Homo Sapiens – Superstar oder „Slapstick-Affe“?

Homo Sapiens Superstar – History – ZDFmediathek – ZDF Mediathek.

Angesichts des „globalen Bürgerkriegs“, der allenthalben rational nicht erklärbar ist, erscheint schon die für unsere Spezies gängige Artbezeichnung „Homo Sapiens Sapiens“ (der Weise-zum-Quadrat-Mensch) als blanker Hohn. – „Homo Sapiens“ auch noch zum „Superstar“ zu erklären, überschreitet die „rote Linie“ des philosophisch wie biologisch Erträglichen. – Mit Waffen ausgestattet, die mehr Menschen das Leben kosten können als alle Chemiewaffendepots Assads zusammen, benimmt sich der „Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika“ wie ein Oberlehrer, der sich anschickt, einen aufsässigen Schüler mit dem Rohrstock zu maltraitieren. – Rohrstock, man kann einen solchen auch als „Schlagstock“ bezeichnen. Der Schlagstock der „Keystone-Cops“ verlieh in den zwanziger Jahren  des vergangenen Jahrhunderts einer bestimmten Art von Filmkomödie ihren Namen: SLAPSTICK. – Das Herumschleichen um den Teil des globalen Bürgerkriegs, der zur Zeit die sozialen Turbulenzen im nahen Osten beherrscht, zeigt unzweideutig, daß der „moderne Mensch“ alles andere ist als ein „Homo Sapiens Sapiens“. – Vor allem ist er kein „Homo Sapiens Superstar“. – Schon die Eingangssequenz des verlinkten Films verfälscht die Geschichte des Menschen, vor allem die Geschichte seines Jagdverhaltens, das mehrere Millionen Jahre älter ist als der erste „Homo Sapiens“:

„Wir rekapitulieren, daß bei der Entstehung der Savanne in Ostafrika die für diese Landschaft typischen Lebewesen sukzessiv eingesickert sind. Die Vorfahren des Menschen gehörten zu den Pionieren. Die Nachstellungen durch Fleischfresser hielt sich in Grenzen. – Nach und nach besiedelten die typischen Pflanzenfresser der offenen Ebene, vorwiegend Huftiere, den Lebensraum unserer Vorfahren. Die Jäger, deren Hauptnahrungsquelle die Huftiere waren, folgten nach.

Damit wurde auch das Leben für unsere Vorfahren gefährlicher, denn der relativ langsame Mensch war für einen schnellen Jäger ein willkommener Leckerbissen; und gegenüber Raubtieren, die im Rudel jagten, hatte er nicht einmal den Hauch einer Chance.

Da sich die Rahmenbedingungen in der Natur fortlaufend ändern, können wir die, unter denen eine Rückkoppelungsschleife für die unbehaarte Haut ansetzen konnte, nur anhand des weiteren Geschehensablaufes bestimmen.

Unsere Vorfahren waren wesentlich intelligenter, als man bislang annahm. Erst jüngst hat der Verhaltensforscher Christope Boesch zeigen können, daß auch Schimpansen beim Werkzeuggebrauch kulturelle Unterschiede kennen. Der Unterschied bei der Handhabung eines Gegenstandes setzt eine voneinander verschiedene Idee über dessen Gebrauch voraus. Ferner lernen Schimpansenkinder von ihren Müttern nicht nur die verschiedenen Arten genießbarer Pflanzen zu unterscheiden; sie lernen auch, zu welchem Zeitpunkt die jeweiligen Früchte reif sind. Ohne diese „Schulstunden“ sind sie in freier Wildbahn nicht lebensfähig. Handaufgezogene Schimpansen, denen ihre Pfleger ein Leben in Freiheit ermöglichen wollten, wurden auf eine für diesen Zweck reservierte Insel verfrachtet und mußten unter der Obhut des Menschen erst einmal lernen, sich dort selbst zu ernähren.i

Wir sollten also gar nicht mehr hinhören, wenn gesagt wird, das Gehirn unserer hominiden Vorfahren hätte „lediglich“ die Größe eines Schimpansenhirns gehabt. Denn gegenüber den Kenntnissen und Fertigkeiten, die ein Schimpansenkind lernt, erscheint, was den Nahrungserwerb anbelangt, unsere Zivilsation als ein Verharren im Säuglingszustand. – Mit dem Supermarkt an der Ecke als ewige Mutterbrust.

Wenn Schimpansenkinder ihre Nahrungsquellen in der beschriebenen Weise nur durch Tradition kennenlernen, setzt das voraus, daß sie klassifizieren können. Klassifizieren bedeutet, die Einheit in der Vielfalt erkennen. – Einheit in der Vielfalt aber ist das Kennzeichen jeder echten Sammlung. Nach diesem Muster wird übrigens auch das Angebot in einem Supermarkt gestaltet.

Die intellektuellen Fähigkeiten eines Schimpansen reichen auch vollkommen aus, Werkzeuge in differenzierter Weise zu gebrauchen. Die Erkenntnisse, die Christophe Boesch gewonnen hat, beziehen sich auf die Benutzung feiner Werkzeuge, nämlich auf die Handhabung von Grashalmen beim Ameisen- bzw. Termitenfang.

Nun kann der Mensch dank seiner Fähigkeit zum „Pinzettengriff“ Gegenstände erheblich besser manipulieren als ein Schimpanse. Aber allein die Tatsache, daß unsere nächsten Verwandten sie benutzen, läßt den Schluß zu, daß unsere gemeinsamen Vorfahren sich ähnlich verhielten.

Nach dem Übergang zur bipeden Lebensweise war der Daumen zunächst neutralisiert. Seiner Funktion beim Baumhangeln, die eine Mutation in Bereich der Hand zum tödlichen Risiko hätten werden lassen, war er beraubt. Veränderungen an seiner Struktur waren unschädlich, soweit sie einem Werkzeuggebrauch nicht im Wege waren. Das tatsächliche Verhalten unserer Altvordern, nämlich eifrig Werkzeuge zu benutzen, setzte eine Rückkoppelungsschleife in Gang und ließ die menschliche Hand in ihre heutige Form fließen.

Nicht nur der Werkzeuggebrauch bewirkte Neuerungen im Leben unserer Vorfahren.

Der Einzug des Großwildes und der ihnen folgenden Fleischfresser in die Savanne forderte von unseren Vorfahren erhöhte Aufmerksamkeit und eine ständige Beobachtung der Umgebung, wobei sie lernten, mit der latenten Gefahr durch Freßfeinde fertig zu werden, indem sie lernten, deren Verhalten einzuschätzen.ii

Unsere Vorfahren kannten die Gewohnheiten ihrer natürlichen Feinde sehr genau. Dabei sind ihnen mit Sicherheit die diversen Jagdstrategien gemeinschaftlich lebender Fleischfresser nicht entgangen.iii Sie waren auch dazu in der Lage, artfremde Verhaltensweisen nachzuahmen. – Einen Vorgang, der – auf die entsprechende Neigung der Schimpansen bezogen – in der deutschen Sprache mit „Nachäffen“ tituliert wird.

Im 20. Jahrhundert beobachteten Forscher über Jahre hinweg das Verhalten sozial lebender Fleischfresser. „Eine Löwinnen-Gruppe, die Seite an Seite in offener Querformation ruhig und zielstrebig auf ihre Beute zusteuert, dürfte wohl die erstaunlichste menschenähnliche Verhaltensweise im ganzen Tierreich sein. Die Gruppenjagd bietet ganz offensichtlich Vorteile. Während die Wildhunde auf diese Weise Zebras töten können, sind gemeinsam angreifende Löwinnen in der Lage, es mit großen Tieren wie Büffeln und Giraffen aufzunehmen, die mit einer einzelnen Raubkatze durchaus fertig werden könnten. Außerdem gelingt es einem einzelnen Löwen, der sich auf eine Herde grasender Tiere stürzt, in neun von zehn Fällen nicht, Beute zu schlagen, während die gemeinschaftlich jagenden Löwen viel häufiger Erfolg haben, besonders wenn sie nachts im Dickicht jagen oder sich ihrer Beute gegen den Wind nähern. Manchmal lauern Löwen auch ihren Opfern auf, ein anderes Mals greifen sie offen an und treiben die Tiere in eine Sackgasse.“ ( Nigel Calder, Das Lebensspiel S. 145 f )

Heute ist es möglich, einen Beobachtungszeitraum von drei Jahren mit wenigen Zeilen Text oder einigen Minuten Film allen Menschen dieser Welt unmittelbar zugänglich zu machen. Vor vier Millionen Jahren sah das etwas anders aus. Die künftige Jagdstrategie im Rahmen eines Sandkastenspiels zu diskutieren, lag weit außerhalb der Möglichkeiten unserer Vorfahren. Sie waren darauf angewiesen, es einfach zu versuchen. – In diesem Zusammenhang erscheint das Hervorheben der Menschenähnlichkeit des Verhaltens von jagenden Löwinnen als Verwechslung von Original und Fälschung.

Gute Beobachter waren sie, unsere Vorfahren. Im Nachahmen waren sie Meister. Sie verfügten ferner über eine ausgeprägte Abenteuerlust. Also wird es nur eine Frage der Zeit gewesen sein, bis sie begannen, das Verhalten ihrer Freßfeinde zu kopieren. Das ist der Grund, weshalb wir im Jagdverhalten mancher Raubtiere etwas Menschenähnliches zu entdecken glauben. Wir sind die Plagiatoren!

Allerdings bleibt auch nach dieser Feststellung die Frage offen, warum unsere Vorfahren das Verhalten ihrer Freßfeinde kopierten.

Wir haben oben gesehen, daß Organismen die neu entstandene Savanne nach einem bestimmten Schema besiedelten. Zunächst die Pflanzen und Insekten, mit ihnen die Insektenfresser, es folgen die Pflanzenfresser, dann die Fleischfresser, die die Pflanzenfresser fressen.

Mit der Zeit erwuchs den frühen Zweibeinern der Savanne ernsthafte Konkurrenz durch die klassischen herbivoren Steppentiere. Ferner mußten sie sich nun mit deren Jägern auseinandersetzen, die mit Sicherheit keine Skrupel kannten, einen bipeden Affen zu schlagen.

Um zu überleben, wird unseren Vorfahren nichts anderes übrig geblieben sein, als sich ihre Nahrung auch durch die Jagd zu verschaffen.“

Australopithecus Superbus, der Mensch im Licht nichtlinear-dynamischer Evolution, S. 73 ff:

http://www.lulu.com/shop/gerhard-altenhoff/australopithecus-superbus-der-mensch-im-licht-nichtlinear-dynamischer-evolution/ebook/product-544454.html

Am Anfang war das Feuer, so der Titel eines Films über die angeblichen Anfänge der Menschheit. – Das ist so nicht richtig. Wenn man der Darstellung folgt, die Stanley Kubrick an den Anfang stellte, kristallisierte sich mit der Verwendung des Schlagstocks die Menschheit aus der übrigen Affenwelt heraus:

http://www.myvideo.de/watch/4122757/Am_Anfang_war_der_der_Schlagstock

Aber wir folgen der Darstellung Kubricks nicht, weil den „Vor- und Frühmenschen“ dessen Verwendung mehr als fremd war. – Bis zum Auftreten des „Homo Sapiens Superstar“ bildete die Menschheit eine Art globalen „Swingerclub“:

https://advocatusdeorum.files.wordpress.com/2013/01/sexclub-neandertal.pdf

i vgl. auch Wolfgang Köhler, Intelligenzprüfungen am Menschenaffen, S. 70ff u. 103ff

ii Meiner Ansicht nach finden wir das Echo jener Zeit in der Tatsache, daß der Mensch dazu fähig ist, reale Gefährdungen der Natur zu ignorieren. Beispielsweise siedelt er in hochgradig erdbebengefährdeten Gebieten und an Vulkanhängen. Aus allen Begründungen, die dafür abgegeben werden, läßt sich entnehmen, daß die Erwartung, alles unter Kontrolle zu haben, verhindert, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Das schwere Erdbeben von Kobe, der Ausbruch des Montserrat und die Flutwellen der letzten Jahre haben gezeigt, daß es auch bestimmtes emotionales Muster zur Bewältigung solcher Katastrophen gibt. Anstatt sich mit der Tatsache abzufinden, daß das Unvermeidliche geschehen ist, reagieren die Menschen enttäuscht und suchen unsinnigerweise nach den Schuldigen.

iii Die Gabe, die Phänomene der Umgebung ausdauernd zu beobachten, spiegelt sich wieder in den Kenntnissen prähistorischer Astronomen. Sie mußten eine unglaubliche Geduld an den Tag legen und außerdem ein Gespür für Veränderungen haben, das beim zivilisierten Menschen einer schnellebigen Zeit nicht verloren, aber unterdrückt ist, so daß es sich nur noch in seinen Phantasien entfalten kann.

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