INET Council on the Euro Zone Crisis – EURO-KRISE?

Juli 25, 2012
Was Hoffmann von Fallersleben noch nicht wissen konnte...

Die „Deutsche Pleite“ in Gedichtform

INET Council on the Euro Zone Crisis – 23-7-12.pdf (application/pdf-Objekt).

„Denkfabriken“ gibt es nicht nur in den USA – Nur sind sie hierzulande erheblich kleiner. – Eher „mittelständig“ organisiert. – Mitunter auch als „Einzelunternehmen“. Deswegen müssen sie nicht schlechter sein:

„Alles flüssige Wasser strebt den Ozeanen zu. Wenn es nicht vorher verdunstet, kann nichts das Wasser daran hindern, dieses Ziel zu erreichen. Es kann durch diverse Widerstände nur aufgehalten werden. Welch verheerende Wirkungen es haben kann, wenn Wasser ungebremst fließt, lehren uns die Hochwasserkatastrophen der letzten Jahre. Kann es daher sein, daß Ohmsches Gesetz und sein quivalent für den geschlossenen Wasserkreislauf lediglich Sonderfälle eines allgemeinen Prinzips darstellen? – Es erscheint ausgeschlossen, daß das Ohmsche Gesetz erst Gültigkeit erlangte, nachdem Georg Simon Ohm es formuliert hatte. Es muß so alt sein wie die Welt, Ohm hat es nur sicht- und erfahrbar gemacht.

Ich hoffe, Ihr Kaffee ist inzwischen fertig. Bevor Sie ihn jetzt in Ihre Tasse schütten, wollen wir uns Ihrer Kaffeemaschine aus der Sicht des Wassers nähern. Ihre Kaffeemaschine kann definiert werden als Vorrichtung, die geeignet und bestimmt ist, das Wasser auf seinem natürlichen Weg in den Ozean aufzuhalten. Einer der Widerstände, die dem Wasser dabei begegnen, ist Ihr Kaffeefilter. Er läßt an seinem unteren Ende weniger Wasser durch als oben hineinfließen kann. Das ist auch gut so, denn Ihr Kaffee würde sonst allzu dünn, aber darauf kommt es hier nicht an. Wenn Sie den Abfluß des Filters verstopfen, wird der Widerstand zunächst unendlich hoch, es wird folgendes passieren: Der Wasserspiegel im Filter wird ansteigen, bis er randvoll ist. Dann sinkt der Widerstand für das Wasser plötzlich auf Null. Die Folge ist eine mittlere berschwemmung in Ihrer Küche. Chaos nennt man das. Nicht nur das berlaufen bringt Chaos. Denken Sie an die Bombenangriffe auf Möhne- Eder- und Sorpetalsperre während des Zweiten Weltkrieges. Aufgabe der Bomberpiloten war es, eine Bombe so abzuwerfen, daß diese die Chance erhielt, ein kleines Leck in die Sperrmauer zu schlagen. Den Rest würde das Wasser selbst besorgen. So geschah es auch. Innerhalb weniger Minuten hatte der Wasserdruck die Sperrmauern eingerissen. Der Widerstand der Staumauern war durchgeschlagen.

Analoges geschieht, wenn ein elektrischer Widerstand durchschlägt, denn dann gibt es einen Kurzschluß, der grundsätzlich unerwünscht ist; aber technisch wird das Phänomen z.B. für Lichtbogenlampen und Schweißgeräte genutzt. Der Widerstand, den die Luft dem Stromfluß entgegensetzt, wird so hart von Elektronen bedrängt, daß er förmlich aufgibt. Der Strom bahnt sich unter starker Licht- und Hitzeentwicklung seinen Weg.

Das aber nicht nur in der technischen Anwendung, sondern auch in der freien Natur. Blitz und Donner sind die Folge. Die bizarren, unvorhersehbaren Formen eines Blitzes zeigen, daß dieses Wetterphänomen ein Aspekt des Chaos ist. Auf die natürlich vorhandene Elektrizität bezogen, haben Sie das Durchschlagen eines Widerstandes auch schon öfters am eigenen Leibe verspürt, nämlich immer dann, wenn Sie beim Berühren einer Türklinke einen „gewischt“ bekamen. Kurz bevor Sie die Türklinke tatsächlich berühren konnten, sprang ein Funke über. In einem Miniblitz eilte Ihre statische Aufladung Ihnen voran. Bevor Sie die Klinke berühren konnten, hatte sich der Strom seinen Weg bereits gebahnt.

In der freien Natur begegnen wir den vom Stromkreis her bekannten drei Größen Spannung bzw. Druck, Widerstand und Stromstärke oder Flußgeschwindigkeit also eigentlich überall. Zumindest in Teilbereichen ist dieses Phänomen auch den Biologen nicht fremd. Wir finden diese drei Größen, wo immer auf der Welt etwas fließt. Hier wie da ist der Widerstand das eher statische Element. Das Sprichwort vom Fels in der Brandung mag diese Betrachtungsweise verdeutlichen. Dennoch ist die Statik des Widerstands nur virtuell. Die beiden anderen Größen beeinflussen dessen Wert in beträchtlichem Umfang. – Vom Fels in der Brandung werden am Ende nur Sand und Kies übrigbleiben. – Schauen Sie nur in Ihren Kaffeefilter:

Ich hatte Sie auf den Hügel aus Kaffeemehl aufmerksam gemacht, der sich darin gebildet hatte. Der aber ist jetzt verschwunden. Aus dem Hügel ist ein Tal geworden. Der Fluß des Wassers hat in der Zeit, in der Sie diese Zeilen gelesen haben, die Größe des Widerstands verändert. Der Hügel, der dem Wasser zunächst einen hohen Widerstand entgegengesetzt hatte, wurde abgetragen, das Kaffeemehl aufgeschwemmt und dadurch der Widerstand vermindert. Sie merken es daran, daß der Kaffee zunächst in Ihre Kanne hineintröpfelt und nach einer gewissen Zeit kontinuierlich weiterfließt.

Das ist in der Natur nicht anders: Vor allem in ariden Gegenden wird dies deutlich. Nach längerer Trockenzeit beginnt es endlich zu regnen. Zunächst prallen die dicken Tropfen an der verbackenen Erde ab. Nach und nach bilden sich erst Rinnsale, die breiter werden und jede erreichbare Bodensenke füllen. Das aber reicht nicht aus, das Wasser zu bremsen. Rasch werden sich Bäche und Flüsse bilden, die zunächst der Landschaft folgen, die dem Wasser durch die Unebenheiten des Geländes Widerstände entgegensetzt. Die Unebenheiten legen durch ihre Höhe den Lauf des Wassers fest. Hört es auf zu regnen, dörrt das Flußbett wieder aus. Erst in der nächsten Regenperiode wird sich das Schauspiel wiederholen. So scheint es.

Aber das Schauspiel wird sich nicht wiederholen. Wenn sie nach dem ersten Regenguß eine Photo machen und es mit dem Zustand nach dem nächsten vergleichen, werden Sie feststellen, daß alles ganz anders aussieht. Das Wasser hatte durch seine Kraft die Landschaft verändert. Der nächste Regenguß muß daher in anderen Bahnen verlaufen als der gegenwärtige. Aber wir nehmen das im allgemeinen nicht wahr. Manche Veränderungen nehmen wir nicht wahr, weil wir sie nicht erwarten, andere verlaufen für uns so unendlich langsam, daß wir nicht lange genug leben, um eine Veränderung feststellen zu können. Nicht umsonst sprechen wir davon, ein Fluß habe eine Landschaft geprägt. Intuitiv haben wir damit einen zutreffenden Sachverhalt erfaßt.

Das Wasser verändert im Laufe der Zeit den Flußlauf. Geländeunebenheiten, die zuvor außerhalb der Reichweite des Flusses lagen, werden plötzlich für diesen relevant, weil sie bei einer nderung des Flußlaufs den Wasserspiegel überragen und damit dem Wasser neue Widerstände entgegensetzen. Auch diese wird das Wasser im Laufe der Zeit abtragen… Diese Geschichte ließe sich nahezu unendlich fortsetzen. Als Quintessenz läßt sich festhalten, daß es der Fluß ist, der sich seinen Weg bahnt. Nicht die Widerstände sind es, die ihm diesen Weg unverrückbar vorschreiben.

Der unmittelbare Augenschein gaukelt uns also lediglich vor, ein statisches Element namens Widerstand „reguliere“ die beiden dynamischen Größen Spannung bzw. Druckdifferenz und Fluß.

Diese scheinbare Wirklichkeit wurde dem Bestreben des Menschen zugrundegelegt, als man Flüsse „begradigte“ und in Betonrinnen quetschte. Die Folgen der Verkennung des tatsächlichen Sachverhalts sind heute unter dem Begriff „Hochwasserkatastrophen“ bekannt. Die Vermutung, daß auch bei der bisherigen wissenschaftlichen Betrachtung der Evolution eine Wahrnehmungstäuschung die Theorie beeinflußt haben könnte, ist nicht von der Hand zu weisen:

Wir haben drei Größen vor uns, die sich gegenseitig beeinflussen und nebenbei auch Einflüssen von außen unterliegen. Drei Variable also bestimmen das System. Aus einem anderen höchst dynamischen Zusammenhang, der auf den ersten Blick mit der Natur nichts zu tun hat, sind uns drei Parameter gut bekannt, denn Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, so sagt man. Dieser Satz gilt als Grundgesetz der Marktwirtschaft. Betrachten wir uns das einmal genauer:

Um Marktwirtschaft zu betreiben, brauche ich ein Angebot. Gut, ich kaufe mir einen Marktstand und biete Brötchen feil. Ist das bereits ein Angebot? – Wenn ich den Stand mitten in der Wüste aufbaue, wo alle zwei Jahre eine Menschenseele vorbeikommt, sicher nicht. Stelle ich mich mit dem Stand an eine Bushaltestelle, sieht die Sache schon anders aus. Voraussetzung für ein Angebot im wirtschaftlichen Sinne ist also ein korrespondierender Bedarf. – Den Bedarf oder das „Bedürfnis“ als Motor der Wirtschaft erkannte bereits Aristoteles.1 – Hier finden wir das Spannungsverhältnis, das wir von Wasser und Strom her kennen, wieder. Die Nachfrage ist ebenfalls eine dynamische Größe. „Ich hätte gerne fünf Brötchen,“ das ist die Nachfrage. Daß der Preis dem Widerstand entspricht, ergibt sich aus folgender berlegung: Verkaufe ich die Brötchen für fünf Mark das Stück, ist die Nachfrage sehr gering. Biete ich sie zu einem Preis von einem Pfennig an, habe ich reißenden Absatz. Der Preis ist aber nicht als absolute Größe anzusehen. Auch wenn das Brötchen nur einen Pfennig kostet, kann dieser Preis sehr hoch sein. Wer keinen Pfennig hat, kann sich eben kein Brötchen kaufen. Und haben sehr viele keinen Pfennig, nennt man das Wirtschaftskrise. Dann wird die Spannungsdifferenz zwischen Angebot und Bedarf groß. Der Widerstand schlägt gelegentlich durch, es kommt zu Plünderungen. – Sie sehen an diesem einfachen Beispiel, wie hochkomplex die wirtschaftlichen Zusammenhänge sind, weil sich Angebot, Nachfrage und Preis nicht nur gegenseitig beeinflussen, sondern ihrerseits von einer Vielzahl anderer Faktoren abhängig sind.

Ein anderes Beispiel: Alljährlich beginnt im Frühjahr der erbitterte Kampf ums Dasein. Er wird ausgefochten zwischen den Liebhabern eines englischen Rasens und Lebewesen, zu denen das gemeine Gänseblümchen gehört. Es beginnt die Zeit der -zide. Herbizide, Fungizide, Pestizide und Insektizide, das sind die hauptsächlichen chemischen Waffen, die der zivilisierte Mensch zur Abwehr des gemeinen Gänseblümchens und seiner Alliierten erfunden hat. Denn diese sind, eben weil es Frühjahr ist, zur Großoffensive gegen die gottgewollte Ordnung des englischen Rasens angetreten.

Der zivilisierte Mensch schwärmt in die Baumärkte aus und deckt sich mit -ziden ein. Der Bedarf ist da, das Angebot ist da, die Nachfrage ist hoch, der Preis für Unkraut-Ex auch.

Schauen wir uns an, wie es im Herbst aussieht. Dann hat der zivilisierte Mensch nach mehrmonatigem Einsatz von Chemiewaffen den Eindruck gewonnen, im Kampf gegen die Gänseblümchen endlich einen Sieg errungen zu haben. – Die Nachfrage nach -ziden läßt relativ rasch nach. Nun sollte man erwarten, daß der Preis für -zide sinkt. Das aber tut er nicht. -Warum? – Aufgrund der Wachstums- und Ruheperioden in der Natur ist etwas geschehen, das dem Zusammenbrechen der Spannung entspricht, denn einen Bedarf für -zide gibt es im Winter kaum. – Die Batterie ist leer.

Erst im nächsten Frühling, wenn das gemeine Gänseblümchen sich erdreistet, das Farbempfinden der Besitzer eines englischen Rasens zu stören, wird die Batterie erneut aufgeladen.

Das weiß die chemische Industrie, deswegen ist der fehlende Absatz der Produkte in den Wintermonaten einkalkuliert. – Nicht nur Angebot und Nachfrage, auch das gemeine Gänseblümchen bestimmt den Preis! – Die Evolution hat also unmittelbaren Einfluß auf die Wirtschaft.

Auch in der Marktwirtschaft sind also unsere drei Variablen zu finden, die sich gegenseitig beeinflussen. Ihr Zusammenwirken ist das, was der Nationalökonom Adam Smith als „unsichtbare Hand“ bezeichnet: „Wenn jeder seine Erwerbstätigkeit so ausrichtet, daß die Größte Wertschöpfung erfolgt, denkt er nur an seinen eigenen Vorteil, und dabei wird er, wie in vielen anderen Fällen auch von einer unsichtbaren Hand geleitet, einem Zweck zu dienen, der nicht in seiner Absicht lag.“ Diese unsichtbare Hand wird auch als ökonomische Vernunft bezeichnet. Nach mehr als zweihundert Jahren geisterhaften Daseins hat die unsichtbare Hand Profil gewonnen, sie ist ein Aspekt des deterministischen Chaos, Fingerabdruck eines sogenannten nichtlinearen dynamischen Systems. Es ist also durchaus kein Wunder, daß es Wirtschaftwissenschaftler mit ihren Prognosen ähnlich schwer haben wie Meteorologen. Das System entzieht sich der exakten Berechnung.

1Nikomachische Ethik, Ethische Tugenden: Gerechtigkeit: „(…)Dem Verhältnis des Baumeisters zum Schuster entspricht es also, daß soundso viel Schuhe auf ein Haus kommen; dem des Schusters zum Bauern, daß soundso viel Schuhe auf ein bestimmtes Quantum von Lebensmitteln kommen. Ohne diese Proportionalität gäbe es weder den Austausch noch Gemeinschaft. Und diese können nur bestehen, wenn in gewissem Sinn Gleichheit herbeigeführt wird. Es muß also, wie gesagt, eine Einheit geben, an der man alles messen kann. Diese ist in Wahrheit das Bedürfnis, das alles zusammenhält. Denn wenn die Menschen keine Bedürfnisse hätten und nicht in der gleichen Weise, so würde es entweder keinen Austausch geben oder nur einen ganz ungleichen.“ – zitiert nach W. Nestle, Aristoteles Hauptwerke, Stuttgart 1941, S 259f, Hervorhebung im Original)

Sie finden den von mir verfaßten Originaltext unter https://www.triboox.de/manuskripte/australopithecus-superbus/zmRm24GGadEe/

Gibt es wirklich eine „EURO-Krise? – Ist es nicht vielmehr die Krise aller „Staaten“, die nicht deswegen „pleite“ sind, weil sie ihre laufenden Verbindlichen nicht mehr bezahlen können? – Sind sie nicht vielmehr deswegen „pleite“, absolut „platt“, weil sie heillos „überschuldet“ sind. – Überschuldet aber waren sie schon bei Einführung des Euro. – Schon damals waren sie nicht in der Lage, ohne neue Kredite die laufenden Kreditkosten zu decken. – Der „Point of no-return“ war 2002 für alle schon längst überschritten. – Es war also nur noch eine Frage der Zeit, bis die Überschuldung sich als „Zahlungsunfähigkeit“ auswirken würde. – Und in dieser Phase sind wir jetzt. – Das aber hat mit der „Währungseinheit“, unter der man Schiffbruch erleidet, nichts zu tun. – Auch mit einer neu etablierten D-Mark wird die „BRD“ niemals in der Lage sein, ihre Schulden zu begleichen. – Deutschland ist und bleibt „PLEITE“

Und jetzt droht auch noch die „unabhängige“ Europäische Zentralbank damit, die „Notenpresse“ anzuwerfen. – Schlimmer kann man die „Urangst“ der Deutschen vor Inflation nicht herausfordern. – Und selbst eine „neue“ „Hyperinflation“ könnte die „Staaten“ Europas nicht retten.


Ratingagenturen – den „Weisen“ ins Revier gepinkelt

Oktober 1, 2011

US-Börsenaufsicht wirft Ratingagenturen Mängel vor | tagesschau.de.

Manchmal kann es ganz nützlich sein, die Festplatte aufzuräumen. So eine Festplatte hat manchmal „Dachbodenfuktion“. – Man findet in einer alten Kiste eine Notiz, , die man schon lange vergessen hatte. – Und siehe da, manchmal erweist sie sich als hochaktuell. – Nachfolgende Notiz stammt vom 28.4.2005:

Beginn des Zitats:
Die Hiobsbotschaften häufen sich: In der „Wirtschaft“ werden exorbitante Gewinne erzielt und trotzdem Arbeitsplätze abgebaut. Franz Müntefering, der unlängst gefordert hatte, dem „Staat“ mehr Geld zu geben, entpuppt sich als Killerdackel, denn zu mehr als zur Wadenbeißerei ist er nicht fähig.
In der ganzen Diskussion zeigt sich, daß mit Schlagworten um sich geworfen wird, die letztlich keinen Inhalt haben. So konnte denn die „Volkswirtschaftlehre“ still und sanft entschlafen, ohne daß es jemand gemerkt hätte. Eingeschläfert wurde sie an der Universität Zürich, genauer gesagt vom Institute for Emperical Research in Economics. Eine der grundlegenden Arbeiten wurde von Armin Falk als Working Paper Nr 79 unter dem Titel „Homo Oeconomicus versus Homo Reciprocans“ veröffentlicht. Danach entspricht die absolute Mehrheit der Menschen nicht dem Standardmodell der Wirtschaftswissenschaften, die den Menschen für ein streng rational handelnden und nur auf den eigenen Vorteil bedachtes Wesen hält. Die Lehren vor Volks- und Betriebswirtschaft sind ausnahmslos auf dieser Prämisse aufgebaut. Stimmen aber die Prämissen nicht, ist die Lehre falsch.
Ich wußte nichts von den Forschungsarbeiten der Schweizer Volkswirte, als ich 1999 begann, den Tausch-und-teile-Instinkt aus alten Mythen, Berichten über das Verhalten von Schimpansen und dem Bürgerlichen Gesetzbuch zu extrahieren. Konfuzius und Aristoteles waren vor langer Zeit auch auf diesen Instinkt gestoßen, ohne ihn aber einordnen zu können, weil für sie der Begriff „Instinkt“ noch in ferner Zukunft lag. Das alles hier näher auszuführen, würde zu weit führen, aber ich kann Ihnen versichern, daß Abel lebt. Er mußte nur in der alttestamentarischen Erzähltradition sterben, weil das alttestametarische Israel eine voll entwickelte Sklavenhaltergesellschaft war. Und Sklaverei ist nun einmal eine eklatante Frustration des Tausch-und-teile-Instinkts.
>>Als ob es eine Ironie des Schicksals gäbe, spiegeln gerade die kulturell vorgegebenen Tötungsweisungen reziprokes Verhalten wider: Auge um Auge, Zahn um Zahn.
Die Todesstrafe, die Blutrache, die „Vergeltungswaffen“ V-1 und V-2, die „Vergeltung“ Israels für palästinensische Terrorangriffe und die „Vergeltung“ Amerikas für das zerstörte World-Trade-Center durch Krieg gegen den Irak haben im reziproken Verhalten ihren Ursprung. Und als hätte es der „moderne“ Mensch nicht schwer genug, aber hier fällt ihm reziprokes Verhalten leichter als beim Zahlen fairer Löhne für ordentliche Arbeit.
Hier redet man seit Adam Smith  Kain das Wort. Der alte Früchtefresser, der nichts abgeben will, gewann in der Wirtschaft die Oberhand, obgleich sowohl die klassische chinesische Philosophie als auch die griechische das reziproke Verhalten als Grundlage der Wirtschaft erkannt hatten. Der kindliche Nachahmungstrieb wird wieder einmal Pate gestanden haben. Im Absolutismus gab es nur einen, der sich die Taschen nach Belieben auf Kosten anderer füllen durfte. Nach dem Abschütteln des absolutistischen Jochs konnte im Prinzip jeder diese Rolle übernehmen. Das Echo des Absolutismus, die starren Grenzen zwischen den Bevölkerungsschichten  bildete den Nährboden für das aufstrebende Bürgertum. Seit  Generationen kannten die Menschen in Europa nichts anderes, als daß die höheren Schichten die jeweils niederen ausplünderten.
Auf diesen Nährboden fiel 1859 Charles Darwins Arbeit „Die Entstehung der Arten  durch natürliche Zuchtwahl“. Darwins unvermeidlicher Fehler, der „natürlichen Zuchtwahl“ oder „Selektion“ den aktiven Part im Evolutionsgeschehen zuzubilligen, mündete nach kurzer Zeit in den „Sozialdarwinismus“. Und dieser wiederum führte Schnurstracks an die „Selektionsrampe“ von Auschwitz. Auf unserer Skala macht das gerade einmal eine Zigarettenlänge aus. Nahezu zeitgleich mit Darwin erschien Karl Marx auf der Weltbühne und stellte seine Theorien vor. Auch der Marxismus blieb von Darwin nicht unbeeinflußt. Denn der „Kampf ums Dasein“ als Grundlage des Lebens eint Kapitalismus und Kommunismus. Die „Arbeit“ fing an, mit dem „Kapital“ um die Macht zu rivalisieren. Man darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen, daß die NSDAP nicht von „Kapitalisten“ gegründet worden war, sondern von Hoffnunglosen, die die Abschlachtungsorgie des ersten Weltkrieges überlebt hatten. Der erste Weltkrieg war zu Beginn noch eine Art Familienfehde“ der europäischen Fürstenhäuser gewesen. Der „Kampf ums Dasein“ der Weltmodelle gipfelte in den Abschlachtungsorgien des zweiten Weltkriegs, den Abschlachtungsorgien der chinesischen Kulturrevolution und den Abschlachtungsorgien in Südostasien. Vietnam, Laos, Kamboscha.
Das alles mit rationalen Argumenten nicht erklärbar, denn das Scheitern des Kommunismus hatte bereits Aristoteles  erkannt  Bezüglich des Gemeineigentums an Land und Erträgen schreibt er:
„Wenn die Leute, die die Felder bebauen, andere sind (als die Staatsbürger), dann ist es etwas anderes  und die Sache geht leichter; wenn aber die Bürger für sich selbst arbeiten, dann wir der Kommunismus große Schwierigkeiten mit sich bringen. (…) Dagegen wird der Egoismus mit Recht getadelt. Denn dieser besteht nicht darin, daß man sich selbst liebt, sondern daß man sich mehr liebt als man darf: geradeso tadelt man die Habsucht, obwohl jeder etwas zu haben liebt. Es gewährt ja doch auch große Freude, Freunden oder Fremden oder Bekannten zu helfen oder einen Dienst zu erweisen. Das aber ist nur möglich unter der Voraussetzung des Priavteigentums (Älteste Politik, Kap. 2)
Im vorletzten Satz läßt Aristoteles die Neigung zu reziprokem Verhalten anklingen, dessen Wert für das Zusammenleben er in seiner Nikomachischen Ethik nicht zuletzt durch die Worte unterstreicht:
„Allerdings bewährt sich die wiedervergeltende Gerechtigkeit in allem auf Gegenseitigkeit beruhenden Verkehr eine zusammenhaltende Kraft, aber nach dem Grundsatz der Proportionalität und nicht der Gleichheit. Denn dadurch, daß er verhältnismäßig Vergeltung ausübt, erhält sich der Staat. Denn entweder versucht man das Böse zu vergelten, weil man ohne das keinen Staat, sondern einen Zustand der Sklaverei hätte, oder das Gute, weil ohne das keine Mitteilung des Guten stattfinden würde, worauf doch die Volksgemeinschaft beruht“ (Nikomachische Ethik, Ethische Tugenden: Gerechtigkeit)
Die konfuzianische Lehre erschließt sich nicht so einfach durch den Ur-Text wie bei Aristoteles, da Konfuzius selbst keine Schriften hinterlassen hat. Ein Bestandteil der konfuzianischen Lehre ist ren, welches „Fähigkeit zur Integration in die Gemeinschaft“ und  „Mit-Menschlichkeit“  bedeutet.
In Kapitel XII,22 finden wir den Satz:
(Der Schüler) Fan Chi wollte wissen, was sittliches Verhalten (ren) sei.
Konfuzius antwortete: „Die Menschen lieben.“
Die Menschen lieben, das heißt sich selbst zurücknehmen, sich eben nicht selbst lieben, sondern Eigensucht und Egoismus ablegen und die Expansion des Ego verhindern. (…) Das Verfahren, in welchem ren umgesetzt wird, ist shu, oft als „gegenseitige Rücksichtnahme“. „Reziprozität“ übersetzt. Wir verstehen die folgende Textstelle aus XII, 2 als Erklärung:
„Was du selbst nicht wünschst, das tue auch anderen nicht an.“
Auffällig ist die negative Formulierung dieses Grundsatzes, bei der nicht davon ausgegangen wird, daß das, was für einen selbst gut ist, auch für andere gut sein muß; sie bedeutet damit eine stärkere Zurücknahme des Ego im Verhältnis zu einer positiven Formulierung. (Moritz, Ralf, Konfuzius „Gespräche“, Stuttgart 1998, S. 193f
Also stellt auch bei Konfuzius das reziproke Verhalten eines der wichtigsten Verhaltensmuster dar, das für ein geordnetes menschliches Miteinander unabdingbar ist. Aber weder die Kaiser noch die Diktatoren Chinas wollten diesen Teil der konfuzianischen Lehre in die Tat umsetzen.
Weder im Kommunismus noch im Kapitalismus, vor allem in seiner heutigen Gestalt des Shareholder-Value-Kapitalismus hat reziprokes Verhalten seinen Platz. Es ist aber auch aus Sicht der menschlichen Evolution unabdingbar. Deswegen ist der Shareholder-Value-Kapitalismus ebenso zum Scheitern verurteilt wie der Kommunismus. Die Frage ist nur, unter welchen Turbulenzerscheinungen er zugrunde gehen wird.
Das über die Jahrmillionen herausgebildete reziproke Verhalten des Menschen ging nur zu einem geringen Teil verloren, aber das reichte aus, die Welt auf den Kopf zu stellen. Die explosive Verbreitung des Crô-Magnon-Typs trug der Evolution erneut eine turbulente Phase ein, von der niemand sagen kann, wann sie abgeschlossen sein wird. Jeder von uns ist Teil und Zeuge dieses Prozesses. Eines ist allerdings mit Sicherheit auszuschließen: es wird nie gelingen, einen „perfekten“ Menschen zu „züchten“ oder gar durch Genmanipulation zu „kreieren“. Die Evolution läßt sich nicht überholen, und wenn wir es übertreiben, wird sie uns ad acta legen. Und es wird niemand geben, der sich für die Spuren, die wir hinterlassen, interessieren wird. So einfach ist das.
– So einfach vollzog sich die Evolution des Menschen. Aber sie ist noch nicht an ihrem Endpunkt angelangt. Wir dürfen gespannt sein, wie sie weitergeht. Trotz allen gegenteiligen Beteuerungen führender Politiker hängt es nicht von uns ab, wie es mit der Menschheit weitergeht. Im Positiven wie im Negativen sind wir zu unbedeutende Lebewesen, als daß sich die Evolution in ihrem Wirken davon großartig beeinflussen ließe. Die Tendenz ist freilich unverkennbar: Alles in der Natur strebt nach Selbstähnlichkeit und Harmonie, nach gleichmäßiger Energieverteilung. Ohne dieses Streben gäbe es keinen osmotischen Druck, ohne osmotischen Druck kein Leben. Die durch das Ungleichgewicht der Energieverteilung bewirkten Ströme sind es, die uns am Leben halten. Wie der Mensch im Alltagsleben nicht mit dem Feuerzeug in den Benzintank hineinleuchten sollte, wie er vermeiden sollte, Stromkreise kurzzuschließen, so muß er dafür Sorge tragen, daß die innerartlichen Energieströme in den Bahnen des Handels und Wandels fließen und nicht durch Plünderung und Krieg wirkungslos verpuffen. Die Prinzipien der Evolution lassen sich durch menschliches Handeln nicht aushebeln. Wir werden uns diesen beugen müssen, es sei denn, wir entschließen uns in einem demokratischen Prozeß für den gemeinschaftlichen Untergang der Menschheit.
Dazu wird es jedoch nicht kommen, denn  vielleicht ist es ja wirklich so, wie Hoimar von Ditfurth vor mehr als dreißig Jahren schrieb:
Bei ihren Versuchen, Pflanzen in Atmosphären künstlicher, „nichtirdischer“ Zusammensetzung aufzuziehen, machten  amerikanische Raumfahrtbiologen jüngst eine bemerkenswerte Entdeckung. Ihre Schützlinge gediehen am besten nicht etwa in der gewöhnlichen Luft, die wir auf der Erde atmen, sondern in einem experimentell erzeugten Gasgemisch. Am üppigsten wucherten Tomaten, Blumen und andere Alltagsgewächse dann, wenn man das Sauerstoffangebot auf etwas weniger als die Hälfte reduzierte und gleichzeitig den CO2-Anteil  – normalerweise nur 0,3% – kräftig erhöhte.
Dieses Resultat erscheint zunächst einmal deshalb bemerkenswert, weil es eine geläufige und ohne großes Nachdenken für selbstverständlich gehaltene Ansicht als Vorurteil entlarvt, die Ansicht nämlich, die auf der Erde herrschenden Bedingungen seinen für alle hier existierenden Lebensformen optimal. Aber die Bedeutung des Befundes der amerikanischen Biologen reicht darüber weit hinaus. Ihr Experiment erweist sich bei näherer Betrachtung als ein Exempel für die von vielen Zeitgenossen noch immer nicht erkannte Tatsache, daß die Menschen heute erst die Erde wirklich kennenlernen, da sie sich anschicken, sie zu verlassen. Erst die Beschäftigung mit dem, was jenseits der Erde liegt, gibt uns die Möglichkeit, zu begreifen, was uns als alltägliche Umwelt umgibt.
Pflanzen setzen bei der Photosynthese Sauerstoff frei. Ohne Pflanzenwelt wäre der Sauerstoffvorrat der Erdatmosphäre innerhalb von etwa drei Jahrhunderten verbraucht, wäre die Erde nach dieser Zeit für Menschen unbewohnbar. Die Versuche der Exobiologen erinnern uns nun daran, daß auch das Umgekehrte gilt. Bevor die Pflanzen auf der Erdoberfläche erschienen, war die Erdatmosphäre praktisch frei von Sauerstoff. Als die Pflanzen ihn zu erzeugen begannen, gab es noch niemanden, dem er hätte nützen können. Er war Abfall. Dieser Abfall reicherte sich  in der Atmosphäre unseres Planeten mehr und mehr an bis zu einem Grad, der die Gefahr heraufbeschwor, daß die Pflanzen in dem von ihnen selbst erzeugten Sauerstoff würden ersticken müssen. Der Versuch der Exobiologen zeigt, wie nahe die Entwicklung dieser Gefahrengrenze tatsächlich schon gekommen war.
In dieser kritischen Situation holte die Natur zu einer gewaltigen Anstrengung aus. Sie ließ eine Gattung ganz neuer Lebewesen entstehen, deren Stoffwechsel just so beschaffen war, daß sie Sauerstoff verbrauchten. Während wir gewohnt sind, die Pflanzen einseitige als die Lieferanten des von Tieren und Menschen benötigten Sauerstoffs anzusehen, verschafft uns die Weltraumforschung hier eine Perspektive, die uns das gewohnte Bild aus einem ganz anderen Blickwinkel zeigt.: Wir stehen unsererseits im Dienste pflanzlichen Lebens, das in kurzer Zeit erlöschen würde, besorgten wir und die Tiere nicht laufend das Geschäft der Beseitigung des als Abfall der Photosynthese entstehenden Sauerstoffs
Wenn man auf diesen Aspekt der Dinge erst einmal aufmerksam geworden ist, glaubt man, noch einen anderen seltsamen Zusammenhang zu entdecken. Die Stabilität der wechselseitigen Partnerschaft zwischen dem Reiche pflanzlichen Lebens und dem von Tier und Mensch ist ganz sicher nicht so groß, wie es die Tatsache vermuten lassen könnte, daß sie heute schon seit mindestens einer Milliarde Jahre besteht. Es gibt viele Faktoren, die ihr Gleichgewicht bedrohen. Einer von ihnen ist der Umstand, daß ein beträchtlicher Teil des Kohlenstoffs, der für den Kreislauf ebenso notwendig ist wie Sauerstoff – keine Photosynthese ohne CO2 –, von Anfang an dadurch verlorengegangen ist, daß gewaltige Mengen pflanzlicher Substanz nicht von Tieren gefressen, sondern in der Erdkruste abgelagert und von Sedimenten zugedeckt wurden. Dieser Teil wurde dem Kreislauf folglich laufend entzogen, und zwar, so sollte man meinen, endgültig.
Wieder aber geschieht etwas sehr Erstaunliches: In eben dem Augenblick – in den Proportionen geologischer Epochen –, in dem der systematische Fehler sich auszuwirken beginnt, erscheint wiederum eine neue Lebensform und entfaltet eine Aktivität, deren Auswirkungen die Dinge wie beiläufig wieder ins Lot bringen. Homo faber tritt auf und bohrt tiefe Schächte in die Erdrinde, um den dort begrabenen Kohlenstoff wieder an die Oberfläche zu befördern und durch Verbrennung dem Kreislauf von neuem zuzuführen.
Manchmal wüßte man wirklich gern, wer das Ganze programmiert. (Hoimar v. Ditfurth, Zusammenhänge, Reinbek 1979, S. 18ff)
Wer das Ganze programmiert? – Das Ganze! – Aber das Ganze „programmiert“ nicht. Es wirkt, aber keiner wird je erfahren, wie. Eines jedenfalls steht fest, der 2. Hauptsatz der Thermodynamik duldet auf Dauer keine Energiekonzentrationen an einem Ort. Wie wir gesehen haben, bilden Feuer, Wasser; Luft, Erdball und Zellen ein Gesamtsystem. Keines dieser Teilsysteme kann mehr oder gänzlich andere Eigenschaften haben als das Gesamtsystem selbst, auch der Mensch nicht.
Aus diesem Grunde ist es nicht so falsch, was am Anfang des Dekalogs gesagt wird:
Ich bin der Herr!
Und die Vorstellung der alten Griechen, Göttervater Zeus schleudere die Blitze zur Erde, ist ebenfalls nicht ganz unrichtig. Denn es ist der 2.Hauptsatz der Thermodynamik, die Trennung elektrischer Ladungen anläßlich eines Gewitters wieder aufhebt. Damit läßt sich das 1. Gebot unschwer in eine physikalische Fassung bringen:
Wer vorsätzlich oder fahrlässig den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik verletzt, mißachtet oder im Einzelfall Für nicht anwendbar erklärt, kann Katastrophen unübersehbaren Ausmaßes für sich und andere bewirken.
Niemand macht uns das Recht streitig, die Wege der Natur zu erforschen. Aber das angemaßte Recht, die Natur zu beherrschen, wird, wenn wir nicht darauf verzichten, uns gnadenlos um die Ohren gehauen.
Das größte Spannungsverhältnis, das der Mensch je auf Erden erzeugt hat, hat er durch Einsperren ungeheurer Energien in die nuklearen Knallfrösche geschaffen. Kehren wir zum Anfang und zum Ohmschen Gesetz zurück: Wie lange können die Isolatoren der nach Entladung drängenden Energie standhalten. Wohlgemerkt, es geht nicht um die Frage, wie lange die Behälter bei guter Pflege halten; der Mensch mit seinen Entscheidungsalternativen ist Bestandteil der „Isolatoren“. Und er ist die entscheidende Schwachstelle im Gesamtsystem. Wie lange kann er die Finger noch weit genug vom „roten Knopf“ weglassen? – Wird es ihm gelingen, Atomwaffen zu delaborieren und das spaltbare Material für uns nutzbringend in Wärme umzurubeln?
Oder wird das eintreten, was anläßlich des „Militärschlags“ der NATO gegen Jugoslawien beinahen eingetreten wäre, demnächst Wirklichkeit:
Der Fehlwurf eines Bombers traf seinerzeit die chinesische Botschaft. Es bedurfte aller nur erdenklichen diplomatischen Anstrengungen, die chinesische Führung davon abzuhalten, dies als „feindseligen Akt“ zu betrachten und die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen
.Der arme Pilot, dem das Malheur passiert war, hatte dem Kaiser von China nur versehentlich „ins Revier gepinkelt“. Die „diplomatischen Kanäle“ waren intakt und haben gehalten. Was aber ist, wenn ein unpassendes „Bächlein“ über keinen diplomatischen Kanal mehr abfließen kann?  – Wenn der, dessen Hose naß wird, ähnlich borniert reagiert wie der Präsident der Vereinigten Staaten auf den 11.9.2001? << G. Altenhoff, Australopithecus Superbus Procrustes – der Mensch, ein Hologramm der Evolution, unv. Manuskript, 2001)
„Soziale Spannungen“ sind ganz in Ordnung. Ohne sie gäbe das Phänomen „Wirtschaft“ gar nicht. Aber diese Spannungen sind, in die Sprache der Elektrotechniker übersetzt, Niederspannungen. Lege ich an an ein Niederspannungssystem Hochspannung an, geht es unweigerlich kaputt. Und „soziale Hochspannung“ entsteht unweigerlich bei dauerhafter Verletzung des Tausch-und-teile-Instinkts. Sie entwickeln sich gerade jetzt unter unseren Augen, mitten in Deutschland.
Sie brauchen mir all das, was Sie gelesen haben, nicht zu glauben. Aber wenn Sie mir nicht glauben wollen, machen Sie zumindest folgendes Experiment: Verbinden Sie Ihre Modellbahnanlage unter Umgehung des Trafos unmittelbar mit dem 220 Volt-Netz. Aber informieren Sie bitte vorher die Feuerwehr, damit das Haus Ihrer Nachbarn nicht auch noch abfackelt.
Ich glaube nicht, daß es Ihnen aufgefallen ist, aber ich habe soeben – in aller Weltöffentlichkeit, denn das „Web“ ist die Weltöffentlichkeit – in das Revier eines „staatstragenden“ Wissenschaftszweigs hineingepinkelt.
Ende des Zitats.

Gier und Eigennutz, die findet man ohne Zweifel auch beim Menschen. – Aber Gier und Eigennutz als Verhaltensantrieb sind am Rande angesiedelt. – Sie gehören zur Normalität, bilden aber nicht das „Normal“. – Sie stehen am Rande der Normalverteilungskurve – wie auch die totale Selbstlosigkeit.
Was wir zur Zeit erleben, ist die Suche nach Halt in der Normalität, vor allem in den Ländern des „Nahen Ostens“.
In Europa versucht man, den Verfall von Gier und Eigennutz aufzuhalten. – Ein Unterfangen, das scheitern muß und das scheitern wird. – Börsen sind, vor allem seit der „Handel“ elektronisch gesteuert wird, nichts anderes mehr als giganitsche Spielautomaten.
Und unsere „Politiker“, die Alleskönner der Unfähigkeit, unterwerfen sich dem Urteil einiger „Rating-Agenturen“ wie die alten Griechen dem Urteil dem Orakel von Delphi.


EFSF: Was steckt hinter den vier Buchstaben? – Die große Pleite! | tagesschau.de

Oktober 1, 2011

EFSF: Was steckt hinter den vier Buchstaben? | tagesschau.de.

Griechenland geht pleite! – Nicht nur Griechenland. Der Versuch, die kranke Kuh mit ihrer eigenen Milch wieder aufzupäpppeln, wird schiefgehen. – Dem Grunde nach ist auch die Bundesregierung pleite. – Sie hat nicht einen Cent, der ihr gehören würde. Sie gibt nur Geld aus, das ihr nicht gehört. – Bereits vor 11 Jahren hatte ich zu diesem Phänomen geschrieben:

Daß ein solches Ereignis Folgen auf dem Kapitalmarkt haben wird, bedarf wohl keiner näheren Begründung. Aber fragen Sie einmal ihren Anlageberater oder Versicherungsagenten danach, was in einem solchen Fall mit Ihrem Geld ist.

Wenn ich Ihnen ungefragt einen guten Rat geben darf, schließen Sie einen Vertrag über private Altersvorsorge nur ab, wenn Sie von Ihrem Anlageberater und dem Vorstand der Bank oder Versicherung eine verbindliche und unwiderruflichen Erklärung in Händen haben, Ihnen im Katastrophenfall Unterhalt zu gewähren.

Das wird niemand aus der Branche tun, also versuchen Sie es bei Ihrem Bundes- oder Landtagsabgeordneten. Aber auch dort werden Sie mit Ihrem Ansinnen scheitern. Aber wer zahlt im Falle des Falles Ihre Rente?

Trotz dieser ungeklärten Frage propagieren unsere Politiker lauthals die private Alters- und Krankenvorsorge. Sie sollten sich lieber um eine grundlegende Reform der sozialen Sicherungssysteme zu kümmern. Allzu leicht wird vergessen, daß das deutsche Sozialversicherungssystem sich als außerordentlich katastrophenfest erwiesen hat. Es hat Wirtschaftskrisen, Währungsreformen und die Feuerstürme der beiden Weltkriege unbeschadet überstanden.

Die Stabilität dieses Systems resultiert aus dem Umlageprinzip und der unausrottbaren Neigung des Menschen, für Kranke und Alte zu sorgen. So einfach und urtümlich es erscheinen mag, das System hat alle erdenklichen Bewährungsproben bestanden; insbesondere den Untergang des Staates, der es geschaffen hatte. Daraus ergibt sich seine zukunftsweisende Bedeutung.

Adam Smith schrieb: „Da die Direktoren von Aktiengesellschaften eher mit anderer Leute Geld als mit ihrem eigenen wirtschaften, kann man wohl nicht erwarten, daß sie darauf mit der gleichen Wachsamkeit achten wie die Partner einer Personengesellschaft.“ – Dieses Urteil trifft auf Politiker ebenfalls zu.

Das deutsche Sozialversicherungssystem ist „personengestützt“ und beruht auf der Reichsversicherungsordnung. Es ist von seinem Aufbau her den selbstregulierenden Kräften des Marktes weitgehend entzogen. Sein Wohl und Wehe ist überwiegend von der demographischen Entwicklung und anderen gesellschaftlichen Prozessen abhängig. Deswegen ist die Anpassung der sozialen Sicherung eine der klassischen Domänen der Politik.

Das setzt nicht nur Organisationstalent voraus, sondern Ideenreichtum, Vorurteilsfreiheit und tiefes Verständnis für menschliche Schwächen, also Intelligenz. Die Behandlung des Themas in Adelskreisen zeigt hingegen, daß die gefragten Qualitäten nicht vorhanden sind. Der Adel setzt statt dessen auf die klassischen Mittel des Obrigkeitsstaates: Er haut mit der Fliegenklatsche.

Jeder Pflichtversicherte, der zum Arzt oder in die Apotheke geht, erfährt es am eigenen Leibe; der Krieg, den Bundesregierung und Parlamentsmehrheit gegen Minijobs und Scheinselbständigkeit entfesselt haben, lassen es geradezu plakativ hervortreten: Wenn der Bürger sich nicht zur Kasse bitten läßt, dann wird der dorthin geprügelt. Hat das noch etwas mit Demokratie, mit Volksherrschaft zu tun? – In feudalen Staat war die Peitsche des Steuereintreibers zwar gang und gäbe, aber nicht Sinn der Sache.. Das wußte bereits K’ung-fu-tse, besser bekannt als Konfuzius, der vor etwa 2.500 Jahren schrieb:“ Die Kunst der guten Regierung besteht schlicht darin, für das Glück seiner Untertanen zu sorgen.“

Bis dahin hatte sich seit dem Zeitpunkt, als die ersten Menschen die Bühne der Welt betraten, auch nicht viel geändert. Wie wenig Zeit überhaupt seitdem vergangen ist und wie vergänglich menschliche Organisationen sind, wird erst klar, wenn man die Zeit, die für unser Erleben dehn- und komprimierbar ist, in räumliche Dimensionen übersetzt.

Betrachten wir die belebte Natur als Fluß. Dieser nahm vor mindestens 3,5 Milliarden Jahren seinen Anfang. Erst bei einer Gleichsetzung von einem Millimeter für jedes Jahr gewinnt dieser Fluß ein vorstellbare Dimension. Liegt die Quelle 3,5 Mrd Jahre hinter uns, ist sie 3,5 Mrd Millimeter von uns entfernt. 3,5 Mrd Millimeter sind 3.500 Kilometer. – Etwa fünf Flugstunden; darunter kann man sich etwas vorstellen. Bei Stromkilometer 2.900 erscheinen die ersten mehrzelligen Organismen. Das Ende der Dinosaurier, die den Strom über 160 km beherrscht haben, liegt 65 km zurück. Vom letzten Neandertaler trennen uns 30 Meter, von Jesus Christus und Caesar zwei Meter. Napoleons Marsch gen Moskau liegt knapp 20 cm von uns entfernt, Hitlers Angriff auf die Sowjetunion 5,9 cm. Die Ermordung Kennedys hat einen Abstand von 3,7cm, die Ära Kohl begann 1,8 cm von der Gegenwart entfernt. Sie war so breit wie Ihr Daumennagel. Sie selbst haben Gelegenheit, durchschnittlich 7,5 cm in diesem Fluß mitzuschwimmen. Nicht eben viel.

Wie gesagt, der Bundesadel setzt in seinem Verhältnis zu den Bürgern der Bundesrepublik zunehmend auf Deckelung und Repression. Repression des Staates gegen seine Bürger kann auf Dauer nicht gutgehen, denn Repression ist in der Geschichte letztendlich immer gescheitert. Immer! – Und zwar im Handumdrehen. Nehmen sie ein Lexikon oder Geschichtsbuch zur Hand: Die Sowjetunion erreichte eine Länge von 7,2 cm, der gesamte Ostblock brachte es auf gerade einmal 4,4 cm. Der „Eiserne Vorhang“ war von der ersten Öffnung der ungarischen Grenze bis zum Fall der Mauer nach 0,2mm bereits verschwunden, regelrecht weggesprengt. – Die Vollendung des Kommunismus durch Mao Tse-tung verlief nach wenigen Millimetern im Sande. Auch den islamischen Gottesstaaten werden nach wenigen Zentimetern die Puste ausgehen.

Das alles ist auch nicht weiter verwunderlich, denn jeder Versuch des „Staates“, menschliche Schwächen kraft Gesetzes auszurotten, hat eine positive Rückkoppelung – und damit Chaos – zur Folge. Den Menschen werden Sanktionen angedroht, sollten sie das unerwünschte Verhalten zeigen. Nicht alle, mitunter nur ein geringer Teil, folgen dem „Gesetzesbefehl“. Die Folge sind härtere Sanktionen, da der „Staat“ sich offenbar nicht so recht durchsetzen kann. Als weitere Folge wird ein immer größerer Personenkeis diskriminiert, wenn nicht gar kriminalisiert. Der Apparat, mit dem die wachsende Insubordination bekämpft werden muß, bläht sich immer mehr auf.

Die Beispiele reichen vom Falschparken über die Prostitution bis zum Rauchen. Verbote, wo man nur hinschaut. Ein Heer von Politessen ist unterwegs, Falschparker abzustrafen. Tausende von Überstunden bei der Polizei könnten abgebaut werden, wenn Polizisten nicht ständig dazu mißbraucht würden, „Temposünder“ zur Kasse zu bitten, und zwar genau an den Stellen, an denen ein Tempolimit durch keine Gefahrenabwehrfunktion gerechtfertigt ist.

In diesem Zusammenhang bietet das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ ein geradezu phantastisches Beispiel dafür, daß unbegrenzte Möglichkeiten durchaus ihre Grenzen haben, und zwar sehr natürliche: Einen Säugling kann man trockenlegen, eine Nation aber nicht. Genau das war es aber, was in den Golden Twenties die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika mit der Prohibition beabsichtigte. Ich will das Thema hier nicht weiter vertiefen, aber es war eine der größten Herausforderungen an die Phantasie der Menschen. Schwarzbrauen, Schwarzbrennen und Schwarzmarkt waren die Folge. Diese wiederum hatten jede Menge Schwarzgeld im Schlepptau, weil nur der gut fährt, der gut schmiert. Der Staat und seine Gesetze aber hechelten eifrig hinterher. Teuer, und alles für die Katz! – Sollten dereinst Historiker und Informatiker interdisziplinär zusammenarbeiten, würde es mich nicht wundern, wenn in diesem Gewirr von Rückkopplungsschleifen der „Schwarze Freitag“ als zwangsläufige Folge solch staatlichen Irrsinns auftauchen würde.

Dann aber wären „Schwarze Freitage“, wie der von 1929 in den USA, kein einmaliger historischer Vorgang, sondern das Damoklesschwert jeder Demokratie, die ihre Lektion noch nicht gelernt hat. Irgendwo im Dickicht von Gesetzen und Verordnungen, Absprachen und Schiebereien hängt es. Und wenn es fällt, ist die soziale Sicherung von Millionen Menschen im Eimer. – Es sei denn, das Sozialversicherungssystem ist nach dem ursprünglichen deutschen Muster organisiert und mit Lernfähigkeit ausgestattet.

Ein System der sozialen Sicherung, das sich auf die Gemeinschaft aller stützt, kann nur dann lernfähig sein, wenn ihre Repräsentanten lernfähigkeit und -willig sind. Grundlage unseres Sozialsystems ist die Reichsversicherungsordnung; deren Entwicklungsfähigkeit hängt also unmittelbar von der Lern- und Anpassungsfähigkeit unserer Politiker ab.

Diese aber sind augenscheinlich nur insoweit lernfähig, als es ihren eigenen Geldbeutel angeht.Denn sie beweisen Tag für Tag, daß sie unfähig sind, sich mit den Fundamenten ihrer Tätigkeit und den Zielen ihrer Aufgaben zu beschäftigen.“ (Gerhard Altenhoff, der Bundesadel)

Der „Rettungsschirm“ dient, das zeigen die Bilder aus Griechenland, nicht den Kindern, Alten und Kranken der hellenischen Halbinsel. – Denen wird sogar noch vom „Staat“ etwas weggenommen, um den „Staat“ zu retten. –

Die „Staaten“ sind rettungslos verloren. Das wissen die Banken, denn kein Banker gibt Ihnen Geld, wenn Sie einen Kredit haben wollen, um die kranke Kuh mit ihrere eigenen Milch wieder aufzupäppeln. – Josef Ackermann wird Ihnen zum Einschläfern der Kuh raten. Und wenn josef Ackermann nicht mit dem Klammerbeutel gepudert wäre, würde er sich hinstellen und sagen, daß alle Staaten am Ende überschuldet sind. – Auch China, denn China müßte mit den Staatseinnahmen dafür sorgen, daß kein chinesisches Kind arbeitten muß. – „China“ hat kein Geld, europäische Staatsanleihen zu kaufen!!!

 


Wie vorhersagbar ist die Wirtschaft?

September 1, 2011

Wie Forscher versuchen, die Wirtschaft vorherzusagen | tagesschau.de.

Hierzu sei anzumerken, daß die „Volkswirtschaftslehre“ eine „Lehre“ ist, und das sollte uns eine Lehre sein, denn mit „Wissenschaft“ hat sie soviel zu tun wie die katholische Kirche mit Astronomie – rein gar nichts:

Der unmittelbare Augenschein gaukelt uns also lediglich vor, ein statisches Element namens Widerstand „reguliere“ die beiden dynamischen Größen Spannung bzw. Druckdifferenz und Fluß.

Diese scheinbare Wirklichkeit wurde dem Bestreben des Menschen zugrundegelegt, als man Flüsse „begradigte“ und in Betonrinnen quetschte. Die Folgen der Verkennung des tatsächlichen Sachverhalts sind heute unter dem Begriff „Hochwasserkatastrophen“ bekannt. Die Vermutung, daß auch bei der bisherigen wissenschaftlichen Betrachtung der Evolution eine Wahrnehmungstäuschung die Theorie beeinflußt haben könnte, ist nicht von der Hand zu weisen:

Wir haben drei Größen vor uns, die sich gegenseitig beeinflussen und nebenbei auch Einflüssen von außen unterliegen. Drei Variable also bestimmen das System. Aus einem anderen höchst dynamischen Zusammenhang, der auf den ersten Blick mit der Natur nichts zu tun hat, sind uns drei Parameter gut bekannt, denn Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, so sagt man. Dieser Satz gilt als Grundgesetz der Marktwirtschaft. Betrachten wir uns das einmal genauer:

Um Marktwirtschaft zu betreiben, brauche ich ein Angebot. Gut, ich kaufe mir einen Marktstand und biete Brötchen feil. Ist das bereits ein Angebot? – Wenn ich den Stand mitten in der Wüste aufbaue, wo alle zwei Jahre eine Menschenseele vorbeikommt, sicher nicht. Stelle ich mich mit dem Stand an eine Bushaltestelle, sieht die Sache schon anders aus. Voraussetzung für ein Angebot im wirtschaftlichen Sinne ist also ein korrespondierender Bedarf. – Den Bedarf oder das „Bedürfnis“ als Motor der Wirtschaft erkannte bereits Aristoteles.(1) – Hier finden wir das Spannungsverhältnis, das wir von Wasser und Strom her kennen, wieder. Die Nachfrage ist ebenfalls eine dynamische Größe. „Ich hätte gerne fünf Brötchen,“ das ist die Nachfrage. Daß der Preis dem Widerstand entspricht, ergibt sich aus folgender Überlegung: Verkaufe ich die Brötchen für fünf Mark das Stück, ist die Nachfrage sehr gering. Biete ich sie zu einem Preis von einem Pfennig an, habe ich reißenden Absatz. Der Preis ist aber nicht als absolute Größe anzusehen. Auch wenn das Brötchen nur einen Pfennig kostet, kann dieser Preis sehr hoch sein. Wer keinen Pfennig hat, kann sich eben kein Brötchen kaufen. Und haben sehr viele keinen Pfennig, nennt man das Wirtschaftskrise. Dann wird die Spannungsdifferenz zwischen Angebot und Bedarf groß. Der Widerstand schlägt gelegentlich durch, es kommt zu Plünderungen. – Sie sehen an diesem einfachen Beispiel, wie hochkomplex die wirtschaftlichen Zusammenhänge sind, weil sich Angebot, Nachfrage und Preis nicht nur gegenseitig beeinflussen, sondern ihrerseits von einer Vielzahl anderer Faktoren abhängig sind.

Ein anderes Beispiel: Alljährlich beginnt im Frühjahr der erbitterte Kampf ums Dasein. Er wird ausgefochten zwischen den Liebhabern eines englischen Rasens und Lebewesen, zu denen das gemeine Gänseblümchen gehört. Es beginnt die Zeit der -zide. Herbizide, Fungizide, Pestizide und Insektizide, das sind die hauptsächlichen chemischen Waffen, die der zivilisierte Mensch zur Abwehr des gemeinen Gänseblümchens und seiner Alliierten erfunden hat. Denn diese sind, eben weil es Frühjahr ist, zur Großoffensive gegen die gottgewollte Ordnung des englischen Rasens angetreten.

Der zivilisierte Mensch schwärmt in die Baumärkte aus und deckt sich mit -ziden ein. Der Bedarf ist da, das Angebot ist da, die Nachfrage ist hoch, der Preis für Unkraut-Ex auch.

Schauen wir uns an, wie es im Herbst aussieht. Dann hat der zivilisierte Mensch nach mehrmonatigem Einsatz von Chemiewaffen den Eindruck gewonnen, im Kampf gegen die Gänseblümchen endlich einen Sieg errungen zu haben. – Die Nachfrage nach -ziden läßt relativ rasch nach. Nun sollte man erwarten, daß der Preis für -zide sinkt. Das aber tut er nicht. -Warum? – Aufgrund der Wachstums- und Ruheperioden in der Natur ist etwas geschehen, das dem Zusammenbrechen der Spannung entspricht, denn einen Bedarf für -zide gibt es im Winter kaum. – Die Batterie ist leer.

Erst im nächsten Frühling, wenn das gemeine Gänseblümchen sich erdreistet, das Farbempfinden der Besitzer eines englischen Rasens zu stören, wird die Batterie erneut aufgeladen.

Das weiß die chemische Industrie, deswegen ist der fehlende Absatz der Produkte in den Wintermonaten einkalkuliert. – Nicht nur Angebot und Nachfrage, auch das gemeine Gänseblümchen bestimmt den Preis! – Die Evolution hat also unmittelbaren Einfluß auf die Wirtschaft.

Auch in der Marktwirtschaft sind also unsere drei Variablen zu finden, die sich gegenseitig beeinflussen. Ihr Zusammenwirken ist das, was der Nationalökonom Adam Smith als „unsichtbare Hand“ bezeichnet: „Wenn jeder seine Erwerbstätigkeit so ausrichtet, daß die Größte Wertschöpfung erfolgt, denkt er nur an seinen eigenen Vorteil, und dabei wird er, wie in vielen anderen Fällen auch von einer unsichtbaren Hand geleitet, einem Zweck zu dienen, der nicht in seiner Absicht lag.“ Diese unsichtbare Hand wird auch als ökonomische Vernunft bezeichnet. Nach mehr als zweihundert Jahren geisterhaften Daseins hat die unsichtbare Hand Profil gewonnen, sie ist ein Aspekt des deterministischen Chaos, Fingerabdruck eines sogenannten nichtlinearen dynamischen Systems. Es ist also durchaus kein Wunder, daß es Wirtschaftwissenschaftler mit ihren Prognosen ähnlich schwer haben wie Meteorologen. Das System entzieht sich der exakten Berechnung.

Nichtlineare dynamische Systeme, das deterministische Chaos, wir finden es überall da, wo etwas fließt. In Ihrer Kaffeemaschine vor allem im Filter. Da der Filter so konstruiert ist, daß oben mehr Wasser hinein- als unten herausfließen kann, hat das Wasser die Möglichkeit, innerhalb bestimmter Grenzen „sich frei zu entfalten.“ Zwischen Abfluß und oberem Rand gestattet der Mensch dem Wasser, seine nichtlinearen Eigenschaften auszutoben.

Ich hatte bereits darauf hingewiesen, daß der Berg Kaffeemehl dadurch in ein Tal verwandelt wird. Das wird sich bei jeder neuen Kanne Kaffee wiederholen. Sie werden immer wieder das gleiche Muster entdecken; das können Sie auch jedes Mal fotografieren, aber spätestens dann werden Sie feststellen, daß die Rückstände im Filter zwar verblüffend ähnlich, aber nie exakt gleich verteilt sind.

Sie können die Körner abzählen, Sie können versuchen, die abgezählten Körner so aufzuschichten wie beim letztenmal. Sie können soviel Kaffee aufschütten, wie Sie wollen, das Tal des Kaffeesatzes wird niemals identisch sein mit einem der vorangegangenen. Nichtlineare dynamische Systeme sind, das lehrt uns Ihr Filter, sehr empfindlich gegenüber ihren Anfangszuständen. Das jedenfalls können wir aus dem Kaffeesatz lesen. –

1Nikomachische Ethik, Ethische Tugenden: Gerechtigkeit: „(…)Dem Verhältnis des Baumeisters zum Schuster entspricht es also, daß soundso viel Schuhe auf ein Haus kommen; dem des Schusters zum Bauern, daß soundso viel Schuhe auf ein bestimmtes Quantum von Lebensmitteln kommen. Ohne diese Proportionalität gäbe es weder den Austausch noch Gemeinschaft. Und diese können nur bestehen, wenn in gewissem Sinn Gleichheit herbeigeführt wird. Es muß also, wie gesagt, eine Einheit geben, an der man alles messen kann. Diese ist in Wahrheit das Bedürfnis, das alles zusammenhält. Denn wenn die Menschen keine Bedürfnisse hätten und nicht in der gleichen Weise, so würde es entweder keinen Austausch geben oder nur einen ganz ungleichen.“ – zitiert nach W. Nestle, Aristoteles Hauptwerke, Stuttgart 1941, S 259f, Hervorhebung im Original)

Soweit meine Ausführungen in Australopithecus Superbus.

Die jüngsten Krawalle in den Armenvierteln Ernglands sind nicht unbedingt ein  zwingender Beweis, aber doch ein starkes Indiz, daß sie nicht unvrhersehbar waren und sich an anderer Stelle wiederholen können.


Crash laß nach! – Der Tod der Volkswirtschaftslehre

August 19, 2011

boerse.ARD.de : Abgabedruck lässt etwas nach.

Aber der Crash läßt nicht nach, weil die „Marktteilnehmer“ nichts anderes sind als Zocker. Die „Börse“ ist schlicht und ergreifend ein gigantischer Spielautomat.

Das ist wegen der die Börse umgebenden Propaganda nicht so offensichtlich, aber es ist schließlich auch nicht offenkundig, daß der Slogan

St Pankratius bleibt in Nievenheim!

  nichts anderes besagt, als

Mer losse d’r Dom en Kölle!

Die Kirche bleibt im Dorf, es ändert sich allein die Größenskala.

Die gegenwärtigen Turbulenzen an den Börsen waren zwar nicht plan- aber vorhersehbar. Ansatzweise hatte ich die damals (2000) absehbaren Konsequenzen der rezenten Form der „Zockerherrschaft“ grob skizziert:

Betrachten wir die belebte Natur als Fluß. Dieser nahm vor mindestens 3,5 Milliarden Jahren seinen Anfang. Erst bei einer Gleichsetzung von einem Millimeter für jedes Jahr gewinnt dieser Fluß ein vorstellbare Dimension. Liegt die Quelle 3,5 Mrd Jahre hinter uns, ist sie 3,5 Mrd Millimeter von uns entfernt. 3,5 Mrd Millimeter sind 3.500 Kilometer. – Etwa fünf Flugstunden; darunter kann man sich etwas vorstellen. Bei Stromkilometer 2.900 erscheinen die ersten mehrzelligen Organismen. Das Ende der Dinosaurier, die den Strom über 160 km beherrscht haben, liegt 65 km zurück. Vom letzten Neandertaler trennen uns 30 Meter, von Jesus Christus und Caesar zwei Meter. Napoleons Marsch gen Moskau liegt knapp 20 cm von uns entfernt, Hitlers Angriff auf die Sowjetunion 5,9 cm. Die Ermordung Kennedys hat einen Abstand von 3,7cm, die Ära Kohl begann 1,8 cm von der Gegenwart entfernt. Sie war so breit wie Ihr Daumennagel. Sie selbst haben Gelegenheit, durchschnittlich 7,5 cm in diesem Fluß mitzuschwimmen. Nicht eben viel.

 Wie gesagt, der Bundesadel setzt in seinem Verhältnis zu den Bürgern der Bundesrepublik zunehmend auf Deckelung und Repression. Repression des Staates gegen seine Bürger kann auf Dauer nicht gutgehen, denn Repression ist in der Geschichte letztendlich immer gescheitert. Immer! – Und zwar im Handumdrehen. Nehmen sie ein Lexikon oder Geschichtsbuch zur Hand: Die Sowjetunion erreichte eine Länge von 7,2 cm, der gesamte Ostblock brachte es auf gerade einmal 4,4 cm. Der „Eiserne Vorhang“ war von der ersten Öffnung der ungarischen Grenze bis zum Fall der Mauer nach 0,2mm bereits verschwunden, regelrecht weggesprengt. – Die Vollendung des Kommunismus durch Mao Tse-tung verlief nach wenigen Millimetern im Sande. Auch den islamischen Gottesstaaten werden nach wenigen Zentimetern die Puste ausgehen.

 Das alles ist auch nicht weiter verwunderlich, denn jeder Versuch des „Staates“, menschliche Schwächen kraft Gesetzes auszurotten, hat eine positive Rückkoppelung – und damit Chaos – zur Folge. Den Menschen werden Sanktionen angedroht, sollten sie das unerwünschte Verhalten zeigen. Nicht alle, mitunter nur ein geringer Teil, folgen dem „Gesetzesbefehl“. Die Folge sind härtere Sanktionen, da der „Staat“ sich offenbar nicht so recht durchsetzen kann. Als weitere Folge wird ein immer größerer Personenkeis diskriminiert, wenn nicht gar kriminalisiert. Der Apparat, mit dem die wachsende Insubordination bekämpft werden muß, bläht sich immer mehr auf.

 Die Beispiele reichen vom Falschparken über die Prostitution bis zum Rauchen. Verbote, wo man nur hinschaut. Ein Heer von Politessen ist unterwegs, Falschparker abzustrafen. Tausende von Überstunden bei der Polizei könnten abgebaut werden, wenn Polizisten nicht ständig dazu mißbraucht würden, „Temposünder“ zur Kasse zu bitten, und zwar genau an den Stellen, an denen ein Tempolimit durch keine Gefahrenabwehrfunktion gerechtfertigt ist.

 In diesem Zusammenhang bietet das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ ein geradezu phantastisches Beispiel dafür, daß unbegrenzte Möglichkeiten durchaus ihre Grenzen haben, und zwar sehr natürliche: Einen Säugling kann man trockenlegen, eine Nation aber nicht. Genau das war es aber, was in den Golden Twenties die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika mit der Prohibition beabsichtigte. Ich will das Thema hier nicht weiter vertiefen, aber es war eine der größten Herausforderungen an die Phantasie der Menschen. Schwarzbrauen, Schwarzbrennen und Schwarzmarkt waren die Folge. Diese wiederum hatten jede Menge Schwarzgeld im Schlepptau, weil nur der gut fährt, der gut schmiert. Der Staat und seine Gesetze aber hechelten eifrig hinterher. Teuer, und alles für die Katz! – Sollten dereinst Historiker und Informatiker interdisziplinär zusammenarbeiten, würde es mich nicht wundern, wenn in diesem Gewirr von Rückkopplungsschleifen der „Schwarze Freitag“ als zwangsläufige Folge solch staatlichen Irrsinns auftauchen würde.

 Dann aber wären „Schwarze Freitage“, wie der von 1929 in den USA, kein einmaliger historischer Vorgang, sondern das Damoklesschwert jeder Demokratie, die ihre Lektion noch nicht gelernt hat. Irgendwo im Dickicht von Gesetzen und Verordnungen, Absprachen und Schiebereien hängt es. Und wenn es fällt, ist die soziale Sicherung von Millionen Menschen im Eimer. – Es sei denn, das Sozialversicherungssystem ist nach dem ursprünglichen deutschen Muster organisiert und mit Lernfähigkeit ausgestattet.

 Ein System der sozialen Sicherung, das sich auf die Gemeinschaft aller stützt, kann nur dann lernfähig sein, wenn ihre Repräsentanten lernfähigkeit und -willig sind. Grundlage unseres Sozialsystems ist die Reichsversicherungsordnung; deren Entwicklungsfähigkeit hängt also unmittelbar von der Lern- und Anpassungsfähigkeit unserer Politiker ab.

Diese aber sind augenscheinlich nur insoweit lernfähig, als es ihren eigenen Geldbeutel angeht.Denn sie beweisen Tag für Tag, daß sie unfähig sind, sich mit den Fundamenten ihrer Tätigkeit und den Zielen ihrer Aufgaben zu beschäftigen.

 Menschliche Staatengemeinschaften sind eine relativ neue Erfindung der Natur. Im Strom des Lebens haben sie gerade einmal eine Länge von 8 Metern erreicht. Woraus wird ein Staat gebildet? – Aus Organismen, die gemeinhin als Menschen bezeichnet werden. Der Staat hat Organe, also muß er sich selbst als Organismus behandeln lassen. Sie sind ein Organismus, ich bin einer. Alle Ihre und meine Handlungen dienen eigentlich nur dem Zweck, die rund dreissig Billionen Zellen, aus denen Ihr und mein Körper jeweils bestehen, mit Nahrung zu versorgen. Welchem anderen Zweck soll daher ein Organismus namens Staat dienen, als dem, die Organismen, die ihn bilden, am Fressen zu halten? – Freilich nicht in dem Sinne, daß der Staat seine Bürger versorgen muß; er hat aber alles zu tun, was seinen Bürgern ermöglicht, sich selbst entsprechend der Wirtschaftskraft der Gemeinschaft angemessen zu versorgen.

 Aus dieser Warte hat der Staat also die Aufgabe, für das Wohlergehen seiner Bewohner zu sorgen. Staaten sind seßhafte Organismen, damit haben sie große Ähnlichkeit mit den Pflanzen. Auch die können ihren Standort nicht verändern.

 Der einzelne Mensch und auch Wirtschaftsunternehmen sind hingegen in der Wahl ihres Standortes einigermaßen flexibel, sie können als „Global Player“ relativ frei über den Planeten wandern und ihr Glück überall da versuchen, wo ihnen die Lebensbedingungen angemessen erscheinen. Unsere Politiker beklagen sich larmoyant darüber, daß die „Global Player“ das auch tatsächlich tun!

 Die relative Freiheit des einzelnen Menschen ist indes stark eingeschränkt. Um seiner Rolle als „Global Player“ gerecht zu werden, braucht er sehr viel Geld. Geld ist eine merkwürdig transzendente Form von Energie. Die aber wird ihm normalerweise nicht in die Wiege gelegt; die allermeisten Menschen müssen dafür schuften. Das wiederum bindet sie an ihren Standort, ihren Staat.

 Die Abhängigkeiten zwischen Mensch und Staat können wir daher annähernd in folgender Metapher zusammenfassen:

 Der Staat als seßhafter Organismus hat für das Wohlergehen aller ihn bildenden Organismen zu sorgen. Alle Repräsentanten eines Staates sind also gehalten, die Welt aus der Sicht einer Pflanze betrachten, die alle ihre Zellen am Leben erhalten muß.

 Die Organismen, aus denen ein Staat besteht, sind allerdings ziemlich wuselige und eigenwillige Tiere, die in erster Linie dem Augenblick, nicht aber der Zukunft verpflichtet sind.

 Das ist natürlich für jeden Politiker, der sich im Glanz seiner Erfolge sonnen möchte, ein grausiges Dilemma. Warum? – Wenn Politiker für mehr Eigenverantwortung des Bürgers bezüglich seiner sozialen Absicherung plädieren, verkünden sie ihr eigenes Versagen und offenbaren ihre Unfähigkeit zur Erfüllung der ihnen übertragenen Aufgaben. Denn der Mensch ist kein Lebewesen, das aus eigenem Antrieb seine soziale Absicherung betreibt; er verläßt sich auf andere, die das für ihn tun. Seit Urzeiten waren das die Kinder, die er reichlich in die Welt setzte. – Mit der hormonalen Empfängnisverhütung hat sich die Welt dramatisch verändert. Die Menschen, die in ihr leben, sind dennoch die geblieben, die sie immer waren. Von Alaska bis Feuerland, von Spitzbergen bis zum Kap der Guten Hoffnung. Von China bis Irland und von Indien bis Tasmanien. (Gerhard Altenhoff, der Bundesadel)

Im Feudalismus durfte nur der Landesherr und dessen Lehensleute ihre Mitmenschen ausbeuten. Mit dem Ende des Absolutismus, das mit der Gründung der USA seinen Anfang nahm, gab man jedem die „Freiheit“, sich als Ausbeuter zu betätigen. – Der Grundsatz der Privatautonomie, die „Vertragsfreiheit“ floß erst später in das Zivilrecht ein, hat aber bis heute den Durchbruch nicht geschafft. – Man erkennt es an den immer länger werdenden „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“, die umgekehrt proportional sind zur Bereitschaft des Verwenders, die eigenen Vertragspflichten zu erfüllen . – Mit anderen Worten: je länger und detaillierter die „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“, desto geringer die Vertragstreue.

In diesem Klima muß es immer wieder zu Turbulenzen kommen. Im Frühjahr 2005 war ich mir über das Sterben der Volkswirtschaftslehre klar und machte mir entsprechende Notizen, die ich unter Tod der Volkswirtschaftslehre abspeicherte.

 


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