Betriebsrente ist in Gefahr? – Schlagzeile, aber nichts Neues!

Altersvorsorge: Betriebsrente ist in Gefahr – Meine Finanzen – FAZ.

Das war vor 12 Jahren eigentlich schon klar, als ich begonnen hatte, meinen  „Bundesadel“  zu verfassen:

Da Banken, Parteien und auch der Staat komplexe adaptive Systeme sind, in denen das Handeln des Individuums, auch wenn es Bundeskanzler oder Bankdirektor sein sollte, nur eine untergeordnete Rolle spielt, kann festgehalten werden, daß deutsche Banken kein Interesse an einer Senkung der Abgabenlast haben.

Hinzu kommt, daß mit der Kreditnachfrage auch der Einfluß der Banken steigt. Das ist die psychologische Seite. Denn das Kreditgeschäft ist auf langfristiges „Etwas-schuldig-sein“ angelegt. Wer in der Schuld eines anderen steht, hat „gefällig“ zu sein. Heute ist fast jedem Schulkind geläufig, daß die Wirtschaft, von „Tante Emma“ angefangen bis zu Großkonzernen im Zweifel auf das Kommando der Hausbank hören muß. ( vgl. „Firmenkiller Hausbank“ – Impulse März 2000 ) Wenn die Banken „Njet“ sagen, geht „Tante Emma“ sang- und klanglos baden; bei einem Großkonzern kommt prompt der Kanzler angelaufen und winkt mit einem Scheck. Er läßt sich als der große Retter von Arbeitsplätzen feiern und zahlt. – Aus eigener Tasche?

Gerade bei der „Holzmann-Pleite“ hat sich gezeigt, wie unendlich variabel die Rolle der Banken sein kann, je nachdem, ob sie Anteilseigner, Anteilseigner und Kreditgeber oder nur Kreditgeber sind. – Am Ende jedenfalls zahlt der Steuerzahler, der Souverän. – Für Banker das Paradies.

Lassen Sie es mich auf den Punkt bringen: Wenn ich am Status quo so viel Geld verdiene, daß 500.000.000 DM für mich „Peanuts“ sind, dann gebe ich der Politik reichlich. – Wenn es sein muß, bekommt auch die PDS ihren Obolus, selbst wenn deren Vorsitzende Sarah Wagenknecht sein sollte. Denn daß Frau Wagenknecht jemals gefordert hätte: „Steuern runter!“ wäre mir neu.

Spätestens seit der gelösten Verlobung zwischen der Deutschen und der Dresdner Bank ist auch klar, daß das Bank- und das Versicherungsgeschäft untrennbar miteinander verwoben sind.

Die fortdauernden Diskussionen über Renten und Kosten des Gesundheitswesens führen uns vor Augen, daß unsere sozialen Sicherungssysteme offensichtlich aus den Fugen sind. Politiker aller Couleur preisen daher als Alternative die private Vorsorge. Wer soll die tragen? – Der Kapitalmarkt. Mit steuerlichen Anreizen will man die private Altersvorsorge durch Kapitalbeteiligungen und -lebensversicherungen fördern.

Ob gewollt oder nicht, das mag dahinstehen, jedenfalls gebärden sich Politiker, die für eine zukünftige soziale Absicherung des Einzelnen auf den Kapitalmarkt setzen, sich als Werbetrommel des Versicherungsgewerbes.

In Zukunft soll also der Bürger verstärkt dafür sorgen, seine Alterssicherung über den Kapitalmarkt sicherzustellen.

Haben Sie eine Kapitallebensversicherung? – Dann schauen Sie sich Ihren Vertrag genau an. Dort wird Ihnen ein bestimmter Betrag bei Fälligkeit der Versicherungsumme zugesagt. – Aber nur, wenn die Verhältnisse und Gewinnerwartungen so bleiben, wie sie bei Abschluß des Vertrages vorausgesetzt wurden. „Clausula rebus sic stantibus“ nennt man so etwas. Eine Vertragsbedingung, nach der ein Leistungsversprechen davon abhängig gemacht wird, daß die Verhältnisse bleiben, wie sie sind. Für die später zu erwartende Auszahlung werden die gegenwärtigen Rahmenbedingungen bis zum Jahr der Fälligkeit linear extrapoliert, die errechnete Versicherungsleistung zwar versprochen, aber nicht garantiert. Clausula rebus sic stantibus – Ändern sich die Zeiten, haste Pech gehabt!

Dem Versicherungsnehmer wird vorgegaukelt, daß der Kapitalmarkt ein berechen- und beherrschbares lineares System sei. Das ist aber, wie wir gesehen haben, nicht der Fall. Leider ist der Glaube an die Linearität der Wirtschaft fast so unausrottbar wie der Glaube an die absolute Beherrschbarkeit anderer linearer Systeme. Technische Systeme sind nach dem Willen des Menschen lineare Systeme. Wenn diese versagen, kann sich das, je nach Größenordnung, zu einer Katastrophe ausweiten:

Das Rad-Schiene-Verkehrssystem ist linear. Das Zusammenwirken aller Bestandteile ist bis ins Kleinste vorausberechnet. Beim ICE „Wilhelm Conrad Röntgen“ brach kurz vor dem Bahnhof Eschede ein Radreifen. Das Rad lief nicht mehr rund, es wurde nichtlinear. Räder sind Kreisel, Kreisel haben das Bestreben, ihre Lage im Raum beizubehalten, das haben wir aus dem Physikunterricht behalten. Jeder Waggon mit vier Radsätzen hätte durch den Kreiseleffekt über eine ausreichende Richtungsstabilität verfügen müssen, weiter geradeaus zu fahren. Aber das nichtlinear gewordene System ICE „Wilhelm Conrad Röntgen“ geriet kurz vor dem Bahnhof Eschede an einen Gabelungspunkt, nämlich an eine Weiche. Im linearen Betrieb sind solche Gabelungspunkte erwünscht, folgt doch ein Zug dem durch eine Weiche vorgegebenen Fahrweg. Der ICE war aber wegen des geborstenen Radreifens nicht mehr linear. Wenn Sie so wollen, mußte an der Weiche jedes einzelne Atom des Zuges und seiner Passagiere selbst entscheiden, ob es in die eine oder andere Richtung tendierte. – Für uns Menschen eine Katastrophe, für die Versicherungen ein noch tragbares Ereignis.

Wer sich „voll und ganz versichert“ – so ein Werbeslogan – , hofft zwar auf eine lineare Bewältigung einer nichtlinearen Zukunft; muß aber jederzeit mit einer Katastrophe rechnen.

Nichts hat ewig Bestand. Das tausendjährige Reich nicht, der real existierende Sozialismus nicht. Es gibt keinen Grund, für Kapitalgesellschaften, Banken und Börsen etwas anderes anzunehmen. Dennoch scheinen Politiker, die sich für eine verstärkte Eigenbeteiligung bezüglich der Alterssicherung stark machen, Banken und Versicherungen für unsterblich zu halten.

Nehmen wir einen Hochschulabsolventen, der heute Altersvorsorge über den Kapitalmarkt betreibt. Er sei 25 Jahre alt. Im Jahre 2040 wird er die Hand aufhalten wollen. Wer aber garantiert ihm bis dahin „rebus sic stantibus“? – Wer schützt ihn vor Katastrophen? – Zahlen die Politiker, die heute private Vorsorge predigen, seine Rente aus eigener Tasche, wenn die Verheißungen sich nicht erfüllen sollten? – Nein!

Die Beispiele Jugoslawien, DDR, Sowjetunion und Tschechoslowakei zeigen uns, daß nicht einmal Staaten davor gefeit sind, den Globus zu verlassen. – Verlassen fühlen müssen sich heute die, die noch im Herbst 1989 an den Status quo, an die Formel von den „rebus sic stantibus“ in Europa geglaubt hatten. Seit 1989 hat sich die Landkarte Europas so schnell verändert, daß die Verleger von Atlanten mit der Entwicklung kaum noch Schritt halten konnten. Aber das scheint in der Euphorie der Globalisierung untergangen zu sein.

Aber Vorsicht: Außer Helmut Kohl gibt es noch jemanden, der abgewählt wurde und seitdem beharrlich schweigt, nämlich Göttervater Zeus. Deswegen wird er auch niemandem verraten, wohin der Stier Europa tragen wird. Weder der liebe Gott noch sein olympischer Konkurrent werden uns daher Auskunft über die politische und wirtschaftliche Lage Europas im Jahre 2040 geben.

Die Reaktion der EU-Staaten auf den Wahlerfolg Jörg Haiders läßt erkennen, daß man erwartet, in spätestens sechs Jahren werde das österreichische Bundesheer anfangen, den Rest Europas zu überrennen.

Haiders Panzer werden nicht für den Sieg rollen, es wird auch kein „Kärtner Abkommen“ geben, das den „Anschluß“ der EU an Österreich legitimiert. – Europa sollte lieber aufpassen, daß im Schatten Jörg Haiders nicht die Großmachtträume eines Wladimir Putin Gestalt annehmen.

Wie dem auch sei, eines läßt sich mit ziemlicher Sicherheit voraussagen, nämlich daß es auch im Jahre 2040 Menschen geben wird, die versuchen werden, durch ihrer Hände Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Als Selbständige oder als Arbeitnehmer. – Sie werden es tun., was auch immer passieren mag.

Bevor Sie Ihren Anlageberater oder Versicherungsvertreter nach der bestmöglichen Altersversorgung fragen, sollten Sie sich im nächstgelegenen geologischen Institut erkundigen, ob noch zu Ihren Lebzeiten ein größeres Erdbeben oder ein massiver Vulkanausbruch zu erwarten ist. – Auf die jüngste Geschichte des Mt. St. Helens hatte ich Sie im Zusammenhang mit Ihrem Mount Tchibo aufmerksam gemacht.

Unterhalb der gegenwärtig stärksten Wirtschaftsnation, den USA, befindet sich auch die größte Bedrohung, die der Globus dem industrialisierten Menschen zu bieten hat. Yellowstone und die Long Valley- Caldera sind die größten Vulkane im Bereich der industrialisierten Welt. Sie schlafen gegenwärtig, aber niemand kann sagen, wann sie erwachen. Daß sie erwachen werden, ist unter Geologen unbestritten. Es ist unwahrscheinlich, daß wir das miterleben, aber Harrisburg und Tschernobyl waren auch unwahrscheinlich. Das Unglück von Eschede war in seiner konkreten Ausprägung noch unwahrscheinlicher, aber es ist passiert.

Was geschieht, wenn das, was keiner glaubt, geschieht? – Der gesamte mittlere Westen der USA wird unter Vulkanasche begraben werden. Mit einem Schlag wird die Kornkammer der Vereinigten Staaten vernichtet. Der amerikanische Weizen, wir dürfen das nicht vergessen, ernährt nicht nur McDonalds-Kunden, sondern sorgt für das Überleben unzähliger Menschen in aller Welt. Nicht nur diese wären davon betroffen, sondern wir alle. Unsere Urgroßeltern waren Zeitzeugen eines ähnlich dramatischen Ereignisses, allein, die Welt war damals bei weitem noch nicht von den heutigen gegenseitigen globalen Abhängigkeiten geprägt.

Am 27. August 1883 ereignete sich der bislang letze nennenswerte Caldera-Ausbruch der Geschichte. Der Krakatau in der Sundastraße zwischen Java und Sumatra war es, der sich nicht an die Vorgaben der Grünen hielt. Er sprengte seinen Gipfel nonchalant ab. – Der Mensch hätte dafür 100 Millionen Tonnen TNT oder mehr als 5000 Atombomben des Typs benötigt, der Hiroshima in Schutt und Asche legte.

Wenn Ihr Mount Tchibo explodiert, werden Sie nichts hören, aber die Explosion des Krakatau wurde noch 2.000 km entfernt in Australien wahrgenommen.

Drei Jahre lang wirbelte der vulkanische Staub durch die Atmosphäre und absorbierte ungefähr 13% des Sonnenlichts, was eine Absenkung der Jahresdurchschnittstemperatur zur Folge hatte.

Der Krakatau pustete etwa 20 Kubikkilometer Asche und Staub in die Atmosphäre. Bei einem Ausbruch von Yellowstone oder Long Valley dürften mit rund 1.000 Kubikkilometern zu rechnen sein.

Daß ein solches Ereignis Folgen auf dem Kapitalmarkt haben wird, bedarf wohl keiner näheren Begründung. Aber fragen Sie einmal ihren Anlageberater oder Versicherungsagenten danach, was in einem solchen Fall mit Ihrem Geld ist.

Wenn ich Ihnen ungefragt einen guten Rat geben darf, schließen Sie einen Vertrag über private Altersvorsorge nur ab, wenn Sie von Ihrem Anlageberater und dem Vorstand der Bank oder Versicherung eine verbindliche und unwiderruflichen Erklärung in Händen haben, Ihnen im Katastrophenfall Unterhalt zu gewähren.

Das wird niemand aus der Branche tun, also versuchen Sie es bei Ihrem Bundes- oder Landtagsabgeordneten. Aber auch dort werden Sie mit Ihrem Ansinnen scheitern. Aber wer zahlt im Falle des Falles Ihre Rente?

Trotz dieser ungeklärten Frage propagieren unsere Politiker lauthals die private Alters- und Krankenvorsorge. Sie sollten sich lieber um eine grundlegende Reform der sozialen Sicherungssysteme zu kümmern. Allzu leicht wird vergessen, daß das deutsche Sozialversicherungssystem sich als außerordentlich katastrophenfest erwiesen hat. Es hat Wirtschaftskrisen, Währungsreformen und die Feuerstürme der beiden Weltkriege unbeschadet überstanden.

Die Stabilität dieses Systems resultiert aus dem Umlageprinzip und der unausrottbaren Neigung des Menschen, für Kranke und Alte zu sorgen. So einfach und urtümlich es erscheinen mag, das System hat alle erdenklichen Bewährungsproben bestanden; insbesondere den Untergang des Staates, der es geschaffen hatte. Daraus ergibt sich seine zukunftsweisende Bedeutung.

Adam Smith schrieb: „Da die Direktoren von Aktiengesellschaften eher mit anderer Leute Geld als mit ihrem eigenen wirtschaften, kann man wohl nicht erwarten, daß sie darauf mit der gleichen Wachsamkeit achten wie die Partner einer Personengesellschaft.“ – Dieses Urteil trifft auf Politiker ebenfalls zu. (Gerhard Altenhoff, Der Bundesadel, S. 50ff)

12 Jahre sind in der Geschichte ein Wimpernschlag. Aber die Fehler, die von der „Politik“ gemacht werden, sind und waren immer dieselben. – Und immer wieder haben diese Fehler in die „Staatspleite“ geführt. – Das mußte und muß so sein, weil „der Staat“ immer nach der Devise agiert:

„Wenn die Kuh krank ist, wird sie eben mit der eigenen Milch wieder aufgepäppelt.“

Das, – und das weiß auch der Bauer, der die dicksten Kartoffeln erntet, geht nicht!

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