Evolutionäre Religionswissenschaft vs. Evolution des Glaubens

Januar 4, 2013

Evolutionäre Religionswissenschaft – Welche Fragen haben Sie? | Natur des Glaubens.

Eigentlich habe ich keine Fragen, eher eine Antwort:

Und zwar auf die Frage, woher das Phänomen „Glauben“ überhaupt kommt. Wenn man sich in der Welt und der Menschheitsgeschichte umschaut, zeigt sich, daß auch die Beziehung der Menschen zu ihren Göttern, Geistern und Dämonen einem evolutionären Prozeß folgte:

Dieser Prozeß hat drei Quellen.

Die erste ist sein unübertroffenes Vorstellungsvemögen, Grundlage jeglicher Technik,

die zweite ist sein gestörtes Verhälnis zu dem, was ich „Tausch-und-teile-Instinkt“ nenne.

Die dritte Quelle ist schließlich die Sprache, die uns zwingt, Sachen zu „benennen“ , die uns vor allem dazu verdammt, Dinge, die sich „von selbst“ bewegen, zu personifizieren. – So will es der Sprachinstinkt.  – Diese dritte Quelle ist untrennbar mit beiden anderen verbunden. – Denn der Gebrauch der Sprache setzt nicht nur ein Übermaß an Vorstellungsvermögen voraus, sondern der Sprachinsitnkt selbst Abkömmling des „Tausch-und-teile-Instinkts“

Fangen wir mir Quelle Nr 1 an:

Nun stellen Sie sich vor, daß zur Zeit der Herbststürme ein einzelner Bär die Höhle aufsucht. Am Ende des Winters verlassen allerdings regelmäßig drei Bären die Höhle. Ein großer und – normalerweise – zwei putzmuntere kleine.

Sie wissen, daß beim Menschen und bei anderen Säugern Ihrer Umgebung das Junge aus dem Mutterleib kommt. Dieses Wissen dürfen Sie auch dem Neandertaler unterstellen; mehr als einmal dürfte jeder Neandertaler in seinem Leben trächtige Weibchen er- und zerlegt haben. Die „Leibeshöhle“, der ein Säugtier „entspringt“, mußte demnach auch der Neandertaler bestens kennen. Deren Charakteristikum ist die Enge des Eingangs, der in die Weite des Uterus mündet. Ähnlich sind die Höhlen, die als Kultstätten dienten, aufgebaut. Ähnlich sind auch die Ganggräber der Megalithkultur gestaltet, die heute noch in Irland zu finden sind.

Ich muß Sie hier nochmals an Ihre disziplinierte Naivität erinnern. Sie wissen, daß der Bär ein Säugetier ist, für den Moment müssen Sie ihr Wissen einmal vergessen.[1] Wußte es auch der Neandertaler?

– Prima Facie, dem ersten Anschein nach, entspringen in jedem Frühjahr junge Bären unmittelbar der Höhle, denn bis vor kurzem war die Geburt von Bären noch eines der bestgehüteten Geheimnisse der Natur. Im Winter 1999/2000 wurde als Weltpremiere eine entsprechende Live-Übertragung im Internet angeboten. In den Jahrmillionen davor war das allerdings ein Ding der Unmöglichkeit. Die Beobachtung einer Bärengeburt war somit erst recht dem Neandertaler verwehrt. Die Vorstellung, ein Bär entspringe unmittelbar dem Schoß der Erde, ist damit vorprogrammmiert.

Die dunkle Höhle ist zwar immer noch voll von den Geistern und Dämonen, die das Licht der Fackel an die Wände zaubert. Durch den Einfluß der Bären ist eine Höhle aber kein Ort der Furcht mehr, sie wandelt sich in jedem Frühjahr zur Quelle neuen Lebens. Diese finden  wir in der griechischen und nordischen Mythologie wieder vor, nämlich im gebärenden Schoß der Erdmutter, die die Griechen Gaia nannten. Zum Leidwesen des Papstes hat auch die Jungfräulichkeit der Mutter Gottes hier ihren mythischen Ursprung:

Im nordischen Bereich ist die Erdmutter zu Anfang noch jungfräulich.[2] Weiter südlich ist die Vorstellung von „Mutter Erde“ zwar immer noch lebendig, aber die Dame ist nicht mehr allein: Die Gaia der Griechen gebiert am laufenden Band Titanen und Zyklopen. Die sinnenfrohen Griechen hatten ihrer Gaia den sexbesessenen Uranos hinzugesellt, der mit seinen weiteren Zeugungsakten erst dann aufhört, nachdem ihn sein Sohn Chronos, der Herr der Zeit, entmannt hatte. Chronos selbst fürchtete, auf ähnliche Weise entmachtet zu werden und verschlang die Kinder seiner Schwester und Gattin Rheia unmittelbar nach der Geburt. Bis auf Zeus, den seine Mutter vor den Nachstellungen in eine Höhle in Sicherheit brachte. Dort trank das Kind die Milch der Ziege Amaltheia und wurde von den Bärinnen Helike und Kynosura  behütet und erzogen. Zeus verbannte seinen Vater in die Unterwelt. Er dankte der Ziege und den beiden Bärenmüttern, indem er sie in den Nachthimmel hob. Merkwürdigerweise steht auch die Geburtskirche in Bethlehem über der Grotte, in der Jesus zur Welt gekommen sein soll.

Höhlen, Bären und der Geburtskanal als Alltagserfahrung sind ausreichend, die Mythologie von Mutter Erde und ihren gigantischen Kindern mit den titanischen Kräften zu begründen. Der Bärenkult offenbart aber noch mehr:

Hier berühren sich Jenseitsvorstellung, Totenkult und Fruchtbarkeitsritus in ähnlicher Weise wie bei der Erdbestattung. Auch unser eigenes Beerdigungsritual ist mit der Vorstellung von Fruchtbarkeit verknüpft. Was in den „Schoß“ der Erde eingebracht wird, wird leben und wachsen.

Die Höhlen, in denen der Neandertaler seine Begräbnisspuren hinterließ, waren folglich nicht ein Ort der reinen Trauer, sie waren der Quell eines Lebens, das zumindest nicht mit der Alltagserfahrung eines Neandertalers erklärbar war. Höhlen waren folglich die Orte, an die man einen Verstorbenen in der Hoffnung auf ein neues Leben im Jenseits oder in der Hoffnung auf eine Wiedergeburt gebracht hatte.

Freilich lassen sich für die von mir hier aufgestellte These kaum direkte Beweise finden:

An den Wänden der Höhlen von Shanidar, Mugharet es-Skhul, Mugharet et-Tabun oder anderen gibt es außer den „Lichtwesen“, die der Fackelschein spontan an die Höhlenwand zaubert, – nichts.

Der Neandertaler hat zwar Anhaltspunkte für Zeremonien hinterlassen, darunter sind allerdings keine, die man als Beschwichtigungsritual gegenüber den Geistern und Göttern deuten könnte.

Allerdings auch nichts, was darauf hindeuten könnte, daß die Neandertaler Ahnen, Geister oder Götter angerufen hätten, den nächsten Jagdzug erfolgreich sein zu lassen. Ihre Kultstätten geben uns keinen Hinweis auf derartige Zauberrituale.

Erst bei Crô-Magnon waren sie gang und gäbe und sind noch heute weltweit verbreitet. Selbst das Christentum kennt diesen Zauber: Beim Vaterunser kommt erst einmal das Signal der Bereitschaft zur Unterwerfung: „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe…auch auf Erden.“ – Ein deutlicher Hinweis, daß der Mensch die Unterwerfung unter die Herrschaft Gottes erst in einer ungewissen Zukunft in Aussicht stellt. Und dann kommt der Forderungskatalog:

 „Unser täglich Brot gib uns heute! Und vergib uns unsere Schuld!“

Darauf folgt die Stelle des Vaterunser, an der der Mensch seine Nähe zu Kain nicht mehr leugnen kann:

„Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern!°“ – Die wahren Absichten werden verschleiert. – Der „gottesfürchtige“ Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat es  nach dem 11. September 2001 auf den Punkt gebracht, als er sinngemäß verlautbarte: „Gott mag vergeben, wir nicht.“

Es wird auch gerne übersehen, daß erst nach der Ankündigung der Vergebung die schärfste Forderung folgt: „Und führe uns nicht in Versuchung!“: Es ist das Abschieben der Eigenverantwortung auf eine höhere Instanz, der man auf der einen Seite vertraut, auf der anderen Seite aber zutraut, Dinge anzuordnen oder zumindest zuzulassen, die man aus eigenem Antrieb wohl nicht tun würde. – Das „sondern erlöse uns von dem Bösen! –Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit“! – Beide Sätze sind nicht voneinander zu trennen, den sie beinhalten die bedingungslose Kapitulation vor der Fremdbestimmung, und zwar auch dann, wenn die dadurch ausgelöste eigene Handlung als Unrecht wahrgenommen wird; es wird erwartet, daß die „höchste“ Instanz den Befehl, den man widerwillig befolgt hat, als „Oberster Gerichtsherr“ wieder aufheben wird. ­–  Und zum Schluß des Vaterunser wird dem lieben Gott nochmals so richtig Honig um den Bart geschmiert. „Von nun an bis in Ewigkeit.“ – Glauben Sie wirklich, daß der Allmächtige sich auf einen derart durchsichtigen Kuhhandel mit Menschen einläßt?

Alle Opfer, die Göttern, Geistern und Ahnen je dargebracht wurden, dienten  nur dem einen Zweck, den Kräften der Natur einen Vertrag aufzuzwingen: „Wir geben Dir das, von dem wir meinen, daß Du es willst, damit Du das gibst, was wir wollen.“ – In seiner Orientierungslosigkeit überträgt und projiziert der moderne Mensch seinen Drang nach reziprokem Verhalten auch auf die Kräfte der Natur. „Do ut des“ – Ich gebe, damit Du gibst. Nach des Menschen Vorstellung soll auch im Verhältnis Mensch-Natur, Mensch-Gott das gegenseitige Vertragsverhältnis gelten, das die Juristen mit Synallagma betiteln. Dabei möchte freilich der Mensch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen festlegen, ein Vorhaben, das von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

 Neandertaler bestatteten ihre Toten auf „Blumenkissen“. Auch heute noch zählen in allen Teilen der Welt Blumen zu den beliebtesten Grabbeigaben. Seit vermutlich mehr als drei Millionen Jahren hatte es damals schon das blumengeschmückte Abschiedsritual der Hochzeit gegeben. Die „Braut“ oder der „Bräutigam“ wurde aus den alten sozialen Bindungen in den Sozialverband einer Nachbarhorde entlassen, der Trennungsschmerz durch das Ritual gemindert. Es ist nahezu unausweichlich, daß unsere Vorfahren für den Todesfall ein der Hochzeit ähnliches Ritual entwickelten. Der Verlust eines Kindes ist immer ein Abschied; gleichgültig, ob es zukünftig in einer anderen Horde lebt oder im Jenseits. Die Verhaltensmuster der Brautwerbung und des sozialen Zusammenlebens sind überwiegend neotene Muster, sie leiten sich aus der Mutter-Kind-Beziehung ab. So ist es nun wirklich nicht verwunderlich, wenn die Abschiedsrituale Hochzeit und Bestattung  einander ähnlich sind. 

Die botanischen Grabbeigaben der Neandertaler zeigen, daß sie sehr fein zu differenzieren vermochten. Es fanden sich nämlich kaum Überreste von Pflanzen in den Höhlengräbern, die eßbare Früchte tragen.


[1]              Sie wissen auch, daß der Biber ein Säugetier ist, dennoch galt er jahrundertelang wegen seines schuppigen Schwanzes nicht als ein solches!

[2]              Britta Verhagen, Götter am Morgenhimmel, Tübingen, Buenos Aires, Montevideo 1983, S. 34

(Gerhard Alenhoff, Australopithecus Superbus, S. 169ff)

Die zweite Quelle ist das Vorstellungsvermögen, die Phantasie. – Ohne sie ist kein Werkzeuggebrauch, vor allem aber keine planmäßige Werkzeugherstellung  vorstellbar. – Wer einmal eine Feuersteinknolle am Ostseestrand in der Hand hatte, der ist sich klar darüber, daß ihm ohne Vorstellung darüber, wie das Werkzeug am Ende aussehen soll, keine Chance hat, etwas Sinnvolles aus einer Feuersteinknolle zu schaffen.  – Wer nicht weiß, wie ein Netz ausssehen soll, wird mit den Fäden in seiner Hand kaum etwas anfangen können:

Der Spinne, die unlängst ihr Netz zwischen dem Außenspiegel und der Karosserie meines Wagens gesponnen hatte, war der Zweck ihres Hand- lens mit Sicherheit unbekannt. Sie spulte ein Programm ab, ohne über- haupt wahrzunehmen, was tatsächlich geschah: Bis etwa 80 km/h blieb sie seelenruhig in ihrem Netz hängen, etwa ab diesem Tempo lief sie rasch in Deckung. An jeder Ampel aber, wenn wieder weitgehend Windstille herrschte, kam sie wieder hervor, kontrollierte ihr Netz und beseitigte durch den Fahrtwind entstandene Schäden. Das wiederholte sie immer und immer wieder; sie tat mir hinterher richtig leid; aber wie hätte ich ihr erklären sollen, daß nach der nächsten Grünphase der „Sturm“ aufs Neue losgehen würde? Wie selbstverständlich erscheint uns das Verhalten der Spinne zweckgrichtet. Sie webt ihr Netz, um damit Insekten zu fangen. Allerdings braucht dies die Spinne als Individuum nicht zu wissen. Denn unter gewöhnlichen Umständen werden Fluginsekten sich mit einer sich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit im Netz verfangen, auch davon braucht die Spinne selbst keine Kenntnis zu haben. Sie kann sich auf ihr„Artgedächtnis“ grundsätzlich verlassen. Nur in Ausnahmefällen, wie dem eben geschilderten, „versagt“ dieses.

 Anders sieht es beim Hausbau aus. – Dem Biber bereits dürfen wir ruhig zubilligen, eine Vorstellung davon zu haben, wie sein Bau aussehen muß. Aber der Biber ist im Bereich des Baumaterials auf das Holz beschränkt, denn es ist das einzige Baumaterial, das er mit seinen Zähnen bearbeiten kann.

Die Errichtung eines Hauses erfordert aber bei weitem mehr. Die Kenntnis davon, welche Materialien sich überhaupt eignen; Erfahrung im Umgang mit den Baustoffen usw. Alles Wissen über die Eigenschaften der Baustoffe  und alle Erfahrung im Umgang mit denselben reichen aber nicht aus, ein Haus zu bauen. Ohne Vorstellung davon, wie das Haus aussehen soll, ohne Phantasie also, gäbe es kein einziges Haus. Das Vorstellungsvermögen ist demnach das Entscheidende. Hier ist die Zweckursache zu suchen, die scheinbar aus der Zukunft in die Vergangenheit wirkt.

Unsere Phantasie ist auch der chaotische Widerpart unseres analytischen Verstandes. Ihre Inhalte sind in der Tat unbegrenzt, sogar Fabelwesen sind denkbar. Und diese wiederum können unseren analytischen Verstand zum Narren halten:

Aristoteles nimmt zu den Tier-Mensch- Mischgestalten der Mythologie wie folgt Stellung:

„(…) Entstanden etwa, wie in der Tierwelt Ochsen mit Menschenköpfen, so auch in der Pflanzenwelt Mischbildungen aus Rebe und Ölbaum oder nicht? Das ist freilich unnatürlich. Aber es mußte wohl so sein, wenn ent- sprechendes in der Tierwelt vorkam. Dann mußte freilich bei den Samen der reine Zufall herrschen. Wer aber so etwas behauptet, der hebt damit das Natürliche und die Natur auf. Denn von Natur aus gelangt alles, was von einem in ihm selbst liegenden Prinzip ununterbrochen bewegt wird, zu einer gewissen Vollendung. Diese ist freilich bei den einzelnen Wesen entsprechend dem weiligen Prinzip verschieden, aber nicht etwas Zufälliges, sondern jeweils immer dieselbe, wenn kein Hindernis in den Weg tritt. Der Zweck aber und was seinetwegen geschieht, kann auch einen zufälligen Anlaß haben, wie wir z.B. sagen, es sei zufällig ein Fremder gekommen und, nachdem er eingekehrt, wieder weggegangen, wenn er handelt, als ob er deswegen gekommen wäre, während er doch nicht des- wegen gekommen ist. So urteilen wir nach dem äußeren Hergang; der Zufall gehört aber zu den Ursachen, die man auf Grund des äußeren Hergangs annimmt, wie wir früher gesagt haben. Wenn so etwas aber immer oder doch meistens geschieht, dann ist es nicht bloß ein äußerer Hergang und nicht Zufall. In der Natur aber ist es immer so, wenn nicht ein Hindernis eintritt. Es ist aber töricht, etwas nicht für ein zweckmäßi- ges Geschehen zu halten, wenn die bewegende und überlegende Ursache unsichtbar ist. Und doch überlegt auch die Kunst nicht; denn wenn in dem Holz die Schiffsbaukunst seckte, so würde sie ganz gleichartig verfahren wie die Natur. Wenn also der Kunst der Zweck innewohnt, dann ist es auch bei der Natur der Fall. Am deutlichsten wird es aber in dem Falle, wenn jemand sich selbst heilt. Einem solchen gleicht die Natur. Es ist also klar, daß die Natur Ursache ist, und zwar im Sinne der Zweckmäßigkeit.“ (Aristoteles, Aus der Physik, Kausale und teleologische Naturbetrachtung)

Und hier kommt unvermittelt die dritte Quelle, der Sprachinstinkt ins Spiel:

Es ist schon erstaunlich, wie nahe Aristoteles der Wahrheit kam, wenn man seine doch stark eingeschränkten Möglichkeiten zur Erforschung der Natur  berücksichtigt.  Er  selbst  hat  bereits  eine  Vorstellung  von  der „Vollendung“ des  Natürlichen durch innere Antriebe,  die  nach seinen Worten „nicht etwas Zufälliges, sondern jeweils immer wieder dieselbe ist, wenn kein Hindernis in den Weg tritt.“ Aber auch Aristoteles macht am Ende seiner Betrachtung den typisch menschlichen Fehler, die eigene Phantasie in die natürlichen Abläufe zu projizieren. Aber das ist nicht verwunderlich, weil wir dazu neigen, komplexe Zusammenhänge zu personifizieren: wir lassen das Feuer wüten, den Sturm toben, den Fluß über die Ufer treten. An der Nordseeküste holt sich der „Blanke Hans“ gelegentlich seine Opfer, Vulkane „speien“ Feuer. Und die Evolution „schafft“ Lebewesen.

Wenn wir uns also mit Dingen „befassen“, die wir nicht „begreifen“ können, billigen wir ihnen nahezu automatisch eine Subjektqualität zu, sie werden als handelnde Person wahrgenommen. Auch hier stehen wir wieder nicht allein da; Sie haben es am Beipiel der Schimpansen gesehen, die wütend auf den „Wettergott“ losgegangen sind.

Von der Personifizierung können wir nicht einmal lassen, wenn es um komplexe Strukturen und Zusammenhänge geht, die der Mensch selbst erst geschaffen hat. Wir reden davon, „der Krieg“ sei der Vater aller Dinge; „die Technik“ versage hin und wieder. Ob Wirtschaft, Politik, Medizin, Justiz oder Gesellschaft. All diesen Dingen, die wir nicht unmittelbar fassen“ können, verleihen wir den Status einer Persönlichkeit. Sie können das ganz einfach daran feststellen, daß sie diesen „Personen“ für irgendetwas die „Schuld“ in die Schuhe schieben können. Wobei der Schuh seinerseits für den Menschen „handhabbar“ ist. Wenn Ihnen ein Schuh nicht paßt, werden Sie kaum jemals behaupten, das sei ein Verschulden des Schuhs. (Gerhard Altenhoff, Australopithecus Superbus S. 128ff)

„Gott“, „die Götter“, „Geister“ und „Dämonen“ – sie alle sind wissesnschaftlich nicht nachweisbar. – Zumindest als „Personen“. – Aber das gesamte Universum ist offensichtlich von einer Art „mathematischem Feld“ durchzogen, das sich nicht in der Euklidischen Geometrie und der linearen Algebra erschöpft. – Die Kresizahl „Pi“ ist allgegenwärtig und nicht durch ein ganzzahliges Verhältnis zu erfassen. Sie ist ein Fraktal.  „Pi“ ist – nach klassischen menschlichen Maßstäben –  „verantwortlich zu machen“ für alle runden Dinge in dieser Welt.

Ich will es an dieser Stelle nicht weiter vertiefen, aber wir selbst und die uns umgebende Natur sind durch und durch fraktal gestaltet, also von nichtlinearer Mathematik durchwirkt.

Die Mathematik ist „wiederholbar“, nicht aber deren Ergebnisse im Zusammentreffen mit der Materie. Es gibt also etwas, was universeller ist als unsser Universum. – Wir spüren es, aber es entzieht sich weitgehend unserer Wahrnehmung. – Wir kennen auch heute erst wenige Gesetze der fraktalen Geometrie. – Wir werden sie wohl auch nicht alle kennenlernen, also werde wir auch weiterhin genug Anhaltspunke habe für Götter, Geister und Dämonen.

Niemand von ihnen, auch nicht unser „Gott“ wird sich jemals von Menschen beeinflussen lassen. – Die Beziehung der Natur,-  ich pflege zu sagen: „des Planeten“  – zu den Menschen läßst sich von diesem nicht „reziprok“ gestalten. Auch wir Menscchen sind auf Gedeih und Verderb den Kräften des Planeten ausgeliefert. – Wie die Evolution zeigt, klappt diese einseitige Beziehung ganz gut, sofern man sich dem Planeten anpaßt und nicht versucht, ihn sich zu „unterwerfen“.


Ägypten: Endlich! – Richter gegen Diktator

November 29, 2012

Ägypten: Mursi gegen die Richter | tagesschau.de.

Es sit schon erstaunlich, wie schnell der „Caesarenwahn“ einen Menschen befallen kann. – Das hat wohl selbst die ägyptischen Juristen überrascht.- Sie hatten offenbar keine Zeit, sich den neuen „Machtverhältnissen“ in der für Otto-Normaljurist gewohnten Weise anzupassen. – Pech für Mursi! – denn Jursiten an die „schleichenden Staatsstreiche“ gewöhnt. Mursi hat sich „per Dekret“, also per „Geßlerhut“ zum Diktator aufgeschwungen. Er „agiert“ – entgegen der Pressemeldungen – „nicht wie ein Diktator“, er ist einer, denn er maßt sich die

DICTATURA LEGUBIS SCRIBUNDIS ET REI PUBLICAE CONSTITUENDAE

an. – Wie man so etwas nahezu unbemerkt macht, kann Ihnen ein gewisser Gerhard Schröder erklären, bis hin zum selbstgewählten „Abgang“:

Schöder-Kalender November 2007

Seine Fahnenflucht wurde von den Richtern des Bundesverfassungsgerichts ermöglicht. Federführend war Prof. Dr. Udo Di Fabio.

„Leta sä moa, is doch doll, ne? Un keiner kuckt richtich hin, is auch doll, ne?“ – Aber nicht doch, Herr Bundeskanzler, um Euch Alt-Jungsozialisten beim Wort zu nehmen: wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Die durch die Verfassung zum Widerstand Berufenen leisten ihn nicht, weil sie das Grundgesetz selbst zum Spielball parteipolitischer Interessen gemacht haben.

Die Verfassung wird ausgehebelt, ignoriert und öffentlich mit dem Bimbeskoffer in der Hand lächerlich gemacht. – So etwas hätte Helmut Kohl einmal wagen sollen! – Aber wenn ein Gerhard Schröder das macht, umweht ihn nur „Ein Hauch von Cäsarismus“. Das ist die Überschrift, die Jan Ross in der „Zeit“ vom 10.8.2000 (S. 4) seinem Artikel gegeben hat. Ross mahnt zu ein wenig mehr Widerspruch gegenüber dem, den alle Welt für einen tollen Hecht hält:

…„Der Kanzler ist kein Autokrat. Die osmotische Fühlungnahme mit Sachzwängen und Stimmungslagen, sein Pragmatismus also und das, was man in schöderkritischeren Tagen seinen Populismus nannte, bewahren ihn vor Alleingängen. Aber das wäre auch schon alles, was es in Schröders Welt an checks and balances gibt. Gegenüber Argumenten ist sie weitgehend immun. Siebzig Wirtschaftsprofessoren haben seinerzeit ordnungspolitische und finanzsystematische Bedenken gegen die Steuerreform angemeldet. Es hätten auch siebenhundert sein können, und allesamt Nobelpreisträger, vermutlich wäre die Regierung ebenso beeindruckt gewesen. Die ökonomische Expertise, die Schröder interessiert, kommt nicht aus dem Sachverständigenrat oder aus der Monopolkommission, sondern aus den Vorständen von Siemens und VW, und ihren Niederschlag findet sie nicht in Gutachten, sondern in jenen Zwanzig-Zeilen-Statements im Spiegel, mit denen vor der entscheidenden Bundesratssitzung noch einmal für Eichels Kurs getrommelt wurde.

Natürlich, so ist Politik. Nur sollte sich in der Öffentlichkeit bei dieser Lektion vielleicht noch etwas anderes regen als bloß Bewunderung für den tollen Hecht, der es den Brillenträgern auf dem Schulhof der Nation einmal ordentlich gezeigt hat. Ralf Dahrendorf hat im vergangenen Jahr auf einen befremdlich autoritären Zug in den Konzepten von Drittem Weg und Neuer Mitte aufmerksam gemacht. Das schien auf Clinton und Schröder nicht recht zu passen, allenfalls auf Blair mit seinem Predigerpathos, seinem Faible für Recht und Ordnung und seiner hausväterlichen Strenge gegen faule Wohlfahrtsempfänger.

Moralische oder polizeistaatliche Bevormundungen solcher Art ist von Schröder kaum zu erwarten. Doch ein leichter Schwefelgeruch des Autoritären mag empfindlichere Nasen inzwischen stören, ein Hauch von plebiszitär-charismatischer Führerschaft, von Cäsarismus und Bonapartismus. Kein Grund, gleich nach dem Verfassungsschutz zu rufen. Aber ein bißchen mehr Opposition dürfte es schon sein.“

Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht; aber der Verfasser des zitierten Beitrags wirft mit Wattebäuschchen, wo etwas massivere Wurfgeschosse angesagt wären.

Wer von seinen Bürgern die Beachtung des Gesetzes verlangt, darf selbst das Gesetz nicht brechen. Wer als ausgebildeter Jurist vorsätzlich die Verfassung bricht, hat in dem von ihm bekleideten Amt nichts, aber auch gar nichts zu suchen! Damit verbietet sich die Beurteilung als toller Hecht von vornherein. Nach allem, was wir über den Niedergang der römischen Republik wissen, müssen wir zu dem Schluß gelangen, daß Gerhard Schröder alle Merkmale eines Autokraten besitzt. Sein „Schmieren“ von Ministerpräsidenten auf Kosten Dritter (Sie und ich!) outet ihn nicht gerade als besonderen Freund der Verfassung.

Der von mir angekündigte unbestechliche Sachverständige, der zudem als ausgewiesener Experte für Verfassungsfragen gilt, meint dazu:

„Ein wirkliches Recht ist vorhanden bei Menschen, deren gegenseitiges Verhältnis durch Gesetz geregelt wird. Gesetz aber gibt es da, wo Ungerechtigkeit möglich ist, und das richterliche Urteil ist die Entscheidung über Recht und Unrecht. Bei Menschen, die die Eigenschaft der Ungerechtigkeit besitzen, kommt auch Unrechttun vor, aber nicht alle Menschen, die Unrecht tun, haben auch die Eigenschaft der Ungerechtigkeit, die darin besteht, daß man sich von dem schlechthin Guten zu viel, von dem schlechthin Übeln zu wenig zuteilt. Darum lassen wir keinen einzelnen Menschen herrschen, sondern das Gesetz, weil ein solcher in der bezeichneten Weise zu seinen Gunsten verfährt und ein Tyrann wird. Der (gesetzmäßige) Beamte dagegen ist Wächter des Rechts und, wenn des Rechts, auch der Gleichheit. Wenn er nämlich gerecht ist, so will er offenbar nicht mehr haben als andere, und er teilt sich von dem schlechthin Guten nicht mehr zu, als ihm verhältnismäßig zukommt. Er arbeitet für die anderen, und deshalb sagt man ja, wie wir schon früher erwähnten, die Gerechtigkeit sei ein auch andern zustatten kommendes Gut. Deshalb verdient der Beamte auch eine Belohnung, und diese besteht in Ehre und Auszeichnung. Wem das nicht genügt, der wird zum Tyrannen…“

Der Sachverständige ist absolut unbestechlich, denn er ist seit 2322 Jahren tot. Sein Name ist Aristoteles, und seine Worte aus der Nikomachischen Ethik (das Politische Recht) sagen eigentlich alles. Anders ausgedrückt: wer im Treibhaus sitzt, sollte den Kohl nicht schmähen. – Selbstverständlich hat Aristioteles nicht den Beamten nach heutigem Verständnis gemeint, sondern den archon, den Herrscher und dessen „Minister“. – Otto Schily, der Oberhirte des Grundgesetzes und Gebieter über alle Verfassungsschützer, sollte diesen Kanzler also ein wenig im Auge behalten. Denn es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß der tolle Hecht die Eigenschaft der Ungerechtigkeit besitzt; ihm also jegliches Rechtsgefühl abgeht.

Fazit jedenfalls ist, daß Rom uns näher ist als wir glauben. Vor allem deshalb, weil die Demokratie, die unsere Politiker im Munde führen und propagieren, keine Demokratie im eigentlichen Sinne ist, wie Aristoteles in seiner „Politik“ (Verfassungsformen) nachweisen konnte:

„Die fünfte Art der Demokratie ist diejenige, in der zwar die bisher genannten Bestimmungen auch gelten, der ausschlaggebende Faktor aber der Wille der Menge ist, nicht das Gesetz. Dies ist da der Fall, wo die Volksbeschlüsse als solche Geltung haben, nicht das Gesetz. Dies ist die Folge der Wirksamkeit der Demagogen. Denn in den Demokratien, wo nach dem Gesetz regiert wird, ist kein Raum für Demagogen, sondern die tüchtigsten Bürger stehen an der Spitze. Wo aber die Gesetze nicht in Geltung stehen, da gedeihen die Demagogen. Denn hier wird das Volk zum Monarchen, indem es ein einheitlicher, aus vielen zusammengesetzter Souverän wird. Denn die Menge ist hier Herr; nicht der einzelne, aber die Gesamtheit. Ob Homer an der Stelle wo er sagt, >Vielherrschaft sei nichts Gutes<, diese Art der Demokratie gemeint hat oder eine Verfassung, bei der eine Mehrheit von Gebietern je für sich herrscht, muß dahingestellt bleiben. Ein solches Volk, das tatsächlich Monarch ist, sucht seine Herrschaft in der Weise auszuüben, daß es sich nicht dem Gesetz unterstellt, und wird so despotisch. Bei ihm stehen die Schmeichler in Ehren, und es entspricht unter den verschiedenen Formen der Monarchie der Tyrannis. Deshalb trägt es auch ganz denselben Charakter: beide vergewaltigen die tüchtigeren Bürger, die Volksbeschlüsse sind das, was dort persönliche Befehle sind, und der Demagog und der Schmeichler sind dieselbe Menschenart und entsprechen einander. Beide haben bei beiden die einflußreichste Stellung: die Schmeichler bei dem Tyrannen und die Demagogen bei einem solchen Volke. Diese sind daran schuld, daß die Volksbeschlüsse und nicht die Gesetze den Ausschlag geben, da sie alles vor das Volk bringen. Sie gewinnen dadurch den Vorteil, daß sie großmächtige Herren werden, da das Volk Herr über alles ist, sie selbst aber Herren über die Meinung des Volkes; denn die Menge schenkt ihnen Glauben. Erhebt man gegen einen Beamten eine Beschuldigung, so sagt man, das Volk müsse über ihn zu Gericht sitzen, und das Volk nimmt diese Berufung mit Freuden an. Das bedeutet aber den Ruin aller Ämter. Gegen eine solche Demokratie erhebt man offenbar mit Recht den Vorwurf, sie sei keine Verfassung mehr. Denn wo das Gesetz nicht herrscht, besteht auch keine Verfassung. Denn das Gesetz muß über alles herrschen, Einzelfälle aber müssen die Beamten gemäß der Verfassung entscheiden. Wenn also die Demokratie eine Verfassung ist, so ist es offenbar dieser Zustand, in dem die ganze Staatsverwaltung von den Volksbeschlüssen abhängt. Das ist aber keine Demokratie im eigentlichen Sinn, da kein Volksbeschluß es mit allgemeinen Fragen zu tun hat.“

Und jetzt lesen Sie bitte erneut die Ausführungen Rudolf Dreikurs’ über die Entartung der modernen Demokratie, die Sie mit Sicherheit längst vergessen haben:

„Diese Parodie demokratischen Verfahrens finden sich aber nicht nur auf dem Gebiet der Politik, sondern überall, wo Machtgruppen bestimmte Einrichtungen kontrollieren. Unser Institutionalismus mit seinen gefährlichen Folgen zeigt sich in Organisationen jeder Art. Selbst unsere Konferenzen im Weißen Haus, ob sie sich nun mit den Problemen von Kindern, Jugendlichen oder alten Menschen befassen, werden so geführt. Bestimmte Machtgruppen halten in den nationalen Organisationen, auf dem Gebiet der Sozialwissenschaften und der Erziehung oft Vorrechte so fest, daß es beinahe unmöglich ist, diesen Griff zu lockern. Und die Macht wird dann mit einer geradezu unglaublichen Fähigkeit ausgeübt, den Schein demokratischen Vorgehens zu wahren. Außerordentlich geschicktes Manipulieren durch scheinbar gewissenhaftes Einhalten der Regeln erlaubt dominierenden Gruppen, ihre Kontrolle auszuüben.

Wir kennen alle die akzeptierten Prozeduren, die unsere gegenwärtige >Demokratie< verabscheungswürdiger machen als jede direkte autokratische Schaustellung der Macht. Autokratie kommt meist ohne Heuchelei aus. Die Vorspiegelungen, zu denen es unvermeidlich kommt, wenn man demokratische Prinzipien beansprucht, sie aber nicht verwirklicht, bringen das ganze demokratische Leben in Verrruf. Wir haben kaum Grund, uns zu wundern, wenn die Feinde der Demokratie sich angesichts des Bildes, das wir der Welt bieten, nicht allzu beeindruckt zeigen. Unsere Vorstellung von der Demokratie muß viel klarer, unsere Anwendung ihrer Prinzipien konsequenter werden, ehe wir durch unseren Enthusiasmus und unsere Überzeugungskraft andere von den Vorteilen demokratischen Lebens überzeugen können.

Wir müssen wahrscheinlich auch unser Denken über die Herrnschaft der Mehrzahl berichtigen. Das Vertrauen auf die Majorität, auf die Zahl also, schließt die Fähigkeit aus, Entscheidungen nach ihrem logischen, moralischen und intellektuellen Wert zu beurteilen und entsprechend zu fällen oder nicht zu fällen. Wenn die Majorität einer Minorität ihren Willen aufdrängt, akzeptiert die kleinere Gruppe den Majoritätsentschluß nur ungern, und es ist sogar möglich, daß sie sich dagegen auflehnt. Auf diese Weise kommen wir also zur Übereinstimmung, sondern immer nur zu neuen Machtverlagerungen. Es werden mehr oder weniger subtile Machenschaften angewandt, um es zu vermeiden, sich Majoritätsbeschlüssen fügen zu müssen.

Wenn das Prinzip gleicher Möglichkeiten ein ärmlicher Ersatz für wirkliche Gleichheit ist, ist die Herrschaft der Majorität eine unzumutbare Belastung. Wir halten das Majoritätsprinzip für ein gegebenes Faktum, weil wir keinen besseren Weg kennen, gegensätzliche Ansichten unt Interessen in Einklang zu bringen. Die ursache dieses Unvermögens ist unsere Mangel an demokratischer Leitung. Wo sie vorhanden ist, wirkt sie auf unsere Verhandlungsfähigkeit und auf unser Vermögen ein, zu einer relativen Klärung zu gelangen, bis eine gemeinsame Aktionsgrundlage gefunden ist. Wir nennen diese Fähigkeit meist etwas abschätzig >Diplomaite<., weil sie früher oft mit einer gewissen Unaufrichtigkeit angewandt wurde, um Mächte und Mächtegruppen zu manövrieren. Bei einer geschickten demokratischen Leitung bedient man sich durchaus einer gewissen Diplomatie, aber nicht im herkömmlichen Sinn. (…) Wenn das Verhältnis zwischen Ordnung und Demokratie geklärt und die Verwechslung zwischen Demokratie und Anarchie, Freiheit und Willkür, Gleichheit und Gleichförmigkeit gehoben ist, sollte es den Führenden in einer Demokratie möglich sein, mit den Opponenten zu einer Übereinstimmung zu kommen. Dann entscheidet der Wert einer Ansicht, nicht die Macht oder Zahl derer, die sie vertreten.“

Es ist schon erstaunlich, zu welcher Synopse ein altgriechischer Philosoph und ein Psychologe des 20. Jahrhunderts fähig sind. Die praktisch deckungsgleiche Analyse demokratischer Strukturen im Abstand von gut und gerne 2300 Jahren zeigt, daß die größte Gefahr für die Demokratie nicht von rechts oder links kommt, sondern aus den Zentralen der Macht.

Leider war es Aristoteles verwehrt, auch über die sogenannte „Mediendemokratie“ zu philosophieren; auch Dreikurs ist allzu früh verstorben. Dennoch erscheint es so, als hätten beide die heutige Problematik vorausgeahnt. Beide wenden sich zu Recht gegen den Terror der Mehrheit generell. In der Mediendemokratie aber werden „Mehrheiten“ geradezu vergöttert. Mit Hilfe der veröffentlichten Meinung und demoskopischen Umfragen werden Mehrheiten herbei- oder weggeredet. Mittels „öffentlicher“ Meinung und und Meinungsumfragen werden Personen des öffentlichen Lebens auf den Schild gehoben oder vom Sockel gestoßen. Aristoteles kannte zwar keine Mediendemokratie, dennoch hat er vor deren Auswirkungen gewarnt. Sie erinnern sich?: „Erhebt man gegen einen Beamten eine Beschuldigung, so sagt man, das Volk müsse über ihn zu Gericht sitzen, und das Volk nimmt diese Berufung mit Freuden an. Das bedeutet aber den Ruin aller Ämter.“

Diese „Volksgerichtshöfe“ heißen heute Untersuchungsausschuß und Schlagzeile. Wenn Helmut Kohl in jüngster Zeit laut den Verdacht äußert, er werde zum Opfer eines „Rufmord-Kartells“, so hat er zumindest nicht ganz unrecht. Denn jede gegen Helmut Kohl erhobene Beschuldigung wird von Bundesgroßinquisitor Ströbele und der Presse begierig aufgegriffen und verwurstet. Da Herr Ströbele ein ehrenwerter Mann ist, wird er sich hüten, offen Beschuldigungen auszusprechen. Da der Bundesgroßinquisitor zudem ein intelligenter Mann ist, kennt er die anklagende Wirkung bestimmter Fragestellungen. – Die Medien erscheinen demgegenüber als reine „Instinktautomaten“ – Wir haben oben gesehen, wie Medien und fama zusammenarbeiten.

Die Schleuse ist geöffnet, Helmut Kohl wurde in eine Position gedrängt, wo die Wahrheit einer Beschuldigung keine Rolle mehr spielt, weil „dem ja alles zuzutrauen ist“. Seine Gegner und alle, die Lust am Rufmord verspüren, um vom eigenen Versagen abzulenken, können damit rechnen, daß die Hyänen, deren Futtertröge bei Presse, Funk und Fernsehen stehen, sich auf ihn stürzen und ihn zerreißen werden. Sie werden die erhobene Beschuldigung ebenfalls in Frageform kleiden. Da „dem ja alles zuzutrauen ist“, ist in der Frage allein schon das Todesurteil enthalten.

Caeser hätte in der heutigen Zeit die Iden des März nicht mehr zu fürchten. Er würde am Zeitungskiosk abserviert. – Auf den Pöbel ist Verlaß, der Trick klappt immer und überall, deswegen wird er von Demagogen in aller Herren Länder auch immer wieder angewandt. Aber was ist der Pöbel?

Der Pöbel ist die Menge aller Menschen, die sich durch Schlagworte in ihrer Urteilsfähigkeit beeinträchtigen lassen. Mit anderen Worten: ob Sie oder ich zum Pöbel zählen, hängt davon ab, wie weit Sie oder ich den durch die Parolen induzierten Emotionen Raum geben, meine bzw. Ihre Entscheidungen zu beeinflussen. Der Pöbel ist also eine variable Größe, jeder aber läuft Gefahr, irgendwann dazuzugehören. Und man muß höllisch aufpassen, nicht in diesen Strudel zu geraten.1

Nicht erst die Parteispendenaffäre hat gezeigt, daß Journalisten sich pöbelhaft benehmen, weil sie den Einpeitschern der Parteien gern zum Opfer fallen; anderseits sind sie dazu prädestiniert, selbst den Pöbel anzustiften und mit fetten Schlagzeilen die Stimmung anzuheizen. Freilich steckt dahinter keine ideologische Verbohrtheit, sondern lediglich das Bestreben als erster und möglichst exklusiv zu berichten. Der Effekt aber ist derselbe, weil der Zwang zur Aktualität das Erfassen der Realität verhindert. Die freie Presse, die eigentlich für den Souverän die soziale Kontrolle gegenüber den Mandatsträgern ausüben sollte, hat sich umfunktionieren lassen zum Sprachrohr der Demagogen aller Couleur. Und die wissen, daß es so ist.

Auf der Strecke aber bleibt die Wahrheit. Das ist „Warten auf Godot“, das ist absurdes Theater. Nicht einmal Eugène Ionesco hatte genug Phantasie, ein solches Szenario zu entwerfen. All der Aufwand der Untersuchungsausschüsse, die verbalen Giftgasattacken und das schamlose Übertreten der primitivsten Grundregeln menschlichen Zusammenlebens dienen angeblich nur dem Ziel, die Wahrheit zu finden.

Ist der „Wählerauftrag“ schon eine Lebenslüge der Politik, die Suche nach der „Wahrheit“ ist es allmal.(G. Altenhoff, der Bundesadel, S.82 ff)


INET Council on the Euro Zone Crisis – EURO-KRISE?

Juli 25, 2012
Was Hoffmann von Fallersleben noch nicht wissen konnte...

Die „Deutsche Pleite“ in Gedichtform

INET Council on the Euro Zone Crisis – 23-7-12.pdf (application/pdf-Objekt).

„Denkfabriken“ gibt es nicht nur in den USA – Nur sind sie hierzulande erheblich kleiner. – Eher „mittelständig“ organisiert. – Mitunter auch als „Einzelunternehmen“. Deswegen müssen sie nicht schlechter sein:

„Alles flüssige Wasser strebt den Ozeanen zu. Wenn es nicht vorher verdunstet, kann nichts das Wasser daran hindern, dieses Ziel zu erreichen. Es kann durch diverse Widerstände nur aufgehalten werden. Welch verheerende Wirkungen es haben kann, wenn Wasser ungebremst fließt, lehren uns die Hochwasserkatastrophen der letzten Jahre. Kann es daher sein, daß Ohmsches Gesetz und sein quivalent für den geschlossenen Wasserkreislauf lediglich Sonderfälle eines allgemeinen Prinzips darstellen? – Es erscheint ausgeschlossen, daß das Ohmsche Gesetz erst Gültigkeit erlangte, nachdem Georg Simon Ohm es formuliert hatte. Es muß so alt sein wie die Welt, Ohm hat es nur sicht- und erfahrbar gemacht.

Ich hoffe, Ihr Kaffee ist inzwischen fertig. Bevor Sie ihn jetzt in Ihre Tasse schütten, wollen wir uns Ihrer Kaffeemaschine aus der Sicht des Wassers nähern. Ihre Kaffeemaschine kann definiert werden als Vorrichtung, die geeignet und bestimmt ist, das Wasser auf seinem natürlichen Weg in den Ozean aufzuhalten. Einer der Widerstände, die dem Wasser dabei begegnen, ist Ihr Kaffeefilter. Er läßt an seinem unteren Ende weniger Wasser durch als oben hineinfließen kann. Das ist auch gut so, denn Ihr Kaffee würde sonst allzu dünn, aber darauf kommt es hier nicht an. Wenn Sie den Abfluß des Filters verstopfen, wird der Widerstand zunächst unendlich hoch, es wird folgendes passieren: Der Wasserspiegel im Filter wird ansteigen, bis er randvoll ist. Dann sinkt der Widerstand für das Wasser plötzlich auf Null. Die Folge ist eine mittlere berschwemmung in Ihrer Küche. Chaos nennt man das. Nicht nur das berlaufen bringt Chaos. Denken Sie an die Bombenangriffe auf Möhne- Eder- und Sorpetalsperre während des Zweiten Weltkrieges. Aufgabe der Bomberpiloten war es, eine Bombe so abzuwerfen, daß diese die Chance erhielt, ein kleines Leck in die Sperrmauer zu schlagen. Den Rest würde das Wasser selbst besorgen. So geschah es auch. Innerhalb weniger Minuten hatte der Wasserdruck die Sperrmauern eingerissen. Der Widerstand der Staumauern war durchgeschlagen.

Analoges geschieht, wenn ein elektrischer Widerstand durchschlägt, denn dann gibt es einen Kurzschluß, der grundsätzlich unerwünscht ist; aber technisch wird das Phänomen z.B. für Lichtbogenlampen und Schweißgeräte genutzt. Der Widerstand, den die Luft dem Stromfluß entgegensetzt, wird so hart von Elektronen bedrängt, daß er förmlich aufgibt. Der Strom bahnt sich unter starker Licht- und Hitzeentwicklung seinen Weg.

Das aber nicht nur in der technischen Anwendung, sondern auch in der freien Natur. Blitz und Donner sind die Folge. Die bizarren, unvorhersehbaren Formen eines Blitzes zeigen, daß dieses Wetterphänomen ein Aspekt des Chaos ist. Auf die natürlich vorhandene Elektrizität bezogen, haben Sie das Durchschlagen eines Widerstandes auch schon öfters am eigenen Leibe verspürt, nämlich immer dann, wenn Sie beim Berühren einer Türklinke einen „gewischt“ bekamen. Kurz bevor Sie die Türklinke tatsächlich berühren konnten, sprang ein Funke über. In einem Miniblitz eilte Ihre statische Aufladung Ihnen voran. Bevor Sie die Klinke berühren konnten, hatte sich der Strom seinen Weg bereits gebahnt.

In der freien Natur begegnen wir den vom Stromkreis her bekannten drei Größen Spannung bzw. Druck, Widerstand und Stromstärke oder Flußgeschwindigkeit also eigentlich überall. Zumindest in Teilbereichen ist dieses Phänomen auch den Biologen nicht fremd. Wir finden diese drei Größen, wo immer auf der Welt etwas fließt. Hier wie da ist der Widerstand das eher statische Element. Das Sprichwort vom Fels in der Brandung mag diese Betrachtungsweise verdeutlichen. Dennoch ist die Statik des Widerstands nur virtuell. Die beiden anderen Größen beeinflussen dessen Wert in beträchtlichem Umfang. – Vom Fels in der Brandung werden am Ende nur Sand und Kies übrigbleiben. – Schauen Sie nur in Ihren Kaffeefilter:

Ich hatte Sie auf den Hügel aus Kaffeemehl aufmerksam gemacht, der sich darin gebildet hatte. Der aber ist jetzt verschwunden. Aus dem Hügel ist ein Tal geworden. Der Fluß des Wassers hat in der Zeit, in der Sie diese Zeilen gelesen haben, die Größe des Widerstands verändert. Der Hügel, der dem Wasser zunächst einen hohen Widerstand entgegengesetzt hatte, wurde abgetragen, das Kaffeemehl aufgeschwemmt und dadurch der Widerstand vermindert. Sie merken es daran, daß der Kaffee zunächst in Ihre Kanne hineintröpfelt und nach einer gewissen Zeit kontinuierlich weiterfließt.

Das ist in der Natur nicht anders: Vor allem in ariden Gegenden wird dies deutlich. Nach längerer Trockenzeit beginnt es endlich zu regnen. Zunächst prallen die dicken Tropfen an der verbackenen Erde ab. Nach und nach bilden sich erst Rinnsale, die breiter werden und jede erreichbare Bodensenke füllen. Das aber reicht nicht aus, das Wasser zu bremsen. Rasch werden sich Bäche und Flüsse bilden, die zunächst der Landschaft folgen, die dem Wasser durch die Unebenheiten des Geländes Widerstände entgegensetzt. Die Unebenheiten legen durch ihre Höhe den Lauf des Wassers fest. Hört es auf zu regnen, dörrt das Flußbett wieder aus. Erst in der nächsten Regenperiode wird sich das Schauspiel wiederholen. So scheint es.

Aber das Schauspiel wird sich nicht wiederholen. Wenn sie nach dem ersten Regenguß eine Photo machen und es mit dem Zustand nach dem nächsten vergleichen, werden Sie feststellen, daß alles ganz anders aussieht. Das Wasser hatte durch seine Kraft die Landschaft verändert. Der nächste Regenguß muß daher in anderen Bahnen verlaufen als der gegenwärtige. Aber wir nehmen das im allgemeinen nicht wahr. Manche Veränderungen nehmen wir nicht wahr, weil wir sie nicht erwarten, andere verlaufen für uns so unendlich langsam, daß wir nicht lange genug leben, um eine Veränderung feststellen zu können. Nicht umsonst sprechen wir davon, ein Fluß habe eine Landschaft geprägt. Intuitiv haben wir damit einen zutreffenden Sachverhalt erfaßt.

Das Wasser verändert im Laufe der Zeit den Flußlauf. Geländeunebenheiten, die zuvor außerhalb der Reichweite des Flusses lagen, werden plötzlich für diesen relevant, weil sie bei einer nderung des Flußlaufs den Wasserspiegel überragen und damit dem Wasser neue Widerstände entgegensetzen. Auch diese wird das Wasser im Laufe der Zeit abtragen… Diese Geschichte ließe sich nahezu unendlich fortsetzen. Als Quintessenz läßt sich festhalten, daß es der Fluß ist, der sich seinen Weg bahnt. Nicht die Widerstände sind es, die ihm diesen Weg unverrückbar vorschreiben.

Der unmittelbare Augenschein gaukelt uns also lediglich vor, ein statisches Element namens Widerstand „reguliere“ die beiden dynamischen Größen Spannung bzw. Druckdifferenz und Fluß.

Diese scheinbare Wirklichkeit wurde dem Bestreben des Menschen zugrundegelegt, als man Flüsse „begradigte“ und in Betonrinnen quetschte. Die Folgen der Verkennung des tatsächlichen Sachverhalts sind heute unter dem Begriff „Hochwasserkatastrophen“ bekannt. Die Vermutung, daß auch bei der bisherigen wissenschaftlichen Betrachtung der Evolution eine Wahrnehmungstäuschung die Theorie beeinflußt haben könnte, ist nicht von der Hand zu weisen:

Wir haben drei Größen vor uns, die sich gegenseitig beeinflussen und nebenbei auch Einflüssen von außen unterliegen. Drei Variable also bestimmen das System. Aus einem anderen höchst dynamischen Zusammenhang, der auf den ersten Blick mit der Natur nichts zu tun hat, sind uns drei Parameter gut bekannt, denn Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, so sagt man. Dieser Satz gilt als Grundgesetz der Marktwirtschaft. Betrachten wir uns das einmal genauer:

Um Marktwirtschaft zu betreiben, brauche ich ein Angebot. Gut, ich kaufe mir einen Marktstand und biete Brötchen feil. Ist das bereits ein Angebot? – Wenn ich den Stand mitten in der Wüste aufbaue, wo alle zwei Jahre eine Menschenseele vorbeikommt, sicher nicht. Stelle ich mich mit dem Stand an eine Bushaltestelle, sieht die Sache schon anders aus. Voraussetzung für ein Angebot im wirtschaftlichen Sinne ist also ein korrespondierender Bedarf. – Den Bedarf oder das „Bedürfnis“ als Motor der Wirtschaft erkannte bereits Aristoteles.1 – Hier finden wir das Spannungsverhältnis, das wir von Wasser und Strom her kennen, wieder. Die Nachfrage ist ebenfalls eine dynamische Größe. „Ich hätte gerne fünf Brötchen,“ das ist die Nachfrage. Daß der Preis dem Widerstand entspricht, ergibt sich aus folgender berlegung: Verkaufe ich die Brötchen für fünf Mark das Stück, ist die Nachfrage sehr gering. Biete ich sie zu einem Preis von einem Pfennig an, habe ich reißenden Absatz. Der Preis ist aber nicht als absolute Größe anzusehen. Auch wenn das Brötchen nur einen Pfennig kostet, kann dieser Preis sehr hoch sein. Wer keinen Pfennig hat, kann sich eben kein Brötchen kaufen. Und haben sehr viele keinen Pfennig, nennt man das Wirtschaftskrise. Dann wird die Spannungsdifferenz zwischen Angebot und Bedarf groß. Der Widerstand schlägt gelegentlich durch, es kommt zu Plünderungen. – Sie sehen an diesem einfachen Beispiel, wie hochkomplex die wirtschaftlichen Zusammenhänge sind, weil sich Angebot, Nachfrage und Preis nicht nur gegenseitig beeinflussen, sondern ihrerseits von einer Vielzahl anderer Faktoren abhängig sind.

Ein anderes Beispiel: Alljährlich beginnt im Frühjahr der erbitterte Kampf ums Dasein. Er wird ausgefochten zwischen den Liebhabern eines englischen Rasens und Lebewesen, zu denen das gemeine Gänseblümchen gehört. Es beginnt die Zeit der -zide. Herbizide, Fungizide, Pestizide und Insektizide, das sind die hauptsächlichen chemischen Waffen, die der zivilisierte Mensch zur Abwehr des gemeinen Gänseblümchens und seiner Alliierten erfunden hat. Denn diese sind, eben weil es Frühjahr ist, zur Großoffensive gegen die gottgewollte Ordnung des englischen Rasens angetreten.

Der zivilisierte Mensch schwärmt in die Baumärkte aus und deckt sich mit -ziden ein. Der Bedarf ist da, das Angebot ist da, die Nachfrage ist hoch, der Preis für Unkraut-Ex auch.

Schauen wir uns an, wie es im Herbst aussieht. Dann hat der zivilisierte Mensch nach mehrmonatigem Einsatz von Chemiewaffen den Eindruck gewonnen, im Kampf gegen die Gänseblümchen endlich einen Sieg errungen zu haben. – Die Nachfrage nach -ziden läßt relativ rasch nach. Nun sollte man erwarten, daß der Preis für -zide sinkt. Das aber tut er nicht. -Warum? – Aufgrund der Wachstums- und Ruheperioden in der Natur ist etwas geschehen, das dem Zusammenbrechen der Spannung entspricht, denn einen Bedarf für -zide gibt es im Winter kaum. – Die Batterie ist leer.

Erst im nächsten Frühling, wenn das gemeine Gänseblümchen sich erdreistet, das Farbempfinden der Besitzer eines englischen Rasens zu stören, wird die Batterie erneut aufgeladen.

Das weiß die chemische Industrie, deswegen ist der fehlende Absatz der Produkte in den Wintermonaten einkalkuliert. – Nicht nur Angebot und Nachfrage, auch das gemeine Gänseblümchen bestimmt den Preis! – Die Evolution hat also unmittelbaren Einfluß auf die Wirtschaft.

Auch in der Marktwirtschaft sind also unsere drei Variablen zu finden, die sich gegenseitig beeinflussen. Ihr Zusammenwirken ist das, was der Nationalökonom Adam Smith als „unsichtbare Hand“ bezeichnet: „Wenn jeder seine Erwerbstätigkeit so ausrichtet, daß die Größte Wertschöpfung erfolgt, denkt er nur an seinen eigenen Vorteil, und dabei wird er, wie in vielen anderen Fällen auch von einer unsichtbaren Hand geleitet, einem Zweck zu dienen, der nicht in seiner Absicht lag.“ Diese unsichtbare Hand wird auch als ökonomische Vernunft bezeichnet. Nach mehr als zweihundert Jahren geisterhaften Daseins hat die unsichtbare Hand Profil gewonnen, sie ist ein Aspekt des deterministischen Chaos, Fingerabdruck eines sogenannten nichtlinearen dynamischen Systems. Es ist also durchaus kein Wunder, daß es Wirtschaftwissenschaftler mit ihren Prognosen ähnlich schwer haben wie Meteorologen. Das System entzieht sich der exakten Berechnung.

1Nikomachische Ethik, Ethische Tugenden: Gerechtigkeit: „(…)Dem Verhältnis des Baumeisters zum Schuster entspricht es also, daß soundso viel Schuhe auf ein Haus kommen; dem des Schusters zum Bauern, daß soundso viel Schuhe auf ein bestimmtes Quantum von Lebensmitteln kommen. Ohne diese Proportionalität gäbe es weder den Austausch noch Gemeinschaft. Und diese können nur bestehen, wenn in gewissem Sinn Gleichheit herbeigeführt wird. Es muß also, wie gesagt, eine Einheit geben, an der man alles messen kann. Diese ist in Wahrheit das Bedürfnis, das alles zusammenhält. Denn wenn die Menschen keine Bedürfnisse hätten und nicht in der gleichen Weise, so würde es entweder keinen Austausch geben oder nur einen ganz ungleichen.“ – zitiert nach W. Nestle, Aristoteles Hauptwerke, Stuttgart 1941, S 259f, Hervorhebung im Original)

Sie finden den von mir verfaßten Originaltext unter https://www.triboox.de/manuskripte/australopithecus-superbus/zmRm24GGadEe/

Gibt es wirklich eine „EURO-Krise? – Ist es nicht vielmehr die Krise aller „Staaten“, die nicht deswegen „pleite“ sind, weil sie ihre laufenden Verbindlichen nicht mehr bezahlen können? – Sind sie nicht vielmehr deswegen „pleite“, absolut „platt“, weil sie heillos „überschuldet“ sind. – Überschuldet aber waren sie schon bei Einführung des Euro. – Schon damals waren sie nicht in der Lage, ohne neue Kredite die laufenden Kreditkosten zu decken. – Der „Point of no-return“ war 2002 für alle schon längst überschritten. – Es war also nur noch eine Frage der Zeit, bis die Überschuldung sich als „Zahlungsunfähigkeit“ auswirken würde. – Und in dieser Phase sind wir jetzt. – Das aber hat mit der „Währungseinheit“, unter der man Schiffbruch erleidet, nichts zu tun. – Auch mit einer neu etablierten D-Mark wird die „BRD“ niemals in der Lage sein, ihre Schulden zu begleichen. – Deutschland ist und bleibt „PLEITE“

Und jetzt droht auch noch die „unabhängige“ Europäische Zentralbank damit, die „Notenpresse“ anzuwerfen. – Schlimmer kann man die „Urangst“ der Deutschen vor Inflation nicht herausfordern. – Und selbst eine „neue“ „Hyperinflation“ könnte die „Staaten“ Europas nicht retten.


Ratingagenturen – den „Weisen“ ins Revier gepinkelt

Oktober 1, 2011

US-Börsenaufsicht wirft Ratingagenturen Mängel vor | tagesschau.de.

Manchmal kann es ganz nützlich sein, die Festplatte aufzuräumen. So eine Festplatte hat manchmal „Dachbodenfuktion“. – Man findet in einer alten Kiste eine Notiz, , die man schon lange vergessen hatte. – Und siehe da, manchmal erweist sie sich als hochaktuell. – Nachfolgende Notiz stammt vom 28.4.2005:

Beginn des Zitats:
Die Hiobsbotschaften häufen sich: In der „Wirtschaft“ werden exorbitante Gewinne erzielt und trotzdem Arbeitsplätze abgebaut. Franz Müntefering, der unlängst gefordert hatte, dem „Staat“ mehr Geld zu geben, entpuppt sich als Killerdackel, denn zu mehr als zur Wadenbeißerei ist er nicht fähig.
In der ganzen Diskussion zeigt sich, daß mit Schlagworten um sich geworfen wird, die letztlich keinen Inhalt haben. So konnte denn die „Volkswirtschaftlehre“ still und sanft entschlafen, ohne daß es jemand gemerkt hätte. Eingeschläfert wurde sie an der Universität Zürich, genauer gesagt vom Institute for Emperical Research in Economics. Eine der grundlegenden Arbeiten wurde von Armin Falk als Working Paper Nr 79 unter dem Titel „Homo Oeconomicus versus Homo Reciprocans“ veröffentlicht. Danach entspricht die absolute Mehrheit der Menschen nicht dem Standardmodell der Wirtschaftswissenschaften, die den Menschen für ein streng rational handelnden und nur auf den eigenen Vorteil bedachtes Wesen hält. Die Lehren vor Volks- und Betriebswirtschaft sind ausnahmslos auf dieser Prämisse aufgebaut. Stimmen aber die Prämissen nicht, ist die Lehre falsch.
Ich wußte nichts von den Forschungsarbeiten der Schweizer Volkswirte, als ich 1999 begann, den Tausch-und-teile-Instinkt aus alten Mythen, Berichten über das Verhalten von Schimpansen und dem Bürgerlichen Gesetzbuch zu extrahieren. Konfuzius und Aristoteles waren vor langer Zeit auch auf diesen Instinkt gestoßen, ohne ihn aber einordnen zu können, weil für sie der Begriff „Instinkt“ noch in ferner Zukunft lag. Das alles hier näher auszuführen, würde zu weit führen, aber ich kann Ihnen versichern, daß Abel lebt. Er mußte nur in der alttestamentarischen Erzähltradition sterben, weil das alttestametarische Israel eine voll entwickelte Sklavenhaltergesellschaft war. Und Sklaverei ist nun einmal eine eklatante Frustration des Tausch-und-teile-Instinkts.
>>Als ob es eine Ironie des Schicksals gäbe, spiegeln gerade die kulturell vorgegebenen Tötungsweisungen reziprokes Verhalten wider: Auge um Auge, Zahn um Zahn.
Die Todesstrafe, die Blutrache, die „Vergeltungswaffen“ V-1 und V-2, die „Vergeltung“ Israels für palästinensische Terrorangriffe und die „Vergeltung“ Amerikas für das zerstörte World-Trade-Center durch Krieg gegen den Irak haben im reziproken Verhalten ihren Ursprung. Und als hätte es der „moderne“ Mensch nicht schwer genug, aber hier fällt ihm reziprokes Verhalten leichter als beim Zahlen fairer Löhne für ordentliche Arbeit.
Hier redet man seit Adam Smith  Kain das Wort. Der alte Früchtefresser, der nichts abgeben will, gewann in der Wirtschaft die Oberhand, obgleich sowohl die klassische chinesische Philosophie als auch die griechische das reziproke Verhalten als Grundlage der Wirtschaft erkannt hatten. Der kindliche Nachahmungstrieb wird wieder einmal Pate gestanden haben. Im Absolutismus gab es nur einen, der sich die Taschen nach Belieben auf Kosten anderer füllen durfte. Nach dem Abschütteln des absolutistischen Jochs konnte im Prinzip jeder diese Rolle übernehmen. Das Echo des Absolutismus, die starren Grenzen zwischen den Bevölkerungsschichten  bildete den Nährboden für das aufstrebende Bürgertum. Seit  Generationen kannten die Menschen in Europa nichts anderes, als daß die höheren Schichten die jeweils niederen ausplünderten.
Auf diesen Nährboden fiel 1859 Charles Darwins Arbeit „Die Entstehung der Arten  durch natürliche Zuchtwahl“. Darwins unvermeidlicher Fehler, der „natürlichen Zuchtwahl“ oder „Selektion“ den aktiven Part im Evolutionsgeschehen zuzubilligen, mündete nach kurzer Zeit in den „Sozialdarwinismus“. Und dieser wiederum führte Schnurstracks an die „Selektionsrampe“ von Auschwitz. Auf unserer Skala macht das gerade einmal eine Zigarettenlänge aus. Nahezu zeitgleich mit Darwin erschien Karl Marx auf der Weltbühne und stellte seine Theorien vor. Auch der Marxismus blieb von Darwin nicht unbeeinflußt. Denn der „Kampf ums Dasein“ als Grundlage des Lebens eint Kapitalismus und Kommunismus. Die „Arbeit“ fing an, mit dem „Kapital“ um die Macht zu rivalisieren. Man darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen, daß die NSDAP nicht von „Kapitalisten“ gegründet worden war, sondern von Hoffnunglosen, die die Abschlachtungsorgie des ersten Weltkrieges überlebt hatten. Der erste Weltkrieg war zu Beginn noch eine Art Familienfehde“ der europäischen Fürstenhäuser gewesen. Der „Kampf ums Dasein“ der Weltmodelle gipfelte in den Abschlachtungsorgien des zweiten Weltkriegs, den Abschlachtungsorgien der chinesischen Kulturrevolution und den Abschlachtungsorgien in Südostasien. Vietnam, Laos, Kamboscha.
Das alles mit rationalen Argumenten nicht erklärbar, denn das Scheitern des Kommunismus hatte bereits Aristoteles  erkannt  Bezüglich des Gemeineigentums an Land und Erträgen schreibt er:
„Wenn die Leute, die die Felder bebauen, andere sind (als die Staatsbürger), dann ist es etwas anderes  und die Sache geht leichter; wenn aber die Bürger für sich selbst arbeiten, dann wir der Kommunismus große Schwierigkeiten mit sich bringen. (…) Dagegen wird der Egoismus mit Recht getadelt. Denn dieser besteht nicht darin, daß man sich selbst liebt, sondern daß man sich mehr liebt als man darf: geradeso tadelt man die Habsucht, obwohl jeder etwas zu haben liebt. Es gewährt ja doch auch große Freude, Freunden oder Fremden oder Bekannten zu helfen oder einen Dienst zu erweisen. Das aber ist nur möglich unter der Voraussetzung des Priavteigentums (Älteste Politik, Kap. 2)
Im vorletzten Satz läßt Aristoteles die Neigung zu reziprokem Verhalten anklingen, dessen Wert für das Zusammenleben er in seiner Nikomachischen Ethik nicht zuletzt durch die Worte unterstreicht:
„Allerdings bewährt sich die wiedervergeltende Gerechtigkeit in allem auf Gegenseitigkeit beruhenden Verkehr eine zusammenhaltende Kraft, aber nach dem Grundsatz der Proportionalität und nicht der Gleichheit. Denn dadurch, daß er verhältnismäßig Vergeltung ausübt, erhält sich der Staat. Denn entweder versucht man das Böse zu vergelten, weil man ohne das keinen Staat, sondern einen Zustand der Sklaverei hätte, oder das Gute, weil ohne das keine Mitteilung des Guten stattfinden würde, worauf doch die Volksgemeinschaft beruht“ (Nikomachische Ethik, Ethische Tugenden: Gerechtigkeit)
Die konfuzianische Lehre erschließt sich nicht so einfach durch den Ur-Text wie bei Aristoteles, da Konfuzius selbst keine Schriften hinterlassen hat. Ein Bestandteil der konfuzianischen Lehre ist ren, welches „Fähigkeit zur Integration in die Gemeinschaft“ und  „Mit-Menschlichkeit“  bedeutet.
In Kapitel XII,22 finden wir den Satz:
(Der Schüler) Fan Chi wollte wissen, was sittliches Verhalten (ren) sei.
Konfuzius antwortete: „Die Menschen lieben.“
Die Menschen lieben, das heißt sich selbst zurücknehmen, sich eben nicht selbst lieben, sondern Eigensucht und Egoismus ablegen und die Expansion des Ego verhindern. (…) Das Verfahren, in welchem ren umgesetzt wird, ist shu, oft als „gegenseitige Rücksichtnahme“. „Reziprozität“ übersetzt. Wir verstehen die folgende Textstelle aus XII, 2 als Erklärung:
„Was du selbst nicht wünschst, das tue auch anderen nicht an.“
Auffällig ist die negative Formulierung dieses Grundsatzes, bei der nicht davon ausgegangen wird, daß das, was für einen selbst gut ist, auch für andere gut sein muß; sie bedeutet damit eine stärkere Zurücknahme des Ego im Verhältnis zu einer positiven Formulierung. (Moritz, Ralf, Konfuzius „Gespräche“, Stuttgart 1998, S. 193f
Also stellt auch bei Konfuzius das reziproke Verhalten eines der wichtigsten Verhaltensmuster dar, das für ein geordnetes menschliches Miteinander unabdingbar ist. Aber weder die Kaiser noch die Diktatoren Chinas wollten diesen Teil der konfuzianischen Lehre in die Tat umsetzen.
Weder im Kommunismus noch im Kapitalismus, vor allem in seiner heutigen Gestalt des Shareholder-Value-Kapitalismus hat reziprokes Verhalten seinen Platz. Es ist aber auch aus Sicht der menschlichen Evolution unabdingbar. Deswegen ist der Shareholder-Value-Kapitalismus ebenso zum Scheitern verurteilt wie der Kommunismus. Die Frage ist nur, unter welchen Turbulenzerscheinungen er zugrunde gehen wird.
Das über die Jahrmillionen herausgebildete reziproke Verhalten des Menschen ging nur zu einem geringen Teil verloren, aber das reichte aus, die Welt auf den Kopf zu stellen. Die explosive Verbreitung des Crô-Magnon-Typs trug der Evolution erneut eine turbulente Phase ein, von der niemand sagen kann, wann sie abgeschlossen sein wird. Jeder von uns ist Teil und Zeuge dieses Prozesses. Eines ist allerdings mit Sicherheit auszuschließen: es wird nie gelingen, einen „perfekten“ Menschen zu „züchten“ oder gar durch Genmanipulation zu „kreieren“. Die Evolution läßt sich nicht überholen, und wenn wir es übertreiben, wird sie uns ad acta legen. Und es wird niemand geben, der sich für die Spuren, die wir hinterlassen, interessieren wird. So einfach ist das.
– So einfach vollzog sich die Evolution des Menschen. Aber sie ist noch nicht an ihrem Endpunkt angelangt. Wir dürfen gespannt sein, wie sie weitergeht. Trotz allen gegenteiligen Beteuerungen führender Politiker hängt es nicht von uns ab, wie es mit der Menschheit weitergeht. Im Positiven wie im Negativen sind wir zu unbedeutende Lebewesen, als daß sich die Evolution in ihrem Wirken davon großartig beeinflussen ließe. Die Tendenz ist freilich unverkennbar: Alles in der Natur strebt nach Selbstähnlichkeit und Harmonie, nach gleichmäßiger Energieverteilung. Ohne dieses Streben gäbe es keinen osmotischen Druck, ohne osmotischen Druck kein Leben. Die durch das Ungleichgewicht der Energieverteilung bewirkten Ströme sind es, die uns am Leben halten. Wie der Mensch im Alltagsleben nicht mit dem Feuerzeug in den Benzintank hineinleuchten sollte, wie er vermeiden sollte, Stromkreise kurzzuschließen, so muß er dafür Sorge tragen, daß die innerartlichen Energieströme in den Bahnen des Handels und Wandels fließen und nicht durch Plünderung und Krieg wirkungslos verpuffen. Die Prinzipien der Evolution lassen sich durch menschliches Handeln nicht aushebeln. Wir werden uns diesen beugen müssen, es sei denn, wir entschließen uns in einem demokratischen Prozeß für den gemeinschaftlichen Untergang der Menschheit.
Dazu wird es jedoch nicht kommen, denn  vielleicht ist es ja wirklich so, wie Hoimar von Ditfurth vor mehr als dreißig Jahren schrieb:
Bei ihren Versuchen, Pflanzen in Atmosphären künstlicher, „nichtirdischer“ Zusammensetzung aufzuziehen, machten  amerikanische Raumfahrtbiologen jüngst eine bemerkenswerte Entdeckung. Ihre Schützlinge gediehen am besten nicht etwa in der gewöhnlichen Luft, die wir auf der Erde atmen, sondern in einem experimentell erzeugten Gasgemisch. Am üppigsten wucherten Tomaten, Blumen und andere Alltagsgewächse dann, wenn man das Sauerstoffangebot auf etwas weniger als die Hälfte reduzierte und gleichzeitig den CO2-Anteil  – normalerweise nur 0,3% – kräftig erhöhte.
Dieses Resultat erscheint zunächst einmal deshalb bemerkenswert, weil es eine geläufige und ohne großes Nachdenken für selbstverständlich gehaltene Ansicht als Vorurteil entlarvt, die Ansicht nämlich, die auf der Erde herrschenden Bedingungen seinen für alle hier existierenden Lebensformen optimal. Aber die Bedeutung des Befundes der amerikanischen Biologen reicht darüber weit hinaus. Ihr Experiment erweist sich bei näherer Betrachtung als ein Exempel für die von vielen Zeitgenossen noch immer nicht erkannte Tatsache, daß die Menschen heute erst die Erde wirklich kennenlernen, da sie sich anschicken, sie zu verlassen. Erst die Beschäftigung mit dem, was jenseits der Erde liegt, gibt uns die Möglichkeit, zu begreifen, was uns als alltägliche Umwelt umgibt.
Pflanzen setzen bei der Photosynthese Sauerstoff frei. Ohne Pflanzenwelt wäre der Sauerstoffvorrat der Erdatmosphäre innerhalb von etwa drei Jahrhunderten verbraucht, wäre die Erde nach dieser Zeit für Menschen unbewohnbar. Die Versuche der Exobiologen erinnern uns nun daran, daß auch das Umgekehrte gilt. Bevor die Pflanzen auf der Erdoberfläche erschienen, war die Erdatmosphäre praktisch frei von Sauerstoff. Als die Pflanzen ihn zu erzeugen begannen, gab es noch niemanden, dem er hätte nützen können. Er war Abfall. Dieser Abfall reicherte sich  in der Atmosphäre unseres Planeten mehr und mehr an bis zu einem Grad, der die Gefahr heraufbeschwor, daß die Pflanzen in dem von ihnen selbst erzeugten Sauerstoff würden ersticken müssen. Der Versuch der Exobiologen zeigt, wie nahe die Entwicklung dieser Gefahrengrenze tatsächlich schon gekommen war.
In dieser kritischen Situation holte die Natur zu einer gewaltigen Anstrengung aus. Sie ließ eine Gattung ganz neuer Lebewesen entstehen, deren Stoffwechsel just so beschaffen war, daß sie Sauerstoff verbrauchten. Während wir gewohnt sind, die Pflanzen einseitige als die Lieferanten des von Tieren und Menschen benötigten Sauerstoffs anzusehen, verschafft uns die Weltraumforschung hier eine Perspektive, die uns das gewohnte Bild aus einem ganz anderen Blickwinkel zeigt.: Wir stehen unsererseits im Dienste pflanzlichen Lebens, das in kurzer Zeit erlöschen würde, besorgten wir und die Tiere nicht laufend das Geschäft der Beseitigung des als Abfall der Photosynthese entstehenden Sauerstoffs
Wenn man auf diesen Aspekt der Dinge erst einmal aufmerksam geworden ist, glaubt man, noch einen anderen seltsamen Zusammenhang zu entdecken. Die Stabilität der wechselseitigen Partnerschaft zwischen dem Reiche pflanzlichen Lebens und dem von Tier und Mensch ist ganz sicher nicht so groß, wie es die Tatsache vermuten lassen könnte, daß sie heute schon seit mindestens einer Milliarde Jahre besteht. Es gibt viele Faktoren, die ihr Gleichgewicht bedrohen. Einer von ihnen ist der Umstand, daß ein beträchtlicher Teil des Kohlenstoffs, der für den Kreislauf ebenso notwendig ist wie Sauerstoff – keine Photosynthese ohne CO2 –, von Anfang an dadurch verlorengegangen ist, daß gewaltige Mengen pflanzlicher Substanz nicht von Tieren gefressen, sondern in der Erdkruste abgelagert und von Sedimenten zugedeckt wurden. Dieser Teil wurde dem Kreislauf folglich laufend entzogen, und zwar, so sollte man meinen, endgültig.
Wieder aber geschieht etwas sehr Erstaunliches: In eben dem Augenblick – in den Proportionen geologischer Epochen –, in dem der systematische Fehler sich auszuwirken beginnt, erscheint wiederum eine neue Lebensform und entfaltet eine Aktivität, deren Auswirkungen die Dinge wie beiläufig wieder ins Lot bringen. Homo faber tritt auf und bohrt tiefe Schächte in die Erdrinde, um den dort begrabenen Kohlenstoff wieder an die Oberfläche zu befördern und durch Verbrennung dem Kreislauf von neuem zuzuführen.
Manchmal wüßte man wirklich gern, wer das Ganze programmiert. (Hoimar v. Ditfurth, Zusammenhänge, Reinbek 1979, S. 18ff)
Wer das Ganze programmiert? – Das Ganze! – Aber das Ganze „programmiert“ nicht. Es wirkt, aber keiner wird je erfahren, wie. Eines jedenfalls steht fest, der 2. Hauptsatz der Thermodynamik duldet auf Dauer keine Energiekonzentrationen an einem Ort. Wie wir gesehen haben, bilden Feuer, Wasser; Luft, Erdball und Zellen ein Gesamtsystem. Keines dieser Teilsysteme kann mehr oder gänzlich andere Eigenschaften haben als das Gesamtsystem selbst, auch der Mensch nicht.
Aus diesem Grunde ist es nicht so falsch, was am Anfang des Dekalogs gesagt wird:
Ich bin der Herr!
Und die Vorstellung der alten Griechen, Göttervater Zeus schleudere die Blitze zur Erde, ist ebenfalls nicht ganz unrichtig. Denn es ist der 2.Hauptsatz der Thermodynamik, die Trennung elektrischer Ladungen anläßlich eines Gewitters wieder aufhebt. Damit läßt sich das 1. Gebot unschwer in eine physikalische Fassung bringen:
Wer vorsätzlich oder fahrlässig den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik verletzt, mißachtet oder im Einzelfall Für nicht anwendbar erklärt, kann Katastrophen unübersehbaren Ausmaßes für sich und andere bewirken.
Niemand macht uns das Recht streitig, die Wege der Natur zu erforschen. Aber das angemaßte Recht, die Natur zu beherrschen, wird, wenn wir nicht darauf verzichten, uns gnadenlos um die Ohren gehauen.
Das größte Spannungsverhältnis, das der Mensch je auf Erden erzeugt hat, hat er durch Einsperren ungeheurer Energien in die nuklearen Knallfrösche geschaffen. Kehren wir zum Anfang und zum Ohmschen Gesetz zurück: Wie lange können die Isolatoren der nach Entladung drängenden Energie standhalten. Wohlgemerkt, es geht nicht um die Frage, wie lange die Behälter bei guter Pflege halten; der Mensch mit seinen Entscheidungsalternativen ist Bestandteil der „Isolatoren“. Und er ist die entscheidende Schwachstelle im Gesamtsystem. Wie lange kann er die Finger noch weit genug vom „roten Knopf“ weglassen? – Wird es ihm gelingen, Atomwaffen zu delaborieren und das spaltbare Material für uns nutzbringend in Wärme umzurubeln?
Oder wird das eintreten, was anläßlich des „Militärschlags“ der NATO gegen Jugoslawien beinahen eingetreten wäre, demnächst Wirklichkeit:
Der Fehlwurf eines Bombers traf seinerzeit die chinesische Botschaft. Es bedurfte aller nur erdenklichen diplomatischen Anstrengungen, die chinesische Führung davon abzuhalten, dies als „feindseligen Akt“ zu betrachten und die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen
.Der arme Pilot, dem das Malheur passiert war, hatte dem Kaiser von China nur versehentlich „ins Revier gepinkelt“. Die „diplomatischen Kanäle“ waren intakt und haben gehalten. Was aber ist, wenn ein unpassendes „Bächlein“ über keinen diplomatischen Kanal mehr abfließen kann?  – Wenn der, dessen Hose naß wird, ähnlich borniert reagiert wie der Präsident der Vereinigten Staaten auf den 11.9.2001? << G. Altenhoff, Australopithecus Superbus Procrustes – der Mensch, ein Hologramm der Evolution, unv. Manuskript, 2001)
„Soziale Spannungen“ sind ganz in Ordnung. Ohne sie gäbe das Phänomen „Wirtschaft“ gar nicht. Aber diese Spannungen sind, in die Sprache der Elektrotechniker übersetzt, Niederspannungen. Lege ich an an ein Niederspannungssystem Hochspannung an, geht es unweigerlich kaputt. Und „soziale Hochspannung“ entsteht unweigerlich bei dauerhafter Verletzung des Tausch-und-teile-Instinkts. Sie entwickeln sich gerade jetzt unter unseren Augen, mitten in Deutschland.
Sie brauchen mir all das, was Sie gelesen haben, nicht zu glauben. Aber wenn Sie mir nicht glauben wollen, machen Sie zumindest folgendes Experiment: Verbinden Sie Ihre Modellbahnanlage unter Umgehung des Trafos unmittelbar mit dem 220 Volt-Netz. Aber informieren Sie bitte vorher die Feuerwehr, damit das Haus Ihrer Nachbarn nicht auch noch abfackelt.
Ich glaube nicht, daß es Ihnen aufgefallen ist, aber ich habe soeben – in aller Weltöffentlichkeit, denn das „Web“ ist die Weltöffentlichkeit – in das Revier eines „staatstragenden“ Wissenschaftszweigs hineingepinkelt.
Ende des Zitats.

Gier und Eigennutz, die findet man ohne Zweifel auch beim Menschen. – Aber Gier und Eigennutz als Verhaltensantrieb sind am Rande angesiedelt. – Sie gehören zur Normalität, bilden aber nicht das „Normal“. – Sie stehen am Rande der Normalverteilungskurve – wie auch die totale Selbstlosigkeit.
Was wir zur Zeit erleben, ist die Suche nach Halt in der Normalität, vor allem in den Ländern des „Nahen Ostens“.
In Europa versucht man, den Verfall von Gier und Eigennutz aufzuhalten. – Ein Unterfangen, das scheitern muß und das scheitern wird. – Börsen sind, vor allem seit der „Handel“ elektronisch gesteuert wird, nichts anderes mehr als giganitsche Spielautomaten.
Und unsere „Politiker“, die Alleskönner der Unfähigkeit, unterwerfen sich dem Urteil einiger „Rating-Agenturen“ wie die alten Griechen dem Urteil dem Orakel von Delphi.


Wie vorhersagbar ist die Wirtschaft?

September 1, 2011

Wie Forscher versuchen, die Wirtschaft vorherzusagen | tagesschau.de.

Hierzu sei anzumerken, daß die „Volkswirtschaftslehre“ eine „Lehre“ ist, und das sollte uns eine Lehre sein, denn mit „Wissenschaft“ hat sie soviel zu tun wie die katholische Kirche mit Astronomie – rein gar nichts:

Der unmittelbare Augenschein gaukelt uns also lediglich vor, ein statisches Element namens Widerstand „reguliere“ die beiden dynamischen Größen Spannung bzw. Druckdifferenz und Fluß.

Diese scheinbare Wirklichkeit wurde dem Bestreben des Menschen zugrundegelegt, als man Flüsse „begradigte“ und in Betonrinnen quetschte. Die Folgen der Verkennung des tatsächlichen Sachverhalts sind heute unter dem Begriff „Hochwasserkatastrophen“ bekannt. Die Vermutung, daß auch bei der bisherigen wissenschaftlichen Betrachtung der Evolution eine Wahrnehmungstäuschung die Theorie beeinflußt haben könnte, ist nicht von der Hand zu weisen:

Wir haben drei Größen vor uns, die sich gegenseitig beeinflussen und nebenbei auch Einflüssen von außen unterliegen. Drei Variable also bestimmen das System. Aus einem anderen höchst dynamischen Zusammenhang, der auf den ersten Blick mit der Natur nichts zu tun hat, sind uns drei Parameter gut bekannt, denn Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, so sagt man. Dieser Satz gilt als Grundgesetz der Marktwirtschaft. Betrachten wir uns das einmal genauer:

Um Marktwirtschaft zu betreiben, brauche ich ein Angebot. Gut, ich kaufe mir einen Marktstand und biete Brötchen feil. Ist das bereits ein Angebot? – Wenn ich den Stand mitten in der Wüste aufbaue, wo alle zwei Jahre eine Menschenseele vorbeikommt, sicher nicht. Stelle ich mich mit dem Stand an eine Bushaltestelle, sieht die Sache schon anders aus. Voraussetzung für ein Angebot im wirtschaftlichen Sinne ist also ein korrespondierender Bedarf. – Den Bedarf oder das „Bedürfnis“ als Motor der Wirtschaft erkannte bereits Aristoteles.(1) – Hier finden wir das Spannungsverhältnis, das wir von Wasser und Strom her kennen, wieder. Die Nachfrage ist ebenfalls eine dynamische Größe. „Ich hätte gerne fünf Brötchen,“ das ist die Nachfrage. Daß der Preis dem Widerstand entspricht, ergibt sich aus folgender Überlegung: Verkaufe ich die Brötchen für fünf Mark das Stück, ist die Nachfrage sehr gering. Biete ich sie zu einem Preis von einem Pfennig an, habe ich reißenden Absatz. Der Preis ist aber nicht als absolute Größe anzusehen. Auch wenn das Brötchen nur einen Pfennig kostet, kann dieser Preis sehr hoch sein. Wer keinen Pfennig hat, kann sich eben kein Brötchen kaufen. Und haben sehr viele keinen Pfennig, nennt man das Wirtschaftskrise. Dann wird die Spannungsdifferenz zwischen Angebot und Bedarf groß. Der Widerstand schlägt gelegentlich durch, es kommt zu Plünderungen. – Sie sehen an diesem einfachen Beispiel, wie hochkomplex die wirtschaftlichen Zusammenhänge sind, weil sich Angebot, Nachfrage und Preis nicht nur gegenseitig beeinflussen, sondern ihrerseits von einer Vielzahl anderer Faktoren abhängig sind.

Ein anderes Beispiel: Alljährlich beginnt im Frühjahr der erbitterte Kampf ums Dasein. Er wird ausgefochten zwischen den Liebhabern eines englischen Rasens und Lebewesen, zu denen das gemeine Gänseblümchen gehört. Es beginnt die Zeit der -zide. Herbizide, Fungizide, Pestizide und Insektizide, das sind die hauptsächlichen chemischen Waffen, die der zivilisierte Mensch zur Abwehr des gemeinen Gänseblümchens und seiner Alliierten erfunden hat. Denn diese sind, eben weil es Frühjahr ist, zur Großoffensive gegen die gottgewollte Ordnung des englischen Rasens angetreten.

Der zivilisierte Mensch schwärmt in die Baumärkte aus und deckt sich mit -ziden ein. Der Bedarf ist da, das Angebot ist da, die Nachfrage ist hoch, der Preis für Unkraut-Ex auch.

Schauen wir uns an, wie es im Herbst aussieht. Dann hat der zivilisierte Mensch nach mehrmonatigem Einsatz von Chemiewaffen den Eindruck gewonnen, im Kampf gegen die Gänseblümchen endlich einen Sieg errungen zu haben. – Die Nachfrage nach -ziden läßt relativ rasch nach. Nun sollte man erwarten, daß der Preis für -zide sinkt. Das aber tut er nicht. -Warum? – Aufgrund der Wachstums- und Ruheperioden in der Natur ist etwas geschehen, das dem Zusammenbrechen der Spannung entspricht, denn einen Bedarf für -zide gibt es im Winter kaum. – Die Batterie ist leer.

Erst im nächsten Frühling, wenn das gemeine Gänseblümchen sich erdreistet, das Farbempfinden der Besitzer eines englischen Rasens zu stören, wird die Batterie erneut aufgeladen.

Das weiß die chemische Industrie, deswegen ist der fehlende Absatz der Produkte in den Wintermonaten einkalkuliert. – Nicht nur Angebot und Nachfrage, auch das gemeine Gänseblümchen bestimmt den Preis! – Die Evolution hat also unmittelbaren Einfluß auf die Wirtschaft.

Auch in der Marktwirtschaft sind also unsere drei Variablen zu finden, die sich gegenseitig beeinflussen. Ihr Zusammenwirken ist das, was der Nationalökonom Adam Smith als „unsichtbare Hand“ bezeichnet: „Wenn jeder seine Erwerbstätigkeit so ausrichtet, daß die Größte Wertschöpfung erfolgt, denkt er nur an seinen eigenen Vorteil, und dabei wird er, wie in vielen anderen Fällen auch von einer unsichtbaren Hand geleitet, einem Zweck zu dienen, der nicht in seiner Absicht lag.“ Diese unsichtbare Hand wird auch als ökonomische Vernunft bezeichnet. Nach mehr als zweihundert Jahren geisterhaften Daseins hat die unsichtbare Hand Profil gewonnen, sie ist ein Aspekt des deterministischen Chaos, Fingerabdruck eines sogenannten nichtlinearen dynamischen Systems. Es ist also durchaus kein Wunder, daß es Wirtschaftwissenschaftler mit ihren Prognosen ähnlich schwer haben wie Meteorologen. Das System entzieht sich der exakten Berechnung.

Nichtlineare dynamische Systeme, das deterministische Chaos, wir finden es überall da, wo etwas fließt. In Ihrer Kaffeemaschine vor allem im Filter. Da der Filter so konstruiert ist, daß oben mehr Wasser hinein- als unten herausfließen kann, hat das Wasser die Möglichkeit, innerhalb bestimmter Grenzen „sich frei zu entfalten.“ Zwischen Abfluß und oberem Rand gestattet der Mensch dem Wasser, seine nichtlinearen Eigenschaften auszutoben.

Ich hatte bereits darauf hingewiesen, daß der Berg Kaffeemehl dadurch in ein Tal verwandelt wird. Das wird sich bei jeder neuen Kanne Kaffee wiederholen. Sie werden immer wieder das gleiche Muster entdecken; das können Sie auch jedes Mal fotografieren, aber spätestens dann werden Sie feststellen, daß die Rückstände im Filter zwar verblüffend ähnlich, aber nie exakt gleich verteilt sind.

Sie können die Körner abzählen, Sie können versuchen, die abgezählten Körner so aufzuschichten wie beim letztenmal. Sie können soviel Kaffee aufschütten, wie Sie wollen, das Tal des Kaffeesatzes wird niemals identisch sein mit einem der vorangegangenen. Nichtlineare dynamische Systeme sind, das lehrt uns Ihr Filter, sehr empfindlich gegenüber ihren Anfangszuständen. Das jedenfalls können wir aus dem Kaffeesatz lesen. –

1Nikomachische Ethik, Ethische Tugenden: Gerechtigkeit: „(…)Dem Verhältnis des Baumeisters zum Schuster entspricht es also, daß soundso viel Schuhe auf ein Haus kommen; dem des Schusters zum Bauern, daß soundso viel Schuhe auf ein bestimmtes Quantum von Lebensmitteln kommen. Ohne diese Proportionalität gäbe es weder den Austausch noch Gemeinschaft. Und diese können nur bestehen, wenn in gewissem Sinn Gleichheit herbeigeführt wird. Es muß also, wie gesagt, eine Einheit geben, an der man alles messen kann. Diese ist in Wahrheit das Bedürfnis, das alles zusammenhält. Denn wenn die Menschen keine Bedürfnisse hätten und nicht in der gleichen Weise, so würde es entweder keinen Austausch geben oder nur einen ganz ungleichen.“ – zitiert nach W. Nestle, Aristoteles Hauptwerke, Stuttgart 1941, S 259f, Hervorhebung im Original)

Soweit meine Ausführungen in Australopithecus Superbus.

Die jüngsten Krawalle in den Armenvierteln Ernglands sind nicht unbedingt ein  zwingender Beweis, aber doch ein starkes Indiz, daß sie nicht unvrhersehbar waren und sich an anderer Stelle wiederholen können.


Geht Deutschland pleite?

Oktober 12, 2008
Deutschland - er wartet!

Deutschland - er wartet!

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bullshit

Karaoke für die Geier

die deutsche Pleite

Bezüglich dieser Frage war die RHEINISCHE POST ausnahmsweise schneller als die BILD-Zeitung, denn die Headline erschien in der RP genau einen Tag früher als in der BILD. Das ändert nichts daran, daß in beiden Zeitungen die Frage nur halbwahrheitlich beantwortet wurde:

Weder im Kommunismus noch im Kapitalismus, vor allem in seiner heutigen Gestalt des Shareholder-Value-Kapitalismus hat reziprokes Verhalten seinen Platz. Es ist aber auch aus Sicht der menschlichen Evolution unabdingbar. Deswegen ist der Shareholder-Value-Kapitalismus ebenso zum Scheitern verurteilt wie der Kommunismus. Die Frage ist nur, unter welchen Turbulenzerscheinungen er zugrunde gehen wird.

Diese Sätze haben schon einige Jahre auf dem Buckel:

Anfang Mai 2004 wollte ich den nachfolgend wiedergegebenen Text bei OPINIO, der „Leserredaktion” der RHEINISCHEN POST unter dem Titel „Tod der Volkswirschaftslehre” posten. Die Redakteure meinten allerdings, der Text eigne sich nicht. – Nun ist er brutalstmögliche Realität. Der Shareholder-Value-Kapitalismus ist in genau die Turbulenzen geraten, die ich ihm seinerzeit ans Herz gelegt hatte. – Und jetzt läuft alle Welt laut gackernd der Asche hinterher, die der „rote Hahn” vom „guten” Geld hinterläßt. – Dabei kennen doch Merkel und Steinbrück die „Politik des verbrannten Geldes” nur zu gut. – Unter Merkels „Schirmherrschaft” wurden allein auf Rügen allein in den Jahren 1990 bis 1995 zig-Millionen Steuergelder verbraten, ohne daß sich die „Bonner Politik” groß darüber aufgeregt hätte. Den Augenzeugenbericht finden Sie bei www.lulu.com/advocatusdeorum unter dem Titel „Störtebekers Erben – Geschichten aus Merkels Leichenkeller” . Der Steinbrück hat in seiner Eigenschaft als Finanzminister und Ministerpräsident in der Kasse des Landes NRW ein größeres „schwarzes Loch” hinterlassen als die Physiker am CERN je schaffen können. – Wie dem auch sei, jetzt ist das apokalyptische Heulen und Zähneklappern nicht mehr zu überhören. – Merkwürdig, aber vor vier Jahren war die von Steinbrück verteufelte „Gier” noch beim SPD-Chef angesiedelt:

Die Hiobsbotschaften häufen sich: In der „Wirtschaft“ werden exorbitante Gewinne erzielt und trotzdem Arbeitsplätze abgebaut. Franz Müntefering, der unlängst gefordert hatte, dem „Staat“ mehr Geld zu geben, entpuppt sich als Killerdackel, denn zu mehr als zur Wadenbeißerei ist er nicht fähig. Er hat die Ausnahme vor Augen, prügelt aber auf die Regel ein. Das kann nicht gutgehen und wird auch nicht gutgehen. Aber das Getöse, das er damit ausgelöst hat, ist für einen ganz anderen Prozeß, der sich unterdessen abgespielt hat, vielleicht ganz hilfreich.

Denn die „Volkswirtschaftlehre“ konnte still und sanft entschlafen, ohne daß es jemand gemerkt hätte. Eingeschläfert wurde sich an der Universität Zürich, genauer gesagt vom Institute for Emperical Research in Economics. Eine der grundlegenden Arbeiten wurde von Armin Falk als Working Paper Nr 79 unter dem Titel „Homo Oeconomicus versus Homo Reciprocans“ veröffentlicht. Danach entspricht die absolute Mehrheit der Menschen nicht dem Standardmodell der Wirtschaftswissenschaften, die den Menschen für ein streng rational handelnden und nur auf den eigenen Vorteil bedachtes Wesen hält. Die Lehren vor Volks- und Betriebswirtschaft sind ausnahmslos auf dieser Prämisse aufgebaut. Stimmen aber die Prämissen nicht, ist die Lehre falsch.

Ich wußte nichts von den Forschungsarbeiten der Schweizer Volkswirte, als ich 1999 begann, den Tausch-und-teile-Instinkt aus alten Mythen, Berichten über das Verhalten von Schimpansen und dem Bürgerlichen Gesetzbuch zu extrahieren. Konfuzius und Aristoteles waren vor langer Zeit auch auf diesen Instinkt gestoßen, ohne ihn aber einordnen zu können, weil für sie der Begriff „Instinkt“ noch in ferner Zukunft lag. Das alles hier näher auszuführen, würde zu weit führen, aber ich kann Ihnen versichern, daß Abel den Mordanschlag seines Bruders überlebte. Er mußte nur in der alttestamentarischen Erzähltradition sterben, weil das alttestametarischen Israel eine voll entwickelte Sklavenhaltergesellschaft war. Und Sklaverei ist nun einmal eine eklatante Frustration des Tausch-und-teile-Instinkts.

>>Als ob es eine Ironie des Schicksals gäbe, spiegeln gerade die kulturell vorgegebenen Tötungsweisungen reziprokes Verhalten wider: Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Die Todesstrafe, die Blutrache, die „Vergeltungswaffen“ V-1 und V-2, die „Vergeltung“ Israels für palästinensische Terrorangriffe und die „Vergeltung“ Amerikas für das zerstörte World-Trade-Center durch Krieg gegen den Irak haben im reziproken Verhalten ihren Ursprung. Und als hätte es der „moderne“ Mensch nicht schwer genug, aber hier fällt ihm reziprokes Verhalten leichter als beim Zahlen fairer Löhne für ordentliche Arbeit.

Hier redet man seit Adam Smith Kain das Wort. Der alte Früchtefresser, der nichts abgeben will, gewann in der Wirtschaft die Oberhand, obgleich sowohl die klassische chinesische Philosophie als auch die griechische das reziproke Verhalten als Grundlage der Wirtschaft erkannt hatten. Der kindliche Nachahmungstrieb wird wieder einmal Pate gestanden haben. Im Absolutismus gab es nur einen, der sich die Taschen nach Belieben auf Kosten anderer füllen durfte. Nach dem Abschütteln des absolutistischen Jochs konnte im Prinzip jeder diese Rolle übernehmen. Das Echo des Absolutismus, die starren Grenzen zwischen den Bevölkerungsschichten bildete nach der Entmachtung des Adels den Nährboden für das aufstrebende Bürgertum. Seit Generationen kannten die Menschen in Europa nichts anderes, als daß die höheren Schichten die jeweils niederen ausplünderten.

Auf diesen Nährboden fiel 1859 Charles Darwins Arbeit „Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl“. Darwins unvermeidlicher Fehler, der „natürlichen Zuchtwahl“ oder „Selektion“ den aktiven Part im Evolutionsgeschehen zuzubilligen, mündete nach kurzer Zeit in den „Sozialdarwinismus“. Und dieser wiederum führte Schnurstracks an die „Selektionsrampe“ von Auschwitz. Auf unserer Skala ( 1 Jahr entspricht 1 Millimeter )macht das gerade einmal eine Zigarettenlänge aus. Nahezu zeitgleich mit Darwin erschien Karl Marx auf der Weltbühne und stellte seine Theorien vor. Auch der Marxismus blieb von Darwin nicht unbeeinflußt.

Denn der „Kampf ums Dasein“ als Grundlage des Lebens eint Kapitalismus und Kommunismus. (Es ist nicht auszuschließen, daß gerade der „Kampf ums Dasein” englischer Industriearbeiter im 19. Jahrhundert Darwin zu seiner Vorstellung vom Wirken der Evolution inspiriert hatte)

Die „Arbeit“ fing an, mit dem „Kapital“ um die Macht zu rivalisieren.

Man darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen, daß die NSDAP nicht von „Kapitalisten“ gegründet worden war, sondern von Hoffnunglosen, die die Abschlachtungsorgie des ersten Weltkrieges überlebt hatten. Der erste Weltkrieg war zu Beginn noch eine Art „Familienfehde“ der europäischen Fürstenhäuser gewesen. Der „Kampf ums Dasein“ der Weltmodelle gipfelte in den Abschlachtungsorgien des zweiten Weltkriegs, den Abschlachtungsorgien der chinesischen Kulturrevolution und den Abschlachtungsorgien in Südostasien. Vietnam, Laos, Kamboscha.

Das alles mit rationalen Argumenten nicht erklärbar, denn das Scheitern des Kommunismus hatte bereits Aristoteles erkannt. Bezüglich des Gemeineigentums an Land und Erträgen schreibt er:

Wenn die Leute, die die Felder bebauen, andere sind (als die Staatsbürger), dann ist es etwas anderes und die Sache geht leichter; wenn aber die Bürger für sich selbst arbeiten, dann wir der Kommunismus große Schwierigkeiten mit sich bringen. (…) Dagegen wird der Egoismus mit Recht getadelt. Denn dieser besteht nicht darin, daß man sich selbst liebt, sondern daß man sich mehr liebt als man darf: geradeso tadelt man die Habsucht, obwohl jeder etwas zu haben liebt. Es gewährt ja doch auch große Freude, Freunden oder Fremden oder Bekannten zu helfen oder einen Dienst zu erweisen. Das aber ist nur möglich unter der Voraussetzung des Priavteigentums (Älteste Politik, Kap. 2)

Im vorletzten Satz läßt Aristoteles die Neigung zu reziprokem Verhalten anklingen, dessen Wert für das Zusammenleben er in seiner Nikomachischen Ethik nicht zuletzt durch die Worte unterstreicht:

Allerdings bewährt sich die wiedervergeltende Gerechtigkeit in allem auf Gegenseitigkeit beruhenden Verkehr eine zusammenhaltende Kraft, aber nach dem Grundsatz der Proportionalität und nicht der Gleichheit. Denn dadurch, daß er verhältnismäßig Vergeltung ausübt, erhält sich der Staat. Denn entweder versucht man das Böse zu vergelten, weil man ohne das keinen Staat, sondern einen Zustand der Sklaverei hätte, oder das Gute, weil ohne das keine Mitteilung des Guten stattfinden würde, worauf doch die Volksgemeinschaft beruht“ (Nikomachische Ethik, Ethische Tugenden: Gerechtigkeit)

Die konfuzianische Lehre erschließt sich nicht so einfach durch den Ur-Text wie bei Aristoteles, da Konfuzius selbst keine Schriften hinterlassen hat. Ein Bestandteil der konfuzianischen Lehre ist ren, welches „Fähigkeit zur Integration in die Gemeinschaft“ und „Mit-Menschlichkeit“ bedeutet.

In Kapitel XII,22 finden wir den Satz:

(Der Schüler) Fan Chi wollte wissen, was sittliches Verhalten (ren) sei.

Konfuzius antwortete: „Die Menschen lieben.“

Die Menschen lieben, das heißt sich selbst zurücknehmen, sich eben nicht selbst lieben, sondern Eigensucht und Egoismus ablegen und die Expansion des Ego verhindern. (…) Das Verfahren, in welchem ren umgesetzt wird, ist shu, oft als „gegenseitige Rücksichtnahme“. „Reziprozität“ übersetzt. Wir verstehen die folgende Textstelle aus XII, 2 als Erklärung:

Was du selbst nicht wünschst, das tue auch anderen nicht an.“

Auffällig ist die negative Formulierung dieses Grundsatzes, bei der nicht davon ausgegangen wird, daß das, was für einen selbst gut ist, auch für andere gut sein muß; sie bedeutet damit eine stärkere Zurücknahme des Ego im Verhältnis zu einer positiven Formulierung. (Moritz, Ralf, Konfuzius „Gespräche“, Stuttgart 1998, S. 193f

Also stellt auch bei Konfuzius das reziproke Verhalten eines der wichtigsten Verhaltensmuster dar, das für ein geordnetes menschliches Miteinander unabdingbar ist. Aber weder die Kaiser noch die Diktatoren Chinas wollten diesen Teil der konfuzianischen Lehre in die Tat umsetzen.

Weder im Kommunismus noch im Kapitalismus, vor allem in seiner heutigen Gestalt des Shareholder-Value-Kapitalismus hat reziprokes Verhalten seinen Platz. Es ist aber auch aus Sicht der menschlichen Evolution unabdingbar. Deswegen ist der Shareholder-Value-Kapitalismus ebenso zum Scheitern verurteilt wie der Kommunismus. Die Frage ist nur, unter welchen Turbulenzerscheinungen er zugrunde gehen wird.

Das über die Jahrmillionen herausgebildete reziproke Verhalten des Menschen ging nur zu einem geringen Teil verloren, aber das reichte aus, die Welt auf den Kopf zu stellen. Die explosive Verbreitung des Crô-Magnon-Typs trug der Evolution erneut eine turbulente Phase ein, von der niemand sagen kann, wann sie abgeschlossen sein wird. Jeder von uns ist Teil und Zeuge dieses Prozesses. Eines ist allerdings mit Sicherheit auszuschließen: es wird nie gelingen, einen „perfekten“ Menschen zu „züchten“ oder gar durch Genmanipulation zu „kreieren“. Die Evolution läßt sich nicht überholen, und wenn wir es übertreiben, wird sie uns ad acta legen. Und es wird niemand geben, der sich für die Spuren, die wir hinterlassen, interessieren wird. So einfach ist das.

So einfach vollzog sich die Evolution des Menschen. Aber sie ist noch nicht an ihrem Endpunkt angelangt. Wir dürfen gespannt sein, wie sie weitergeht. Trotz allen gegenteiligen Beteuerungen führender Politiker hängt es nicht von uns ab, wie es mit der Menschheit weitergeht. Im Positiven wie im Negativen sind wir zu unbedeutende Lebewesen, als daß sich die Evolution in ihrem Wirken davon großartig beeinflussen ließe. Die Tendenz ist freilich unverkennbar: Alles in der Natur strebt nach Selbstähnlichkeit und Harmonie, nach gleichmäßiger Energieverteilung. Ohne dieses Streben gäbe es keinen osmotischen Druck, ohne osmotischen Druck kein Leben. Die durch das Ungleichgewicht der Energieverteilung bewirkten Ströme sind es, die uns am Leben halten. Wie der Mensch im Alltagsleben nicht mit dem Feuerzeug in den Benzintank hineinleuchten sollte, wie er vermeiden sollte, Stromkreise kurzzuschließen, so muß er dafür Sorge tragen, daß die innerartlichen Energieströme in den Bahnen des Handels und Wandels fließen und nicht durch Plünderung und Krieg wirkungslos verpuffen. Die Prinzipien der Evolution lassen sich durch menschliches Handeln nicht aushebeln. Wir werden uns diesen beugen müssen, es sei denn, wir entschließen uns in einem demokratischen Prozeß für den gemeinschaftlichen Untergang der Menschheit.

Dazu wird es jedoch nicht kommen, denn vielleicht ist es ja wirklich so, wie Hoimar von Ditfurth vor mehr als dreißig Jahren schrieb:

Bei ihren Versuchen, Pflanzen in Atmosphären künstlicher, „nichtirdischer“ Zusammensetzung aufzuziehen, machten amerikanische Raumfahrtbiologen jüngst eine bemerkenswerte Entdeckung. Ihre Schützlinge gediehen am besten nicht etwa in der gewöhnlichen Luft, die wir auf der Erde atmen, sondern in einem experimentell erzeugten Gasgemisch. Am üppigsten wucherten Tomaten, Blumen und andere Alltagsgewächse dann, wenn man das Sauerstoffangebot auf etwas weniger als die Hälfte reduzierte und gleichzeitig den CO2-Anteil – normalerweise nur 0,3% – kräftig erhöhte.

Dieses Resultat erscheint zunächst einmal deshalb bemerkenswert, weil es eine geläufige und ohne großes Nachdenken für selbstverständlich gehaltene Ansicht als Vorurteil entlarvt, die Ansicht nämlich, die auf der Erde herrschenden Bedingungen seinen für alle hier existierenden Lebensformen optimal. Aber die Bedeutung des Befundes der amerikanischen Biologen reicht darüber weit hinaus. Ihr Experiment erweist sich bei näherer Betrachtung als ein Exempel für die von vielen Zeitgenossen noch immer nicht erkannte Tatsache, daß die Menschen heute erst die Erde wirklich kennenlernen, da sie sich anschicken, sie zu verlassen. Erst die Beschäftigung mit dem, was jenseits der Erde liegt, gibt uns die Möglichkeit, zu begreifen, was uns als alltägliche Umwelt umgibt.

Pflanzen setzen bei der Photosynthese Sauerstoff frei. Ohne Pflanzenwelt wäre der Sauerstoffvorrat der Erdatmosphäre innerhalb von etwa drei Jahrhunderten verbraucht, wäre die Erde nach dieser Zeit für Menschen unbewohnbar. Die Versuche der Exobiologen erinnern uns nun daran, daß auch das Umgekehrte gilt. Bevor die Pflanzen auf der Erdoberfläche erschienen, war die Erdatmosphäre praktisch frei von Sauerstoff. Als die Pflanzen ihn zu erzeugen begannen, gab es noch niemanden, dem er hätte nützen können. Er war Abfall. Dieser Abfall reicherte sich in der Atmosphäre unseres Planeten mehr und mehr an bis zu einem Grad, der die Gefahr heraufbeschwor, daß die Pflanzen in dem von ihnen selbst erzeugten Sauerstoff würden ersticken müssen. Der Versuch der Exobiologen zeigt, wie nahe die Entwicklung dieser Gefahrengrenze tatsächlich schon gekommen war.

In dieser kritischen Situation holte die Natur zu einer gewaltigen Anstrengung aus. Sie ließ eine Gattung ganz neuer Lebewesen entstehen, deren Stoffwechsel just so beschaffen war, daß sie Sauerstoff verbrauchten. Während wir gewohnt sind, die Pflanzen einseitige als die Lieferanten des von Tieren und Menschen benötigten Sauerstoffs anzusehen, verschafft uns die Weltraumforschung hier eine Perspektive, die uns das gewohnte Bild aus einem ganz anderen Blickwinkel zeigt.: Wir stehen unsererseits im Dienste pflanzlichen Lebens, das in kurzer Zeit erlöschen würde, besorgten wir und die Tiere nicht laufend das Geschäft der Beseitigung des als Abfall der Photosynthese entstehenden Sauerstoffs

Wenn man auf diesen Aspekt der Dinge erst einmal aufmerksam geworden ist, glaubt man, noch einen anderen seltsamen Zusammenhang zu entdecken. Die Stabilität der wechselseitigen Partnerschaft zwischen dem Reiche pflanzlichen Lebens und dem von Tier und Mensch ist ganz sicher nicht so groß, wie es die Tatsache vermuten lassen könnte, daß sie heute schon seit mindestens einer Milliarde Jahre besteht. Es gibt viele Faktoren, die ihr Gleichgewicht bedrohen. Einer von ihnen ist der Umstand, daß ein beträchtlicher Teil des Kohlenstoffs, der für den Kreislauf ebenso notwendig ist wie Sauerstoff – keine Photosynthese ohne CO2 –, von Anfang an dadurch verlorengegangen ist, daß gewaltige Mengen pflanzlicher Substanz nicht von Tieren gefressen, sondern in der Erdkruste abgelagert und von Sedimenten zugedeckt wurden. Dieser Teil wurde dem Kreislauf folglich laufend entzogen, und zwar, so sollte man meinen, endgültig.

Wieder aber geschieht etwas sehr Erstaunliches: In eben dem Augenblick – in den Proportionen geologischer Epochen –, in dem der systematische Fehler sich auszuwirken beginnt, erscheint wiederum eine neue Lebensform und entfaltet eine Aktivität, deren Auswirkungen die Dinge wie beiläufig wieder ins Lot bringen. Homo faber tritt auf und bohrt tiefe Schächte in die Erdrinde, um den dort begrabenen Kohlenstoff wieder an die Oberfläche zu befördern und durch Verbrennung dem Kreislauf von neuem zuzuführen.

Manchmal wüßte man wirklich gern, wer das Ganze programmiert. (Hoimar v. Ditfurth, Zusammenhänge, Reinbek 1979, S. 18ff)

Wer das Ganze programmiert? – Das Ganze! – Aber das Ganze „programmiert“ nicht. Es wirkt, aber keiner wird je erfahren, wie. Eines jedenfalls steht fest, der 2. Hauptsatz der Thermodynamik duldet auf Dauer keine Energiekonzentrationen an einem Ort. Wie wir gesehen haben, bilden Feuer, Wasser; Luft, Erdball und Zellen ein Gesamtsystem. Keines dieser Teilsysteme kann mehr oder gänzlich andere Eigenschaften haben als das Gesamtsystem selbst, auch der Mensch nicht.

Aus diesem Grunde ist es nicht so falsch, was am Anfang des Dekalogs gesagt wird:

Ich bin der Herr!

Und die Vorstellung der alten Griechen, Göttervater Zeus schleudere die Blitze zur Erde, ist ebenfalls nicht ganz unrichtig. Denn es ist der 2.Hauptsatz der Thermodynamik, der die Trennung elektrischer Ladungen anläßlich eines Gewitters wieder aufhebt. Damit läßt sich das 1. Gebot unschwer in eine physikalische Fassung bringen:

Wer vorsätzlich oder fahrlässig den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik verletzt, mißachtet oder im Einzelfall Für nicht anwendbar erklärt, kann Katastrophen unübersehbaren Ausmaßes für sich und andere bewirken.

Niemand macht uns das Recht streitig, die Wege der Natur zu erforschen. Aber das angemaßte Recht, die Natur zu beherrschen, wird, wenn wir nicht darauf verzichten, uns gnadenlos um die Ohren gehauen.

Das größte Spannungsverhältnis, das der Mensch je auf Erden erzeugt hat, hat er durch Einsperren ungeheurer Energien in die nuklearen Knallfrösche geschaffen. Kehren wir zum Anfang und zum Ohmschen Gesetz zurück: Wie lange können die Isolatoren der nach Entladung drängenden Energie standhalten. Wohlgemerkt, es geht nicht um die Frage, wie lange die Behälter bei guter Pflege halten; der Mensch mit seinen Entscheidungsalternativen ist Bestandteil der „Isolatoren“. Und er ist die entscheidende Schwachstelle im Gesamtsystem. Wie lange kann er die Finger noch weit genug vom „roten Knopf“ weglassen? – Wird es ihm gelingen, Atomwaffen zu delaborieren und das spaltbare Material für uns nutzbringend in Wärme umzurubeln?

Oder wird das eintreten, was anläßlich des „Militärschlags“ der NATO gegen Jugoslawien beinahen eingetreten wäre, demnächst Wirklichkeit:

Der Fehlwurf eines Bombers traf seinerzeit die chinesische Botschaft. Es bedurfte aller nur erdenklichen diplomatischen Anstrengungen, die chinesische Führung davon abzuhalten, dies als „feindseligen Akt“ zu betrachten und die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen

Der arme Pilot, dem das Malheur passiert war, hatte dem Kaiser von China nur versehentlich „ins Revier gepinkelt“. Die „diplomatischen Kanäle“ waren intakt und haben gehalten. Was aber ist, wenn ein unpassendes „Bächlein“ über keinen diplomatischen Kanal mehr abfließen kann? – Wenn der, dessen Hose naß wird, ähnlich borniert reagiert wie der Präsident der Vereinigten Staaten auf den 11.9.2001? << G. Altenhoff, Australopithecus Superbus Procrustes – der Mensch, ein Hologramm der Evolution, unv. Manuskript, 2001)

Es würde an dieser Stelle zu weit führen, den zellulären Aufbau und die thermodynamische Natur des Phänomens „Wirtschaft“ näher zu erläutern. Ich verweise insoweit auf meine Ausführungen unter www.bundesadel.de.

„Soziale Spannungen“ sind ganz in Ordnung. Ohne sie gäbe das Phänomen „Wirtschaft“ gar nicht. Aber diese Spannungen sind, in die Sprache der Elektrotechniker übersetzt, Niederspannungen. Lege ich an an ein Niederspannungssystem Hochspannung an, geht es unweigerlich kaputt. Und „soziale Hochspannung“ entsteht unweigerlich bei dauerhafter Verletzung des Tausch-und-teile-Instinkts. Sie entwickeln sich gerade jetzt unter unseren Augen, mitten in Deutschland.

Sie brauchen mir all das, was Sie gelesen haben, nicht zu glauben. Aber wenn Sie mir nicht glauben wollen, machen Sie zumindest folgendes Experiment: Verbinden Sie Ihre Modellbahnanlage unter Umgehung des Trafos unmittelbar mit dem 220 Volt-Netz. Aber informieren Sie bitte vorher die Feuerwehr, damit das Haus Ihrer Nachbarn nicht auch noch abfackelt.

Ich glaube nicht, daß es Ihnen aufgefallen ist, aber ich habe soeben – in aller Weltöffentlichkeit, denn das „Web“ ist die Weltöffentlichkeit – in das Revier eines „staatstragenden“ Wissenschaftszweigs hineingepinkelt. Gut, daß die von „Münte“ angefachte Diskussion alle Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Sicher werden Sie jetzt fragen, wie man das Phänomen, das wir „Wirtschaft“ nennen, denn überhaupt wissenschaftlich beschreiben könne, ohne die „Volkswirtschaftslehre“ zu bemühen? Die Antwort liegt nicht fern, aber sie würde den hier gegebenen Rahmen sprengen.

Zum Schluß noch einmal der Kernsatz:

Weder im Kommunismus noch im Kapitalismus, vor allem in seiner heutigen Gestalt des Shareholder-Value-Kapitalismus hat reziprokes Verhalten seinen Platz. Es ist aber auch aus Sicht der menschlichen Evolution unabdingbar. Deswegen ist der Shareholder-Value-Kapitalismus ebenso zum Scheitern verurteilt wie der Kommunismus. Die Frage ist nur, unter welchen Turbulenzerscheinungen er zugrunde gehen wird.

Es ist schon merkwürdig: Noch nie habe ich mir bewußt einen Boxkampf angesehen. Aber nach Abschluß der Korrekturen an diesem Beitrag, der als Leserbrief gedacht war, wollte ich wissen, ob Vitali Klitschko genügend Milchschnitten gegessen hat. – Prompt gibt der Weltmeister wenige Minuten vor 12 den Kampf auf. – Welcher Weltmeister wird den Kampf noch aufgeben? – Der im Geldverbrennen?

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