Gert Scobel – Ewige Gefühle? – Ja!

3sat.online – Mediathek: Ewige Gefühle?.

Lieber Gert Scobel,

die ganze Diskussion wäre überflüssig, wäre die „Krone der Schöpfung“ nicht ein arger „Instinktkrüpppel“. – Unsere sozialen Instinkte des  „Zusammenhalts“ in der Horde sind ebenso rudimentiert wie der Instinkt, den ich „Tausch – und –  teile-Instinkt benannt habe. – Dessen kulturelle Ausprägung findet man vor allem im „Bürgerlichen Gesetzbuch“, aber auch in Blutrache und Todesstrafe. – Das sind wohl die schlimmsten Entartungen des Tausch  – und  – teile – Instinkts, die vorstellbar sind.  – Ohne diese Entartung wäre Barrack Obama nicht zum Mörder Osama Bin Ladens u.a. geworden, ohne ihn gäbe kein Guantanamo.

Sie werden sich sicher fragen, warum ich diese durchaus frechen Behauptungen aufstelle. – Die Antwort ist ganz einfach, denn mit den von ihnen aufgeworfenen Fragen beschäftige ich mit seit den Tagen meines Jura-Studiums, das ich vor nunmehr 30Jjahren abgeschlossen hatte.

Vor genau 13 Jahren fing ich an, Darwins mechanistische Variante der Evolutionstheorie näher unter die Lupe zu nehmen.  – Am Ende kam die nichtlinear-thermodynamische Variante der Evolution heraus und ein Bild des Menschen, das ihn als Australopithecus Superbus Procrustes entlarvt: den hochnäsigen Südaffen, der sich mit Gewalt alles passend machen will.

Wir stehen – wieder einmal am Vorabend eines Bifurkationspunktes: Deutschland oder Griechenland – wer kommt weiter in der EM? – Die Wahrheit ist: Vollkommen irrelevant, nur interessant für die Frage, ob die Götter den Griechen auch diesmal „gewogen“ sein werden. – Ich schätze – nein.

Auch „König Fußball“ lebt von Empathie, Spiegelneuronen und den Entartungen des Tausch – und – teile – Instinkts. – Man denke nur an die ewige „Revanche“ zwischen Deutschland und England, die auch bei dieser EM möglich ist.

Nun will ich Ihnen aber die – durchaus erschreckenden – Erkenntnisse nicht vorenthalten, die ich im Verlaufe meiner Recherchen gewonnen habe:

(Die Bezifferung der Fußnoten entspricht dem Originalmanuskript)

Nun können wir die Erörterung des Themas fortsetzen, mit dem wir be- gonnen hatten, nämlich mit der Einstellung des Menschen zum fünften Gebot.

Es entstand das Verhaltensmuster, das sich seit der sogenannten „neolithischen Revolution“ auf einer anderen Komplexitätsebene bis zum letzten Millimeter unsere Zeitreise wiederholt. Desmond Morris sieht bekanntlich darin eine Entartung menschlichen Sportverhaltens, er führt zu diesem Thema weiter aus:

„Tragischerweise ist der kriegerische Typus des Sportverhaltens bald außer Kontrolle geraten und zu blutigen Massakern eskaliert. Dafür gibt es zwei Gründe. Einerseits führte die Waffentechnik an einen Punkt, wo das Führen einer Waffe keine persönliche Tapferkeit und keine körperliche Kampfgeübtheit mehr erforderte. Aus dem Jäger-Krieger wurde ein Abschlachtungs-Technologe. Andererseits wuchs die Zahl der Menschen immer stärker, bis eine Überbevölkerungskrise entstand. Es kam zu immensem sozialen Druck und zu horrenden Konkurrenzanforderungen. Der alte Sport des Jagd-Kriegs gebar den Wahnwitz des modernen Vernichtungskriegs.“(127)

Die von Morris geschilderte globale Situation der heutigen Zeit traf zu Beginn der „modernen“ Menschheit durchaus auf deren Existenzbedingung zu. Morris weist zwar auf die moderne Waffentechnik hin, aber die- se wäre ohne das dahinterstehende Bedürfnis, mit möglichst wenig Auf- wand so viele Menschen wie möglich umzubringen, nicht denkbar.

Des weiteren, das ist Morris wohl entgangen, gab es schon „Vernichtungsfeldzüge“, als noch mit jagdtauglichen Waffen gekämpft wurde und Mann gegen Mann stand. Der berühmteste von allen dürfte der Feldzug gegen Troja gewesen sein. Weniger bekannt ist bereits der Zweite Punische Krieg, der zur Zerstörung Carthagos führte und Rom zur europäischen Supermacht werden ließ.

Auch Gaius Julius, genannt Caesar, ließ sich diesbezüglich nicht lumpen. Anläßlich seiner Gallienfeldzüge ließ er mehr als einmal ganze Landstriche entvölkern. Bei seinen eigenen Landsleuten machte er sich allerdings erst durch sein perfides Vorgehen gegen die Usipeter und Tenkterer unbeliebt, die im Frühjahr des Jahres 55 v. Chr. in der Nähe von Nimwegen lagerten.

„Die ahnungs- und führerlosen Germanen, die im Lager ruhig ihren täglichen Beschäftigungen nachgingen und an nichts Böses dachten, wurden vom römischen Heer plötzlich überfallen und abgeschlachtet. Caesar beschreibt dieses »Heldenstück« geradezu mit einem gewissen Genuß. Die römische »Humanitas« und Caesars »Clementia« (Milde) werden besonders durch folgenden Satz ins rechte Licht gerückt: »Die übrige Mas- se der Frauen und Kinder – die Germanen waren nämlich mit allem Volk ausgezogen und über den Rhein gegangen – begann allerorts zu fliehen. Zu ihrer Verfolgung sandte Caesar die Reiterei aus.« Es ist besonders bezeichnend, daß Caesar nicht wagte, die Reiterei gegen waffenfähige Männer, wohl aber gegen wehrlose Frauen und Kinder einzusetzen. Wieder schließt Caesar seinen Bericht mit der ausführlichen Schilderung der Niedermetzelung der feige überfallenen Germanen. (128)

Caesars Vorgehen in dieser Sache ging damals selbst den römischen Senatoren zu weit. Cato der Ältere hatte rund 150 Jahre vor Caesar noch die Meinung vertreten, Carthago müsse zerstört werden, Cato der Jüngere hingegen beantragte im Senat wegen des geschilderten Vorfalls die Auslieferung Caesars an die Germanen. (129)

Wie es damals am linken Niederrhein wahrscheinlich ausgesehen hat, zeigt ein Fund, in Somerset (Südwestengland), nämlich die Keltenstadt „Cadbury-Camelot“. Bei der Ausgrabung des Südwesttores wurden die Überreste von Kindern entdeckt. Diese waren auf jede nur erdenklliche Weise zerstückelt worden und die Leichenteile waren über den ganzen Torweg verstreut. Der Anblick muß dermaßen grauenvoll gewesen sein, daß einige der freiwilligen Helfer sich weigerten, hier weiterzuarbeiten. (130)

– Täter waren auch hier römische Legionäre. Keine wilden Barbaren, sondern Soldaten der größten „Kulturnation der Antike. Und ich setze als bekannt voraus, daß sich römische Soldaten sich ein Ding mit Sicherheit nicht leisten durften: Disziplinlosigkeit.

Kavallerie gegen Frauen und Kinder. – Wie oft mag sich dieses Muster seit Caesar überall auf der Welt wiederholt haben. Die bekannteste Wiederholung dürfte das Massaker vom Sand Creek sein, als US – Kavalleristen ein Indianerdorf niedermetzelten.

Bis weit in die Neuzeit hinein wurden derartige Untaten mit Waffen be- gangen, die durchaus aus Feuerstein, Holz und Knochen hätten hergestellt werden können. Der Argumentation Morris’, der die Unmenschlichkeit an die moderne Waffenentwicklung anknüpfen möchte, kann einerseits aus diesem Grunde nicht gefolgt werden, andererseits aus dem Grund, daß der älteste Beleg für einen „Vernichtungsfeldzug“ gut und gerne 7000 Jahre alt ist. Der bislang älteste Knochenfund, der auf einen Genozid hin- weist, wurde in Talheim (Baden-Württemberg) gemacht. Er wurde überwiegend mit Steinäxten verübt und kostete 34 Menschen im Alter von 2 – 60 Jahren das Leben. Bedenkt man, daß auch in der Jungsteinzeit die Horde oder das Dorf mit 25 –50 Individuen ein „Volk“ bildeteten, dann ist das Ereignis von Talheim der älteste nachweisbare Völkermord der Weltgeschichte. – Er ist der älteste nachweisbare, aber mit Sicherheit nicht der älteste an sich. – Vielmehr ist ein nachgewiesener steinzeitlicher Völkermord Indiz dafür, daß der Genozid, das rücksichtslose Töten von Artgenossen, zu den Eigenschaften des “modernen“ Menschen zählt. Genozidale Tendenzen zeigen sich in der ganzen Welt, bei allen Völker- schaften, wie der Genozid der Hutus an den Tutsis im Jahre 1994 mehr als deutlich macht. Auch hier kamen keine „modernen“ Waffen mit „Fernwirkung“ zum Einsatz, erst recht keine „Massenvernichtungsmittel“. Man benutzte wie vor 7.000 Jahren in Talheim das Werkzeug oder die Waffe, die man „gerade zur Hand“ hatte, dazu, Artgenossen abzuschlachten.

Gut 1.000 Jahre nach Caesars Legionen überzogen die Wikinger Europa mit Plünderung, Mord und Schrecken. Ihre Waffen waren ebenfalls über- wiegend solche, bei deren Anwendung man dem Gegner oder Opfer in die Augen sehen mußte. Das änderte sich auch im Dreißigjährigen Krieg nicht, denn die darin verübten Greueltaten gegenüber der Zivilbevölkerung wurden auch überwiegend mit Nahwaffen ausgeführt.

Die Bilder aus den Konzentrationslagern, die Bilder aus dem Kosovo und auch die Bilder aus Israel und Tschetschenien sprechen keine andere Spra-he: Der moderne Mensch hat bezüglich seiner Reaktion gegenüber dem Sozialpartner die Instinktbindung verloren und ist nicht mehr in der Lage, auf soziale Not- oder Unterwerfungssignale instinktsicher zu reagieren.

Der „moderne“ Mensch ist damit in eine Lage geraten, über die man erschaudern könnte, er zeigt eine ausgesprochene Neigung zum Genozid, zum Völkermord. Soweit die Wahrnehmung des Mitmenschen als Mensch betrifft, retardierte der Mensch nicht nur auf das Niveau des Schimpansen, dessen Tötungshemmung gegenüber Angehörigen fremder Gruppen ebenfalls stark eingeschränkt ist, er verlor auch die Tötungshemmung gegenüber dem Sozialpartner Mit dem Fall dieser Tötungshem mung wurden die Bewohner Bottlenecks in ein Dilemma gedrängt: Rücksichtslosigkeit gegenüber den Nachbarn ermöglichte ihnen den gewaltsamen Zugriff auf deren „Vermögen“. Andererseits bezogen sie als exogame Wesen ihre Frauen von diesen. Das ungehemmte Vernichten artgenossenschaftlicher Konkurrenz hätte also rasch zum Untergang der entstehenden Subspezies des Menschen geführt.

Die langfristige Isolation begünstigte also die „Entartungserscheinungen“, die uns heute noch zu schaffen machen. Konrad Lorenz bezeichnete dies einmal als „Verhausschweinung des Menschen“. Zusammengepfercht auf einer Insel gewöhnte sich zumindest ein Teil der Bevölkerung an eine überwiegend seßhafte Lebensweise. Wer seßhaft ist, der muß, das ist unabdingbar, mit erhöhter Aggressivität seine Lebensgrundlagen gegenüber nomadisierenden Artgenossen verteidigen. Denn diese werden ebenso arg- wie verständnislos versuchen, die Nahrungsquellen der Seßhaften zu nutzen. – Auch dafür gibt es eine Fülle von Beispielen aus dem heutigen Afrika, ja selbst aus Indien. So traurig es ist, aber es fand eher ein „Verkampfhunden“ denn eine „Verhausschweinung“ statt.

Daß Sie und ich leben, ist der beste Beweis dafür, daß die Evolution auch an dieser Stelle ein Korrektiv hervorbrachte, das dem drohenden Untergang entgegenwirkte. Recht und Moral betraten die Bühne der Welt. Das aber war nur möglich, weil die betroffene Population sich bereits höchst differenziert sprachlich verständigen konnte. Sprache ist nämlich die Grundvoraussetzung für das Entstehen von Moral und Recht. Beide Systeme, Moral und Recht, werden sprachlich übermittelt, und beide funktionieren nach den Regeln der Tradition bei Primaten nur, wenn eine „Autorität“ sie tradiert. Als „Autorität“ bot sich natürlich zunächst einmal der Hordenführer an. Das war, wie schon vor Millionen von Jahren, zunächst einmal im Grundsatz der erfahrenste Jäger. Mit dem Abbau der sozialen Instinkte gelang es freilich immer mehr rücksichtslosen Männern, sich der Führung einer Horde zu bemächtigen und zu bestimmen, welche Regeln der Einzelne zu befolgen hat.

Den ärgsten Instinktkrüppeln kam dabei die Fähigkeit und die Bereitschaft der Gruppenmitglieder zum unbedingten Gehorsam zugute. Dieser hatte sich im Zusammenhang mit den Erfordernissen der gemeinschaftlichen Jagd entwickelt. (131) Über Jahrmillionen hinweg hatte das Sinn gemacht, für Ruhe in der Horde gesorgt und den Erfolg der Jagd sichergestellt. Nun aber kehrte sich diese Fähigkeit gegen den Menschen. Der Hordenführer konnte zum Tyrannen werden.

Während die kontinentalen Neandertaler ruhig schlafen konnten, brachen für die Bewohner Bottlenecks turbulente Zeiten an. Denn unter den Skrupellosen werden viele gewesen sein, die nicht davor zurückschreckten, alle umzubringen, die ihre Stellung gefährdeten. Und so wird es durchaus vorgekommen sein, daß Horden ausstarben, weil der Alpha-Mann so viele Gefährten beseitigt hatte, daß die übrigen nicht mehr genug Nahrung hereischaffen konnten, um den Nachwuchs großzuziehen. Das Gesamtsystem näherte sich einem Gabelungspunkt. Die „Autorität“ teilte sich. Als „Gegenpol“ zum Hordenführer entstand eine weitere Autorität, von der wir nicht wissen, wie sie ursprünglich aussah, gehandelt wird sie indes unter dem Begriff „Schamane“ oder „Medizinmann“. – Wie auch immer man diese Leute nennt, sie sind da und legen heute noch Zeugnis ab von dem Dilemma, in das die Inselbewohner hineingeraten waren. Die „modernen“ Abkömmlinge der Schamanen nennen sich Theologen, Juristen, Ärzte, Mathematiker oder Philosophen. Alle Wissenschaftszweige lassen sich an der Wurzel ihres Stammbaums auf den Schamanen zurückführen.

Der Schamane verkörperte dabei eine Autorität, die über bzw. jenseits der Macht des Hordenführers lag. Das wiederum setzt voraus, daß eine entsprechende Vorstellung von den Dingen hinter den Dingen bereits bestanden haben mußte.

127 Morris aaO, S. 309 (Desmond Morris, der Mensch, mit dem wir leben)

128 Franke, Alfred, Rom und die Germanen, Herrsching 1986, S. 191

129 Franke aaO

130 Franke aaO, S. 60

131 Siehe oben S.

Wir werden an en Entartungseerscheinunen unserer Instinkte – auf kulturellem Wege – erst dann etwas ändern können, wenn wir diese als gegeben hinnehmen und tatsächlich „akzeptieren“. – Wenn sie sich nackt in eine Fußgängerzone begeben, werden sie unschwer feststellen, daß Sie sich schämen, weil die Kulturtradition fast so mächtig ist wie ein Instinkt.  – Man kann den Tausch – und – teile – Instinkt kulturell sanft in seine Bahnen zurücklenken,  aber „moralisch erwünschtes“ Verhalten nicht mit den Mitteln des Prokrustes durchetzen.

All das, was Sie in den letzten Minuten gelesen haben, ist unbequem. – Es kratzt am etablierten Weltbild. – Das tat Alfred Wegeners Tehorie von den „wandernden Kontinenten vor 100 Jahren auch. – Ignatz Semmelweis stemmte sich – zu Lebzeiten ebenfalls vergeblich – gegen die „herrschende Meinung“ seiner Fachkollegen. – Schweigen wir ganz von Giordano Bruno und Galileo Galilei. – Als Querdenker, der den „Homo Sapiens Sapiens“ mal eben demaskiert, und sich damit selbst zum „Ritter der Apokalypse“  geschlagen hat, befinde ich mich doch in bester Gesellschaft – oder?

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