Der „Kampf“ gegen „Corona“

Januar 17, 2022

Die „Führer“ der Art Homo Sapiens Sapiens hatten „einem“ Virus den Krieg erklärt. „Das“ „Coronavirus“ gab es nie, gibt es nicht und wird es nie geben. – „die Menschheit“ ist schließlich auch keine Person. Beides sind biologische Prozesse mit einer unaufhaltsamen Abfolge von Individuen. Deswegen ist der 1. Coronakrieg von vorneherein verloren. – Entgegen meiner Überzeugung benutze ich hier die Kriegsrethorik unserer Politiker, Virologen, Mediziner und sonstigen „Experten“: Eine Strategie, die nicht aufgehen kann, aber nicht infrage gestellt werden darf, endet in der bedingungslosen Kapitulation. Was hätte „der Mensch“ dem „Virus“ denn auch an akzeptablen Kapitulationsbedingungen auch anzubieten? – Verzichten auf die Impfpflicht? – Generelles Maskenverbot? – Pflichtkuscheln statt Sicherheitsabstand? – Die zwangsweise Wiedereinführung des „sozialistischen Bruderkusses“ – das wäre wohl das Mindeste.


Homo Sapiens – Superstar oder „Slapstick-Affe“?

August 31, 2013

Homo Sapiens Superstar – History – ZDFmediathek – ZDF Mediathek.

Angesichts des „globalen Bürgerkriegs“, der allenthalben rational nicht erklärbar ist, erscheint schon die für unsere Spezies gängige Artbezeichnung „Homo Sapiens Sapiens“ (der Weise-zum-Quadrat-Mensch) als blanker Hohn. – „Homo Sapiens“ auch noch zum „Superstar“ zu erklären, überschreitet die „rote Linie“ des philosophisch wie biologisch Erträglichen. – Mit Waffen ausgestattet, die mehr Menschen das Leben kosten können als alle Chemiewaffendepots Assads zusammen, benimmt sich der „Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika“ wie ein Oberlehrer, der sich anschickt, einen aufsässigen Schüler mit dem Rohrstock zu maltraitieren. – Rohrstock, man kann einen solchen auch als „Schlagstock“ bezeichnen. Der Schlagstock der „Keystone-Cops“ verlieh in den zwanziger Jahren  des vergangenen Jahrhunderts einer bestimmten Art von Filmkomödie ihren Namen: SLAPSTICK. – Das Herumschleichen um den Teil des globalen Bürgerkriegs, der zur Zeit die sozialen Turbulenzen im nahen Osten beherrscht, zeigt unzweideutig, daß der „moderne Mensch“ alles andere ist als ein „Homo Sapiens Sapiens“. – Vor allem ist er kein „Homo Sapiens Superstar“. – Schon die Eingangssequenz des verlinkten Films verfälscht die Geschichte des Menschen, vor allem die Geschichte seines Jagdverhaltens, das mehrere Millionen Jahre älter ist als der erste „Homo Sapiens“:

„Wir rekapitulieren, daß bei der Entstehung der Savanne in Ostafrika die für diese Landschaft typischen Lebewesen sukzessiv eingesickert sind. Die Vorfahren des Menschen gehörten zu den Pionieren. Die Nachstellungen durch Fleischfresser hielt sich in Grenzen. – Nach und nach besiedelten die typischen Pflanzenfresser der offenen Ebene, vorwiegend Huftiere, den Lebensraum unserer Vorfahren. Die Jäger, deren Hauptnahrungsquelle die Huftiere waren, folgten nach.

Damit wurde auch das Leben für unsere Vorfahren gefährlicher, denn der relativ langsame Mensch war für einen schnellen Jäger ein willkommener Leckerbissen; und gegenüber Raubtieren, die im Rudel jagten, hatte er nicht einmal den Hauch einer Chance.

Da sich die Rahmenbedingungen in der Natur fortlaufend ändern, können wir die, unter denen eine Rückkoppelungsschleife für die unbehaarte Haut ansetzen konnte, nur anhand des weiteren Geschehensablaufes bestimmen.

Unsere Vorfahren waren wesentlich intelligenter, als man bislang annahm. Erst jüngst hat der Verhaltensforscher Christope Boesch zeigen können, daß auch Schimpansen beim Werkzeuggebrauch kulturelle Unterschiede kennen. Der Unterschied bei der Handhabung eines Gegenstandes setzt eine voneinander verschiedene Idee über dessen Gebrauch voraus. Ferner lernen Schimpansenkinder von ihren Müttern nicht nur die verschiedenen Arten genießbarer Pflanzen zu unterscheiden; sie lernen auch, zu welchem Zeitpunkt die jeweiligen Früchte reif sind. Ohne diese „Schulstunden“ sind sie in freier Wildbahn nicht lebensfähig. Handaufgezogene Schimpansen, denen ihre Pfleger ein Leben in Freiheit ermöglichen wollten, wurden auf eine für diesen Zweck reservierte Insel verfrachtet und mußten unter der Obhut des Menschen erst einmal lernen, sich dort selbst zu ernähren.i

Wir sollten also gar nicht mehr hinhören, wenn gesagt wird, das Gehirn unserer hominiden Vorfahren hätte „lediglich“ die Größe eines Schimpansenhirns gehabt. Denn gegenüber den Kenntnissen und Fertigkeiten, die ein Schimpansenkind lernt, erscheint, was den Nahrungserwerb anbelangt, unsere Zivilsation als ein Verharren im Säuglingszustand. – Mit dem Supermarkt an der Ecke als ewige Mutterbrust.

Wenn Schimpansenkinder ihre Nahrungsquellen in der beschriebenen Weise nur durch Tradition kennenlernen, setzt das voraus, daß sie klassifizieren können. Klassifizieren bedeutet, die Einheit in der Vielfalt erkennen. – Einheit in der Vielfalt aber ist das Kennzeichen jeder echten Sammlung. Nach diesem Muster wird übrigens auch das Angebot in einem Supermarkt gestaltet.

Die intellektuellen Fähigkeiten eines Schimpansen reichen auch vollkommen aus, Werkzeuge in differenzierter Weise zu gebrauchen. Die Erkenntnisse, die Christophe Boesch gewonnen hat, beziehen sich auf die Benutzung feiner Werkzeuge, nämlich auf die Handhabung von Grashalmen beim Ameisen- bzw. Termitenfang.

Nun kann der Mensch dank seiner Fähigkeit zum „Pinzettengriff“ Gegenstände erheblich besser manipulieren als ein Schimpanse. Aber allein die Tatsache, daß unsere nächsten Verwandten sie benutzen, läßt den Schluß zu, daß unsere gemeinsamen Vorfahren sich ähnlich verhielten.

Nach dem Übergang zur bipeden Lebensweise war der Daumen zunächst neutralisiert. Seiner Funktion beim Baumhangeln, die eine Mutation in Bereich der Hand zum tödlichen Risiko hätten werden lassen, war er beraubt. Veränderungen an seiner Struktur waren unschädlich, soweit sie einem Werkzeuggebrauch nicht im Wege waren. Das tatsächliche Verhalten unserer Altvordern, nämlich eifrig Werkzeuge zu benutzen, setzte eine Rückkoppelungsschleife in Gang und ließ die menschliche Hand in ihre heutige Form fließen.

Nicht nur der Werkzeuggebrauch bewirkte Neuerungen im Leben unserer Vorfahren.

Der Einzug des Großwildes und der ihnen folgenden Fleischfresser in die Savanne forderte von unseren Vorfahren erhöhte Aufmerksamkeit und eine ständige Beobachtung der Umgebung, wobei sie lernten, mit der latenten Gefahr durch Freßfeinde fertig zu werden, indem sie lernten, deren Verhalten einzuschätzen.ii

Unsere Vorfahren kannten die Gewohnheiten ihrer natürlichen Feinde sehr genau. Dabei sind ihnen mit Sicherheit die diversen Jagdstrategien gemeinschaftlich lebender Fleischfresser nicht entgangen.iii Sie waren auch dazu in der Lage, artfremde Verhaltensweisen nachzuahmen. – Einen Vorgang, der – auf die entsprechende Neigung der Schimpansen bezogen – in der deutschen Sprache mit „Nachäffen“ tituliert wird.

Im 20. Jahrhundert beobachteten Forscher über Jahre hinweg das Verhalten sozial lebender Fleischfresser. „Eine Löwinnen-Gruppe, die Seite an Seite in offener Querformation ruhig und zielstrebig auf ihre Beute zusteuert, dürfte wohl die erstaunlichste menschenähnliche Verhaltensweise im ganzen Tierreich sein. Die Gruppenjagd bietet ganz offensichtlich Vorteile. Während die Wildhunde auf diese Weise Zebras töten können, sind gemeinsam angreifende Löwinnen in der Lage, es mit großen Tieren wie Büffeln und Giraffen aufzunehmen, die mit einer einzelnen Raubkatze durchaus fertig werden könnten. Außerdem gelingt es einem einzelnen Löwen, der sich auf eine Herde grasender Tiere stürzt, in neun von zehn Fällen nicht, Beute zu schlagen, während die gemeinschaftlich jagenden Löwen viel häufiger Erfolg haben, besonders wenn sie nachts im Dickicht jagen oder sich ihrer Beute gegen den Wind nähern. Manchmal lauern Löwen auch ihren Opfern auf, ein anderes Mals greifen sie offen an und treiben die Tiere in eine Sackgasse.“ ( Nigel Calder, Das Lebensspiel S. 145 f )

Heute ist es möglich, einen Beobachtungszeitraum von drei Jahren mit wenigen Zeilen Text oder einigen Minuten Film allen Menschen dieser Welt unmittelbar zugänglich zu machen. Vor vier Millionen Jahren sah das etwas anders aus. Die künftige Jagdstrategie im Rahmen eines Sandkastenspiels zu diskutieren, lag weit außerhalb der Möglichkeiten unserer Vorfahren. Sie waren darauf angewiesen, es einfach zu versuchen. – In diesem Zusammenhang erscheint das Hervorheben der Menschenähnlichkeit des Verhaltens von jagenden Löwinnen als Verwechslung von Original und Fälschung.

Gute Beobachter waren sie, unsere Vorfahren. Im Nachahmen waren sie Meister. Sie verfügten ferner über eine ausgeprägte Abenteuerlust. Also wird es nur eine Frage der Zeit gewesen sein, bis sie begannen, das Verhalten ihrer Freßfeinde zu kopieren. Das ist der Grund, weshalb wir im Jagdverhalten mancher Raubtiere etwas Menschenähnliches zu entdecken glauben. Wir sind die Plagiatoren!

Allerdings bleibt auch nach dieser Feststellung die Frage offen, warum unsere Vorfahren das Verhalten ihrer Freßfeinde kopierten.

Wir haben oben gesehen, daß Organismen die neu entstandene Savanne nach einem bestimmten Schema besiedelten. Zunächst die Pflanzen und Insekten, mit ihnen die Insektenfresser, es folgen die Pflanzenfresser, dann die Fleischfresser, die die Pflanzenfresser fressen.

Mit der Zeit erwuchs den frühen Zweibeinern der Savanne ernsthafte Konkurrenz durch die klassischen herbivoren Steppentiere. Ferner mußten sie sich nun mit deren Jägern auseinandersetzen, die mit Sicherheit keine Skrupel kannten, einen bipeden Affen zu schlagen.

Um zu überleben, wird unseren Vorfahren nichts anderes übrig geblieben sein, als sich ihre Nahrung auch durch die Jagd zu verschaffen.“

Australopithecus Superbus, der Mensch im Licht nichtlinear-dynamischer Evolution, S. 73 ff:

http://www.lulu.com/shop/gerhard-altenhoff/australopithecus-superbus-der-mensch-im-licht-nichtlinear-dynamischer-evolution/ebook/product-544454.html

Am Anfang war das Feuer, so der Titel eines Films über die angeblichen Anfänge der Menschheit. – Das ist so nicht richtig. Wenn man der Darstellung folgt, die Stanley Kubrick an den Anfang stellte, kristallisierte sich mit der Verwendung des Schlagstocks die Menschheit aus der übrigen Affenwelt heraus:

http://www.myvideo.de/watch/4122757/Am_Anfang_war_der_der_Schlagstock

Aber wir folgen der Darstellung Kubricks nicht, weil den „Vor- und Frühmenschen“ dessen Verwendung mehr als fremd war. – Bis zum Auftreten des „Homo Sapiens Superstar“ bildete die Menschheit eine Art globalen „Swingerclub“:

Klicke, um auf sexclub-neandertal.pdf zuzugreifen

i vgl. auch Wolfgang Köhler, Intelligenzprüfungen am Menschenaffen, S. 70ff u. 103ff

ii Meiner Ansicht nach finden wir das Echo jener Zeit in der Tatsache, daß der Mensch dazu fähig ist, reale Gefährdungen der Natur zu ignorieren. Beispielsweise siedelt er in hochgradig erdbebengefährdeten Gebieten und an Vulkanhängen. Aus allen Begründungen, die dafür abgegeben werden, läßt sich entnehmen, daß die Erwartung, alles unter Kontrolle zu haben, verhindert, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Das schwere Erdbeben von Kobe, der Ausbruch des Montserrat und die Flutwellen der letzten Jahre haben gezeigt, daß es auch bestimmtes emotionales Muster zur Bewältigung solcher Katastrophen gibt. Anstatt sich mit der Tatsache abzufinden, daß das Unvermeidliche geschehen ist, reagieren die Menschen enttäuscht und suchen unsinnigerweise nach den Schuldigen.

iii Die Gabe, die Phänomene der Umgebung ausdauernd zu beobachten, spiegelt sich wieder in den Kenntnissen prähistorischer Astronomen. Sie mußten eine unglaubliche Geduld an den Tag legen und außerdem ein Gespür für Veränderungen haben, das beim zivilisierten Menschen einer schnellebigen Zeit nicht verloren, aber unterdrückt ist, so daß es sich nur noch in seinen Phantasien entfalten kann.


Also doch: Sexclub im Neandertal! – DIE WELT

Juni 30, 2013

Steinzeitmenschen : Sex mit Verwandten war ganz normal – Nachrichten Wissenschaft – DIE WELT.

Entgegen allem Naserümpfen gibt es nun Beweise für meine Behauptung, daß die „Steinzeit“ nicht „primitiv“ , sondern eine für die damals lebende Menschheit eher fröhliche Zeit gewesen sein muß. – In dem genannen Artikel wird leider nicht die steinzeitliche Periode genannt, aus der die Funde stammen. – Aber sie können nicht allzu „alt“ sein, denn je weiter man in der Steinzeit zurückghet, desto mehr nähert sich das „menschliche“ Sexualverhalten dem der Bonobos an. – Wollen wir wetten?

Klicke, um auf sexclub-neandertal.pdf zuzugreifen


Die Welt ist ein Dorf. – Ob es einem paßt oder nicht!

Januar 2, 2013

1850_Liberator_HammattBillings_design.png (PNG-Grafik, 640 × 264 Pixel).

Liberator

„Our Country is the World,

our Countrymen are all Mankind“

„Unser Land ist die Welt, – die gesamte Menschheit unsere Landsleute „ – Dieser an Neil Armstrongs berühmten Satz vom „kleinen Schritt für einen Menschen“ erinnernde Untertitel für den „LIBERATOR“ war seiner Zeit um rund 170 Jahre voraus. Denn erst ganz am Ende des 20. Jahrhunderts wurde vom Max-Plack-Institut für evolutionäre Anthropologie unzweifelhaft fgestgestellt, wie eng alle Menschen miteinander verbandelt sind. – Die nachfolgende Presserklärung der Max-Planck-Gesellschaft fand ich durch „Zufall“(??), als ich nach unseren engsten Verwandten, den Bonobos, googlete.  – Zwischenzeitlich wurde sie wohl von der MPG vom Server genommen, denn ich habe sie in jüngster Zeit nicht wiederfinden können.  Sie können es gerne selbst versuchen.

Bevor ich Sie auf die Presseerklärung der MPG loslasse, erlauben Sie mir noch folgende Stellungnahme:

1999 – Es war das Jahr, in dem es mir so erging wie Carl-Friedrich Gauß, dem das Zitat zugeschrieben wird:

„Das Ergebnis hatte ich schon, ich mußte nur noch den Weg dorthin finden“

Ebenso war es mir im Sommer 1999 ergangen:

„Es war einer jener lichtdurchfluteten Sommersonntage des Jahres 1999. Wie üblich unternahm ich mit meinen Hunden Bobby und Madonna einen ausgedehnten Spaziergang durch die Felder. Während Madonna einem ihrer Hobbys nachging, nämlich dem untauglichen Versuch, Wühlmäuse oder Maulwürfe auszugraben, forderte Bobby mich unmißverständlich auf, Stöckchen oder Steine zu werfen, denen er dann nachjagte. Auf diese Weise hatte ich den Hund zu einer Reihe von Sprints veranlaßt, bis er plötzlich mitten im Lauf innehielt, die Richtung wechselte und das nächste schattige Plätzchen aufsuchte. Dort legte er sich hin und hechelte, was das Zeug hielt. Ab und zu rutschte er einen Meter vor, weil ihm der Boden unter dem Bauch buchstäblich zu heiß geworden war. Mehr als eine halbe Stunde versuchte der Hund verzweifelt, seine überschüssige Wärme an die warme Luft abzugeben. Mir war auch warm geworden, aber ich hatte es einfacher: ich zog mein Hemd aus und schwitzte vor mich hin. – Wasser, das ich dem Hund hätte geben können, war nicht in der Nähe; ich muß wohl irgendwie versucht haben, ihn durch eine dumme Bemerkung aufzuheitern, jedenfalls entfuhr mir der Satz: „Siehst Du, Dicker, das ist der Nachteil, wenn man ein Fell hat.“ Ich blickte in die mitleiderregenden Augen meines Hundes, der augenscheinlich hilf- und wehrlos auf dem Boden lag, sah aber einen Trupp kleiner Männchen. Es waren aber keine kleinen grünen Männchen, sondern dunkelhäutige, die ein unbekanntes Tier, das erheblich größer war als sie selbst, durch dessen eigene Körperwärme zu Boden gezwungen hatten. Damit war für mich eine Frage beantwortet, die nicht erst seit Charles Darwin Biologen in aller Welt beschäftigt, nämlich warum wir Menschen kein Fell haben.

 Für mich jedenfalls stand seitdem fest, daß der Prozeß dessen, was wir als „Menschwerdung“ bezeichnen, untrennbar mit der merkwürdigen Gestaltung unserer Körperoberfläche verbunden sein mußte. Ein nach besten Kräften hechelnder Hund ist freilich kein Beweis für eine solche Behauptung. Weitere Beweismittel hielt die Gegenwart auf den ersten Blick nicht zur Verfügung.“  (G. Altenhoff, Australoptihecus Superbus – der Mensch im Licht nichtlinear-dynamischer Evolution)

Ich hatte das Ergebnis plastisch vor Augen. – Und es war ein erstaunlicher Weg, dorthin zu finden. – Aber mit einem einzigen Steinwurf war die Krone der Schöpfung erledigt:

„Ferner werden Sie Zeuge werden eines in der Naturgeschichte beispiellosen Vorgangs, nämlich der Entwicklung dessen, was wir Sprache nennen und Sie werden erleben, daß die Ursache der Sprachentwicklung eigentlich ziemlich banal ist und daß unser Gehirn nur deshalb so exorbitant groß ist, weil die Umsetzung von Bildern in akustische Signale beim „Sender“ und die Rückumwandlung in Bilder beim Empfänger einen riesigen „Arbeitsspeicher“erfordert .

 Und sie werden verblüfft feststellen daß weder seßhafte Lebensweise noch Staatenbildung Errungenschaften des menschlichen Geistes sind. Sie haben sich nur nicht vermeiden lassen. Die Turbulenzen, von den die Menschheit immer wieder heimgesucht wird, zeigen, daß die Bildung von Großgesesellschaften als evolutionärer Prozeß noch lange nicht abgeschlossen ist. Viel menschliches Leid hat seinen Grund darin, daß wir uns für mehr gehalten haben als wir tatsächlich sind. – Eben „nur“ Australopithecinen.

D as Leben als Australopithecus hat freilich auch Vorteile, denn – um vorab nur ein Beispiel zu nennen – eine der wesentlichen Errungenschaften der Aufklärung, nämlich die Menschenrechte, erscheinen plötzlich als Grundbedürfnisse des Menschen, die im Verlaufe der Kulturgeschichte unter die Räder kamen. Sie gehören damit zur Natur des Menschen und nicht zu seinem kulturellen Überbau. Man kann sie negieren und auch zeitweise gewaltsam unterdrücken. Sie sind dennoch allgegenwärtig wie der Sex – und den hat schließlich auch keiner abschaffen können.

 Was Staaten anbelangt, so werden langfristig nur die überleben können, die ein demokratisch verfaßtes Gemeinwesen repräsentieren, sehr wahrscheinlich wird die Verfassung dieser Gemeinwesen nur das sogenannte Mehrheitswahlrecht kennen und Parteien nur eine untergeordnete Rolle spielen. Deren Einfluß wird auf das für notwendige Polarisierung erforderliche Maß reduziert sein. Mit Australopithecinen ist eben auf lange Sicht kein anderer Staat zu machen. Es wird freilich noch lange dauern, bis die Menschheit das Machtstreben und die Herrschsucht ihrer Häuptlinge auf ein gesundes Maß zurechtgestutzt und unter Kontrolle gebracht hat.

 In der Welt des Australopithecus ist kein Raum für Rassismus; dieser schrumpft auf die Dimension einer Familienfehde. Denn aus der Sicht des Australopithecus ist auch der „weiße Mann“, diese merkwürdige „Herrenrasse“, nichts anderes als ein verkrüppelter Neger; der „Weiße“ ist unvollständig, weil ihm Hautpigmente fehlen. Die Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palestinensern, zwischen Hutus und Tutsis  erscheinen als ins Groteske übertriebener Bruderzwist. – Und damit steht dieser Konfliktherd nicht allein da. – Allerdings, erst wenn diese Erkenntnis Eingang in die Köpfe unserer Mitmenschen gefunden hat, können Schwerter zu Pflugscharen werden.

 Damit aber ist in absehbarer Zeit nicht zu rechnen, deshalb wird die Menschheit bis dahin noch einen unermeßlichen Blutzoll zu zahlen haben; für den sind weniger die Völker, umso mehr aber deren Repräsentanten verantwortlich. Dennoch wird die Natur sich nicht aufhalten lassen; nicht einmal die nuklearen Knallfrösche sind in der Lage, alle Menschen zu vernichten.

 Auch jene, die da glauben, durch Genmanipulation den perfekten oder zumindest besseren Menschen schaffen zu können, werden eine herbe Enttäuschung hinnehmen müssen. Das, was den Menschen wirklich ausmacht, ist mehr als die Fähigkeit, zwei und zwei zusammenzählen zu können. Es ist ein bunter Strauß von Verhaltensmustern und Fertigkeiten, die sich nicht aufspalten und trennen lassen, ohne sie bzw. das Ganze zu zerstören. Frankensteins Traum wird auf ewig einer bleiben und der perfekte Mensch das Reich der Phantasie nicht verlassen. Dort bleiben aus guten Gründen auch unsere geklonten Politiker und deren Wunschuntertanen. Sie sind da alle auch sehr gut aufgehoben, denn das Reich der Phantasie, das ist die eigentliche Domäne des Menschen, die er mit keinem anderen Lebewesen dieser Erde zu teilen braucht.

 Aber all die Phantasten, die solche Vorstellungen hegen, darf man dafür nicht tadeln, denn gerade die Entwicklung der oftmals als blühend gescholtenen Phantasie hat die Menschheit vor dem drohenden kollektiven Kältetod bewahrt. “ (G. Altenhoff, aaO, S. 13ff)

Wissen kann man erwerben, Erkenntnisse nur gewinnen.

Das ist meine Erfahrung seit 1999. Eines der Geheimnisse des Erkenntnisgewinns lautet schlicht und ergreifend „Vorzeichenumkehr„. Aus „Plus“ mach „Minus“ und umgekehrt.

Bezüglich der von „Brüdern und Schwestern in Christo“ über die Ideale der französischen Revolution bis zur „Moslembruderschaft“ immer wieder eingeforderten „Brüderlichkeit“  ist der Satz:

„Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag‘ ich dir den Schädel ein.“

– mit einem negativen Vorzeichen zu versehen:

„Ich will nicht mehr dein Bruder sein, drum schlag‘ ich dir den Schädel ein.“

Beweis:

PRI B 17/99 (63)

4. November 1999

Kam der moderne Mensch durch ein „Nadelöhr“?Die heutige Menschheit fing ganz klein an / Schimpansen sind genetisch wesentlich vielfältiger als Menschen zeigen neue DNA-AnalysenSeit kurzem zählt man sechs Milliarden Menschen auf der Erde – verteilt über alle Kontinente sowie auf unzählige, nach Hautfarbe, Sprache, Religion, Kultur und Geschichte unterscheidbare Gruppen. Doch diese bunte Vielfalt ist nur „Fassade“. Denn auf molekulargenetischer Ebene, das zeigen jüngste Analysen an Schimpansen (Science, 5. November 1999), durchgeführt am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, bietet die Menschheit ein überraschend einheitliches, geradezu „familiäres“ Bild: Verglichen mit ihren nächsten tierischen Verwandten, den Schimpansen, sind alle derzeit lebenden modernen Menschen immer noch „Brüder“ beziehungsweise „Schwestern“…Eine neue Studie aus dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig läßt folgern, daß Schimpansen-Unterarten im Vergleich zum Menschen eine höhere genetische Vielfalt haben – eine Feststellung, die früheren Forschungsergebnissen über die genetische Diversität von Schimpansen widerspricht. Diese Forschungsergebnisse haben Auswirkungen auf eine Reihe heftig debattierter Fragen, die vom Ursprung des modernen Menschen bis hin zum Schutz der Menschenaffen reichen. Die Untersuchungen untermauern auch die Theorie, daß kulturelle Unterschiede zwischen Schimpansenpopulationen wahrscheinlich nicht das Ergebnis einer genetischen Variation zwischen diesen Gruppen sind.Die Molekulargenetik macht es heute möglich, die Entwicklungsgeschichte von Lebewesen zu rekonstruieren. Grundlage dieser „molekularen Ahnenforschung“ ist die Tatsache, daß die Erbinformationen an Desoxyribonukleinsäure – kurz DNA – gebunden sind: an lange Kettenmoleküle, die ähnlich einer Schrift aus nur vier verschiedenen Bausteinen, den Nukleotiden oder „genetischen Buchstaben“, zusammengesetzt sind.Im Zug der Vererbung werden „Abschriften“ dieser molekularen Texte von einer Generation an die nächste weitergegeben. Doch dabei treten Mutationen auf, sozusagen „Kopierfehler“, und zwar mit einer für jede Spezies ziemlich konstanten Häufigkeit. Anhand vergleichender Sequenzanalysen – das heißt, aus der Zahl der molekularen Abweichungen innerhalb jeweils entsprechender DNA-Abschnitte – lassen sich deshalb die entwicklungsgeschichtlichen Abstände und Verwandtschaftsverhältnisse zwischen verschiedenen Lebewesen ermitteln.Nach diesem Prinzip bestimmten und verglichen Prof. Svante Pääbo, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, und seine Mitarbeiter die genetische Variationsbreite von Schimpansen und Menschen. Als „Vergleichstext“ zogen sie dafür jeweils einen Abschnitt auf dem X-Chromosom heran, eine als Xq13.3 bezeichnete Sequenz. Sie untersuchten damit erstmals die DNA im Zellkern – im Unterschied zu früheren Analysen, die sich auf die DNA in den Mitochondrien bezogen. Die Mitochondrien-DNA weist höhere Mutationsraten auf als die DNA des Zellkerns und zeigt demnach evolutionäre Ereignisse auf kürzeren Zeitskalen.Das mag mit ein Grund dafür sein, daß Pääbo und seine Mitarbeiter zu überraschenden, neuen Einsichten gelangten, die zum Teil älteren Befunden widersprechen. Die Forscher analysierten die Xq13.3-Sequenz von drei Unterarten der Schimpansen in Ost-, Zentral- und Westafrika sowie ihrer nahen Verwandten, den Bonobos. Ebenso wurde die Xq13.3-Sequenz von insgesamt 70 Menschen untersucht, die allen großen Sprachgruppen auf der Erde angehörten.Das bedeutsamste Ergebnis dieser Vergleiche: Die Xq13.3-Sequenz wies bei den Schimpansen eine fast viermal so hohe Variabilität und damit ein fast dreimal so hohes Alter auf wie der entsprechende DNA-Abschnitt beim Menschen. Oder anders ausgedrückt: Zwei beliebig ausgewählte Menschen, die unterschiedlichen Sprachgruppen irgendwo in der Welt angehören, sind miteinander enger verwandt als zwei Schimpansen, die geographisch nahe nebeneinander in Afrika leben.Diese erstaunlich geringe genetische Variabilität und ungemein enge Verwandtschaft aller Menschen läßt sich am einfachsten durch einen evolutionären „Flaschenhals“ erklären: durch eine Art „Nadelöhr“ auf dem Entwicklungsweg des heutigen modernen Menschen. Dieser Engpaß dürfte erst vor vergleichsweise kurzer Zeit, vor einigen hunderttausend Jahren, durchschritten worden sein – und damit lange nach der vor etwa fünf Millionen Jahren erfolgten Abspaltung der Hominiden von den Schimpansen.Noch vor dieser Schlüsselstelle zweigten alle älteren Nebenlinien der Hominiden, darunter auch der Neandertaler, vom Entwicklungsweg ab. Und nur eine vergleichsweise kleine Population, vielleicht Überbleibsel eines vorhergehenden Zusammenbruchs, passierte schließlich den Flaschenhals, der zum heutigen, modernen Menschen führte – der dann in der Folge alle älteren „Hominiden-Modelle“ aus dem Feld schlug.Weitere Ergebnisse aus der Analyse der Xp13.3-Sequenz betreffen die Beziehungen zwischen Schimpansen und Bonobos. Diese beiden getrennten Arten stehen sich offenbar näher als man bislang aufgrund anderer DNA-Analysen annahm: Einige Unterarten von Schimpansen sind genetisch voneinander weiter entfernt als jeweils vom Bonobo – ein Zeichen dafür, daß beide Primaten erst vor relativ kurzer Zeit getrennte Entwicklungswege eingeschlagen haben.Außerdem schließt man aus der breiten genetischen Diversität innerhalb von Schimpansengruppen, daß „kulturelle“ Unterschiede zwischen solchen Populationen nicht genetisch begründet, sondern durch kulturelle Evolution bedingt sind – sich also ähnlich wie beim Menschen durch Tradition, durch Weitergabe erlernten Verhaltens, ausgeprägt haben.

Als nächstes Forschungsvorhaben wollen die Wissenschaftler am Max-Planck-Institut in Leipzig auch die Xp13.3-Sequenz anderer Primaten, etwa der Gorillas oder Orang-Utangs, unter die Lupe nehmen. Die Frage ist, ob diese Primaten in puncto genetischer Variabilität mehr dem Schimpansen oder dem Menschen ähneln – ob also der moderne Mensch oder der Schimpanse unter den Primaten der „Sonderfall“ ist…

Originalarbeit:

Kaessmann, H., Wiebe, V., Pääbo, S. „Extensive Nuclear DNA Sequence Diversity Among Chimpanzees.“ Science 5 November 1999

Weitere Auskünfte erhalten Sie gern von

Prof. Svante Pääbo
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Telefon: (03 41) 99 52 – 500
Fax: (03 41) 99 52 – 2 01
e-mail: paabo@eva.mpg.de

Impressum:
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Pressesprecher:
Dr. Bernd Wirsing
Biologie, Medizin:
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Chemie, Physik, Technik:
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Geisteswissenschaften:
Dr. Bernd Wirsing

ISSN 0170-4656


Gert Scobel – Ewige Gefühle? – Ja!

Juni 21, 2012

3sat.online – Mediathek: Ewige Gefühle?.

Lieber Gert Scobel,

die ganze Diskussion wäre überflüssig, wäre die „Krone der Schöpfung“ nicht ein arger „Instinktkrüpppel“. – Unsere sozialen Instinkte des  „Zusammenhalts“ in der Horde sind ebenso rudimentiert wie der Instinkt, den ich „Tausch – und –  teile-Instinkt benannt habe. – Dessen kulturelle Ausprägung findet man vor allem im „Bürgerlichen Gesetzbuch“, aber auch in Blutrache und Todesstrafe. – Das sind wohl die schlimmsten Entartungen des Tausch  – und  – teile – Instinkts, die vorstellbar sind.  – Ohne diese Entartung wäre Barrack Obama nicht zum Mörder Osama Bin Ladens u.a. geworden, ohne ihn gäbe kein Guantanamo.

Sie werden sich sicher fragen, warum ich diese durchaus frechen Behauptungen aufstelle. – Die Antwort ist ganz einfach, denn mit den von ihnen aufgeworfenen Fragen beschäftige ich mit seit den Tagen meines Jura-Studiums, das ich vor nunmehr 30Jjahren abgeschlossen hatte.

Vor genau 13 Jahren fing ich an, Darwins mechanistische Variante der Evolutionstheorie näher unter die Lupe zu nehmen.  – Am Ende kam die nichtlinear-thermodynamische Variante der Evolution heraus und ein Bild des Menschen, das ihn als Australopithecus Superbus Procrustes entlarvt: den hochnäsigen Südaffen, der sich mit Gewalt alles passend machen will.

Wir stehen – wieder einmal am Vorabend eines Bifurkationspunktes: Deutschland oder Griechenland – wer kommt weiter in der EM? – Die Wahrheit ist: Vollkommen irrelevant, nur interessant für die Frage, ob die Götter den Griechen auch diesmal „gewogen“ sein werden. – Ich schätze – nein.

Auch „König Fußball“ lebt von Empathie, Spiegelneuronen und den Entartungen des Tausch – und – teile – Instinkts. – Man denke nur an die ewige „Revanche“ zwischen Deutschland und England, die auch bei dieser EM möglich ist.

Nun will ich Ihnen aber die – durchaus erschreckenden – Erkenntnisse nicht vorenthalten, die ich im Verlaufe meiner Recherchen gewonnen habe:

(Die Bezifferung der Fußnoten entspricht dem Originalmanuskript)

Nun können wir die Erörterung des Themas fortsetzen, mit dem wir be- gonnen hatten, nämlich mit der Einstellung des Menschen zum fünften Gebot.

Es entstand das Verhaltensmuster, das sich seit der sogenannten „neolithischen Revolution“ auf einer anderen Komplexitätsebene bis zum letzten Millimeter unsere Zeitreise wiederholt. Desmond Morris sieht bekanntlich darin eine Entartung menschlichen Sportverhaltens, er führt zu diesem Thema weiter aus:

„Tragischerweise ist der kriegerische Typus des Sportverhaltens bald außer Kontrolle geraten und zu blutigen Massakern eskaliert. Dafür gibt es zwei Gründe. Einerseits führte die Waffentechnik an einen Punkt, wo das Führen einer Waffe keine persönliche Tapferkeit und keine körperliche Kampfgeübtheit mehr erforderte. Aus dem Jäger-Krieger wurde ein Abschlachtungs-Technologe. Andererseits wuchs die Zahl der Menschen immer stärker, bis eine Überbevölkerungskrise entstand. Es kam zu immensem sozialen Druck und zu horrenden Konkurrenzanforderungen. Der alte Sport des Jagd-Kriegs gebar den Wahnwitz des modernen Vernichtungskriegs.“(127)

Die von Morris geschilderte globale Situation der heutigen Zeit traf zu Beginn der „modernen“ Menschheit durchaus auf deren Existenzbedingung zu. Morris weist zwar auf die moderne Waffentechnik hin, aber die- se wäre ohne das dahinterstehende Bedürfnis, mit möglichst wenig Auf- wand so viele Menschen wie möglich umzubringen, nicht denkbar.

Des weiteren, das ist Morris wohl entgangen, gab es schon „Vernichtungsfeldzüge“, als noch mit jagdtauglichen Waffen gekämpft wurde und Mann gegen Mann stand. Der berühmteste von allen dürfte der Feldzug gegen Troja gewesen sein. Weniger bekannt ist bereits der Zweite Punische Krieg, der zur Zerstörung Carthagos führte und Rom zur europäischen Supermacht werden ließ.

Auch Gaius Julius, genannt Caesar, ließ sich diesbezüglich nicht lumpen. Anläßlich seiner Gallienfeldzüge ließ er mehr als einmal ganze Landstriche entvölkern. Bei seinen eigenen Landsleuten machte er sich allerdings erst durch sein perfides Vorgehen gegen die Usipeter und Tenkterer unbeliebt, die im Frühjahr des Jahres 55 v. Chr. in der Nähe von Nimwegen lagerten.

„Die ahnungs- und führerlosen Germanen, die im Lager ruhig ihren täglichen Beschäftigungen nachgingen und an nichts Böses dachten, wurden vom römischen Heer plötzlich überfallen und abgeschlachtet. Caesar beschreibt dieses »Heldenstück« geradezu mit einem gewissen Genuß. Die römische »Humanitas« und Caesars »Clementia« (Milde) werden besonders durch folgenden Satz ins rechte Licht gerückt: »Die übrige Mas- se der Frauen und Kinder – die Germanen waren nämlich mit allem Volk ausgezogen und über den Rhein gegangen – begann allerorts zu fliehen. Zu ihrer Verfolgung sandte Caesar die Reiterei aus.« Es ist besonders bezeichnend, daß Caesar nicht wagte, die Reiterei gegen waffenfähige Männer, wohl aber gegen wehrlose Frauen und Kinder einzusetzen. Wieder schließt Caesar seinen Bericht mit der ausführlichen Schilderung der Niedermetzelung der feige überfallenen Germanen. (128)

Caesars Vorgehen in dieser Sache ging damals selbst den römischen Senatoren zu weit. Cato der Ältere hatte rund 150 Jahre vor Caesar noch die Meinung vertreten, Carthago müsse zerstört werden, Cato der Jüngere hingegen beantragte im Senat wegen des geschilderten Vorfalls die Auslieferung Caesars an die Germanen. (129)

Wie es damals am linken Niederrhein wahrscheinlich ausgesehen hat, zeigt ein Fund, in Somerset (Südwestengland), nämlich die Keltenstadt „Cadbury-Camelot“. Bei der Ausgrabung des Südwesttores wurden die Überreste von Kindern entdeckt. Diese waren auf jede nur erdenklliche Weise zerstückelt worden und die Leichenteile waren über den ganzen Torweg verstreut. Der Anblick muß dermaßen grauenvoll gewesen sein, daß einige der freiwilligen Helfer sich weigerten, hier weiterzuarbeiten. (130)

– Täter waren auch hier römische Legionäre. Keine wilden Barbaren, sondern Soldaten der größten „Kulturnation der Antike. Und ich setze als bekannt voraus, daß sich römische Soldaten sich ein Ding mit Sicherheit nicht leisten durften: Disziplinlosigkeit.

Kavallerie gegen Frauen und Kinder. – Wie oft mag sich dieses Muster seit Caesar überall auf der Welt wiederholt haben. Die bekannteste Wiederholung dürfte das Massaker vom Sand Creek sein, als US – Kavalleristen ein Indianerdorf niedermetzelten.

Bis weit in die Neuzeit hinein wurden derartige Untaten mit Waffen be- gangen, die durchaus aus Feuerstein, Holz und Knochen hätten hergestellt werden können. Der Argumentation Morris’, der die Unmenschlichkeit an die moderne Waffenentwicklung anknüpfen möchte, kann einerseits aus diesem Grunde nicht gefolgt werden, andererseits aus dem Grund, daß der älteste Beleg für einen „Vernichtungsfeldzug“ gut und gerne 7000 Jahre alt ist. Der bislang älteste Knochenfund, der auf einen Genozid hin- weist, wurde in Talheim (Baden-Württemberg) gemacht. Er wurde überwiegend mit Steinäxten verübt und kostete 34 Menschen im Alter von 2 – 60 Jahren das Leben. Bedenkt man, daß auch in der Jungsteinzeit die Horde oder das Dorf mit 25 –50 Individuen ein „Volk“ bildeteten, dann ist das Ereignis von Talheim der älteste nachweisbare Völkermord der Weltgeschichte. – Er ist der älteste nachweisbare, aber mit Sicherheit nicht der älteste an sich. – Vielmehr ist ein nachgewiesener steinzeitlicher Völkermord Indiz dafür, daß der Genozid, das rücksichtslose Töten von Artgenossen, zu den Eigenschaften des “modernen“ Menschen zählt. Genozidale Tendenzen zeigen sich in der ganzen Welt, bei allen Völker- schaften, wie der Genozid der Hutus an den Tutsis im Jahre 1994 mehr als deutlich macht. Auch hier kamen keine „modernen“ Waffen mit „Fernwirkung“ zum Einsatz, erst recht keine „Massenvernichtungsmittel“. Man benutzte wie vor 7.000 Jahren in Talheim das Werkzeug oder die Waffe, die man „gerade zur Hand“ hatte, dazu, Artgenossen abzuschlachten.

Gut 1.000 Jahre nach Caesars Legionen überzogen die Wikinger Europa mit Plünderung, Mord und Schrecken. Ihre Waffen waren ebenfalls über- wiegend solche, bei deren Anwendung man dem Gegner oder Opfer in die Augen sehen mußte. Das änderte sich auch im Dreißigjährigen Krieg nicht, denn die darin verübten Greueltaten gegenüber der Zivilbevölkerung wurden auch überwiegend mit Nahwaffen ausgeführt.

Die Bilder aus den Konzentrationslagern, die Bilder aus dem Kosovo und auch die Bilder aus Israel und Tschetschenien sprechen keine andere Spra-he: Der moderne Mensch hat bezüglich seiner Reaktion gegenüber dem Sozialpartner die Instinktbindung verloren und ist nicht mehr in der Lage, auf soziale Not- oder Unterwerfungssignale instinktsicher zu reagieren.

Der „moderne“ Mensch ist damit in eine Lage geraten, über die man erschaudern könnte, er zeigt eine ausgesprochene Neigung zum Genozid, zum Völkermord. Soweit die Wahrnehmung des Mitmenschen als Mensch betrifft, retardierte der Mensch nicht nur auf das Niveau des Schimpansen, dessen Tötungshemmung gegenüber Angehörigen fremder Gruppen ebenfalls stark eingeschränkt ist, er verlor auch die Tötungshemmung gegenüber dem Sozialpartner Mit dem Fall dieser Tötungshem mung wurden die Bewohner Bottlenecks in ein Dilemma gedrängt: Rücksichtslosigkeit gegenüber den Nachbarn ermöglichte ihnen den gewaltsamen Zugriff auf deren „Vermögen“. Andererseits bezogen sie als exogame Wesen ihre Frauen von diesen. Das ungehemmte Vernichten artgenossenschaftlicher Konkurrenz hätte also rasch zum Untergang der entstehenden Subspezies des Menschen geführt.

Die langfristige Isolation begünstigte also die „Entartungserscheinungen“, die uns heute noch zu schaffen machen. Konrad Lorenz bezeichnete dies einmal als „Verhausschweinung des Menschen“. Zusammengepfercht auf einer Insel gewöhnte sich zumindest ein Teil der Bevölkerung an eine überwiegend seßhafte Lebensweise. Wer seßhaft ist, der muß, das ist unabdingbar, mit erhöhter Aggressivität seine Lebensgrundlagen gegenüber nomadisierenden Artgenossen verteidigen. Denn diese werden ebenso arg- wie verständnislos versuchen, die Nahrungsquellen der Seßhaften zu nutzen. – Auch dafür gibt es eine Fülle von Beispielen aus dem heutigen Afrika, ja selbst aus Indien. So traurig es ist, aber es fand eher ein „Verkampfhunden“ denn eine „Verhausschweinung“ statt.

Daß Sie und ich leben, ist der beste Beweis dafür, daß die Evolution auch an dieser Stelle ein Korrektiv hervorbrachte, das dem drohenden Untergang entgegenwirkte. Recht und Moral betraten die Bühne der Welt. Das aber war nur möglich, weil die betroffene Population sich bereits höchst differenziert sprachlich verständigen konnte. Sprache ist nämlich die Grundvoraussetzung für das Entstehen von Moral und Recht. Beide Systeme, Moral und Recht, werden sprachlich übermittelt, und beide funktionieren nach den Regeln der Tradition bei Primaten nur, wenn eine „Autorität“ sie tradiert. Als „Autorität“ bot sich natürlich zunächst einmal der Hordenführer an. Das war, wie schon vor Millionen von Jahren, zunächst einmal im Grundsatz der erfahrenste Jäger. Mit dem Abbau der sozialen Instinkte gelang es freilich immer mehr rücksichtslosen Männern, sich der Führung einer Horde zu bemächtigen und zu bestimmen, welche Regeln der Einzelne zu befolgen hat.

Den ärgsten Instinktkrüppeln kam dabei die Fähigkeit und die Bereitschaft der Gruppenmitglieder zum unbedingten Gehorsam zugute. Dieser hatte sich im Zusammenhang mit den Erfordernissen der gemeinschaftlichen Jagd entwickelt. (131) Über Jahrmillionen hinweg hatte das Sinn gemacht, für Ruhe in der Horde gesorgt und den Erfolg der Jagd sichergestellt. Nun aber kehrte sich diese Fähigkeit gegen den Menschen. Der Hordenführer konnte zum Tyrannen werden.

Während die kontinentalen Neandertaler ruhig schlafen konnten, brachen für die Bewohner Bottlenecks turbulente Zeiten an. Denn unter den Skrupellosen werden viele gewesen sein, die nicht davor zurückschreckten, alle umzubringen, die ihre Stellung gefährdeten. Und so wird es durchaus vorgekommen sein, daß Horden ausstarben, weil der Alpha-Mann so viele Gefährten beseitigt hatte, daß die übrigen nicht mehr genug Nahrung hereischaffen konnten, um den Nachwuchs großzuziehen. Das Gesamtsystem näherte sich einem Gabelungspunkt. Die „Autorität“ teilte sich. Als „Gegenpol“ zum Hordenführer entstand eine weitere Autorität, von der wir nicht wissen, wie sie ursprünglich aussah, gehandelt wird sie indes unter dem Begriff „Schamane“ oder „Medizinmann“. – Wie auch immer man diese Leute nennt, sie sind da und legen heute noch Zeugnis ab von dem Dilemma, in das die Inselbewohner hineingeraten waren. Die „modernen“ Abkömmlinge der Schamanen nennen sich Theologen, Juristen, Ärzte, Mathematiker oder Philosophen. Alle Wissenschaftszweige lassen sich an der Wurzel ihres Stammbaums auf den Schamanen zurückführen.

Der Schamane verkörperte dabei eine Autorität, die über bzw. jenseits der Macht des Hordenführers lag. Das wiederum setzt voraus, daß eine entsprechende Vorstellung von den Dingen hinter den Dingen bereits bestanden haben mußte.

127 Morris aaO, S. 309 (Desmond Morris, der Mensch, mit dem wir leben)

128 Franke, Alfred, Rom und die Germanen, Herrsching 1986, S. 191

129 Franke aaO

130 Franke aaO, S. 60

131 Siehe oben S.

Wir werden an en Entartungseerscheinunen unserer Instinkte – auf kulturellem Wege – erst dann etwas ändern können, wenn wir diese als gegeben hinnehmen und tatsächlich „akzeptieren“. – Wenn sie sich nackt in eine Fußgängerzone begeben, werden sie unschwer feststellen, daß Sie sich schämen, weil die Kulturtradition fast so mächtig ist wie ein Instinkt.  – Man kann den Tausch – und – teile – Instinkt kulturell sanft in seine Bahnen zurücklenken,  aber „moralisch erwünschtes“ Verhalten nicht mit den Mitteln des Prokrustes durchetzen.

All das, was Sie in den letzten Minuten gelesen haben, ist unbequem. – Es kratzt am etablierten Weltbild. – Das tat Alfred Wegeners Tehorie von den „wandernden Kontinenten vor 100 Jahren auch. – Ignatz Semmelweis stemmte sich – zu Lebzeiten ebenfalls vergeblich – gegen die „herrschende Meinung“ seiner Fachkollegen. – Schweigen wir ganz von Giordano Bruno und Galileo Galilei. – Als Querdenker, der den „Homo Sapiens Sapiens“ mal eben demaskiert, und sich damit selbst zum „Ritter der Apokalypse“  geschlagen hat, befinde ich mich doch in bester Gesellschaft – oder?


Tut mir leid! – Carsten Niemitz irrt sich!

März 22, 2012

• Premiere des Films »Das Geheimnis des aufrechten Gangs« • [Archäologie Online] • •.

Das „Geheimnis des „Aufrechten Gangs“ ist kein Geheinmis, sondern eine ziemlich offensichtliche Tatse, die sich mit einem Pfeifenreiniger oder einem Stück Klingeldraht erklären läßt.

Wäre der „Aufrechte Gang“ ein Geheimnis,  es war gelöüftet, lange bevor der Film fertiggestellt war.

Eine ventral verschobene „Wirbelsäule“ bringt im Wasser keinen Vorteil. Wal, Robben, Seelöwen, Seeelefanten, Otter und andere vom „Fischfang“ lebenden Wirbeltiere haben die klassische „Wirbelbrücke“, die schon im Lanzettfischchen, das als das urtümlichste aller Chordatiere gilt, aufweist. – Eine bogenförmige „Aufhängung“ für die inneren Organe ist selbst im Wasser besser geeignet als ein durchgebogenes Wirbelchaos.

An dem – nur scheinbaren – Problem der Evolution, den „Aufrechten Gang“ hervorzubringen, biß sich vor mehr als 30 Jahren auch Rupert Riedl die Zähne aus. In „Evolution und Erkenntnis – Antworten uaf Fragen unserer Zeit“  zerbrach er sich den Kopf über das „Torpedo-Brücken-Turm“-Problem der „Wirbelsäule den Kopf.  – Auf die Schnelle finde ich in 341 Seiten Text jetzt nicht die passende Stelle. Aber auch Riedl scheiterte beim Versuch der Lösung. – Auch Riedl hatte dabei schlicht und ergreifend das eigentliche Probelm übersehen, nämlich den Sprachgebrauch. – Auch bei Tieren spricht man von einer „Wirbelsäule“. – Aber nicht ein einziges Tier hat eine Wirbel-„Säule“. – Wenn Lanzettfisch und Blauwal, wenn Tyrannosaurus Rex und Walhai eine Wirbel-„Brücke“ haben, dann kann iene Wirbel-„Säule“ nur unter ganz spezifischen, extremen Bedingungen einen evolutionären „Vorteil“ bieten. – Und das ist der Affe in der -entstehnden – Savanne.  Zum Leben auf dem boden ist ein Affe nicht mehr auf seine Vordergliedmaßen angewiesen. – Hinzu kommt, daß ihn die freien Flächen vor den Jägern des Waldes über Jahrmillionen geschützt hatte. – Die Savannenjäger sickerten nach Afrika erst mit den großen Grasfressern ein.

Dem steht auch nicht entgegen, daß die Skelette unserer Vorfahren und Verwandten an Flußufern gefunden wurden. – Flußbgiegungen mit Sandbänken sind auch die klassischen Fundorte für Fossilien der Dinosaurier. – Aber kein ernstzunehmender Paläontologe würde behaupten, daß Dinosaurier aussschließlich an Flußufern gelebt hätten.

Und unsere Abhängigkeit von Omega – 3 Fettsäuren? – Ich weiß nicht, in der Kalahari leben Buschleute, für die Omaga-3 ebenso ein Fremdwort ist wie für die Inuit am Polarkreis. – Die müßten gesünder sein als ihre Jagdkollegen in der Namib-Wüste, weil Inuit, „Eskimos“, weitaus mehr Fisch futtern als Bewohner der Wüstengegenden Afrikas. – Deren Ernährungsgewohnheiten, überwiegend pflanzliche Kost, wenig Fleisch, gilt in eingeweihten Kreisen als „gesund“.

Die „Wassertheorie“ ist übrigens nicht neu, das fällt mir gerade ein. – Bereits Desmond Morris berichtet in “ „Der Mensch, mit dem wir leben“ über Hardys „Wassermsnschen“-Theorie. (D. Morris, Der Mensch, mit dem wir leben, München-Zürich 1978, S. 294 ff)

Neu sind die „Erkenntnisse“ des Herrn Niemitz nicht, ich bin gespannt auf seinen Film, der gleich in „ARTE“ läuft.


Wir – die Erben der INSELAFFEN

März 6, 2012

Erbgut der Schimpansen – Differenzen zwischen Nachbarn – Wissen – sueddeutsche.de.

Das soll neu sein?

Bereits 1m Jahre 1999  vereöffentlichte das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie dieachfolgende Presseeerklärung. Entweder wurde sie von der Max-Plkanck-Gesellschaft irgendwann vom Server genommen, oder sie ist im „Rauschen“ der GOOGLE Informationen nur noch mit unvertretbarem Aufwand zu finden:

PRI B 17/99 (63)

4. November 1999

Kam der moderne Mensch durch ein „Nadelöhr“?

Die heutige Menschheit fing ganz klein an / Schimpansen sind genetisch wesentlich vielfältiger als Menschen zeigen neue DNA-Analysen

        Seit kurzem zählt man sechs Milliarden Menschen auf der Erde – verteilt über alle Kontinente sowie auf unzählige, nach Hautfarbe, Sprache, Religion, Kultur und Geschichte unterscheidbare Gruppen. Doch diese bunte Vielfalt ist nur „Fassade“. Denn auf molekulargenetischer Ebene, das zeigen jüngste Analysen an Schimpansen (Science, 5. November 1999), durchgeführt am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, bietet die Menschheit ein überraschend einheitliches, geradezu „familiäres“ Bild: Verglichen mit ihren nächsten tierischen Verwandten, den Schimpansen, sind alle derzeit lebenden modernen Menschen immer noch „Brüder“ beziehungsweise „Schwestern“…

Eine neue Studie aus dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig läßt folgern, daß Schimpansen-Unterarten im Vergleich zum Menschen eine höhere genetische Vielfalt haben – eine Feststellung, die früheren Forschungsergebnissen über die genetische Diversität von Schimpansen widerspricht. Diese Forschungsergebnisse haben Auswirkungen auf eine Reihe heftig debattierter Fragen, die vom Ursprung des modernen Menschen bis hin zum Schutz der Menschenaffen reichen. Die Untersuchungen untermauern auch die Theorie, daß kulturelle Unterschiede zwischen Schimpansenpopulationen wahrscheinlich nicht das Ergebnis einer genetischen Variation zwischen diesen Gruppen sind.

Die Molekulargenetik macht es heute möglich, die Entwicklungsgeschichte von Lebewesen zu rekonstruieren. Grundlage dieser „molekularen Ahnenforschung“ ist die Tatsache, daß die Erbinformationen an Desoxyribonukleinsäure – kurz DNA – gebunden sind: an lange Kettenmoleküle, die ähnlich einer Schrift aus nur vier verschiedenen Bausteinen, den Nukleotiden oder „genetischen Buchstaben“, zusammengesetzt sind.

Im Zug der Vererbung werden „Abschriften“ dieser molekularen Texte von einer Generation an die nächste weitergegeben. Doch dabei treten Mutationen auf, sozusagen „Kopierfehler“, und zwar mit einer für jede Spezies ziemlich konstanten Häufigkeit. Anhand vergleichender Sequenzanalysen – das heißt, aus der Zahl der molekularen Abweichungen innerhalb jeweils entsprechender DNA-Abschnitte – lassen sich deshalb die entwicklungsgeschichtlichen Abstände und Verwandtschaftsverhältnisse zwischen verschiedenen Lebewesen ermitteln.

Nach diesem Prinzip bestimmten und verglichen Prof. Svante Pääbo, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, und seine Mitarbeiter die genetische Variationsbreite von Schimpansen und Menschen. Als „Vergleichstext“ zogen sie dafür jeweils einen Abschnitt auf dem X-Chromosom heran, eine als Xq13.3 bezeichnete Sequenz. Sie untersuchten damit erstmals die DNA im Zellkern – im Unterschied zu früheren Analysen, die sich auf die DNA in den Mitochondrien bezogen. Die Mitochondrien-DNA weist höhere Mutationsraten auf als die DNA des Zellkerns und zeigt demnach evolutionäre Ereignisse auf kürzeren Zeitskalen.

Das mag mit ein Grund dafür sein, daß Pääbo und seine Mitarbeiter zu überraschenden, neuen Einsichten gelangten, die zum Teil älteren Befunden widersprechen. Die Forscher analysierten die Xq13.3-Sequenz von drei Unterarten der Schimpansen in Ost-, Zentral- und Westafrika sowie ihrer nahen Verwandten, den Bonobos. Ebenso wurde die Xq13.3-Sequenz von insgesamt 70 Menschen untersucht, die allen großen Sprachgruppen auf der Erde angehörten.

Das bedeutsamste Ergebnis dieser Vergleiche: Die Xq13.3-Sequenz wies bei den Schimpansen eine fast viermal so hohe Variabilität und damit ein fast dreimal so hohes Alter auf wie der entsprechende DNA-Abschnitt beim Menschen. Oder anders ausgedrückt: Zwei beliebig ausgewählte Menschen, die unterschiedlichen Sprachgruppen irgendwo in der Welt angehören, sind miteinander enger verwandt als zwei Schimpansen, die geographisch nahe nebeneinander in Afrika leben.

Diese erstaunlich geringe genetische Variabilität und ungemein enge Verwandtschaft aller Menschen läßt sich am einfachsten durch einen evolutionären „Flaschenhals“ erklären: durch eine Art „Nadelöhr“ auf dem Entwicklungsweg des heutigen modernen Menschen. Dieser Engpaß dürfte erst vor vergleichsweise kurzer Zeit, vor einigen hunderttausend Jahren, durchschritten worden sein – und damit lange nach der vor etwa fünf Millionen Jahren erfolgten Abspaltung der Hominiden von den Schimpansen.

Noch vor dieser Schlüsselstelle zweigten alle älteren Nebenlinien der Hominiden, darunter auch der Neandertaler, vom Entwicklungsweg ab. Und nur eine vergleichsweise kleine Population, vielleicht Überbleibsel eines vorhergehenden Zusammenbruchs, passierte schließlich den Flaschenhals, der zum heutigen, modernen Menschen führte – der dann in der Folge alle älteren „Hominiden-Modelle“ aus dem Feld schlug.

Weitere Ergebnisse aus der Analyse der Xp13.3-Sequenz betreffen die Beziehungen zwischen Schimpansen und Bonobos. Diese beiden getrennten Arten stehen sich offenbar näher als man bislang aufgrund anderer DNA-Analysen annahm: Einige Unterarten von Schimpansen sind genetisch voneinander weiter entfernt als jeweils vom Bonobo – ein Zeichen dafür, daß beide Primaten erst vor relativ kurzer Zeit getrennte Entwicklungswege eingeschlagen haben.

Außerdem schließt man aus der breiten genetischen Diversität innerhalb von Schimpansengruppen, daß „kulturelle“ Unterschiede zwischen solchen Populationen nicht genetisch begründet, sondern durch kulturelle Evolution bedingt sind – sich also ähnlich wie beim Menschen durch Tradition, durch Weitergabe erlernten Verhaltens, ausgeprägt haben.

Als nächstes Forschungsvorhaben wollen die Wissenschaftler am Max-Planck-Institut in Leipzig auch die Xp13.3-Sequenz anderer Primaten, etwa der Gorillas oder Orang-Utangs, unter die Lupe nehmen. Die Frage ist, ob diese Primaten in puncto genetischer Variabilität mehr dem Schimpansen oder dem Menschen ähneln – ob also der moderne Mensch oder der Schimpanse unter den Primaten der „Sonderfall“ ist…

Originalarbeit:

Kaessmann, H., Wiebe, V., Pääbo, S. „Extensive Nuclear DNA Sequence Diversity Among Chimpanzees.“ Science 5 November 1999

Weitere Auskünfte erhalten Sie gern von

Prof. Svante Pääbo
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ISSN 0170-4656

Das MPI war aber nicht die einzige Institution, die auf das „Nadelöhr gekommen war:

Eine Forschungsgruppe um den Genetiker Lynn Jordy (University of Utah) ist zu dem Schluß gekommen, der moderne Mensch sei aus einer Population von allenfalls einigen zehntausend Individuen hervorgegangen, die vor etwa 70 bis 80.000 Jahren die Erde bevölkerten. Die Eruption eines Supervulkans soll nach dieser Ansicht die Weltbevölkerung dermaßen dezimiert haben, daß eben nur diese relativ kleine Menschheit übrigblieb.(Das Erwachen des Supervulkans ©NDR 2000, 5.12.2000)

Das würde allerdings voraussetzen, daß es nur eine einzige Menschheit gab und all die Neandertaler, die bis vor etwa 25.000 Jahren Zeitgenossen des „modernen“ Menschen waren, nicht zur Menschheit gehörten. Angesichts ihrer Vermessenheit ist diese Ansicht zu verwerfen. Außerdem fehlt jeder Beleg für ein analoges Massensterben im Pflanzen- und übrigen Tierreich aus jener Zeit. Dennoch dürfen wir die Grundlagen dieser These nicht achtlos beiseite schieben. Diese besteht nun einmal in der Erkenntnis, daß kaum mehr als 10.000 Menschen den Startpunkt für die Evolution unserer selbst bildeten. Demnach ist zu fragen, wie es geschehen konnte, daß einige Zehntausend Menschen sich von der übrigen Welt abspalteten und zu dem wurden, was wir heute noch repräsentieren? – Die Menschen standen, das dürfen Sie als sicher voraussetzten, seit Urzeiten in gegenseitigem Kontakt. Wodurch verlor diese Gruppe den Anschluß an die übrige damals lebende Menschheit? – Die Antwort auf diese Frage lautet sehr wahrscheinlich: Wasser.

Sie erinnern sich an Noah und seine Arche? – Bevor Gott die Erde flutete und alles Leben im Wasser versank, hieß er Noah eine Arche bauen und aus der Tierwelt der Umgebung je ein Paar an Bord nehmen. Dann läßt es der Herr vierzig Tage und vierzig Nächte regnen. Dann ist sein Werk

vollendet und seine ganze Schöpfung mit einem Schlag vernichtet. Nach 1. Mose 6 Vers 7 soll er gesagt haben: Ich will die Menschen, die ich ge schaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis auf das Vieh und bis auf das Gewürm und bis auf die Vögel unter dem Himmel, denn es reut mich, daß ich sie gemacht habe.

Wie bei den Geschichten von Adam und Eva bzw. Kain und Abel fällt an dieser Geschichte zunächst einmal das widersprüchliche Verhalten Gottes auf. Hatte er noch bei der Schöpfung sein Werk für gut befunden, schienen seine Geschöpfe am Ende vom Pfade der Tugend abgekommen zu sein:

Vers 4: Es waren auch zu den Zeiten Tyrannen auf Erden, denn da die Kinder Gottes zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, wurden daraus Gewaltige in der Welt und berühmte Männer.

Vers 5: Da aber der Herr sah, daß der Menschen Bosheit groß war auf

Erden und alles Dichten und Trachten nur böse war immerdar,

Vers 6: da reute es ihn, daß er die Menschen gemacht hatte auf Erden und es bekümmerte ihn in seinem Herzen.

Seit der Geschichte von Kain und Abel wissen Sie, daß Mythen mitunter traumhaft verzerrte Darstellungen realer Vorgänge enthalten können; und einen Grund muß der Herr ja gehabt haben, seine Geschöpfe wieder zu vernichten. Zweckfreies Verhalten kann sich der Mensch kaum vorstellen, also muß es die Bosheit der Menschen gewesen sein.

Besonders stutzig macht hier die Verbindung des vollständigen Weltun tergangs mit der für eine bäuerliche Kultur gänzlich ungewöhnlichen Erwähnung des Schiffbaus.

Was passierte bei der Sintflut? 1. Mose 7 Vers 19: Und das Gewässer nahm überhand und wuchs so sehr auf Erden, daß alle hohen Berge unter dem ganzen Himmel bedeckt wurden.

Jeder, der schon einmal mit einem Schiff gefahren ist, kennt den Anblick des von Horizont zu Horizont reichenden Wassers. Vor Erfindung der Seefahrt war den Menschen dieser Anblick verwehrt, auch dem Neandertaler.

Seit dieser die Weltbühne betreten hatte, kam es wiederholt zu erheblichen Klimaschwankungen. Der ständige Wechsel zwischen Kalt- und Zwischeneiszeiten ließ den Spiegel der Weltmeere mehrfach stark ansteigen und wieder absinken. Der „Tidenhub“ vom Höhepunkt der letzten Vereisung vor 18.000 Jahren bis zum heutigen Normalnull des Wassers beträgt satte 130 Meter!(Press/Sievers, Allgemeine Geologie, S. 346)

Zieht man also in Betracht, daß es gar nicht so lange her ist, daß Menschen über die Beringstraße zu Fuß von Asien nach Amerika und von der Themse an die Seine gelangen konnten, haben wir die „Wiege“ der heutigen Menschheit vermutlich nicht in Ostafrika zu suchen, sondern vielmehr vor der heutigen ostafrikanischen Küste, irgendwo auf dem Kontinentalschelf.

(Bei der Suche nach unserem „Kinderbettchen“ dürfte sich eine Computersimulation anbieten, die die Küstenlinie Afrikas nachzeichnet, wie sie vor etwa 70 – 80.000 Jahren aussah. Findet sich dort ein Hochplateau, das flächenmäßig zehn- bis zwanzigtausend Menschen unter Jäger- und Sammlerbedingungen ernähren konnte, so könnte es sich lohnen, im Schlamm zu wühlen.)

Die „Sintflut“ könnte man nämlich auch als Erinnerung an eine kollektive optische Täuschung interpretieren.

[…Die Insel hatte ich Lynn Jordy zu Ehren „Bottleneck“ getauft. – Hier wurde der „moderne Mensch“ zu dem, was er heute noch ist. – Nicht die „Krone der Schöpfung“; auch nicht ein Ruhmesblatt für alle anderen Schöpfergötter. – Der Mensch kam ans Arbeiten, neben den genetischen Beweisen ein weiteres Indiz für die „Inseltheorie“:

 Es sieht also ganz danach aus, als würde ein Neandertaler auf den Versuch eines Missionars, ihm das fünfte Gebot zu erläutern, mit Kopfschütteln reagieren: „Seid ihr nicht ganz dicht? Habt ihr keine Tötungshemmung? – Ihr bringt Eure Nachbarn und Verwandten einfach so um? Dann habt Ihr das fünfte Gebot wirklich bitter nötig!“ Und damit hat er vollkommen recht, der Herr Neandertaler, denn einzig und allein der moderne Mensch ist in der Lage, einen Freund zum Feind zu erklären und allein aus diesem Grund zu töten.

Wir werden auf diese Einstellung des modernen Menschen zum Leben seiner Mitmenschen im Zusammenhang mit seinem „Erfolg“ auf dieser Erde noch zurückkommen müssen. Doch zuvor gilt es einen Beweis neu zu würdigen, der bislang immer als Beleg für die überlegene Intelligenz des modernen Menschen herhalten mußte. Es handelt sich dabei um den

„Fortschritt“ in der Herstellung von Feuersteinwerkzeugen. Dieser ver meintliche Fortschritt läßt nämlich Rückschlüsse auf die Abspaltung der

„modernen“ von der „klassischen“ Variante des Menschen zu:

Die Faustkeile der frühen Erectus – Kultur ließen sich mit etwa 25 Schlägen in einem Arbeitsgang fertigen, bei den späteren waren schon zwei Arbeitsgänge mit insgesamt 65 Schlägen erforderlich. Für ein Messer des Neandertalers bedurfte es drei Arbeitsgängen mit 111 Schlägen (Moustérien-Technik); demgegenüber erfordert ein nach der Aurignacien- Technik hergestelltes Messer des Crô – Magnon – Menschen 251 Schläge in neun Arbeitsgängen.

Der Mensch ist ein Produkt der Evolution. Dem Prinzip des geringsten Zwangs folgend betreibt auch er im Regelfall nicht mehr Aufwand, als er muß. Unsere Freunde vom Erectus – Typ kamen mit ihren Werkzeugen über Hunderttausende von Jahren gut zurecht. Warum also sollten sie ihre Werkzeuge groß verfeinern? – Auch der Neandertaler wäre wahrscheinlich mit den von ihren Vorfahren ererbten Technologien zufrieden gewesen, wenn nicht die neuen Lebensbedingungen der Eiszeit sie gezwungen hätten, ihre Werkzeuge den Verhältnissen anzupassen. Und, das ist meines Erachtens die entscheidende Frage, warum bestand diese Anpassung gerade in der Verfeinerung der Werkzeuge?

Auf der Insel Rügen gibt es Feuerstein in Hülle und Fülle. Jeder kann sie in den Feuersteinfeldern aufsammeln und versuchen, sie als Rohstoff für Werkzeuge auf den Markt zu bringen. Freilich interessiert sich niemand mehr für Feuerstein als Rohstoff. Als der klassische Neandertaler der letz- te Schrei der Natur in Europa war, lagen die Dinge noch anders und die Feuersteinfelder Rügens unter einer mächtigen Eisdecke verborgen. Merk- würdig, aber die Antwort auf die obige Frage scheint offen vor unseren Augen zu liegen, freilich erst seit einer Zeit, da niemand mehr an Werk- zeugen aus Feuerstein interessiert war.

Als das Eis die Feuersteinfelder Rügens wieder freigab, war es für die Feuersteintechnologie bereits zu spät geworden. In anderen Teilen der Welt förderte man Knollen von besserer Qualität aus dem Boden, kurz darauf fertigte man die ersten Werkzeuge aus Metall.

Um ein klares Bild zu erzielen, müssen wir uns in die früheste Steinzeit versetzen:

Wenn Ihnen die Zivilisation einmal zu langweilig wird, fahren Sie nach Rügen, holen Sie sich eine Feuersteinknolle und setzen Sie sich an den Strand. Nehmen Sie ein Buch mit, in dem auch die „primitiven“ Werkzeuge unserer Freunde der Erectus – Kultur abgebildet sind.

Sie sind nun ein intelligenter Mensch des ausgehenden 20. Jahrhunderts und ihren Vorfahren weit überlegen. Erinnern Sie sich an die „stupide Steineklopferei“?:

Über eine Million Jahre, so lässt sich aus den kulturellen Überbleibseln der Urmenschen schließen, klopfte er stumpfsinnig auf Steinen herum“ Weiter heißt es: Der Bau von Speeren und Äxten erforderte besondere intellektuelle Fähigkeiten, die sich gravierend vom stupiden Steineklopfen der frühen Urmenschen unterschied.120

– Na dann frohes Schaffen! Aber seien Sie am Ende nicht enttäuscht. Sie werden es nämlich nicht fertigbringen, innerhalb Ihres Urlaubs auch nur ein halbwegs brauchbares Werkzeug, geschweige denn einen Faustkeil herzustellen, der der „primitivsten“ Stufe auch nur annähernd ähnlich sieht und dessen Funktionen erfüllen kann. Von wegen stupides Steineklopfen: die Herstellung von Steinwerkzeugen hat wenig mit „Intelligenz“ zu tun, mehr mit der Bildhauerei. Es erfordert Übung, Erfahrung und ein Gefühl für das Instrument, das man handhabt. Vor allem aber braucht man eine Vorstellung von dem, was am Ende herauskommen soll.

Bereits zu Beginn der Neandertaler-Ära hatte die Menschheit etwa drei bis dreieinhalb Millionen Jahre gesammelt und gejagt, ohne daß sich an den allgemeinen Lebensumständen etwas geändert hatte. Die ihnen zur Verfügung stehenden „primitiven“ Werkzeuge aus Stein dienten immer denselben Zweck, nämlich dem Bearbeiten von Fleisch, Häuten und Knochen.

– Allenfalls noch der Herstellung von Holzgeräten, etwa dem Schlagen und Zuspitzen hölzerner Speere. Diese allgemeinen Lebensumstände änderten sich weder nach dem Erscheinen der Neandertaler noch nach dem ersten Auftreten des „modernen“ Menschen.

Der „Technologiesprung“ von 25 Schlägen in einem Arbeitsgang auf neun Arbeitsgänge mit 251 Schlägen läßt sich mit höherer Intelligenz kaum erklären, denn am Ende dieser vielen Arbeit stehen zwar „Spezialwerkzeuge“, die in ihrer Gesamtheit aber auch nicht mehr leisten als ein gut durchdachter simpler Faustkeil. Jeder Betriebswirt würde sich ob des Aufwands, den Neandertaler und erst Recht Crô-Magnon-Menschen bei der Herstellung ihrer Steinklingen betrieben, die Haare raufen, denn die Arbeitskosten für die Fertigung dieser filigranen Petrefakte sind unter ökonomischen Aspekten immens hoch.

Die hohen Herstellungskosten könnten sich allerdings als notwendiges Übel herausstellen, wenn man die Kosten des Ausgangsmaterials berücksichtigt.

Menschen haben zu allen Zeiten die verschiedensten Steinsorten als Werk- zeuge verwendet. Eindeutiger Favorit war aber der Feuerstein wegen seiner besonderen Splittereigenschaften. Obsidian, schwarzes vulkanisches Gesteinsglas, hat ähnliche Eigenschaften und wurde damit – zumindest in Amerika – in bestimmten Gegenden der einzige echte „Konkurrenzwerkstoff“ zum Feuerstein. Aber nicht überall, wo die frühen Menschen siedelten, gab es Feuerstein oder Obsidian, Feuersteinknollen finden sich in Kreidefelsen, Obsidian in der Nähe von Vulkanen. Zur Beschaffung der begehrten Rohstoffe für ihre Werkzeuge waren die Menschen der Steinzeit also zumindest seit Erectus’ Zeiten auf den Handel angewiesen.

Wie hoch Feuerstein beim Übergang zur Kupferzeit an steinzeitlichen

Börsen gehandelt worden wäre, zeigt sich daran, daß unsere Crô-Magnon

– Vorfahren nicht mehr genug Feuersteinknollen an der Erdoberfläche aufsammeln konnten. Es hat sich für sie rentiert, Schächte in die Kreidefelsen Englands und in entsprechende Gesteinschichten Bayerns abzuteufen und tiefe Stollen zu graben, um den begehrten Rohstoff zu gewinnen.

(Der Spiegel, 21.10.02 S. 221)

Wäre die heutige Menschheit immer noch auf den Feuerstein angewiesen, man würde ihn wohl mit Diamanten aufwiegen.

Wesentlich plausibler erscheint mir daher im Zusammenhang mit der Verfeinerung der Abschlagtechnik eine Rohstoffverknappung, die den menschlichen Erfindungsgeist herausgefordert hatte. Der Mensch hatte das Bücken gelernt, denn offenbar waren bereits die Neandertaler dazu gezwungen, sich nach jedem Abschlag auch die Bruchstücke genau anzusehen, die ihre Vorfahren noch als Abfall betrachtet hatten. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn klimabedingt lag ein Teil der Rohstoff- vorkommen über lange Zeiträume hinweg unter dem Inlandeis begraben.

Unsere Vorfahren vom Erectus – Typ lebten vergleichsweise im Paradies. Sie konnten sich damit begnügen, aus einem Pfund Feuerstein nur 5 bis

20 cm Schnittkante herauszuholen. An dieser Stelle erinnere ich nochmals daran, daß alle Steinwerkzeuge der Welt ausschließlich dem Zweck dienten, Fleisch, Fell, Knochen und gelegentlich ein wenig Holz zu bearbeiten. Der Neandertaler war bereits gezwungen, seinen Einfallsreichtum darauf zu verwenden, aus einem Pfund Feuerstein 100 cm Schnittkante herzustellen. Mehr, so wird man aus ökonomischen Gründen fordern müssen, waren nicht erforderlich.

Ganz anders verhält es sich beim „Übergang“ zum rezenten Menschentyp: Der „Technologiesprung“ vom Moustérienmesser des Neandertalers zur

Aurignacienklinge des Crô-Magnon ließ nicht nur den Arbeitsaufwand

zur Herstellung einer scharfen Klinge um mehr als 100 % ansteigen, die Gesamtlänge der Arbeitskante, die aus einem Pfund Feuerstein herausgearbeitet wurden, wuchs auf die Länge von 12 Metern. (vgl. Constable aaO, S. 125). Ohne Veränderung des ursprünglichen Werkzeugzwecks, nämlich der Bearbeitung von Fleisch, Fellen, Knochen und ein wenig Holz erscheint ein solcher Arbeitsaufwand schon fast als übertriebener Luxus.

Also muß man doch die Frage stellen, warum der nach bisheriger Auffas- sung intelligenteste aller Hominiden derartig unwirtschaftlich handelt. Nach gängiger Lehrmeinung unterscheidet sich Crô-Magnon nicht mehr vom gegenwärtigen Menschen. Dieser aber wird auch mit dem Beinamen Homo oeconomicus belegt. Das ist der Mensch, der streng rational und nur auf seinen Vorteil bedacht handelt. Das paßt alles nicht zusammen. Und erneut sollte uns an dieser Stelle die „primitive Steineklopferei“ zu denken geben.

Wir haben bislang nur die formale Zweckbestimmung der Steinwerkzeuge betont, nämlich die Bearbeitung von Fellen, Fleisch, Knochen und Holz. Dahinter steht aber ein anderer, übergeordneter Zweck: das Überleben; und dazu reichten die „primitiven“ Werkzeuge allemal aus. Warum also leisteten sich unsere Vorfahren den Luxus filigraner Werkzeuge, wo die groben es doch auch taten? Immerhin bedeutet der hohe Arbeitsaufwand einen offensichtlichen Verstoß gegen das Prinzip des geringsten Zwangs, der auch das Evolutionsgeschehen beherrscht.

Die Menschen, die sich später anschickten, die Erde zu dominieren, hatten wohl ursprünglich keine andere Wahl, als auch noch aus dem letzten Splitter einer Feuersteinknolle etwas Brauchbares herauszuholen. – Dieser Umstand deutet auf eine geradezu dramatische Verknappung des Roh- stoffs Feuerstein hin. Der Mensch war, wie wir gesehen haben, auch damals schon auf den Handel angewiesen; der Rohstoffmangel basiert daher vermutlich auf einem Handelshemmnis, das fast an ein Embargo oder einen Boykott erinnert.

Die Ereignisse am Ende der Steinzeit erhärten den Verdacht auf eine dramatische Feuersteinverknappung:

Wenn es sich schon lohnte, die Knollen tief aus dem Leib der Mutter

Erde graben, lag das Bedürfnis nach Ersatz bereits in der Luft.

Am Ende der Jungsteinzeit, also vor etwa 7.000 Jahren, war das Töpfer- handwerk bereits mindestens 2.000 Jahre alt. Die ältesten bislang gefundenen Keramiken stammen zwar aus Japan, aber das heißt noch lange nicht, daß Menschen in anderen Teilen der Welt nicht auf denselben Trichter gekommen wäre. Denn auch heute noch, bekanntestes Beispiel ist die Erfindung des Telefons, werden Erfindungen in verschiedenen Erdteilen unabhängig voneinander gemacht. Und die Abwesenheit eines Beweises für einen Vorgang ist schließlich kein Beweis dafür, daß der Vorgang nicht stattgefunden hat.

Die Herstellung von Keramikwaren ohne Feuer ist nicht denkbar. Und die jungpaläolithischen Töpfer werden in Gegenden mit entsprechenden Erz- vorkommen nach dem Brennen ihrer Waren immer wieder Metallklumpen gefunden haben. Diese hatte das Feuer aus den Wandsteinen ihrer Brennöfen herausgeschmolzen. Sie werden gemerkt haben, daß sich das Zeug der Form von Hohlräumen anpaßte und verformen ließ. Damit lag die Erfindung von Metallwerkzeugen geradezu in der Luft. Das relativ leicht schmelzbare, dennoch ausreichend feste Kupfer machte den Anfang.

Rund 2.000 Jahre brauchten die Menschen, um die wesentlich härtere Bronze zu „erfinden“. Bronze ist eine Legierung von rund 90% Kupfer und 10% Zinn. Forschungslaboratorien, wie wir sie heute kennen, gab es damals nicht. Aber Betrüger, die gab es damals wie heute. Und angesichts dessen ist es erstaunlich, warum es so lange gedauert hat, bis die Bronze „erfunden“ war: Nahezu von Anfang an wird es Hersteller und Händler gegeben haben, die der Versuchung nicht widerstehen konnten, ihren Profit dadurch zu steigern, daß sie Kupfer mit Metallen wie Blei und Zinn „streckten“. Der Schmelzpunkt von Zinn und Blei ist erheblich niedriger als der von Kupfer. Unter diesem Gesichtspunkt war die Bronzezeit eine unausweichliche Phase in der Menschheitsgeschichte. – Ihre Taufpaten aber waren Lug und Trug.

Vor rund 3.000 Jahren war dann in Europa und Asien der Markt ziemlich leergefegt. Die Kupferminen waren weitgehend ausgebeutet, der Preis für Kupfer stieg in schwindelerregende Höhen. Ähnliches widerfuhr den Zinnminen Europas und Asiens. Die Menschen fingen an, sich mit dem erst bei wesentlich höherer Temperatur schmelzenden Eisen zu beschäftigen. Man siedelt den Beginn der Eisenzeit etwa zu Beginn des ersten vor- christlichen Jahrtausends an. Es sollten seitdem fast dreitausend Jahre ver- gehen, bis der Mensch lernte, Eisen zu gießen und den Stahl herzustellen, der abgewrackt auf den Schlachtfeldern und am Meeresboden zurückblieb. – Welch eine Verschwendung von Rohstoffen und Energie.

Die vergangenen Weltkriege und der vor uns liegende drehen sich nur um ein Thema: Rohstoffe und Energie. – Es sieht ganz danach aus, als sei der „moderne“ Mensch von allen guten Geistern verlassen. Das Handelswesen Mensch hat augenscheinlich, was Energie und Rohstoffe angeht, das Vertrauen in den Handel verloren. Die Angst vor Embargo und Boykott sind offenbar so tief verwurzelt, daß der Mensch bereit ist, mehr Energie auf die Eroberung von Rohstoffvorkommen und Energiequellen aufzuwenden, als er durch Handel aufwenden müßte. Ist dieses aberwitzige Verhalten auf eine uralte kollektive Erinnerung an ein gravierendes Handelshemmnis zurückzuführen?

Wie kommt das? – Der Neandertaler wird den „modernen“ Menschen nicht boykottiert haben.

Boykott und Embargo sind Handelssanktionen, die darauf abzielen, den Boykottierten zu isolieren. Ein Abreißen des Handels, eine Isolation, kann aber auch ganz einfache natürliche Ursachen haben kann.

Eine solche natürliche Ursache wäre die Isolation einer Population aufgrund von Umweltveränderungen. Die Abgeschiedenheit, der mangelnde Kontakt zu Artgenossen läßt den Verdacht aufkeimen, daß die Theorie, der rezente Mensch habe sich in einem isolierten Bereich Afrikas entwickelt, sich als zutreffend erweist.

[Die ganze Geschichte ist hier nachzulesen, und zwar ab S. 157:australopithecussuperbus (Manuskript)

 

 

 

 

 

 


LUCA und die letzten Zeugen des biologischen Urknalls

Oktober 23, 2011

oe1.ORF.at Wissen.

Heute nachmittag lief ein wunderschöner Film in Arte:

Die phantastische Vielfalt der Natur:

Sonntag, 23. Oktober 2011 um 15.05 Uhr

Wiederholungen:
Keine Wiederholungen
Die wunderbare Artenvielfalt
(Frankreich, 2008, 81mn)
ARTE F
Regie: Denis van Waerebeke, Vincent Gaullier
Stereo 16:9 (Breitbildformat) Nativ HD

Nach Schätzungen von Wissenschaftlern besiedeln zwischen fünf und 100 Millionen verschiedene Arten von Lebewesen unseren Planeten. Mit humorvoller Distanz betrachtet der Dokumentarfilm die Wissenschaft von der Einordnung dieser Lebewesen in Arten, Familien und Gattungen.

Wissenschaftler, die in diesem Dokumentarfilm zu Wort kommen, gehen davon aus, dass die Millionen von Arten, die sich auf der Erde bewegen – einschließlich des Menschen – zu einer einzigen, riesigen Familie gehören. Aber wie und nach welchen Kriterien lassen sich diese Arten klassifizieren? Etwa nach der Anzahl ihrer Beine oder danach, ob sie Flügel, Federn, Fell oder Schuppen haben?
„Die wunderbare Artenvielfalt“ gibt einen Überblick über den derzeitigen Stand der Wissenschaft und räumt mit manchem Vorurteil in Sachen Evolution auf. Der Mensch stammt nicht vom Affen ab, sondern Mensch und Affe haben einen gemeinsamen Vorfahren. Der Mensch ist auch nicht höher entwickelt als eine Bakterie. Menschen haben zwar die Wissenschaft, die Philatelie und die Schwarzwälder Kirschtorte erfunden, Bakterien können sich dafür bei einer Temperatur von 100 Grad Celsius 14 Mal pro Minute teilen.
Denis van Waerebeke und Vincent Gaullier gewähren – mitunter überraschende – Einblicke in die Verwandtschaftsbeziehungen der Menschen zu anderen Lebewesen und informieren auf klare, unterhaltsame Weise über den aktuellen Stand der Forschung. Und ihr Film liefert Verständnishilfen zur heutigen wissenschaftlichen Debatte über die Entstehung und Entwicklung von Leben auf der Erde.

Und so nebenbei erfuhr ich von „LUCA“ (Last Universal Common Ancestor) – der letzte universelle gemeinsame Vorfahre aller Lebewesen.

Nun kam LUCA mir sehr bekannt vor, hatte ich ihn doch bereits vor gut 10 Jahren postuliert:

Also müssen wir uns über die Breite des Flusses klar werden: Nehmen Sie ein Biologiebuch zur Hand und schlagen sie die Übersicht mit dem Stammbaum der Organismen auf. Oben finden Sie schematisch dargestellt die Ordnung der rezenten Organismen. Nehmen Sie nun das Buch, drehen Sie es auf den Kopf und schauen Sie vom Rand aus darauf. Dann haben sie die Breite des Stroms.

Damit drängt sich unwillkürlich der oben erwähnte Vergleich zur Geschichte der Waffentechnik geradezu auf. Stellen Sie jeweils einen Krieger jeder Epoche nebeneinander auf, bilden diese die klassische griechische Schlachtordnung, die Phalanx.

Von der Amöbe bis zum Menschen, vom Bakterium bis zum Mammutbaum – die Natur bildet keine Hierarchien, keine „höheren“ oder „niedrigen“ Lebewesen. Die Evolution ging nicht in die Höhe, sondern in die Breite! Die Evolution strebt nicht vom Einfachen zum Komplexen. Die Komplexität wurde erforderlich, weil andere Wege versperrt waren. Die hierarchische Struktur der Evolution, an deren Spitze wir uns so gerne sehen, entpuppt sich aus diesem Blickwinkel tatsächlich als Wahnvorstellung des Menschen. Erst unter diesem Blickwinkel offenbart sich auch die schier unglaubliche Kraft und Kreativität der Evolution, trotz aller Widrigkeiten Nachkommen in die Welt zu setzen.

Wir glaubten bisher allzu gerne, außerhalb dieser Phalanx der übrigen Organismen zu stehen und sie eines Tages unterwerfen zu können. Der Phalanx des Lebens hat kein Mensch auf der Welt etwas entgegenzusetzen. Sie macht uns deutlich, daß der weit verbreitete Glaube, da regulierend eingreifen zu können, ein gewaltiger Irrtum und Ausfluß unserer eigenen Überheblichkeit ist. Das zeigt uns bereits das gemeine Gänseblümchen. Kein Wunder, daß gegen Unkraut letztlich kein Kraut gewachsen ist. Kein Wunder, daß Mediziner und Pharmakologen immer wieder vor der Anpassungsfähigkeit ihrer Widersacher aus dem Mikrokosmos kapitulieren müssen. Sieht man die Evolution als ein fließendes Etwas an, wird es verständlich, warum letztlich alle Widerstände, die der Mensch ihr entgegensetzt, immer wieder an Wirkung einbüßen. Sie werden umflossen oder weggeschwemmt.1

Weiter oben hatten wir den „Planeten Mensch“ erwähnt, der erst sichtbar wurde, nachdem der Mensch den „Mikrokosmos“ hatte sichtbar machen können. Mit Hilfe des Computers ist der Mensch heute in der Lage, eines der erstaunlichsten virtuellen Gebilde auf den Bildschirm zu zaubern, das man sich vorstellen kann. Es ist die Darstellung der sogenannten „Mandelbrot-Menge“. Vielen dürfte sie als „Apfelmännchen“ bekannt geworden sein. Betrachtet man den Rand des „Apfelmännchens“, so erscheinen bei jeder Vergrößerung immer neue „Apfelmännchen“. Wie wir gesehen haben, ist der Mensch so etwas wie ein Planet auf dem Planeten. Anderen Lebewesen ergeht es nicht anders. Ein Baum wird von einer Unzahl anderer Lebewesen bevölkert. Auch er erscheint als Planet auf dem Planeten. Das Eichhörnchen, das den Baum bewohnt, teilt als Säugetier weitgehend unser Schicksal und sieht damit aus wie ein Planet auf einem Planeten auf dem Planeten… .

Da nicht einmal alle rezenten Arten entdeckt und beschrieben sind, kann gegenwärtig auch niemand ermessen, wie breit der Strom des Lebens tatsächlich ist. – Jedenfalls ist er so breit, daß Jirkas Boot nicht steckenbleiben wird.   (PDF mit Fußnoten und Quellenangaben: phalanx)

Und immer wieder wird betont,- so auch im Ausgangsartikel, welch grandiose Ausnahmeerscheinung das Leben doch sei. – Weit gefehlt! – Das Leben widerspricht nicht dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik, es ist vielmehr sein eigenes Geschöpf. – Der Fehler inder Burteilung des Phänomens Leben beruht darauf, daß für uns Lebendige Materie „ordentlich“ ist, der 2. Hauptsatz aber alle Ordnung am Ende auflöst.

Das liegt aber daran, daß unser Gehirn uns vorschreibt, die Dinge zu kategotisieren“ sie „einzuordnen“. – Die scheinbare „Ordnung“ steckt im Gehirn, nicht in der Natur. Die sit und bleibt nichtlinear-thermodynamisch. – Und vor den nichtlienar-thermodynamischen Eigenschaften haben die Menschen einen derartigen Respekt, daß sie seinen schlimmsten Phantasien Flügelnverleiht:

Filme wie „Outbreak“ und andere Pandemie-Szenarien bezeugen das.

Dabei bei wiederholt sich jeden Tag der „Biologische Urknall“  innerhalb der Menschheit, nämlich immer dann, wenn ein „Neuer Mensch“ gezeugt wird:

Muster finden wir also auf allen Größenskalen.
Doch kehren wir auf die uns gerade noch geläufige Ebene des Atoms zurück. An ziemlich unscheinbarer Stelle im Periodensystem versteckt, da liegt eben das Element, den unzweifelhaft schöpferische Eigenschaften zugebilligt werden müssen: Das Kohlenstoffatom.
Kohlenstoffverbindungen bilden die Grundlage allen Lebens, ohne Kohlenstoff keine Biochemie.
Es neigt dazu, langkettige Moleküle, sog. Polymere zu bilden und damit Energie gewissermaßen zu „sammeln“ (Alle unsere Treib- und Sprengstoffe sind Kinder des Kohlenstoffs!). Trotz der theoretisch Unbegrenztheit der atomaren Zusammensetzung eines Polymers, läßt das Auftreten immer wiederkehrender Muster darauf schließen, daß die Zahl der Möglichkeiten zwar außerordentlich hoch, aber eben endlich ist. Was ist in der Frühzeit der Erde abgelaufen?
Nachdem die Erde sich hinreichend abgekühlt hatte, entstanden die ersten Ozeane. Diese dürften zunächst kochend heiß gewesen sein. Im Laufe der Zeit kühlten sie sich dann ab. Dabei wurden zwangsläufig alle Temperaturstufen durchlaufen, die den Kohlenstoffatomen ermöglichten, mit allen erdenklichen Elementen zu reagieren. Zwangsläufig fand der Kohlenstoff nach und nach immer weniger „freie“ Atome und Moleküle für die Polymerisation. Statt dessen stieg die Wahrscheinlichkeit, mit Polymeren anderer Provenienz zusammenzutreffen und in Wechselwirkung zu treteten. Es bildeten sich immer größere Bausteine, deren Zahl mit zunehmender Zeit zwar stetig abnahm, aber gleichzeitig die Basis für die Bildung immer komplexerer Einheiten schuf. – Das deutet auf einen sich selbst beschleunigenden Prozeß, auf eine positive Rückkopplungsschleife hin. Damit war die Entstehung des ersten Zelle bereits vorprogrammiert, es bedurfte lediglich eines Schleusenereignisses, um sie zu schaffen. Nachdem die erste Zelle sich erst einmal geteilt hatte, war das Leben nicht mehr aufzuhalten; es „explodierte“ regelrecht, der logistischen Gleichung x’ = r*x*(1-x) folgend. Unser Leben verdanken wir demnach einer Neigung des Kohlenstoffatoms. Da aber der Kohlenstoff im Laufe der Jahrmillionen alle tatsächlichen Möglichkeiten der Polymerisation durchgespielt haben muß, ist es umso erstaunlicher, daß er an den uns bekannten Mustern „hängenblieb“.
Es kann einem schon kalt den Rücken herunterlaufen, wenn man bedenkt, daß dieses relativ simple Atom einerseits das härteste Mineral, den Diamanten, hervorbringt, der das Licht in einmaliger Weise erstrahlen läßt; daß dieses simple Atom andererseits die komplexeste Struktur geschaffen hat, die auf Erden bekannt ist, nämlich das menschliche Gehirn. Dieses wiederum ist in der Lage, die Gesetze der nichtlinearen Mathematik zu ergründen und Rechenmaschinen zu entwickeln, die in der Lage sind, dem menschlichen Gehirn die Ähnlichkeiten zwischen den Mustern der reinen Mathematik und denen der Natur begreifbar zu machen. (PDF mit Fußnoten und Quellenangaben: biourknall)

Erstaunlich, was im Inneren der "logistischen Funtion" so alles los ist.

Schleusenereignisse en masse

Die Archaebakterien, die es immer noch gibt und die sich im kochenden Wasser unter vollständigem Luftabschluß wie die Geiseskranken vermehren, sind die „letzten Zeugen“ des bilogischen Urknalls.


Der Planet ist pünktlich

Oktober 19, 2011

Eine Frage der Gene – videos.arte.tv.

Es ist schon erstaunlich, welche Weltlinien sich am 18. Oktober des Jahres 2011 kreuzen.

Da ist erstens der „Gefangenenaustausch“ zwischen sogenannten Juden und sogenannten Palästinensern.

Zweitens konnte Arte TV bei seiner Programmplanung nicht wissen, daß am Sendetag der Gefangenenaustausch zwischen den verfeindeten Geschwistern stattfinden würde.

Aber alle drei hätten unschwer nachlesen können, daß Juden, Palästinenser und die übrigen Menschen „Brüder und Schwestern“ sind.

Die Max-Planck-Gesellschaft hat sich nach ihrer entsprechenden Presseeerklärung vom 4. November 1999 nicht mehr weiter um die Sache gekümmtert. – Das Netz war noch jung und die „Max-Planck-Gesellschaft Presseerklärung PRI B 17/99“  verschwand in Tausenden von Presserklärungen. – Googeln Sie danach, werden Sie erstaunt sein, wo Sie landen!

Gegenwärtig bin ich wohl der einzige Mensch, der daraus die Konsequenzen zieht und sich mit aller Kraft für die Beendigung des globalen Bürgerkriegs einsetzt.

Aber nciht nur wegen dieser Presseerklärung. Parallel zu den Erkenntnissen des Max-Planck-Insituts für evolutionäre Anthropologie stellte ich meine eigenen Recherchen über die Herkunft des Menschen an.

Im Wesentlichen kam ich zu einem ähnlichen Ergebnis wie das MPI, von einem anderen Ansatz her.

Die Begegnung des „modernen“ Menschen mit dem Neandertaler dürfte sich anders vollzogen haben, als die „Experten“ bisher annahmen.

nachunsurfassung – ist die PDF-Version des nachfolgenden Textes mit Quellenangaben und Fußnoten.

Nach uns die Sintflut

Jirkas Boot ist nunmehr in ein Fahrwasser gekommen, in dem die Gegenwart zum Greifen nahe ist. Vierzig Meter vor dem Ende unserer Reise tauchen quasi aus dem Nichts die ersten Überreste eines Menschen auf, dem die Biologen als erstem den Namen Homo sapiens sapiens zubilligen. Es handelt sich dabei um das Skelett eines Mannes, das in der Dordogne gefunden wurde. Der Fundort, Crô-Magnon, mußte erneut für die Namensgebung eines vermeintlich „neuen“ Menschentypus herhalten. Dessen Erscheinung unterscheidet sich in seinen wesentlichen Merkmalen freilich so gut wie gar nicht mehr von uns selbst.
Der Crô-Magnon-Mensch soll nach gängiger Lehrmeinung der erste Vertreter des „vollwertigen“ Menschen vom Typ Homo sapiens sapiens gewesen sein. Man schließt darauf aus seinem „modernen“ Schädel, seinen gegenüber den Neandertalern „filigraneren“ Skelettmermalen; vor allem aber aus seinen ebenfalls filigraner gearbeiteten Werkzeugen und der Tatsache, daß Crô-Magnon die ersten Bilder an Höhlenwände gemalt hat.
Nach bislang unwidersprochener Tradition war der repräsentiert der Neandertaler allenfalls einen Seitenzweig auf dem Weg zum Homo Sapiens Sapiens, – eine einzeitliche „Spezialanpassung“, das soll er gewesen sein.Mit dem Ende der Eiszeit sei er dann ausgestorben. Nach wie vor halte ich diese Argumentation für dümmlich, denn es gibt auf der Nordhalbkugel dieser Erde genügend Taiga und Tundra, in denen heute noch Neandertaler ihrer gewohnten Lebensweise nachgehen könnten, die sich von der der Inuit1 nicht wesentlich unterschied.
Das augenfälligste Unterscheidungsmerkmal ist die Form des Schädels. Betrachtet man allerdings die unterschiedlichen Schädelformen, so ist die Gestalt des Neandertalers evolutionär geradliniger:
Augenbrauenwülste und fliehendes Kinn gehören eher zur „traditionellen“ Ausstattung des menschlichen Schädels als unser plattes Gesicht mit dem spitzen Kinn. Im Zuge der Evolution finden wir das Spiegelbild unseres Schädels zwar wieder, aber nur bei Affenföten und -jungen. Das Gesicht des modernen Menschen gleicht dem embryonalen, allenfalls frühkindlichen Gesicht des Schimpansen. Der Gesichtsschädel des Menschen weist damit eindeutig neotene Züge auf.
Die neotene Morphologie der Gesichtsknochen sollte uns bereits zu denken geben; ich darf in diesem Zusammenhang in Erinnerung rufen, daß die Neotenie eines Merkmals so beschrieben werden kann, als hätten die Gene an einer bestimmten Stelle „vergessen“, wie es weitergeht. vom Schädelinhalt her gesehen, besteht kein signifikanter Unterschied zwischen Neandertaler, Crô-Magnon und Wall-Street-Analysten.
Die Schädelform des „modernen“ Menschen könnte man daher auch anders beschreiben, nämlich als Spielart der Australopithecus – Schädelform in neotener Ausprägung seiner Neandertalvariante. Der von den Biologen postuzlierte fundamentale Unterschiede zwischen Jetztmensch und Neandertaler fällt damit weg. Was nun? – Ist der Neandertaler ein Jetztmensch oder sind wir Neandertaler? – Wir werden sehen:
Im vorangegangenen Kapitel haben Sie die Arbeiten von Lieberman und Crelin kennengelernt. Diese haben u.a. festgestellt, daß die Rachenform der außerhalb Europas gefundenen Neandertaler sich der des modernen Menschen annäherten. Mit dem allein für Menschen typischen Rachen hat es jedoch eine besondere Bewandtnis:
„…David Pilbeam, Anthropologe an der Yale-University, hält es für möglich, daß ein andersartiger Evolutionsmechanismus die Veränderung am Schädel des Menschen herbeiführte. Gestützt auf die Hypothese von Lieberman und Crelin, nimmt er an, daß die Kopfform der Neandertaler – möglicherweise mit Ausnahme der in Westeuropa lebenden – allmählich dadurch moderner wurde, daß sich im oberen Halsabschnitt ein Rachen entwickelte, durch den Lautbildung und Sprache überhaupt erst möglich wurde. Lieberman und Crelin wiesen darauf hin, daß man die Entwicklung des Rachens an Neugeborenen studieren kann; sie haben bei der Geburt noch keinen ausgebildeten Rachen. Wenn dieser wesentliche Teil des Vokaltrakts im Alter von ungefähr drei Monaten seine endgültige Form annnimmt, senkt sich der Rachen (die Resonanzkammer) in die Kehle hinein, und die Schädelbasis, die bei der Geburt relativ flach war, wölbt sich. Damit bildet sich der Rachenraum unmittelbar vor dem obersten Hlaswirbel, die Wölbung der Schädelbasis dient als Dach.“
Nach Pilbeams Ansicht kann die Entwicklung des gewölbten Rachendachs die gesamte Struktur des menschlichen Schädels beiinflußt haben. Mit der Wölbung der Schädeldecke verkürzte sich die Schädelbasis. (Man stelle sich ein Stück Stoff vor, das man in der Mitte anhebt: Es wird kürzer.)2
Hier haben wir nicht nur eine Spur, die erneut nach Afrika führt, wir haben auch eine Spur, die, wie im Falle unserer Wirbelsäule, an eine Deformation denken läßt. Die Schilderung der Entwicklung des menschlichen Rachens „riecht“ förmlich danach: Die Schädelbasis wächst nicht in der seit Jahrmillionen gewohnten Weise weiter, sie verkrümmt sich statt dessen in der frühen nachgeburtlichen Phase. Die Anatomie der Weichteile des inneren Halses verändert sich ebenfalls erst nach der Geburt. Nun läßt sich das Gehirn des Menschen nicht mehr verkleinern. Die auch bei der Individualentwicklung wirksame logistische Gleichung läßt das Gehirn auf die gentisch festgelegte Größe anwachsen. Eine Deformation der Schädelbasis nuß daher auf die Form der Knochen erheblichen Einfluß ausüben. Zutreffend ist daher die Ableitung der uns vertrauten Kopfform aus der des Neandertalers, wie sie bei Constable wiedergegeben wird:
„Wenn der Ausgangspunkt dieses Prozesses ein langer, flacher Neandertaler-Schädel war, so könnte die Verkürzung der Schädelbsies dazu geführt haben, daß die Gesichtsregion von ihrer bisher vorgeschobenen Position zurückwich. Wich das Gesicht zurück, so mußte die ganze Hirnschale höher werden, damit die gleiche Hirnmasse wie zuvor Raum fand. Gleichzeitit mußten Stirn und Schädelseiten eine vertikale Form annehmen. So entwickelte sich der Schädel des Neandertalers zu dem des modernen Menschen. Im Grunde stellen die Schädeltypen des Neandertalers und des modernen Menschen nur unterschiedliche Möglichkeiten zur Unterbringung der gleichen Gehirnmasse dar. Nur eine der Dimensionen – die Länge der Schädelbasis – entscheidet über die Form des Inhalts, und diese wiederum wird durch das Vorhandensein oder Fehlen eines modernen Rachen bestimmt.“3
Wenn Sie diese Zeilen aufmerksam gelesen haben, dürfte Ihnen nicht entgangen sein, daß der Autor bzw. sein Interviewpartner, der leider nur in der Danksagung des von mir zitierten Werkes erwähnt wird, eine Rückkopplungsschleife postuliert, und das zu einer Zeit, als nichtlinear-dynamische Systeme nicht einmal in Fremdwörterlexika erwähnt wurden. Die Verwendung der Wortsprache gab dieser Rückkopplungsschleife ihre uns allen vertraute Richtung. – Ähnliche Verkrüppelungen der Schädelbasis und des Halses sind sehr wahrscheinlich schon früher vereinzelt aufgetreten, ohne daß dies Folgen für die Evoltion gehabt hätte. Es würde mich nicht einmal wundern, wenn Tierärzte bei intensiver Suche so etwas wie „Rachenbildung“ als seltene „Erbkrankheit“ bei Schimpansen diagnostizierten.
Schauen Sie einmal in den Spiegel. Vermutlich sehen Sie dort einen Neandertaler mit einem reichlich deformierten Gesicht. Für einen „klassischen“ Neandertaler wäre dieser Anblick wohl eine fürchterliche Erfahrung. Würden Sie sich selbst als Neandertaler annnehmen? – Vor allem, würden die anderen Sie als Neandertaler akzeptieren oder mit einer Mischung aus Ablehnung, Abscheu und einer gewissen Faszination regieren? – Nach aller Erfahrung, die der moderne Mensch seit rund fünftausend Jahren aufgeschrieben hat, dürfte die letztgenannte Reaktion zutreffend sein. Mit anderen Worten, genetisch trennen beide Formen nur Nuancen, also Unterschiede, die kaum wahrnehmbar sind. Dennoch hat sich wohl ein auffälliger Unterschied herausgebildet, der weniger in der Morphologie des Gesichts, als vielmehr im menschlichen Verhalten seinen Niederschlag gefunden hat.
Heute noch anzutreffende, sehr eigentümliche Verhaltensmuster des Menschen zeigen uns, welchen Pfad die Evolution am virtuellen Scheideweg des Menschen zwischen Neandertal und Crô-Magnon eingeschlagen hat:
Das auffälligste Merkmal des Menschen ist seine besondere Einstellung zum Töten von Artgenossen.
Das fünfte Gebot lautet: Du sollst nicht töten. Selbstverständlich ist damit nur das „gesetzwidrige“ Töten von Artgenossen gemeint, genauer gesagt, von Stammesangehörigen, wie die entprechende Präzisierung des Gebots in den „Ausführungsbestimmungen “ zu den Zehn Geboten erkennen läßt. Dort wird für eine Vielzahl vergleichsweise harmloser Delikte die Todesstrafe angeordnet.4
Wolfgang Wickler beschreibt in seiner Biologie der Zehn Gebote  einige Fälle des kulturell akzeptierten Tötens von Artgenossen, und zwar zugunsten des Kollektivs:
„Unter diesem Gesichtspunkt (der des Altruismus) gibt es eine selbstmordartige Aufopferung auch beim Menschen, wenigstens in solchen Gruppen, die besonders stark der Auslese durch natürliche Umweltfaktoren ausgestzt sind. Noch um die Jahrhundertweden sagte der russische Bauer >Tschujoi wek zayedayu, Pora na pokoi<  – Ich lebe anderen das Leben weg: Es ist Zeit zu gehen. Und er geht. >Der alte Mann verlangt selbst zu sterben; er besteht selbst auf dieser letzten Pflicht gegen die Gemeinschaft und verlagnt die Zustimmung des Stammes; er gräbt selbst sein Grab; er lädt seine Verwandten zum letzten Abschiedesmahl. Sein Vater hat dasselbe getan; nun ist er an der Reihe; und er verabschiedet sich von seinen Angehörigen mit allen Zeichen der Liebe<, schreibt Kropokin. Und auch er sieht die Tötungshemmung: >Aber den Wilden widerstrebt es gewöhnlich so sehr, jemandem anderswo als in der Schlacht das Leben zu nehmen, daß keiner von ihnen es auf sich nehmen will, Blut zu vergießen, und sie nehmen ihre Zuflucht in allen möglichen Kunstgriffen, die so so sehr falsch ausgelegt worden sind. In den meisten Fällen lassen sie den alten Mann im Wald allein, nachdem sie ihm mehr als seinen Anteil der Nahrung gegeben haben. Polexpeditionen haben dasselbe getan, wenn sie ihren kranken Genossen nicht mehr weiterschleppen konnten… vielleicht gibt es noch eine unerwartete Rettung.< Das Aussetzen von Alten und Kranken sowie Kindsmord sind durchaus mit einer hochstehenden Moral zu vereinen.“5
Die Alten und Kranken werden ausgesetzt oder auch aktiv getötet, wie Wickler weiter ausführt.
Neben der Tötung von Alten und Kranken ist beim modernen Menschen bis in die jüngste Zeit hinein die Kindstötung weit verbreitet, und zwar auch aus durchaus niedrigen Beweggründen:
„Weit verbreitet ist das töten von Mißgeburten; regelmäßig geschah es noch bis ins 19. Jahrhundert in Schlesien. Bei manchen Naturvölkern weden viele weibliche Nachkommen gleich nach der Geburt umgebracht, weil sie – wie z.B. bei den Eskimos – keine Jagdbeute machen, aber eine Mitgift fordern und damit die Familie unzumutbar belasten können.“6
Neben dieser Form des innerartlichen Tötens, das sich sozusagen „im engsten Familienkreis“ abspielt, kennen wir von Anbeginn der Geschichtsschreibung und von nahzu allen „Naturvölkern“, die noch nicht gänzlich ausgerotten wurden, kriegerische Auseinandersetzungen, Kopfjagd und Kannibalismus. Selbstverständlich war auch der Neandertaler nicht unbedingt Ausbund der Friedfertigkeit, denn einige der Skelette wiesen Spuren von tödlichen, aber auch von verheilten Wunden auf, die eindeutig auf Waffeneinwirkung zurückzuführen sind. Außerdem gibt es deutliche Hinweise für Kannibalismus. Kannibalismus und bewaffnete Auseinandersetzungen weisen aber nicht unbedingt auf ein gegenüber dem zivilisierten Menschen erhöhtes Agressionspotential oder gar Menschenverachtung hin, mit Desmond Morris kann man all das durchaus sportlich sehen:
Eine degenerierte Form des Sports, die besondere Erwähnung verdient, ist das Kriegführen. In frühester Zeit, als die Waffen noch neu waren, war eine blutige Sportart so gut wie die andere. Als die Jagd auf wirkliche Nahrungsobjekte nicht mehr im Mittelpunkt stand, hatte man eine reiche Auswahl an Ersatzobjekten. Jedes Jagdopfer war recht, wenn es nur die nötige Erregung, den gewissen Kitzel mit sich brachte, und warum sollte man die menschliche Beute ausschließen? Die frühen Kriege waren keine totalen Kriege, sie waren streng regulierte und auf ein Schlachtfeld begrenzte Angelegenheiten, etwa wie eine sportliche Auseinandersetzung heute. Die Krieger verwendeten dieselben Waffen, die ihnen auch zur Jagd dienten, und im besonderen Fall des Kannibalenkrieges erstreckt sich die Ähnlichkeit sogar noch bis zum Aufessen der Beute“.7
Die Neandertaler lebten in den rauhen Gefilden der Eiszeit, also sollte man erwarten, daß er gegenüber dem Leben seiner Gefährten eine ähnliche Einstellung an den Tag legte wie die Inuit oder andere Völker, die mit schwierigen Lebensbedingungen zu kämpfen haben. Immerhin deuten Spuren an den Schneidezähnen einiger Neandertaler auf eine den heutigen Inuit gleichzusetzende Lebenweise hin: Sie nahmen ein größeres Stück Fleisch in den Mund und trennten mit einem Schnitt unmittelbar vor den Zähnen den gewünschten Bissen ab. Man sollte also erwarten, daß der angeblichweitaus „primitivere“ Neandertaler sich seiner Kranken, seinen Pflegefällen und auch „überschüssigen“ Kindern in ähnlicher Weise entledigte.
Bezüglich der Einstellung zum Fünften Gebot wissen die Skelette der bislang gefundenen Neandertaler allerdings eine ganz andere Geschichte zu erzählen:
„Die Neandertaler müssen deutlicher als alle anderen Geschöpfe vor ihnen empfunden haben, wie kostbar ein Leben ist, denn auf der fundamentalsten Ebene sind Begräbnisriten gleichbedeutend mit dem Wunsch, das Menschliche zu bewahren. Das Begraben besagt, daß irgendein wesentlicher Teil des menschlichen Lebens – man mag es Geist oder Seele nennen ‑ nicht zerstört werden kann, sondern nach dem Tode irgendwo anders in irgendeiner anderen Form weiterexistiert.
Dieser zunehmende Sinn für den Wert des Lebens spiegelt sich nicht nur in den Begräbnisriten der Neandertaler, sondern auch in ihrer Fürsorge für alte und behinderte Menschen. So war zum Beispiel der Mann von La Chapelle-aux-Saints längst über die besten Mannesjahre hinaus, als er starb. Sein Skelett läßt erkennen, daß er unter Arthritis litt und unmöglich noch an Jagden teilnehmen konnte. Selbst das Essen muß ihm schwergefallen sein, da er alle Zähne bis auf zwei verloren hatte. Hätte er zu einer früheren Zeit gelebt, hätte man ihn wahrscheinlich ausgesetzt und verhungern lassen, nachdem er für die Gruppe nicht mehr von Nutzen war. Aber die Neandertaler ließen sich anscheinend nicht von einer derart grausamen Logik leiten. Die Gefährten dieses Mannes versorgten ihn selbstlos mit Essen, vielleicht kauten sie es ihm sogar vor.
Auch die Funde von Shanidar lassen vermuten, daß die Neandertaler für Behinderte sorgten. Einige der dort gefundenen Knochen gehören einem 40jährigen Mann, der vermutlich durch Steinschlag getötet wurde. Die Untersuchung seines Skeletts ergab, daß ihm vor dem tödlichen Unfall nur ein Arm zur Verfügung gestanden hatte. Der rechte Arm und die Schulter waren verkümmert – vermutlich ein angeborener Defekt. Trotz dieser erheblichen Behinderung erreichte er ein für einen Neandertaler hohes Alter. Seine Vorderzähne sind ungewöhnlich stark abgenutzt, was darauf hindeutet, daß er einen großen Teil seiner Zeit damit verbrachte, Tierhäute weichzukauen, damit sie als Kleidung verwendet werden konnten, oder daß er seine Zähne anstelle des fehlenden Arms zum Festhalten von Gegenständen benutzte. (…) Auch der ursprüngliche Neandertaler aus Deutschland hat eine schwere Verletzung überlebt, sich allerdings nicht gut von ihr erholt: Die Knochen seines linken Ellenbogens waren so deformiert, daß er nicht imstande war, die Hand zum Mund zu heben; ob Mensch oder Tier für diese Verletzung verantwortlich war, läßt sich nicht feststellen.“8
Irgendwie scheint nach dem Bericht der stummen Zeugen unser Artgenosse aus dem Neandertal sehr human gewesen zu sein. Unter dem Aspekt unserer eigenen innerartlichen Tötungsgewohnheiten erscheint seine Form der Fürsorge geradezu postmodern, denn das, was wir heute als „soziale Sicherungssysteme“ bezeichnen, gibt es erst seit etwa 130 Jahren. Die in Deutschland lang umstrittene Pflegeversicherung ist so jungen Datums, daß sie ihresgleichen in der Welt suchen muß. Das Diskriminierungsverbot Behinderter ist ebenfalls eine „Errungenschaft“, die erst vor wenigen Jahren Einzug in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland gehalten hat. Die Lehre vom „lebensunwerten“ Leben, die vor nicht allzulanger Zeit Tausende von Todesdopfern forderte, feiert bei der Zulassung der aktiven Sterbehilfe in den Niederlanden fröhliche Urständ!
Leider werden wir auf diese Einstellung des modernen Menschen zum Leben seiner Mitmenschen im Zusammenhang mit seinem Erfolg auf dieser Erde noch zurückkommen müssen. Doch zuvor gilt es einen Beweis neu zu würdigen, der bislang immer als Beleg für die überlegene Intelligenz des moderen Menschen herhalten mußte. Es handelt sich dabei um den „Fortschritt“ in der Herstellung von Feuersteinwerkzeugen. Dieser vermeintliche Fortschritt läßt nämlich Rückschlüsse auf die Abspaltung der „modernen“ von der „klassischen“ Variante des Menschen zu:
Die Faustkeile der frühen Homo-erectus – Kultur ließen sich mit etwa 25 Schlägen in einem Arbeitsgang fertigen, bei den späteren waren schon zwei Arbeitsgänge mit insgesamt 65 Schlägen erforderlich. Für ein Messer des Neandertalers bedurfte es drei Arbeitsgänge mit 111 Schlägen (Moustérien-Technik); demgegenüber erfordert ein nach der Aurignacien-Technik hergestelltes Messer des Crô – Magnon – Menschen 251 Schläge in neun Arbeitsgängen.
Der Mensch ist ein Produkt der Evolution. Wie jedes andere Lebewesen auch, betreibt er nicht mehr Aufwand, als er muß. Unsere Freunde vom Homo-erectus – Typ kamen mit ihren Werkzeugen über Hunderttausende von Jahren gut zurecht. Warum also sollten sie ihre Werkzeuge groß verfeinern? – Auch der Neandertaler wäre wahrscheinlich mit den von ihren Vorfahren ererbten Technologien zufrieden gewesen, wenn nicht die neuen Lebensbedingungen der Eiszeit sie gezwungen hätten, ihre Werkzeuge den Verhältnissen anzupassen. Und, das ist meines Erachtens die entscheidende Frage, warum bestand diese Anpassung gerade in der Verfeinerung der Werkzeuge?
Auf der Insel Rügen gibt es Feuerstein in Hülle und Fülle. Jeder kann sie in den Feuersteinfeldern aufsammeln und versuchen, sie als Rohstoff für Werkzeuge auf den Markt zu bringen. Freilich interessiert sich niemand mehr für Feuerstein als Rohstoff. Als der klassische Neandertaler der letzte Schrei der Natur in Europa war, lagen die Dinge noch anders und die Feuersteinfelder Rügens unter einer mächtigen Eisdecke verborgen. Merkwürdig, aber die Antwort auf die obige Frage scheint offen vor unseren Augen zu liegen, freilich erst seit einer Zeit, da niemand mehr an Werkzeugen aus Feuerstein interessiert war. Um ein klares Bild zu erzielen, müssen wir uns in die früheste Steinzeit versetzen:
Wenn Ihnen die Zivilisation einmal zu langweilig wird, fahren Sie nach Rügen, holen Sie sich eine Feuersteinknolle und setzen Sie sich an den Strand. Nehmen Sie ein Buchmit, in dem auch die „primitiven“ Werkzeuge unserer Freunde der Homo erectus – Kultur abgebildet sind.
Sie sind nun ein intelligenter Mensch des ausgehenden 20. Jahrhunderts und ihren Vorfahren weit überlegen. – Dennoch werden Sie es nicht fertigbringen, innerhalb Ihres Urlaubs auch nur ein halbwegs brauchbares Werkzeug, geschweige denn einen Faustkeil herzustellen, der der „primitivsten“ Stufe auch nur annähnernd ähnlich sieht und dessen Funktionen erfüllen kann. Die Herstellung von Steinwerkzeugen hat wenig mit Intelligenz zu tun, mehr mit dem Klavierspielen. Es erfordert Übung, Erfahrung und ein Gefühl für das Instrument, das man handhabt.
Bereits zu Beginn der Neandertaler-Ära hatte die Menschheit etwa zwei bis zweieinhalb Millionen Jahre gesammelt und gejagt, ohne daß sich an den allgemeinen Lebensumständen etwas geändert hatte. Die ihnen zur Verfügung stehenden „primitiven“ Werkzeuge aus Stein erfüllten immer denselben Zweck, nämlich dem Bearbeiten von Häuten, Knochen, allenfalls noch der Herstellung von Holzgeräten, etwa dem Schlagen und Zuspitzen hölzernener Speere. Diese allgemeinen Lebensumstände änderten sich weder nach dem Erscheinen der Neandertaler noch nach dem ersten Auftreten des „modernen“ Menschen.
Der „Technologiesprung“ von 25 Schlägen in einem Arbeitsgang auf neun Arbeitsgänge mit 251 Schlägen läßt sich mit höherer Intelligenz kaum erklären, denn am Ende dieser vielen Arbeit stehen zwar „Spezialwerkzeuge“, die in ihrer Gesatmheit aber auch nicht mehr leisten müssen als ein gut durchdachter simpler Faustkeil. Jeder Betriebswirt würde also ob des Aufwands, den Neandertaler und erst Recht Crô-Magnon-Menschen bei der Herstellung ihrer Steinklingen betrieben, den Kopf schütteln, die Kosten für die Fertigung dieser filigranen Petrefakte sind unter ökonomischen Aspekten immens hoch.
Die hohen Arbeitskosten könnten sich allerdings als notwendiges Übel herausstellen, wenn man die Kosten des Ausgangsmaterials berücksichtigt.
Menschen haben zu allen Zeiten die verschiedensten Steinsorten als Werkzeuge verwendet. Eindeutiger Favorit war aber der Feuerstein wegen seiner besonderen Splittereigenschaften. Obsidian, schwarzes vulkanischens Gesteinsglas hat ähnliche Eigenschaften und wurde damit – zumindest in Amerika – in bestimmten Gegenden der einzige echte „Konkurrenzwerkstoff“ zum Feuerstein. Aber nicht überall, wo die frühen Menschen siedelten, gab es Feuerstein oder Obsidian, Feuersteinknollen finden sich in Kreidefelsen, Obsidian in der Nähe von Vulkanen. Zur Beschaffung der begehrten Rohstoffe für ihre Werkzeuge waren die Menschen der Steinzeit also seit Homo erectus’ Zeiten auf den Handel angewiesen.
Wie hoch Feuerstein an steinzeitlichen Börsen gehandelt wurde, zeigt sich daran, daß unsere Crô-Magnon – Vorfahren nicht mehr genug Feuersteinknollen an der Erdoberfläche aufsammeln konnten. Es hat sich für sie rentiert, Schächte in die Kreidefelsen Englands abzuteufen und Stollen zu graben, um den begehrten Rohstoff zu gewinnen.
Wäre die heutige Menschheit immer noch auf den Feuerstein angewiesen, man würde ihn wohl mit Diamanten aufwiegen.
Wesentlich plausibler erscheint mir daher im Zusammenhang mit der Verfeinerung der Abschlagtechnik eine Rohstoffverknappung, die den menschlichen Erfindungsgeist herausgefordert hatte. Der Mensch hatte das Bücken gelernt, denn offenbar waren bereits die Neandertaler dazu gezwungen, sich nach jedem Abschlag auch die Bruchstücke genau anzusehen, die ihre Vorfahren noch als Abfall betrachtet hatten. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn klimabedingt lag ein Teil der Rohstoffvorkommen über lange Zeiträume hinweg unter dem Inlandeis begraben.
Unsere Vorfahren vom Homo-erectus – Typ lebten vergleichsweise im Paradies. Sie konnten sich damit begnügen, aus einem Pfund Feuerstein nur 5 bis 20 cm Schnittkante herauszuholen. An dieser Stelle erinnere ich nochmals daran, daß alle Steinwerkzeuge der Welt ausschließlich dem Zweck dienten, Fleisch, Fell, Knochen und gelegentlich ein wenig Holz zu bearbeiten. Der Neandertaler war bereits gezwungen, all seinen Einfallsreichtum darauf zu verwenden, aus einem Pfund Feuerstein 100 cm Schnittkante herzustellen. Mehr, so wird man aus ökonomischen Gründen fordern müssen, waren unter wirtschaftlichen Aspekten nicht erforderlich.
Ganz anders verhält es sich beim „Übergang“ zum rezenten Menschentyp:
Der „Technologiesprung“ vom Moustérienmesser des Neandertalers zur Aurignacienklinge des Crô-Magnon ließ nicht nur den Arbeitsaufwand zur Herstellung einer scharfen Klinge um mehr als 100 % ansteigen, die Gesamtlänge der Arbeitskante, die aus einem Pfund Feuerstein herausgearbeitet wurden, wuchs auf die Länge von 12 Metern.9 Ohne Veränderung des ursprünglichen Werkzeugzwecks, nämlich der Bearbeitung von Fleisch, Fellen, Knochen und ein wenig Holz erscheint ein solcher Arbeitsaufwand schon fast als übertriebener Luxus.
Also muß man doch die Frage stellen, warum der nach bisheriger Auffassung intelligenteste aller Hominiden deratig unwirtschaftlich handelt. Nach gängiger Lehrmeinung unterscheidet sich Crô-Magnon nicht mehr vom gegenwärtigen Menschen. Dieser aber wird auch mit dem Beinamen Homo oeconomicus belegt. Das ist der Mensch, der streng rational und nur auf seinen Vorteil bedacht handelt. Das paßt alles nicht zusammen.
Wir haben bislang nur die formale Zweckbestimmung der Steinwerkzeuge betont, nämlich die Bearbeitung von Fellen, Fleisch, Knochen und Holz. Dahinter steht aber ein anderer, ganz einfacher Zweck, nämlich das nackte Überleben. Unter diesem Blickwinkel erscheint der Mehraufwand an Arbeit in einem anderen Licht:
Die Menschen, die sich später anschickten, die Erde zu dominieren, hatten wohl ursprünglich keine andere Wahl, als auch noch aus dem letzten Splitter einer Feuersteinknolle etwas Brauchbares herauszuholen. – Dieser Umstand deutet auf eine geradezu dramatische Verknappung des Rohstoffs Feuerstein hin. Der Mensch war, wie wir gesehen haben, auch damals schon auf den Handel angewiesen; der Rohstoffmangel basiert daher vermutlich auf einem Handelshemmnis, das fast an ein Embargo oder einen Boykott erinnert; das aber auch ganz simple natürliche Ursachen haben kann.
Eine solche natürliche Ursache wäre die Isolation einer Population aufgrund von Umweltveränderungen. Die Abgeschiedenheit, der mangelnde Kontakt zu Artgenossen, läßt den Verdacht aufkeimen, daß die Theorie, der rezente Mensch habe sich in einem isolierten Bereich Afrikas entwickelt, sich als zutreffend erweist.
Denken wir einmal die andere Möglichkeit durch: Als Alternative zur isoliertern Entwicklung kommt lediglich die sukzessive Ersetzung der früheren durch die später Form im Wege der Akzentverschiebung in Betracht. Wenn die Gestalt des modernen Menschen sich allmählich durch Akzentverschiebung aus der Gestalt des Neandertalers entwickelt haben sollte, dann müßte die „kulturelle“ Evolution dahinter zurückbleiben. Die Veränderung körperlicher Merkmale bei unveränderten Lebensumständen hat ohne das Hinzutreten besonderer Umstände keinen Einfluß auf die benutzten Werkzeuge. Deren Verwendungszweck war nach wie vor auf die Bearbeitung von Fleisch, Fellen, Knochen und Holz beschränkt. Bei sukzessiver Ersetzung hätte sich aus ökonomischen Gründen diese Entwicklung allenfals in einer allmählich fortschreitenden Verfeinerung der Steinwerkzeuge widerspiegeln können. Die Petrefakte des Crô-Magnon tauchten indes gleichsam aus dem Nichts auf, wie dieser Menschentypus selbst. Den Weg der Akzentverschiebung ist die Evolution demnach nicht gegangen.
Die weitgehend isolierte Entwicklung des „modernen“ Menschen läßt sich folglich bereits aus dem scheinbaren technischen „Fortschritt“ ableiten.
Das aber erklärt noch lange nicht, warum der „moderne“ Mensch innerhalb weniger Jahrtausende bis in den letzten, elendsten Winkel dieses Planeten vordrang.
Suchen wir also weiter.
Eine Forschungsgruppe um den Genetiker Lynn Jordy (University of Utah) ist zu dem Schluß gekommen, der moderne Mensch sei aus einer Population von allenfalls einigen zehntausend Individuen hervorgegangen, die vor etwa 70 bis 80.000 Jahren die Erde bevölkerten. Die Eruption eines Supervulkans soll nach dieser Ansicht die Weltbevölkerung dermaßen dezimiert haben, daß eben nur diese relativ kleine Menschheit übrigblieb.10
Das würde allerdings voraussetzen, daß es nur eine einzige Menschheit gab und all die Neandertaler, die bis vor etwa 25.000 Jahren Zeitgenossen des „modernen“ Menschen waren, nicht zur Menschheit gehörten. Angesichts ihrer Vermessenheit ist diese Ansicht zu verwerfen. Außerdem fehlt jeder Beleg für ein analoges Massensterben im Pflanzen- und übrigen Tierreich aus jener Zeit. Dennoch dürfen wir die Grundlagen dieser These nicht achtlos beiseite schieben. Diese besteht nun einmal in der Erkenntnis, daß kaum mehr als 10.000 Menschen den Startpunkt für die Evolution unserer selbst bildeten. Demnach ist zu fragen, wie es geschehen konnte, daß einige Zehntausend Menschen sich von der übrigen Welt abspalteten und zu dem wurden, was wir heute noch repräsentieren? – Die Menschen standen, das dürfen Sie als sicher voraussetzten, seit Urzeiten in gegenseitigem Kontakt. Wodurch verlor diese Gruppe den Anschluß an die übrige damals lebende Menschheit? – Die Antwort auf diese Frage lautet sehr wahrscheinlich: Wasser.
Seit der Neandertaler die Weltbühne betrat, kam es wiederholt zu erheblichen Klimaschwankungen. Der ständige Wechsel zwischen Kalt- und Zwischeneiszeiten ließ den Spiegel der Weltmeere mehrfach stark ansteigen und wieder absinken. Der „Tidenhub“ vom Höhepunkt der letzten Vereisung vor 18.000 Jahren bis zum heutigen Normalnull des Wassers beträgt satte 130 Meter!11
Zieht man also in Betracht, daß es gar nicht so lange her ist, daß Menschen über die Beringstraße zu Fuß von Asien nach Amerika und von der Themse an die Seine gelangen konnten, haben wir die „Wiege“ der heutigen Menschheit vermutlich nicht in Ostafrika zu suchen, sondern vielmehr vor der heutigen ostafrikanischen Küste, irgendwo auf dem Kontinentalschelf.12
Die Suche dürfte sich lohnen, denn die Befunde der Genetiker passen genau in das Zeitfenster, das sich vor etwa 90.000 Jahren öffnete und von den Geologen Eem-Warmzeit genannt wurde. Vor 70.000 Jahren wurde es dann wieder kälter. Die Weichsel- oder Würm-Vereisung nahm ihren Anfang. Mit ihr fand die „Eiszeit“ vor etwa 10.300 Jahren ihr vorläufiges Ende.
Die Folgen einer fortschreitenden Erderwärmung werden heute unter dem Begriff „Klimakatastrophe“ gehandelt. – Allein, einer solchen „Klimakatastrophe“ verdanken wir unsere Existenz:
Der ansteigende Meeresspiegel hat – zunächst unmerklich – den Lebensraum unserer Vorfahren in ähnlicher Weise vom Rest der Welt isoliert wie der Ärmelkanal England vom übrigen Europa. Mit fortschreitendem Anstieg des Pegels riß irgendwann der Kontakt zur übrigen Menschheit ab.  Aus der Sicht des Neandertalers waren diese „Inselaffen“ bei der Fortpflanzung wieder einmal auf im weiteren Sinne inzestuzöse Beziehungen angewiesen, denn der Genpool war durch die Insellage sehr beschränkt. – Erneut begegnen wir dem Inzest als einer der treibenden Kräfte der Evolution – So also sehen die Anfangsbedingungen für die Evolution vom „klassischen“ zum „rezenten“ Menschen aus.
Im Verlaufe der nun folgenden Jahrtausende konnten unsere Vorfahren zwar ihre linguistischen Fähigkeiten vervollkommnen. Daneben entwickelte der „moderne“ Mensch,  man muß es leider feststellen, auch einige unangenehme Eigenschaften, denen wir heute noch begegnen können. Vor allem kam ihm das abhanden, was wir heute als „soziales Gewissen“ bezeichnen würden. Zu den schwerwiegensten Systemfehlern des heutigen Menschen gehört seine ausgesprochene Neigung zum Plündern und zum Ausrotten. Wie überall auf der Welt teilten diese Menschen ihren Lebensraum mit Freßfeinden und Nahrungskonkurrenten.
Die Insellage brachte es nun einmal mit sich, daß neue Herausforderungen an unsere nunmehr unmittelbaren Vorfahren herantraten. Sie mußten sich nicht nur ihrer Freßfeinde erwehren, zwischen den einzelnen Horden entstand im Laufe der Zeit ein Konkurrenzdruck, der den Nachbarn zum echten Feind werden ließ. Bei der Erörterung der Evolution reziproken Verhaltens haben wir gesehen, daß dieses langfristig erfolgreich ist, der krasse Egoismus hingegen kurzfristig mehr Erfolg haben kann.
Unter den damaligen isolierten Lebensbedingungen dürfte ein Verhaltensmuster entstanden sein, was sich seit dem Seßhaftwerden der Menschen auf einer höheren Hierarchieebene bis zum letzten Millimeter unsere Zeitreise wiederholt. Desmond Morris beschreibt die Entartung menschlichen Sportverhaltens mit den folgenden Worten:
„Tragischerweise ist der kriegerische Typus des Sportverhaltens bald außer Kontrolle geraten und zu blutigen Massakern eskaliert. Dafür gibt es zwei Gründe. Einerseits führte die Waffentechnik an einen Punkt, wo das Führen einer Waffe keine persönliche Tapferkeit und keine körperliche Kampfgeübtheit mehr erforderte. Aus dem Jäger-Krieger wurde ein Abschlachtungs-Technologe. Andererseits wuchs die Zahl der Menschen immer stärker, bis eine Überbevölkerungskrise entstand. Es kam zu immensem sozialen Druck und zu horrenden Konkurrenzanforderungen. Der alte Sport des Jagd-Kriegs gebar den Wahnwitz des nodernen Vernichtungskriegs.“13
Die von Morris geschilderte globale Situation der heutigen Zeit traf zu Beginn der „modernen“ Menschheit auch auf deren Existenzbedingungen zu. Morris weist zwar auf die moderne Waffentechnik hin, aber diese wäre ohne das dahinterstehende Bedürfnis, mit möglichst wenig Aufwand so viele Menschen wie möglich umzubrigen, nicht denkbar.
Des weiteren, das ist Morris wohl entgangen,  gab es schon „Vernichtungsfeldzüge“, als noch Mann gegen Mann und mit Jagdwaffen gekämpft wurde. Der berühmteste von allen dürfte der Feldzug gegen Troja gewesen sein. Weniger bekannt ist bereits der Zweite Punische Krieg, der zur Zerstörung Carthagos führte und Rom zur europäischen Supermacht werden ließ.
Auch Gaius Julius, genannt Caesar, ließ sich diesbezüglich nicht lumpen. Als Beispiel sei sein perfides Vorgehen gegen die Usipiter und Tenkterer hervorgehoben, die im Frühjahr des Jahres 55 v. Chr. in der Nähe von Mimwegen lagerten.
„Die ahnungs- und führerlosen Germanen, die im Lager ruhig ihren täglichen Beschäftigungen nachgingen und an nichts Böses dachten, wurden vom römischen Heer plötzlich überfallen und abgeschlachtet. Caesar beschreibt dieses >Heldenstück< geradezu mit einem gewissen Genuß. Die römische >Humanitas< und Caesars >Clementia< (Milde) werden besonders durch folgenden Satz ins rechte Licht gerückt: >Die übrige Masse der Frauen und Kinder – die Germanen waren nämlich mit allem Volk ausgezogen und über den Rhein gegangen – begann allerorts zu fliehen. Zu ihrer Verfolgung sandte Caesar die Reiterei aus.< Es ist besonders bezeichnend, daß Caesar nicht wagte, die Reiterei gegen waffenfähige Männer, wohl aber gegen wehrlose Frauen und Kinder einzusetzen. Wieder schließt Caesar seinen Bericht mit der ausführlichen Schilderung der Niedermetzelung der feige überfallenen Germanen.14
Caesars Vorgehen in dieser Sache ging damals selbst den römischen Senatoren zu weit. Cato der Ältere hatte rund 150 Jahre vor Caesar noch die Meinung vertreten, Carthago müsse zerstört werden, Cato der Jüngere hingegen beantragte im Senat wegen des geschilderten Vorfalls die Auslieferung Caesars an die Germanen.15
Bis weit in die Neuzeit hinein wurden derartige Untaten mit Waffen begangen, die durchaus aus Feuerstein, Holz und Knochen hätten hergestellt werden können. Der Argumentation Wicklers, der die Unmenschlichkeit an die moderne Waffenentwicklung anknüpfen möchte, kann daher nicht gefolgt werden:
Gut 1000 Jahre nach Caesars Legionen überzogen die Wikinger Europa mit Verwirrung, Furcht und Schrecken. Ihre Waffen waren ebenfalls überwiegend solche, bei deren Anwendung man dem Gegner oder Opfer in die Augen sehen mute. Das änderte sich auch im Dreißigjährigen Krieg nicht, denn die darin verübten Greueltaten gegenüber der Zivilbevölkerung wurden gleichermaßen zum größten Teil mit Nahwaffen ausgeführt.
Die Bilder aus den Konzentrationslagern, die Bilder aus dem Kosovo und auch die Bilder aus dem gegenwärtigen Israel sprechen eine andere Sprache.: Der moderne Mensch hat bezüglich seiner sozialen Bedürfnisse die Instinktbindung verloren und ist nicht mehr in der Lage, auf soziale Not- oder Unterwerfungssignale instinktsicher zu reagieren.
Der „moderne“ Mensch ist damit in eine Lage geraten, über die man erschaudern könnte:
Eine ähnliche „Entgleisung“ kommt bei Hunden vor. Zuweilen kommen Rüden zur Welt, die weder über die „Weibchenbeißhemmung“ des Wolfes noch über die allgemeine Beißhemmung gegenüber dem im Rivalenkampf unterelgenen Rudelgenossen verfügen. – Ich meine, Konrad Lorenz hätte einmal gesagt, man müsse Rüden, die eine derartige Verhaltensanomalie aufweisen, umgehend erschießen.
Die Instinktschwäche des Menschen hatte freilich weitreichende Folgen. Soweit die Wahrnehmung des Mitmenschen als Mensch betrifft, retardierte der Mensch auf das Niveau des Schimpansen, dessen Tötungshemmung gegenüber Angehörigen fremder Gruppen ebenfalls stark eingeschränkt ist. Anderseits konnten auch die frühen Verteter des Cro-Magnon -Typs es sich nicht leisten, alle Vertreter konkurrierender Stämme zu vernichten, denn schließlich bezogen sie als exogame Wesen ihre Frauen von diesen. Das ungehemmte Vernichten artgenossenschaftlicher Konkurrenz hätte also rasch zum Untergang der entstehenden Subspezies des Menschen geführt.
Daß Sie und ich leben, ist der beste Beweis dafür, daß die Evolution auch an dieser Stelle ein Korrektiv erschaffen hat, das dem drohenden Untergang entgegenwirkte. Recht und Moral betraten die Bühne der Welt. Das aber wear nur möglich, weil die betroffene Population, es waren urprünglich „klassische“ Neandertaler, sich bereits höchst differenziert sprachlich verständigen konnte. Das ist nämlich die Grundvoraussetzung für das Entstehen von Moral und Recht. Beide Systeme, Moral und Recht, werden sprachlich übermittelt, und beide funktionieren nach den Regeln der Tradition bei Primaten nur, wenn eine „Autorität“ sie tradiert. Der Anführer der Horde schied als moralische Instanz aus, denn seine Autorität beruhte ja gerade auf den Eigenschaften, denen Moral und Recht entgegenwirken. Zwangsläufig entstand daher als „Gegenpol“ zum Hordenführer eine weitere Autorität, von der wir nicht wissen, wie sie ursprünglich aussah, gehandelt wird sie indes unter dem Begriff „Schamane“ oder Medizinmann“. – Wie auch immer man diese Leute nennt, sie sind da und legen heute noch Zeugnis ab vom dem Dilemma, in das die Inselbewohner hineingeraten waren.
Das wiederum ist es, was den Menschen als von der Natur abgehoben erscheinen läßt. – Egal, wo man im übrigen Tierreich hinschaut, bei sozial oder in Herden lebenden Organismen gibt es ein sogenanntes Alpha-Tier, an dessen Verhalten sich alle anderen Mitglieder der Gemeinschaft orientieren. – Beim „modernen“ Menschen fehlt diese Bindung, und damit hebt sich der Vorhang für der Tragödie zweiten Teil, nämlich für die Suche nach eindeutger Autorität, die auch in der Ära des Internet immer noch andauert. –
Doch kehren wir zürück zu unseren Anfängen und verfolgen die Frage weiter, wie es dazu kam, daß die Variante des Menschen, zu der wir selbst gehören, sich so ungeheuer rasch über alle Kontinente unseres Planeten ausbreiten konnte.
Bevor wir das tun, halten wir fest, daß zum damaligen Zeitpunkt die linguistischen Fähigkeiten über das Wohl und Wehe der heutigen Menschheit entschieden. Damit aber liegt der dringende Verdacht nicht fern, daß diese mitentscheidend waren für die Umgestaltung des menschlichen Schädels von der Form des „klassischen“ Neandertalers zur heute ausschließlich anzutreffenden Variante.
Crô-Magnon entwickelte die für uns typischen Eigenschaften und Mängel auf einer Insel. Wann und wie schafften unsere Vorfahren den Sprung von seiner Insel auf den nächstgelegenen Kontinent?
Die Antwort auf diese Frage beruht auf demselben Phänomen der Erde, das die Abgrenzung des Crô-Magnon – Typs gegenüber dem Neandertaler bewirkt hatte, nämlich die klimatischen Veränderungen.
Vor 70.000 setzte die bislang letzte Eiszeit ein. Der Meerespiegel begann zu sinken. Allmählich fiel damit auch der geflutete Bereich zwischen der Insel und Afrika wieder trocken.
Cro-Magnon wartete allerdings nicht bis zu dem Tag, an dem er den Weg zu Fuß zurücklegen konnte. Er kam vorher, denn er verfügte über eine Erfindung, die ihn befähigte, auch das kleinste und entlegenste Archipel zu besiedeln.
Diese Erfindung dürfte ebenfalls aus der Not heraus geboren worden sein. Sie wird wohl als so selbstverständlich angesehen, daß ich sie in keiner Zeittafel der menschlichen Kulturgeschichte gefunden habe. Es handelt sich um das Boot. Es ist tatsächlich so selbstverständlich, daß es selbst den großen Entdecker nicht einmal auffiel. Und nicht einmal ihnen ist aufgefallen, das es selbst dazu dienen kann, eine Reise durch die Zeit zu unternehmen. Wo immer Columbus, Captain Cook und alle anderen auch hinkamen, das Boot war schon da. Wie selbstverständlich benutzten die Ureinwohner die Wasserwege. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand. Das Boot war es, das die ersten Crô-Magnon von ihrer Insel forttrug.
Welcher Umstand aber führte zur Erfindung des Boots? – Zwei Szenarien sind denkbar:
Erstens: Mit dem allmählichen Absinken von Temperatur und Meeresspiegel änderten sich Wasserflora und -fauna. Fische, die unseren Vorfahren als Nahrung dienten, verschwanden aus den ufernahen Gewässern, so daß sie schwerer zu erreichen waren. Daß Holz schwimmt, dürfte auch den damaligen Menschen bekannt gewesen sein; Kinder dürften ebenfalls ihren Spaß daran gehabt haben, Holzstücke unter Wasser zu drücken und loszulassen. – Welch ein Freude, wenn das Holzstück aus dem Wasser schießt! – Sobald das Bedürfnis entstanden war, sich weiter auf das Wasser hinauszuwagen, um an begehrte Nahrungsmittel zu gelangen, lag die Erfindung entsprechender Hilfsmittel geradezu in der Luft.
Zweitens: Mit dem Ansteigen des Meeresspiegels vergrößerte sich der scheinbare Abstand zwischen Insel und Festland. Die Erdkrümmung sorgte ab einem gewissen Wasserstand für das Abreißen der Sichtverbindung; scheinbar war das Festland hinter dem Horizont verschwunden. Das Absinken des Meeresspiegels bewirkte den umgekehrten Effekt: das Festland geriet wieder ins Blickfeld der Menschen. Und da wollten sie hin und begannen, einen Weg zu suchen und erfanden das Boot. Das wäre ein steinzeitliches Analogon zur Raumfahrt.
Mir persönlich erscheint die erstgenannte Alternative plausibler. Crô-Magnon dürfte sich angesichts der eingetretenen „Klimakatastrophe“ wenig für Steinzeit-Science-Fiction interessiert haben. Vor der Klimaveränderung waren schließlich nicht nur Meeresflora und -fauna betroffen, sondern auch die ihm als Nahrung dienenden Landpflanzen und -tiere. Es wird schließlich wieder einmal eine Verknappung der Ressourcen gewesen sein, die den Menschen dazu bewog, zu neuen Ufern aufzubrechen.
Auch dieses Muster sollte sich im Verlaufe der Geschichte mehrfach wiederholen. Beispielhaft hervorgehoben, weil dokumentiert, seien die Wikingerzüge und die Eroberung der Kontinente Afrikas, Amerikas und Australiens. Diese konnten m.E. von den Europäern nur deshalb erobert werden, weil deren Bewohner keine den Europäeern vergleichbare Stufe der Seßhafigkeit erreicht hatten. Die Völker Asiens waren, weil wehrhaft genug, den Expansionsgelüsten der Europäer standzuhalten.

Der Zeitpunkt der zweiten Bevölkerungsexplosion war damit unausweichlich gekommen. Im Gegensatz zur ersten erfaßte diese innerhalb kurzer Zeit tatsächlich den ganzen Planeten. Das wiederum ist die unausweichliche Konsequenz der logistischen Gleichung, die den „modernen“ Menschen mit seinen Booten in alle Lebensräume preßte, in denen er Nahrung finden konnte. Aus diesem Grunde blieb ihm allein die Antarktis als Lebensraum verschlossen. – Da gab es für ihn nichts zu holen.
Als die ersten „modernen“ Menschen ihre Insel verließen, drangen sie zwangsläufig in die Jagdgründe „klassischer“ Neandertaler vor. Mit ihren platten Gesichtern und runden Schädeln mußten sie auf diese wirken, als kämen sie von einem anderen Planeten oder als seien sie Fabelwesen.
Die erste „offizielle“ Begegnung zwischen dem Neandertaler und seiner deformierten Variante düfte sich ähnlich abgespielt haben wie das erste Zusammentreffen des Columbus mit seinen Mitmenschen aus Amerika. Columbus wußte zunächst nichts von dem Reichtum des Kontinents, an dessen Gestaden er gelandet war,seine Nachfolger schon. Damit war das Schicksal der Ureinwohner Amerikas besiegelt. Das Muster der „Besiedlung“ Amerikas läßt, eben weil es ein Muster ist, Rückschlüsse auf die Verdrängung des Neandertalers durch uns selbst zu, denn die auf Columbus folgenden Raubzüge waren nicht die ersten und nicht die letzten.
Aber eine erste „offizielle“ Begegnung wird es damals wohl nicht gegeben haben. Die ersten Berührungen zwischen den beiden Varianten werden Raubzüge des Crô-Magnon gewesen sein.
An dieser Stelle müssen wir wieder einmal innehalten. Bis zu diesem Zeitpunkt beruhte der evolutionäre Vorteil des Menschen darauf, daß reziprokes Verhalten, daß das Obligationsmuster sein hervorragendes Merkmal wurde. Auf den letzten Metern unserer Reise mußten wir miterleben, wie dieses mühsam aufgebaute Verhaltensmuster aus dem Alltag der Menschen verschwand und in das Reich der Sehnsüchte und Phantasien verlagert wurde.
Unter diesem Gesichtspunkt ist es nicht mehr rätselhaft, warum die Inuit und andere aus materiellen Gründen ihre neugeborenen Mädchen umbringen, warum alte und kranke Hordenmitglieder getötet oder dem sicheren Tod preisgegeben werden.
Es scheint also, als hätte die Evolution beim „modernen“ Menschen eine der wesentlichen Errungenschaften, die für Entstehung dieses Lebewesens von entscheidender Bedeutung war, wieder aufgegeben. – Allerdings nicht vollständig; denn mit Crô-Magnon begann zwar der „Siegeszug“ der agressiveren Variante, dennoch blieben auch bei ihm das Obligationsmuster und das Bedürfnis, seinen Mitmenschen zu helfen, erhalten. Ein gewichtiges Indiz finden wir in den Religionen. Alle Religionen der Welt beinhalten letztlich den Apell an den Menschen, seine Selbstsucht im Zaum zu halten und sich selbst in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen. Ob in Europa, Asien, Amerika oder Neu-Guinea, all diese Appelle gäbe es nicht, wenn sie nicht das widerspiegeln würden, was Jane Godall in ihrer bereits zitierten Befürchtung über das Wesen des Menschen zum Ausdruck brachte:
„Andere sind davon ausgegangen, daß Kriegführung verantwortlich gewesen sein könnte für die tiefe Kluft zwischen dem menschlichen Gehirn und dem unserer nächsten lebenden Verwandten, der Menschenaffen: Hominiden mit unterlegenem Gehirn konnten keine Kriege gewinnen und wurden ausgerottet.
So ist es sowohl faszinierend als auch schockierend, wenn man entdeckt, daß Schimpansen ein feindseliges, aggressives Territorialverhalten zeigen, das bestimmten Formen primitiver Kriege nach Art der Menschen nicht unähnlich ist.(…) Eine andere notwendige Präadaptation würde die angeborene Furcht vor oder der Haß auf Fremde gewesen sein müssen, die sich manchmal in aggressiven Angriffen äußerte.(…) Bei Menschen sehen sich Angehörige der einen Gruppe oft als völlig unterschieden von den Angehörigen einer anderen Gruppe und behandeln dann die Gruppenmitglieder und Nichtmitglieder verschieden. Tatsächlich werden Nichtmitglieder manchmal «entmenschlicht< und beinahe wie Wesen einer anderen Spezies betrachtet. Wenn das geschieht, sind die Leute von den Hemmungen und gesellschaftlichen Sanktionen befreit, die innerhalb ihrer eigenen Gruppe gelten, und können sich den Nichtgruppenangehörigen gegenüber auf eine Weise verhalten, die unter den eigenen Leuten nicht toleriert werden würde. Das führt unter anderem zu den Ungeheuerlichkeiten des Krieges. Schimpansen zeigen ebenfalls unterschiedliches Verhalten gegenüber Gruppenangehörigen und Nichtgruppenangehörigen. Ihr Gefühl für Gruppenidentität ist stark, und sie wissen genau, wer «dazugehört» und wer nicht: Nichtmitglieder können so heftig angegriffen werden, daß sie ihren Verletzungen erliegen. Und das ist nicht einfach die >Furcht vor Fremden» (…)Damit wurden die Opfer in jeder Hinsicht «entschimpansiert», denn diese Verhaltensweisen sieht man gewöhnlich, wenn ein Schimpanse ein ausgewachsenes Beutetier zu töten versucht – ein Tier einer anderen Spezies.“
Betrachten wir vor diesem Hintergrund noch einmal eine der jüngsten Phasen der Menschheitsgeschichte, die als Triumph menschlichen Freiheitsdrangs glorifiziert wird. Dieser Triumph, den die Freiheitstatute im New Yorker Hafen symbolisiert, kostete mehr als vierzig Millionen „Rothäute“, also vierzig Millionen Menschen das Leben.
Berücksichtigt man die gegenwärtigen Lebensumstände der verbliebenen nordamerikanischen Indianer, ist es nur noch eine Frage weniger Generationen, bis deren Reproduktionsdruck so stark absinkt, daß der Tod des letzten nordamerikanischen Ureinwohners als Livesendung weltweit übertragen werden kann. – Fragen Sie sich immer noch, warum es keine „klassischen“ Neandertaler mehr gibt?
Es gibt leider ein weiteres Indiz dafür, daß der „moderne“ Mensch gegenüber der Neandertaler-Variante ein Stück Menschlichkeit eingebüßt hat: Dem Menschen eigen ist nämlich ein Verhaltensmerkmal, das neoten ist, aber evolutionär nur dann Sinn macht, wenn es einstmals als unbedingter Auslöser des Brutpflegeinstinkts funktionierte (man verzeihe mir diesem mechanistischen Ausdruck, aber mir fällt kein besserer ein.). Es ist das Weinen, es sind die Tränen. Dieses frühkindliche Signal behält der Mensch bis ins hohe Alter als soziales Zeichen des Schmerzes bei. Nach den Spielregeln der Evolution konnte sich dieses Merkmal innerhalb unserer Spezies nur dann universell ausbreiten, wenn es zumindest nicht von Nachtteil war. Den langfristigen evolutionären Vorteil der gegenseitigen Hilfe hatten wir weiter oben bereits erörtert.
Des weiteren hat der Mensch seinen empfindlichsten Hörbereich bei einer Frequenz von 3000 Hertz. In diesem Bereich liegt der Notruf einer Frau oder eines Kindes, auf den wir wahrscheinlich instinktiv, also angeborenermaßen reagieren.16
An dieser Stelle offenbart sich eindringlich die Absurdität der Argumentationsketten des „aufgeklärten“ Menschen. Vom hohen Roß des Homo sapiens sapiens herab erscheinen Australopithecus, Homo habilis, Homo erectus und auch Homo sapiens neandertalensis mehr oder weniger als unkultivierte tumbe Insitnktautomaten. Wenn dies der Fall sein sollte, dann hätten sie in jedem Fall des Weinens oder eines 3000 Hertz-Notsignals mit Brutpflegeaktivitäten geantwortet. – Welch ein Paradies für Kranke und Pflegebedürftige. Aber Homo sapiens sapiens reagiert da seit Jahrtausenden ganz anders. Er berechnet den „Wert“ dessen, der das natürliche SOS sendet. Er versteht nur das Notsignal, das er verstehen will. In aller Welt bedarf es religiöser oder staatlicher Gebote, den „Notruf“ eines Mitmenschen so zu beantworten, wie der Instinkt es vorschreibt.
Vor diesem Hintergrund bestreite ich vehement, daß unsere Vorfahren seit Lucy’s Zeiten beim Töten eines Angehörigen der eigenen Spezies ein dem Schimpansen und dem heutigen Menschen ähnliches „artgenossenverachtendendes“ Verhalten an den Tag legten.
Den weltweiten Erfolg verdankt der „moderne“ Mensch demnach wieder einmal der Neotenie. Neotenie bedeutet, daß das Erbgut an irgendeiner Stelle „vergessen“ hat, wie es weitergeht. Tragik und Ironie des menschlichen Schicksals liegen darin, daß die menschliche DNA ausgerechnet die Faktoren „vergessen“ zu haben scheint, die über Jahrmillionen sein Überleben gesichert hatten.
Diejenigen, deren diesbezügliches „Instinktprogramm“ dem unserer Vorfahren entspricht, gelten in der Regel als verrückt.17 – Es sei denn, man hat Glück und heißt Albert Schweitzer oder Mutter Theresa.
Mutter Theresa und Albert Schweitzer sind meines Erachtens Synonyme für all diejenigen, deren typisch humane Instinkte die Zeiten überdauerten.
Leider ist die Zahl der „berühmten“ Namen, die Geschichte machten, indem sie das Lied vom Tod spielten, um ein Vielfaches größer.
An dieser Stelle muß ich meine Berichterstattung kurz unterbrechen, denn unter dem Kiel von Jirkas Boot wird es zunehmend turbulent. Sie können noch einen kurzen Blick werfen auf die sogenannte neolithische Revolution, mit der das Seßhaftwerden eines geborenen Streuners glorifiziert werden soll, und auf die Entstehung der ersten Staaten.
Jirkas Boot stoppt abrupt und schockartig; schockartig deshalb, weil wir auf einem steil ansteigenden Berg von Leichen landen.
Wir vergegenwärtigen uns: 55 mm hinter dem Bug von Jirkas Boot liegt Auschwitz, etwa 20 cm vor seinem Heck der Kampf um Troja. Noch immer weilt S. Milosevic in unserer Mitte, obwohl seine Untaten maximal einen Millimeter zurückliegen.
Mit der Eroberung Trojas, den Todeslagern von Auschwitz, Treblinka und Majdanek; aber auch mit dem Völkermord im Kosovo ist das Hölzerne Pferd verbunden, nämlich als Symbol der Verdeckung der wahren Absichten. Odysseus’ List diente der Vernichtung der Trojaner. Sie sollten nicht merken, daß es ihnen an den Kragen gehen sollte. Die Euphemismen „Endlösung“ oder „Ethnische Säuberung“ sind weniger anschaulich, dienen aber demselben Zweck. Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde über die „Begrenzung von Massenvernichtungsmitteln“ zwischen Ost und West hart verhandelt. Die hübsche Umschreibung des millionenfachen Tötens ist nicht das Erscheckende, wirklich erschreckend ist die grundsätzliche Bereitschaft der Verhandlenden, millionenfach zu töten, und das ohne Rücksicht auf Verluste.
Die gesamte geschriebene Menschheitsgeschichte liegt unter dem Kiel von Jirkas Boot begraben. Dazwischen liegen Millionen und Abermillionen von Leichen. – Erschlagen, erstochen, erschossen, vergast. Mit Sicherheit ist das nicht das rühmlichste Kapitel im Buch der Evolution des Menschen.
Bis in die heutige Zeit hinein reicht der Grund, der zur Ausrottung der „klassischen“ Neandertaler führte. Dennoch ist sein Erbe nicht untergegangen:
Spätestens der Neandertaler hat Höhlen zu Kultzwecken aufgesucht. Gerade der Neandertaler hat diese Kultstätten auch als Begräbnisstätten verwendet. Diese Kult- und Begräbnisstätten deuten auf einen ausgeprägten Bärenkult hin. Die Höhlen selbst aber schweigen.
Anders sieht es bei den Crô-Magnon – Höhlen aus. Die Höhlen von Lascaux oder Altamira sind Kunstwerke allerersten Ranges. Sie enthalten Wandmalereien von atemberaubender Schönheit, so daß nach modernen Maßstäben diese Lebensäußerungen unserer Vorfahren als Gesamtkunstwerk gelten können. Sie weisen eine frappierende Ähnlichkeit mit heutigen Kathedralen auf. Und eben diese Ähnlichkeit ist es, die uns dazu veranlassen muß, den Weg, der von der Kleinen Felddorfer Grotte im Neandertal zum Petersdom führt, in groben Umrissen nachzuzeichnen. Die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede geben uns Hinweise auf die jeweiligen Lebenseinstellungen.
Während die Gemälde an den Wänden von Lascaux erahnen lassen, daß deren Schöpfer ähnlich empfanden wie wir, wird es für uns schon schwieriger, die Vorstellungswelt der Neandertaler zu ergründen.
So schwierig ist es allerdings auch nicht. Man muß nur ein wenig seine Phantasie gebrauchen und disziplinierte Naivität an den Tag legen. Disziplinierte Naivität bedeutet, daß man sich zwingt, all die Dinge außer acht zu lassen, die man weiß, und versucht, bekannte Sachverhalte so zu betrachten, als begegneten sie einem zum ersten Mal.
Nehmen Sie also eine Fackel und begeben Sie sich in eine Höhle. Keine Angst, außer Schwärmen von Fledermäusen werden Sie kaum einem größeren Lebewesen begegnen. Einem Höhlenbären gleich gar nicht, denn wir haben Sommer; und das ist die Zeit, in der auch Höhlenbären unter freiem Himmel auf Nahrungssuche gehen.
Allerdings müssen Sie damit rechnen, sich selbst zu begegnen. Das flackernde Licht, die wechselnden Schatten an den Wänden werden Gestalten hervorbringen. Dämonen und Geister, die zwar nur in Ihrem Gehirn existieren, die aber durch das Spiel von Licht und Schatten an den Höhlenwänden „erscheinen“. Und eben diesen Gestalten sind die Neandertaler auch begegnet, wenn sie in eine Höhle vordrangen.
Die Neandertaler kannten sehr genau die Gewohnheiten der Tiere, die ihren Lebensraum teilten; davon dürfen Sie ausgehen. Sie wußten, daß es ungefährlich war, im Sommer eine Höhle zu betreten. Im Winter hätte sich kein Neandertaler allein in ein Höhle gewagt, denn dort hätte er sein Kulttier, den Höhlenbären, empfindlich in dessen Winterruhe gestört.
Nun ist der Bär für Sie ohnehin ein ehrfurchtgebietendes Lebewesen. In Ihrer Umgebung ist er das einzige Tier, das Menschengestalt annehmen kann, denn wenn ein Bär sichert oder droht, stellt er sich auf die Hinterbeine. Mit seinen 3,5 – 4 Metern Höhe überragt er Sie um mindestens das Dreifache.
Nun stellen Sie sich vor, daß zur Zeit der Herbststürme ein einzelner Bär die Höhle aufsucht. Am Ende des Winters verlassen allerdings regelmäßig drei Bären die Höhle. Ein großer und – normalerweise – zwei putzmuntere kleine.
Sie wissen, daß beim Menschen und bei anderen Säugern Ihrer Umgebung das Junge aus dem Mutterleib kommt. Dieses Wissen dürfen Sie auch dem Neandertaler unterstellen; mehr als einmal dürfte jeder Neandertaler in seinem Leben ein trächtiges Weibchen seiner bevorzugten Beutetiere er- und zerlegt haben. Die „Leibeshöhle“, der ein Säugtier „entspringt“, mußte demnach auch der Neandertaler bestens kennen. Deren Charackteristikum ist die Enge des Eingangs, der in die Weite des Uterus mündet. Ähnlich sind die Höhlen, die als Kultstätten dienten, aufgebaut.
Ich muß Sie hier nochmals an Ihre disziplinierte Naivität erinnern. Sie wissen, daß der Bär ein Säugetier ist, für den Moment müssen Sie ihr Wissen einmal vergessen.18 Wußte es auch der Neandertaler? – Prima Facie, dem ersten Anschein nach, entsprangen in jedem Frühjahr junge Bären der Höhle, denn die Beobachtung einer Bärengeburt war ihm verwehrt. Die Vorstellung, ein Bär entspringe unmittelbar dem Schoß der Erde, ist damit vorprogrammmiert.
Die dunkle Höhle, voll von Geistern und Dämonen, ist damit aber kein Ort der Furcht mehr, sie wandelt sich mit der Vorstellung zum Quell des Lebens, den wir in der griechischen und nordischen Mythologie vorfinden, nämlich zum gebärenden Schoß der Erdmutter oder Gaia. Zum Leidwesen des Papstes hat auch die Jungfräulichkeit der Mutter Gottes hier ihren mythischen Ursprung:
Im nordischen Bereich ist die Erdmutter zu Anfang noch jungfräulich.19 Weiter südlich ist die Vorstellung von „Mutter Erde“ zwar immer noch lebendig, aber die Dame ist nicht mehr allein: Die Gaia der Griechen gebiert am laufenden Bande Titanen und Zyklopen. Die sinnenfrohen Griechen gesellten ihrer Gaia allderings den sexbesessenen Uranos hinzu, der mit seinen weiteren Zeugungsakten erst dann aufhört, nachdem ihn sein Sohn Chronos, der Herr der Zeit, entmannt hatte.
Bis vor kurzem war die Geburt von Bären eines der bestgehüteten Geheimnisse der Natur, weil sie so schwer zu beobachten war. Im Winter 1999/2000 wurde eine entsprechende Live-Übertragung im Internet angeboten. In den Jahrmillionen davor war das allerdings ein Ding der Unmöglichkeit.
Höhlen, Bären und der Geburtskanal als Alltagserfahrung sind ausreichend, die Mytholgie von Mutter Erde und ihren gigantischen Kindern mit den titanischen Kräften zu begründen. Der Bärenkult offenbart aber noch mehr:
Hier berühren sich Jenseitsvorstellung,Totenkult und Fruchtbarkeitsritus in ähnlicher Weise wie bei der Erdbestattung. Auch unser eigenes Beerdigungsritual ist mit der Vorstellung von Fruchtbarkeit verknüpft. Was in den „Schoß“ der Erde eingebracht wird, wird leben und wachsen.
Die Höhlen, in denen der Neandertaler seine Begräbnisspuren hinterließ, waren folglich nicht ein Ort der reinen Trauer, sie waren der Quell eines Lebens, das zumindest nicht mit der Alltagserfahrung eines Neandertalers erklärbar war. Höhlen waren folglich die Orte, an die man einen Verstorbenen in der Hoffnung auf ein neues Leben im Jenseits oder in der Hoffnung auf eine Wiedergeburt gebracht hatte.
Freilich lassen sich für die von mir hier aufgestellte These kaum direkte Beweise finden:
An den Wänden der Höhlen von Shanidar, Mugharet es-Skhul, Mugharet et-Tabun oder anderen gibt es außer den „Lichtwesen“, die der Fackelschein spontan an die Höhlenwand zaubert, – nichts.
Alllerdings auch nichts, was darauf hindeuten könnte, daß die Neandertaler Ahnen, Geister oder Götter angerufen hätten, den nächsten Jagdzug erfolgreich sein zu lassen. Ihre Kultstätten geben uns keinen Hinweis auf derartige Zauberrituale, die bei Crô-Magnon gang und gäbe waren und die noch heute auf der Welt weit verbreitet sind.
Der Neandertaler hat zwar Anhaltspunkte für diverse Zeremonien hinterlassen, darunter sind allerdings keine, die man als Beschwichtigungsritual gegenüber den Geistern und Göttern deuten könnte.
Nach gängiger Lehrmeinung war auch dem Neandertaler als „Vormenschen“ jeglicher moralischer Impetus fremd. Er beschwor keine Geister und Götter, brachte ihnen keine Opfer dar, weil er noch nicht über den Intelligenzgrad verfügte, der für die entsprechenden Vorstellungen erforderlich ist. Deswegen gilt er nach wie vor als ein Wesen, dem menschliche Regungen und moralische Grundsätze fremd sind.
Nach der hier vertretenen Auffassung brauchte der Neandertaler die Rituale des „modernen“ Menschen nicht. Es war ihm noch möglich, auf die sozialen Signale seiner Mitmenschen instinktiv zu reagieren. Zumindest innerhalb der eigenen Gruppe wird er auf Weinen und andere Signale der Hilflosigkeit so reagiert haben, wie der Brutpflegetrieb es vorschrieb.
Ich will gar nicht bestreiten, daß der Neandertaler keine Moral kannte. Wenn er sie aber nicht kannte, dann nur deshalb, weil er ihrer nicht bedurfte. Aus diesem Grunde hatte er es auch nicht nötig, die höheren Instanzen der Moral, nämlich die jeweils „zuständigen“ Geister, Götter und Dämonen anzurufen oder zu beschwichtigen.
Ich will auch nicht behaupten, daß es bei den Neandertalern keine Räuber, Mörder oder Diebe gegeben hätte. Allerdings war deren Anteil an der Gesamtbevölkerung geringer. Sie werden rasch der ganz normalen sozialen Ausstoßungsreaktion ihrer Gruppenmitglieder zum Opfer gefallen sein.
Mit der Akzentverschiebung beim „moderenen“ Menschen änderten sich die Verhältnisse grundlegend. Die Rückbildung der Instinktreaktionen auf soziale Signale brachte diese nicht zum Verschwinden; es kam lediglich zu einem Zwiespalt zwischen unbedingtem sozialem Handlungsimpuls und Handlungsalternativen, die den egoistischen Interessen des Individuum entsprachen oder die diesem im Einzelfall von außen vorgegeben waren, beispielsweise als das Töten aufgrund kulturell „vorgeschriebener“ Handlungsanweisung.20
Das über die Jahrmillionen herausgebildete reziproke Verhalten des Menschen ging nur zu einem geringen Teil verloren, aber das reichte aus, die Welt auf den Kopf zu stellen. Die explosive Verbreitung des Crô-Magnon-Typs trug der Evolution erneut eine turbulente Phase ein, von der niemand sagen kann, wann sie abgeschlossen sein wird. Jeder von uns ist Teil und Zeuge dieses Prozesses. Eines ist allerdings mit Sicherheit auszuschließen: Es wird nie gelingen, einen „perfekten“ Menschen zu „züchten“ oder gar durch Genmanipulation zu „kreieren“. Die Evolution läßt sich nicht überholen, und wenn wir es übertreiben, wird sie uns ad acta legen. So einfach ist das.
Und so einfach vollzog sich auch die Entwicklungsgeschichte des Menschen. Aber sie ist noch nicht an ihrem Endpunkt angelangt. Wir dürfen gespannt sein, wie sie weitergeht. Trotz allen gegenteiligen Beteuerungen führender Politiker hängt es nicht von uns ab, wie es mit der Menschheit weitergeht. Die Weichen werden an einem Ort gestellt, den nie ein Mensch je erreichen wird.


Genie der Natur

Oktober 12, 2011

Programm – ARTE.

Wer diese Sendereihe genossen hat und immer noch an den „Kampf ums Dasein“ glaubt, dürfte dem Adelsgeschlecht von Gestern angehören.

Nicht weil der Kreationismus fröhliche Urständ‘ feiert, sondern weil Darwin richtig lag mit der Erkenntnis, daß die Natur ein evolvierendes, sich ständig veränderndes System ist. – Darwin konnte nicht anders, als zu kurz zu greifen. – Er beschränkte mangels Beobachtungsdaten die Evolution auf den „biologischen“ Bereich der Natur. Die Evolution ist aber, das haben die Erkenntnisse der jüngsten Nobelpreisträger für Physik und Chemie gezeigt, tatsächlich „All-umfassend“. – Und das ist gut so. – Im Hinblick auf den von vielen erwarteten Weltuntergang ist es sehr beruhigend zu wissen, daß die Kreiszahl Pi zumindest seit Beginn des Universums konstant ist, denn soweit man auch ins Weltall zurückblickt: Alles läuft und ist rund. – Ohne Pi wäre es das nicht, wie auch ein rechter Winkel ohne Pi kein rechter Winkel wäre.

Die Sendereihe „Das Genie der Natur“ kommt nach eigenen Angaben ohne Wechselwirkung, Zusammenwirken und Harmonie nicht aus. Und auch das ist gut so, denn – so hat es meine Überprüfung der Darwinschen Beweisaufnahme ergeben – sind das die drei Wirkprinzipien der Evolution, die man – unabhängig von der „Religionszugehörigkeit“ mit „Gott“ in Verbindung bringen kann:

Was dem einen Gott ist dem anderen Evolution
Who is Who?

Nun kann und will ich nicht ausschließen, daß dieses durchaus provokante Diagramm das Blut religiöser Fanatiker aller Couleur  – bis hin zu den organisierten Atheisten – in Wallung bringt.

Alle die, deren Blut in Wallung gerät, sollten sich aber einmal fragen, warum es das Phanomen „Blut“ überhaupt gibt und warum es rot ist.  – die Antwort ist nicht schwer, aber so verblüffend, daß sich das in Wallung geratene Blut schneller abkühlen sollte als die Erde vor fast vier Milliarden Jahren:

Die Ersten Werden Die Letzten Sein

Da ist etwas Wahres dran, denn die ersten lebenden Organismen, die sogenannten thermophilen Archaebakterien, werden dereinst auch die letzten sein. Sie werden mitbekommen, wenn sich in rund 5 Milliarden Jahren die Sonne zu einem sogenannten „Roten Riesen“ aufblähen wird. Wenn diese Zeit gekommen ist, werden die Weltmeere langsam aber sicher „verkochen“.

Die Archaebakterien leben heute fast nur noch in unmittelbarer Nähe von Unterseevulkanen, die der Geologe „Black Smokers“ (Schwarze Raucher) nennt. Sie ernähren sich von dem dort allgegenwärtigen Schwefelwasserstoff und fühlen sich erst dann wirklich wohl, wenn das Wasser eine Mindesttemperatur von mehr als 110 Grad Celsius hat und unter hohem Druck steht. Die Archaebakterien leben dort aber nicht allein, sie bilden die Grundlage eines komplexen Ökosystems, das auf Erden einzigartig ist. Und es gibt dort unten ­- tief im Schoße von Poseidons Reich – eine Substanz, ohne die wir alle tot wären. Man nennt sie Hämoglobin. Hämoglobin macht das Blut rot. Hämoglobin transportieret den Sauerstoff in jede unserer Körperzellen. – Wenn wir aber Hämoglobin in den entlegensten, finstersten und unwirtlichsten Gegenden antreffen, die der Planet zu bieten hat, dann muß man sich die Frage stellen: wie kam es dort hin?
Die einfachste Anwort auf diese Frage ist, Hämoglobin gehört zu den ältesten biochemischen Substanzen überhaupt.
Hohe Temperatur, hoher Druck, komplexe Moleküle.
Vor Jahren sind Experimente gemacht worden, die das Entstehen des Lebens auf Mutter Erde nachvollziehen sollten. Man hat Chemikalien genommen, sie in einen Glaskolben gesteckt und dieses Gemisch elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt, um zu testen, ob unter den atmosphärischen Bedingungen der frühen Erde komplexe organische Moleküle entstehen konnten. – Die Experimente waren bis zu einem gewissen Maße erfolgreich, reichten jedoch nicht aus, die Entstehung des Lebens auf unserem Heimatplaneten zu erklären.
Der Fehler, der den Forschern unterlaufen ist, lag schlicht und ergreifend in der klassischen Sicht, den Planeten als „Bühne“ zu betrachten, auf dem das Leben abläuft. Eine Bühne ist statisch, sie bewegt sich nicht.
Mutter Erde ist jedoch ein höchst dynamischer Prozeß, wie auch das Weltall ein dynamischer Prozeß ist. In der Frühzeit des Universums entstand die Materie, die sich im Laufe der Zeit selbst organisierte, und zwar exakt in der Art und Weise, die dem Chemiker als „Periodensystem“ der chemischen Elemente vertraut ist. Die Elemente verhalten sich innerhalb des Periodensystems in einer bestimmten, meist vorhersagbaren Art und Weise. Dennoch gibt es „Exoten“, die entweder in der Natur nicht vorkommen, wie die Elemente Technetium und Promethium, oder die ein wenig aus der Reihe tanzen, wie der Kohlenstoff.
In diesem Zusammenhang ist interessant, daß im Jahre 1865 der englische Chemiker R. Newlands das „Gesetz der Oktaven“ in die Chemie einbrachte. Ähnlich wie auf einer Klaviatur, wo beim Spiel einer Tonleiter nach sieben Tönen der achte Ton (Oktave) als harmonische Konsonanz dem Grundton nahe verwandt ist, folgt bei den nach Atomgewichten geordneten Elementen von Lithium bis Eisen die Oktave Natrium bis Chlor. Dabei zeigen die untereinander stehenden Elemente nahe Verwandtschaft, insbesondere hinsichtlich ihrer Wertigkeit. Freilich gilt das Gesetz der Oktave nur für die leichteren Elemente, ab dem Element Kalium aufwärts umfaßt eine Reihe des Periodensystems 18 Elemente.
Der Rhythmus der Elemente im gesamten Periodensystem ist durch die Zahlen 2, 8, 8, 18, 18, 32 vorgegeben. ( Kelker/Klages/Schwarz, Ds Fischer Lexikon Chemie, Frankfurt/Main 1964 S. 267ff)
Die mathematische Beziehung zwischen den Elementen des Periodensystems entspricht 2 n2 , mit n = 1,2,3,4. Jenseits der 4 hören die stabilen Verhältnisse auf, Elemente jenseits des Urans kommen in der Natur nicht vor. Der einfachen mathematischen Beziehung des Periodensystems verdanken wir alle unser Leben, denn an ziemlich unscheinbarer Stelle in diesem Periodensystem versteckt, da liegt eben das Element, dem unzweifelhaft schöpferische Eigenschaften zugebilligt werden müssen: Das Kohlenstoffatom.
Kohlenstoffverbindungen bilden die Grundlage allen Lebens, ohne Kohlenstoff keine Biochemie. Es neigt dazu, langkettige Moleküle, sog. Polymere, zu bilden und damit Energie gewissermaßen zu „sammeln“ (Alle unsere Treib- und Sprengstoffe sind Kinder des Kohlenstoffs!). Theoretisch sind die Möglichkeiten der atomaren Zusammensetzung eines Polymers fast unbegrenzt, dennoch läßt das Auftreten immer wiederkehrender Muster darauf schließen, daß die Zahl der Möglichkeiten zwar außerordentlich hoch ist, sich aber in der Natur in engen Grenzen hält.
Was ist in der Frühzeit der Erde abgelaufen?
Nachdem die Erde sich hinreichend abgekühlt hatte, entstanden die ersten Ozeane. Diese dürften zunächst kochend heiß gewesen sein. Im Laufe der Zeit kühlten sie sich allmählich weiter ab. Dabei wurden zwangsläufig alle Temperaturstufen durchlaufen. Das ermöglichte den Kohlenstoffatomen im Laufe der Zeit mit allen erdenklichen Elementen zu reagieren. Mit zunehmender Zeit fand der Kohlenstoff immer weniger „freie“ Atome und Moleküle für die Polymerisation.
In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, daß der Abkühlungsprozeß sich nach und nach verlangsamte. Das ist bei der Abkühlung immer so. Sie können diesen Prozeß bei jeder Tasse  beobachten: das Kaffeewasser ist schneller heiß als der Kaffee kalt. Und der Kaffee wird nicht kälter als die Umgebungstemperatur. Weil das immer so ist, hielten die frühen Weltmeere ziemlich  lange das jeweilige Temperaturniveau. Wenn bei chemischen Reaktionen auch nur Bruchteile von Wärmegraden eine Rolle spielten, verweilten die Ozeane lange genug in den entsprechenden Temperaturbereichen, um alle Möglichkeiten „auszutesten“ oder „duchzuspielen“.
Wie gesagt durchliefen die sich abkühlenden Ozeane nach und nach alle Temperaturstufen, die eine Reaktion der Kohlenstoffatome mit allen reaktionsfähigen Atomen und Molekülen begünstigten. Die Zahl der „freien“ Atome und Moleküle nahm mit der Zeit ab.
Statt dessen stieg die Wahrscheinlichkeit, mit Polymeren anderer Provenienz zusammenzutreffen und in Wechselwirkung zu treten. Es bildeten sich immer größere Organisationseinheiten, deren Zahl mit zunehmender Zeit zwar stetig abnahm, aber gleichzeitig die Basis für die Bildung immer komplexerer Einheiten schuf.
Der Prozeß der Lebensentstehung war positiv rückgekoppelt, er beschleunigte sich selbst. Das wiederum läßt den Schluß zu, daß „Leben“ entgegen der herrschenden Meinung in der Physik kein „Ding“ ist, das den Gesetzen der Thermodynamik zuwiderläuft, sondern ein thermodynamischer Prozeß, der auf dieser unserer Erde unvermeidbar war..
Damit war die Entstehung des ersten Zelle bereits vorgezeichnet, als die Erde noch ein glühender Ball flüssigen Gesteins war. Es bedurfte lediglich eines Schleusenereignisses, um sie zu schaffen. Nachdem die erste Zelle sich erst einmal geteilt hatte, war das Leben nicht mehr aufzuhalten; es „explodierte“ regelrecht in den Ozeanen.
Tagtäglich „explodiert“ das Leben auf einer kleineren Größenskala. Zunächst einmal bei jeder Geburt. Der Darm eines Neugeborenen ist keimfrei. Erst im Geburtskanal werden die Bakterien der „natürlichen Darmflora“ in den Verdauungstrakt „hineingeschleust“. Dort kommt es zu einer „Bevölkerungsexplosion“, an deren Ende die Zahl der Bakterien, die im menschlichen Darm siedeln, um ein Vielfaches höher ist als die Zahl der Zellen, die den Menschen formen.
Dann ist da noch das Hühnerei. Das Hühnerei ist zweifelsfrei eine „geordnete“ Struktur. Führt man einem befruchteten Hühnerei Aktivierungsenergie in Form von Wärme (Glucke oder Brutschrank) zu, nimmt die „Bevölkerungsexplosion“ in seinem Inneren ihren Lauf. Die Klone der befruchteten Eizelle besiedeln das Eiinnere solange, bis es fast vollständig in lebende Zellen ungewandelt ist. Anschließend „kippt“ das System. Das Küken sucht selbständig nach neuen Energiequellen. – Bis es am Ende auf dem Teller landet und selbst zur Energiequelle für uns und unsere Darmflora wird.
Unser Leben verdanken wir, daran kann kein Zweifel bestehen, einer „Neigung“ des Kohlenstoffatoms, der aus dem chemischen Periodensystem heraus nicht ersichtlich und nicht erklärbar ist.
Wie dem auch sei, der Kohlenstoff muß im Laufe der Jahrmillionen alle tatsächlichen Möglichkeiten der Polymerisation durchgespielt haben. Daher erscheint es zunächst um so erstaunlicher, daß er an den uns bekannten Mustern „hängenblieb“. Dieses Phänomen aber, ich sagte es bereits, deutet auf eine begrenzte Anzahl von Möglichkeiten in der Natur hin, biochemische Polymere zu bilden. Nur diese sind wohl zu einer Form von Wechselwirkung befähigt, die ein harmonisches Zusammenwirken herbeiführt.
Hohe Temperatur, hoher Druck, komplexe Moleküle.
Je weiter sich die Ozeane in der Folgezeit abkühlten, desto weniger Wärme stand für die chemischen Prozesse des Lebens zur Verfügung. Aber die Folgen waren nicht dramatisch, denn irgendwo fand sich immer ein komplexes Molekül, das als „Biokatalysator“ die fehlende Wärmeenergie für die lebensnotwendige Reaktion ersetzte. Und erneut stoßen wir auf ein harmonisches Zusammenwirken der Beteiligten!
Wie das Hämoglobin dürfte auch das Chlorophyll zu den ältesten biochemischen Substanzen zählen. Chlorophyll gibt den Pflanzen ihre grüne Farbe und ist der Stoff, der Sonnenlicht in Zucker verwandelt. In den dunklen Tiefen des Ozeans, wo er einst erbrütet wurde,  ist er nutzlos. Die Stunde des Chlorophylls als treibende Kraft des Lebens schlug somit erst, als die Randbedingungen des Planeten es zuließen. Und seine Stunde schlägt immer noch, ebenso wie die des Hämoglobins.
Die Archaebakterien, die als erste die Erde „bevölkerten“, leben immer noch. Es wird sie weiterhin geben, solange die Erde ihre Gestalt wandelt. Weil sie so weit von uns entfernt sind und uns offenbar keinen erkennbaren Schaden zufügen, aber auch keinen Nutzen bringen, wird der Mensch sie in Ruhe lassen. So können sie sich ungestört bis in alle Zukunft vermehren.
Wenn dereinst die Sonne sich zum „Roten Riesen“ aufblähen wird, werden sie die letzten Zeugen dieses Vorgangs sein. Aber auch dann, wenn die Polymere des Lebens sich wieder in Einzelelemente auflösen und es die Erde nicht mehr geben sollte, wird das nicht das Ende des Lebens sein.
Unser Sonnensystems ist der vorläufige Endpunkt eines Prozesses. Im Rahmen dieses Prozesses hat sich die Materie zu den uns bekannten Mustern selbst organisiert: Auf den inneren Planetenbahnen findet man die zusammengeballten „schweren“ Elemente in den massiven Kleinplaneten wieder, weiter draußen die Gasplaneten. Die Sternentstehung folgt einem immer wiederkehrenden dynamischen Muster. Daher ist zu erwarten, daß bei der Entstehung von Sternen der Sonnengröße sich die Materie in ähnlicher Weise organisiert wie unser Sonnensystem. Damit dürfte die Zahl der erdähnlichen Planeten in diesem Universum größer sein, als wir es uns in unseren kühnsten Träumen vorstellen können.
Und alle haben bei ihrer Entstehung einen ähnlichen Abkühlungsprozeß durchlaufen wie unsere Mutter Erde. Wenn das aber so ist, sind sie voller Leben, denn unter irdischen wie erdähnlichen Bedingungen ist „Leben“ ein wahrscheinlicher Quantenzustand. Dem Ei sei Dank!
Aber alles Warten auf den Weltuntergang ist vergeblich.

Wer kann diesen Planeten zerstören?

Wo sind denn hier die Menschen?


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