Kosmos ./. Kohlendioxid – Wer ist „Schuld“ an Klimawandel und Hochwasser

Juni 29, 2013

Das Geheimnis der Wolken | ARTE.

In diesem Film wird schlüssig und überzeugend begründet, daß es nicht die von selbsternannten Klimaforschern verteufelten „Treibhausgase“ sind, die der Erde immer wieder Kalt- und Warmzeiten auf’s Auge drücken. Viele Einflüsse, die in die Berechnungen der „Kimaforscher“ erst gar nicht einbezogen werden, kommen aus dem Weltraum. – Man läßt sie einfach uner den Tisch fallen und verfälscht so bewußt die Ergebnisse der „exakten“ Berechnungen, die man einem nach Propheten hungernden Publikum teuer verkauft.

Andere, das zeigt dieser Bericht natürlich nicht, kommen aus dem Erdinneren. So gast de Erde unablässig „Treibhausgase“ aus und gibt über Vulkane und mittelozeanische Rücken Unmengen von Wärme ab, die irggendwo hin müssen. Welchen Einfluß hat z.B. der mittelatlantische Rücken auf den Golfstrom, dem er ohne Unterbrechung Wärme in gigantischem Umfang zufhrt?

Wolken und Golfstrom, allein diese Faktoren reichen aus, alle Klimamodelle ins Reich der Phantasie zu katapultieren, denn die  Vernachlässigung auch nur einer der genannten Faktoren führt die „exakten“ Berechnungen der Klimaforscher mit einem Schlag ad absurdum. – Mit anderen Worten: Alle „Klimamodelle“ unterliegen den strikten Regeln der pathologischen Wissenschaft.

Die Menschen werden aufgescheckt durch Mengenangaben, die an die Spielereien unserer Politiker mit € -Beträgen erinnern. – Da ist von Millionen bis Milliarden Tonnen Kohlendioxid die Rede. – Freilich fällt eine Milliarde Tonnen Kohlendioxid gegenüber rund 5,3 Billiarden Tonnen des Gasgemischs, der als Atmosphäre die Erde einhüllt, kaum ins Gewicht. – Nur rund 0,3% der Atmosphäre bestehen aus Kohlendioxid.

Fragen Sie doch einmal einen Politiker, wieviel eine Milliarde Gramm wiegen oder wie lange er braucht, um 1 Milliarde Millimeter bei einer Durchschnittsgeschwindigeit von 5 km/h  zu Fuß zurückzulegen. Reichen ihm wohl 1000 ml. Wasser alsWegzehrung?

Kommen wir aus den Gefilden der astronomischen Zahlen auf die Erde zurück und widmen wir uns ganz konkreten Auswirkungen des „CO-2″-Problems an einem Ort dieses Planeten, an dem wir es nicht als“Problem“ überhaupt wahrnehmen würden:

In den wärmeren Gebieten der Erde sind es etwas mehr, da, wo es kalt ist, etwas weniger. – Aber auch da, wo es etwas meht ist, kann es kurzfristig zu unerfreulichen Schwankungen kommen. Z.B. in der Nähe des Nios-Sees imn der ostafrikanischen Senke. Hier tritt unablässig Kohlendioxid aus dem Erdboden aus. – In der Kühle der Nacht sammelt sich das „Treibhausgas“ in Erdsenken. Jedes Tier, jeder Mensch, der dort die Nacht verbrigen will, wacht am nächsten Morgen auf und ist tot, mauseot. – Umgebracht von der Unfähigkeit der kühlen Luft,  in der ansonsen heißen Umgebung genügend Kohlendioxid zu lösen.

Warme Luft löst offenbar mehr „Treibhausgas“ als kalte. – Kein Wunder also, daß die Pflanzen am Äquator üppiger gedeiehen als in der Tundra, wo die Krüppelkiefer das höchste ist. – Moose und Flechten lechzen in den arktischen Breitengraden geradezu nach Kohlendioxid, wo es schlicht und ergreifend Mangelware ist. – Man muß sich nämlcih immer vor Augen halten, jeder Baum, jeder Strauch und jede Blume ist buchstäblich „aus der Luft gegriffen“. – Geschaffen aus Kohlendioxid.

Und ohne beständigen und ausreichenden Nachschub am verteufelten“Treibhausgas“ müßten wir elend verhungern. – Als erste die Veganer, die als „Möhrchenkiller“  in unmittelbarer Nahrungskonkurrenz zu Kaninchen und Hasen stehn.

Noam Chomsky hat in einem am Karfreitag des Jahres 2005 ausgestrahlen Interview gesagt:

Willst Du die Menschen unter Kontrolle halten, mach ihnen Angst!

Und da hat der Mann recht. Denn alle „Weissagungen“ der „Politik!“, die Berichterstattung in Presse, Funf und Fernsehen basieren auf dem Phänomen der Angstmache.

Und wenn dann der Regen fällt, steigen sie in ihren Gummisitefeln aus den Hubschraubern und versprechen „unbürokratische Hilfe“,  für die sie erst einmal einen „Nachtragshaushalt“ mit rund 8.000.000.000 € “ „Neuverschuldung“ durchpeitschen müssen. – Mit anderen Worten, die finanziellen Mittel der versprochenen „Soforthilfe“ gab es zum Zeitpunkt des Verprechens noch gar nicht. – Die Geld“pumpen“ der „Soforthelfer“ arbeiteten schneller als alle Wasserpumpen im Hochwassergebiet.

Aber, wie chaotisch die Wetterausschläge auch sein mögen, „die Wissenschaft“ hält unverbrüchlich am „vom Menschen verursachten Klimawandel“ fest.

Ob aber die Modellvostellungen, auf denen die Theorie der „vom Menschen verursachten Klimakatastrophe“ – was ja noch gefährlicher klingt als der bloße „Klimawandel“ – zutreffend sind? – Wie würde ein unbedarfter Alien wie E.T. das wohl sehen?

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McJawelli – Gutschein für Geier! Bis zum Weltuntergang?

November 24, 2012

Kommentar: Der Haushalt der verpassten Möglichkeiten | tagesschau.de.

kennt jeder

Wenn Sie bis zum 21.12.2012  in einem Restaurant der US-Spitzengastronomie einkehren, bestellen Sie sich einfach einmal einen McJawelli, am besten To Go. Sie erhalten für teuer Geld einen wunderschönen, nach oben offenen Pappbecher voll heißer Luft.

Wegen seiner berauschenden Wirkung ist McJawelli das Standard-Dopingmittel unserer „Elite“ in Politik und Wirtschaft:

>>Wie rühmlich es ist für einen Fürsten, die Treue zu halten und redlich, ohne Falsch zu leben, sieht jeder ein. Nichtsdestoweniger lehrt die Erfahrung, daß gerade in unseren Tagen die Fürsten Großes ausgerichtet haben, die es mit der Treue nicht genau nahmen und es verstanden, durch List die Menschen zu umgarnen; und schließlich haben sie die Oberhand gewonnen über die, welche es mit der Redlichkeit hielten. Man muß nämlich wissen, daß es zweierlei Waffen gibt: die des Rechts und die der Gewalt. Jene sind dem Menschen eigentümlich, diese den Tieren. Aber da die ersten oft nicht ausreichen, muß man gelegentlich zu den ändern greifen. Deshalb muß ein Fürst verstehen, gleicherweise die Rolle des Tieres und des Menschen durchzuführen […] Es ist nicht nötig, daß ein Fürst alle aufgezählten Tugenden besitzt, wohl aber, daß er sie zu besitzen scheint. Ja, ich wage zu behaupten, daß sie schädlich sind, wenn man sie besitzt und stets ausübt, und nützlich, wenn man sie zur Schau trägt-. So muß der Fürst Milde, Redlichkeit, Treue, Menschlichkeit und Frömmigkeit zur Schau tragen und besitzen, aber, wenn es nötig ist, imstande sein, sie in ihr Gegenteil zu verkehren. Deshalb muß er verstehen, sich zu drehen und zu wenden nach dem Winde und den Wechselfällen des Glücks, und am Guten festhalten, soweit es möglich ist, aber im Notfall vor dem Schlechten nicht zurückschrecken […] Zudem beurteilt man die Taten der meisten Menschen, und insbesondere der Fürsten, die keinen Richter über sich haben, nach dem Erfolg. Ein Fürst braucht nur zu siegen und seine Herrschaft zu behaupten, so werden die Mittel dazu stets für ehrenvoll gelten.

[Als Beispiele nannte Machiavelli Papst Alexander VI. Borgia, der „die Welt von dieser Seite vorzüglich kannte“, und Ferdinand den Katholischen von Spanien.]<<

N. Machiavelli. Der Fürst „Il principe“, entstanden 1513. gedruckt 1532; deutsche Erstveröffentlichung 1841. (Klassiker der Politik, Bd. 8), Berlin 1923, Auszug aus Kapitel 18. (Zitiert nach Michael Fuhs, Herrschaftsformen der frühen Neuzeit, Freiburg/Würzburg 1978)

Man braucht sich nur die Stellungnahmen der Mitglieder unseres Bundeshochadels nach den Wahlen in Hessen, Niedersachsen und Hamburg anzuhören, um unschwer festzustellen, daß allüberall die McJawelli-Junkies am Werk sind.

Eine Lüge jagt die nächste. Dem Grunde nach ist das nicht neu, aber bedauerlich ist es schon, wenn Rechtswissenschaftler Selbstapokalypse (Apokalypse = Entschleierung) betreiben.

Man sollte doch meinen, daß einer, dem man die Befähigung zum Richteramt zugesprochen hat, sich auch so verhält, wie man es von einem Richter erwartet. Immerhin erwartet der Richter, daß man vor ihm die Wahrheit sagt, also muß er auch selbst der Wahrheit verpflichtet sein.  –  Aber weit gefehlt. Die Herren Advokaten Koch, Wulff und von Beust benehmen sich wie die „Fachanwälte für Rechtsbeugung“:

Sie können getrost davon ausgehen, daß die genannten Herren den Unterschied zwischen einer Wahl und einer Abstimmung kennen. Bei einer Wahl geht es um Personen, bei einer Abstimmung um eine Sachentscheidung.

Vor gut und gern fünf Jahren eröffnete der als Bundesarbeits- und Sozialminister bekannte Olaf Scholz mit dem Satz, die SPD müsse die Lufthoheit über den Kinderbetten erobern, die „Luftschlacht in den Kinderzimmern“. – In dem Film „Luftschlacht um England“ gibt es einen wunderbaren Dialog, der die Begriffsverwirrung, derer sich die genannten Herren gern bedienen, zeigt, aber auch auflöst:

„Lieutenant Harvey, Gasmaskenbehälter sind Gasmaskenbehälter! – und keine Schminkkoffer!“

So gehört in jedes Kinderzimmer der Warnhinweis, daß Wahlen eben Wahlen sind und keine Volksabstimmungen über Parteiprogramme.

Die Wahlen beziehen sich auch nicht auf die „Spitzenkandidaten“ von dahergelaufenen Parteien. Von den jeweiligen Landesverfassungen und dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland ist der Erklärungsinhalt der „abgegeben“ Wählerstimme eindeutig festgelegt: Er bezieht sich nur auf den jeweiligen „Wahlkreiskandidaten“, zeitigt also keine Folgewirkung im Hinblick auf die Wahl von Ministerpräsidenten oder Bundeskanzlern; denn das Grundgesetz hat das „freie Mandat“ dazwischengeschoben. Danach sind die Abgeordneten der Parlamente „Vertreter des ganzen Volkes und an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen“ (Art. 38 Abs. 1 GG).

All die wunderschönen Erklärungen über „Wählervoten“, „Wahlsieger“ und „Wähleraufträge“ liegen damit zumindest neben dem klaren Willen des Grundgesetzes. Was aber neben dem Grundgesetz liegt, läuft ihm zuwider, es ist schlicht und ergreifend verfassungswidrig.

Damit haben sich sowohl Koch als auch Wulff und der von Beust als Verfassungsfeinde geoutet. Darin unterscheiden sie sich nicht von den Spitzenfunktionären ihrer jeweiligen Parteien, aber auch nicht von den jeweiligen „politischen Gegnern“ und potentiellen „Koalitionspartnern“.

Gemäß Artikel 21 Absatz 1 GG „wirken die politischen Parteien bei der Willensbildung des Volkes mit“. Damit hat es sich dann auch, denn daß die politischen Parteien bei der Vergabe öffentlicher Ämter ein Mitsprache- bzw. Mitbestimmungsrecht hätten, davon ist in Art. 21 GG gerade nicht die Rede.

Es wird viel gezetert über die „Verschiebung der Parteienlandschaft“, über „Unregierbarkeit“ und, und und… All das Gegacker ist unnötig, wenn man so verfährt, wie das Grundgesetz es in Artikel 33 Absatz 2 indirekt vorschreibt: die zu besetzenden Ämter sind öffentlich auszuschreiben.

Eine verfassungskonforme Besetzung der Ministerpräsidentenämter dürfte den o.g. Herren nun gar nicht schmecken. Sie sind schließlich den „furchtbaren Juristen“ zuzurechnen.

Der „furchtbare Jurist“ pocht auf die Einhaltung eines Gesetzes, wenn es ihm tunlich erscheint oder ihm nützt. Wenn dasselbe Gesetz sich gegen ihn kehren sollte, hat er kein Unrechtsbewußtsein (Filbinger-Effekt: Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein)

Weil die Universitäten zu etwa 99% „furchtbare Juristen“ ausstoßen, wird es wahrscheinlich unumgänglich sein, diesen im Rahmen der Schaffung einer Verfassung nach Artikel 146 des Grundgesetzes jeden Paragraphen einzeln unter dem Sattel wegzuschießen.

Unsere McJawelli-Juinkies könnten sich freilich in den „freien Medien“ nicht so aufplustern, wenn nicht die deutsche Journaille sich so verhielte, wie Ernst Moritz Arndt es beschrieben hat, und wie es anläßlich jeder Fußballwelt- oder Europameisterschaft automatenhaft sichtbar wird:

„Geht es ihnen glücklich und siegreich, so beweisen sie sogleich, Sieg und Glück könne nicht lange bleiben, also herrsche der Wechsel aller irdischen Dinge; geht es ihnen unglücklich und knechtisch, so erinnern sie, welche Tugenden das Unglück entwickele, und wie fromm und demütig die Knechtschaft mache; kurz, für alle Farben und Gestalten, für alle Verschiedenheiten und alle Ähnlichkeiten immer Entschuldigungen, Verschönerungen, Beleuchtungen und Ansichten, die bemänteln, erklären, deuteln und drehen, was alle andere Sterbliche als Glück oder Unglück, Tugend oder Laster geradezu segnen oder verfluchen. Ja kommt der schwarze Teufel aus der Hölle und sagt ihnen: Ich will euer gnädiger Herr und Kaiser von Deutschland sein, sie haben die nächste Stunde den Stammbaum fertig, worin sie sein Recht zum deutschen Thron und die angeborene Milde und Gerechtigkeit seines Gemüts beweisen, und worin sie dartun, er sein von weisen Eltern geboren, zeige schon weiße Flecke und Streifen an seinem Leibe und werde zur Freude seiner glückseligen Untertanen binnen kurzem ganz weiß sein.

Höhne und verspotte ich? Nein, wahrlich nicht; so ist nicht die Empfindung meines Herzens und das Gefühl der Zeit, worin wir leben. Unsere Nichtigkeit und Dummheit ist so groß, wir rühmen uns unserer Väter und ihrer Art und Tugend; aber solches war bei unseren Vätern nicht und konnte ihnen nimmer widerfahren, weil sie Gott und die Liebe im Herzen trugen.

So elendig und dumm sie die meisten derjenigen, die sich zu Deutern und Verkündigern der Zeit aufwerfen und das arme Volk zweifelhaft, zaghaft und verwirrt machen. Aber viele sind auch Bösewichter und Buben, die aus bewußter Ehrsucht und Eigennutz, aus Furcht und Schmeichelei das Schlechteste und Schändlichste predigen und das Grausamste und Tyrannischeste entschuldigen und, was alle edle und freie Völker vom Anbeginn der Welt verflucht und verabscheut haben, zum Segen und Heil der Zeitgenossen deuten wollen.“ (Ernst Moritz Arndt, Geist der Zeit III, 3. Was müssen die Deutschen jetzt tun?)

Arndts Frage läßt sich mit einem kurzen Satz beantworten: Eine Verfassung nach Artikel 146 des Grundgesetzes schreiben und verabschieden.

Es belibt Zeit genug, denn der Kölner Dom wird bis zum 21.21.2012 nicht fertig, – Und erst wenn der fertig sit, wird die Welt untergehen.

Aber der Gutschein für einen McJawelli wird unwiderruflich am 21.12.2012 ungültig. – alle „Followers“ Macchiavwellis“ sind ab dem 22.12.2012 „bösgläubig“ im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches. – Die, die es angeht, die wissen, wovon ich rede, denn sie sind entweder selbst Juristen oder bestens juristisch beraten.


Finanzkrise: Der „Staatshaushalt“ ist immer der Weg in den Ruin DIE WELT

November 24, 2012

Finanzkrise: Größenwahn ist Frankreichs Weg in den Ruin – Nachrichten Kultur – Geschichte – DIE WELT.

Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie bringt immer weider selbstähnliche Muster hervor. – Wenn man immer wieder an demselben Rad dreht, darf man sich nicht wundern, daß einem der Hundehaufen, den man einmal „durchfahren“ hat, immer wieder um die Ohren fliegt:

Die Sozialversicherung kam in die Welt, um wenigstens die Vermögens­massen, die zur Finanzie­rung von ärztlicher Behandlung und Altersver­sorgung gedacht waren, den Begehrlichkeiten der Krone zu entziehen. Bis­marck war vorausschauend und hat zutreffend erkannt, daß der „Staatshaush­alt“ Privatvermögen des Kaisers war. Daß aber „der Staat“ eigentlich für die Kinder da sein müßte, daran hat selbst Fürst Bismarck keinen Gedanken verschwendet. Der Kaiser ist gegan­gen, der „Staatshaushalt“ geblieben. Mit ihm blieb das System der kameralistischen Haushaltswirt­schaft, die noch aus der Zeit Ludwig XIV. stammt:

Merkantilismus (von lat. mercator = Kaufmann) ist das wirtschaftspolitis­che System der absolutis­tischen Staaten des 16. bis 18. Jahrhunderts. Der Staat nahm in dieser Zeit starken Einfluß auf die Wirtschaft., um mit ihrer Hilfe den nationalen (volkswirtschaftlichen) Reichtum zu vergrößern und die Macht des Staates zu erhöhen. Die Grundüberlegung der Merkantilis­ten bestand darin, daß Staatsreichtum mit hohen Edelmetallbeständen gle­ichzusetzen sei. Daher war die Wirtschaftspolitik darauf ausgerichtet, alles zu fördern und zu unterstützen, was Geld und Edelmetalle ins Land brach­te. Als Ziel galt daher eine aktive Handelsbilanz, also ein Überschuß der Ausfuhr über die Einfuhr. Dies sollte unter anderem erreicht werden durch Ausfuhr hochwertiger Fertigwaren, Exportprämien, Einfuhrverbote und –zölle (Zoll), billigen Bezug der Rohstoffe aus eigenen Kolonien und gezielte Bevölkerungspolitik (mehr Arbeitskräfte).

In Deutschland, bzw. in den nach dem Dreißigjährigen Krieg auf deutschem Boden entstandenen auf deutschem Boden, entwickelte sich eine besondere Art des Merkantilismus, die Kameralismus genannt wird (von lat. camera = Kammer, gemeint ist die Schatzkammer der Fürsten). Beim Kame­ralismus, der „Lehre vom fürstlichen Staatshaushalt“ kam es da­rauf an, möglichst hohe fürstliche Staatseinkünfte zu erzielen, um die Staat­sausgaben (z.B. Besoldung des Militärs und der Beamten, Finanzierung des Baus von Schlössern) decken zu können. Die Steuer wird in dieser Zeit zu einer ständigen Einrichtung. Noch heute ist die staatliche Verwaltung nach den Grundsätzen des Kamera­lismus gestaltet. (Kameralistische Buchführung bei Behörden).

Bedeutende politische Vertreter des Merkantilismus waren in Frankreich Ludwig XIV und sein Fi­nanzminister J.B. Colbert, in Preußen Friedrich der Große und in England Oliver Cromwell. Auf den Merkantilismus fol­gte der Liberalismus. (Kapitalismus). (Horst Günter, Jugendlexikon Wirtschaft, Reibek 1975, S. 121f)

Bedeutende politsche Vertreter des Merkantilismus sind auch Angela Merkel und Peer Steinbrück, denn das kameralistische Haushaltssystem hat sich über die Artikel 104a ff des Grundgesetzes in die „Bundesrepublik Deutschland” hinübergerettet. Mit anderen Worten: auch die öffentlichen Haushalte des Bundes, der Län­der und der Gemeinden, wurden nie im „öffentlichen Interesse“ errichtet! Folglich ist klar, daß die letzten, denen das vom „Staat“ eingesammelte Geld zugute kommt, die Kinder sind. (Die Biene Maja, der glückliche Löwe und die Sozialversicherung, S. 11ff)

Seit Ludwig XIV.  ist  „der Staat“ nicht wirklich weitergekommen. – Eben weil „der Staat“ und „die Obrigkeit“, „Die Regierung“ von der sogenannten „freien Presse“ behandelt werden, als wären sie immer noch die“absoluten“ Monarchen. – Ich glaube, ich kann mir an dieser Stelle jedweden Link zur „Hofberichterstattung“ über unsere Rügenwalder Teewurst und die „Landesfürsten“ unserer „Republik“ ersparen.


OB Elbers: Staatsanwalt paß auf!

November 16, 2012

Ermittlungen auch gegen OB Elbers: 58 Rathaus-Mitarbeiter unter Verdacht.

Der Fall weckt Erinnerungen an meine Zeit als Leiter des Rechtsamts im Landkreis Rügen und meine daran anschließende Anwaltstätigkeit auf Deutschlands größter Insel.

Es ist nicht zu erwarten und eher unwahrscheinlich, daß die Korruption von der einsamen Ostsee-Insel wie ein Tsunami an den Rhein geschwemmt wurde. – Allein, die Staatsanwaltschaften haben sich nicht um „Unregelmäßigkeiten “ im öffentlichen Dienst gekümmert. – Obwohl sie gewarnt waren, haben die Staatsanwälte nichts getan:

In der darauffolgenden Woche fingen die Ereignisse an, sich zu überschlagen: „Law & Order Man“ Manfred Kanther mußte gehen, ein Mitarbeiter der CDU erhängte sich, die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft stellte das Ermittlungsverfahren gegen Heinz Schleußer, den früheren Finanzminister des Landes Nordrhein-Westfalen, ein. – Ein wenig vorschnell, wie ich fand. Auch das hatte ich schon einmal erlebt. Flugs hängte ich an mein Memorandum für den Bonner Staatsanwalt noch einen Zusatz an und richtete meine Worte an den Generalstaatsanwalt in Düsseldorf:

 Flug-/Parteispendenaffäre

 Sehr geehrter Herr Selter,

 Die jüngsten Ereignisse in der Parteispendenaffäre veranlassen mich, erneut zu den Vorgängen Stellung zu nehmen:

 Bereits am 19.1.2000 hatte ich der StA Bonn nachfolgend wiedergegebenes Memorandum in Sachen Helmut Kohl geschickt. Darin habe eine Befürchtung zum Ausdruck gebracht, die sich in Sachen Schleußer zu bestätigen scheint:

 „ … ich beneide Sie nicht um Ihre Aufgabe. Aus meiner persönlichen Erfahrung im Umgang mit Trägern politischer Verantwortung heraus möchte ich Ihnen ein wenig Ihrer kostbaren Zeit stehlen und Sie mit den nachfolgenden Gedanken vertraut machen.

 Als vor einigen Wochen die Staatsanwaltschaft Bonn ein Ermittlungsverfahren gegen den früheren Bundeskanzler Helmut Kohl einleitete, traute ich meinen Ohren nicht. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft rechtfertigen die Umstände den Verdacht der Untreue nach § 266 StGB. Wieso ausgerechnet Helmut Kohl? – das war die Frage, die ich mir selbst nicht so recht beantworten konnte. Auch die Presse hatte sich bereits zuvor so sehr auf die Bargeldzahlungen eingeschossen, daß das ganze Ausmaß des Skandals wohl aus dem Blickfeld geriet. Und dieser Skandal wird ganz offiziell über Konten abgewickelt. Als Staatsbürger, Steuerzahler und Souverän dieses Landes kann man mit Fug und Recht das Gefühl haben, nicht mehr Herr im eigenen Haus zu sein. Das nämlich gehört längst den Parteien, deren Vertreter sich auch noch aufregen, wenn sie erwischt werden. Regelmäßig berufen sie sich auf fehlendes Unrechtsbewußtsein. Was ihnen aber tatsächlich abgeht, ist jedes Rechtsgefühl. Der Gleichheitsgrundsatz unserer Verfassung erscheint so ausgehöhlt wie der von George Orwells „Farm der Tiere.“ Danach waren alle Tiere gleich, bis die einen gleicher wurden als die anderen. Nun soll der Abgeordnete Dr. Kohl wieder weniger gleich sein als die Gleicheren? – Wohl, weil er nicht den Steuerzahler, sondern seine Partei geschädigt haben soll. Wer den Steuerzahler schädigt, bleibt aber nach wie vor gleicher. Und alle gucken zu. Nachdem ich mir einmal gründlichst die Finger verbrannte, beschränke auch ich mich aufs Zuschauen. Allerdings sind nach Heinrich Heine die Gedanken frei und nach Artikel 5 des Grundgesetzes ist es erlaubt, sie auch zu äußern:

 Im Juni 1991 trat ich in die Dienste des Landkreises Rügen. Als Leiter des Rechtsamts gehörte es zu meinen dienstlichen Obliegenheiten, Anzeigen wegen Straftaten zum Nachteil des Kreises zu erstatten.

 Ab Herbst 1991 erstattete ich bei der Staatsanwaltschaft Stralsund pflichtgemäß mehrere Strafanzeigen wegen Untreue und Betruges gegen diverse Kommunalpolitiker Rügens. Die Anzeigen wurden regelmäßig und regelrecht „abgebügelt“. Die Argumente, wenn sie überhaupt mitgeteilt wurden, waren mehr als fadenscheinig. Zur Ehrenrettung muß allerdings gesagt werden, daß es dem Leitenden Oberstaatsanwalt an Phantasie nicht mangelte. So wurde Graf Lambsdorff zum Rechtfertigungsgrund hochstilisiert. – Selbstverständlich hat der das auch nicht ganz nachvollziehen können. Jedenfalls konnte die StA und auch die Generalstaatsanwaltschaft Rostock in den angezeigten Handlungen keine Anhaltspunkte für Straftaten finden. – Sollten auch Sie der Meinung sein, daß zwischen DM 100.000,– und DM 660.000,– kein auffälliger Unterschied besteht, möchte ich Sie bitten, mir den Differenzbetrag zukommen zu lassen. Barzahlung ist wieder in Mode und ein Tütchen für die „Peanuts“ sende ich Ihnen gern zu.

 Durch den bundesdeutschen Blätterwald rauschte Anfang 1997 die Nachricht, der Bund der Steuerzahler hätte ein Gutachten über die Strafbarkeit der Geldverschwendung im Öffentlichen Dienst vorgelegt. Prof. Konrad Wolff (Viadrina-Univ. Frankfurt/Oder) kam bezüglich der von mir inkriminierten Verhaltensweisen zu demselben Ergebnis wie ich Jahre zuvor. – Allein, ich galt als verrückter Querulant. Und die, die die Millionenschäden verursacht hatten, beziehen heute noch ihre Pensionen auch aus Ihrer Tasche.

 – Offensichtlich hat das Gutachten des Professors den Platz noch nicht eingenommen, der ihm angesichts der leeren Staatskassen gebührt, nämlich auf dem Frühstückstisch eines jeden Staatsanwalts, direkt neben der Morgenzeitung.-

 Auch bei der bundesdeutschen Journaille macht sich nach und nach eine nicht mehr zu übersehende Beamtenmentalität breit. Man regt sich kurzfristig über „Mißstände“ auf, schreibt den einen oder anderen Politiker hoch oder runter und stürzt sich auf Helmut Kohl und die CDU, ohne einen Blick auf den Gesamtzusammenhang zu werfen:

 Anfang 1992 machte ich mich auf den Weg nach Hamburg, um die Presse ein wenig wachzurütteln. Dort traf ich mich in der Kantine des „Stern“ mit einem Redakteur, dessen Namen mir freilich nach so langer Zeit nicht mehr geläufig ist.[Commerzba1] . – Lange Rede, kurzer Sinn: der Herr zeigte sich  an der Geschichte nicht sonderlich interessiert. Es ging ja schließlich nur um ca. 4.500.000,– DM Schaden zum Nachteil des Steuerzahlers.- Und der Herr Vertreter der freien Presse blätterte ziemlich gelangweilt – eben wie ein Beamter – in den Unterlagen.

 Ausgerechnet der „Stern“ stellt auf dem Titelblatt seiner Ausgabe 38/99 die Frage, „Wo ist das ganze Geld geblieben?“ – Als ich das las, mußte ich herzhaft lachen. Daß ich das nach einer solchen Erfahrung für den größten Flop des „Stern“ seit den Hitlertagebüchern halte, liegt wohl auf der Hand und läßt sich durchaus näher begründen.

 Die Medien sind, das glauben wir fast alle, dazu da, uns zu unterhalten. Auch die Aufmachung der Nachrichtensendungen lassen darauf schließen, daß die Entwicklung immer mehr in Richtung Infotainment geht. Sind Leser und Zuschauer wirklich nur Voyeure, die man ergötzen muß? – Brot und Spiele für das Volk, wie weiland in Rom? -Ein unseliges Bündnis zwischen Medien und Politik.

 Aber wird sich diese Entwicklung langfristig fortsetzen können oder ist sie nur eine kurzfristige Spielerei, die mit den bis vor kurzem unbekannten Möglichkeiten der elektronischen Kommunikation zusammenhängt?

 Die zweite Alternative wird wohl zutreffen. Das folgt aus der Stellung der Medien, die diese in einer demokratisch verfaßten Gesellschaft langfristig einnehmen müssen, wollen sie zu deren Stabilisierung beitragen.

 – Da sich in unserer Republik gegenwärtig die Skandale und Affären geradezu überschlagen, muß ich mich aus Gründen der Aktualität ein wenig kürzer fassen, als es mir lieb ist.-

 Die Pressefreiheit nach Art. 5 GG ist eigentlich im falschen Titel des Grundgesetzes niedergelegt. Die Freiheit der Medien ist der richterlichen Unabhängigkeit ebenbürtig. Beide Institutionen dienen der sozialen Kontrolle. Die Medien spielen dabei eine ganz besondere Rolle: sie sind die Augen und Ohren des „Souveräns“; mit diesen „Sinnesorganen“ beobachtet und belauscht der Souverän die, denen er Führungsaufgaben anvertraut hat, und auch die, die in seinem Namen die formale soziale Kontrolle ausüben, nämlich die Justiz. Und das ist sein gutes Recht. Die Presse hat in Ausübung dieser Funktion „Bericht“ zu erstatten. Die Pressefreiheit ist demnach ureigenste Angelegenheit des Volkes, das – und es kann nicht oft genug wiederholt werden – der Souverän ist.

 – Ich habe soeben die Pressefreiheit auf eine Stufe mit der richterlichen Unabhängigkeit gestellt. Ich bin mir dessen bewußt, daß dieser Satz mißverstanden werden kann. Um jeglicher Fehlinterpretation vorzubeugen, muß ich unterstreichen, daß es Aufgabe der Medien ist zu berichten, nicht aber zu richten. Das wiederum ist das alleinige Recht des Souveräns, nämlich des Volkes.-

 Meine durchaus kühne und schon fast staatsgefährdende Behauptung über die Stellung der Presse in einer Großsozietät provoziert natürlich zunächst ein gewisses Kopfschütteln. Die philosophischen Grundlagen unseres Grundgesetzes und aller anderen Verfassungen westlicher Demokratien gehen auf John Locke ( Volkssouveränität) und Montesquieu (Gewaltenteilung) zurück. Presse- und Informationsfreiheit werden weder von dem einen noch von dem anderen gewürdigt, also können sie die behauptete Stellung in Verfassungssystem einer Demokratie doch wohl nicht haben.

 Der Gedanke ist naheliegend, aber falsch. Medien und Pressefreiheit waren für diese beiden Philosophen noch Dinge, unter denen sie sich ebensowenig vorstellen konnten wie unter den Begriffen Telefon oder Fernsehen. Es gab sie in ihrer Vorstellungswelt einfach nicht. Zeitungen gibt es seit etwa Mitte des 17. Jahrhunderts; dennoch wurde der Presse an sich damals gerade die Nabelschnur durchtrennt. Mit anderen Worten: die Presse als Inbegriff eines Informationssystems entwickelte sich erst zu einem Zeitpunkt, als Locke und Montesquieu längst das Zeitliche gesegnet hatten. Für Presse- und Informationsfreiheit gab es in ihrer Systematik daher natürlich keinen Platz.

 Die Gefahr, die sich für die Mächtigen allein aus der Existenz der Presse ergab, wurde von diesen indes rasch erkannt und mit der Einführung der Zensur vorerst gebannt.

 Nicht allein das. Noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann die Obrigkeit damit, eigene Presseerzeugnisse zu schaffen. – Merkwürdigerweise wiederholte sich dieser Vorgang mehr als 250 Jahre später auf Rügen:

 Der „Stadtanzeiger Bergen“ war bei den gewählten Vertretern der Stadt in Ungnade gefallen, weil er sich kritisch über deren Tätigkeit geäußert hatte. Im Dezember 1993 schlug die Geburtsstunde des „Stadtboten Bergen“, dessen Herausgeber der jeweilige Bürgermeister der Stadt Bergen ist und der aus Steuermitteln finanziert wird…

 Seit 1990 liegt zwar auch Rügen im Geltungsbereich des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland, das in Art. 5 die Pressefreiheit garantiert. Das Vorgehen der Stadt Bergen gegen ein Presseorgan störte aber niemanden, nicht einmal die Presse selbst. Der „Stadtanzeiger Bergen“ war ja schließlich nur ein „Käseblättchen“.

 Solange Auflagenhöhe und Einschaltquoten stimmen, ist es ja auch Wurst, was im Lande vor sich geht. – Da läßt es sich gut leben mit einer A 13- Einstellung.

 Das bunte Treiben und das große Geldausgeben in den neuen Bundesländern fand zwar unter den Augen der Medien statt, bei diesen aber keine weitere Beachtung.

 Da wurde 1992 mal berichtet, der Leiter des Rechnungsprüfungsamts der Stadt Potsdam wäre in die Wüste geschickt worden, weil er einen „allzu wissenschaftlichen Arbeitsstil“ an den Tag gelegt und sich über „geparkte“ Gelder aufgeregt hätte. – Der, der von Berufs wegen dazu angehalten ist, die Ausgabe von Steuergeldern auf ihre Rechtmäßigkeit hin zu überprüfen, wird gefeuert, weil er seine Pflicht erfüllt. Auch für den Dümmsten ergibt sich daraus der Verdacht, daß es da etwas zu verbergen und zu vertuschen gilt. Für deutsche Medien aber offensichtlich nicht. Die Sachverhalte, die sich dahinter verbergen, sind zu kompliziert, als daß sich daraus eine griffige Headline machen ließe. Also ignoriert man die Tatsachen und beruhigt sich damit, daß die handelnden Personen demokratisch legitimiert seien.

 Dabei ist aus den genannten Gründen jede Form von „Hofberichterstattung“ einer freien Presse zumindest unwürdig. Die Medien hätten auch die Pflicht, sich gegen Einflußnahme durch die Politik zur Wehr zur setzen, und zwar heftig. Erst recht darf die Presse nicht schweigen, wenn sich Fehlentwicklungen und Mißstände so sehr häufen, daß jedes einzelne Ereignis eigentlich schon keine Nachricht mehr wert zu sein scheint.

 Ich folgere daraus, daß die Medien zumindest seit 1989 ihrer Berichtspflicht nur ungenügend nachgekommen sind und daß für einen Großteil des Schadens nicht allein die vielgescholtene Fa. Kohl, Waigl & Co verantwortlich ist; sondern die bei Presse, Funk und Fernsehen beschäftigten Schlafmützen, die dem Fluß der Steuergelder nicht von der Quelle bis zur Mündung gefolgt sind. Soweit zum Thema Pressefreiheit.

 Die Staatsphilosophien von Locke und Montesquieu hatte ich bereits erwähnt. Beide Autoren waren Europäer und Zeitgenossen absolutistischer Herrscher. Ihre Gedanken laufen den damaligen Machtverhältnissen genau entgegen. Ihre Ideen vertragen sich nicht mit dem gesellschaftlichen Umfeld, das sie geprägt haben müßte. Ist es daher Zufall, daß der Absolutismus als illegitime Kinder die Ideen gebar, die den gegenwärtigen Vorstellungen von Demokratie zugrunde liegen? – Ich behaupte, das war kein Zufall:

 Unsere jagenden und sammelnden Vorfahren lebten in Horden von etwa 25 bis 50 Individuen. Auf diese Gemeinschaftsgröße sind alle sozialen Bedürfnisse abgestimmt. Wir haben zwar alle gelernt, die Familie sei die Keimzelle des Staates. Tatsächlich aber stand am Anfang eines jeden Staatsgebildes die Horde.

 Aus diesem Grunde erscheint der Schluß gerechtfertigt, daß all das, was wir im Alltagsleben Menschenrechte nennen, gemeinschaftsbezogenen emotionalen Grundbedürfnissen des Menschen entspringt. Wenn das so ist, dann nimmt es nicht wunder, daß Absolutismus und die Ideen Lockes und Montesquieus annähernd gleichzeitig auftraten. Damit erweist sich auch die Vorstellung, daß der Staat dem Volk gehört, als Ausprägung der genannten Grundbedürfnisse. Mit der Gewaltenteilung verhält es sich ebenso. Damit sind Justiz und Presse als Gewalt der sozialen Kontrolle ursprüngliche Rechte des Volkes, die keine weiteren Begründung oder Rechtfertigung brauchen. Das Grundgesetz ist von seinem Wortlaut her eigentlich verkehrt herum aufgebaut. Aber das ist gegenwärtig nicht so wichtig:

 Jedenfalls erkennt unser Grundgesetz die Prinzipien der Volkssouveränität und der Gewaltenteilung an. Daß die Stellung der Presse- und Informationsfreiheit falsch eingeordnet ist, sagte ich bereits. Die Versuche von Politikern, ihren Einfluß auch gegenüber den Medien geltend zu machen oder sich durch eine verschärfte Pressegesetzgebung unbequemer Berichterstattung zu entziehen, gibt Anlaß, einfach mal näher zu beleuchten, was im Lande wirklich los ist:

 Unterzieht man die politische Wirklichkeit der Bundesrepublik Deutschland einer näheren Prüfung, offenbaren sich rasch drei Verwerfungen, die zeigen, daß das gegenwärtige politische System, das auch als Verfassungswirklichkeit bezeichnet wird, von den Vorstellungen des Verfassungsgebers erheblich abweicht:

 Nach Art. 21 des Grundgesetzes sollen die Parteien an der Willensbildung des Volkes mitwirken. Die Art und Weise, in der die politischen Parteien diesen Verfassungsauftrag erfüllen, läßt die erste Verwerfung sichtbar werden:

 Tatsächlich versuchen die Parteien, die über eine parlamentarische Mehrheit verfügen, dem Volk, also dem Souverän, ihre Vorstellungen rücksichtslos aufzuzwingen. Der Streit um den sogenannten „Ausstieg aus der Kernenergie“ macht dies überdeutlich. Ein Bruchteil der Bevölkerung hat qua Stimmzettel bei den Wahlen die Position der „Grünen“ befürwortet. Die Äußerungen des Bundesumweltministers in dieser Debatte lassen indes darauf schließen, dieser sei dazu ausersehen, der Stromerzeugung durch Kernenergie den Garaus zu machen. Trittin ist nicht der einzige, der sein Amt mit dem des lieben Gottes verwechselt, aber er ist ein gutes, weil markantes Beispiel.

 Ihre Befugnis zu einem derartigen Vorgehen leiten Parlamentarier und Regierungen aus dem sogenannten Wählerauftrag ab. Die Mehrheit der abgegebenen Stimmen soll es rechtfertigen, die parteipolitischen Vorstellungen per Gesetz allgemeinverbindlich durchzusetzen. Diese Auffassung, die letztlich in allen Parteien herrschend ist, ist grundfalsch. Denn auch eine bei Wahlen erzielte absolute Mehrheit repräsentiert tatsächlich nur eine Minderheit der Gesamtbevölkerung. Erstens ist die gesamte Jugend von der Mitentscheidung über die eigene Zukunft ausgeschlossen. Und zweitens beträgt die Wahlbeteiligung nie 100%. Auch eine absolute Parlamentsmehrheit ist zwangsläufig ein Minderheitsvotum. Der „Wählerauftrag“ ist eine Fiktion. Tatsache ist, daß Parlamentarier und Regierung für die Mehrheit des Volkes gewissermaßen als „Geschäftsführer ohne Auftrag“ agieren müssen. Das aber tun sie zweifellos nicht.

 Wie sehr unsere Politiker den „Wählerauftrag“ mißverstehen, zeigt sich auch an ihrem Verständnis für die Aufgaben des Bundesrates. – Knackpunkt Numero Zwei. – Nach Art. 50 GG wirken über den Bundesrat die Länder an der Gesetzgebung des Bundes mit. Der Bundesrat ist damit zwar ein Bundesorgan, aber in erster Linie das Gremium, in dem die Interessen der Bundesländer gegenüber dem Bund vertreten und gewahrt werden sollen. Vereinfacht gesagt, stellen die Mitglieder des Bundesrates die Anwälte der Länder gegenüber dem Bund dar.

 Bereits seit geraumer Zeit stehen aber bei den Beratungen im Bundesrat parteipolitische Interessen und Auseinandersetzungen im Vordergrund. Das geht so weit, daß die Medien (sic!) davon reden, die gegenwärtige Bundesregierung verfüge nicht nur über eine Mehrheit im Bundestag, sondern auch im Bundesrat. Der offene Verfassungsbruch, nämlich das Umfunktionieren der Länderkammer in ein Instrument der Parteipolitik, bleibt nicht nur unbeanstandet, sondern wird von Presse, Funk und Fernsehen als Normalität vermarktet.

 Wie konnte es aber dazu kommen, daß die politischen Parteien eine Geltung im Lande erlangen konnten, die praktisch kaum ein Bereich des öffentlichen Lebens unbeeinflußt läßt? – Das ist die Frage nach der dritten Verwerfung in unserer Verfassungswirklichkeit.

 Die Parteien konnten allenthalben in die Machtpositionen drängen, die sie heute besetzt halten, weil unser gegenwärtiges Wahlrecht ihnen das Hölzerne Pferd bereitstellte. Bei Bundes- und Landtagswahlen gilt eine Kombination des Mehrheits- und des Verhältniswahlrechts. Je zur Hälfte werden die Parlamente von Abgeordneten gebildet, die in ihrem Wahlkreis direkt vom Volke gewählt wurden. Die andere Hälfte wird über eine Landesliste von den Parteien in das Parlament entsandt. Listenkandidaten werden von den Parteien dem Wahlvolk präsentiert, ohne daß dieses direkten Einfluß darauf hätte, ob es solche Kandidaten überhaupt haben und wählen will. Verkauft wird das übrigens als Zweitstimme für die „Partei“. Das Wahlrecht koppelt also 50% der Gewählten vom Wähler ab. Eigentlich kein Wahlkreiskandidat, der ein getreuer Parteisoldat ist, braucht um den Einzug ins Parlament zu fürchten. Wenn der Wahlkreis für eine Direktwahl nicht sicher genug ist, kommt er auf einen sicheren Listenplatz, der ihm den Einzug in das gewünschte Parlament beschert. – Freilich muß er dafür zahlen, wie die jüngsten Ereignisse gezeigt haben.

Bei den Wahlen zum Europäischen Parlament wurde die grotesken Züge der Listenwahl deutlich gemacht. Auf dem Wahlzettel erschienen nur die „Großen Unbekannten“. Zufällig erkannte ich den Kandidaten „meiner“ Partei als denjenigen wieder, den ich Jahre zuvor als Referendar kennen- aber nicht schätzen gelernt hatte. Meine Stimme war damit für „meine“ Partei natürlich verloren.

 Aber dieses Ereignis zeigte mir, daß diese Wahlen nach dem Losbudenverfahren stattfanden, denn der Wähler hatte lediglich die freie Auswahl innerhalb des von den Parteien festgelegten Angebots. Auch die deutschen Abgeordneten des Europäischen Parlaments werden ihren Obolus an die Parteien entrichten müssen, was bedeutet, daß sich unsere Mitbürger in 14 nichtdeutschen EU-Staaten an der Finanzierung bundesdeutscher Parteien beteiligen müssen. Toll!

 Demokratie heißt aber Volks-, nicht Parteienherrschaft. Bei einer repräsentativen Demokratie leitet sich die Gesetzgebungsbefugnis des Parlaments aus den Wahlen ab. Nehmen wir das beim Wort: „Abgeordnet“ kann nur jemand sein, den das Wahlvolk „entsandt“ hat. Es kann daher nur derjenige sein, der sich unmittelbar im Wahlkreis um Wählerstimmen bewirbt. Das kann nur der sogenannte Direktkandidat sein. Diese Kandidaten machen aber nur die Hälfte des Parlaments aus. Jedem direkt gewählten Abgeordneten steht in der Bundesrepublik infolge des Wahlrechts automatisch ein „Schattenabgeordneter“ zur Seite, der zwangsläufig reiner „Parteisoldat“ ist, sonst wäre er nicht auf einem „sicheren“ Listenplatz gelandet. Denn wer auf die Landesliste kommt, das bestimmen ausschließlich die Parteien nach ihrem Gutdünken.

 Irre ich mich? – Oder haben wir tatsächlich dadurch eine Verdoppelung der notwendigen Parlamentsgröße bewirkt?

 Parlamentarier pflegen ihre Existenz damit zu rechtfertigen, daß die Aufgaben der Gesetzgebung in einer immer komplizierter werdenden Welt nicht weniger werden; es seien noch längst nicht alle Lebensbereiche so geregelt, wie es im Hinblick auf die verfassungsrechtlichen Vorgaben der Gleichheit, insbesondere der Gleichberechtigung der Geschlechter und der Chancengleichheit politisch wünschenswert und erforderlich wäre; außerdem sei in der laufenden Legislaturperiode noch der eine oder andere Wählerauftrag zu erfüllen; dies müsse notfalls im Wege der Gesetzgebung geschehen, wenn die laufenden Konsensgespräche zu keinem greifbaren und alle gesellschaftlich relevanten Gruppen befriedigenden Ergebnis kommen sollten… – In ähnlich geschwollener Art und Weise versuchen Politiker zu begründen, daß der Gesetzgeber einen nahezu unendlichen Handlungsbedarf habe.

 Unendlich ist nicht der Handlungsbedarf des Gesetzgebers, unendlich sind lediglich die Geschichten, die diese Legende produziert. Ich darf in diesem Zusammenhang auf das Titelblatt der „Rheinischen Post“ vom 8.7.1974 verweisen. Dort wird unterhalb des Konterfeis des damals frischgebackenen Weltmeisters Paul Breitner die Frage gestellt: Doch noch Steuerreform?

Wir Bürger der Bundesrepublik Deutschland und wir Bürger der Europäischen Union werden mit Vorschriften des Bundes und der Länder sowie der EU überschüttet. Langsam aber sicher fragen sich alle, ob das denn wirklich alles sein muß. Präzisiert man diesen Unmut, muß die Frage richtigerweise lauten: haben wir alle Gesetze, die wir brauchen, oder brauchen wir alle Gesetze, die wir haben?

 Widmet man sich dieser Frage eingehend, kommt man sehr schnell zu dem Ergebnis, daß wir nicht alle Gesetze brauchen, die wir haben. Denn selbst im wohlorganisierten Deutschland ist ein Rechtsgebiet, das für die Wirtschaft wie für den privaten Bereich von zentraler Bedeutung ist, nur fragmentarisch gesetzlich geregelt, nämlich das Arbeitsrecht. Seit den Zeiten Willy Brandts versuchte man ein einheitliches Arbeitsgesetzbuch zu schaffen; ein Vorhaben, das glücklicherweise bislang scheiterte. Das Arbeitsrecht ist in Deutschland die unangefochtene Domäne dessen, was man im angelsächsischen Rechtskreis als common law bezeichnet. Das aber, glaubt man deutschen Rechtsgelehrten, dürfte es im durchkodifizierten Kontinentaleuropa eigentlich gar nicht geben… Es geht also auch ohne detaillierte gesetzliche Regelung nebst fünfzig Durchführungsverordnungen und ähnlichem Schnickschnack – Auch andere Gesetze haben über die sogenannten Generalklauseln den Strukturen des common law den Weg in das deutsche Rechtsleben geebnet. Daher ist der Handlungsbedarf für den Gesetzgeber kleiner als gemeinhin angenommen. Die Produktivität des Parlaments als Gesetzgeber erweist sich unter diesen Gesichtspunkten bei aller Geschäftigkeit als erstaunlich gering.

 So viele Abgeordnete, wie wir haben, brauchen wir nicht. Durch das Wahlrecht haben wir aber ein Parlament, das mindestens die doppelte Anzahl der notwendigen und unmittelbar demokratisch legitimierten Abgeordneten enthält.

 Die Väter des Grundgesetzes hatten sich auf das vorhandene Wahlrecht verständigt, um einerseits einer Zersplitterung des Parlaments durch Abgeordnete kleiner Parteien vorzubeugen, andererseits kleinere Parteien aber nicht gänzlich an den Rand zu drängen. Dieses Ansinnen ist auch der Grund für das Quorum von 5%, die berühmte 5%-Hürde. Das alles war gut gemeint…

 Daß bei der Gestaltung der Parlamentsarbeit tatsächlich die Parteien und nicht die Abgeordneten das Heft in der Hand haben, zeigt sich daran, daß Koalitionsvereinbarungen der Zustimmung durch die Parteien bedürfen. Das ist systemwidrig und mit der verfassungsmäßigen Stellung des Abgeordneten unvereinbar. Mit böser Zunge kann man hier schon vom „imperativen Mandat“ sprechen.

 Ein konsequentes Mehrheitswahlrecht drängt zwar den Einfluß kleinerer Parteien innerhalb des Parlaments zurück, aber ob das so nachteilig ist, wie die Väter des Grundgesetzes meinten, wage ich zu bezweifeln. Immerhin muß sich jeder Abgeordnete bei reiner Mehrheitswahl nach Ablauf einer Legislaturperiode dem Urteil des Wählers stellen. Das Schlupfloch des Einzugs ins Parlament über eine Landesliste gibt es nicht. Auch das Mehrheitswahlrecht läßt parteilosen Kandidaten und Angehörigen kleinerer Parteien die Chance zum Einzug in das Parlament. Wenn sie es schaffen, die Mehrheit der Wählerstimmen in einem Wahlkreis für sich zu gewinnen, ist ihnen das Mandat sicher. Sichergestellt ist aber in jedem Falle die Rückkopplung zwischen Abgeordnetem und Wähler. Damit bleibt als Nebeneffekt die Verankerung des Parlaments im Volk erhalten. Auch die Lobbyisten bleiben da, wo sie hingehören, nämlich in die Lobby. – Wir sind doch alle nur Menschen, machen wir uns doch nichts vor! Durch die Spendenpraxis nehmen bestimmte Kreise Einfluß auf die Kandidatenauswahl der Parteien. Lobbyisten werden in die Plenarsäle entsandt und deren Tätigkeit auch noch vom Steuerzahler honoriert. Besser geht es doch nicht; aber es ist zutiefst undemokratisch.

 Von Grundgesetzes wegen wird sich in Deutschland an den gegenwärtigen Zuständen vorerst nichts ändern. Dafür werden unsere Parteien schon sorgen. Aber die sind fleißig dabei, den Bogen zu überspannen, zumal sich jetzt herausgestellt hat, daß die Abgeordneten für die ihnen gewährte Gnade auch noch bezahlen müssen. Es kann doch wohl nicht wahr sein, daß Inhaber politischer Ämter in Bund, Ländern und Gemeinden einen Teil des Salärs, das ihnen der Steuerzahler zahlt, an ihre jeweilige Partei abführen müssen, gewissermaßen als Dank für die Verschaffung des Postens. Und weil die „Zwangsbeiträge,“ die auf diese Weise in den Kassen der Parteien landen, als „Spende“ deklariert werden, legt der Steuerzahler für jede gezahlte Mark noch fünfzig Pfennige drauf. „Unter dem Strich landet bei einer Spende, die den Geber netto 250,– DM kostet, am Ende das Dreifache in der Parteikasse.“ (von Arnim RP 5.1.2000 ) – Keine schlechte Verzinsung, kann man da nur sagen.

 Diese Praxis hat bezüglich der „Schattenabgeordneten“ einen weiteren unerfreulichen Nebeneffekt. Wer jeden Monat durch seine Kontoauszüge daran erinnert wird, wem er Dank schuldet, der kommt leicht in einen Loyalitätskonflikt. Die Politiker selbst waren es, die im Zusammenhang mit der Diskussion um die doppelte Staatsbürgerschaft diesen Begriff in den Ring warfen. Können deutsche Politiker zwei Herren dienen? – Sind sie Übermenschen? – Ich denke nein. Meines Erachtens sind zumindest die „Schattenabgeordneten“ steuerbar und somit Lenkwaffen der Parteien in den Parlamenten. Ob das mit den Prinzipien der repräsentativen Demokratie im allgemeinen und mit dem Grundgesetz im besonderen vereinbar ist, unterliegt erheblichen Zweifeln.

 Die Herren Professoren Morlok (Hagen) und von. Arnim (Speyer) bezeichnen die oben geschilderte Praxis als „verfassungswidrig.“ Also, so wird man folgern dürfen, ist dieser Trick zur Geldvermehrung wohl nicht ganz legal. Und was nicht ganz legal ist, ist ein bißchen rechtswidrig. Die Rechenschaftsberichte, in denen die abgepreßten „Spenden“ als „ordentliche“ Spenden deklariert sind, sind daher auch nur ein wenig objektiv falsch. Die jeweils Verantwortlichen der Parteien, die diese falschen Rechenschaftsberichte vorlegen, kommen damit in den Ruch, den Präsidenten des Bundestages über das zutreffende Spendenvolumen ein wenig zu täuschen. Die Rechenschaftsberichte bilden die Grundlage für die Berechnung des Bundeszuschusses. Dennoch traut man sich gar nicht zu fragen, ob damit möglicherweise beim Präsidenten des Bundestages ein minimaler Irrtum über das Spendenaufkommen erzeugt wurde, der diesen zu einer Vermögensverfügung veranlaßt haben könnte. – Das würde voraussetzen, daß in der Zahlung von Bundeszuschüssen an Parteien eine Vermögensverfügung zu erkennen wäre. Wahrscheinlich nicht, denn es handelt sich nur um Steuergelder: Steuergelder gehören dem Staat, der aber gehört den Parteien. Die Kohle wird nur von einem Bunker in einen anderen geschaufelt. Die Frage nach einer Vermögensverfügung und erst recht die nach einem Schaden gehören sich daher nun wirklich nicht. Anhaltspunkte für betrügerische Manipulationen, die nach § 263 StGB strafbar wären, sind damit vollkommen ausgeschlossen. – Meine Erfahrung mit staatsanwaltschaftlichen Reaktionen auf Strafanzeigen gegen Politiker hat mich gelehrt, mit derart kafkaesken Begründungen zu rechnen, wenn die „objektivste Behörde der Welt“ den Verdacht einer Straftat einfach nicht sehen will. Deswegen werde ich auch tunlichst davon Abstand nehmen, Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Betruges zu erstatten.

 Freilich will ich staatsanwaltlicher Kreativität bei der Schöpfung von Verdacht nicht im Wege stehen. § 152 StPO in Verbindung mit Artikel 3 des Grundgesetzes könnten dabei durchaus hilfreiche Instrumente sein.

 Doch lassen wir Schöpfungsakte zunächst einmal beiseite und kehren wir zurück zu den Skandalen und § 266 StGB: Ich meine, irgendwo gelesen zu haben, daß die Verwendung von Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes für private Zwecke einen Vermögensnachteil im Sinne des Untreueparagraphen darstellen kann, weil dem öffentlichen Dienstherren deren Arbeitskraft entzogen werde, für die er schließlich bezahlt.

 Die Verwendung eines Staatsdieners zum ausschließlichen Vorteil einer Partei dürfte dem entsprechen. Das ist der eine Gesichtspunkt. Der andere ist der, daß ein Vermögensnachteil auch darin bestehen kann, daß dem betreuten Vermögen unnütze Zahlungsverpflichtungen auferlegt werden.

 Daher wird wohl die Frage erlaubt sein, wie es zu beurteilen ist, wenn ein Staatschef nach verschiedenen Wahlschlappen einen Minister entlassen läßt, um ihn zum Generalsekretär seiner Partei wählen zu lassen. Immerhin werden durch die Entlassung des Ministers Zahlungspflichten des Staates gegenüber dem Minister ausgelöst, deren Höhe nicht unbeträchtlich ist.. Diesbezüglich wäre ein Blick ins Ministergesetz nicht unangebracht. Mag das Ergebnis auch sein, daß ein derartiges Vorgehen nicht den Buchstaben des Strafgesetzes zuwiderläuft, zumindest aber dessen Geist. Strafrechtlich ist das ohne Belang, da kommt es aus guten Gründen auf den Buchstaben an; für die Rechtskultur ist das indes so verheerend wie die Tatsache, daß zum Nachfolger jemand berufen wird, gegen den wegen Korruptionsverdachts ermittelt wird. Denn es ist immerhin möglich, daß das Ermittlungsverfahren zu einer Anklage führt, und das, Unschuldsvermutung hin, Unschuldsvermutung her, müßte den Rücktritt des Ministers zur Folge haben. Das wiederum löst Zahlungspflichten des Steuerzahlers aus, die sich gewaschen haben.

Der jetzige Generalsekretär einer Partei, die besonderen Wert darauf legt, als sozial bezeichnet zu werden, hat sein früheres Haus, das Bauministerium, offenbar unaufgeräumt hinterlassen. Das Berliner Kanzlerfest, das noch von Bonn aus organisiert worden war, wurde mindestens 120.000,– DM teurer als vorgesehen (RP 10.11.99). „Die Finanzlücke geht zu Lasten des Steuerzahlers.“ (RP aaO). Es könnte nicht schaden, diesbezüglich einen Blick in das Wolff-Gutachten zu werfen.

 Dann war da noch ein Ministerpräsident, der zum 65. Geburtstag von einer Bank 150.000,– DM geschenkt bekam. Diese wurden ausnahmsweise nicht bar ausgezahlt, sondern den Gästen des für den Ministerpräsidenten organisierten Festes in Form von Speisen und Getränken verabreicht. Eine Schenkung im Wert von DM 150.000,–. Fand diese Zuwendung Eingang in die Steuererklärung des früheren Ministerpräsidenten? Ich frage erst gar nicht nach der Verbuchung dieser Ausgabe auf seiten der Bank.

 Landesminister jetten in Lear-Jets durch Europa. Das Land Nordrhein-Westfalen hat kein eigenes Militär, also muß eine Bank das bequeme und ungestörte Reisen ermöglichen. Alles natürlich dienstlich veranlaßt und im nachhinein aus Steuermitteln finanziert.. Wo aber, ich frage das als Souverän, sind die Dienstreiseanträge, wo sind die detaillierten Tätigkeitsberichte? Die möchte ich erst einmal sehen, bevor ich an eine dienstliche Veranlassung der Reisen glaube. Zu durchsichtig erscheint mir das Verfahren: Die Flüge werden erst dann als Dienstreisen deklariert, wenn sie ruchbar geworden sind; der Bank werden flugs die Kosten aus dem Portemonnaie des Souveräns erstattet. Die Kostenerstattung war dann eben vorher „vergessen“ worden. Das ist kein schlechter Stil mehr, das riecht sehr, sehr unangenehm zum Himmel.

 So kommt ein Tausendmarkschein zum anderen. Aber, wir alle wissen das, es sind „Peanuts.“- „Peanuts! -“ Erdnüsse also. Nach dem Genuß derartiger Unmengen von Erdnüssen wird mir regelrecht schlecht.

 Alles muß restlos aufgeklärt werden. Justiz und Presse sind zuständig, wobei die Presse darauf achten muß, die ihr obliegende Sorgfalt nicht dem natürlichen Hang zur Effekthascherei zu opfern.

 Parlamentarische Untersuchungsausschüsse können keine Klarheit bringen, denn die Abgeordneten sind nicht unbefangen, weil sie ihren Status den Parteien zu verdanken haben, deren schmutzige Wäsche sie waschen sollen. Zur Vermeidung von Wiederholungen darf ich auf meine obigen Ausführungen zu den „Schattenabgeordneten“ verweisen.

Aber auch die Staatsanwaltschaften sind durchaus nicht über jeden Zweifel erhaben. Das Verhältnis unserer Politiker in Bund, Ländern und Gemeinden zum Geld des Souveräns ist hinlänglich bekannt, man geht sehr freigiebig damit um. Die Berichte der Rechnungshöfe legen darüber ein beredtes Zeugnis ab. Dennoch bleiben die Erinnyen der Besoldungsgruppe R demgegenüber trotz des Wolff-Gutachtens merkwürdig passiv. Wollen sie nicht sehen oder dürfen sie nicht sehen? Vor etwa sechs Jahren machte ich gegenüber dem Generalstaatsanwalt des Landes Mecklenburg-Vorpommern die Vermutung aktenkundig, daß den Staatsanwaltschaften von höherer Stelle Maulkörbe umgehängt würden. Die Staatsanwaltschaft, das wissen Sie selbst am besten, ist eine weisungsgebundene Behörde und der Generalstaatsanwalt ein politischer Beamter, den sein übergeordneter Minister mit einem Federstrich zum hochdotierten Spaziergänger befördern kann. Trotz materieller Sicherheit nagt ein solcher Vorgang doch erheblich am Selbstbewußtsein eines solchen Zwangsruheständlers, wie der Fall des Ex-Generalstaatsanwalts M-V belegt. Die jüngsten Enthüllungen lassen für mich den früheren Verdacht zur persönlichen Überzeugung verdichten, daß auch der Leiter der StA Stralsund seinerzeit einer Weisung folgte. Ich kann mir nämlich nach wie vor nicht vorstellen, daß man solchen Mist aus freien Stücken in eine Einstellungsverfügung schreibt.

 Sollte sich die Erkenntnis durchsetzen, daß die Parteienfinanzierung durch „Zwangsspenden“ rechtswidrig ist, obliegt des dem Bundestagspräsidenten, die gesetzlich vorgesehene Sanktion gegen die Parteien zu verhängen. So will es das Gesetz.

 Sicher hätte eine konsequente Anwendung des Rechts den Ruin der Parteien zur Folge. Nicht nur den der CDU. Aber das Recht ist nun einmal konsequent anzuwenden, sonst ist es nichts wert. Sollten dabei die Parteien tatsächlich über den Jordan gehen, wäre das so schlimm für die Demokratie? – Die dubiosen Verflechtungen von Politik und zweifelhaften Elementen des Wirtschaftslebens, denen wir auf Rügen nachgespürt hatten, veranlaßte mich zu der Bemerkung, daß im Vergleich dazu die Mafia ein Taubenzüchterverein sei. Ich sehe nunmehr ein, daß ich mich geirrt hatte. – Nicht Taubenzüchterverein, sondern Knabenchor.

 Wenn am Ende dieser Affäre keine Verfassungsreform steht, sehe ich schwarz für unsere Republik.

 Für Ihre freundliche Kenntnisnahme und Bemühungen danke ich im voraus. Ich stelle anheim, meinen Befund zu bezweifeln und meine Thesen zu widerlegen. Nur sie zu ignorieren, das wäre wenig nett. Deswegen wird dieses Schreiben per Internet weltweit an die verbreitet, die sich für dieses Thema interessieren.“ – Ende des Zitats

 Nun mehren sich die Anzeichen, daß die StA Düsseldorf möglicherweise das Verfahren gegen Schleußer ein wenig voreilig eingestellt hat, m.E. steht nicht nur der Verrat von Dienstgeheimnissen im Raum, aber lassen wird das. Jedenfalls dann, wenn von vornherein gesagt wird, es sei nichts nachzuweisen, hat das für mich einen alarmierenden Wiedererkennungswert: das habe ich schon bei der StA Stralsund erlebt. Genauer gesagt, dort wurde eigentlich gar nicht ermittelt. – Oder es sollte nicht ermittelt werden, weil möglicherweise von „höherer Stelle“ ein „rascher“ Abschluß des Ermittlungsverfahrens „gewünscht“ wurde. Man könnte diesem Wunsch entsprochen haben, und das letzte Glied in der Kette mußte sich etwas für die Einstellungsverfügung einfallen lassen. Daß dabei nur Unsinn herauskommen kann, ist doch sonnenklar.

 – Der „Datenabgleich“, das Verschwinden von Akten und Unterlagen… – Da ist dann nichts mehr „belegbar,“ und weil die Belege fehlen, fehlen die Beweise. All diese fadenscheinigen Argumente sind bekannt und so ausgelutscht, daß man sie nicht mehr hören kann!

 

Es wundert mich auch nicht, daß sich der CDU-Mitarbeiter Hüllen (Berlin) posthum dem Vorwurf strafbarer Handlungen ausgesetzt sieht. Wolfgang Hüllen wird als korrekt, untadelig und bescheiden  beschrieben (Welt v. 22.1.00). Wenn er tatsächlich wegen einer „Verfehlung“ Selbstmord beging, dann vermutlich nur deshalb, weil er unschuldig schuldig geworden ist; der Freitod als einziger Ausweg, der Familie Schimpf und Schande zu ersparen. Es wäre nicht das erste Mal, daß Selbstmord wegen einer Tat begangen wird, die von dritter Seite veranlaßt wurde. Ein stets korrekter Buchhalter, bei dem man sich krumme Dinger nicht vorstellen kann, bezichtigt sich selbst der Untreue. Pflichtschuldig ist er aber vielleicht nur einer „Bitte“ nachgekommen, die seiner Karriere „förderlich“ sein sollte; – die Nichterfüllung eines „Wunsches“ kann dagegen mitunter karrierehemmend sein, auch das ist denkbar. – Man braucht eigentlich gar keine Phantasie um sich vorzustellen, daß eine Einlassung, etwaige Ungereimtheiten seien auf Betreiben Dritter zurückzuführen, als reine Schutzbehauptung abgetan würde. Das System der „Bitten“ und „Wünsche“ kenne ich von Rügen her:

 An mich wurde die Bitte herangetragen, zwei Kostenrechnungen eines Hamburger Rechtsanwalts von je etwa DM 55.000,– mit dem Vermerk „sachlich richtig“ abzusegnen. Als ich wissen wollte, warum, hieß es: auf ausdrücklichen Wunsch des „Herrn Landrat.“ Diesen „Wunsch,“ erfüllte ich freilich nicht. Als dann, trotz unvollständiger (!) Akten, allmählich die Hintergründe sichtbar wurden, wandelte sich die „Bitte“ in massive Drohungen. Da ich – nicht nur in dieser Sache – allerdings unbeugsam blieb, jagte man mich später mit Schimpf und Schande aus dem Haus. Anderenfalls, und das muß ich hier ganz deutlich sagen, hätte im Falle eines Falles ich den Staatsanwalt am Hacken gehabt, nicht der ach so honorige „Herr Landrat“!  – Ähnliche „Bitten“ trug der „Herr Landrat“ auch an den früheren Finanzdezernenten des Kreises Rügen heran. Der aber nahm seinen Hut, bevor die „Bitten“ in Drohungen umschlagen konnten.

 Wir sind auf Erden sechs Milliarden Menschen, von denen der eine nicht besser ist als der andere. – Ich nicht und auch Staatsanwälte nicht. – Die Staatsanwaltschaft ist nun einmal eine weisungsgebundene Behörde. Weisungen aber werden nicht unbedingt im Kasernenhofton erteilt, sondern als „Bitte“ oder „Anregung“ vorgebracht. Auch bei Staatsanwälten kann die Behandlung einer „Bitte“ oder „Anregung“ entweder karrierefördernd oder -hindernd sein, je nachdem. Mit einer Wahrscheinlichkeit, die höher liegt als 63% wird diesem Wunsch aber entsprochen, auch ohne „politischen Druck.“ Bereits in meinem Schreiben an den Bundeskanzler vom 30.4.1999 hatte ich auf das „Milgram“ – Experiment hingewiesen: Ich zitiere:

 „Vor mehr als 20 Jahren fand Stanley Milgram in dem nach ihm benannten Experiment heraus, daß im Durchschnitt 63% der Menschen bereit sind, unbedingten Gehorsam zu leisten. Mit anderen Worten: 63 % der Menschen sind bereit, auf Anweisung einer Autorität fremde Menschen zu quälen und zu töten. Erwartet worden war, daß auch die Bereitschaft zum absoluten Gehorsam normalverteilt wäre. Die Normalverteilungskurve ist auf dem Zehnmarkschein abgebildet. Der Erwartung entsprechend wäre der absolute Gehorsam links vom Sicherheitsfaden angesiedelt, hätte also nur einen kleinen Prozentsatz der Menschen erfaßt. (…) 63%, – dieses überraschende Ergebnis paßte seinerzeit nicht in die politische Landschaft. Es widersprach sowohl dem Selbstverständnis aller Demokraten als auch dem aller Sozialisten und Kommunisten. Deshalb wurde es auch in der Öffentlichkeit wenig beachtet und nicht weiter diskutiert. Man hat Milgram Fehler bei der Versuchsanordnung unterstellt und ansonsten das Ergebnis geflissentlich totgeschwiegen. (…) Aber man hat dabei vergessen, daß die Bereitschaft zum Gehorsam gegenüber Autoritäten die Grundlage jeder Gesetzgebung darstellt. Kein Gesetz der Welt würde beachtet, wenn die Menschen nicht dazu bereit wären, es auch zu befolgen. Allerdings zeigt es auch die Grenzen der Möglichkeiten des Gesetzgebers auf. Es ist nicht möglich, durch Gesetz ein gesellschaftlich anerkanntes oder überwiegend geduldetes Verhalten aus der Welt zu schaffen und gesellschaftliche Probleme durch Verbote zu lösen. Die Erwartung,, daß alle dem Verbot Folge leisten werden, erweist sich als Illusion. Denn es ist damit zu rechnen, daß sich etwa 37% der vom Gesetz Betroffenen widersetzen werden. (…) Man hatte ein Gesetz erlassen, das den Amerikanern den Alkoholgenuß untersagte. Die geringe Akzeptanz des Gesetzes durch die Bevölkerung erforderte einen verstärkten Einsatz staatlicher Macht zu seiner Durchsetzung. Auf der anderen Seite waren die Anbieter der teuflischen Getränke; an deren Spitze waren wiederum die zu finden, die sich einen Teufel um Gesetze scherten. Es dauerte nur wenige Jahre, und das ganze Wechselspiel brachte das Sozialsystem der Gesetzlosen hervor, das heute noch als organisierte Kriminalität mit dem Sozialsystem „Staat“ rivalisiert. Mitglieder krimineller Organisationen befolgen keine staatlichen Gesetze, gehorchen aber den Regeln ihrer Organisation und folgen den Anweisungen ihres Gangsterbosses. Al Capone ist der Inbegriff der auch politischen Instabilitäten, die die USA in jenen Jahren heimsuchten.“

 Fällt Ihnen etwas auf? – Selbstverständlich! Und selbstverständlich werden Sie die verblüffenden Ähnlichkeiten zwischen amerikanischen Spritschmugglern der 20er und unserem Parteiensystem zunächst einmal leugnen; – weil es so unglaublich klingt, daß hier in Europa ein derartiges „Paralleluniversum“ ausgerechnet bei den politischen Parteien entstanden sein soll. Aber es ist so: ein Netzwerk, das an Recht und Gesetz vorbei existiert. Freilich laufen die Schatzmeister der Parteien nicht mit der 9mm-Inkassovollmacht durch die Gegend, aber so ganz legal ist das Parteienfinanzierungssystem eben nicht. Und daß man sich aussuchen könnte, welches Unrecht man begehen darf und welches nicht, wäre mir neu.

 Daß der Übergang von der Bundes- in die Bimbesrepublik längst in vollem Gange war, als Helmut Kohl Bundeskanzler wurde, zeigt sich auch an der Rolle, die der Bimbes schon anläßlich des gescheiterten Mißtrauensvotums gegen Willy Brandt gespielt hatte.

Das „System“ Kohl, auf das alle jetzt mit dem Finger zeigen, existierte so nicht, es war eingebettet in das gesamte zweifelhafte System der Verflechtung von Politik und Wirtschaft. Helmut Kohl hat es nicht erfunden, er ist da hineingewachsen. Auch Helmut Kohl ist ein komplexes adaptives System, wie wir alle es sind. Und alle von Menschen gebildeten Gemeinschaften sind ihrerseits wieder komplexe adaptive Systeme. Erst wenn man die Sache aus dieser Sicht betrachtet, kommt man der Lösung vieler offener Fragen einen Schritt näher:

 Aus Zeit- und Platzgründen kann ich hier keinen Vortrag über komplexe adaptive Systemen und deren Netzwerke halten, die ihrerseits wieder komplexe adaptive Systeme sind. Aber es ist für diese Systeme kennzeichnend, daß die Netzwerkknoten ihrerseits kleinere Netzwerke sind. Zum Wesen dieser Systeme gehört auch, daß ab einer gewissen Größe das Individuum so unbedeutend erscheint wie eine einzelne Zelle im Körper. Das verringert die Störanfälligkeit. Komplexe adaptive Systeme sind lernfähig, also in der Lage, auf Veränderungen in ihrer Umwelt zu reagieren.

Aus diesem Blickwinkel erscheint auch Rügen nur als Netzwerkknoten mit Fäden nach Schwerin, Bonn und Berlin, wo die Treuhand residierte. Wir hatten seinerzeit den Fehler begangen, den uns bekannten Teil für das Ganze zu halten und erhofften uns Hilfe von außen:

 Wir konnten unser Anliegen vortragen, wo wir wollten: Ob Landesregierung, Landesparlament, Bundesregierung oder Bundestag, überall war der Wettlauf zwischen Hase und Igel schon entschieden. „Ich bin nicht zuständig, gehen Sie zur nächsten Tür!“ – § 1 Abs 2 FKPO[1]

 Nach heutigem Kenntnisstand wundert mich nichts mehr, vielmehr hat das mir seinerzeit unerklärliche Schweigen unserer Politiker gezeigt, wie groß dieses Netz tatsächlich ist. Die mecklenburg-vorpommersche Landtagsabgeordnete Gesine Skrepski (CDU) bemerkte in diesem Zusammenhang: Kommen Sie mir doch nicht mit dem Grundgesetz, wenn wir da erst anfangen wollten…“ ( Stadtanzeiger Bergen 4.3.1995 S.11). Aber das alles ist nicht auf die CDU beschränkt. Wäre das so, hätten Politiker der damaligen Opposition im Lande M-V und im Bund ganz anders gehandelt. Sie entschieden sich aber dazu, entweder gar nicht zu reagieren oder aber uns mit ein paar warmen Worten abzuspeisen[2] und alles im Sande verlaufen zu lassen. „Omerta“ heißt das auf sizilianisch, oder? –

 Die Gegenwelt von Parteien, Politik und Wirtschaft hat sich möglicherweise aus eher unbedeutenden Vorläufern[3] als Reaktion auf die „Bedrohung“ durch APO und Extremisten entwickelt. Das System hat wohl rasch gelernt, denn nach nicht einmal zwei Jahrzehnten war die erste Parteispendenaffäre da.

 Heute sind viele darüber bestürzt und glauben, daß die Politiker aus der ersten Parteispendenaffäre wohl nichts gelernt hätten. Diese Auffassung ist indes unrichtig. Sie haben, bzw. das System hat gelernt, auf die Störung durch das Parteienfinanzierungsgesetz zum eigenen Vorteil zu reagieren. Der „Gesetzgeber“ hatte unter die Affäre einen formalen Schlußstrich gezogen. Es wurden hehre Grundsätze in das Gesetz geschrieben, aber daß es jemals angewendet werden würde, das wäre damals im Traum niemandem eingefallen; „Gesetzgeber“ und Adressat des Gesetzes waren weitgehend identisch! – Das Publikum hatte man geblendet und beruhigt, und dann hat niemand mehr so genau hingeschaut.

 Freilich ist auch heute das Netzwerk bemüht, seine Lebensgrundlage zu erhalten. Der Trick ist eigentlich ganz einfach: man prügelt aufeinander ein und versorgt die Presse mit so vielen nichtssagenden Informationen bis keiner mehr durchblickt. In der zutreffenden Erwartung, die Presse werde Wichtiges von Irrelevantem nicht scheiden. Hauptsache Schlagzeilen! Daß diese Lagebeurteilung der Politik richtig ist, zeigt die Falschmeldung bezüglich der Aussagebereitschaft Helmut Kohls. Die Debatten im hessischen und NRW-Landtag zeigen, daß der Beschuß mit Nebelkerzen unablässig weitergeht.

 Al Capone & Co lebten von den verbotenen Dingen, die die Menschen trotzdem haben wollten. Wovon aber lebt das System, das sich hier offenbart? –  Hier wie da ist Geld im Spiel. Viel Geld. Und Geld ist Energie.

 Woher bezieht also ein solch gigantisches System seine Energie? Das gesamte Geld, das da umgeschlagen wird, paßt schließlich nicht in ein paar Bimbesköfferchen. Es gilt also nach der Quelle zu fahnden, die das System speist.Viele kleine Quellen bilden einen großen Strom. Das ist immer so. Ich bin der Meinung, daß man nicht lange zu suchen braucht:

Ist es Ihnen schon einmal aufgefallen, daß alle Steuerreformen das Steuerrecht immer mehr verkomplizieren statt zu vereinfachen? – Man sollte doch meinen, der geballte und mit Ministerialzulage ausgestattete Sachverstand sei dazu in der Lage, einfache und klare Steuerregeln zu schaffen, die der Bürger auch versteht. Warum stellen alle Parteien bei den Wahlen nur ihre Absichten zur Vereinfachung des Steuerwesens zur Schau, warum stellt aber nicht eine einzige einen Gesetzentwurf vor, den der Wähler gutheißen oder ablehnen könnte?

 Die regelmäßigen Berichte der Rechnungshöfe zeigen auf, wie und wo das Geld des Steuerzahlers verschwendet wird. Diese Berichte lassen den Gesetzgeber aber nicht auf den Gedanken kommen, wie man das haushaltsrechtlich in den Griff bekommen könnte. Und die Justiz ist auch untätig, weil man sich nicht darüber einig wird, ob Verstöße gegen das Haushaltsrecht nun als Untreue zu werten ist oder nicht.

 Der Wust von Steuervorschriften und ein Budgetrecht, von dem keiner so recht weiß, ob es strafbewehrt ist, begünstigen natürlich den, der dreist da durchgeht. Bis sich die Juristen einig sind, ist er mit dem Bimbeskoffer längst über alle Berge. – Ein einfaches und klar strukturiertes Steuersystem wäre für das Netz ebenso existenzbedrohend wie ein flexibles, aber ausdrücklich strafbewehrtes Haushaltsrecht.

 Ähnlich einem Baum im Boden hat das System seine Wurzeln tief in der Tasche des Steuerzahlers. Danach nimmt es durchaus nicht wunder, daß der Bund der Steuerzahler mit seinem Gutachten über die Strafbarkeit der Geldverschwendung im Öffentlichen Dienst nichts, aber auch gar nichts bewirken konnte. Gegen solche Störungen von außen ist das System ohnehin wenig anfällig. Störungen von innen beseitigt es durch Isolation und Ausgrenzen der Störenfriede:

 Die Stadt Bergen/Rügen grenzte ihren einstigen stellvertretenden Bürgermeister aus, weil er sich bemühte, das Stadtsäckel vor unnötigen Ausgaben zu bewahren. Der Kreis Rügen grenzte seinen Rechtsamtsleiter Altenhoff aus, weil der ein ähnliches Ziel verfolgte. Auch die Stadt Potsdam schickte den Leiter des Rechnungsprüfungsamtes aus ähnlichen Gründen in die Wüste (vgl. Tagesspiegel 9.6.92). Weil man uns nichts anhängen konnte, griffen die Herren zum altbewährten Mittel der Diffamierung. Je schwammiger die dabei verwendeten Begriffe, desto wirkungsvoller. Von „schwerwiegenden Dienstpflichtverletzungen“ war hier wie dort die Rede. Die Bitte um Konkretisierung wurde nach § 1 Abs 1 FKPO behandelt: „Sie wissen selbst am besten, worum es geht!“

 Rügen, Potsdam oder Brüssel. [4] Die Ähnlichkeiten sind nicht zufällig. Der Korruptionsskandal um die alte EU-Kommission brachte das Brüsseler Betrugsbekämpfungsamt „Olaf“ mit weitreichenden Befugnissen hervor. Die Parallelen zur Entstehungsgeschichte des FBI sind unverkennbar; sie lassen auch das gesamte Ausmaß des Netzes erahnen. Und das Netzwerk reagiert prompt: Europaabgeordnete beklagen sich über den Umfang der Kompetenzen von „Olaf“(vgl. Welt v. 22.1.00, S. 8).

 Das Verhalten unserer Politiker weist auch verblüffende Ähnlichkeiten mit dem Verhalten der früheren Stasi-Spitzel auf. Es wird nur das zugegeben, was ohnehin schon bewiesen ist. Auch die Diktion annähernd deckungsgleich. Der frühere stellvertretende Landrat des Kreises Rügen gab im Kreisauschuß die Bemerkung zu Protokoll, es „müsse der Eindruck vermieden werden, da werde jemand abserviert.“ – gemeint war ich. Politiker vertreteten öffentlich den Standpunkt, es müsse der Eindurck vermieden werden, in Deutschland sei Politik käuflich…

Böse Zungen würden jetzt sagen, Politik in Deutschland sei nicht käuflich, weil man nichts kaufen kann, was ausverkauft ist.

 Aus der Netzwerkperspektive ergeben sich noch weitere interessante Fragestellungen, auf die ich aber hier nicht eingehen möchte, das würde zuviel.(…)

 Da stand sie nun im Raum, meine Hypothese über das deutsche Parteiensystem und seine durchaus zwielichtige Lebensgrundlage. Ich rufe in Erinnerung:

 Der Wust von Steuervorschriften und ein Budgetrecht, von dem keiner so recht weiß, ob es strafbewehrt ist, begünstigen natürlich den, der dreist da durchgeht. Bis sich die Juristen einig sind, ist er mit dem Bimbeskoffer längst über alle Berge. – Ein einfaches und klar strukturiertes Steuersystem wäre für das Netz ebenso existenzbedrohend wie ein flexibles, aber ausdrücklich strafbewehrtes Haushaltsrecht.

 Ähnlich einem Baum im Boden hat das System seine Wurzeln tief in der Tasche des Steuerzahlers. Danach nimmt es durchaus nicht wunder, daß der Bund der Steuerzahler mit seinem Gutachten über die Strafbarkeit der Geldverschwendung im Öffentlichen Dienst nichts, aber auch gar nichts bewirken konnte. Gegen solche Störungen von außen ist das System ohnehin wenig anfällig.


[1]              Franz Kafkas Prozeßordnung ,  hat nur einen §:          Abs. 1: Sie wissen selbst am besten, worum es geht.

                                                                                              Abs. 2: Ich bin nicht zuständig, gehen Sie zur nächsten Tür.

                                                                                              Abs. 3. Wir können Ihnen nichts sagen, Sie müssen warten

[2]              So die jetzige Bundesjustizministerin Däubler-Gemlin

[3]              Starfighter-Affäre u.a./ – Ämterpatronage („Parteibuchkarrieren“). In der Geheimdienstsprache spricht man von Infiltration.

[4]              Der EU-Beamte, der die Korruptionsaffäre bezüglich der früheren EU-Kommission ins Rollen brachte, wurde bekanntlich umgehend vom Dienst suspendiert.


 [Commerzba1]Meine Ex-Frau, die den Kontakt hergestellt hatte, meint, es hätte sich um einen Herrn Thomsen gehandelt

Quelle: Gerhard Altenhoff, Der Bundesadel


Ermittlungen auch gegen OB Elbers: Rügen ist überall!

November 15, 2012

Ermittlungen auch gegen OB Elbers: 58 Rathaus-Mitarbeiter unter Verdacht.

Rügen ist überall – wohl auch am Rhein.

In den Jahren 1991/92 wurde auf meine Strafanzeige hin u.a. gegen den früheren Landrat des Kreises Rügen ermittelt, vor allem wegen Korruption. – Es ging um das „Gewerbegebiet Tilzow“ in Bergen/Rügen, das schon zu DDR-Zeiten als „Industriegebiet II“ „angedacht“ worden war…

– Leider hat der „Projektentwickler“ des „Gewerbegebiets Tilzow“ in Bergen/Rügen nicht so akribisch Buch geführt wie seine Düsseldorfer Kollegen. – Dennoch ist die Ähnlicheit verblüffend. Ich wäre allerdings nicht verblüfft, wenn die Staatsanwaltschaft Düsseldorf nach einigen erfolgversprechenden Ermittlungsansaätzen den gleichen Weg wie die Staatsanwaltschaft Stralsund einschlagen würde: Einwer plötzlichen „Eigebung“ folgend stellt sie das Ermittlungsverfahen mangels hinreichenden Tatverdachts bei Nacht und Nebel ein. – Immerhin kann es nicht schaden, vor einer Durchsuchung im Rathaus anzurufen. – Wie damals auf Rügen im Landratsamt. Wegen der weiteren Einzelheiten verweise ich auf: http://www.lulu.com/shop/gerhard-altenhoff/st%C3%B6rtebekers-erben/paperback/product-20331959.html


25.000 Euro für St. Einbrück: Rinderdung ist heilig und hat seinen Preis!

November 9, 2012

Wirbel um 25.000 Euro für Steinbrück: Honorar-Ärger wird zur Stadtwerke-Affäre

Unser „Scheinheiliger“ St. Einbrück hat als Nostradamus der St. Angela  in der „großen Koalition“ mit dafür gesorgt, daß seine Prophezeihung von der „schwarzen Null“ im Haushalt des Jahres 2011 so wahr wurde wie der „Weltuntergang am 21. 12. 2012. – Der steht uns zwar noch bevor, wird aber nicht kommen.

Was Steinbrück über den Mund in die Umwelt entläßt, scheiden Stiere über das hintere Ende ihres Körpers aus:

Bullshit

Was beim Bullen hinten herauskommt, sind im wesentlichen unverdauliche Nahrungsbestandteile. – Also dürfen wir vermuten, daß das, was St. Einbrück absondert, für ihn ebenfalls unverdaulich ist.  – Sein Gefasel von der „Schwarzen Null“ weist jedenfalls in diese Richtung. – Aus diesem Grund kann seiner von verschiedenen Seiten beschworenen „Expertise“ bzw „Expertenmeinung“ kein wirtschaftlicher Wert beigemesssen werden.

In manchen Sendern war gar zu hören, er würde damit für seine „Lebensleistung“ gewürdigt. – Was hat er geleistet? – Wo ist der „NUTZEN“ , der „wirtschaftliche Vorteil“, den er mit seinem Amtseid dem ‚Volk versprochen hatte?

Er war und ist der einzige, der aus seiner Abgeordneten- und „Amts“tätigkeit einen wirtschaftlichenVorteil gezogen hat.

Die Verantwortung, die er formal mit Mandat bzw. Amt übernommen hat,  hat ihn nie interessiert. Das zeigt ein unmittelbarer Vergleich mit seinen Kollegen, deren Frauen uns mit Milch und Milchprodukten versorgen:

In Ostdorf auf der schwäbischen Alb lebt die einzige wirklich wildlebende Hausrinderherde Euro­pas, wenn nicht gar der Welt. Die Uria-Rinder von Ostdorf sind zudem der schlagende Beweis für den Mißerfolg menschlicher Züchtung: Fressen und dumm in der Gegend herumstehen, das hätten die Rinderzüchter ihren „Produkten“ wohl gern angezüchtet. Aber Jahrtausende der Domestikation haben es nicht vermocht, Rindern die In­stinkte zu rauben, die sie nun einmal brauchen, um in „frei­er Wildbahn“ zu überleben. Ganz gewöhnliche Hausrinder verfügen immer noch über das vollstän­dige Verhaltensrepertoire, das es ihnen ermöglicht, unabhängig von der Obhut des Menschen ihre Kälber großzuziehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Tiergesellschaften spielen die Männer dabei eine nicht nur unerhebliche Rolle:
Zeus soll sich der Legende nach einer seiner vielen Angebeteten in der Gestalt des Stiers genähert haben. Ihr Name war Europa. Seither gilt der Stier als Sinnbild unbeugsamer Manneskraft, weil sich die Menschen keine andere Vorstellung von einem Stier machen konnten.
Nach der „Rückkehr des Zeus“ am 4.7.20043 erschien der Stier vor dem verzerrten Bild der Schöp­fung, das der Mensch sich von ihr macht, in einer vollkommen veränderten Gestalt.. Eine Gestalt, die für Frauen nicht weniger attraktiv sein dürfte als das „klassische“ Bild, das man gewöhnlich von einem Stier hat. Der Stier versinnbildlicht nämlich in erster Linie soziale Kompetenz, Sanftmut und Führungsverantwortung.
Alles begann im Sommer 2004 ganz harmlos. Ich machte mich auf die  Suche nach einer eingängi­gen Metapher für das perpetuum mobile, jener Maschine, die ohne Energiezufuhr ständig Energie abgeben kann. Die Almigurth-Reklame brachte mich auf die Spur. Darin wurde zeitweise der Slo­gan verwendet: „Wir geben unser Bestes“ – „Quatsch“, dachte ich, „die Kuh gibt keine Milch, der Bauer nimmt sie ihr weg“. Denn die Schöpfung hat die Milch dem Kalb zugedacht und nicht dem Bauern. Und damit war der zu beschreibende thermodynamische Kreisprozeß schon fast geschlos­sen. Der Bauer mußte nur noch die Kuh mit ihrer eigenen Milch füttern. – Ich glaube, auch dem Einfältigsten dürfte klar sein, daß eine Kuh, die nur mit ihrer eigenen Milch gefüttert wird, bald ver­endet. Ich glaube, auch der Einfältigste wird den Bauern, der seine Kuh nur mit ihrer eigenen Milch füttert, zutreffend für nicht mehr ganz dicht halten.
Es ging scheinbar so harmlos weiter. Ich schaltete meinen Fernseher ein, und zwar genau um 15.15 Uhr. Es begann gerade eine Sendung aus der Rei­he „Abenteuer Wildnis“. Der Titel war ganz inter­essant: „Die wilde Seele unserer Haustiere“. Also schaute ich mir die Sendung an. Ich hätte es mir nicht träumen lassen, aber seit Karel Zemans „Reise in die Urwelt“ kann ich mich nicht erinnern, von einem Film so fasziniert gewesen zu sein.
In diesem Zusammenhang wurde ich am Bildschirm Zeuge einer Auseinan­dersetzung zwischen zwei rivalisierenden Stieren. Ein „Youngster“ maßte sich an, sich mit einem zum „Establishment“ gehörenden Stier zu messen. Am Ende verdrängte er den „Etablierten“ nicht nur aus seiner sozialen Rangstellung, er nahm ihm sein „Amt“. Spontan brachte sich mir „der kleine Stowasser“ in Erinne­rung. In diesem lateinisch-deutschen Standard­wörterbuch wird das Wort „praesidere“ mit „schüt­zen“ bzw. „decken“ übersetzt. – (Na,na! „Decken“ meint nicht das, was Sie jetzt spon­tan im Zu­sammenhang mit dem Stier denken, sondern das militärische Decken)
Der Stier, der seinen „Rivalen“ „besiegt“ hatte, übernahm unverzüglich dessen „Amt“, das darin be­steht, die ziehende Herde nach hinten gegen Gefahren abzuschirmen.
Der Stier, der die Herde anführt, trägt die größte Verantwortung. Er allein entscheidet darüber, ob eine unbekannte Situation für die Herde bedrohlich ist oder nicht. Die Herde folgt blind seiner Ent­scheidung. Mit anderen Worten, macht er einen Fehler, kann dies den Untergang der Herde zur Fol­ge haben. Der Leitbulle ist der eigentliche „Präsident“ der Herde; die anderen Stiere will ich einmal  als Vizepräsidenten bezeichnen –  Geschützt durch die Kompetenz des „Präsidenten“ und seiner „Vize“ kön­nen die Kühe in aller Ruhe ihren Nachwuchs großziehen. Sie verfügen dabei sogar über eine Einrichtung, die wohl als einzige mit einer vom Men­schen erschaffenen Institution gleichge­setzt werden kann: sie bilden einen Kindergarten. Während das Gros der Herde ihrer alltäglichen Beschäfti­gung nachgeht, spielen die Kälber unter der Aufsicht einiger Kühe.
Nun könnte Ihnen einfallen, sich für die „beherrschende Lebensform“ des Planeten Erde zu halten. Als solche könnten Sie geneigt sein, auch von den Uria-Rindern Ihren Tribut in Form von Milch zu fordern. Ich kann davon nur abraten, denn ein echter Bulle ist in Ausübung seines Amtes humor- und kompromißloser als ein New Yorker Cop. Er wird Ihnen unmißver­ständlich klarmachen, daß Mutter Erde die Milch den Kälbern zugedacht hat. Und er wird Sie, notfalls unter Anwendung un­mittelbaren Zwangs, samt Ihrem Milchkännchen zum Teufel jagen. Und wenn wirklich ern­sthafte Gefahr drohen sollte, machen die Stiere wie auf Kommando gemeinsam Front. – Wohlgemerkt, „wie auf Kommando“ und nicht „auf Kommando“! Denn der Leitstier kommandiert keines seiner Herdenmit­glieder in der Gegend herum. Er gibt nur Signale von sich, die von den an­deren als Auf­forderung zum gemeinsamen Handeln verstanden werden.
Im „Innenverhältnis“ freilich sind Bullen regelrechte „Weicheier“, vom Bild des „wilden Stiers“ bleibt hier nichts, aber auch gar nichts übrig: das Sexleben der Rinder ist nicht leicht zu beobachten, denn wenn sich eine Kuh in einen Bullen verguckt hat, schlagen die beiden sich im Anschluß an ausgiebige Liebesbezeugungen nach einiger Zeit „in die Büsche.“ Das ist durchaus sinnvoll, denn bei dieser Art von Beschäftigung vergessen wohl auch Rinder Raum und Zeit und sind damit an­greifbar.
Rinderkindern in „freier Wildbahn“ geht es augenscheinlich erheblich bess­er geht als Millionen von Menschenkindern in aller Welt, daher sei mir die Frage erlaubt, wer in Gottes weitem Rund die wahren Hornochsen sind.
Wie über die Bienen offenbart sich auch über die Rindviecher das grundsät­zlich falsche Bild, das wir uns von unserer Stellung in der Evolution machen:
Die Kuh „gibt“ keine Milch, der Bauer hindert sie vielmehr durch das Melken am „Abstillen“, ob­wohl ihr Kalb in vielen Fällen längst als Medail­lon, Schnitzel oder Haxe der Freßlust des Menschen zum Opfer gefallen ist.
Aber wehe ein Braunbär wie „Bruno“ reißt ein Kalb oder greift der Biene Maja in die Waben! Flugs wird er zum „Problembären“ erklärt und stan­drechtlich erschossen!
In Wahrheit sind all die vielen Tüten Milch und die vielen Gläser Honig, die wir im Supermarkt fin­den, nichts anderes als Diebesgut. Ein qualitativ­er Unterschied zum Inhalt des „Staatssäckels“ be­steht nicht. (https://www.triboox.de/manuskripte/biene-maja-der-glueckliche-loewe-und-die-sozialversicherung/tV0L0yXCgcfa/ S. 21ff)

Aus dem Blickwinkel originärer „Bullshit“-Produzenten ist der St. Einbrück nicht nur ein absoluter Versager, er entpuppt sich selbst als absoluter Versager. – Auf der schwäbischen Alb könnte der aalglatte Hanseat keinen Blumentopf gewinnen.

25.000 € – Pro Gramm Bullshit? – Wofür hat der Mann kassiert? – Das erkläre mir mal einer, aber bitte so, als wäre ich vier Jahre alt!

http://www.myvideo.de/watch/4122734/Bullshit


Der moderne Mensch bedrohte Neandertaler – Vom „Inselaffen“ zum „Präsidenten“

Oktober 13, 2012

Das größte Übel: Der moderne Mensch bedrohte Neandertaler – Anthropologie – FOCUS Online – Nachrichten.

Der Weg, auf dem der „moderne Mensch“ den Neandertaler überholt hat, war mir klar, als die Ergebnisse der Genetik und der experimentellen Archäologie erstmals übereinstimmten. – Die „Sintflut“ war eine Art „optischer Täuschung“, die auf einem Anstieg des Meeresspiegels beruhte und eine Population von 10.000 bis 20.000 Neandertalern auf einer Insel isolierte. Wie in der Arche Noah „überlebten“ nur die Tiere, die der Mensch in seiner isolierten Umgebung vorfand. – Die größte Unstimmigkeit derbiblischen Geschichte besteht nämlich im Fehlen der Pflanzen auf der Arche Noah. – Wie dem auch sei, wasw jetzt in der Presse Schlagzeielen macht, hatte ich bereits vor rund 10 Jahren detailliert dargelegt

„(…)Freilich lassen sich für die von mir hier aufgestellte These kaum direkte Beweise finden:

An den Wänden der Höhlen von Shanidar, Mugharet es-Skhul, Mugharet et-Tabun oder anderen gibt es außer den „Lichtwesen“, die der Fackelschein spontan an die Höhlenwand zaubert, – nichts.

Der Neandertaler hat zwar Anhaltspunkte für Zeremonien hinterlassen, darunter sind allerdings keine, die man als Beschwichtigungsritual gegen- über den Geistern und Göttern deuten könnte.

Allerdings auch nichts, was darauf hindeuten könnte, daß die Neandertaler Ahnen, Geister oder Götter angerufen hätten, den nächsten Jagdzug erfolgreich sein zu lassen. Ihre Kultstätten geben uns keinen Hinweis auf derartige Zauberrituale.

Erst bei Crô-Magnon waren sie gang und gäbe und sind noch heute welt- weit verbreitet. Selbst das Christentum kennt diesen Zauber: Beim Va- terunser kommt erst einmal das Signal der Bereitschaft zur Unterwerfung:

„Dein Reich komme, Dein Wille geschehe…auch auf Erden.“ – Ein deut- licher Hinweis, daß der Mensch die Unterwerfung unter die Herrschaft Gottes erst in einer ungewissen Zukunft in Aussicht stellt. Und dann kommt der Forderungskatalog:

„Unser täglich Brot gib uns heute! Und vergib uns unsere Schuld!“

Darauf folgt die Stelle des Vaterunser, an der der Mensch seine Nähe zu

Kain nicht mehr leugnen kann:

„Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern!°“ – Die wahren Absichten werden verschleiert. – Der „gottesfürchtige“ Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat es nach dem 11. September 2001 auf den Punkt gebracht, als er sinngemäß verlautbarte: „Gott mag vergeben, wir nicht.“

Es wird auch gerne übersehen, daß erst nach der Ankündigung der Vergebung die schärfste Forderung folgt: „Und führe uns nicht in Versuchung!“: Es ist das Abschieben der Eigenverantwortung auf eine hö- here Instanz, der man auf der einen Seite vertraut, auf der anderen Seite aber zutraut, Dinge anzuordnen oder zumindest zuzulassen, die man aus eigenem Antrieb wohl nicht tun würde. – Das „sondern erlöse uns von dem Bösen! –Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit“! – Beide Sätze sind nicht voneinander zu trennen, den sie beinhalten die bedingungslose Kapitulation vor der Fremdbestimmung, und zwar auch dann, wenn die dadurch ausgelöste eigene Handlung als Unrecht wahrgenommen wird; es wird erwartet, daß die „höchste“ Instanz den Befehl, den man widerwillig befolgt hat, als „Oberster Gerichtsherr“ wieder aufheben wird. – Und zum Schluß des Vaterunser wird dem lie- ben Gott nochmals so richtig Honig um den Bart geschmiert. „Von nun an bis in Ewigkeit.“ – Glauben Sie wirklich, daß der Allmächtige sich auf einen derart durchsichtigen Kuhhandel mit Menschen einläßt?

Alle Opfer, die Göttern, Geistern und Ahnen je dargebracht wurden, dienten nur dem einen Zweck, den Kräften der Natur einen Vertrag auf- zuzwingen: „Wir geben Dir das, von dem wir meinen, daß Du es willst, damit Du das gibst, was wir wollen.“ – In seiner Orientierungslosigkeit überträgt und projiziert der moderne Mensch seinen Drang nach rezipro- kem Verhalten auch auf die Kräfte der Natur. „Do ut des“ – Ich gebe, da- mit Du gibst. Nach des Menschen Vorstellung soll auch im Verhältnis Mensch-Natur, Mensch-Gott das gegenseitige Vertragsverhältnis gelten, das die Juristen mit Synallagma betiteln. Dabei möchte freilich der Mensch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen festlegen, ein Vorhaben, das von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Neandertaler bestatteten ihre Toten auf „Blumenkissen“. Auch heute noch zählen in allen Teilen der Welt Blumen zu den beliebtesten Grabbei- gaben. Seit vermutlich mehr als drei Millionen Jahren hatte es damals schon das blumengeschmückte Abschiedsritual der Hochzeit gegeben.

Die „Braut“ oder der „Bräutigam“ wurde aus den alten sozialen Bindun- gen in den Sozialverband einer Nachbarhorde entlassen, der Trennungs- schmerz durch das Ritual gemindert. Es ist nahezu unausweichlich, daß unsere Vorfahren für den Todesfall ein der Hochzeit ähnliches Ritual entwickelten. Der Verlust eines Kindes ist immer ein Abschied; gleichgültig, ob es zukünftig in einer anderen Horde lebt oder im Jenseits. Die Verhal tensmuster der Brautwerbung und des sozialen Zusammenlebens sind überwiegend neotene Muster, sie leiten sich aus der Mutter-Kind-Beziehung ab. So ist es nun wirklich nicht verwunderlich, wenn die Abschiedsrituale Hochzeit und Bestattung einander ähnlich sind.

Die botanischen Grabbeigaben der Neandertaler zeigen, daß sie sehr fein zu differenzieren vermochten. Es fanden sich nämlich kaum Überreste von Pflanzen in den Höhlengräbern, die eßbare Früchte tragen.

All das läßt die Gedankenwelt der Neandertaler ein wenig erahnen. Sein Sozialverhalten war ganz und gar auf seine Artgenossen abgestimmt. Und, wie bei sozial lebenden Tieren üblich, war die Grundstimmung „freundlich“. An den Reviergrenzen der einzelnen Horden kam es durchaus zu Unstimmigkeiten, aber gewaltsamen Auseinandersetzungen wird man aus dem Weg gegangen sein. Das Prinzip des geringsten Zwangs schrieb auch damals jedem Hordenführer vor, keine Ausfälle bei den eigenen Gefährten zu riskieren.

Ich höre Widerspruch: Nach gängiger Lehrmeinung war dem Neandertaler als „Vormenschen“ jeglicher moralische Impetus fremd, er schwang die Keule und klopfte blind auf Steinen herum. Er beschwor keine Geister und Götter, brachte ihnen keine Opfer dar, weil ihm der für die Entwicklung entsprechender Vorstellungen erforderlich Intelligenzgrad abgesprochen wird. Deswegen gilt er nach wie vor als ein Wesen, dem menschli- che Regungen und moralische Grundsätze fremd sind.

Nach der hier vertretenen Auffassung brauchte der Neandertaler die Ri- tuale des „modernen“ Menschen nicht. Es war ihm noch möglich, auf die sozialen Signale seiner Mitmenschen instinktiv zu reagieren. Zumindest innerhalb der eigenen Gruppe wird er auf Weinen und andere Signale der Hilflosigkeit so reagiert haben, wie der Brutpflegetrieb es vorschrieb.

Ich will gar nicht bestreiten, daß es unmöglich wäre, dem Neandertaler die Begriffe Recht und Moral zu erläutern. Aber nicht aus dem Grund, der immer dafür angeführt wird, nämlich dessen „Dummheit“. Wenn er Recht und Moral nicht kannte, dann nur deshalb, weil er weder das eine noch das andere brauchte. Aus diesem Grunde hatte er es auch nicht nötig, die höheren Instanzen der Moral, nämlich die jeweils „zuständigen“ Geister, Götter und Dämonen anzurufen oder zu beschwichtigen. – Den freundlichen und fröhlichen Menschen aus dem Neandertal zu unterstellen, dumm und brutal gewesen zu sein, geht zu weit, offenbart im Gegenzug die Dummheit und die maßlose Überheblichkeit des „modernen“ Menschen.

Neandertaler hätten nie in Millionenstädten leben können. Sie kannten die zehn Gebote nicht; das Bürgerliche Gesetzbuch wäre ihnen so fremd vorgekommen wie die Zwölftafelgesetze Roms. Eine Gesetzgebung, sei sie göttlicher, sei sie menschlicher Natur, – die gab es im Neandertal nicht. Gesetze hatten die Neandertaler nicht, weil sie überflüssig gewesen wären. Diese Prothesen brauchte man nicht:

Der Kernbereich des BGB, die Zwölftafelgesetze und auch der Dekalog haben ihren natürlichen Ursprung tief im sogenannten limbischen System des Gehirns. Das wiederum ist merkwürdigerweise der entwicklungsgeschichtlich älteste Hirnbereich. Wir teilen ihn nicht nur mit Schafen, Wölfen und Walen, wir teilen ihn auch mit Gänsen, Krähen, Krokodilen und Haien. Im limbischen System sitzt bei sozial lebenden Tieren das biologi- sche „Sozialministerium“. Aber auch das natürliche „Justizministerium“ hat hier seinen Sitz. Deren Funktionsfähigkeit ist bei uns freilich erheblich beeinträchtigt. Beim Neandertaler war das wie gesagt noch anders.

Der Neandertaler war, wie seine und unsere bis dahin aufgetretenen Vorfahren Bestandteil seiner Umwelt, er war in sie eingebunden.

Demgegenüber ist der „moderne“ Mensch blind geworden für seine Le- bensgrundlage, nämlich den Planeten Erde. Spätestens seit der Mensch sich anschickte, „den Weltraum zu erobern“, hat er die Bodenhaftung, sei- ne Anbindung an den Planeten und seinen Respekt, seine Skrupel gegen- über dem Planeten und seinen Mitgeschöpfen offenbar vollends verloren.

– Für die Worte „Respekt“ und „Skrupel“ benutzten die Römer ein und dasselbe Wort: „religio“. In diesem Wort vereinen sich das lateinische re = „zurück“ und ligare = binden. Die religio eines Pferdes ist das Zaum- zeug. Der Glaube an die „Machbarkeit“ aller menschlichen Vorstellungen bis hin zur Besiedlung fremder Planeten und zum Klonen von Menschen offenbart die Zügellosigkeit des Menschen, die ihm immer wieder zum Verhängnis wird. Bei aller zur Schau getragenen Religiosität: Von religio ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Der Mensch ist in Opposition zu seiner Natur und dem freundlichen Wesen seiner Ahnen gegangen.

Den kleinen Ausflug in die Gefühls- und Gedankenwelt des Neanderta- lers wollen wir damit beenden. Er hatte durchaus etwas Romantisches an sich, und wer je Latein gelernt hat, fühlt sich an die Verse Ovids erinnert, mit der dieser die Beschreibung des ersten, des goldenen Zeitalters einleitet:

Aurea prima sata est aetas quae vindice nullo

Sponte sua sine lege fidem rectumque colebat

Poena metusque aberant nec verba minantia fixo

Aere ligabantur nec supplex turba timebat

Judicis ora sui sed erant sine judice tuti

(Und es entstand die erste, die goldene Zeit: ohne Rächer, Ohne Gesetz, von selber bewahrte man Treue und Anstand. Strafe und Angst waren fern; kein Text von drohenden Worten stand an den Wänden auf Tafeln von Erz; es fürchtete keine flehende Schar ihren Richter: man war ohne Rächer gesichert).

Diese Worte dürfte sich Ovid kaum aus den Fingern gesogen haben. Wahrscheinlicher ist, daß er sie uralten Erzählungen und Märchen ent- nommen hat, die man sich auch im antiken Rom erzählte. Bislang konnte ich keine Parallele zu dieser Geschichte finden, aber einen deutlichen Hinweis auf ein seit Urzeiten bestehendes globales Handels- und Informationsnetz. In der den obigen Versen vorangehenden Schöpfungsgeschichte beschreibt Ovid nicht nur genau die Kugelgestalt der Erde, er gibt auch die fünf Klimazonen von Pol zu Pol exakt wider. Woher sollte Ovid das wissen, wenn nicht aus Erzählungen. Die Beschreibung der fünf Klima- zonen finden Sie übrigens auch bei Cicero:

Obgleich ich dies bewundere, lenke ich dennoch meine Augen immer wieder auf die Erde zurück. Da sagte Africanus: “Ich merke, du betrach- test auch jetzt Heimat und Wohnsitz der Menschen; wenn dir dieser, wie er in Wirklichkeit ist, klein erscheint, dann sollst du immer das himmli- sche Geschehen da schauen, jenes menschliche aber verachten. Denn welche Berühmtheit im Munde der Menschen oder welchen erstrebens- werten Ruhm kannst du gewinnen? Du siehst, man wohnt auf der Erde nur an seltenen und begrenzten Orten, und selbst auf den Flecken sozusagen, wo man wohnt, liegen weite Einöden dazwischen; die Bewohner sind nicht nur so getrennt, daß nichts unter ihnen selber von einem zum anderen gelangen kann, sondern teils stehen sie für euch da als Gegenbewohner, teils als Nebenbewohner, teils sogar als Antipoden. Von die- sen aber könnt ihr sicherlich keinerlei Ruhm erwarten.

Du siehst aber eben diese Erde gleichsam mit einigen Gürteln umwunden und umgeben, von denen du die zwei am meisten von einander entgegen- gesetzten und auf die Himmelspole von beiden Seiten her gestützten im Frost erstarrt erblickst, jenen mittleren aber und größten von der Glut der Sonn ausgedörrt. Zwei sind bewohnbar, von denen jener südliche, dessen Bewohner euch entgegengesetzt die Spuren setzen, nichts mit eue- rem Geschlecht zu tun hat; dieser andere aber da, nach dem Norden ge- legen, den ihr bewohnt, sieh, in welch schmalem Streifen er zu euch in Beziehung steht! Die ganze Erde nämlich, die von euch bewohnt wird, eng nach den Polen hin, nach den Seiten zu breiter, ist eine Art kleiner Insel, umflossen von jenem Meer, das ihr Atlantik, das ihr groß, das ihr Ozean nennt auf Erden, der wie du siehst, trotz seines gewaltigen Na mens dennoch klein ist.

Auch hier haben wir den Hinweis auf ein seit unvordenklichen Zeiten be- stehendes weltweites Handelsnetz. Durch die Entstehung der Staaten und Reiche war dieses freilich erheblich gestört worden. Ein weltumspannen- des Handelsnetz ohne internationale Gerichtsbarkeit. Menschen, die kenen Richter brauchten, wahrlich ein goldenes Zeitalter, selbst dann, wenn es von Dichtern und Berichterstattern romantisch verklärt wurde.

Neben dem romantischen Aspekt hat die Verlagerung des Goldenen Zeit- alters ins Neandertal etwas knallhart Physikalisches. Denn die instinktive Bindung eines Lebewesens an seinen Sozial- und Sexualpartner folgt dem Prinzip des geringsten Zwangs. Das Romantische folgt allein daraus, daß uns die Handlungsimpulse nicht gänzlich abhanden gekommen sind. Sie haben sich bei den meisten von uns bis auf den heutigen Tag erhalten. Leider, so muß man es wohl sagen, nicht mehr zwingend.

Das wiederum ist es, was den Menschen als von der Natur abgehoben erscheinen läßt. Er hat seine Anbindung an die eigene Natur verloren. Und das ist gewiß kein Fortschritt.

Der Abbau der sozialen Instinkte und der Verlust der Tötungshemmung gegenüber dem Sozialpartner führten aber auch zur Aufhebung der Grenzen des Menschen zu seinen Jagdobjekten. Er ist in der Lage, Tiere an sich zu binden, ihnen Namen zu geben, sie aufzupäppeln und anschlie- ßend umzubringen. Der Vollzug von Menschenopfer und Todesstrafe haben hier ebenfalls ihren Ursprung.

– Egal, wo man im übrigen Tierreich hinschaut, bei sozial lebenden Organismen ist die Bindung an den Sozialpartner so fest, daß diesem unter normalen Bedingungen kein Haar gekrümmt wird. In aller Regel gibt es ein Alpha-Tier, an dessen Verhalten sich alle anderen Mitglieder der Gemeinschaft orientieren und das für Ruhe innerhalb des Rudels, der Schar oder der Herde sorgt. – Beim „modernen“ Menschen fehlt diese Bindung, die „Autorität“ ist gespalten und damit hebt sich der Vorhang für der Tragödie zweiten Teil, nämlich für die Suche nach eindeutiger Autori- tät, die auch in der Ära des Internet immer noch andauert. – Aber die Diskussion dieses Problems steht ganz am Ende unserer Reise, ich will sie hier nicht vorwegnehmen.

Die geschriebene Geschichte umfaßt wenig mehr als hundert Menschenal- ter. Die Geschichte der Bewohner von Bottleneck überstreicht gut und gerne 1000 Menschenalter. – Eintausend Menschenalter, Zeit genug, sein Aussehen so zu verändern, daß einen die anderen nicht wiedererkennen. Zeit genug, um nach dem Ende der Sintflut als Crô-Magnon wie aus dem Nichts aufzutauchen.

Vor 70.000 setzte die bislang letzte Eiszeit ein. Der Meeresspiegel begann zu sinken. Allmählich fiel damit auch der geflutete Bereich zwischen Bottleneck und Afrika wieder trocken.

Cro-Magnon wartete allerdings nicht bis zu dem Tag, an dem er den Weg zu Fuß zurücklegen konnte. Er kam vorher, denn er verfügte über eine Er- findung, die ihn befähigte, auch das kleinste und entlegenste Archipel zu besiedeln. Diese Erfindung wird wohl als so selbstverständlich angesehen, daß ich sie in keiner Zeittafel der menschlichen Kulturgeschichte gefun- den habe. Es handelt sich um das Boot. Es ist tatsächlich so selbstver- ständlich, daß es selbst den großen Entdeckern nicht einmal auffiel. Und nicht einmal Ihnen ist aufgefallen, das es dazu dienen kann, eine Reise durch die Zeit zu unternehmen. Wo immer Columbus, Captain Cook und alle anderen auch hinkamen, das Boot war schon da. Wie selbstverständ- lich benutzten die Ureinwohner die Wasserwege. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand. Das Boot war es, das die ersten Crô-Magnon von ihrer Insel forttrug. Die Arche Noah stellt damit lediglich ein Symbol für den Weg dar, den die heutige Menschheit nahm, und der ihr Inseldasein been- den sollte.

Welcher Umstand aber führte zur Erfindung des Boots? – Zwei Szenarien sind denkbar:

Erstens: Mit dem allmählichen Absinken von Temperatur und Meeress- piegel änderten sich Wasserflora und -fauna. Fische, die unseren Vorfah- ren als Nahrung dienten, verschwanden aus den ufernahen Gewässern, so daß sie schwerer zu erreichen waren. Daß Holz schwimmt, dürfte auch den damaligen Menschen bekannt gewesen sein. Sobald das Bedürfnis entstanden war, sich weiter auf das Wasser hinauszuwagen, um an begehrte Nahrungsmittel zu gelangen, lag die Erfindung entsprechender Hilfsmittel geradezu in der Luft.

Zweitens: Mit dem Ansteigen des Meeresspiegels vergrößerte sich der scheinbare Abstand zwischen Insel und Festland. Die Erdkrümmung sorgte ab einem gewissen Wasserstand für das Abreißen der Sichtverbindung; scheinbar war das Festland hinter dem Horizont verschwunden. Das Ab- sinken des Meeresspiegels bewirkte den umgekehrten Effekt: das Festland geriet wieder ins Blickfeld der Menschen. Und da wollten sie hin und begannen, einen Weg zu suchen und erfanden das Boot. Das wäre ein steinzeitliches Analogon zur Raumfahrt.

Mir persönlich erscheint die erstgenannte Alternative plausibler. Crô-Ma- gnon dürfte sich angesichts der eingetretenen „Klimakatastrophe“ wenig für Steinzeit-Science-Fiction interessiert haben. Von der Klimaverände- rung waren schließlich nicht nur Meeresflora und -fauna betroffen, sondern auch die ihm als Nahrung dienenden Landpflanzen und -tiere. Es wird schließlich wieder einmal eine Verknappung der Ressourcen gewesen sein, die den Menschen dazu bewog, weit vom Ufer entfernt auf Nahrungssuche zu gehen.

Möglicherweise ist es an der Zeit, das sagenumwobene Atlantis ins Spiel zu bringen. Atlantis soll im Meer verschwunden sein und unermeßlich reich gewesen sein. Atlantis und die Sintflut – zwei Aspekte derselben Geschichte?

Tatsache ist, daß die ersten Crô-Magnon, die von Bottleneck das Festland erreichten, jenen Reichtum wiederfanden, den ihnen möglicherweise die Sage verheißen hatte:

Der Zeitpunkt der zweiten Bevölkerungsexplosion war unausweichlich gekommen. Im Gegensatz zur ersten erfaßte diese innerhalb kurzer Zeit tatsächlich den ganzen Planeten. Das wiederum ist die unausweichliche Konsequenz der logistischen Funktion, die den „modernen“ Menschen mit seinen Booten in alle Lebensräume preßte, in denen er Nahrung finden kann. Aus diesem Grunde bleibt ihm allein die Antarktis als Lebensraum verschlossen. – Da gibt es für ihn nichts zu holen.

Mit der Ankunft der ersten Crô-Magnon bekam der Neandertaler ein Problem, nämlich das Exozooenproblem: gelangen Organismen in einen Lebensraum, in dem sie keine „natürlichen Feinde“ haben, breiten sie sich explosionsartig aus. Der Neandertaler, das zeigt sein Aussterben, hatte Crô-Magnon nichts entgegenzusetzen. Unter Zuhilfenahme der aus der geschriebenen Geschichte bekannten Muster lassen wir den Film einmal ablaufen:

Das Wasser wich, die Sintflut hatte ihr Ende. Land war in Sicht, und man konnte es erreichen, bevor die Landverbindung endgültig wie- derhergestellt war.

Als die ersten „modernen“ Menschen das Festland erreichten, war das Schicksal des „klassischen“ Neandertalers, des letzten wirklichen Men- schen besiegelt. Ich benutze das Wort „wirklich“ ganz bewußt, denn der Neandertaler war, wie wir gesehen haben, noch instinktmäßig mit seiner Umwelt und seinen Mitmenschen verbunden.

Im Neandertal, das können sie mir glauben, ging es damals fröhlicher zu als heute. Eines Tages freilich muß den Ureinwohnern das Lachen im Halse stecken geblieben sein: spätestens an dem Tag, als sie durch den

„modernen“ Menschen „entdeckt“ wurden. Denn für die plattgesichtigen Neuankömmlinge dürften Neandertaler keinen höheren Stellenwert genos- sen haben als Pygmäen für die belgische Kolonialverwaltung: Pygmäen galten bis in die dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts für deren Beamte als zur „Fauna des Waldes“ gehörig. Der Neandertaler als „Raub- tier“, – eine etwas ungewöhnliche, aber nicht unrealistische Vorstellung. Man denke nur an das Schicksal der Indianer und das der Aborigines Australiens.

Damit aber nicht genug. Die Abenteurer, die sich als erste in Richtung Neuland aufmachten, wußten von geradezu unermeßlichem Reichtum zu berichten. Neandertaler waren reiche Leute, und sie waren faul: War man selbst doch gezwungen, aus einem Pfund Feuerstein oder vergleichbarem Material mühselig zwölf Meter Klingenlänge herauszuarbeiten, gingen Neandertaler geradezu verschwenderisch mit dem Material um. Sie be- gnügten sich mit einem Meter Klingenlänge. Ihre Steinwerkzeuge waren groß. Folglich gönnten sich Neandertaler den Luxus, den Rohstoff für elf Meter Klingenlänge einfach mit sich herumzutragen. Und sie hatten ihren Werkzeugkasten in atemberaubend kurzer Zeit gefüllt. Das weckt natürlich Begehrlichkeiten.

Wie erlangt man in einer solchen Situation das Objekt seiner Begierde? – Der „moderne“ Mensch hatte damals nicht einmal Glasperlen, die er den „primitiven“ Neandertalern zum vermeintlichen „Tausch“ hätte anbieten können. Sein handwerkliches Können war bei Neandertalern nicht unbe- dingt gefragt. Die „Gaumenfreuden“ der Insel dürften auch nur bei Lieb- habern exotischer Genüsse Anklang gefunden haben. Wie, ich wiederhole die Frage, kommt man an die begehrten Objekte? – Die geschriebene Ge- schichte und die Archive der Justiz in aller Welt geben die Antwort: Dinge, die ein anderer nicht ohne Gegenleistung hergeben will, wechseln häufig gewaltsam den Besitzer.

Es dauerte seine Zeit, bis sich die Sage vom „Eldorado“ der Vorzeit her- umgesprochen hatte. Geraubte oder getauschte „Importe“ vom Festland ließen mehr Kinder erwachsen werden als vergangene Zeitalter.

Bibel, Völkerwanderung, Wikingerzüge und erst recht die „Besiedlung“ Amerikas lassen erahnen, was dann geschah: Man nahm Sack und Pack, Kind und Federvieh, bestieg den Einbaum und zog ins prähistorische Gelobte Land.

Unsere Vorväter und -mütter breiteten sich mit zunehmender Geschwindigkeit über den Planeten aus. Es wäre lebensfremd anzunehmen, daß es zu keinen Vermischungen der Varianten gekommen wäre. Wenn eine Ne- andertalerfrau an einem Crô-Magnon Gefallen fand, wird sie sich ihm nicht verweigert haben. Ebenso konnte ein Crô-Magnon – Mädchen, das sich in einen Neandertaler verliebt hatte, sich auch durch strengste Strafen nicht davon abhalten lassen, mit einem Neandertaler das Lager zu teilen. Dummerweise werden die Mischlinge eher in den Horden der Neanderta- ler Aufnahme gefunden haben als in den Horden der Crô-Magnon. Auf- grund ihrer instinktiven Reaktion konnten Nenadertaler wohl nicht anders, als die Kinder der Fremden anzunehmen, sie konnten wohl auch nicht anders, als die Frauen wieder aufzunehmen, die in den Horden der „Plattgesichter“ nicht willkommen waren. – Ähnliche Verhaltensmuster gibt es heute noch. Sie traten vor allem in Südafrika und in den Südstaaten der USA auf; sie traten auch als Folge der nationalsozialistischen Rassegeset- ze auf. Noch heute leben in Deutschland, Japan und Vietnam Mischlinge, die man „Besatzungskinder“ nennt und deren Väter sich getrollt haben. Und noch heute werden in Norwegen Kinder von deutschen Besatzungs- soldaten diskriminiert.– Die geschriebene Geschichte ist aber auch voll davon, daß solche Kinder oft auch Kinder der Gewalt und nicht der Liebe sind.

Nach rund fünfzigtausend Jahren ungebremster Ausbreitung wurde für eine Daseinsweise als Jäger und Sammler der Platz knapp. – Historiker beschreiben diesen Vorgang als Seßhaftwerdung oder „neolithische Revolution“. Geschichtslehrer und Geschichtsbücher tradieren seit eh und je, der Prozeß der „Seßhaftwerdung“ hätte sich vor rund 8000 Jahren erstmals in Mesopotamien vollzogen. Zwischen Mesopotamien und den frü- hen Metropolen auf dem amerikanischen Kontinent liegen rund 8.000 Ki- lometer; aber auch in Amerika gab es schon vor Jahrtausenden Völker, die nicht nur seßhaft waren, sondern vielmehr Staaten bildeten; – wie auf dem „alten“ Kontinent. Die Frage nach dem „Warum“ ließen meine Ge- schichtslehrer unbeantwortet. Auch die von mir zu Rate gezogenen Bü- cher ließen die Antwort auf diese Frage offen. Es mag jemanden geben, der eine Antwort weiß, die plausibler ist als meine Vermutung:

Die seßhafte Lebensweise begünstigte in Verbindung mit der Verkümme- rung der sozialen Instinkte die Entstehung von Gemeinschaften, deren Größe über die der ursprünglichen Horde ( ca. 25 bis 50 Individuen) hin- ausreichte. Es liegt auf der Hand, daß die ärgsten „Sozialkrüppel“ in die Anführerpositionen drängten. Ohne Skrupel mordet sich leichter, der „Ne- benbuhler“ wird auf Dauer ausgeschaltet. Das schindet Eindruck bei niederen sozialen Rängen. Die Vorstellung von der Göttlichkeit des Herrschers breitete sich in den Köpfen der Menschen aus. Die Erfüllung der Begierden Einzelner wurde kollektiviert; – Das Zeitalter der Kriege be- gann; und es ist noch lange nicht zuende.

Ähnlich sah es in der „neuen Welt“ aus. Das Plündern und Morden war auch dort vor Kolumbus an der Tagesordnung. Eroberungen zu Lande wa- ren auch jenseits des Atlantiks keine Seltenheit. Die Vorstellung einer Per- sonalunion von Herrscher und Gott war auch den frühen Hochkulturen Mittelamerikas nicht fremd.

Und noch heute umgibt der Nimbus des Göttlichen die „Mächtigen“ dieser Welt. Die markantesten Beispiele für diesen Nimbus sind Caesar, Lincoln und Kennedy. Sie wurden jeweils auf dem Höhepunkt ihrer Macht „ins Jenseits befördert“. – Allein schon die Verwendung dieses Begriffes in Verbindung mit den Namen ruft unwillkürlich einen unheimlichen Widerwillen hervor. Dabei fand tatsächlich nichts anderes statt, was Alltag in dieser Welt ist. Ein Mensch wurde erstochen oder erschossen.

Der Weg führte vom Herrschergott über das Gottesgnadentum zu den „Sonnenkönigen“ auf Zeit, die je nach Verfassung des Staates Präsident, Prmierminister, Kanzler oder Ministerpräsident genannt werden.“

Dieser Text enthält wegen des Alters des Urtextes keine Quellenangaben. Der Text kann – mit Quellenangaben hier nachgelesen werden, und zwar ab Seite 188


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