Papst, Augustinus und Cicero

Die Papst-Rede im Bundestag – 22.09.2011 Teil 1/2 – YouTube.

Ich bin zwar evangelisch und ausserdem Mitbegründer des Giordano-Bruno-Instituts für rechtswissenschaftliche Grundlagenforschung, dennoch spricht der Papst mir an manchen Stellen seiner Rede geradezu aus der Seele. An dieser Stelle sei nur auf seine Einleitung eingegangen:

Der Papst zitiert Augustinus, freilich unter Weglassung des lateinischen Originals:

remota iustitia quid sunt regna nisi magna latrocinia

Ohne Gerechtigkeit – was sind Staaten (Regierungen?) wenn nicht eine große Räuberbande.

Als mir vor Jahren das RoRoRo-Bändchen „Cicero der Staat“ auf dem Pfarrfest von St. Pankratius in Nievenheim in die Hände fiel, fiel mir bei Durchblättern dieses Zitat sofort auf. Ich war davon so begeistert, daß den einleitenden Halbsatz überlesen hatte und in der Folge das Zitat fälschlicherweise dem großen Cicero zuschrieb. – Hätte auch irgendwie gepaßt, denn immerhin war Cicero nach Caesars Tod zum Opfer der Prokriptionen Octavians geworden. – Octavian ist bekannter unter dem Namen Kaiser Augustus.

Jetzt, wo ich die Textstelle nochmals nachlese, scheint mir, daß der Papst zu Beginn seiner Rede nur wiederholt, was schon vor der Hinrichtung Jesu bekannt war:

„“Er ( Cicero) hatte ein lebendiges Wissen um das schicksalhafte Zusammnwirken von Macht und Geist in der Geschichte, daß Staaten ohne sittliche und geistige Grundkräfte auf die Dauer nicht existieren können. Über 2000 Jahre hinweg dringt eine Stimme zu uns, von Mensch zu Mensch, von Geist zu Geist. eine Stimme, die in manchem eine uns ungewohnte, im wesentlichen aber unsere Sprache spricht, weil sie die Situation des Menschen in ihrer Wesentlichkeit auszusagen sich bemüht. Anruf und Trost kann dieses Wort sein. Im Grunde vernehmen wir eine schlichte Lehre, die aber dennoch, wie die Jahrhunderte zeigen, schwer lernbar ist trotz ihrer Dringlichkeit: es ist die Lehre von der sinnerfüllten Selbstverwirklichung des Menschen in der politischen Gemeinschaft durch Gerechtigkeit. Mit Pathos hat davon Jahrhunderte später Augustinus gekündet, obgleich eer auch um die Bedeutung der Liebe zum Nächsten wußt, den Ruin des Staates vor Augen, dem Cicero auf durch die literarische Tat zur Dauer verhelfen wollte: rewmota iusatitia quid sunt regna magna latrocinia (civ IV 4) – Ohne Gerechtigkeit sind Staaten nur große Räuberbanden.

Auf die Hörenden kommt es an, die Wahrheit, auch die politische, soweit sie Grunderkenntnisse meint, die immer die gleichen beliben, ist da; der Entscheidung für sie oder gegen sie kann niemand sich entziehen.“ (Rainer Beer, in Marcus Tullius Cicero, Der Staat, Rowohlt 1967, 122)

Ich stimme mit dem Papst auch darin überein, daß der „Gesetzbgeber“ in der Lage ist, kraft seiner Normsetzungsbefugnis Unrecht in die Welt zu setzen. Ich gehe aber darüber weit hinaus, indem ich behaupte, daß mehr als 99% des in der Welt exisierenden Unrechts durch „den Gesetzgeber“ geschaffen  wird.

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