das Funktionieren eines Organismus. Das beißt sich gewaltig mit der Lehre Darwins vom Kampf ums Dasein und der erbarmungslosen Selektion, die alles Nichtangepaßte umgehend „ausmerzt.“ Der Widerspruch ist allerdings nur ein scheinbarer, ein „virtueller“ Widerspruch:

1859 landete Charles Darwin mit seinem Werk „Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl“ einen Volltreffer. Er wirbelte die gottgewollte Ordnung der Geschöpfe dermaßen durcheinander, daß der Kampf ums Dasein zwischen Evolutionisten und Kreationisten bis zum heutigen Tage fortdauert.

Allerdings sind Darwin und seine wissenschaftlichen Erben an dem erwähnten Theorienstreit nicht ganz unschuldig. Die Evolutionstheorie ist nämlich nicht ganz vollständig und – ich möchte es so ausdrücken – mit der falschen Rollenverteilung formuliert.“

Diese „falsche Rollenverteilung“ sollte sich am Ende als der Gabelungspunkt in der Geschichte der Menschheit herausstellen, der nach kaum 80 Jahren an die „Selektionsrampe“ von Auschwitz führte. Aufgrund des damals wie heute herrschenden mechanistischen Weltbildes konnte Darwin gar nicht anders, als den Fehler zu machen, der ihm nun einmal unterlaufen ist:

(…)Womit wir wieder beim Thema wären. Die Resistenz von Krankheitserregern gegen Antibiotika beruht auf Anpassung von Mikroorganismen. Darwin hat gezeigt, daß die gottgewollte Ordnung der Organismen ein fortlaufender Prozeß ist. Darwin und seine Nachfolger sagen, Mutation und Selektion seien die beiden Triebkräfte der Evolution. – Pardon, aber auch die Evolution ist nicht linearer als die Wirtschaft und nebenbei höchst dynamisch. Ausgerechnet sie soll von nur zwei Variablen abhängig sein? – Da stimmt doch etwas nicht.

Hat Darwin sich vertan? – Wir werden sehen. – Aber gießen Sie sich bitte erst einmal eine Tasse Kaffee ein. Oder, wie Charles Darwin gesagt hätte: „pour out the coffee.“ – In wörtlicher Übersetzung bedeutet das: „Gieß den Kaffee aus.“ Wie können Engländer den Kaffee ausgießen, ohne ihn gleich wegzuschütten? Des Rätsels Lösung ist einfach: die englische Sprache betrachtet den Sachverhalt aus der Sicht der Kanne, in deutscher Sprache wird derselbe Vorgang aus der Tassenperspektive geschildert.“

Der einfache Wechsel der Perspektive führte am Ende zur nichtlinear-thermodynamischen Variante der Evolutionstheorie und damit zur direkten Bestätigung der Gaia-Hypothese. (Diese betrachtet die Erde als lebendiges Gesamtsystem und den Menschen als eines ihrer vielen Untersysteme.) Denn nach und nach kippten sämtliche Vorzeichen: Die Mechanik, ungekrönte Königin der Physik, mußte der Thermodynamik als Wirkprinzip des Kosmos weichen. Mechanik ist die Lehre von den toten Gegenständen, die sich dann und nur dann bewegen, wenn sie mit einer nichtlinear-thermodynamischen Kraft in Wechselwirkung treten: Schumi kann nur dann ein Rennen gewinnen, wenn er Sprit im Tank hat und seine Mechaniker das Ölkännchen nicht vergessen haben. Hat er keinen Sprit im Tank, bleibt er auf der Pole Position, hat er kein Öl, nageln ihn Reibung und Wärme auf der Pole-Position fest, weil die Kolben seines Motors sich umgehend an den Zylinderwänden festschweißen.

Sozialgemeinschaften treten in der Evolution immer dann auf, wenn das „Einzelgängertum“ nicht ausreicht, die Art zu erhalten. In erster Linie wirkt das Leben in der Gemeinschaft dem Aussterben entgegen. Es ist keine Laune der Natur, sondern in den Fällen, wo es auftritt, zwingende Notwendigkeit. Obgleich die Evolution den Begriff „Zweck“ nicht kennt, „dient“ die Sozialgemeinschaft der Aufzucht der Jungen und damit der Arterhaltung. – Die Grundstimmung in den Sozialverbänden ist freundlich, im Regelfall sondern die Alten und Kranken sich ab. – Aufgrund der Besonderheiten, die der Mensch nun einmal aufweist, haben sich hier die Verhältnisse umgekehrt. Der menschliche Säugling hat wie alle anderen Primatensäuglinge einen Klammerreflex, aber seine „Mama“ hat kein Fell mehr. Der Reflex hat die „Anpassung“, die „Fitneß“ verloren. Die Strukturen stimmen nicht mehr überein. Wie so oft in der Evolution wurde der Mangel in der Struktur durch Änderungen im Verhalten ausgeglichen. Dieser Ausgleich ist auf Individualebene ebenso zu finden wie in der Stammesgeschichte. Das augenfälligste Beispiel hierfür sind die sogenannten „Contergan-Kinder“. Sie sind wahre Meister darin, Fehler in der Struktur durch Verhalten zu kompensieren. Der in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts geprägte Begriff „Sorgenkind“ ist grundfalsch und ein unübersehbares Zeichen für den Unverstand, mit dem der Mensch seiner eigenen Natur begegnet.

In seiner Frühzeit wird der Mensch unglaublich viele Kinder allein dadurch verloren haben, daß diese bei dem Versuch, sich am Fell der Mutter festzuklammern, ins Leere griffen und zu Boden fielen. Es überlebten nur diejenigen, deren Müttern eben dieser Umstand auffiel und sich wesentlich aktiver um den Nachwuchs kümmerten als die übrigen. – So war es nur eine Frage der Zeit, bis die Signale der Hilflosigkeit , die von erwachsenen Individuen ausgesandt wurden, mit „Brutpflegeaktivitäten“ beantwortet wurden. Die Menschlichkeit, die Fürsorge für Alte, Kranke und Schwache, kam damit in die Welt. Und sie währte lange, Sie garantierte über Millionen von Jahren das Überleben unserer Vorfahren. Und so nimmt es auch nicht wunder, wenn die Knochen des Neandertalers für die „Anwälte der Toten“ ein ganz anderes Bild zeichnen als das, das sich der „moderne“ Mensch von ihm macht:

Die Neandertaler müssen deutlicher als alle anderen Geschöpfe vor ihnen empfunden haben, wie kostbar ein Leben ist, denn auf der fundamentalsten Ebene sind Begräbnisriten gleichbedeutend mit dem Wunsch, das Menschliche zu bewahren. Das Begraben besagt, daß irgendein wesentlicher Teil des menschlichen Lebens – man mag es Geist oder Seele nennen   nicht zerstört werden kann, sondern nach dem Tode irgendwo anders in irgendeiner anderen Form weiterexistiert.

Dieser zunehmende Sinn für den Wert des Lebens spiegelt sich nicht nur in den Begräbnisriten der Neandertaler, sondern auch in ihrer Fürsorge für alte und behinderte Menschen. So war zum Beispiel der Mann von La Chapelle-aux-Saints längst über die besten Mannesjahre hinaus, als er starb. Sein Skelett läßt erkennen, daß er unter Arthritis litt und unmöglich noch an Jagden teilnehmen konnte. Selbst das Essen muß ihm schwergefallen sein, da er alle Zähne bis auf zwei verloren hatte. Hätte er zu einer früheren Zeit gelebt, hätte man ihn wahrscheinlich ausgesetzt und verhungern lassen, nachdem er für die Gruppe nicht mehr von Nutzen war. Aber die Neandertaler ließen sich anscheinend nicht von einer derart grausamen Logik leiten. Die Gefährten dieses Mannes versorgten ihn selbstlos mit Essen, vielleicht kauten sie es ihm sogar vor.

Auch die Funde von Shanidar lassen vermuten, daß die Neandertaler für Behinderte sorgten. Einige der dort gefundenen Knochen gehören einem 40jährigen Mann, der vermutlich durch Steinschlag getötet wurde. Die Untersuchung seines Skeletts ergab, daß ihm vor dem tödlichen Unfall nur ein Arm zur Verfügung gestanden hatte. Der rechte Arm und die Schulter waren verkümmert – vermutlich ein angeborener Defekt. Trotz dieser erheblichen Behinderung erreichte er ein für einen Neandertaler hohes Alter. Seine Vorderzähne sind ungewöhnlich stark abgenutzt, was darauf hindeutet, daß er einen großen Teil seiner Zeit damit verbrachte, Tierhäute weichzukauen, damit sie als Kleidung verwendet werden konnten, oder daß er seine Zähne anstelle des fehlenden Arms zum Festhalten von Gegenständen benutzte. (…) Auch der ursprüngliche Neandertaler aus Deutschland hat eine schwere Verletzung überlebt, sich allerdings nicht gut von ihr erholt: Die Knochen seines linken Ellenbogens waren so deformiert, daß er nicht imstande war, die Hand zum Mund zu heben; ob Mensch oder Tier für diese Verletzung verantwortlich war, läßt sich nicht feststellen1

Betrachtet man die langjährige Diskussion um die Einführung einer Pflegeversicherung und die gegenwärtige Diskussion über die altersmäßige Beschränkung für künstliche Hüftgelenke, so erscheint der Aufwand und die Hingabe, mit der die Neandertaler ihre Pflegebedürftigen versorgten, fast schon wie eine in die Vergangenheit projizierte Utopie eines Norbert Blüm.

Das Phänomen „Staat“, das bis heute die Oberfläche unseres Heimatplaneten mit Mord und Raub überzieht, ist demgegenüber gerade einmal 6.000 Jahre alt. Und die Evolution des Phänomens „Staat“ zeigt eine durchgängige Linie von der Göttlichkeit eines Herrschers über das Gottesgnadentum bis hin zum Märchen vom „Wählerauftrag“. – Ich will das hier nicht vertiefen, denn entscheidend ist, daß die hier wiedergegebenen Informationen ausreichen, die Grundzüge einer europäischen Verfassung zu skizzieren:

Die Europäische Union hat den Menschen, die ihr angehören, denselben Schutz zu gewährleisten, den einstmals die Horde bot. Die Organisation der Gemeinschaft, die in den unübersehbar großen Sozialgemeinschaften die Gemeinschaftsaufgaben zu übernehmen bzw. zu koordinieren haben, muß daher so verfaßt sein, daß der genannte Schutz gewährleistet ist. Die Rangfolge der Aufgaben ist folgende:

  1. Ausbildung des Nachwuchses

  2. Versorgung der Kranken

  3. Versorgung der Alten

Selbstverständlich gehört auch die Versorgung der „Arbeitslosen“ dazu. Aber das Phänomen Arbeitslosigkeit beruht in erster Linie auf der Verletzung des reziproken Verhaltens. „Arbeit“ wird geringgeschätzt, obgleich „Arbeit“ und „Kapital“ äquivalent sind. Noch wird der „Arbeitnehmer“ als Rangniederer betrachtet, nicht als Vertragspartner. Das ist der Grund für die Existenz von Gewerkschaften.

Zu den nicht weniger wichtigen, aber sehr heiklen Aufgaben der Gemeinschaft gehören  Polizeiwesen und Justiz.Der Begriff „Polizei“ ist hier nicht im Sinne einer „Ordnungsmacht“ gemeint; er ist vielmehr am klassischen preußischen Polizeibegriff, nämlich der Gefahrenabwehr orientiert. Das Beispiel Großbritannien zeigt, daß der normale Streifenpolizist nicht bewaffnet sein muß. – Menschen sind nun einmal soziale Wesen. In allen sozial organisierten Lebensgemeinschaften gibt es eine soziale Dominanz. Diese aber „herrscht“ in aller Regel nicht. Kein Alpha-Wolf befiehlt den Angehörigen des Rudels, was er tun soll. Keine Leitkuh einer Elefantenherde befehligt die Herde. Vielmehr sorgt gerade bei Elefanten die Leitkuh für Ruhe in der Herde. – „Ordnung“ spielt bei sozial lebenden Organsimen nur eine untergeordnete Rolle. In diesem Sinne hat auch die Justiz für Ruhe zu sorgen, indem sie als Institution der sozialen Dominanz gewährleistet, daß das, was Recht ist, auch Recht bleibt. Der Richterspruch ist nun einmal – ich kann es nicht ändern – der kümmerliche Ersatz für den weitgehend verlorengegangenen Tausche–und–teile–Instinkt. Eine Justiz, die selbst die absurdesten Gesetze ür bare Münze nimmt und anwendet, kann diese von ihr verlangte Leistung freilich nicht erbringen. – Und es hat sich gezeigt, daß seit dem Auftreten des Phänomens „Staat“ die Justiz ohne jede Ausnahme über den Weg der Gesetzgebung als Machtinstrument mißbraucht wurde. Auf lange Sicht wird es im Zuge der Reglobalisierung der Wirtschaft nicht vermeiden lassen, das Justizwesen ganz in die Hand einer weltumspannenden Organisation zu legen. Sind Handel und Gewerbe global, kann das anwendbare Zivilrecht langfristig kein Flickenteppich nationaler Rechtsordnungen bleiben. Auch der empfindlichste und heikelste Teil einer jeden Rechtsordnung, das Strafrecht, kann sich auf Dauer der Globalisierung nicht entziehen. Es kann langfristig nicht hingenommen werden, daß ein bestimmtes menschliches Verhalten am Orte X erlaubt, fünf Flugstunden entfernt am Orte Y aber mit der Todesstrafe bedroht ist. Kein Mensch in dieser Welt ist in der Lage, alle Strafvorschriften dieser Welt zu kennen. Kann er sie nicht alle kennen, so ist es ihm auch unmöglich, sein Verhalten danach zu richten. Der Dekalog ist eine gute Richtlinie für ein zu schaffendes Weltstrafrecht. – Vor allem die weltweite Durchsetzung des 5. Gebots wird anfänglich vielen „Herrschenden“ gar nicht schmecken, deren Macht aus den Gewehrläufen kommt. – Wenn ich mich recht entsinne, stammt dieser Spruch so oder so ähnlich von Mao-Tse-Tung. Es wird ein langer Weg werden, weil das Übermaß an Macht, das sich in den vergangenen 6.000 Jahren angesammelt hat, nicht bereit sein wird, die Dominanzposition ohne weiteres preiszugeben. – Selbst die Institution Papst hat die Reformation um bislang fünfhundert Jahre überstanden. Und auch heute ist die katholische Kirche so reformunfähig wir zu Luthers Zeiten. – Dennoch ist die Tür zu einem einheitlichen Strafrecht mit dem Internationalen Strafgerichtshof bereits einen Spalt geöffnet. Und es wird Aufgabe des vereinten Europas sein, diese Tür weiter aufzustoßen, bis sie buchstäblich aus den Angeln gehoben werden kann. Dann und nur dann kann kein „Warlord“ dieser Welt, auch ein George Bush, sich weiter dem gesetzlichen Richter entziehen. Denn ein internationaler Gerichtshof der Zukunft wird per Gerichtsbeschluß jeden beliebigen militärischen Befehl aufheben können. Wer diesen dann trotzdem ausführt, wird sich nicht damit herausreden können, er hätte nur einen Befehl befolgt:

Des weiteren hat der Mensch seinen empfindlichsten Hörbereich bei einer Frequenz von 3000 Hertz. In diesem Bereich liegt der Notruf einer Frau oder eines Kindes, auf den wir wahrscheinlich instinktiv, also mit angeborenen Verhaltensmustern reagieren.2 – Nein! Der „moderne“ Mensch reagiert darauf nicht mehr instinktiv: er berechnet den „Wert“ dessen, der das natürliche SOS sendet. Er versteht nur das Notsignal, das er verstehen will. In aller Welt bedarf es religiöser oder staatlicher Gebote, den „Notruf“ eines Mitmenschen so zu beantworten, wie ein intakter Instinkt es vorschreiben würde.

Aber in den Religionen und Staaten der Welt werden diesbezüglich starke Einschränkungen gemacht. Es wird zwischen Gläubigen und Ungläubigen, Freund und Feind unterschieden. Wer dann im Notfall den falschen Glauben oder die falsche „Staatsangehörigkeit“ hat, dem gnade Gott. Die Präambel des „Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland“ beginnt mit den Worten: „Im Bewußtsein der Verantwortung vor Gott und den Menschen….“ An dieser Stelle sollten wir uns nochmals vor Augen führen, was Religion überhaupt bedeutet: Respekt und Skrupel gegenüber dem Artgenossen:

Die juristische Aufarbeitung des sogenannten Dritten Reichs hat gezeigt, daß die „Täter“ im wesentlichen von „biederen“ Bürgern verkörpert wurden, die sich ihre Taten selbst nicht erklären konnten und nur Befehle befolgt haben wollten. Der Befehl überwand nach deren Darstellung die religio. Was die Vergangenheit anbelangte, sah man darin eine „faule Ausrede“. Aber in der Gegenwart des späten 20. Jahrhunderts standen in aller Welt die „Tugenden“ Pflichterfüllung und Gehorsam immer noch hoch im Kurs.

Die Vorgänge im Dritten Reich eigneten sich schließlich auch hervorragend, durch dessen Dämonisierung die eigenen Verbrechen zu banalisieren.

Während in Vietnam biedere Amerikaner Befehlen gehorchten, Frauen und Kinder mit Bomben und Napalm überschütteten, während in My Lai der biedere Lieutenant Kelly Hunderte von Menschen niedermachen ließ, um die „Freiheit“ zu verteidigen, machte sich Stanley Milgram in aller Stille an ein Experiment, dessen Ergebnis die Menschheit eigentlich hätte aufhorchen lassen müssen:

Milgram ließ seine Probanden bei einem vermeintlichen Lernexperiment „Schüler“ für mangelnde Lernleistungen mit Elektroschocks „bestrafen“. Die Schocks reichten von 15 bis 450 Volt Spannung. – Milgram hatte erwartet, daß nur ein geringer Teil der Menschen zum Kadavergehorsam fähig wären. Erwartet worden war also eine „Normalverteilung“ der Bereitschaft zum absoluten Gehorsam. Danach hätte dieses Phänomen nur einem der auslaufenden Schenkel der Normalverteilungskurve zugeordnet werden dürfen, hätte also lediglich einen Prozentsatz zwischen 0% und etwa 7% der Stichprobe ausmachen können. Entgegen allen Voraussagen und Erwartungen kannte die Mehrheit der Probanden keine Skrupel. Rund 63% der Menschen, genauer gesagt, 63% der Männer sind bereit, auf Anweisung einer Autorität fremde Menschen zu quälen und zu töten

63%, – dreiundsechzig (!) Prozent! – dieses überraschende Ergebnis paßte weder seinerzeit noch paßt es heute in die politische Landschaft. Es widerspricht dem Selbstverständnis des Homo sapiens sapiens. Es ist auch nicht kompatibel zum Menschenbild der großen Religionen. Deshalb wurde es auch in der Öffentlichkeit wenig beachtet und nicht weiter diskutiert. Man hat Milgram Fehler bei der Versuchsanordnung unterstellt und ansonsten das Ergebnis geflissentlich totgeschwiegen. . Das Buch „Das Milgram-Experiment“ gibt es für 6.80 DM als Taschenbuch. Meine Empfehlung: Schauen Sie sich gelegentlich den Film „I – wie Ikarus“ mit Yves Montand an. Er enthält in einer ca. 10-minütigen Sequenz eine detailgetreue und eindringliche Darstellung dieses Experiments.

Angesichts der Vernichtungsorgie in Vietnam, den Stammesfehden in Afrika ( Nigeria/Biafra; Hutus/Tutsis ) und dem nuklearen Zähnefletschen zwischen den Machthabern in Moskau, Washington und Peking hätte man ein „Machtwort“ des Papstes als Stellvertreter Christi erwarten können und müssen:

Haltet ein, schickt Eure Truppen nach Hause, denn die Mehrheit Eurer Untergebenen ist nicht in der Lage, sich unrechten Befehlen zu widersetzen!“

Die entsprechenden Enzykliken der Päpste blieb aus, wohl weil sie vom Mythos nicht lassen konnten:

  1. Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet die Erde.

  2. Furcht und Schrecken vor Euch sei über alle Tiere auf Erden und über alle Vögel unter dem Himmel, über alles, was auf dem Erdboden kriecht, und über alle Fische im Meer; in eure Hände seien sie gegeben.

  3. Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise; wie das grüne Kraut hab ich’s euch alles gegeben.3

Diese Worte waren zu dem Zeitpunkt, als sie aufgeschrieben wurden, Erinnerung. Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise – auch Neandertaler? Wegen der Beharrungsvermögens der Tradition wurden die an Noah gerichteten Worte als Programm für die Zukunft fortgeschrieben. – Mit fatalen Folgen bis zum heutigen Tag!

Das Ergebnis des Milgram-Experiments mag unbequem sein, aber es darf nicht vergessen werden, daß die Bereitschaft zum Gehorsam gegenüber Inhabern sozialer Dominanzstellungen die Grundlage jeder Gesetzgebung darstellt. Kein Gesetz dieser Welt würde beachtet, wenn die Mehrzahl der Menschen nicht dazu bereit wären, es auch zu befolgen. Allerdings zeigt es auch die Grenzen der Möglichkeiten des Gesetzgebers auf. Es ist nicht möglich, durch Gesetz ein den menschlichen Grundbedürfnissen entsprechendes Verhalten aus der Welt zu schaffen und gesellschaftliche Probleme durch Verbote zu lösen. Die Erwartung, daß alle dem Verbot Folge leisten werden, erweist sich als Illusion. Denn es ist damit zu rechnen, daß mindestens 37% der vom Gesetz Betroffenen es zumindest einfach ignorieren werden.

Milgram hat aber auch zeigen können, wie man den Teufelskreis durchbricht. Gesellt man der „befehlenden“ Autorität eine weitere hinzu, die den Befehlen widerspricht bzw. in Frage stellt, ist es mit dem unbedingten Gehorsam nicht mehr weit her. – Die Gegenkraft zum „Weisungsrecht“ des Hordenführers, die wir im Schamanen schon kennengelernt haben.

Nicht nur Gehorsam, sondern auch Ungehorsam sind genetisch determiniert. Deswegen ist jede Ideologie, deren Vertreter Macht erlangen, in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gezwungen, im Laufe der Zeit immer mehr Zwang und Gewalt anzuwenden. Das System wird zunehmend Energie verzehren, bis es am Ende unter Turbulenzerscheinungen zusammenfällt. – So geschah es zuletzt mit dem „real existierenden Sozialismus“. Die verfallenen Städte des ehemaligen Ostblocks sind ein weithin sichtbares Zeichen dafür, daß die gesamte Energie in die Aufrechterhaltung des Zwangssystems geflossen war. Der „Zerfall“ nahm auf unserer Raum-Zeitskala knappe 0,2 mm in Anspruch, beim verwendeten Maßstab von 1mm/Jahr eine unmeßbar kurze Zeit

.Die Mehrheit von uns ist zwar zum Kadavergehorsam fähig, aber nicht für alle Zeit bereit. Das entspricht dem Prinzip des geringsten Zwangs, wonach ein System, auf das ein Zwang ausgeübt wird, dem Zwang ausweicht. Kann es nicht ausweichen, erzeugt es Gegendruck.

Die Wirksamkeit dieses Prinzips und das Unverständnis auch des gegenwärtig herrschenden Weltbilds gegenüber der menschlichen Natur läßt sich anhand der Prohibition in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts gut verfolgen. Man hatte ein Gesetz erlassen, das den Amerikanern den Alkoholgenuß untersagte. Die geringe Akzeptanz des Gesetzes durch die Bevölkerung erforderte einen verstärkten Einsatz staatlicher Macht zu seiner Durchsetzung. Auf der anderen Seite waren die Anbieter der teuflischen Getränke; an deren Spitze waren wiederum die zu finden, die sich einen Teufel um Gesetze scherten. Es dauerte nur wenige Jahre, und das ganze Wechselspiel brachte das Sozialsystem der Gesetzlosen hervor, das heute noch als organisierte Kriminalität mit dem Sozialsystem „Staat“ rivalisiert. Mitglieder krimineller Organisationen befolgen keine staatlichen Gesetze, gehorchen aber den Regeln ihrer Organisation und folgen den Anweisungen ihres Gangsterbosses. In den Folgejahren wurden die USA von gravierenden wirtschaftlichen und politischen Instabilitäten heimgesucht.

Und noch heute rivalisieren in aller Welt organisierte Kriminalität und staatliche Gewalt um Macht und Einfluß. – Beide Systeme sind offensichtlich zwei Seiten ein- und derselben Medaille. Immerhin beruhen beide Systeme auf dem Prinzip von Befehl und Gehorsam. Die staatliche Gewalt geht freilich weiter: Sie verlangt auch von Nichtangehörigen des Systems unbedingten Gehorsam gegenüber den „Gesetzen“ und Anordnungen des „Staates“ (…)“.

Die Fähigkeit des Durchschnittsmenschen zum absoluten, weil unkritischen Gehorsam gegenüber einer „Autorität“ ist außerhalb des Militärs Grundlage jeder Gesetzgebung.

Damit kommen wir zur wichtigsten de–lege–ferenda–Frage: Wer soll als oberste soziale Dominanz in Europa die für den Kontinent geltenden Spielregeln des Zusammenlebens festlegen? – Ich will die Suche nach der Antwort hier nicht vertiefen, denn eigentlich ergibt sich die Antwort von selbst: Das Europäische Parlament. Es macht das Wesen der Demokratie aus, daß die Menschen in das Gremium, das die Spielregeln für das Zusammenleben festlegt, denjenigen entsenden, dem sie das nötige Vertrauen entgegenbringen.

Wie kann dieser ermittelt werden? – Jedenfalls nicht dadurch, daß man den „Parteien“ überläßt, eine „Vorauswahl“ durch Nominierung ihrer Parteigänger zu treffen. Bei den Dimensionen, die Europa mit der Erweiterung annehmen wird, gibt es eigentlich nur eine Lösung: 50% Mehrheitswahl und 50% Los. – Bezüglich des Wahlmodus muß intensiv darüber nachgedacht werden, wie man den Kreis der zu Wählenden einengt. Denn es kann nicht sein, daß das Europäische Parlament so viele Mitglieder hat, daß es am Ende arbeits- und beschlußunfähig ist. – Das Losverfahren stellt sicher, daß die Mehrzahl der durch das Los ermittelten Bewerber sich voll und ganz ihrer Aufgabe als Parlamentarien widmen wird.

Unter dem Blickwinkel der Evolution hat sich die Idee von der „Nation“ sich als das todbringendste Hirngespinst in der Natur- wie in der Geistesgeschichte der Menschheit erwiesen. Der Kontinent, der es hervorgebracht hat, sollte Vorreiter in der Abschaffung der „Nationen“ werden. Aber wie ist das zu bewerkstelligen? – Für eine Übergangszeit von vierzig bis fünfzig Jahren wird man fordern müssen, daß niemand in seinem Herkunftsland wählbar ist. Ein Franzose darf also nicht in Frankreich kandidieren, ein Pole nicht in Polen und ein Deutscher nicht in Deutschland.

Und last but not least gehören in die EU-Verfassung Strafvorschriften gegen Korruption und gegen die übliche Verschwendung der öffentlichen Gelder, die schließlich von allen Bürgern der EU und denjenigen, die legal in der EU ihr Geld verdienen, aufgebracht werden. Es muß klargestellt werden, daß sie Treuhandvermögen sind. Was die allgegenwärtige Korruption anbelangt, muß derjenige, der EU-Parlamentarier werden will, darüber im klaren sein, daß er mindestens fünf Jahre Knast riskiert, sollte er auch nur einen Kugelschreiber als Geschenk annehmen…

(Die in der Schriftart Times New Romangesetzten Abschnitte wurden zitiert aus: Gerhard Altenhoff „Australopithecus Superbus Procrustes – Der Mensch – Ein Hologramm der Evolution; unveröffentlichtes Manuskript, 2001)

So, und nun lasse ich Sie allein mit Ihren Gedanken, ob das alles so richtig ist, was zur Zeit in Deutschland und Europa passiert.

Mit freundlichen Grüßen

1George Constable, Die Neandertaler, 1979, S. 101 ff)

2 Eibl-Eibesfeldt (1995), S. 478

vgl. auch Bilz, aaO, S. 379 ff

3 1. Mose 9, 1–3

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