Atomkraft – Fürchet Euch nicht!

Es sieht ganz so aus, als würde hinter dem von den „Verantwortlichen“ in Berlin und an anderen Orten beschlossenen „Ausstieg aus der Atomkraft“ nichts anderes stehen als pathologische Wissenschaft und eine Ideologie, die keinen Widerspruch duldet. Der Kernphysiker Heinz Maier-Leibnitz jedenfalls hat vorausgesehen, daß der Inhalt des nachstehend wiedergegebenen Manuskripts entweder auf scharfen Widerstand stoßen oder totgeschwiegen werden würde. Meine Recherchen ergaben, daß es – ich bin offen für den Beweis des Gegenteils – tatsächlich „totgeschwiegen“ wurde. – Totschweigen, das ist die mildeste Sanktion, die „Glaubensfanatiker“ verhängen können:

„An dieser Stelle möchte ich gern ein Manuskript einfügen, das vielleicht veröffentlicht wird. Es beleuchtet das zur Sicherheit Gesagte und kann als Einführung gelten für das, was uns ab jetzt beschäftigen sollte.

Heinz Maier-Leibnitz

Atomenergie: Die Diskussion vereinfachen!

 

Wenn ich irgendwo Minister für Desorganisation anderer Länder wäre, würde ich mir die Hände reiben wegen der Erfolge mit der Atomenergie. Ein größeres Durcheinander mit größeren politischen Folgen hat es kaum je gegeben. Es ist Zeit, ein wenig aufzuräumen und zu sehen, welche Aussagen man mit Sicherheit oder mit begründeter Zuversicht machen kann. Nur so kann man die heillos verfahrene Diskussion auf die wirklichen Probleme reduzieren, die noch groß genug sind.

Erstens: Die Reaktorsicherheit hat seit Harrisburg große Fortschritte gemacht, auch und vor allem in Deutschland. Vor allem sehr große Unfälle sind noch unwahrscheinlicher geworden, als sie es schon waren.

Zweitens: Trotzdem wird es in der Welt Reaktorunfälle geben, vielleicht mit Toten, sicher mit Austreten von Radioaktivität, vielleicht mit vorübergehender Evakuierung größerer .Gebiete und mit der Erwartung von allerdings nicht im Einzelfall nachweisbaren Krebsschäden (genetische Schäden dürften kaum eine Rolle spielen). Wie die friedliche Nutzung der Atomenergie einen solchen Unfall überleben wird, ist eine Frage, die heute schwer zu beantworten ist. Hier wird entscheidend sein, ob die jetzt folgende These angenommen wird.

Drittens: Unfälle und Gefahren gibt es bei allen technologischen Prozessen und bei jeder Art von Energiegewinnung. Man muß Gefahren vergleichend betrachten. Nichts spricht dafür, daß dabei die Atomenergie schlecht abschneidet. Aber das Vergleichen (»ein Toter aus Kernenergie ist ebenso tot wie ein anderer«) gilt vielen, ganz irrational, als geradezu unmoralisch. Dabei spielt die Angst vor dem Unbekannten ebenso eine Rolle wie die Faszination durch etwas sehr Seltenes, aber Großes wie den unwahrscheinlichsten Reaktorunfall. Auch hört man oft die sicher nie völlig richtige Behauptung, ein Individuum könne alle Unfälle selbst vermeiden helfen außer diejenigen mit der Kernenergie. (Selbst bei Autounfällen stirbt ein erheblicher Bruchteil, ohne schuld, ja ohne Autofahrerzusein.)

Viertens: Durch die Atomenergienutzung ist der Bestand der Menschheit nicht gefährdet. Die Strahlengefahren (Krebs und genetische Schäden) sind nicht anders als die in der Natur schon bestehenden. Sie werden auch bei pessimistischen Annahmen, wie sie etwa in der Deutschen Risikostudie gemacht werden, weltweit für unsere Nachkommen ein Zehntausendstel der heutigen Schäden nicht überschreiten.

Dies muß abgewogen werden mit den Gefahren (Unfälle, Gesundheitsschädigung, Umwelt), die durch andere Energiearten entstehen. Wenn Atomenergie der einzige Weg ist, zu mehr Energie zu kommen, müssen auch die Wohltaten einer auf Energie basierenden Zivilisation mit betrachtet werden, aber nur soweit durch sie Gefahren für die Menschheit abgewendet werden. Ein bequemeres Leben darf kein Grund sein, Menschen zu opfern. Hier sind Grenzen des Ab Wagens.

Fünftens: Die Strahlengefahren aus Transport und Lagerung, auch Endlagerung radioaktiven Materials aus Kernkraftwerken sind vernachlässigbar klein. Auch bei der Wiederaufarbeitung von Brennelementen können nur strikt begrenzte Unfälle erwartet werden, die in keiner Weise aus dem Rahmen technologischer Gefahren fallen. Bei alledem wird man sich Mühe geben müssen, aber der Ausgang, etwa der Gorlebendiskussion, was ihren sachlichen Inhalt betrifft, kann nicht zweifelhaft sein.

Sechstens: Die Zahl der Länder, die Atomwaffen besitzen, wird bald zweistellig sein, und man mag sich wundern, warum die großen Mächte nicht bereit sind, dagegen etwas zu tun. Aber auf keinen Fall wird die Atomenergieentwicklung in Deutschland dazu beitragen (wir unterstellen, daß die Bundesregierung nicht die Absicht hat, selbst Atombomben zu bauen). Wer Atombomben entwickeln will oder wer spaltbares Material stehlen will, wird dies nicht an normal im Reaktor ausgebranntem Material versuchen. Siebtens: Das bisher Gesagte gilt von den heute üblichen wassermoderierten Reaktoren. Die Sicherheit bei dem noch nicht voll entwickelten Brüter und sowieso bei dem Hochtemperaturreaktor scheint ebenso garantiert zu sein. Die Zukunft gehört wohl dem Brüter, weil mit ihm die Kernenergievorräte praktisch unendlich werden. Dies gilt zum Teil auch für den Hochtemperaturreaktor; es scheint aber, daß er teurer arbeitet. Er wäre unschlagbar für chemische Prozesse bei sehr hoher Temperatur, aber man weiß nicht, ob diese genügend wichtig werden.

Achtens: Die Diskussion über den Atomstaat, darüber, daß der Bürger wegen der Reaktorsicherheitsmaßnahmen unfrei werden würde, ist wegen ihrer Albernheit, die manche Datenschutzauswüchse noch weit übertrifft, zusammengebrochen, wohl der erste Fall, daß die Atomgegner eine Position aufgegeben haben. Die Diskussion auf dem Atomgebiet ist unbeschreiblich polarisiert, vor allem, weil es oft weniger um Atomenergie als um Macht, um Kampf gegen die Autorität und um Gesellschaftsveränderung geht. Ich weiß, daß jede meiner Aussagen Widerspruch finden oder totgeschwiegen werden wird. Man darf den Entwicklungsstand der Kampfmethoden nicht unterschätzen. Für die Politiker bedeutet das, daß sie bei ihren Aussagen sehr darauf achten müssen, daß ihre Aussagen nicht gegen sie interpretiert werden können. Das war in der Vergangenheit ein schwacher Punkt. Fast jeder führende Politiker, der sich für Atomenergie aussprach, hat kurz vorher oder nachher etwas Entscheidendes gesagt oder getan, das sie behindert oder verhindert hat.

Nach allem Bisherigen bleibt das Wesentliche zu diskutieren; ich nenne einige Hauptpunkte.

• Darf man Atomenergie betreiben, wenn sich ein Teil der Menschen, wenn auch zu Unrecht, davor fürchtet? Dies berührt die ewige Frage, wieweit eine Regierung das Recht oder die Pflicht hat, der Vernunft Priorität zu geben, und auch die Frage, ob in solchen Dingen eine Minderheit gegen die Mehrheit geschützt werden muß.

• Ein weiteres Problem ist: Wieweit soll (darf?) eine Regierung für eine ferne Zukunft (zum Beispiel 50 Jahre) Vorsorgen auf Kosten der jetzigen oder der ihr folgenden Generation?

• Energiesparen ist unbestritten, soweit nicht die Produktivität leidet. Aber darüber hinaus: Wollen wir ein einfacheres Leben, mit Konsumverzicht? Dies ist nicht rational entscheidbar, man muß wohl auf Strömungen im Volk achten. Für große Erwartungen ist nicht viel Grund zu sehen.

• Der Rest sind rationale Fragen: Wie groß sind die Gefahren, wenn wir beim Öl bleiben? Wie ist die Ökonomie und der langfristige Nutzen der verschiedenen Energiearten? (Die Macht wirtschaftlicher Gesichtspunkte wird heute – das war früher schon einmal so – in der öffentlichen Diskussion zu wenig gesehen.) Kann man dabei an das Autarkiebedürfnis von Bürgern oder Gruppen denken, die bereit sind, etwa für die Solarheizung, für kleine Wind- oder Wärmepumpenanlagen zu bezahlen? Ist es richtig, daß ohne Öl und viel Kohle unsere Zukunft in sehr großem Ausbau der Elektrizitätswirtschaft liegen muß? Daß die Alternative zum Öl in einer großen Ausdehnung der Elektrizität liegen soll, ruft eine neue Art von Umweltschützern und Gegnern großer Wirtschaftsunternehmen auf den Plan.

Stehen wir vor einer Periode, wAo wir nur mehr über solche Dinge diskutieren müssen? Und kann diese Diskussion in einer entspannten Atmosphäre stattfinden?

Die Zeit dafür ist reif, denn verwirrter als heute kann die Situation nicht mehr werden.

(Kafka – Maier-Leibnitz, Kernenergie Ja oder Nein?, München 1987,119ff)

Bereits 1973 schrieb der erste „Fernsehprofessor“ des deutschen Fernsehens, Heinz Haber, in seinem Buch „Stirbt unser blauer Planet“ über die Kernkraft:

 

“ Die Erzeugung von Atomenergie führt auch zu einer »Asche«; diese ist aber, gemessen an den übermäßig großen Energiemengen, die wir gewinnen, mit ihrer Giftigkeit auch besonders heimtückisch. Alle diese Überlegungen freilich werden uns nicht daran hindern, daß wir uns so oder so mit unserer Energieversorgung an das Atom wenden müssen. Es wäre gut, wenn wir dabei eher früher als später einsehen, daß wir einen erheblichen Prozentsatz der dem Atom abgerungenen Energie unmittelbar wieder dafür einsetzen müssen, die Menschheit, das ganze Leben auf unserer Erde und unseren ganzen blauen Planeten vor den tückischen, radioaktiven Abfällen zu schützen. Wir können es uns nicht leisten, daß das Atom auch in ferner Zukunft nicht unser Freund bleibt, sondern vielleicht zu unserem Feinde würde.“ (Heinz Haber, Stirbt unser blauer Planet? – Stuttgart 1973, S. 92)

Das Atom, das wird nicht zu unserem Feind werden, das ist gewiß. Aber die Feindschaft, die Verteufelung der Atomkraft, die können wir uns wohl nicht länger erlauben. Die Friedensbewegten, die am Anfang der Anti-Atomkraftbewegung standen; die Friedensbewegten, die forderten, Schwerter zu Pflugscharen zu machen, wo sind sie? – Sie könnten einen sinnvollen Beitrag leisten mit der Forderung:

Bomben zu Kraftwerken

 

 

 

One Response to Atomkraft – Fürchet Euch nicht!

  1. vernunftbegabter sagt:

    mein kommentar:
    Wer Atomenergie befürwortet ist korrupt oder
    schaltet seine höheren Hirnfunktionen aus!!
    ->ZDF: Frontal21- Der große Bluff 6 Teile
    1 – http://www.youtube.com/watch?v=Yb5DLpNs-gU
    2 – http://www.youtube.com/watch?v=ds-_nK6YpOA
    3 – http://www.youtube.com/watch?v=txn3QjOljE0
    4 – http://www.youtube.com/watch?v=xuyu2K34Wg4
    5 – http://www.youtube.com/watch?v=7fKZUMAgnas
    6 – http://www.youtube.com/watch?v=4AI1lylob58

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