VW – Verfassungsgericht und Wulff – die zwei Seiten ein und derselben Medaille

Dezember 8, 2013

http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/hannover/wulff2087.html

Als der Wulff noch den Ministerpräsidenten des Landes Niedersachesn mimte, war er „kraft Gesetzes“ Mitglied im Aufsichtsrat des VW-Konzerns. Gleichzeitig war er „kraft seinen Amtseides“ und damit auch „kraft Gesetzes“ einem anderen gegenüber zur Loyalität verpflichtet:

„Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Volke und dem Lande widmen, das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und die Niedersächsische Verfassung sowie die Gesetze wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegenüber allen Menschen üben werde.“

Daß der Wulff es mit dieser Pflicht nicht ganz so genau genommen hat, ist wohl hinlänglich bekannt. und das, obwohl er dieselbe Ausbildung durchlaufen mußte, die sowohl die Richter am Bundesverfassungsgericht als auch der Verfasser dieses Beitrages genießen durften: Er hatte dereinst die „Befähigung zum Richteramt“ nach § 5 des deutschen Richtergesetzes erworben:

(1) Die Befähigung zum Richteramt erwirbt, wer ein rechtswissenschaftliches Studium an einer Universität mit der ersten Prüfung und einen anschließenden Vorbereitungsdienst mit der zweiten Staatsprüfung abschließt; die erste Prüfung besteht aus einer universitären Schwerpunktbereichsprüfung und einer staatlichen Pflichtfachprüfung.

(2) Studium und Vorbereitungsdienst sind inhaltlich aufeinander abzustimmen.

Wenn sich eine Person, die diesen strengen Anforderungen einmal gerecht geworden ist, sich selbst als geistig so „minderbemittelt“ darstellt, daß einem die Tränen kommen, was hat er dann im „höchsten Staatsamt“ zu suchen? – Und was haben Personen, die pflichtvergessen auf dem Richterstuhl tief und fest schlafen, auf der Richterbank des Bundesverfassungsgerichts zu suchen? –

Deutsche Richter verkünden ihre Urteile

IM NAMEN DES VOLKES!

Ob all das, was „Im Namen des Volkes“ für „Recht erkannt“ worden ist, will ich offenlassen. Jedenfalls ist das, was in dieser Sache:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article122648309/Eilantrag-gegen-den-Mitgliederentscheid-scheitert.html

als Gerichtsbeschluß gefaßt und verkündet-  Gott sei Dank(!) also nicht als Urteil „im Namen des Volkes“ – verkündet wurde, mit dem erklärten Willen des Inhabers der verfassungsgebenden Gewalt nicht wirklich kompatibel. Der Inhaber der verfassungsgebenden Gewalt kann nicht wollen, daß ein kleiner Haufen von rund 475.000 Männekes darüber befindet, ob und ggfs. wie lange die „Mehrheit“ des 18. Deutschen Bundestages daran hindert, das zu tun, was ihre Aufgabe ist: Wahl eines Bundeskanzlers und Gesetzgebung. – Aber eigentlich hindert die Mehrheit der Mitglieder des 18. Deutschen Bundestages sich selbst an der Erfüllung der ihnen vom Souverän übertragenen Aufgaben. – Damit widersetzen sie sich dem vom Souverän klar und eindeutig erteilten „Wählerauftrag“.

Ihr habt zu tun, was euch das Grundgesetz befiehlt! – Ende der Ansage und „Aus die Maus“!

Nein, man wartet mit Billigung des allerhöchsten Bundesgerichts ab, bis 0,59% des Volkes darüber befunden haben, ob den Abgeordneten der „Sozialdemokratischen Partei Deutschlands“ bei der längst überfälligen Wahl eines Bundeskanzlers ihre Stimme für eine gewisse Angela Merkel abgeben dürfen. – Nein, dieses Procedere schräkt die Arbeit der frei gewählten Abgeordneten in keinster Weise ein!

Da kann man eigentlich nur sagen: „Furchtbare Juristen“! („Furchtbare Juristen – die unbewältigte Vergangenheit unserer Justiz“ – so betitelte Ingo Müller sein Buch über die Geschichte der deutschen Justiz von Anbeginn des Untergangs der Weimarer Republik bis zum untauglichen Versuch, die Justiz des „Dritten Reichs“ juristisch aufzuarbeiten.)

Als ob der 2. Senat des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) es darauf angelegt hätte, meine Definition des „furchtbaren Juristen“ mit aller Gewalt bestätigen zu wollen:

Montags fällt man am Volksgerichtshof Todesurteile wegen Wehrkraftzersetzung. Am Dienstag bringt man Kriegsverbrecher in Nürnberg an den Galgen. Der Mittwoch bleibt der Verkündung von Todesurteilen vorbehalten, die in den Diensträumen der Stasi bereits vorformuliert worden waren. Donnerstags läßt man – mit der Scharia unter dem Arm – vergewaltigte Frauen öffentlich steinigen. Und am Freitag nimmt man offensichtlich begründete Verfassungsbeschwerden nicht zur Entscheidung an und verhängt eine „gesetzlich vorgesehene Mißbrauchsgebühr“ in Höhe von € 500,–.

Der „furchtbare Jurist“ läßt sich also – für jeden Menschen auf dieser Welt erkennbar – eindeutig kennzeichnen.

Das ist die eine Seite der Medaille.

Auf der anderen Seite befindet sich das Konterfei einer Person, die von seiner Ausbildung her seinen gesetzlichen Richtern, den Staatsanwälten und seinen Verteidigern ebenbürtig ist: Christian Wulff. Obwohl er den Satz:

„VOM STAAT GIBT ES KEINE LEISTUNG OHNE GEGENLEISTUNG“

geprägt hat, mimt er heute den Labrador, der eine „Schwarzwälder Kirschtorte“ vom Tisch gezogen und verputzt hat. „War da was?“

Mein früherer Kollege (auch er war einmal – wie ich auch  – Rechtsanwalt) vermag „schwachköpfige Richter“ ( Zitat Adolph Freiherr Knigge, vom Umgang mit Menschen: über den Umgang mit Juristen ) von seinem fehlenden „Unrechtsbewußtsein“ überzeugen, als ehemaliger „Staats- und Parteichef“ der Niedersachsen wird er das denen, auf deren Kosten er gegenwärtig lebt und in Zukunft leben wird, kaum glaubwürdig ‚rüberbringen können. – Jeder Hartz IV – Empfänger muß sich angesichts der Alimentation eines Christian Wulff bis ins Mark getroffen fühlen.

Aber, das ist in der öffentlichen Wahrnehmung schon lange vergessen, es gab schon einmal einen „Bundespräsidialamtsbesetzer“, der in die Schlagzeilen geraten war. – Er war ein wenig geschickter als der Wulff und saß die Affäre einfach aus. – Erl ieß sich schließlich auch kein Hotel und keinen Kneipenbummel von einem „Freund“ bezahlen, es ging damals nur um Flüge, die zu Lasten der „Hausbank“ eines Johannes Rau gingen. Sie wurde vor 13 Jahren durch die Presse genudelt. – Aber wer weiß das heute noch?

„Ich“! Herr Lehrer, denn ich hatte es damals aufgeschrieben. – Und wie der Zufall es so will, auch das Bundesverfassungsgericht einer überfälligen Apokalypse zugeführt. „Apokalypse“, das ist entgegen landläufiger Meinung kein Weltuntergang, das griechische Wort bedeutet lediglich „Entschleierung“. – Man könnte Apokalypse – in Anlehnung an das Rheinische Karnevalsbrauchtum – auch „politischen Aschermittwoch“ oder „Demaskierung“ nennen.

Geben wir den apokalyptischen Kavalleristen die Gelegenheit, ihre Pferde erneut anzuspornen:

http://www.lulu.com/shop/gerhard-altenhoff/der-bundesadel/ebook/product-551706.html S. 26Ff:

Habe ich es nicht gleich gesagt: der Bundesbürger ist nicht mehr Herr im eigenen Haus. Politik wird nicht in den Parlamenten gemacht, sondern in den Parteizentralen. Als ob er angetreten wäre, meine Auffassung zu bestätigen, versuchte der FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt, die frei gewählten FDP- Abgeordneten des hessischen Landtages dahingehend zu beeinflussen, die Koalition mit der CDU zu beenden.

Ich darf in Erinnerung rufen, daß nach den demokratischen Verfassungen des Bundes und der Länder der Abgeordnete als Vertreter des ganzen Volkes und nicht einer Partei gilt. Er ist an Aufträge nicht gebunden und nur seinem Gewissen unterworfen.

Ist das FDP-Präsidium das Gewissen ihrer Abgeordneten? – Mit Sicherheit nicht. Mit Sicherheit sind es auch nicht die Kreisverbände der hessischen FDP, die jetzt einen Sonderparteitag durchgesetzt haben, um eine Entscheidung herbeizuführen.

An diesen Vorgängen offenbaren sich erneut die Verzerrungen der Demokratie in Richtung auf ein Diktat der Parteien. Das gegenwärtige Parteiensystems ist ein komplexes adaptives System, das alle qualitativen Merkmale einer Adelsschicht aufweist. Es reagiert in seiner Gesamtheit und in seinen Teilen irrational. Weil auch die FDP irrational reagiert, kann sie das Aufbegehren des hessischen Landesverbandes nicht tatenlos hinnehmen. Die Behauptung, der Parteivorsitzende Wolfgang Gerhardt sei nun geschwächt, ist zwar durchaus zutreffend, aber nur unter irrationalem Aspekt; denkt man darüber nach, was er aus verfassungsrechtlicher Sicht getan hat, mußte er scheitern, denn in einer Demokratie kann der Vorsitzende einer Partei keine Weisungen mit Anspruch auf Gehorsam erteilen.

Auf dem Parteitag werden Delegierte (auf deutsch: Abgeordnete) abstimmen, die von der “Basis” mit entsprechenden Vollmachten versehen sind. Wo aber bleibt der Wählerwille? – Einen Wählerauftrag gibt es zwar nicht, aber die Mehrheit der Wähler hat sich für eine Koalition der Fraktionen von CDU und FDP ausgesprochen und es ist alleiniges Entscheidungsrecht der Fraktion, diese unter den gegebenen Umständen fortzuführen.-

Sollte der Parteitag das Ende der Koalition beschließen, würde das nicht nur einen Angriff auf die Rechte und verfassungsmäßigen Pflichten der Abgeordneten darstellen; die Abgeordneten selbst würden in ein Dilemma gedrängt:

Folgt die FDP-Fraktion dem Beschluß des Parteitages, kommt sie einer “Weisung” nach, was sie nicht darf. Das wäre verfassungswidrig, zumal seit dem Beschluß, die Koalition fortzusetzen, sachlich keine Änderung eingetreten ist. Widersetzt sich die Fraktion der Partei, ist das mit Sicherheit die letzte Wahlperiode, die die konkreten Abgeordneten für die FDP in irgendeinem Parlament absolvieren durften. Ihre politischen Karrieren finden ihr Ende, weil die Namen nie wieder auf einer Landesliste auftauchen werden. Listenabgeordnete sind die “Lenkwaffen” der Parteien in den Parlamenten. Abgeordnete, die unfolgsam sind, sind aus der Sicht der jeweiligen Partei zwangsläufig unbrauchbar. Zur Strafe entzieht man ihnen das Adelsprädikat. Das wiederum kommt einer tiefen Demütigung gleich, und freiwillig demütigen läßt sich niemand. Folglich liegt die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, daß die FDP-Fraktion des hessischen Landtages einen Beschluß zur Beendigung der Koalition ohne inhaltliche Diskussion in die Tat umsetzen wird. Was in der Verfassung steht, bindet ja nicht. Jeder Adelige hat sich dem Kodex des Adels zu unterwerfen – auch bei der FDP.

Adel und Obrigkeit mochten die Presse nie. Sie empfanden sie stets als eine Störgröße, die man unterdrücken mußte. Auch in der Bundesrepublik, wie sich in Nordrhein-Westfalen zeigt: Es wird behauptet, der “Spiegel” hätte der Witwe des Piloten der Air-West-LB ein “Kopfgeld” versprochen, wenn ihre Informationen zum Rücktritt nordrhein-westfälischer Landespolitiker führen sollten. Die NRW-SPD hat sich beim Presserat darüber beschwert.

Das ist ungeheuerlich! – Aber nicht, was der Spiegel macht, die Beschwerde ist es. Warum? –

Nach meiner Auffassung ist die Pressefreiheit der unabhängigen Justiz ebenbürtig und unabdingbare Voraussetzung für das Funktionieren der Demokratie. Es kommt hier meiner Meinung nach nicht darauf an, ob die Behauptung über das Vorgehen des “Spiegel” zutrifft oder nicht, und zwar aus folgenden Gründen:

Bei der Justiz ist es seit ewigen Zeiten üblich, daß Belohnungen ausgesetzt werden, um Missetäter dingfest zu machen. – An dieser Stelle müssen wir uns vor Augen führen, was der Begriff dingfest machen bedeutet. Er kommt aus der germanischen Rechtssprache und leitet sich vom Thing ab. Das Thing war in germanischer und fränkischer Zeit die Volksversammlung als politische, Gerichts- und Heeresversammlung. Neben dem echten Thing, das regelmäßig stattfand und an dem jeder freie Mann teilnehmen mußte, gab es das gebotene Thing, das zunächst unregelmäßig nach Bedarf abgehalten wurde; Karl der Große führte einen festen Abstand von 14 Tagen ein, wobei nur noch der Gerichtsvorsitzende, Schöffen und die Streitparteien anwesend waren. Aus der Funktion des Thing als Gericht folgt, daß dort auch über das Fehlverhalten von Stammesmitgliedern geurteilt wurde.

Der Presse kommt in der Demokratie die Aufgabe zu, den Souverän darüber zu informieren, welche Aktivitäten Politiker entfalten, die nicht ganz mit dem Soll übereinstimmen. – Ich möchte es an dieser Stelle noch einmal wiederholen: die Presse muß Bericht erstatten; zu richten, das ist das alleinige Recht des Souveräns.

Wenn ein Presseorgan im Rahmen der Berichtspflicht Informationen nur dann erlangen kann, wenn es Geld dafür bezahlt, ist das von keiner anderen oder geringeren Qualität, als wenn die Strafverfolgungsorgane eine Belohnung aussetzen. Es ist legitim. Immerhin geht es um Tatsachen, die für die Entscheidungsfindung des Souveräns von erheblicher Bedeutung sein können.

Kein Politiker hat Anspruch darauf, daß sein Fehlverhalten dem Volk verschwiegen wird. Allein die Tatsache, daß sich die NRW-SPD überhaupt beschwert hat, offenbart die tiefe Kluft, die zwischen dem Volk und einer Partei besteht, die von sich selbst behauptet, eine große Volkspartei zu sein. Besser als auf diese Weise kann man Kleingeist und Egoismus nicht outen.

Parteispenden, Sponsoring von Landesregierungen, schwarze Kassen, all das ist jetzt ruchbar geworden. Zur Verdeutlichung der Sache personifizieren wir den ziemlich abstrakten Souverän im Thing: Nehmen wir an, das Thing wäre aufgrund des von der Presse vorgetragenen Plädoyers geneigt, einem beschuldigten Politiker Fehlverhalten vorzuwerfen. Wie wird er sich verteidigen?

Die Psychologieprofessorin Astrid Schütz (TU Chemnitz) hat herausgefunden, daß politische Skandale oft nach dem gleichen Muster ablaufen. Sie hat dazu ein “Sieben-Stufen-Modell“ defensiver Selbstdarstellung entwickelt. Einfaches “Leugnen” bildet die erste Stufe, dann kommt das “Umdeuten” des eigenen Verhaltens oder es wird eine “Beteiligung abgestritten.” Wenn eine “Rechtfertigung” des eigenen Verhaltens keinen Erfolg bringt, dann sollte es wenigstens das “Bestreiten einer negativen Absicht.” Wenn auch das noch nichts nützt, wird es damit versucht, die “Bedeutung zu relativieren.” Am Ende, wenn all diese Mittel versagen, bleibt als siebte Stufe das “Eingeständnis,” das meist den Rücktritt zur Folge hat (Kölner Stadtanzeiger 12. /13. 2. 2000 S. 5). Politiker neigen also dazu, jede Schuld bereits dann von sich zu weisen, wenn der Sachverhalt noch gar nicht geklärt ist. Dieses Verhaltensmuster läßt sich in einem Satz zusammenfassen: Ich habe den Krug nicht bekommen, aber er war schon kaputt, als ich ihn bekam und er war noch ganz, als ich ihn weggab. Wer so argumentiert wirft Nebelkerzen und verschleiert jeden Blick auf die anzuwendenden Maßstäbe.

Am psychologischen Modell der Frau Schütz läßt sich unschwer ablesen, daß sich erwischte Politiker gern auf einen subjektiven Maßstab der Bewertung zurückziehen, der im Rechtsleben des Alltags aber nur im Ausnahmefall anzutreffen ist, nämlich im Strafrecht. Nur hier gibt es einen subjektiven Verschuldensmaßstab, alle anderen Rechtsgebiete messen mit der objektiven Elle. Zentrale Vorschrift ist diesbezüglich § 276 BGB, wonach fahrlässig handelt, wer die im Verkehr (gemeint ist der Rechtsverkehr) erforderliche Sorgfalt außer acht läßt. Aber der Verschuldensmaßstab allein bringt uns noch nicht weiter, denn die Prüfung des Verschuldens kann erst ansetzen, wenn ein Verhalten festgestellt ist, das zu einer Sanktion führen muß.

Welche Sanktion kann denn unser Thing verhängen, wenn die Verteidigungsstrategien des Politikers versagen? – Keine. Aus dem Amt jagen, das geht nicht.

Die einzige Konsequenz, die ein Politiker zu fürchten hat, ist der eigene Rücktritt. Es scheint sich seit der Französischen Revolution eingebürgert zu haben, daß ein Politiker, der es verdient, aus dem Amt gejagt zu werden, seinen Hut nimmt, bevor er den Kopf verliert.

Wann aber hat ein Politiker das Feld zu räumen? – Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland enthält keine Regelung zur Frage, welcher Sachverhalt zum Verlust eines politischen Amtes führen muß. Also müssen wir uns die Entscheidungshilfen aus anderen Rechtsgebieten holen. Nun sind die Beziehungen von Politikern zum Volk etwas eigenartig. Sie werden durch allgemeine, freie, gleiche und geheime Wahlen begründet. Beamtenrecht paßt ebensowenig wie Arbeitsrecht. Da wir alle aber komplexe adaptive Systeme sind, bei deren Interaktionen immer wieder dieselben Muster auftreten, brauchen wir nur auf der Skala des Alltagslebens nach einem Muster zu suchen, das mit dem Verhältnis des Bürgers zum Politiker übereinstimmt. Den Weg weisen die von Politikern gern benutzten Begriffe Auftrag und Mandat. Beide Begriffe werden im täglichen Sprachgebrauch für die Umschreibung des Rechtsverhältnisses zwischen einem Anwalt und seinem Mandanten verwendet. Hier wie dort basiert das Verhältnis auf einem gewissen Vertrauensvorschuß, der dem Mandatsträger entgegengebracht wird. Anwalt und Politiker erledigen ihre Aufträge selbständig und in eigener Verantwortung. Beide übernehmen auch die Verantwortung für den, der sie mandatiert hat. Auf den ersten Blick scheint allerdings ein gravierender Unterschied zu bestehen, denn das alltägliche Mandatsverhältnis kann jederzeit von beiden Teilen aufgelöst werden, während der Politiker zwar sein Mandat im Laufe der Wahlperiode aufgeben kann, der Wähler kann ihm aber nicht das Mandat entziehen. Aber der Unterschied hat keine Bedeutung für die Frage, wann ein Fehlverhalten vorliegt. Er ist nur relevant für die Konsequenzen, die sich ergeben.

Aus diesem Grunde muß die Frage, ob ein eventuelles Fehlverhalten einen Mandatsverlust zwingend zur Folge hat, in beiden Fällen ähnlich beurteilt werden.

In diesem Zusammenhang stoßen wir auf etwas, das uns zu denken geben sollte: dem Anwalt ist es bei Strafe und Berufsverbot untersagt, widerstreitende Interessen zu vertreten. Dahinter steckt ein tiefer Sinn. Ein Prozeß, egal vor welchem Gericht, lebt von der Polarisierung der Interessen. Sie erst macht eine Entscheidungsfindung möglich. Ein Anwalt, der gegenläufige Interessen vertritt, bewirkt gewissermaßen einen Kurzschluß in diesem System und läßt es in sich zusammenfallen. Eine an Recht und Gesetz orientierte Entscheidungsfindung wird damit unmöglich gemacht. Die auch friedensstiftende Funktion eines Gerichtsverfahrens wird beeinträchtigt.

Nun übertragen wir diese Grundsätze auf die vom Volk mandatierten Abgeordneten. Der Abgeordnete ist definitionsgemäß Vertreter des ganzen Volkes. Wo haben wir hier die notwendige Polarisierung, das Spannungsverhältnis, das dem oben Gesagten entspricht?

Der erste Anschein sagt uns, daß die Polarisierung in den einander gegenüberstehenden Programmen der Parteien besteht. Das aber paßt nicht zu der Vorstellung, jeder Abgeordnete vertrete das ganze Volk und nicht eine bestimmte Klientel oder ein Programm. Ein Blick in andere Parlamente zeigt uns, daß es um den Sitzungssaal des Plenums eine Wandelhalle gibt, in der sich Interessenvertreter aller Couleur aufhalten und versuchen, Abgeordnete zu beeinflussen. Das englische Wort für Wandelhalle ist kurz: Lobby.

Die Lobby. Das also ist der Gegenpol, um den sich hier das Problem dreht. Wir brauchen uns in der gegenwärtigen Situation keine großen Gedanken zu machen, wo die Grenzen für eine zulässige Beeinflussung von Politikern durch Lobbyisten zu ziehen sind, denn jedenfalls ist die in Deutschland vorherrschende Interessenkollision bei Politikern weit jenseits des Zulässigen.

Interessenkollision ist ein Tatbestand, der einen Anwalt zur Niederlegung seines Mandats zwingt. Bereits die Gefahr der Wahrnehmung widerstreitender Interessen hat die Beendigung des Mandats zur Folge.

Träger politischer Mandate haben sich folglich in ähnlicher Weise zu verhalten, also so, daß bereits der Anschein vermeiden wird, er werde sich dieser Gefahr aussetzen.

Aus diesem Blickwinkel muß auch das Verhalten des gegenwärtigen Bundespräsidenten betrachtet und gewürdigt werden.

Auch Bundespräsident Johannes Rau folgte beim Einräumen seiner Flüge mit Air West-LB dem „Sieben-Stufen-Modell.“ Er verbirgt sich darüber hinaus hinter einem höchst renommierten Strafverteidiger. Auch Strafverteidiger sind komplexe adaptive Systeme und als Spezialisten darauf geeicht, subjektive Schuldvorwürfe abzuwehren. Die aber stehen gegenwärtig gar nicht zur Diskussion. Auch Johannes Rau wirft Nebelkerzen. Denn er erklärt sich nicht vollständig zu den erhobenen Vorwürfen. Sein Verteidiger wird ihm wohl das Schweigen angeraten haben. Im Strafprozeß darf er das, da ist auch der Rat: „Klappe halten“ sinnvoll. Eine Straftat wird Johannes Rau aber nicht vorgeworfen, also bleiben die Besonderheiten des Strafprozesses außen vor.

In allen anderen Fällen trifft jede Partei die prozessuale Wahrheitspflicht, das heißt, jede Partei hat sich zum Vorbringen der Gegenseite vollständig und wahrheitsgemäß zu erklären. Verletzt eine Partei ihre Wahrheitspflicht und schweigt ganz oder teilweise, hat das zur Konsequenz, daß das Vorbringen des Gegners als zugestanden gilt.

Wer Gesetze im Namen der Bundesrepublik Deutschland unterschreibt, der sollte diesen Unterschied kennen und für die eigene Verteidigung berücksichtigen. Unter diesem Aspekt reicht die Behauptung, die Flüge seien dienstlich veranlaßt worden, nicht aus, wenn dafür nicht eine detaillierte Begründung erfolgt. Denn daß sich Bundespräsident Rau in seiner Amtszeit als Ministerpräsident durch die Inanspruchnahme der Air West-LB der Gefahr der Interessenkollision ausgesetzt hat, steht wohl außer Frage. Auch er ist nur ein Mensch. Es kommt auch nicht auf seine subjektive Einstellung zu den Dingen an, gemessen wird mit der objektiven Elle.

Unter diesem Aspekt bekommt die Äußerung „es dürfe nicht der Eindruck entstehen, in Deutschland sei Politik käuflich,“ natürlich einen anderen Stellenwert. Schon angesichts der Beträge, die in bar den Besitzer wechseln oder auf schwarzen Konten geparkt werden, wird einem ganz schwindelig. Aber es ist nur ein geringer Bruchteil der Gelder, die durch das System fließen. Sie erinnern sich an den Satz, den böse Zungen behaupten könnten: „Politik ist nicht käuflich, weil man nichts kaufen kann, was ausverkauft ist.“? Politik in Deutschland ist ausverkauft. Am Ende des ersten Teil habe ich das Bild vom Baum an der Küste gezeichnet, dem der Seewind eine prägnante Form aufzwingt. Der Witz daran ist, Sie können keinem einzelnen Windstoß irgendeine Beteiligung an der Formgebung nachweisen. Und Sie können keinem Hundertmarkschein, keiner Einzelspende eine konkrete politische Entscheidung zuordnen. Die gegenseitigen und vielfältigen Abhängigkeiten von Parlamentariern, Parteien, Spendern und Sponsoren erzeugen nun einmal das Bild eines korrupten Politikapparats, der, wie wir gesehen haben, ein komplexes adaptives System ist. Aus dem Wesen dieser Systeme ergibt sich, daß es für das Gesamtbild nicht ausschlaggebend ist, ob ein einzelner Politiker „käuflich“ ist. Das System als Ganzes ist es ohne Zweifel.

Die vom Grundgesetz beabsichtigte Polarisierung ist aufgehoben. Das System ist kurzgeschlossen. Gleichwohl haben wir ein Spannungsverhältnis zu verzeichnen, das allerdings sehr ungesund ist. Polarisierung wird gefährlich, wenn der Kontakt zwischen den Polen abreißt. Entweder geschieht dann gar nichts, wenn aber die Spannung wächst, kommt es zu einer schlagartigen Entladung.

Die neue Polarisierung, die sich bereits architektonisch im neuen Regierungsviertel niedergeschlagen hat, wird durch die diversen Affären mehr und mehr sichtbar; man nennt sie Politikverdrossenheit. Was heißt das? – Um das Gemeinwesen, die Polis, kümmert sich der Bürger nicht mehr, die „Partei der Nichtwähler“ hat gegenwärtig den größten Zulauf, weil „die da oben ja doch machen, was sie wollen.“ Volkes Stimme hat das zutreffend erkannt. „Die da oben,“ das ist der Bundesadel, der sich im Berliner und den anderen Regierungsvierteln mehr und mehr einigelt und das Mitspracherecht des Bürgers auf die Stimmabgabe bei der Wahl beschränkt. Ich glaube, in ausreichendem Umfang nachgewiesen zu haben, daß es nahezu unmöglich ist, „einfach so“ mit den besten An- und Absichten in die Politik zu gehen.

Das ist doch eigentlich unverständlich, denn Politiker rechtfertigen ihre geradezu fürstlichen Gehälter gebetsmühlenartig in folgender Weise: In der Wirtschaft würden für vergleichbare Positionen höhere Vergütungen gezahlt; es finde sich kaum jemand, der bereit sei, die Belastungen eines Politikers für die im Vergleich zur Wirtschaft geringfügige Entlohnung auf sich zu nehmen. Diese Argumente, das konnte ich hier wohl ganz klar zeigen, gehört in die Märchenstunde. Wer den Ritterschlag erhält, das bestimmt immer noch der Bundesadel selbst.

Daran offenbart sich, daß auch der Bundesadel über ein bestimmtes Rekrutierungssystem verfügt. Das läßt nur die nach „oben“ durch, von denen erwartet werden kann, daß sie im Sinne des Adels handeln, nicht im Sinne des Volkes. Und, es klingt bitter, das Auswahlverfahren setzt sich fort bis zur Wahl der Verfassungsrichter. Deren Wahl obliegt zwar dem Parlament, bei der konkreten Richterwahl entscheidet ein kleiner Ausschuß, der auch noch auf den Proporz achten muß. Achten Sie einmal darauf: es sind in der Regel verdiente Politiker, die dort einen Job angeboten bekommen. Man bleibt eben unter sich und weiß, wer wem was zu verdanken hat. Wir sind alle nur Menschen, keiner ist besser als der andere. Daher ist es höchst unwahrscheinlich, daß der Standesdünkel mit dem Überstreifen der roten Robe abgelegt wird. Er wird bei jeder Entscheidung mit am Richtertisch sitzen und Einfluß nehmen. Nicht bewußt und nicht sichtbar, aber er ist dabei. – Überzeugen Sie sich selbst: Nur 2 Mitglieder des 2. Senats des BVerfG haben keine offensichtlich „politisch“ geprägte Vergangenheit: http://www.bundesverfassungsgericht.de/richter.html

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Uria – Von diesen Rindern kann sich der Mensch eine Scheibe abschneiden!

November 24, 2012

Uria – Für eine artgerechte Nutztierhaltung.

http://www.tagesschau.de/kommentar/mursi172.html

Prima Facie geht es bei dem Projekt „Uria-Rinder“ um die „artgerechte Haltung“ von Tieren.  Rinder können uns indes viel über unser Spannungsverhältnis zwischen der menschlichen Natur und dem Anspruch, eine auf „Vernunft“ basierende „Gesellschaft“ schaffen zu wollen, verraten.

Plakat

Man braucht nur die „Verfassung“ dieser in Europa, ja wahrscheinlich weltweit einzigen Hausrinderherde näher zu betrachten:

Das, was der Mensch so gern als „Menschlichkeit bezeichnet, hat er nicht erfunden. „Menschlich­keit“ ist in der Natur häufiger anzutreffen als uns lieb sein kann, man muß nur genau hinsehen:

Die Verhaltensmuster eines Löwenkaters bildet bei Säugern die Ausnahme, im allgemeinen sind so­ziale Dominanz und Führungsverantwortung un­trennbar miteinander verknüpft. Das gilt sowohl für die Leitkuh einer Ele­fantenherde, für die Leitstute bei Pferden wie für den Leitwolf bzw die Leit­wölfin eines Rudels. In allen Fällen tragen sie die Verantwortung für das Ganze.

Diese Erscheinung macht nicht einmal vor unseren Hausrindern halt:

In Ostdorf auf der schwäbischen Alb lebt die einzige wirklich wildlebende Hausrinderherde Euro­pas, wenn nicht gar der Welt. Die Uria-Rinder von Ostdorf sind zudem der schlagende Beweis für den Mißerfolg menschlicher Züchtung: Fressen und dumm in der Gegend herumstehen, das hätten die Rinderzüchter ihren „Produkten“ wohl gern angezüchtet. Aber Jahrtausende der Domestikation haben es nicht vermocht, Rindern die In­stinkte zu rauben, die sie nun einmal brauchen, um in „frei­er Wildbahn“ zu überleben. Ganz gewöhnliche Hausrinder verfügen immer noch über das vollstän­dige Verhaltensrepertoire, das es ihnen ermöglicht, unabhängig von der Obhut des Menschen ihre Kälber großzuziehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Tiergesellschaften spielen die Männer dabei eine nicht nur unerhebliche Rolle:

Zeus soll sich der Legende nach einer seiner vielen Angebeteten in der Gestalt des Stiers genähert haben. Ihr Name war Europa. Seither gilt der Stier als Sinnbild unbeugsamer Manneskraft, weil sich die Menschen keine andere Vorstellung von einem Stier machen konnten.

Nach der „Rückkehr des Zeus“ am 4.7.20043 erschien der Stier vor dem verzerrten Bild der Schöp­fung, das der Mensch sich von ihr macht, in einer vollkommen veränderten Gestalt.. Eine Gestalt, die für Frauen nicht weniger attraktiv sein dürfte als das „klassische“ Bild, das man gewöhnlich von einem Stier hat. Der Stier versinnbildlicht nämlich in erster Linie soziale Kompetenz, Sanftmut und Führungsverantwortung.

Alles begann im Sommer 2004 ganz harmlos. Ich machte mich auf die Suche nach einer eingängi­gen Metapher für das perpetuum mobile, jener Maschine, die ohne Energiezufuhr ständig Energie abgeben kann. Die Almigurth-Reklame brachte mich auf die Spur. Darin wurde zeitweise der Slo­gan verwendet: „Wir geben unser Bestes“ – „Quatsch“, dachte ich, „die Kuh gibt keine Milch, der Bauer nimmt sie ihr weg“. Denn die Schöpfung hat die Milch dem Kalb zugedacht und nicht dem Bauern. Und damit war der zu beschreibende thermodynamische Kreisprozeß schon fast geschlos­sen. Der Bauer mußte nur noch die Kuh mit ihrer eigenen Milch füttern. – Ich glaube, auch dem Einfältigsten dürfte klar sein, daß eine Kuh, die nur mit ihrer eigenen Milch gefüttert wird, bald ver­endet. Ich glaube, auch der Einfältigste wird den Bauern, der seine Kuh nur mit ihrer eigenen Milch füttert, zutreffend für nicht mehr ganz dicht halten.

Es ging scheinbar so harmlos weiter. Ich schaltete meinen Fernseher ein, und zwar genau um 15.15 Uhr. Es begann gerade eine Sendung aus der Rei­he „Abenteuer Wildnis“. Der Titel war ganz inter­essant: „Die wilde Seele unserer Haustiere“. Also schaute ich mir die Sendung an. Ich hätte es mir nicht träumen lassen, aber seit Karel Zemans „Reise in die Urwelt“ kann ich mich nicht erinnern, von einem Film so fasziniert gewesen zu sein.

In diesem Zusammenhang wurde ich am Bildschirm Zeuge einer Auseinan­dersetzung zwischen zwei rivalisierenden Stieren. Ein „Youngster“ maßte sich an, sich mit einem zum „Establishment“ gehörenden Stier zu messen. Am Ende verdrängte er den „Etablierten“ nicht nur aus seiner sozialen Rangstellung, er nahm ihm sein „Amt“. Spontan brachte sich mir „der kleine Stowasser“ in Erinne­rung. In diesem lateinisch-deutschen Standard­wörterbuch wird das Wort „praesidere“ mit „schüt­zen“ bzw. „decken“ übersetzt. – (Na,na! „Decken“ meint nicht das, was Sie jetzt spon­tan im Zu­sammenhang mit dem Stier denken, sondern das militärische Decken)

Der Stier, der seinen „Rivalen“ „besiegt“ hatte, übernahm unverzüglich dessen „Amt“, das darin be­steht, die ziehende Herde nach hinten gegen Gefahren abzuschirmen.

Der Stier, der die Herde anführt, trägt die größte Verantwortung. Er allein entscheidet darüber, ob eine unbekannte Situation für die Herde bedrohlich ist oder nicht. Die Herde folgt blind seiner Ent­scheidung. Mit anderen Worten, macht er einen Fehler, kann dies den Untergang der Herde zur Fol­ge haben. Der Leitbulle ist der eigentliche „Präsident“ der Herde; die anderen Stiere will ich einmal als Vizepräsidenten bezeichnen – Geschützt durch die Kompetenz des „Präsidenten“ und seiner „Vize“ kön­nen die Kühe in aller Ruhe ihren Nachwuchs großziehen. Sie verfügen dabei sogar über eine Einrichtung, die wohl als einzige mit einer vom Men­schen erschaffenen Institution gleichge­setzt werden kann: sie bilden einen Kindergarten. Während das Gros der Herde ihrer alltäglichen Beschäfti­gung nachgeht, spielen die Kälber unter der Aufsicht einiger Kühe.

Nun könnte Ihnen einfallen, sich für die „beherrschende Lebensform“ des Planeten Erde zu halten. Als solche könnten Sie geneigt sein, auch von den Uria-Rindern Ihren Tribut in Form von Milch zu fordern. Ich kann davon nur abraten, denn ein echter Bulle ist in Ausübung seines Amtes humor- und kompromißloser als ein New Yorker Cop. Er wird Ihnen unmißver­ständlich klarmachen, daß Mutter Erde die Milch den Kälbern zugedacht hat. Und er wird Sie, notfalls unter Anwendung un­mittelbaren Zwangs, samt Ihrem Milchkännchen zum Teufel jagen. Und wenn wirklich ern­sthafte Gefahr drohen sollte, machen die Stiere wie auf Kommando gemeinsam Front. – Wohlgemerkt, „wie auf Kommando“ und nicht „auf Kommando“! Denn der Leitstier kommandiert keines seiner Herdenmit­glieder in der Gegend herum. Er gibt nur Signale von sich, die von den an­deren als Auf­forderung zum gemeinsamen Handeln verstanden werden.

Im „Innenverhältnis“ freilich sind Bullen regelrechte „Weicheier“, vom Bild des „wilden Stiers“ bleibt hier nichts, aber auch gar nichts übrig: das Sexleben der Rinder ist nicht leicht zu beobachten, denn wenn sich eine Kuh in einen Bullen verguckt hat, schlagen die beiden sich im Anschluß an ausgiebige Liebesbezeugungen nach einiger Zeit „in die Büsche.“ Das ist durchaus sinnvoll, denn bei dieser Art von Beschäftigung vergessen wohl auch Rinder Raum und Zeit und sind damit an­greifbar.

Rinderkindern in „freier Wildbahn“ geht es augenscheinlich erheblich bess­er geht als Millionen von Menschenkindern in aller Welt, daher sei mir die Frage erlaubt, wer in Gottes weitem Rund die wahren Hornochsen sind.

Wie über die Bienen offenbart sich auch über die Rindviecher das grundsät­zlich falsche Bild, das wir uns von unserer Stellung in der Evolution machen:

Die Kuh „gibt“ keine Milch, der Bauer hindert sie vielmehr durch das Melken am „Abstillen“, ob­wohl ihr Kalb in vielen Fällen längst als Medail­lon, Schnitzel oder Haxe der Freßlust des Menschen zum Opfer gefallen ist.

Aber wehe ein Braunbär wie „Bruno“ reißt ein Kalb oder greift der Biene Maja in die Waben! Flugs wird er zum „Problembären“ erklärt und stan­drechtlich erschossen!

In Wahrheit sind all die vielen Tüten Milch und die vielen Gläser Honig, die wir im Supermarkt fin­den, nichts anderes als Diebesgut. Ein qualitativ­er Unterschied zum Inhalt des „Staatssäckels“ be­steht nicht.

Diese hier gewonnene Erkenntnis ist allerdings nicht grundsätzlich neu, denn bereits vor mehr als 2000 Jahren bemerkte Cicero: „remota iustitia quod sunt regna nisi magna latrocinia?“ – Ohne Ge­rechtigkeit sind Regierungen nichts als eine große Räuberbande. – In die Sprache der Mod­erne über­setzt, könnte das heißen: die Regierungen dieser Welt sind nichts als organisierte Kriminalität. (Gerhard Altenhoff, Die Biena Maja, der glückliche Löwe und die Sozialversicherung, S. 22ff)

Ich muß hier eine Korrektur einfügen, denn der lateinische Satz stammt nicht von Cicero, sondern vom „Kirchenvater“ Augustinus. – Er war mir beim Durchblättern von Ciceros „Der Staat“,  Rowohlt 1967,  im dortigen Essay von Rainer Beer dermaßen ins Auge gesprungen, daß ich den vorangehenden Hinweis auf die Urheberschaft zunächst gar nicht wahrgenommen hatte.

Wir erleben es alle live mit, vor allem in dem Land, in dem „der Staat“ quasi erfunden wurde:

in Ägypten, das jetzt wieder einen Pharao hat:

Die Trennung des „Alpha-Tieres“ von der Sozietät. – Von der „Verantwortung für das Wohlergehen der Sozietät“, das im Tierreich das „Alpha-Tier“ auszeichnet,  ist der „Anspruch auf Gehorsam“ übriggeblieben. – Und den begehren die Skrupellosesten. – Ob in der Mafia, den „USA“ oder in der „BRD“ – Von der „DDR“ oder „UDSSR“ ist schließlich außer den Skrupellosesten nichts mehr übrig:

http://www.lulu.com/shop/gerhard-altenhoff/st%C3%B6rtebekers-erben/paperback/product-20331959.html

Ohne rücksicht auf die nicht auslöschbaren Instinkte des Menschen wird es keinen Weg geben, den „globalen Bürgerkrieg“, der uns von den Institutionen der „sozialen Dominanz“ als „Weltfrieden“ verkauft wird, zu beenden. Aber:

Es ist Zeit! – Nicht nur für glückliche Kühe, auch für glückliche Menschen! – Nicht umsonst umfaßt die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika als unveräußerliches Menschenrecht das „Streben nach Glück“

Machen wir uns auf den Weg: Schritt für Schritt!


MORE THAN HONEY – Biene Maja und ihr „Staat“

November 11, 2012

MORE THAN HONEY – Ab 8. November im Kino im Kino!.

Bienen gehören zu den faszinierendsten Lebewesen des Planeten. Vor allem deswegen, weil ihre „Staatsorganisation“ der Doktrin vom erbarmungslosen Kampf ums Dasein und auch der Doktrin vom „egoistischen Gen“ widerspricht:

„Meine schönste Begegnung mit der Biene Maja hatte ich im Herbst des Jahres 2006:

24.11.2006. Ich kam vom Einkaufen und kehrte wie gewöhnlich im „Anker” in Nievenheim ein. Dort trank ich zwei Bier, anschließend machte ich mich auf den Heimweg.

Ich weiß nicht, wer meine Schritte gelenkt hat, aber wie an einem Gummischnürchen gezogen begab ich mich in den „Gasthof Mehl”. Dieser liegt unmittelbar im Schatten der St. Pankratius-Kirche und weist eine Besonderheit auf. In den Gasträumen befindet sich eine verkleinerte Kopie dieser Kirche.

Ich hatte gerade mein Bier bestellt, als aus „heiterem Himmel” die „Biene Maja” auftauchte. Gegen 19.15 Uhr landete sie unmittelbar vor mir auf der Zapfanlage.

Aber die „Biene Maja” ruhte sich dort nicht aus. Sie fing an, ausgiebig Körperpflege zu betreiben. Mehr als 20 Minuten lang gestattete sie mir den Einblick in ihr „Wellness-Programm”. Mit ihren winzigen Vorderbeinen vollführte sie regelrechte Waschbewegungen und „wusch” sich anschließend ausgiebig und immer wieder das Gesicht. Ihre Hinterbeine waren für Hinterleib und Flügel verantwortlich. Immer wieder widmete sie ihre Aufmerksamkeit ihrem Rüssel, den sie offenbar genüßlich ausstreckte und mit den Vorderbeinen bearbeitete. Ich war fast geneigt, die Wirtin um einen Lippenstift zu bitten. – Indes, um ihre „Ausrüstung” im „Kampf ums Dasein” kümmerte sie sich herzlich wenig. Nur für ein paar Sekunden beschäftigte sie sich mit dem „Waffenreinigen”: Sie fuhr ihren Stachel aus, betastete ihn mit den Hinterbeinen. Er war noch da, und das schien für sie in Ordnung zu sein, denn anschließend widmete sie sich wieder intensiv ihrem Rüssel und ihrer Gesichtspflege.

Hätte ich eine Kamera dabeigehabt, ich glaube, ich wäre mir vorgekommen wie ein Paparazzo an Lady Di’s Badezimmerfenster.“

Diese Sequenz findet man in

bienemajaundglücklicherlöwe

Darin habe ich die „Verfassungen“ von Insekten“staaten“ und anderen tierischen Sozialsystemen mit dem eher inhaltsleeren Begriff der Verfassung, der in Staatsrechtslehre, Funk und Fernsehen sowie den Printmedien immer wieder verwendet wird.

Ich stelle das Manuskript hier zur Diskussion. – Es ist noch nicht fertig, weil die wichtigsten Schlußfolgerungen daraus lange brauchten, bis ich sie griffig formulieren konnte. – Die „real exisitierende“ Demokratie in Deutschland mußte erst innerhalb weniger Monate drei Personen als „Bundespräsident“ verschleißen. – Und eine „First Lady“, deren soziale Stellung und Aufgabe im Grundgesetz nicht beschrieben ist, mußte ihren Abenteuerroman mit lauterem Getöse unters Volk bringen als Günter Grass seine Werke. – Wer es aufmerksam liest, findet hier erstmals den Begriff „Politik“ griffig und zutreffend definiert.

Fangen wir mit der Verfassung an:

Verfassung ist ein Regelwerk, daß den Inhabern der obersten sozialen Dominanzstellungen verbindlich vorschreibt, welche Handlungen sie im Rahmen ihrer Verantwortung für die ihnen anvertraute Sozialgemeinschaft auszuführen haben, nach pflichtgemäßem Ermessen vornehmen dürfen und zu unterlassen haben.

Und, jetzt kommt die Frage der Fragen:

Was is das,  DER STAAT ?

Wenn man die Menschheit mit dem „Staat“ der Biene Maja vergleicht, stellt man unschwer fest, daß das „globale Dorf“, in dem wir zu leben glauben, tatsächlich eher ein „globaler Staat“ ist: Alle Bienen eines Staates sind Geschwister. – Wir Menschen auch. – darauf deuten jedenfalls die Ergebnisse des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie hin, die in der Feststellung gipfelten:

Alle Menschen müssen als „Brüder“ bzw. „Schwestern“ – wir wollen ja nicht sexistisch sein – betrachtet werdenKam die Menschheit durch ein Nadelöhr?

Diese Feststellung ignorieren die „Staatsangehörigen“, vor allem die sozial dominanten, mit der größtmöglichen Hartnäckigkeit. – Aber sie kümmern sich um Umwelt- und Naturschutz.

Was würde die Biene Maja tun? – Sie würde wohl ein Transparent auspacken und mit Willi zusammen am nächsten Spinnennetz ankleben:

So sieht der Staat aus

.


Kann die „ROTE NULL“ Steinbrück wirklich „Kanzler“?

Oktober 2, 2012

SPD: Steinbrück startet angriffslustig in den Wahlkampf | tagesschau.de.

Sie müssen mir das einmal erklären, aber bitte so, als wäre ich vier Jahre alt:
Ich habe da so ein Buch, da steht „Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland“ drauf. Das Buch hat auch ein Inhalts- und sogar ein Stichwortverzeichnis. – Da finde ich aber keine „Kandidatenkür“ durch Parteigremien. Nach dem mir vorliegenden Exemplar des Grundgesetzes für die bundesrepublik Deutschland gibt es nur einen Artikel, der den Zugang der Deutschen zu den öffentlichen Ämtern regelt, und das ist Artikel 33. – Danach hat jeder Deutsche nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung Zugang zu allen öffentlichen Ämtern. – Diese – von der Kommentarliteratur zuweilen als das „politische Grundrecht“ betitelte „Zugangsbefugnis“ zu den öffentlichen Ämtern kennt im Grundgesetz keine Ausnahme. – Das Grundgesetz sagt aber auch nicht, daß das „Kanzleramt“ Privatsache der parteien wäre. – Also ist das Kanzleramt, wie jedes Amt, das mit einer „Ernennungsurkunde“ vergeben wird, ein „öffentliches Amt“.  – Und dafür gilt ausschließlich Artikel 33 des Grundgesetzes. – Und nicht die Willkür von Parteigremien.

Auch das „Triumvirat“ der SPD macht augenfällig, daß die „Spitzengremien“ der Parteien sich die

„DICTATURA LEGIBUS SCRIBUNDIS ET REI PUBLICAE CONSTITUENDAE“

anmaßen.

Sollte Steinbrück sich auf eine allfällige Stellenausschreibung für den Posten des bundeskanzlers bewerben, muß er sich seine eigenen Worte entgegenhalten lassen:

Wer verfrüht die „schwarze Null“ in Aussicht stellt, kann eigentlich nur eine

ROTE NULL

sein.


E.T. und die Dampflok – ein unlösbares Problem der Wissenschaft

September 18, 2012

Wenige Jahre vor der Ankunft von E.T.  gehörten Anblicke wie die folgenden zum Alltag auf deutschen Schienen:  Die Jumbos kommen – BR 44 – YouTube.

Neben dem Komiker ALF gehört E.T. zu den beliebtesten Aliens in den Kinderstuben der Welt. – Und die Kinderzimmer dieser Welt sind die letzten Refugien der Dampflokomotiven. – In „freier Wildbahn“ sind diese „Dinosaurier der Schiene“  fast ausgerottet. – Im übrigen haben sie ihr Rückzugsgebiet neben den Kinderstuben nur noch in den Hobbykellern dieser Welt.

Was aber haben E.T. und Dampfloks mit der Wissenschaft zu tun?

Augenscheinlich gar nichts!

Portrait

E.T. startete von einem fernen Planeten in einem fernen Sternensystem. Laut Steven Spielbergs landeten die Aliens in Kalifornien. Was Spielberg verschwieg, ist die Tatsache, daß sie ihn auch wieder abholten. Dabei haben sie sich verflogen und landeten in der schwäbischen Provinz. Die Koordinaten des intergalaktischen Navigationssystems weisen auf Göppingen hin. – Göppingen, Göppingen  und die schwäbische Sparsamkeit waren den Aliens fremder als die kalifornische Lässigkeit. Also verließen sie den Ort so rasch wie möglich wieder. E.T., hatte sich bei der Zwischenlandung freilich in seinem jugendlichen Leichtsinn in eine Fabrikhalle der Firma MÄRKLIN verirrt, Er wurde einfach vergessen und blieb erneut auf der Erde zurück.

Wer sich in interstellaren Verkehrssystemen auskennt, ist naturgemäß daran interessiert, wie die endemische Population eines fernen Planeten – also die „einheimische Bevölkerung der Erde“ ihre Transportprobleme in den Griff kriegt.

Im Weltraum gibt es keine Schienen, also war die Rad-Schiene-Technik für E.T. von besonderem Interesse. – Faszniert war er vor allem von diesen bizarren schwarzen Maschinen mit den roten Rädern und den seitlich angebrachten Stangen, die sich hin- und herbewegten.

Zunächst unbemerkt verfolgte E.T. den Produktionsprozeß. Wie der Zufall es so wollte,wurde E.T. Zeuge der Herstellung einer Lokomotive der Baureihe 44. Auf Erden eine schwere Güterzuglokomotive mit einer Vorlauf- und fünf Treibachsen.

Mit 47 Jahren noch ein schönes Model

Dampflok mit Elektroantieb

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzten Achsen, Zahn- und Speichenräder in zwei Zinkgußteile ein und schraubten diese aneinander. Zwischen der dritten und vierten Treibachse entstand so ein Gelenk. Mit einer weiteren Schraube wurde die Vorlaufachse beweglich mit dem Chassis verbunden.

Mit für Aliens unbekannten Tricks, die der Erdenmensch „Feinmechanik“ nennt, wurden die Treibstangen mit den Rädern und zwei offensichtlich funktionslosen ovalen Anhängseln des Fahrgestells verbunden.

Und alles wird über die Zahnräder angetrieben, die man – wohl aus ästhetischen Gründen – hinter den Treibrädern versteckt.

Wie in jedem Betrieb gab und gibt es auch bei MÄRKLIN erfahrene und unerfahrene Mitarbeiterinnen und -arbeiter. Beim Anbau des Gestänges mußte E.T. miterleben, daß es ein Problem gab, das aber alsbald gelöst wurde:

„Muscht nur die Stange in die Zylinder schtecke“! – Und dann klappte es. E.T. blätterte in seinem „Intergalaktischen Wörterbuch“ und fand dort den Zylinder als „merkwürdige Kopfbedeckung der irdischen Spezies Mensch“ beschrieben.

Für E.T. machte das seine Beobachtungen immer merkwürdiger. – Zylinder nicht oben sondern an der Seite?

Es blieb freilich keine Zeit, sich weiter über den Zylinder Gedanken zu machen, denn die nächsten Schritte beim Bau einer Dampflok weckten Vertrauen in die universalen Gesetze des Antriebs: Strom.

Elektromagnetismus und Ohmsches Gesetz. – Überall im Universum daheim. Deswegen war für E.T. der Einbau von Motor und Umschaltrelais auch ein vertrauter Anblick. – Elektromotoren finden sich auch in jedem Raumschiff..

Am Ende stülpte man über das Fahrgestell ein bizarres schwarzes Gehäuse mit einer Art „Hasenohren“ an der Seite. – Allein, echte Hasenohren weisen nach oben und sind nicht längsseits am Körper befestigt. – „Merkwürdige Menschen!“ – dachte sich E.T.

Was die Gestalt der Dampflok anbelangt, geriet E.T. vollkommen in Verwirrung, als der Lok auch noch ein kastenförmiger Schwanz angehängt wurde, ein Schwanz, mit dem sich nicht einmal wedeln läßt. – Ein Schwanz ist zum Wedeln da, so steht es in den interstellaren Handbüchern für den Planeten Erde. Dieser aber hat Räder und folgt immer derselben Spur wie die Lokomotive.

Bei der Endabnahme der Lok war es E.T. schnell klar, wie eine Dampflok funktioniert, denn Elektrotechnik ist nicht nur global, sie ist universal: Die zur Fortbewegung nötige Energie wird Dampflokomotiven durch Skischleifer über Punktkontakte zugeführt, die sich zwischen den Fahrschienen befinden. Ein Überspannungsimpuls sorgt für das Wechseln der Fahrtrichtung.

E.T. wußte nun, was eine Lokomotive ist, aber ihm war noch ncht klar, wofür eine Lok, die mit so viel Liebe hergestellt wird, überhaupt da ist.

E.T.’s Streifzug durch die Produktionsstätten führte ihn auch an den Ort, wo die Produkte verpackt werden. Sein Blick fällt fast unwillkürlich auf eine „Anfangspackung“. – E.T. war schließlich, was die Eisenbahn anbelangt, Anfänger.

„Oh! – die Menschen müssen unheimlich viel Ahnung von Raumkrümmung haben!“ – dachte sich E.T., als er den Inhalt einer Anfangspackung unter die Lupe nahm. Eine kleine Lok, zwei Wagen und Schienen, die einen Kreis beschreiben. – Wenn die Lok sich in einer Richtung fortbewegt, gelangt sie an ihren Ausgangspunkt zurück, ohne daß sie die Fahrtrichtung wechseln muß. – Lokomotiven, so E.T.’s Schlußfolgerung, beschreiben einen Orbit. – Wie ein Raumschiff oder ein Mond um einen Planeten oder ein Planet um eine Sonne.

„Die Dampflok ist ein Orbiter um einen winzig kleines „schwarzes Loch“. – anders kann es nicht sein, weil ein Zweck in der durch und durch zweckbestimmten Welt des Menschen nicht erkennbar ist.“ – so jedenfalls stellte sich E.T. das Wesen einer Dampflokomotive vor.

In der Abteilung, in der Gleispläne entworfen werden, fand E.T. seine Vermutung bestätigt. Er stellte erstaunt fest, daß bei aller Verzerrung, Kreuz- und Querverbindung der Geleise, trotz aller Weichen und Brücken die Orbit- oder Kreislaufstruktur der Eisenbahn erhalten blieb. Die Gleispläne waren so durchdacht, daß ein Zug immer wieder seinen Ausgangspunkt erreichen konnte ohne die Fahrtrichtung zu wechseln. E.T begriff, weshalb die Dampflok zwischen der dritten und vierten Treibachse ein Gelenk hatte: Die Konstruktion war dem Erfordernis geschuldet, möglichst viel Eisenbahn auf kleiner Fläche unterzubringen und die engen Kurvenradien zu befahren.

Große Welt auf kleinen Schienen! – E.T. wird Eisenbahnfan.

Davon wiederum sind die MÄRKLIN-Mitarbeiter regelrecht begeistert. – Man hat ja nicht jeden Tag einen Alien zu Gast, der sich für die Firma und ihre Produkte interessiert. Aus diesem Grunde entschließt sich die Firmenleitung, E.T. Die Teilnahme an einer Dampfloksonderfahrt zu ermöglichen, damit er das „große Vorbild“ kennenlernt.

( Quelle: http://www.dampfsound.de/44db/44db-sound/44db-sound.html)

Wie gesagt – so getan.

Bevor E.T. auf die Reise geht, überzeugt er sich von der Leistungsfähigkeit der Dampfloks zunächst im Internet. – „Ach,du liebe Galaxis! – Was ist das denn? – Die Dinger machen ja einen Krach wie ein UFO beim Start!“:

Die Jumbos kommen – BR 44 – YouTube.

E.T. bekommt große Augen, als er zum ersten mal eine Dampflok sieht, die nicht in Göppingen gefertigt wurde. – Das „Ding aus einer anderen Welt“ kann er auf einmal mit allen fünf Sinnen erfassen: Er kann es nicht nur sehen, er hört und riecht es . – Und – sobald er Rußpartikel im den Mund bekommt, schmeckt er es auch . – Nur anfassen, das ist nicht unbedingt angesagt, denn das Ding ist heiß, verdammt heiß!

Und dann das Cockpit einer Dampflok– es ist mit seinen Rädern , Hebeln und Monometern verwirrender als die Kommandozentrale eines schnellen Raumkreuzers.

Sein Blick fällt auf den Schrecken aller Astonauten: „Feuer im Cockpit!“ ruft er laut und springt aus dem Führerstand.

E.T hat keine Zeit mehr zum Nachdenken, denn mit ohrenbetäubendem Zischen bläst das Sicherheitsventil überschüssigen Dampf in die Luft.- Verstört sucht E.T. Schutz unter der Lok.

Was er da sieht, nein, was er dort nicht sieht, stellt sein Weltbild vollkommen auf den Kopf:

Das kennt er nicht, das ist mit seiner interstellaren Dampfloktheorie nicht vereinbar. – Skischleifer fehlen! – Zwischen den Schienen gibt es keine Punktkontakte! – Und die gigantische Schraube zwischen der dritten und vierten Treibachse fehlt auch. – Wie soll das Ding mit seinen fünf Achsen die Kurve kriegen?

E.T. ist vollkommen durcheinander, er versteht die irdische Welt nicht mehr.: In der Rauchkammer fehlen Elektromotor und Umschaltrelais. Es gibt auch keine Zahnräder. Es gibt keine mechanische Verbindung zwischen dem Kesselinneren und den Rädern – Wie bewegt sich dieses „ Ding aus einer anderen Welt“ denn überhaupt?

Die Crew der Lok lockt E.T aus seinem Versteck, denn weder als Lokführer noch als Heizer möchte man einen Alien überfahren.

Sie entführen ihn erneut auf den Führerstand und erklären ihm die Funktionsweise der Lokomotive:

Mit dem Feuer im Cockpit wird Dampf erzeugt. Der Dampf wird in die Zylinder gepreßt, die sich im Innerern der merkwürdigen ovalen Anhängsel verbergen. Diese Zylinder bewegen die Treibstangen. Die Treibstangen sind mit Kuppelstangen verbunden, die so etwas wie einen „Treibsatz“ bilden. Sie setzen die mannshohen Räder in Bewegung und sorgen für den Vortrieb.

E.T. begreift: Alles ist anders! – Jetzt wird ihm auch die Bedeutung des kastenförmigen Schwanzes klar. – So eine Art Brennstoffzelle.

Der Lokführer erklärt ihm auch, daß die Eisenbahn ein Transportmittel ist, dazu bestimmt, weit voneinander entfernte Orte auf möglichst kurzem Weg miteinander zu verbinden. Paradebeispiel ist die „Union Pacific“, die Ost- und Westküste der Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert zusammenführte. – Eine ringförmige Anordnung der Streckenführung kommt nur in Ausnahmefällen (Berliner Ringbahn) vor.

Und nun kommt E.T. ins Nachdenken darüber, wie Dampflok und Schienenstrang existieren können, obwohl sie seiner Theorie widersprechen. – Oder ist seine Theorie von Dampflok und gekrümmter Schienenwelt falsch? Weil Dampfloks existieren, obwohl sie der Theorie widersprechen, kann eigentlich nur die Theorie falsch sein. – So die Schlußfolgerung des Außerirdischen.

Und damit wären wir bei der Wissenschaft und ihrem größten Problem angelangt, nämlich der Theorienbildung anhand von „Modellen“.

Eine MÄRKLIN – Dampflok ist ein Modell, das eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Vorbild hat, aber in seinem Verhalten fundamentale Unterschiede zeigt. Warum sollten wissenschaftliche „Modelle“ nicht das Schicksal der MÄRKLIN-Dampflok teilen?

„Modelle“ gibt es in allen wissenschaftlichen Disziplinen. – Wie bei der Eisenbahn ist eines der beliebtesten Modelle das „Kreislaufmodell“. Die Medizin verwendet es ebenso wie Biologie, Geologie, die Physik und die Wirtschaftswissenschaft. – Aber in der Natur gibt es keinen einzigen Prozeß, der jemals wieder an seinen Ausganspunkt zurückkehren würde, also einen vollkommenen „Kreis“ beschreibt. – Nicht einmal die Bahn des Mondes läuft in sich zurück, weil der Mond sich pro Jahr um rund 3 cm von der Erde entfernt. – Eine Abweichung von auch nur einem Tausendstel Millimeter pro Umlauf bedeutet eine einhundertprozentige Abweichung von der Kreisbahn:

Das Sonnensystem umläuft das Zentrum der Milchstraße und macht zugleich die Expansionsbewegung des Universums mit. – Auch die Erdbahn und die Bahnen der anderen Planeten laufen nicht in sich selbst zurück.

– Wieder einmal kann man nur die Modellbahn im Kreis laufen lassen, aber keinen natürlichen Vorgang. – Nicht einmal der Ursprung aller „Kreislaufmodelle“, nämlich der menschliche Blutkreislauf, läuft in sich selbst zurück. – Das Blut, das vom Herzen aus auf die Reise durch ein immer komlexer werdenes Röhrensystem geschickt wird, ist kein Zug auf der Schiene, sondern ein hochkomplexes Gemisch aus einer Nährlösung, Zellen und nichtzellulären komplexen Molekülen. – Es gibt keinen „Rückwärtsgang“; auf dem Weg sterben Zellen ab und neue kommen hinzu. – Das „Blut“, das am Ende seiner komplexen Reise wieder am Herzen ankommt, ist nicht mehr dasselbe „Blut“, das vom Herzen weggepumpt wurde. Ferner landet das Gemisch in einer anderen Herzkammer als der, von der es startete…

Ob Wasser oder Kohlendioxid, auch in der Atmosphäre finden „Kreisläufe“ nicht statt. Nehmen wir das Kohlendioxid: Es ist schwerer als Luft. Es kommt aus den Vulkanen, aber es kommt auch von oben aus der Stratosphäre. Methan, das ebenfalls von der Erde, aber auch von Organismen ausgegast wird, steigt nach oben. Methan ist ein Kohlenstoffatom im Wasserstoffballon und so leicht, daß es problemlos die Stratosphäre erreicht. Hier sprengt die Höhenstrahlung das Methanmolekül auseinander. Der Wasserstoff entweicht in den Weltraum, der Kohlenstoff verbindet sich mit dem vagabundierenden Sauerstoff ehemaliger Wassermoleküle zu Kohlendioxid. Durch den Einfluß der Höhenstrahlung entsteht auch das radioaktive Isotop des Kohlenstoffs, der als „C-14“ bekannt ist. Die Kohlendioxidmoleküle schweben langsam zum Erdboden und werden von den Organismen aufgesogen. Obwohl das radioaktive C-14 sehr selten ist, ist es doch so häufig, daß es noch nach rund 50.000 Jahren in den Überresten von Organismen nachweisbar ist.

Das „Kreislaufmodell“, das so viele Prozesse in der Welt darstellen soll, ist zur Beschreibung der Prozesse in dieser Welt dermaßen untauglich, daß man es unverzüglich aufgeben sollte.

Vor allem die berühmten „Kreisläufe“ des „Fressens und Gefressenwerdens“ und „von Werden und Vergehen“ sind alles andere als Kreisprozesse, die in sich selbst zurücklaufen:

Hasen fressen keine Hunde, Gras frißt keine Kühe. – Und Kühe fressen nicht einmal Gras, denn die Pflanzen, deren Halme sie abweiden, überleben den „erbarmungslosen“ Angriff der Weidetiere unbeschadet.

„Werden und Vergehen“ – auch hier kehrt die Natur nie an den Startpunkt zurück. – Sie und ich waren am Anfang des Lebens ein Einzeller. – Aber wir landen am Ende auf dem Friedhof und nicht erneut in einer Gebärmutter.

Der Sprachgebrauch leistet Mythen Vorschub und versperrt dabei gleichzeitig den Blick auf die Vorgänge, die tatsächlich und unabhängig von unseren Vorstellungen und Theorien über sie ablaufen.

Das allseits beliebte „Kreislaufmodell“ hat sich aber nicht nur in der Naturwissenschaft in unzulässiger Weise etabliert.

Besonderer Beliebtheit erfreut es nach wie vor in den – ach so wichtigen – „Wirtschaftswissenschaften“:

Wirtschaftskreislauf

Ähnlich wie es im Körper von Lebewesen einen Kreislauf des Blutes gibt, der sich ständig wiederholt, läßt sich auch die Wirtschaft durch einen Kreislauf wiedergeben. Ständig fließen Güterströme von den Produzenten zu den Konsumenten (Güterkreislauf), denen Gegenströme (Geldkreislauf) in entgegengesetzter Richtung entsprechen.

Die Haushalte fragen auf dem Markt Güter nach (Nachfrage), die dort von den Unternehmen angeboten werden. Zur Produktion der Güter benötigen die Unternehmen Produktionsfaktoren (z. B. Arbeit), die ihnen auf dem Faktormarkt von den Haushalten angeboten werden und in die Produktion als Realkosten (Kosten) eingehen. Damit ist der Güterkreislauf geschlossen. Die in diesem Kreislauf den Haushalten zugeleiteten Güter sind gleichsam ihr reales Einkommen für die von ihnen bereitgestellten Produktionsfaktoren. In ländlichen Gebieten werden gelegentlich immer noch Naturalien (z. B. Kartoffeln, Eier, Fleischwaren) als Gegenleistung für eine Arbeit (z. B. für eine ärztliche Dienstleistung) „gezahlt“. Allgemein üblich ist in der modernen Wirtschaft jedoch die Bezahlung in Geld. Für das Angebot der Haushalte an Faktorleistungen erhalten sie ein Geldeinkommen. Dieses Geld geben die Haushalte für den Kauf von Gütern aus; diese Ausgaben stellen wiederum die Erlöse (Umsatz) der Produzenten dar, die davon nun erneut Produktionsfaktoren nachfragen. Dieser Geldkreislauf ist (im Gegensatz zum Güterkreislauf) ein echter Kreislauf, weil (wie im menschlichen Körper das Blut) immer dasselbe Geld umläuft.

Das Schaubild zeigt einen einfachen Wirtschaftskreislauf, der aber das wesentliche des Wirtschaftprozesses (Produktion und Konsumtion) kennzeichnet. Es könnte erweitert und den komplizierten Erscheinungen in der Wirtschaft weiter angenähert werden, wenn beispielsweise das Sparen der Haushalte bei den Kreditinstituten und die daraus finanzierten Investitionen der Unternehmen, der Staat mit seinen Einnahmen (Steuern) und Ausgaben (Staatshaushaltsplan), die Einfuhr und Ausfuhr eines Landes (Zahlungsbilanz) und das Wirtschaftswachstum der Güterproduktion berücksichtigt würden. Die Idee des Wirtschaftskreislaufs stammt von dem französischen Gelehrten Francois Quesnay (1694-1774), der den Zusammenhang von Produktion und Konsum in seinem „Tableau econonomique“ darstellte und in Geldgrößen erfaßte. Er gilt wegen dieser Leistung als der Begründer der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft. Quesnay, selbst Arzt, stand dabei unter dem Eindruck des erstmals 1628 von dem Engländer William Harvey erkannten menschlichen Blutkreislaufs. ( Horst Günter, Jugendlexikon Wirtschaft, Reinbek 1981, S. 180ff)

Von Anbeginn der Welt an haben sich Organismen zur Erreichung bestimmter Ziele zur Organisationseinheiten zusammengeschlossen. Egal, wie man sie nennt: Rudel, Herde, Schar, Schwarm oder Staat. Manche von ihnen sind „arbeitsteilig“ organisiert. Obwohl Arbeitsteilung in der Natur gang und gäbe ist, gilt sie nach wie vor als „Privileg“ des Menschen. Die „Arbeitsteilung“ gilt sogar manchen als der Ursprung der Wirtschaft. Und so nimmt es auch nicht wunder, daß man sich über Herkunft und Funktion einer „Organisation“ streitet:

Wie in der Alltagssprache wird der Organisationsbegriff auch in der Wissenschaftssprache inhaltlich unterschiedlich verwendet. Es lassen sich v. a. 3 Grundauffassungen unterscheiden:

1. Organisation in institutionaler Begriffsauffassung wird als zielgerichtetes, offenes, sozio-technisches System bzw. soziales Gebilde aufgefaßt. Organisation ist ein Oberbegriff für Institutionen aller Art, wie z. B. Unternehmungen, Krankenhäuser. Die Unternehmung ist eine Organisation!

2. Der instrumentale Organisationsbegriff versteht unter Organisation die Gesamtheit aller generellen expliziten Regelungen zur Gestaltung von Aufbau- und Ablaufstrukturen des Betriebes. Er setzt die Struktur als ein System formaler Regeln mit der Organisation gleich. Die Unternehmung hat eine Organisation!

3. Der funktionale Organisationsbegriff beinhaltet das Organisieren. Er umfaßt die Strukturierung bzw. die Organisation als Tätigkeit. Es geht um die Gestaltungsfunktion der Führung. Die Unternehmung organisiert!

Im Rahmen der Organisationslehre wird insbesondere der zweite Begriff verwendet. Betriebe sind dabei der Intention nach rational gestaltete Gebilde und Prozesse die sich wie folgt beschreiben lassen:.

Unter der Aufbauorganisation wird die Festlegung des Gebildes „Betrieb“ nach den Merkmalen der Verrichtung und des Objekts verstanden. Dies betrifft die Gliederung des Betriebes in arbeitsteilige Einheiten (Spezialisierung) und hierarchische Elemente (Konfiguration) sowie ihrer Koordination.

Die Ablauforganisation ist durch die Festlegung der spezifischen Arbeitsteilung der Zeit und des Raums im Arbeitsprozeß gekennzeichnet. Sie strukturiert somit das prozessuale Geschehen und determiniert das in der Aufbauorganisation festgelegte Handeln weiter.

Bei der Aufbau- und Ablauforganisation handelt es sich um zwei Betrachtungsweisen des gleichen Gesamtproblems der Organisation nach verschiedenen Gesichtspunkten. Sie stehen dabei einem Wechselverhältnis zueinander, so daß in der konkreten Organisationsarbeit keine der beiden Betrachtungsseiten vernachlässigt werden kann.

Fred G. Becker, Organisationslehre, in Rolf Walter (Hrsg) – Wirtschaftswissenschaften – Eine Einführung, Paderborn, München,Wien, Zürich 1997 S. 334 ff

Der „Wirtschaftskreislauf“ ist nicht das einzige Modell der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, das bei näherem Hinsehen einer eingehenden Überprüfung nicht stadhält.

Der „Homo oeconomicus ‚Wirtschaftsmensch“ ist laut Wikipedia in der Wirtschaftswissenschaft das theoretische Modell eines Nutzenmaximierers zur Abstraktion und Erklärung elementarer wirtschaftlicher Zusammenhänge. – Er ist der „Marktteilnehmer“ des „Anlégerfernsehens“, der jederzeit über alle Informationen des Marktgeschehens verfügt und aufgrund seiner Kenntnisse rationale Entscheidungen trifft. – Er ist nicht das einzige „Menschenmodell:

Andere Modelle in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sind beispielsweise der

Homo sociologicus (der Mensch als Resultante seiner sozialen Rollen nach Ralf Dahrendorf)

Homo politicus (der politisch tätige Mensch, siehe auch: Neue Politische Ökonomie)

Homo oecologicus (der Mensch als ökologisch handelndes Wesen)

Homo culturalis (starke Schnittmengen mit den Konzepten des Homo sociologicus und

Homo oecologicus)

Homo biologicus

Homo reciprocans (berücksichtigt das Verhalten anderer Akteure)

Homo laborans (der Mensch als arbeitendes Wesen)

Homo ludens (der Mensch als spielendes Wesen)

Homo cooperativus (der Mensch als Akteur innerhalb einer Gruppe von Menschen)

Homo socio-oeconomicus

Wahrscheinlich fahren alle diese „Modellmenschen“ wie die Modelleisenbahn irgendwie im Kreis herum, so wie es der „Homo oeconomicus“ von Geburt an tut:

In seiner grundlegenden Arbeit “Homo oeconomicus versus homo reciprocans” konnte Armin Falk das „Modell“ vom Menschen als “krasssem Egoisten” widerlegen. 

Güter „fließen“ vom Produzenten zum „Verbraucher“, aber sie fließen nicht wieder zu ihm zurück. Das „Geld“ wiederum ist nur ein Symbol für die „Werthaltigkeit“ anderer Tauschobjekte: Waren und Dienstleistungen. – Wie lange muß z. B. ein Kneipengast singen oder Gläser spülen, bis er seinen Deckel von 13,50 € „bezahlt hat? – Die Behauptung : „Dieser Geldkreislauf ist (im Gegensatz zum Güterkreislauf) ein echter Kreislauf, weil (wie im menschlichen Körper das Blut) immer dasselbe Geld umläuft.“ (siehe oben, Horst Günter aaO.) ist, wie wir oben gesehen haben, schlicht falsch, weil Blut eben nicht gleich Blut ist.

Das Herz ist also kein Modellbahner, der seinem Zug freie Fahrt gibt, es gleicht eher einem Croupier, der die Kugel in den Kessel wirft. – Auch diese Kugel beschreibt augenscheinlich eine Kreisbahn, bis sie in einem der Zahlenfächer hängenbleibt.

Der französische Mathematiker, Physiker und Philosoph Henri Pointcaré erkannte frühzeitig die Unvollständigkeit der Kreisbahn und deren „Schraubenform“, die so empfindlich gegenüber ihren Anfangsbedingungen ist, daß eine exakte Voraussage, welche Zahl bei dieser Runde des Roulettes gewinnt, exakt unmöglich ist:

„Es war angemessen, daß Poincaré als erster die Empfindlichkeit iterativer Systeme gegenüber ihren Anfangsbedingungen bemerkte. Als leidenschaftlicher Spieler hatte der große französische Mathematiker beobachtet, daß die winzigen Unterschiede in dem Schwung, den ein Croupier der Kugel im Rouletterad verleiht, unermeßlichen Einfluß darauf haben, in welches Fach die Kugel schließlich fallen wird. Der Ruf des Croupiers wird uns nun verständlich als der Ruf des Chaos, der Ordnung, des Wandels – und als der hallende Ruf des Ganzen: »Immer rundherum im Kreis, wie lange noch – wer weiß?«“ (John Briggs/David Peat, Die Entdekcung des Chaos, München 1993, S. 110f)

Und jetzt verlassen wir die Kreisbahnen, die keine sind und wenden uns anderen „Modellen“ zu:

„Organisation“ hat offenbar sehr viel mit „Organ“ zu tun. – Wir alle spüren im Straßenverkehr die „Macht der staatlichen Organe“ , die uns als „Polizei“ begegnen. – Daß man dem „Staat“ überhaupt „Organe“ zudiktiert, hängt wieder mit einem „Modell“ zusammen:

Ich darf wiederholen:

Wie in der Alltagssprache wird der Organisationsbegriff auch in der Wissenschaftssprache inhaltlich unterschiedlich verwendet. Es lassen sich v. a. 3 Grundauffassungen unterscheiden:

1. Organisation in institutionaler Begriffsauffassung wird als zielgerichtetes, offenes, sozio-technisches System bzw. soziales Gebilde aufgefaßt. Organisation ist ein Oberbegriff für Institutionen aller Art, wie z. B. Unternehmungen, Krankenhäuser. Die Unternehmung ist eine Organisation!

2. Der instrumentale Organisationsbegriff versteht unter Organisation die Gesamtheit aller generellen expliziten Regelungen zur Gestaltung von Aufbau- und Ablaufstrukturen des Betriebes. Er setzt die Struktur als ein System formaler Regeln mit der Organisation gleich. Die Unternehmung hat eine Organisation!

3. Der funktionale Organisationsbegriff beinhaltet das Organisieren. Er umfaßt die Strukturierung bzw. die Organisation als Tätigkeit. Es geht um die Gestaltungsfunktion der Führung. Die Unternehmung organisiert!

Im Rahmen der Organisationslehre wird insbesondere der zweite Begriff verwendet. Betriebe sind dabei der Intention nach rational gestaltete Gebilde und Prozesse die sich wie folgt beschreiben lassen:.

Unter der Aufbauorganisation wird die Festlegung des Gebildes „Betrieb“ nach den Merkmalen der Verrichtung und des Objekts verstanden. Dies betrifft die Gliederung des Betriebes in arbeitsteilige Einheiten (Spezialisierung) und hierarchische Elemente (Konfiguration) sowie ihrer Koordination.

Die Ablauforganisation ist durch die Festlegung der spezifischen Arbeitsteilung der Zeit und des Raums im Arbeitsprozeß gekennzeichnet. Sie strukturiert somit das prozessuale Geschehen und determiniert das in der Aufbauorganisation festgelegte Handeln weiter.

Bei der Aufbau- und Ablauforganisation handelt es sich um zwei Betrachtungsweisen des gleichen Gesamtproblems der Organisation nach verschiedenen Gesichtspunkten. Sie stehen dabei einem Wechselverhältnis zueinander, so daß in der konkreten Organisationsarbeit keine der beiden Betrachtungsseiten vernachlässigt werden kann“ (Fred G. Becker, s.o. AaO.))

Haben Sie aufmerksam glesen: „Die „Organisationslehre verwendet vor allem den zweiten Begriff: ein Unternehmen „hat eine Organisation“. – Ein Unternehmen hat die Organisation, weil es sie der Lehre nach zu haben hat. – Und weil die „Organisation“ etwas ist, das dem Unternehmer „gehört“ – unterliegt sie der Willkür des „Eigentümers“. – Jeder darf schließlich die Betriebsanleitung seines Autos „entsorgen“, wenn er meint, seinen Wagen bis ins Detail „beherrschen“ zu können.

Allein das Organisationsmodell Nr. 1 würde unsere Ökonomen und Politiker in Erklärungsnot bringen. – Wenn Unternehmen und „Staaten“ Organisationen sind, wo gibt es dann „oben“ und „unten“. – Die Hierarchien kommen ins Schleudern. Und man muß sich ernsthaft fragen, ob die, die sich als „Kopf“ eines Unternehmens betrachten, vielleicht am anderen Ende des Verdauungstrakts ihr einzig zulässiges Siedlungsgebiet haben.

Für die Organisation des „Staates“ ist das mittlerweile offensichtlich. „Der Staat und seine Organe“ gehen in Lösung über, wenn das liberale Wirtschafts- und Menschenbild sich als unzutreffend erweist.

Nicht nur die Ökononomie modelliert sich den Menschen, den sie zur Stützung ihrer Theorie braucht:

„…das Sozialwissenschaftliche Standardmodell (SSM), dominiert seit den zwanziger Jahren das intellektuelle Leben. Es entstand aus der Verbindung zweier Ideen aus Anthropologie und der Psychologie.

1. Wahrend Tiere strikt von ihren biologischen Gegebenheiten
gesteuert werden, wird das menschliche Verhalten von der Kultur,
einem autonomen System aus Symbolen und Werten, bestimmt.
Da sie frei von biologischen Zwängen sind, können Kulturen
willkürlich und ohne Einschränkung variieren.

2. Menschliche Säuglinge besitzen bei ihrer Geburt nichts weiter als
ein paar Reflexe und die Fähigkeit zu lernen. Das Lernen ist ein
Allzweckmechanismus, der in allen Wissensbereichen angewendet
wird. Kinder lernen ihre Kultur durch Unterweisung, Belohnung
und Bestrafung sowie durch Rollenmodelle.

Das SSM ist nicht nur die akademische Grundlage der Humanwissen­schaften, sondern gilt auch als die säkulare Ideologie unseres Zeitalters, als diejenige Haltung gegenüber dem Wesen des Menschen, die jede anständige Person einnehmen sollte. Von ihrer Alternative,die manchmal »biologischer Determinismus« genannt wird, wird behauptet, daß sie den Menschen starre Positionen in der soziopolitisch-ökonomischen Hier­archie zuweist und zahlreiche Greuel der letzten Jahrhunderte verschul­det hat — wie Sklaverei, Kolonialismus, Diskriminierung von Rassen und Völkergruppen, wirtschaftliche und soziale Kasten, erzwungene Sterilisierung, Sexismus und Genozid.Zwei der berühmtesten Begründer des SSM, die Anthropologin Margaret Mead und der Psychologe John B. Watson, hatten diese sozialen Schlußfolgerungen eindeutig im Sinn:

Wir werden zu der Folgerung gezwungen, daß die menschliche Natur außerordentlich formbar ist und auf verschiedene Kulturbe­dingungen entsprechend reagiert. … Die Anlagen, die wir einem Geschlecht als natürlich zuordnen, sind vielleicht nichts anderes als Abwandlungen eines allgemein menschlichen Temperaments, denen die Angehörigen jedes Geschlechtes durch Erziehung mehr oder weniger angenähert werden können. … Wollen wir unsere Kultur bereichern, müssen wir die ganze Skala menschlicher Möglichkeiten anerkennen und unsere soziale Strukturen weniger willkürlich gestalten, so daß sie allen menschlichen Fähigkeiten einen passenden Platz einräumen kann. [Mead 1970]

Geben Sie mir ein Dutzend gesunder Kinder, wohlgebildet, und meine eigene besondere Welt, in der ich sie erziehe! Ich garantiere Ihnen, daß ich blindlings eines davon auswähle und es zum Vertreter irgendeines Berufs erziehe, sei es Arzt, Richter, Künstler, Kaufmann, oder auch Bettler,Dieb,ohne Rücksicht auf seineTalente.Neigungen, Fähigkeiten, Anlagen, Rasse oder Vorfahren. [Watson 1930]*

Zumindest in den schönen Reden der gebildeten Welt hat das SSM auf der ganzen Linie gesiegt. Bei höflicher intellektueller Konversation und im soliden Journalismus wird jede allgemeine Aussage über menschliches Verhalten sorgfältig mit Losungsworten des SSM eingeleitet, mit denen sich der Sprecher von all jenen schändlichen Anhängern der Vererbungs­lehre distanziert – angefangen von den mittelalterlichen Königen bis hin zu Alfred Tetzlaff. (Steven Pinker, Der Sprachinstinkt, München 1998, S 455ff m.w. Nachweisen)

„Menschliche Säuglinge besitzen bei ihrer Geburt nichts weiter als ein paar Reflexe und die Fähigkeit zu lernen. Das Lernen ist ein Allzweckmechanismus, der in allen Wissensbereichen angewendet wird. Kinder lernen ihre Kultur durch Unterweisung, Belohnung und Bestrafung sowie durch Rollenmodelle.“ – Sagen Sie mal ehrlich, würden Sie als solch ein armseliges Wesen zur Welt kommen wollen? – Ich jedenfalls nicht!

In Chemie und Physik herrscht zur Zeit das von Niels Bohr entworfene Atommodell vor, das die Elektronen mit Planeten gleichsetzt, die die Sonne umkreisen. – Da mag etwas Wahres dransein, aber Elektronen verhalten sich nicht wie Planeten, denn sie können in Verbindungen von Atomen, Moleküle genannt, auch andere Atome umkreisen. – Etwa so, als könnten Erde, Jupiter und Saturn mal eben von der Sonne zu Alpha-Centauri überwechseln und wieder zur Sonne zurückkehren. – Daß das nicht geht, ist wohl sonnenklar.

In der Biologie gibt es eine Reihe von Modellorganismen, zu denen auch Mäuse und Ratten gehören – Man versucht, Dinge, die Mäusen und Ratten widerfahren möglöichst 1:1 auf Menschen zu überatrgen. – Dabei kann es zu gewaltigen Fehlschlüssen kommn:

Die Maus, die ich später „Speedy Ferrero“ getauft hatte, hatte zunächst einmal die Schachtel mit den Spülmaschinen-Tabs geplündert. – Essen sie mal einen Tab – dann kommt aber mit Blaulicht der Krankenwagen!

Und dann war da noch eine Sendung über Tierversuche, die so etwa 1971 oder 1972 ausgestrahlt worden war:

Man hatte Dutzende von Laborratten in enge Röhren gespertt und sie automatisch mit Zigarettenrauch begast. – Es war ein „Rauchautomat“, der rund ein Dutzend Zigaretten enthielt und ununterbrochen qualmte. – Ich nehme an, daß die Rauchdosis so gewählt war, daß die Tierchen gerade einmal dem sicheren Tod durch akute Rauchvergiftung entkommen konnten:

Ratten sind soziale Tiere, die gern zusammen sind und soziale Kontakte unterhalten. Ratten können sich aufgrund ihres Skelettaufbaus durh engste Röhren quetschen. Das heißt aber noch lange nicht, daß sie sich dort auch gerne aufhalten, vor allem nicht zwangsweise. Es sit nicht von der Hand zu weisen, daß Ratten unter der genannten „Laborgbedingung“ starkem Streß ausgesetz sind. – Ob Tabakrauch dazukommt oder nicht, Ratten, die in engen Röhren über längere Zeit gefangen sind, empfinden wohl ähnlich wie ein verschütteter Mensch. – Seit dieser Zeit gilt das Rauchen als „potentiell krebserregend“ – Was allerdings fehlte, war ein Kontrollversuch mit Ratten, die in ihren engen Röhren mit Kaffee oder Schnaps abgefüllt worden waren oder einfach nur in den engen Röhren ihr Dasein fristen mußten. – Ich möchte fast wetten, daß auch die entsprechenden Kontrollgruppen eine erhöhte Bereitschaft zur Entwicklung von Krebserkrankungen gezeigt hätten.

Wws für uns nichts Gutes bedeutet, weil wir in unserer urbanen Umwelt fast so leben wie die Laborratten.

Auf die nicht geringe Zahl der diversen Wetter- und Klimamodelle will ich an dieser Stelle nicht eingehen, das würde zu tief in die fraktale Geometrie und die Chaos-Theorie hineinführen und den Rahmen, den E.T. und die Dampflok setzen, unzulässigerweise sprengen

Ich hoffe, anhand der Beispiele gezeeigt zu haben, daß es nicht ungefährlich ist, sich ein Bild über die Wirklichkeit anhand von „Modellen“ zu machen. – Man kann verdammt danebenhauen und dieIllusion für die Wirklichkeit halten.

Die Zahl der die Wirklichkeit des Universums verzerrenden „Modelle“ ist überaus groß. Ich hoffe, die geeignete Auswahl getroffen zu haben um zu verdeutlichen, daß es nicht unproblematisch ist, die uns umgebenden physikalischen, chemischen und biologischen Phänomene zu erfassen und und zu erklären.

Den Fehlschlüssen, die E.T. Bei der Untersuchung der Funktionsweise einer Dampflok unterlaufen sind, wäre E.T. Auch bei der Beurteilung von Dieselloks zum Opfer gefallen. – Keine der bei MÄRKLIN gefertigten Dieselloks kann mit Diesel betrieben werden.

Modelle können durchaus geeignet sein, das Verhalten und die Funktionsweise der verschiedensten Dinge zu studieren. So testet man beispielsweise anhand von maßstabsgetreuen Modellen das aerodynamische Verhalten von Flugzeugen im Windkanal. – Auch Schiffsmodelle helfen Ingenieren bei der Konstruktion immer größerer Passagier- und Frachtschiffe.

In dem Film „Flug des Phoenix“ wurde der Unterschied zwischen „Modell“ und Modell“ deutlich herausgestellt. Hardy Krüger spielte den Konstrukteur von Modellflugzeugen, der sich bemühte, aus den Trümmern einer abgstürzten Maschine ein flugfähiges Gerät zu basteln. – Der von James Stewart dargestellte Kapitän des Flugzeuges war geschockt, als er erfuhr, daß sein ehemaliger Passagier „Modellflugzeuge“ konstruiert hatte. Er mußte sich anhören, daß „Modellflugzeuge“ und „Flugzeugmodelle“ sich grundlegend voneinander unterscheiden. „Modellflugzeuge“ müssen als Flugmaschinen sorgfältig durchdacht sein, weil sie keinen Piloten haben, der auf die Feinheiten der Flugbewegungen reagieren kann. Es ist keiner da, der Ungleichgewichte aerodynamisch „austrimmen“ könnte. – Das „Flugzeugmodell“ hingegen ist nur ein dreidimensionales „Abbild“ des Flugzeugs in einem beliebigen Maßstab. Am Ende obsiegen die Überlegungen des „Modellbauers“: http://www.youtube.com/watch?v=IACjOvyx5hs&feature=related und der „Phoenix“ hebt ab.

Der Flug des Phoenix, E.T. Und die Dampflok lehren uns also, daß die Verwendung von Modellen die Gefahr in sich birgt, von der Funktionsweise des Modells auf die Funktion des „Vorbilds“ zu schließen.

Nun muß ich doch noch ganz kurz auf die Chaos-Theorie, die Erforschung nichtlinearer dynamischer Systeme eingehen:

Nichtlinear-dynamische Systeme und die fraktlae Geometrie haben ein gemeinsames Kennzeichen: Die Selbstähnlichkeit auf allen Größenskalen:

Die Kerzenflamme verhält sich nicht anders als das flammende Inferno eine Waldbrandes.

Eine Welle in der Badewanne folgt denselben einfachen Gesetzen wie der Kawentsmann, der einem Luxusliner die Aufbauten zerschlägt.

Die Luftströmungen, mit denen Ihr Friseur einer Braut die Haare formt, unterscheiden sich nicht von denen, it denen en Hurricane dieselbe Frisur wieder durcheinanderwirbelt.

Und die Kräfte, die das flüssige Erndinnere an die Oberfläche treiben, sind dieselben, die Ihre Tomatensoße zum Überkochen bringen.

Es ändert sich die Größenskala, nich aber das Verhalten der Dinge.

Das Herz einer Maus verhälts sich wie das Herz eines Elefanten. Der Magen eines Mäusejungen verarbetet die Muttermilch in derselben Weise wie der Magen eines Menschenkindes: Alle machen aus Milch Frischkäse und Molke.

MÄRKLIN hingegen wird nie echte Dampflokomotiven herstellen, weil das von den Eisenbahningenieuren der „realen“ Welt verwendete Material sich nicht im Maßstab 1:87 verkleinern läßt. – Im Maßstab 1:87 würde die Wandstärke des Kessels einer Dampflok so gering sein, daß die Lok beim geringsten Windstoß davonfliegen würde. – Umgekehrt würde die maßstäbliche Vergrößerung des Gehäuses einer MÄRKLIN – Lok diese so schwer machen, daß sie sich aufgrund ihres Gewichts nicht von der Stelle bewegen könnte.

Was lehrt uns also die Problematik der „Modellbildung“?

Es läßt sich in wenigen Worten zusammenfassen:

Wenn man sich von der Welt ein Modell macht, muß man darauf achten, daß das Verhalten des Modells mit dem der übrigen Welt übereinstimmt – und umgekehrt.

Die „Selbstähnlichkeit“ des Verhaltens muß auf allen Größenskalen erhalten bleiben.

Vereinfacht, oder „modellhaft“ gesagt:

Ob man die „Kirche im Dorf läßt“, oder ob „mer dä Dom en Kölle losse“ ist keine Frage des Prinzips, sondern nur eine der Größenskala.

Nun kann E.T. Seine „Anfangspackung“ mit nach Hause nehmen und den Bewohnern seines Heimatplaneten das Wesen der Eisenbahn näherbringen.


Töten auf Kommando – N-24 6.9.2012 Die Pflicht der Offiziere

September 6, 2012

Töten auf Kommando – Krieg und Gewissen – Doku – YouTube.

Kann man rund fünf Millionen Jahre Menschheitsgeschichte in wenigen Worten zusammenfassen?

Der Dichter Ovid konnte es. Das Grundmuster des menschlichen Verhaltens, wie es bis hinein ins Neandertal Gültigkeit hatte, brachte Ovid in fünf Zeilen zu Papier, Hermann Breitenbach übertrug sie in die deutsche Sprache:

Und es entstand die erste, die goldene Zeit: ohne Rächer,

Ohne Gesetz, von selber bewahrte man Treue und Anstand.

Strafe und Angst waren fern; kein Text von drohenden Worten

Stand an den Wänden und Tafeln von Erz; es fürchtete keine

Flehende Schar ihren Richter: man war ohne Rächer gesichert.

Dann kam vor 93.000 Jahren die Eem-Warmzeit. Diese fand ihr Ende mit dem Beginn der letzten Eiszeit vor rund 60.000 Jahren.

Während dieser Periode verwandelte sich eine isolierte Neandertalerpopulation in den „modernen“ Menschen.. Der Gesichtsschädel verkrüppelte so weit es eben ging, nämlich auf die Proportionen, die man ansonsten nur bei Föten und Säuglingen anderer Primaten findet.

Die verheerendste Verkrüppelung fand jedoch im Schädelinneren statt. Der Mensch büßte seinen sozialen Instinkte teilweise ein und verlor die Tötungshemmung gegenüber dem Sozialpartner. – Bei anderen Primaten gibt es zwar einzelne Individuen, die ebenfalls keine Tötungshemmung gegenüber dem Sozialpartner haben, sie bilden aber die absolute Ausnahme, weil sie das Überleben der Sozialgemeinschaft gefährden.

Der mächtigste Verhaltensantrieb des Alltagslebens ist immer noch der Tausch-und Teile-Instinkt. Dieser ist indes soweit abgeschwächt, daß er durch kulturelle Normen ergänzt werden muß, um ein menschliches Miteinander halbwegs zu gewährleisten.

Das menschliche Sexualverhalten weist, man braucht sich in der Welt nur umzusehen, groteske Züge auf. Frauen, wurden dem Tausch-und Teile-Instinkt unterstellt; „weibliche“ Sexualität findet in manchen Kulturen so gut wie gar nichts statt. Daß sie nicht stattfindet, wird zum Teil gewaltsam „sichergestellt“. Frauen wurden zur „Handelsware“ zwischen den Gruppen.

Als das Wasser wieder zu Eis wurde, konnte dieses arg verkrüppelte Lebewesen die Insel, auf der es entstanden war, mit seinen Booten verlassen und mit einer bis dahin nicht gekannten Geschwindigkeit die Welt erobern.

In der Geschichte des Planeten sollte er das einzige Säugetier sein, das seinen „Fortpflanzungserfolg“ weniger der Kraft seiner Lenden verdankt als vielmehr seiner Fähigkeit zum „Kampf ums Dasein“.

Das ist nicht unbedingt ein Grund, stolz zu sein. Vielmehr sollte es Anlaß zum Nachdenken geben. Anlaß zum Nachdenken darüber, welche Stellung wir in der Natur einnehmen: Wir sind nicht die „beherrschende Lebensform“ des Planeten, vielmehr macht der Planet mit uns, was immer er will. Die sogenannten „Naturkatastrophen“ zeigen uns das jeden Tag.

Der Mensch ist so klein und unbedeutend, daß er Mutter Erde nicht einmal am Nagellack kratzen kann.

Das Kreuz, das der Mensch zu tragen hat, liegt im wesentlichen darin, daß er sein wahres Gesicht nicht sehen will. Er gab sich selbst den Namen „Homo Sapiens Sapiens“, maßte sich gar an , die „Krone Der Schöpfung“ zu sein.

Dieses Phänomen hat Oscar Wilde in „Das Bildnis des Dorian Gray“ sehr schön beschrieben. Dorian Gray behielt immer sein schönes, jugendliches Gesicht, als er Jahre später sein Bildnis anschaute, erschrak er, denn es war zu einer häßlichen Fratze entartet.

Es ist an der Zeit, das „Bildnis des Homo Sapiens Sapiens“ zu betrachten, es ist das Portrait des Australopithecus Superbus Procrustes, das Bildnis des überheblichen Südaffen, der sich mit Gewalt alles passend macht.

Die Dinge haben sich so ergeben, wie sie sich ergeben haben. An uns ist es, die Dinge zu vermeiden, die sich vermeiden lassen.

Australopithecus Superbus Procrustes wird die Kräfte der Natur niemals beherrschen. Wenn er aber schaffen sollte, sich selbst zu beherrschen, dann wäre vielen Menschen in aller Welt und der Welt an sich schon geholfen.

Wie beherrscht man ein Pferd?

Man legt ihm Zaumzeug und Zügel an.

Aus der Vorstellungswelt des Reiters stammt das lateinische Wort „religio“ ( re = „zurück“ und ligare = „binden“). „Religio“ bedeutet in erster Linie „Bedenken“, Skrupel“, Karl Kérenyi übersetzt es in seinem Werk „Antike Religion“ mit „wählerische Behutsamkeit“. Erst später kam die Bedeutung „Religion“ hinzu.

Bedenken gegenüber dem eigenen Handeln und Skrupel gegenüber dem Mitmenschen, das sind die Dinge, die die Zukunft der Menschheit prägen werden. In diesem Sinne stelle ich mit Vergnügen den Schluß meiner persönlichen „Reise in die Urwelt“ an den Anfang:

Neben uralten Mythen erzählen auch moderne Drehbuchautoren ewige Wahrheiten. Dazu zählt der englische Drehbuchautor und Regisseur Val Guest, der 1963 den Film „Der Tag, an dem die Erde Feuer fing“ produzierte.

Der Plot des Films ist simpel: Amerika und Rußland hatten in der Nähe der Pole durch zufällig gleichzeitige Zündung von Wasserstoffbomben den Planeten aus der Umlaufbahn geworfen. Die Politik versuchte das zu vertuschen, die Presse deckte es auf. Am Ende versuchte man, mit Wasserstoffbomben den Fehler zu korrigieren. Ob das gelang, läßt der Film offen.

In der Schlußsequenz läßt Val Guest seinen Protagonisten durchs Telefon diktieren:

Wir hatten den Wind gesät, jetzt haben wir den Sturm geerntet. Vielleicht wird er in wenigen Stunden die Erinnerung an das Vergangene und die Hoffnung auf die Zukunft ausgelöscht haben. Dann werden alle Werke des Menschen von dem Feuer verschlungen, das er selbst entfacht hat.

Aber vielleicht ist im Herzen des Feuers eine unfaßbare Kraft verborgen, die mehr zu seiner endgültigen Rettung beitragen wird, als er es selbst je konnte.

(Einblendung alternativer Schlagzeilen: „Wird die Welt gerettet? – Die Menschheit betet.“ – „Ist die Welt zum Untergang verdammt? – Die Menschheit betet.“)

Und sollte dem Menschen noch eine neue Zukunft gegeben sein, dann wäre es an der Zeit, daß er seinen erbarmungslosen Stolz und sein Streben nach Macht vergißt. Dann muß er an die Stelle all dessen die Liebe setzen. Vielleicht darf er dann eines Tages wieder sagen „wie schön ist doch das Licht!“ – und seine Augen zur Sonne erheben.

Ersetzen Sie einfach das Wort „Liebe“ durch religio. – Dann haben Sie das Ziel unserer Reise erreicht, von dem auch ich zu Beginn nicht ahnte, daß es überhaupt existiert.“

Religio“, das war auch für den Mann ein Fremdwort, der die Frage aller Fragen stellte:

Soll ich meines Bruders Hüter sein?

Bekanntlich entgegnete Kain nach dem Mordanschlag auf seinen Bruder auf die Frage Gottes, wo denn sein Bruder Abel geblieben wäre, „Ich weiß nicht, soll ich meines Bruders Hüter sein?“

Die Antwort des Allmächtigen auf diese Frage bleibt die Bibel merkwürdigerweise schuldig. In 1.Mose, 4, 10 heißt es lediglich: „Er aber sprach: Was hast Du getan? Die Stimme des Blutes Deines Bruders schreit zu mir von der Erde.“

Doch es gibt eine eindeutige Antwort.

Ich lade Sie ein, mich auf dem Weg zu dieser Antwort zu begleiten. Sie werden sehen, daß sich der Weg im Wechselspiel zwischen Geschichtschreibung und Evolution organisch zur Antwort hin entwickelt, deswegen habe ich von einer Unterteilung in einzelne Kapitel abgesehen.

Menschen töten in großer Zahl,

das soll man beklagen mit den Tränen des Mitleids.

Wer im Kampfe gesiegt,

der soll wie bei einer Trauerfeier weilen.

Obgleich sie ziemlich christlich klingen, stammen diese Worte nicht aus der Bibel, man findet sie in Laotse „Tao Te King“, Kapitel 31 am Ende.

Die christliche Welt verhält sich jedoch anders als Laotse fordert. Hier werden Siegesfeiern mit Pomp Militärparaden abgehalten und Jahr für Jahr am „Jahrestag“ wiederholt. „Gedenken“ an die Toten findet im allgemeinen nur im Hinblick auf die „eigenen“ Soldaten statt.

Obwohl der Tod nicht objektivierbar ist, wird er für uns immer existieren, denn die zeitliche Grenze des Lebensprozesses, den wir als „Individuum“ bezeichnen, wird immer als „Tod“ erlebt und ist von den entsprechenden Emotionen „Trauer“ und „Verlust“ begleitet. Diese Form der Weltsicht ist uns angeboren, sie steckt tief im sogenannten limbischen System des Gehirns, wo die Gefühle „gemacht“ werden. Der Tod ist somit unabänderlicher Bestandteil des subjektiven Welterlebens, das alle Menschen miteinander teilen; C.G. Jung hat diese gemeinsame Form des subjektiven Welterlebens das „Kollektive Unbewußte“ genannt.

Angesichts der Bestrebungen, die Welt mit immer mehr Waffengewalt zu „befrieden“, hielt ich es für angebracht, einmal der Frage nachzugehen, wie der Wahnsinn des Krieges überhaupt in die Welt kam. Gelegenheit hierzu bot sich im Jahre 2004, als sich D-Day, der 20.Juli und der Aufstand im Warschauer Ghetto zum 60. Male jährten. Da die Verantwortlichen in aller Herren Länder sich offensichtlich als unfähig erweisen, aus der Geschichte Lehren und handfeste Konsequenzen zu ziehen, gab ich der kleinen Betrachtung den Titel

-Die Pflicht der Offiziere-

In diesen Tagen häufen sich die Feierlichkeiten zu den jeweiligen 60. Jahrestagen. D Day, der zwanzigste Juli und der Beginn des Aufstands im Warschauer Ghetto. Historische Daten, von denen man meinen sollte, sie hätten einen Lernprozeß in Gang gesetzt, der ähnliche Ereignisse für die Zukunft unmöglich machen würde. – Aber weit gefehlt: Es wurde auch nach dem Ende des 2. Weltkriegs fleißig von Staats wegen gemordet. Und der Völkermord als Mittel dessen, was landläufig unter dem Begriff „Politik“ bekannt ist, ist auch heute noch in allen Teilen der Welt anzutreffen.

Der einzige Mörder im Präsidentenamt, der vor seinen zuständigen Richtern steht, ist Slobodan Milosevic, aber den kennt heute kaum noch jemand. Der arme Kerl hat Pech gehabt. Er stand auf der „falschen“ Seite. Dabei müßte die Anklagebank in Den Haag von Rechts wegen zum Bersten gefüllt sein, mit Männern und einigen Frauen, für die das Töten von Menschen zum Alltagsgeschäft gehört. – Die „Patinnen und Paten“ der in aller Welt herrschenden Politmafia töten freilich nicht selbst, sie haben dafür ihre bezahlten Killer. Das perfide daran ist, sie bezahlen die Killer nicht selbst, sie lassen sich diese und deren Ausrüstung vom sogenannten „Steuerzahler“ finanzieren. Sie „verkaufen“ dieses „Produkt“ als „nationale Sicherheit“. – Ich nenne das „globale Schutzgelderpressung“, und zwar aus den Gründen, die am 6. Juni 1944 in der Normandie zusammentrafen:

D-Day, zum 60. Male ein Anlaß zum Feiern, ein zweifelhafter Anlaß zum Feiern, denn die Erinnerung an einen Tag, an dem viele unserer Mitmenschen ihr Leben ließen, ist ein Trauertag, kein Anlaß zu irgendwelchen Feiern, auch wenn diese mit Kranzniederlegungen verbunden sind. (Zu diesem Zeitpunkt kannte ich Laotses Worte noch nicht.)

Diejenigen, die mit einstudierter Zerknirschungs- und Betroffenheitsmimik die Kränze niederlegen, geht das Schicksal derer, die sie dadurch zu ehren vorgeben, am Arsch vorbei. Die aber, denen die „Ehrung“ gilt, haben für das veranstaltete Affentheater auch nach 60 Jahren kein Verständnis. Im Grunde schreien sie noch heute: Warum habt Ihr uns in den Tod geschickt?

Am 29.5.2004 wiederholte Godehard Uhlemann in der RHEINISCHEN POST die Porpagandalüge:

Der Krieg ist so alt wie die Menschheit.“

Die „Menschheit“ existiert seit rund fünf Millionen Jahren. Das Phänomen „Krieg“ ist nicht älter als etwa 80.000 Jahre. Kriege waren in den Jahrmillionen, die vorangegangen waren, unmöglich. Krieg bedeutet immer Abbruch der Kommunikation. Das Leben unserer „vorsintflutlichen“ Ahnen war aber von einem solch starken Bedürfnis nach Kommunikation geprägt, daß die dem Menschen eigentümliche Wortsprache entstand. Mit anderen Worten: hätten sich unsere Ahnen so danebenbenommen, wie wir es seit einigen Generationen nicht anders kennen, kein Wort wäre je über die Lippen des Menschen gekommen.

Der Krieg kam nach der Sintflut in die Welt. – Es war nicht die biblische Sintflut, denn diese ist, wie der Tod des Abel, schon Teil des seit Jahrtausenden bestehenden Propagandaapparats.

Die „Sintflut“, der Anstieg des Meeresspiegels zu Beginn der Eem-Warmzeit vor rund 93.000 Jahren, isolierte eine Population von kaum mehr als zehntausend Neandertalern auf einer Insel und schnitt ihnen nicht nur den Kontakt, sondern jede Sichtverbindung zum „Festland“ ab. Aus Sicht der Insulaner, die natürlich noch keine Vorstellung von der Kugelgestalt der Erde hatten, war die übrige Welt und damit alles Leben in den Fluten untergegangen. Sie mußten sich als die einzig verbliebenen Menschen betrachten. Für diesen realen Kern des Sintflutmythos gibt es vier gewichtige Indizien:

  1. Eine Forschungsgruppe um den Genetiker Lynn Jordy (University of Utah) ist zu dem Schluß gekommen, der moderne Mensch sei aus einer Population von allenfalls einigen zehntausend Individuen hervorgegangen, die vor etwa 70 bis 80.000 Jahren die Erde bevölkerten. Jordy selbst nannte die von ihm entwickelte Theorie über die Anfänge des „modernen“ Menschen Bottleneck-theory = Flaschenhalstheorie.

  2. Seit dem 4. November 1999 liegt eine Presseerklärung der Max-Planck-Gesellschaft vor, Aktenzeichen PRI B 17/99 (63). Darin heißt es:

Verglichen mit ihren nächsten tierischen Verwandten, den Schimpansen, sind alle derzeit lebenden modernen Menschen immer noch „Brüder“ beziehungsweise „Schwestern“.

Das sind in Kurzform die Erkenntnisse des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. („Nadelöhrtheorie“ des MPI)

3. Vor rund 60.000 Jahren neigte sich die Eem-Warmzeit ihrem Ende entgegen, die letzte Eiszeit begann und erreichte vor etwa 18.000 Jahren ihren Höhepunkt. Der Unterschied zwischen dem eiszeitlichen Meeresspiegel und dem heutigen „Normalnull“ beträgt satte 130 Meter. Man kann also durchaus davon ausgehen, daß die Verhältnisse vor 93.000 Jahren nicht viel anders waren. Wenn ein flaches Becken vom Meer geflutet wird, versinkt aus Sicht der werdenden Insulaner tatsächlich die ganze Welt im Meer.

4. Auf die Isolation deuten auch die Werkzeuge hin, die seitdem entstanden sind. Im Wirtschaftsleben wird „Isolation“ gewöhnlich durch Embargo oder Boykott herbeigeführt, diesmal war es aber „nur“ das Wasser. Beleuchten wir die Unterschiede in den Werkzeugen der steinzeitlichen Menschen einmal näher:

Die Faustkeile der frühen Erectus – Kultur ließen sich mit etwa 25 Schlägen in einem Arbeitsgang fertigen, bei den späteren waren schon zwei Arbeitsgänge mit insgesamt 65 Schlägen erforderlich. Für ein Messer des Neandertalers bedurfte es drei Arbeitsgängen mit 111 Schlägen (Moustérien-Technik); demgegenüber erfordert ein nach der Aurignacien-Technik hergestelltes Messer des Crô – Magnon – Menschen 251 Schläge in neun Arbeitsgängen.“ ( George Constable, der Neandertaler, Time-Life, 5. Auflage 1979)

Der „Technologiesprung“ von 25 Schlägen in einem Arbeitsgang auf neun Arbeitsgänge mit 251 Schlägen läßt sich mit höherer Intelligenz kaum erklären, denn am Ende dieser vielen Arbeit stehen zwar „Spezialwerkzeuge“, die in ihrer Gesamtheit aber auch nicht mehr leisten als ein gut durchdachter simpler Faustkeil. Jeder Betriebswirt würde sich ob des Aufwands, den die Crô-Magnon-Menschen bei der Herstellung ihrer Steinklingen betrieben, die Haare raufen. Die Arbeitskosten für die Fertigung dieser filigranen Werkzeuge erscheinen unter ökonomischen Aspekten immens hoch.

Die hohen Herstellungskosten könnten sich allerdings als notwendiges Übel herausstellen, wenn man die Kosten des Ausgangsmaterials berücksichtigt.

Menschen haben zu allen Zeiten die verschiedensten Steinsorten als Werkzeuge verwendet. Eindeutiger Favorit war aber der Feuerstein wegen seiner besonderen Splittereigenschaften. Obsidian, schwarzes vulkanisches Gesteinsglas, hat ähnliche Eigenschaften und wurde damit – zumindest in Amerika – in bestimmten Gegenden der einzige echte „Konkurrenzwerkstoff“ zum Feuerstein. Aber nicht überall, wo die frühen Menschen siedelten, gab es Feuerstein oder Obsidian, Feuersteinknollen finden sich in Kreidefelsen, Obsidian in der Nähe von Vulkanen. Zur Beschaffung der begehrten Rohstoffe für ihre Werkzeuge waren die Menschen der Steinzeit also seit Erectus’ Zeiten auf den Handel angewiesen.

Wie hoch Feuerstein beim Übergang zur Kupferzeit an steinzeitlichen Börsen gehandelt worden wäre, zeigt sich daran, daß unsere Crô-Magnon – Vorfahren nicht mehr genug Feuersteinknollen an der Erdoberfläche aufsammeln konnten. Es hat sich für sie rentiert, Schächte in die Kreidefelsen Englands und in entsprechende Gesteinschichten Bayerns abzuteufen und tiefe Stollen zu graben, um den begehrten Rohstoff zu gewinnen.

Wäre die heutige Menschheit immer noch auf den Feuerstein angewiesen, er wäre wohl mit Diamanten nicht aufwiegen.

Im Zusammenhang mit der Verfeinerung der Abschlagtechnik ist daher eine Rohstoffverknappung wesentlich plausibler als der sogenannte „Fortschritt in der Entwicklung“ Der Mensch hatte frühzeitig das Bücken gelernt, denn offenbar waren bereits die Neandertaler dazu gezwungen, sich nach jedem Abschlag auch die Bruchstücke genau anzusehen, die ihre Vorfahren noch als Abfall betrachtet hatten. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn klimabedingt lag ein Teil der Rohstoffvorkommen über lange Zeiträume hinweg unter dem Inlandeis begraben.

Unsere Vorfahren vom Erectus – Typ lebten also vergleichsweise im Paradies. Sie konnten sich damit begnügen, aus einem Pfund Feuerstein nur 5 bis 20 cm Schnittkante herauszuholen. An dieser Stelle erinnere ich nochmals daran, daß alle Steinwerkzeuge der Welt ausschließlich dem Zweck dienten, Fleisch, Fell, Knochen und gelegentlich ein wenig Holz zu bearbeiten. Der Neandertaler war bereits gezwungen, seinen Einfallsreichtum darauf zu verwenden, aus einem Pfund Feuerstein 100 cm Schnittkante herzustellen. Mehr waren nicht nötig.

Ganz anders verhält es sich beim „Übergang“ zum rezenten Menschentyp:

Der „Technologiesprung“ vom Moustérienmesser des Neandertalers zur Aurignacienklinge des Crô-Magnon ließ nicht nur den Arbeitsaufwand zur Herstellung einer scharfen Klinge um mehr als 100 % ansteigen, die Gesamtlänge der Arbeitskante, die aus einem Pfund Feuerstein herausgearbeitet wurden, wuchs auf die Länge von 12 Metern. Der Verwendungszwecks änderte sich nicht. Daher erscheint ein solcher Arbeitsaufwand schon fast als übertriebener Luxus, war es aber nicht. Die Menschen, die sich später anschickten, die Erde zu dominieren, hatten keine andere Wahl, als auch noch aus dem letzten Splitter einer Feuersteinknolle etwas Brauchbares herauszuholen.“

Nach allem ist es als erwiesen anzusehen, daß wir alle Abkömmlinge der Population sind, die von der Sintflut auf „Bottleneck“ festgesetzt worden war.

Furcht und Schrecken vor Euch sei über alle Tiere auf Erden und über alle Vögel unter dem Himmel, über alles, was auf dem Erdboden kriecht, und über alle Fische im Meer; in eure Hände seien sie gegeben.“

Diese Worte soll Gott Noah und seinen Söhnen am Ende der Sintflut mit auf ihren weiteren Lebensweg gegeben haben. (1. Mose 9, 2)

Dieses vorgebliche „Wort Gottes“ war schon damals eine Bestandsaufnahme menschlichen Verhaltens. Es wurde Gott in den Mund gelegt, weil nicht nur Gott den Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen hatte, vor allem hatte der Mensch Gott nach seinem eigenen, unvollkommenen Selbstbild erschaffen. So projiziert der Mensch seine asozialen Neigungen gern auf die jeweils „herrschende“ Gottheit, von der er den „göttlichen Befehl“, ebenfalls unsozial zu handeln, ableiten kann. Als „Vollstrecker göttlichen Willens“ ist man schließlich jeder Verantwortung für das eigene Handeln enthoben. Man schaut mit den unschuldigen Augen eines Dackels oder Labradors, der soeben die besten Schuhe des Herrchens geschreddert hat, gen Himmel: „Lieber Gott, habe ich was Böses getan?“

Nein, niemand hat jemals etwas Böses getan. Von Anbeginn der Zeit, die uns als „Kulturgeschichte“ bekannt geworden ist, hat niemand irgendwann irgendwo „etwas Böses“ getan, von den „Nazis“ einmal abgesehen. Zu dumm, denn nach dem oben Gesagten sind „Nazis“ auch nicht mehr oder weniger als „gewöhnliche“ Menschen. – Nach den Feststellungen des MPI für evolutionäre Anthropologie waren auch die „Nazis“ Brüder und Schwestern Noahs und seiner Söhne. Noah und seine Söhne verbreiteten als gottesfürchtige Menschen Furcht und Schrecken, weil Gott es ihnen befohlen hatte. Noah hatte zwar nur drei Söhne, aber eine Unzahl von Nachkommen. Die sind, wie die Leipziger Forscher gezeigt haben, alle „Brüder“ und „Schwestern“.

Die Geschichte der „zivilisierten“ Menschheit ist angefüllt mit der Verbreitung von Furcht und Schrecken. Das wird dann Gott wohl so befohlen haben. Ausnahmslos beinhaltet der Befehl den Willen des Befehlshabers. Wenn der Befehlshaber Gott ist und „Furcht und Schrecken“ befiehlt? – Ist dann nicht jeder, der „Furcht und Schrecken“ verbreitet, ein „Befehlsempfänger Gottes“?

Terror als „Vollstreckung göttlichen Willens?“ – Das kann ja wohl nicht wahr sein! – Aber in der Bibel heißt es nun einmal ausdrücklich:

Furcht und Schrecken vor Euch sei über alle Tiere auf Erden und über alle Vögel unter dem Himmel, über alles, was auf dem Erdboden kriecht, und über alle Fische im Meer; in eure Hände seien sie gegeben.“

Offensichtlich kommt auch der „zivilisierte“ Mensch des 21. Jahrhunderts diesem „göttlichen Auftrag“ immer noch nach: „Alle Tiere auf Erden“ seien dem ungebremsten Terror Noahs und dem seiner Abkömmlinge ausgeliefert: Massentierhaltung als „Vollstreckung göttlichen Willens“. Tierversuche als „Vollstreckung göttlichen Willens“. Nun ist auch der Mensch ein Säugetier. – Die Frage, die sich an dieser Stelle aufdrängt, klingt vielleicht einfältig, dennoch möchte ich sie beantwortet haben:

Waren die Menschen, die ohne jeden vernünftigen Zweifel bei Entstehung der Bibel den Planeten Erde bevölkerten, aber keinen israelitischen „Reisepaß“ hatten, „Tiere“? – „Krochen“ sie über den Erdboden oder wurden sie zum „Kriechen“ gezwungen? – Man denke nur an die Behandlung der irakischen Gefangenen, die ihnen ihre „Brüder“ und „Schwestern“ aus Amerika angedeihen ließen.

Niemand darf in diesem Zusammenhang darüber hinwegsehen, daß man es sich seit unvordenklichen Zeiten sehr einfach macht, Artgenossen verbal aus der menschlichen Gemeinschaft auszuschließen: Sklaven galten zu allen Zeiten als „Sachen“. Für die belgische Kolonialverwaltung zählten Pygmäen bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts „zur Fauna des Waldes“. Unliebsame Art- und Zeitgenossen werden verbal auch heute noch mit Tieren gleichgesetzt. Die Begriffe „Judensau“ und „Nazischwein“ weisen auf ein- und dieselbe Vorstellungswelt hin. Schweine sind Tiere, denen der „moderne“ Mensch – zu Unrecht – mit der größten Geringschätzung begegnet. Und Schweine unterliegen zweifellos dem „Terrorgebot“ Gottes.

Daß es ein „Terrorgebot“ Gottes jedoch nicht geben kann, werden wohl auch Sie nicht in Abrede stellen wollen.

Es sieht demnach ganz danach aus, als könne allein der Sprachgebrauch den Artgenossen zum Un-, Nicht- bzw „Untermenschen“ machen. Und so ist es tatsächlich, wie Sie noch sehen werden. Diese Wahrheit wird Ihnen sehr unbequem vorkommen, auch das werden Sie sehen. Sie werden sie am liebsten übersehen wollen.

Eben weil die Wahrheit unbequem ist, wird in der Geschichtsschreibung geflissentlich übersehen, daß die totalitäre Herrschaftsform des Nationalsozialismus nicht aus heiterem Himmel über Europa hereinbrach. Sie war nicht einmal deutscher Provenienz:

Schreiben wir zur Abwechslung einmal einen Brief aus dem „Jenseits“ an den „Führer“ der „freien“ Welt:

Lieber Schorsch Dabbelju,

Der abwegigste Gedanke, auf den ein Politiker verfallen könnte, wäre die Annahme, daß ein Volk nur mit Waffengewalt bei einem anderen Volk einzudringen brauche, um es zur Übernahme seiner Gesetze und seiner Verfassung zu bewegen. Niemand liebt bewaffnete Missionare.“

Dein

Maxi“

Diese fundamentale Erkenntnis paßt so gar nicht in das Bild, das man sich gemeinhin von „Maxi“(milien Robespierre) macht. Dieser „Geistesblitz“ wird nämlich überschattet durch das alltägliche Wirken eines staatlich besoldeten „Terroristen“. Er begründete die „Banalität des Bösen“.

Das Regime des „Terreur,“ welches Robespierre während der französischen Revolution veranstaltet hatte, bildet das Grundmuster der „nachrevolutionären“ Regime im Europa des zwanzigsten Jahrhunderts: Bespitzelung und Denunziation; „Geheimpolizei“ und exzessiver Gebrauch der Todesstrafe.

Es änderte sich nach 1917 und 1933 die Größenskala, aber nicht das Muster staatlichen Terrors. Die „Weltrevolutionen“ endeten in einer Dikatatur. Geisteshaltungen und „Rezepte“ für die „Ordnung“ innerhalb des „Staates“ sind bei allen „großen Diktatoren“ den Gedanken Robbespieres verblüffend ähnlich. So ähnlich, daß eine Äußerung Robespierres taktische Erwägungen „moderner“ Politiker widerspiegelt, die bis zu einem Gerhard Schröder und Joschka Fischer reichen.

Ich habe mich nie gegen den Krieg ausgesprochen, sondern gesagt, man dürfe ihn erst führen, wenn man die Feinde im Innern mit Sicherheit ausgeschaltet hat.“

Die Feinde im Innern“ schaltet man in der „westlichen Welt“ freilich nicht mehr durch den Henker aus, willfährige Medien erledigen diesen Job unblutig und wesentlich eleganter.

Am 1.September 1939 waren die „Feinde im Innern“ sowohl im Deutschen Reich als auch in der Sowjetunion ausgeschaltet, der Krieg konnte beginnen. Merkwürdig ist schon, daß die „Westmächte“, die der Beistandspakts mit Polen dazu veranlaßte, dem Deutschen Reich am 3.9.1939 den Krieg zu erklären, diese Kriegserklärung nicht auf die Sowjetunion ausdehnten. Stalins Truppen marschierten nämlich wenige Tage später den deutschen Truppen entgegen. Aber nicht um diese aufzuhalten, vielmehr zwecks Beuteteilung. Man traf sich an der im Hitler-Stalin-Pakt vereinbarten Demarkationslinie. Auf beiden Seiten derselben ging alsdann der Terror los.

Die Ähnlichkeit der Terrorregime des zwanzigsten Jahrhunderts mit dem des „Terreur“ im revolutionären Frankreich belegt eine Äußerung des ehemaligen Kampfgenossen Robespierres, die durchaus von Heinrich Himmler hätte stammen können:

Seinen wir schrecklich, damit das Volk es nicht zu sein braucht.

Der Weggefährte Robespierres hieß Danton. Im Gegensatz zu Himmler überlebte Danton seinen „Führer“ nicht: Robespierres „Säuberungen“ begannen mit der Beseitigung des „linken“ Flügels seiner Bergpartei.

Robespierre ließ die Führer dieses linken Flügels, Hébert und seine Anhänger, im März 1794 verhaften und hinrichten. Nur wenige Tage später, Anfang April 1794, wurden zur allgemeinen Überraschung die Rechtsabweichleer, die Nachsichtigen, Danton, Desmoulins und ihre Freunde, eingekerkert, mit denen Robespierre bis zuletzt in einem Zweckbündnis gestanden hatte. Obwohl sie sich vor dem Konvent unerschrocken verteidigten und das Volk Anstalten machte, ihnen zur Hilfe zu kommen, ließ Robespierre im April auch diese alten Kampfgenossen guillotinieren. Nun schien es niemanden mehr in Frankreich zu geben, der ihm gefährlich werden konnte.“ ( Eberhard Weis, Propyläen Geschichte Europas, zitiert nach Weltbild Geschichte Europas 1776- 1847: Der Durchbruch des Bürgertums, Augsburg 2002, S. 148f)

Die Schicksale Trotzkis und Röhms waren zwar nicht von der „historischen Notwendigkeit“ oder der „Vorsehung“ beabsichtigt, aber auch nicht rein zufällig. Sie sind mehr oder weniger als „mustergültig“ zu betrachten.

Ebenso mustergültig war das Verhalten der Schergen, die Robespierre gedient hatten: Dem Henker von Paris war es vom Anfang der Revolution an egal gewesen, wer ihm seine Klientel aufs Schafott brachte. Seine einzige Sorge hatte einem scharfen Schwert gegolten. Diese Sorge nahm im der Klavierbauer Tobias Schmidt ab, indem er das Köpfen mechanisierte. 150 Jahre später feierte die Guillotine zur Beseitigung politischer Gegner ausgerechnet in der Heimat ihres Erfinders erneut Orgien.

Dann war der Spuk vorbei. – Und niemand, der sich am Terror beteiligt hatte, war’s gewesen:

Nach dem Sturz Robespierres hörte der Terror schlagartig auf. Schon zwei Tage danach gab es in Paris wieder Fröhlichkeit, Musik und Tanz. Die Gefängnisse öffneten sich, Frankreich erwachte wie aus einem bösen Traum. (…) Von den neun Männern, die Robeswpierre am 27. Juli 1794 gestürzt hatten, waren fünf ehemalige enge Mitarbeiter von ihm im Konvent und in den beiden Komitees, die anderen vier waren Dantonisten, die sich jedoch ursprünglich ebenfalls am Terror beteiligt hatten. Die neuen Machthaber, die Thermidorianer, wurden alsbald das Ziel heftiger Angriffe von zwei Seiten: vom gemäßigten Bürgertum und von den Sansculotten, die beide jetzt sogar eng zusammenarbeiteten. Gerade aus den Sektionen, welche die Tradition des von Robespierre hingerichteten Hébert fortsetzten, kamen die heftigsten Anklagen gegen die Terroristen. Der Konvent seinerseits war nur bereit, gegen extreme Terroristen von gestern vorzugehen, beispielsweise gegen den Massenmörder von Nantes, Carrier, den nun selbst die Todesstrafe ereilte. Im übrigen schützte der Konvent die Männer der neuen Regierung gegen ihre Ankläger. Er hätte sich sonst selbst desavouieren müssen; denn ein Jahr lang hatte derselbe Nationalkonvent gehorsam für alle von Robespierre gewünschten Maßnahmen gestimmt.“ ( E. Weis, aaO, S 151f)

Die Ähnlichkeiten mit “treuen Vasallen des Führers” und “linientreuen Kommunisten“, die nach 1989 zu „demokratischen Sozialisten“, Sozialdemokraten und „echten“ Christdemokraten mutierten, sind weder beabsichtigt noch zufällig: „Wendehälse“ gab es schon zweihundert Jahre vor dem Begriff.

Irgendwie hat all das eine unverkennbare Ähnlichkeit zur Symbolfigur der französischen Revolution. Diese befindet sich auch heute noch als mannshohe Skulptur in Paris. Ihre vergrößerte Kopie, die weltbekannte „Freiheitsstatue“ ziert den Hafen von New York. Die vergrößerten Kopien eines Maximilien Robespierre, nämlich Hitler, Stalin und dessen Nachfolger und Vasallen im „Ostblock“, mit der Freiheitsstatue in einen Topf zu werfen, das ziemt sich nicht, werden Sie einwenden. Natürlich ziemt sich das nicht. Die Wahrheit hat sich noch nie geziemt, aber auch nicht aufhalten lassen:

Denn die Wahrheit ist, daß die „amerikanische Nation“ den europäischen „Nationen“ in den Jahren 1860 bis 1865 geradezu „vorexerziert“ hat, wie man (als vergrößerte Kopie des französischen Bürgerkriegs) Bruder und Freund zum Feind erklärt und ohne die geringsten Skrupel auf ihn schießt.

Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber in all ihrer Unwiederholbarkeit bringt auch die „Geschichte“ immer wieder dieselben unverkennbaren Muster hervor:

Auch in der „Neuen Welt“ kam es wiederholt zu Situationen, die den militärischen Kräfteverhältnissen am 6.6.1944 verblüffend ähnlich waren.

Das beste Beispiel für „heldenhalften“ Widerstand gegen eine erdrückende Übermacht ist die Schlacht am Alamo. Am Alamo standen 190 Texaner gegen rund 1.500 Soldaten des mexikanischen Generals Santa Ana.

In den späteren „Beutefeldzügen“ der US-Army war es General Custer, der sich am Little Big Horn in einer an D-Day erinnernden militärischen Situation befand. Aber weder Davie Crocket am Alamo noch Custer am Little Big Horn spielten auch nur mit dem Gedanken, vor der Übermacht des „Feindes“ zu kapitulieren. Beide werden heute noch als „Helden“ verehrt und gepriesen.

Crocket und Custer waren freilich nicht die Erfinder des Heldentums. Das Kräfteverhältnis der Schlacht am Alamo entspricht in etwa dem des wohl berühmtesten „sinnlosen“ Widerstands gegen einen militärisch überlegenen Gegner, nämlich dem Widerstand der Spartaner gegen das persische Heer an den Thermopylen. „Wanderer, kommst Du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl.“

Auf den „Gesetzesbefehl“ werden wir noch zurückkommen, zunächst einmal wollen wir eine Vorstellung von der Zahl der „Helden“ gewinnen:

Leonidas hatte 300 Soldaten an seiner Seite, Custer 250. Auf die Schnelle konnte ich die Stärke der militärischen Kräfte der Perser bzw. der vereinigten Truppen der Sioux und Cheyenne nicht ermitteln. Jedenfalls dürfte die militätische Übermacht auch in diesen Fällen erdrückend gewesen sein.

Warum also, so frage ich Sie, hätten die deutschen Soldaten am 6.6.1944 und danach klein beigeben sollen? – Bloß deshalb, weil sie „Deutsche“ waren und am Ende die großen Verlierer?

Im Nachhinein ist man immer klüger. Und genau darin liegt übrigens die Crux einer jeden Geschichtsschreibung. Historiker beurteilen die „Geschichte“ vom grünen Tisch aus, nicht vom Schlamm her.

Für den Juristen gibt es zwei Formen der Betrachtung ein und desselben Sachverhalts. Einmal die -übliche- Betrachtung ex post, also die Sicht nach hinten, ein andermal die Sicht von der Vergangenheit in die Gegenwart, die ex-ante-Betrachtung. Und diese allein ist entscheidend für die Frage, ob für den Handelnden eine Handlungsalternative bestand. Ex ante betrachtet, bestand für keinen der Beteiligten eine Alternative. Sie alle hatten, wie man so schön sagt, „ihre Befehle“.

Wir werden noch sehen, was es damit auf sich hat, zunächst einmal aber zurück zu den Worten Gottes, die geprägt wurden, als Noah und seine Söhne längst das Zeitliche gesegnet hatten:

Du sollst nicht stehlen“

So heißt es in der Bibel. Gegen dieses Gebot verstößt seit unvordenklichen Zeiten jeder Kriegsherr, auch der gottesfürchtigste. Gegen dieses Gebot verstieß auch der Versailler Vertrag. Denn das „deutsche Volk“ hatte mit der Familienfehde europäischer Fürstenhäuser, die den ersten Weltkrieg ausgelöst hatte, nichts, aber auch gar nicht zu tun, außer daß ihm anschließend die Kosten auferlegt wurden. Und das reichlich. Vierzehn Jahre lang wurde das in der Mitte Europas lebende Volk von den „Siegermächten“ ausgepreßt wie eine Kolonie.

Man klebte Menschen, die unter dem Krieg gelitten hatten, die „Kriegsschuld“ an die Backe und bemäntelte die wirtschaftliche Kolonisierung Deutschlands mit dem Begriff „Reparationen“.

Es dürfte damals kaum einen Menschen gegeben haben, der es nicht als Versklavung empfand, allein wegen seiner deutscher „Staatsangehörigkeit“ verdammt zu sein, unentgeltlich für Dritte zu arbeiten.

Das konnte nicht gutgehen, und es ging auch nicht gut. Die verlogene Propaganda der Plünderer brachte ungewollt sogar ein eigenes Ministerium hervor, nämlich das „Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda“. Propaganda leitet sich ab aus dem lateinischen Wort propagare, das „sich fortpflanzen“ bedeutet. Und in aller Regel sind es dreiste Lügen, die sich da fortpflanzen solen. Nicht nur unter Reichsminister Goebbels; auch unter einem Präsidenten Bush und einem Kanzler Schröder. Seltsamerweise hatten nur die Nationalsozialisten für Propaganda ein eigenes Ministerium. In allen übrigen Ländern war

Propaganda Chefsache, und sie ist es heute noch. Propaganda hat sehr viel mit Wortwahl und Sprachgebrauch zu tun. Denn die Sprache erzeugt die Bilder in den Köpfen der Menschen und formt deren „Weltbild“ und das Bild, das sie sich von Menschen machen, die sie nicht kennen. Erinnern Sie sich an meine Worte: „Es sieht ganz danach aus, als könne allein der Sprachgebrauch den Artgenossen zum Un- bzw. „Untermenschen“ machen?“ Der Paß kann das auch, und zwar noch viel besser. Sie werden lachen, aber beide zusammen machen aus einem „Hunnen“ sogar einen „richtigen“ Engländer;

Machen wir eine Reise, und zwar von Sachsen-Coburg-Gotha nach Windsor und von Battenberg nach Mountbatton. Diese Reise nimmt exakt soviel Zeit in Anspruch wie eine Reise von der Rheinlandstraße 17 zur Lothringer Straße 43 in Düsseldorf. Ich will Ihnen die Reisedauer gerne verraten, aber vielleicht kommen Sie von selbst hinter das Geheimnis: die Reisedauer entspricht einer Reise von der Boelckestr. 14 zur Kehler Straße 14. Die Reise ist eine Zeitreise und dauert nicht einmal den geringstmöglichen Bruchteil einer Sekunde (sog. Planck-Zeit). Das Geheimnis heißt „Umbenennung“. Die Boelckestraße wurde nach dem zweiten Weltkrieg zur Kehler Straße, Nummer 14 war das Elternhaus meines Vaters; mein Elternhaus wurde in den 60ern des vorigen Jahrhunderts zur Lothringer Straße 43, weil der Hauseingang an der Lothringer Straße liegt. – Wenn Sie mich fragen, mehr als Etikettenschwindel ist all das nicht.

Und mehr als Etikettenschwindel ist das, was Geschichtsschreibung und „aktuelle Berichterstattung“ den Menschen als „große Staatsmänner“ seit rund 6.000 Jahren aufschwatzt und verkauft, auch nicht. Deswegen ist die Reise von Battenberg nach Mountbatton im Grunde „zeitlos“, aber es ist interessant, daß sie mitten im ersten Weltkrieg ihren Anfang nahm:

In der britischen und französischen Propaganda des ersten Weltkriegs wurden die Deutschen als „Hunnen“ diffamiert. Das sogenannte „Haus Windsor“ war bis in den ersten Weltkrieg das „Haus Sachsen-Coburg-Gotha“. Man glaubte, seine „deutschen“ Eigenschaften loszuwerden, indem man den Namen anglisierte. Bei „Sachsen-Coburg-Gotha“ geht das nicht so einfach, also nahm man den Namen des Stammschlosses an: Windsor. Die Battenbergs, die den späteren Prinzgemahlen stellten, hatten es da einfacher: Mountbatton. Läßt man all diese Namensspielchen beiseite, wird Willi Battenberg einmal König werden. „Hunnen“ werden die Royals trotz allem wohl geblieben sein…

Was Propaganda anrichten kann, wußte Konfuzius schon vor 2.500 Jahren:

(Der Schüler) Zi-lu sprach zu Konfuzius:

Wenn Euch der Herrscher des Staates Wei die Regierung anvertraute – was würdet Ihr zuerst tun?“

Der Meister antwortete: „Unbedingt die Namen richtigstellen.“

Darauf Zi-lu: „Damit würdet Ihr beginnen? Das ist doch abwegig. Warum eine solche Richtigstellung der Namen?“

Der Meister entgegnete: „Wie ungebildet du doch bist, Zi-lu! Der Edle ist vorsichtig und zurückhaltend, wenn es um Dinge geht, die er nicht kennt.

Stimmen die Namen und Begriffe nicht, so ist die Sprache konfus. Ist die Sprache konfus, so entstehen Unordnung und Mißerfolg. Gibt es Unordnung und Mißerfolg, so geraten Anstand und gute Sitten in Verfall. Sind Anstand und gute Sitten in Frage gestellt, so gibt es keine gerechten Strafen mehr. Gibt es keine gerechten Strafen mehr, so weiß das Volk nicht, was es zu tun und was es lassen soll. Darum muß der Edle die Begriffe und Namen korrekt benutzen und auch richtig danach handeln können. Er geht mit seinen Worten niemals leichtfertig um. („Gespräche“ XIII, 3)

Ob die Namen und Begriffe stimmten, als Ludwig XVI. in Gestalt des „Bürger Louis Capet“ zum Schafott gekarrt wurde.mag dahinstehen. Jedenfalls mußte der Mann mit Schrecken feststellen, daß man ihn schlicht „umetikettiert“ hatte.

Der „Bürger Louis Capet mußte am eigenen Leibe erfahren, daß viele Dinge, die uns im Umgang mit unseren Mitmenschen zu schaffen machen, weniger einer Frage der Etikette als des Etiketts sind. Hermann Göring hat es auf den Punkt gebracht. Er soll einmal gesagt haben: „Wer Jude ist, bestimmen wir!“

In gewisser Hinsicht hatte er damit recht, denn es gibt auf dem Planeten Erde weder Juden noch Deutsche. Es gibt weder „deutsches“ noch „jüdisches“ Blut, es gibt auch kein „Nigger“- oder „Indianerblut“. Wer etwas anderes behauptet, sollte dafür zumindest Beweis antreten können. Das aber kann er nicht, denn die gesamte Menschheit kennt nur vier Blutgruppen: A, B, AB und Null, und diese sind nach einem bestimmten statistischen Schlüssel unter allen Menschen verteilt. Nach irgendwelchen „Rassen“ oder „Rangabzeichen“ wurde und wird in der Evolution nicht gefragt. Das verbindet die Evolution mit dem Geist der französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Diesem Geist versuchte man, mit Gewalt zum Durchbruch zu verhelfen, was freilich gründlich in die Culotte ging.

Wieder einmal zeigt sich, daß wir Menschen Australopithecinen vom Stamme Superbus Procrustes sind: hochnäsig und geneigt, sich mit Gewalt alles passend zu machen. Das Prokrustesbett wandelte während der französischen Revolution ein wenig seine Gestalt, das Damoklesschwert der Antike wurde zum Fallbeil.

Und damit müssen wir die Frage stellen:

Warum war es dem Henker von Paris, Henri Sanson d.J. gleichgültig, wer ihm die Leute aufs Schafott schickte?

Von den V.I.P. des ausgehenden 18. Jahrhunderts kamen zunächst der König und seine Frau, dann Danton und zu guter Letzt Robespierre an die Reihe. Sanson hat sie alle geköpft. Und das nur deshalb, weil man ihn damit beauftragt hatte. Das unterscheidet ihn nicht von den Henkern im Staatsgefängnis von Huntsville, Texas. Um es der Vergessenheit zu entreißen: Huntsville war die „Place de la Condorde“ des texanischen Gouverneurs G.W. Bush. Huntsville und die Place de la Condorde provozieren in diesem Zusammenhang die zweite Frage:

Warum töten heute noch Menschen andere Menschen, die ihnen nichts getan haben, bloß weil ein Dritter sie damit beauftragt?

Fangen wir mit der ersten Frage an: Herrn Sanson war es egal, wer ihm den Auftrag gab, es war ihm aber durchaus nicht gleichgültig, wen er einen Kopf kürzer machte. So schreibt Ludwig Barring in „Götterspruch und Henkershand (Essen 1980)“ :

Unter den Guillotinierten von der Place de la Concorde waren auch die zwei berühmtesten Opfer der neuen Maschine, Ludwig XVI. Und Marie Antoinette, und wenn man in den Erinnerungen des Schafrichters Sanson liest, mit welcher Befangenheit er diesen Exekutionen entgegenging,, dann möchte man meinen, er habe alles vorausgeahnt und wegen dieser beiden Todesurteile auf die Ent-Schuldung seiner Hand, auf die Einführung einer Maschine gedrungen.“ (Barring, S. 164)

Barring fährt fort:

Er (Sanson) war als getreuer Diener der Obrigkeit und als Erbe einer alten Scharfrichter-Tradition vielleicht zum erstenmal tief uneins mit seinem Beruf, und wer glaubt, daß dieser verrufenste aller Berufe stets nur von völlig verrohten Individuen ausgeübt worden sei, der tut gut daran, das Tagebuch Sansons zumindest auszugsweise zu lesen“.(Barring aaO 165)

1119 Menschen starben allein auf der Place de la Concorde. Mit den 1306 Toten von der Place de la Nation und den 73 von der Place de la Bastille sind es rund zweieinhalbtausend Menschen, die „offiziell“ hingerichtet wurden. Von dieser „Statistik“ sind all jene nicht erfaßt, die in den Gefängnissen oder einfach auf der Straße abgeschlachtet wurden.

Einige Worte Barrings muß ich an dieser Stelle zur Verdeutlichung wiederholen und hervorheben:

Er war als getreuer Diener der Obrigkeit….

Getreue Diener der Obrigkeit waren auch die Männer, die am 6. Juni 1944 in der Normandie landeten. Getreue Diener der Obrigkeit waren aber auch die Männer, die sie an der Landung zu hindern versuchten. Auch die Männer des 20. Juli waren treue Diener der Obrigkeit.

Es ist, lassen Sie mich das hier kurz einfügen, verblüffend, daß die Männer des 20. Juli bis zum letzten Augenblick ihrer geplanten Tat von ähnlichen Gewissensbissen geplagt wurden wie 152 Jahre zuvor Charles-Henri Sanson.(vgl. Barring, S. 165-169)

Wie Sanson waren auch die Männer, die Jesus von Nazareth ans Kreuz nagelten, getreue Diener der Obrigkeit. Einen Mann ans Kreuz zu schlagen, das war für sie Alltag und ein Job, den sie beherrschten.

Wie aber, das ist die zweite und die Kernfrage, kommt es dazu, daß derartige „Jobs“ alltäglich werden können, gilt doch die Tötung eines Menschen als die schwerste Straftat, die man überhaupt begehen kann? – Eine Straftat, die in manchen „Rechtsordnungen“ so schwer wiegt, daß derjenige, der einen Menschen tötet, zur Strafe getötet werden muß.

Wirft man einen Blick auf die Vereinigten Staaten, zeigt sich, daß der Glaube an die Todesstrafe vor allem in Kreisen der biederen, obrigkeitsgläubigen Durchschnittsamerikaner unerschütterlich ist.

Aber mit der Biederkeit hat das so seinen Haken:

Während in Vietnam biedere Amerikaner auf Befehl Frauen und Kinder mit Bomben und Napalm überschütteten; während in My Lai der biedere Lieutenant Kelly Hunderte von Menschen niedermachen ließ, um die „Freiheit“ zu verteidigen, machte sich Stanley Milgram in aller Stille an ein Experiment, dessen Ergebnis die Menschheit eigentlich hätte aufhorchen lassen müssen:

Milgram ließ seine Probanden bei einem vermeintlichen Lernexperiment „Schüler“ für mangelnde Lernleistungen mit Elektroschocks „bestrafen“. Die Schocks reichten von 15 bis 450 Volt Spannung. – Milgram hatte erwartet, dass nur ein geringer Teil der Menschen zum Kadavergehorsam fähig wären. Entgegen allen Voraussagen und Erwartungen kannte die Mehrheit der Probanden trotz aller Gewissensbisse keine Skrupel. Rund 63% der (männlichen) Probanden waren bereit, auf Anweisung einer Autorität fremde Menschen zu quälen und zu töten.

63%, – dreiundsechzig (!) Prozent! – dieses überraschende Ergebnis passte weder seinerzeit noch passt es heute in die politische Landschaft. Es widerspricht dem Selbstverständnis des Homo sapiens sapiens. Es ist auch nicht kompatibel zum Menschenbild der großen Religionen. Deshalb wurde es auch in der Öffentlichkeit wenig beachtet und nicht weiter diskutiert. Man hat Milgram Fehler bei der Versuchsanordnung unterstellt und ansonsten das Ergebnis geflissentlich totgeschwiegen.

Das Milgram-Experiment“ gibt es als Taschenbuch. Meine Empfehlung: Schauen Sie sich gelegentlich den Film „I – wie Ikarus“ von Henri Verneuil an. Er enthält in einer ca. 10-minütigen Sequenz eine detailgetreue und eindringliche Darstellung dieses Experiments.

Wenn Sie einem Ihrer Mitmenschen begegnen, wird der mit einer Wahrscheinlichkeit von 63% ein kleiner Eichmann sein. Und Sie selbst sind mit derselben Wahrscheinlichkeit ebenfalls ein kleiner Eichmann. Ich selbst wäre vielleicht auch ein kleiner Eichmann geworden, hätte ich nicht im Sommer 1978 am Seminar „Abweichendes Verhalten und Labelling Approach“ bei Herrn Prof. (em.) Helmut Marquardt an der Universität Bonn teilgenommen. – Ohne diesen Hintergrund hätte ich 1991 in der Kreisverwaltung Rügen womöglich mit dem Stempel „sachlich und rechnerisch richtig“ und meiner Unterschrift als „getreuer Diener der Obrigkeit“ Schaden gestiftet: Der damalige Landrat des Kreises Rügen hatte von mir „erwartet“, zwei Kostenrechnungen eines Hamburger Rechtsanwalts über je DM 55.000,– „geräuschlos“ zu „bearbeiten“.

Ich weigerte mich, der „Bitte“ nachzukommen, machte mich auf die Suche nach den Akten und fand mich mitten in einem 4,4-Millionen DM schweren Schwindel wieder. Damit wurde ich für die Politik im Wahlkreis der gegenwärtigen CDU-Vorsitzenden so unbequem wie Milgram für die Weltpolitik.

Das Ergebnis des Milgram-Experiments mag unbequem sein, aber es darf nicht vergessen werden, dass die Bereitschaft zum Gehorsam gegenüber Inhabern sozialer Dominanzstellungen die Grundlage jeder Gesetzgebung darstellt. Kein Gesetz dieser Welt würde beachtet, wenn die Mehrzahl der Menschen nicht dazu bereit wären, es kritiklos zu befolgen. Allerdings zeigte Milgram auch die Grenzen der Möglichkeiten des „Gesetzgebers“ auf. Es ist nicht möglich, durch Gesetz ein den menschlichen Grundbedürfnissen entsprechendes Verhalten aus der Welt zu schaffen und gesellschaftliche Probleme durch Verbote zu lösen. Die Erwartung, daß alle dem Verbot Folge leisten werden, wird sich immer als Illusion erweisen. Es ist nämlich damit zu rechnen, daß mindestens 37% der vom Gesetz Betroffenen dieses einfach ignorieren werden.

Nicht nur Gehorsam, sondern auch Ungehorsam sind also genetisch determiniert. Deswegen ist jede Ideologie, deren Vertreter Macht erlangen, in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gezwungen, im Laufe der Zeit immer mehr Zwang und Gewalt anzuwenden. Das System wird zunehmend Energie verzehren, bis es am Ende unter Turbulenzerscheinungen zusammenfällt. – So geschah es zuletzt mit dem „real existierenden Sozialismus“. Die verfallenen Städte des ehemaligen Ostblocks sind ein weithin sichtbares Zeichen dafür, dass die gesamte Energie in die Aufrechterhaltung des Zwangssystems geflossen war.

Die Mehrheit von uns ist zwar zum Kadavergehorsam fähig, aber nicht für alle Zeit bereit, wie der 20. Juli 1944 und der Aufstand im Warschauer Ghetto zeigen. Das entspricht dem Prinzip des geringsten Zwangs, wonach ein System, auf das ein Zwang ausgeübt wird, dem Zwang ausweicht. Kann es nicht ausweichen, erzeugt es Gegendruck.

Das Unverständnis des gegenwärtig herrschenden Weltbilds gegenüber der menschlichen Natur läßt sich anhand der Prohibition in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts gut verfolgen. Man hatte ein Gesetz erlassen, das den Amerikanern den Alkoholgenuss untersagte. Die geringe Akzeptanz des Gesetzes durch die Bevölkerung erforderte einen verstärkten Einsatz staatlicher Macht zu seiner Durchsetzung. Auf der anderen Seite waren die Anbieter der teuflischen Getränke; an deren Spitze waren wiederum die zu finden, die sich einen Teufel um Gesetze scherten. Es dauerte nur wenige Jahre, und das ganze Wechselspiel brachte das Sozialsystem der Gesetzlosen hervor, das heute noch als organisierte Kriminalität mit dem Sozialsystem „Staat“ rivalisiert. Mitglieder krimineller Organisationen befolgen keine staatlichen Gesetze. Sie gehorchen den Regeln ihrer Organisation und folgen den Anweisungen ihres Gangsterbosses. Am Ende wurden die USA von gravierenden wirtschaftlichen und politischen Instabilitäten heimgesucht. Auf die Prohibition folgte die „große Depression“.

Noch heute rivalisieren in aller Welt organisierte Kriminalität und staatliche Gewalt um Macht und Einfluss. – Beide Systeme sind offensichtlich zwei Seiten derselben Medaille. Immerhin beruhen beide Systeme auf dem Prinzip von Befehl und Gehorsam. Die staatliche Gewalt geht freilich weiter: Sie verlangt auch von Nichtangehörigen des Systems unbedingten Gehorsam gegenüber den „Gesetzen“ und Anordnungen des „Staates“.“

Die „Autorität“ der sogenannten staatlichen Gewalt geht auch ohne entsprechenden Fahneneid „bis in den Tod“. Die Bilder von nackten Menschen, die sich anläßlich ihrer eigenen Erschießung in Reih und Glied aufstellten, gelten heute noch als Zeugnis von der Unmenschlichkeit des nationalsozialistischen Regimes. Der „Gehorsamstrieb“ des Menschen ist offensichtlich stärker als der sogenannte „Selbsterhaltungstrieb“. Das ist auch kein Wunder, denn über Jahrmillionen hinweg konnten die Menschen ihren Hordenführern das gleiche Vertrauen entgegenbringen wie Stuten gegenüber ihrer Leitstute und Elefantenkühe gegenüber ihrer Leitkuh. Sie konnten sicher sein, daß dieses Vertrauen nicht mißbraucht wurde.

Milgram hat aufgezeigt, wie weit Menschen gehen können, wenn man ihnen den Befehl erteilt, andere zu schädigen. Ein entsprechendes wissenschaftliches Experiment, wie weit Menschen gehen, wenn man ihnen befiehlt, sich töten zu lassen, fehlt. – Es bedarf dieses Experiments nicht, denn die unfreiwilligen „Feldversuche“ zeigen überdeutlich, daß der Mensch auch im Angesicht des Todes Gehorsam leistet.

So ungern man es hören mag, aber in diesen Fällen verhalten sich Menschen nicht anders als Kavalleriepferde. Pferde rennen normalerweise von einer Gefahrenquelle davon. Kavalleriepferde rennen jedoch im gestreckten Galopp schnurstracks in den Untergang.

Wer über dieses Phänomen nicht ins Grübeln kommt und meint, das sei alles so in Ordnung, dem ist nicht zu helfen. In Zukunft darf er sich aber nicht beschweren und empören, wenn die Medien erneut über „Abschlachtungsorgien“ in dieser Welt berichten.

Ohne den „Gehorsamstrieb“ hätte es zu keiner Zeit irgendwelche „Lager“ gegeben, denn gerade das Leben in Konzentrations-, Gefangenen- und Internierungslagern basiert auf dem Prinzip von Befehl und Gehorsam. – Gehorsam bis in den Tod: Stillhalten, wenn das Beil fällt. Über diesen Sachverhalt müssen wir uns klar werden und ihn stets vergegenwärtigen.

Damit kommen wir der Beantwortung der Frage, die die Opfer der 60. Jahrestage stellen, freilich nur wenig näher: Sie starben, weil ihnen befohlen worden war, andere Menschen zu töten.

Aus ihrem Verhalten, nämlich dem Kampf, ergibt sich die andere Frage:

Warum setzten Menschen ihr Leben aufs Spiel?

Antwort: Im Gegensatz zum Krieg ist der Tatbestand der Selbstgefährdung, den wir im Alltagsleben als „Abenteuerlust“ bezeichnen, tatsächlich so alt wie die Menschheit:

Vor fünf Mio. Jahren erlebten unsere Vorfahren eine Art Klimakatastrophe.

Mit der Öffnung des ostafrikanischen Grabensystems wurde Ostafrika von der westafrikanischen Regenwaldzone gewissermaßen „abgekoppelt“ und trocknete aus.

Der Lebensraum für waldbewohnende Affen schrumpfte im Laufe der Zeit dramatisch.

Es vollzog sich der Übergang vom Regenwald zur Savannenlandschaft. Dies aber nicht ruckartig, sondern allmählich. Junge Bäume konnten mangels Wasser nicht mehr nachwachsen, die alten starben nach und nach ab.

In den dadurch freiwerdenden Lebensraum sickerten zunächst Pflanzen ein, denen Pflanzenfresser folgten. Diese wiederum lockten nach und nach die Fleischfresser an. – Die Natur folgte auch hier dem immer gleich bleibenden Muster der Besiedlung.

Unsere nächsten Verwandten im Tierreich sind Schimpansen und Bonobos. Weder Schimpansen noch Bonobos sind „Nahrungsspezialisten“, wir sind es auch nicht. Unsere gemeinsamen Vorfahren konnten es daher ebenfalls nicht gewesen sein.

Die frühen Australopithecinen mußten daher in der Lage gewesen sein, ihr Futter auch im offenen Gelände zu suchen. In den frühen Savannentagen, als es dort erst wenige andere Pflanzenfresser gab, war auch die Gefährdung durch die ihnen folgenden Raubtiere sehr gering.

Australopithecus war in der Savanne schon längst beheimatet, als Elefanten, Huftiere und deren Jäger aus Asien allmählich in die Savannenlandschaft einsickerten.

Freilich steht dem Nahrungserwerb eines Waldbewohners in der Savanne auch dann ein nicht zu unterschätzender Widerstand entgegen, wenn kein Jäger da ist. Dieser ist im Organismus selbst zu finden und heißt Angst. Angst ist eine körperliche Reaktion auf tatsächliche oder vermeintliche Gefahren. Sie setzt vor allem Adrenalin frei, das Hormon, das den Organismus auf die Reaktionen Kampf oder Flucht vorbereitet

Alle bekannten Wirbeltiere erleben ungewohnte Situationen als Bedrohung; das ist sinnvoll, weil Unbekanntes lebensgefährlich sein kann.

Diese Schwelle galt es für unsere Vorfahren zu überwinden, wenn sie den Wald und damit ihre gewohnte Umgebung verlassen wollten.

Nun gibt es innerhalb jeder Art Individuen, die ängstlicher sind als der Durchschnitt, aber auch Vertreter, die sich vom Durchschnitt durch mehr Mut unterscheiden. An diesem Ende des Spektrums sind diejenigen unserer Vorfahren zu finden, die sich als erste in das offene Gelände vorwagten. Sie stießen bei der Nahrungssuche zunächst einmal auf wenig Konkurrenz und ein niedriges Gefährdungspotential. Nach und nach, wohl über Generationen hinweg, zogen die ängstlicheren Vertreter der Art nach.

Wer aber gilt als der mutigste Artgenosse? – Wahrscheinlich der, der die Gefahrensituation als lustvoll erlebt. Das Lusterlebnis als Gegenspieler der Angst. In einem „intakten“ Ökosystem, in dem das Zusammenspiel von Fressen und Gefressenwerden eingependelt ist, bedeutet Lustgewinn durch Angst den frühen Tod. – Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.

Nicht so unsere Vorfahren. Sie trafen bei ihren Ausflügen unter den freien Himmel nur wenig reale Gefahren für Leib und Leben an.

Das muß so gewesen sein, denn die Lust an der Gefahr hat sich bis zum heutigen Tage in unserem Erbgut erhalten. Das können Sie beim Zappen durch die Sender leicht feststellen. Actionfilm hier, Kriegsfilm da, auf Kanal drei und fünf je ein Western; nach dem nächsten Werbeblock folgt dann ein Horrorfilm.- Allen gemeinsam ist, daß sie Bedrohung und die Gefahr für Leib und Leben des Protagonisten zum Thema haben. Von Homer bis Hitchcock finden Sie über die Jahrtausende hinweg kontinuierlich die Schilderung von Gefahrensituationen in den Bestsellerlisten. Aber nicht nur Filmindustrie und Verlage verdienen gut am Spaß mit dem Schrecken. Kein Jahrmarkt ohne Achterbahn, und die Geisterbahn darf auch nicht fehlen. Der zivilisierte Mensch gibt sehr viel Geld dafür aus, Angst lustvoll erleben zu dürfen.

Auch in der alltäglichen Realität ist Selbstgefährdung gang und gäbe. Bergsteigen und Skirennen, Fallschirmspringen und Bungeejumping. Diese Aufzählung ist keineswegs vollständig, es sind nur Beispiele für all die Situationen, in denen sich Menschen bewußt einer Gefahr aussetzen. Ohne diese Neigung wäre die Menschheit allerdings keinen Schritt weiter als vor etwa 5 Mio. Jahren, denn das lustvolle Erleben der Gefahr ist ein konstituierendes Element dessen, das wir gemeinhin als Pioniergeist bezeichnen. Expeditionen in unbekannte Gegenden gelten auch heute noch als das Erstrebenswerteste auf Erden. Auch hier ist es wieder einmal das biologische Erbe, das Geistesinhalten Gestalt verleiht.

Zum Leidwesen vieler gehört hierher aber auch das Rasen über Autobahn und Landstraße. Das lustvolle Erleben der Gefahr ist stärker als alle Vernunft. – Auch die härtesten Strafen werden das Phänomen nicht aus der Welt schaffen können, dafür ist es viel zu tief in uns verwurzelt. Die Kehrseite dieser Medaille sind Polizisten und Feuerwehrmänner, die im Rahmen ihres Dienstes zum Schutze anderer bewußt ihr Leben aufs Spiel setzen.

Die bewußte Selbstgefährdung ist das zweite Verhaltensmuster, auf das die Mächtigen der Welt zurückgreifen können, um ihre persönlichen Animositäten durch andere ausbaden zu lassen.

Das dritte Verhaltensmuster, das mit den Gehorsam und Selbstgefährdung im „Kriegszustand“ unheilvoll wechselwirkt, ist ausgerechnet das Verhalten, das in „Friedenszeiten“ Grundlage dessen ist, was man gemeinhin „Wirtschaft“ nennt:

Der Mensch ist als Organismus ein Untersystem der Evolution. Damit ist er Ausgangspunkt eines weiteren Subsystems des evolutionären Prozesses, nämlich Ausgangspunkt der Ökonomie.

Grundlage aller Ökonomie ist das reziproke Verhalten des Menschen. Durch dieses wird er tagtäglich in eine Vielzahl von Austauschverhältnissen verwickelt:

Jeder Mensch hat Bedürfnisse nach Gegenständen oder Arbeitsleistungen irgendwelcher Art, die er entweder nicht hat oder selbst nicht leisten kann. Dieses Phänomen kann ohne weiteres als Energiemangel gesehen werden.

Jeder Mensch verfügt über Dinge oder Fähigkeiten, die er zum Tausch anbieten kann. Es findet sich also hier ein Energieüberschuss.

Kommen Mangel und Überschuss in geeigneten thermischen Kontakt, kommt es zu einem Energieaustausch. Im Rahmen reziproken Verhaltens erwartet jeder Mensch für das von ihm Gegebene ein ungefähres Energieäquivalent. Bekommt er es nicht, nimmt er es als Ungerechtigkeit wahr.

Tauschgeschäfte sind mühselig, denn die Suche nach einem geeigneten Tauschpartner kann vielfach erfolglos sein. Im Laufe der Evolution entstand daher ein für alle Beteiligten akzeptables Tauschmittel, nämlich das Geld. Geld ist ein Energieäquivalent, denn es läßt sich im allgemeinen problemlos in „Nahrung“ umsetzen . Der „Energiebetrag“ eines Geldscheins bestimmt sich in diesem Zusammenhang ausschließlich im Hier und Jetzt: wieviel Nahrung kann ich hier und heute im Austausch gegen den Geldschein bekommen.

Das Grundmuster für die Ökonomie ist der gegenseitige Vertrag. Der gegenseitige Vertrag wird in der Juristensprache als Synallagma bezeichnet. Er wird zunächst durch Vereinbarung begründet und erlischt dann wieder durch Vertragserfüllung. Einfachstes Beispiel ist der tägliche Gang zum Bäcker: „Zwei Brötchen, bitte.“ – „neunzig Pfennig.“ – „Ich hab’s leider nicht kleiner.“ – „Neun Mark zehn zurück, vielen Dank.“ Der Austausch von Leistungen durch Vertrag entspricht dem symbiotischen Prinzip in der Natur. Der Begriff „Vertrag“ hat viel mit „vertragen“ zu tun. Mit gnadenloser „Konkurrenz“ und dem „Kampf ums Dasein“ nur sehr wenig. Und das hat seinen Grund im symbiotischen Prinzip.

Der eine gibt etwas, das er hat, aber nicht benötigt, und das der andere nicht hat. Dafür gibt der andere etwas, das er hat, aber nicht benötigt, und das der eine dringend braucht. – Das klingt etwas kompliziert, ist es aber nicht,

Auch der Vertrag ist ein Muster dieser Welt, das gebildet und wieder aufgelöst wird.. In diesem Zusammenhang bildet der einzelne Mensch die Grundeinheit der Ökonomie und entspricht damit der Zelle.

Die Menge aller Menschen bilden damit den ökonomischen Mikrokosmos. Daraus entstehen die Unternehmen, die ebenfalls auftauchen und wieder verschwinden. Sie sind wirtschaftliche Organismen, die durch Austauschverhältnisse am Leben erhalten werden. Ein Unternehmen ohne Lieferanten, Arbeitskraft oder Klientel stirbt ab, nur dass man im ökonomischen Bereich von „Insolvenz“ spricht. Tritt eine Neuerung auf oder ergibt sich eine „Marktlücke“, (Blindgängereffekt) setzt explosives Wachstum ein. Auch in der Wirtschaft wird ungezügeltes Wachstum entweder durch negative Rückkopplungsschleifen abgebremst oder es mündet ins Chaos, der Fortbestand von Unternehmen ist nicht mehr gewährleistet. Das jämmerliche Scheitern der sogenannten „new economy“, für die ungebremstes Wachstum Verkaufsargument war, ist mahnendes Beispiel.

Die Gesetze der Evolution gelten also auch für die etwas geisterhaft erscheinenden ökonomischen Organismen. Sie beruhen auf einem Verhaltensmuster, das über Jahrmillionen die Versorgung aller Menschen mit ausreichender Nahrung sicherstellte, eben dem reziproken Verhalten.

Die gegenwärtigen Verzerrungen der Ökonomie, die sich in der Verteilung von arm und reich, aber auch im Verhältnis des Menschen zu seinen Mitgeschöpfen niederschlagen, ändern an dem oben erwähnten Grundsatz nichts. Gerade sie sind es, welche die verheerenden wirtschaftlichen und sozialen Turbulenzen (Kriege) der vergangenen zwei Jahrhunderte hervorgerufen haben.

Dieses Verhalten, das die klassische Humanethologie als „reziproken Altruismus“ (gegenseitige Uneigennützigkeit) bezeichnet, wird vom Institut für experimentelle Wirtschaftswissenschaft der Universität Zürich einfach als „reziprokes Verhalten“ klassifiziert. Und man höre und staune, die statistischen Werte entsprechen in verblüffender Weise denen des Milgram-Experiments. Rund 63% der untersuchten Probanden neigen zu reziprokem Verhalten.

Nur da, wo es um das Ergattern von Waren geht, ist der Mensch geneigt, sich der klassischen Wirtschaftstheorie entsprechend zu verhalten: Da ist Geiz eben geil, weil die „Schnäppchenjagd“ eben eine echte Jagd ist. Wenn es um Dienstleistungen geht, verhält sich die überwältigende Mehrheit der Menschen aber anders, dann ist fairer Lohn für faire Arbeit angesagt. (vgl. Armin Falk, Homo Oeconomicus Versus Homo Reciprocans: Ansätze für ein neues Wirtschaftspolitisches Leitbild? Working Paper No. 79 – Institute for Empirical Research in Economics, University of Zurich, 2001).

Reziprokes Verhalten geht aber wesentlich weiter als der „reziproke Altruismus“ der klassischen Ethologie. Es hat auch seine negativen Seiten, nämlich Rache und Vergeltung. Und genau da liegt der Hund begraben. Bereits ein überschlägiger Blick in die Kulturgeschichte und eine überschlägige Betrachtung der gegenwärtigen Weltkarte zeigt, daß in den Kulturen, in denen menschliche Arbeitskraft mit Geringschätzung betrachtet wird, die Strafen exorbitant hoch sind.

Die Mächtigen in diesen Kulturen lenkten und lenken den Tausch-und-Teile-Instinkt auf das Verhängen sozialer Sanktionen für soziales Fehlverhalten einfach um. Dort darf sich dieser Instinkt, das menschliche Bedürfnis nach reziprokem Verhalten dann regelrecht „austoben“.

Im Sinne des Schöpfers ist das gewiß nicht. Nicht nur im Sport, sondern auch in allen anderen Lebensbereichen ist Unfairness nicht im Sinne des Schöpfers. In der denkbar schlimmsten Weise darf sich der „Tausch-und Teile“-Instinkt in der Schlacht austoben. Natürlicherweise fordert der Instinkt für den gefallenen Kameraden die allfällige „Vergeltung“. Für die Lücken, die er in die eigenen Reihen gerissen hat, will man es dem Feind „heimzahlen“.

Die Vergeltung kann sogar zu einer Art „Rauschzustand“ führen und süchtig machen. Die Forschungsgruppe um Dominique der Quervain, ebenfalls beheimatet an der Universität Zürich, hat nämlich festgestellt, daß beim Strafen das „Belohnungszentrum“ im Gehirn besonders aktiv ist. Das „Belohnungszentrum“ ist im „Zivilleben“ bei den sogenannten „Suchterkrankungen“ auch immer mit im Spiel. Diese Erkenntnisse verschlimmern das militärische Dilemma, in dem sich die Menschheit befindet, natürlich noch.

V 1 und V 2 waren ebenso Kinder des Tausch- und Teile-Instinkts wie die tagtägliche Vergeltung der israelischen Armee in ihrer Auseinandersetzung mit den Palästinensern.

Bei all den grausigen Szenarien, die dadurch im Laufe der Geschichte erzeugt wurden, gibt es Lichtblicke, die zeigen, daß Soldaten es „nicht böse meinen“. Im zweiten Weltkrieg war der Monte Cassino einer der am heftigsten umkämpften Punkte. Gerade in dieser erbitterten Schlacht kam es immer wieder zu Begegnungen zwischen den „verfeindeten“ Soldaten. In den Kampfpausen, in denen diese „nichtmilitärischen“ Begegnungen stattfanden, tauschte man Zigaretten.

Ähnliche Szenen sind von anderen Kriegsschauplätzen der Weltgeschichte ebenfalls verbürgt. Menschen lassen sich am Tauschen und Teilen eben nicht hindern.

Der Austausch von Zigaretten ist, das darf ich wohl hier festhalten, sinnvoller als der Austausch von Artilleriesalven.

Unfairness ist, ich sagte es bereits, nicht im Sinne des Schöpfers. Der wohl denkbar eklatanteste Fall der Unfairness ist aber wohl der, andere Leute für wenig Geld (Sold!) den Kopf hinhalten zu lassen. Solch ein Verhalten kann mit Fug und Recht als „ein nach allgemeiner sittlicher Anschauung als verachtenswert und auf tiefster Stufe stehend angesehen werden.“

Damit ist übrigens das Kriterium erfüllt, das nach den Gepflogenheiten deutscher Rechtsprechung die vorsätzliche Tötung eines Menschen zum Mord aus niedrigen Beweggründen werden läßt.

Deswegen entführe ich Sie an dieser Stelle kurz in die Vorstellungswelt der Juristen. Für Krimiautoren ist Mord Mord, für den Juristen ist der Begriff „Mord“ jedoch streng umgrenzt und in § 211 des Strafgesetzbuches niedergelegt:

Absatz 1.) Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.

Absatz 2.) Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst niedrigen Beweggründen,

heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.

Wer aber tötet einen Menschen im Sinne des Gesetzes? – Die Beantwortung dieser Frage ist für einen Juristen nicht schwer. Ein Mensch tötet einen anderen, wenn er dessen Tod verursacht. Dabei, so lernt es jeder Jurastudent auf der Universität, ist eine Handlung für den Tod ursächlich, wenn sie „nicht hinweggedacht werden kann, ohne daß der Tod des anderen entfiele“.

Nehmen wir den Fall des „Soldaten James Ryan“, einem Mann der ersten Stunde des „längsten Tages“. Nehmen wir ferner an, er wäre am Strand der Normandie von einer Granate in Stücke gerissen worden.

Kann der ihm erteilte Marschbefehl „hinweggedacht werden, ohne daß der Tod des Soldaten James Ryan entfiele“? – Nein! – Denn ohne Marschbefehl wäre der Soldat James Ryan nicht in die konkrete Lebensgefahr geraten, die sich am Ende mit seinem Tod realisierte. Der Marschbefehl ist also Ursache für den Tod des Soldaten James Ryan.

Wegen Mordes zur Verantwortung kann freilich nur derjenige zur Verantwortung gezogen werden, der vorsätzlich handelt. Entgegen der landläufigen Meinung, in der immer wieder vom „vorsätzlichen Mord“ die Rede ist, gibt es bei den Juristen keinen „fahrlässigen“ oder „unvorsätzlichen“ Mord. Die Juristen kennen verschiedene, abgestufte Formen des Vorsatzes, wobei alle von einer Grunddefinition abgeleitet sind:

Vorsatz ist definiert als die bewußte und gewollte Verwirklichung des gesetzlichen Tatbestandes. Im Rahmen dieser Begriffsbestimmung setzen die Juristen nicht unbedingt eine exakte Gesetzeskenntnis voraus, sondern begnügen sich mitunter mit der sogenannten „Parallelwertung in der Laiensphäre“

Jeder weiß, daß er andere nicht einfach umbringen darf, vor allem nicht aus einem geradezu nichtigen Anlaß heraus. Wenn ein Mensch, der keiner Fliege etwas zuleide getan hat, an einer Bushaltestelle zu Tode getreten wird, ruft das zu Recht Empörung hervor. Man tut so etwas nicht, und das leuchtet jedem unmittelbar ein. In den Augen der Mitmenschen, die von einem derartigen Vorfall erfahren, ist das Verhalten des oder der Täter verabscheuungswürdig. – So etwa sieht die „Parallelwertung in der Laiensphäre“ aus.

Der Soldat James Ryan stand am 6.6.1944 an der Bushaltestelle, nur war er dort nicht freiwillig, er wurde dorthin beordert. Und die, die ihn dorthin beorderten, wußten, daß er dort auf Menschen treffen würde, die ihm nach dem Leben trachteten.

Bis hart an der Grenze zur fahrlässigen Tötung reicht die Form des „bedingten Vorsatzes“. Die Juristen sagen, jemand handele mit bedingtem Vorsatz, wenn er den Taterfolg, hier den Tod eines anderen, als sicher eintretend oder möglich voraussieht und billigend in Kauf nimmt. Bedingter Vorsatz ist also schon dann gegeben, wenn der Täter die Möglichkeit des Taterfolgs erkennt und diese billigend in Kauf nimmt.

Wer Soldaten in einen Kampfeinsatz schickt, weiß positiv, daß sich die Wege von Soldaten und Gewehrkugeln dort kreuzen. Den Gewehrkugeln macht das nichts aus, den Soldaten schon.

Nun könnte man freilich einwenden, daß der Unterzeichner des Marschbefehls den konkreten Tod des Soldaten James Ryan nicht habe voraussehen können.

Dieser Einwand ist juristisch irrelevant, denn auch der klassische „Bombenleger“ wird zur Verantwortung gezogen, denn wer Bomben legt, dem ist es schließlich egal, wen es trifft. Die Identität des Opfers spielt in diesem Falle keine Rolle. Das ist auch der Grund, weshalb die beiden Männer, die in Köln die Kofferbomben zur Bahn gebracht hatten, demnächst wegen versuchten Mordes vor Gericht stehen werden.

Somit kann sich der Unterzeichner des Marschbefehls für den Soldaten James Ryan nicht damit herausreden, er habe dessen Tod nicht voraussehen können. Den Tod des Soldaten James Ryan hat er vorsätzlich herbeigeführt.

Wegen Mordes kann freilich nur der bestraft werden, der rechtswidrig getötet hat. Sollte sich ein Rechtfertigungsgrund für die Tötung finden, hätte das die Straflosigkeit der Tötungshandlung zur Folge. Die Voraussetzungen der Notwehr und des rechtfertigenden Notstands sind viel zu eng, als daß sie hier auch nur annähernd in Frage kämen.

Man könnte hier noch über einen allgemeinen übergesetzlichen Rechtfertigungsgrund des „Krieges an sich“ sinnieren, der es erlaubt, andere für sich bluten zu lassen. Man könnte auch an eine „demokratische Legitimation“ denken, die es einer „Staatsführung“ gestatten würde, andere in den Tod zu schicken. Indes, gerade eine solche „demokratische Legitimation“ kann und wird es nicht geben. Sie scheitert an einem der grundlegensten Rechtsgrundsätze, die es überhaupt gibt:

Nemo plus ius transferre potest quam ipse habet.

Niemand kann mehr Recht übertragen, als er selbst hat. Der Einzelne hat keine Lizenz, seine Mitmenschen wahllos umzubringen, folglich kann er dieses „Recht“ auch nicht im Wege der „Wahl“ oder der „Volksabstimmung“ auf das, was sich „Staat“ oder „Regierung“ nennt, übertragen. Mithin besteht keine Möglichkeit, den Tod des Soldaten James Ryan als „gerechtfertigt“ anzusehen. Der Marschbefehl in den Tod kann nicht gerechtfertigt werden. Der Tod des Soldaten James Ryan wurde rechtswidrig herbeigeführt.

Halten wir als Zwischenergebnis fest, daß es für die Tötung von Soldaten per Marschbefehl unter keinem Gesichtspunkt jemals eine Rechtfertigung wird geben können.

Bleibt am Ende nur noch zu fragen, ob der Unterzeichner des Marschbefehls den Tod des Soldaten James Ryan auch verschuldet hat.

Das Rechtssystem kennt diverse Entschuldigungsgründe. Der bekannteste Schuldausschließungsgrund ist der sogenannte „Jagdschein“, früher „Paragraph einundfuffzig“, seit der Strafrechtsreform 1977 wird der „Jagdschein“ durch den § 20 StGB repräsentiert.

Mit der Strafrechtsreform 1977 wurde die „Unzurechnungsfähigkeit“ zwar in „Zurechungsunfähigkeit“ umgetauft, in der Sache änderte sich freilich nichts.

Ob die „Staats- und Regierungschefs“ dieser Welt, ob die Angehörigen der Gremien, die über Krieg und Frieden befinden, zurechnungsunfähig sind, vermag ich nicht zu entscheiden. Darüber müßte in jedem Einzelfall ein psychiatrischer Gutachter befinden. Das Gesetz jedenfalls unterstellt einem erwachsenen Menschen grundsätzlich die Schuldfähigkeit für die von ihm begangenen Unrechtshandlungen. Deswegen ist davon auszugehen, daß auch der Unterzeichner des Marschbefehls für den Soldaten James Ryan im „Vollbesitz seiner geistigen Kräfte“ war.

Auch ein Irrtum über die Grundlagen der Strafbarkeit kann im Einzelfall zu einer Entschuldigung der Tat führen. Wir brauchen uns allerdings an dieser Stelle mit diesem sehr weitläufigen Thema nicht zu befassen. Es dürfte zu weit führen, den Menschen, die sich an der Spitze staatlicher Hierarchie befinden, auch nur annähernd den Weg eines schuldausschließenden Irrtums zu eröffnen. Immerhin sind es die Menschen, die dem „gemeinen Volk“ die Gesetze vorschreiben, die von den Juristen gegen das Volk verwendet werden. Mitglieder der „gesetzgebenden Körperschaft“ und der „Regierung“ müssen mehr als die „Normalbürger“ die Normen beachten, die sie selbst setzen. Es müssen bei ihnen noch umfassendere Rechtskenntnisse vorausgesetzt werden als bei den Richtern an den obersten Gerichtshöfen. Ein Irrtum über die Grundlagen der Strafbarkeit des eigenen Handelns ist damit von vornherein für diesen Personenkreis auszuschließen.

Für den Tod des Soldaten Janmes Ryan gibt es mithin keine Entschuldigung.

Der Soldat James Ryan wurde, das muß hier klar festgehalten werden, aus niedrigen Beweggründen ermordet.

Mit ihm wurden denn alle die Männer, die ihr Leben an den Stränden der Normandie ließen, durch ihre eigenen Befehlshaber ermordet. Der Jurist würde die deutschen Soldaten, deren Waffen sie unmittelbar in den Tod geschickt hatten, als „absichtslos doloses Werkzeug“ einstufen. Dieser Terminus besagt, daß die deutschen Soldaten zwar in Tötungsabsicht auf den Soldaten James Ryan geschossen hatten, dabei aber die Motive des Unterzeichners seines Marschbefehls nicht teilten. Ohne den hier in rede stehenden Marschbefehl hätten sie nicht einmal mit dem Gedanken gespielt, auf den Soldaten James Ryan zu schießen.

Soldaten werden im allgemeinen dazu angehalten, neben ihrer „Standardwaffe“ auch Sprengmittel zu benutzen. Diese gelten im Rahmen des § 211 StGB als „gemeingefährliches Mittel.“ Die Verwendung eines „gemeingefährlichen Mittels“ macht nach deutschem Recht einen an sich simplen Totschlag zum Mord. Die üblicherweise angewandten „militärischen Mittel“ machen jeden, der ihre Anwendung befiehlt oder bei der Tötungshandlung durch ein absichtslos doloses Werkzeug voraussieht, zum Mörder.

Der von einer Granate zerfetze Soldat James Ryan wurde also aus niedrigen Beweggründen und mit einem gemeingefährlichen Mittel ermordet.

Zwei Mordmerkmale sind ohne vernünftigen Zweifel erfüllt, dennoch wurde der Unterzeichner des Marschbefehls für den Tod des Soldaten James Ryan niemals vor den Kadi gezerrt.

Denken Sie bitte daran, der „Soldat James Ryan“ steht hier für alle alliierten Soldaten, die am 6.6.1944 in der Normandie in den Tod geschickt wurden.

Auch wenn Churchill, Roosevelt und De Gaulle nie wegen Mordes an ihren eigenen Leuten angeklagt wurden, ist die Ironie des Schicksals unverkennbar und, ich gebe es zu, amüsant: Diejenigen, die den nationalsozialistischen „Ungeist“ mit Stumpf und Stiel aus der Welt schaffen wollten, müssen heute aus der Hölle heraus beobachten, wie sie an den Maßstäben des „Ungeistes“ gemessen werden. Die heute noch gültige Fassung des Mordparagraphen wurde nämlich während der „Nazi-Herrschaft” ins Strafgesetzbuch geschrieben.

Bei allen „Westalliierten“ war im Juni 1944 der Mord ein todeswürdiges Verbrechen. Somit wären die Herren Roosevelt, Churchill und de Gaulle im „Zivilleben“ für das, was sie getan haben, als „Massenmörder“ unter dem Jubel des Volkes auf dem Schafott gelandet. (Bei den letzten öffentlichen Hinrichtungen in den USA und Frankreich kletterten die Zuschauer sogar auf Laternenpfähle)

Sie haben das Schicksal der Männer des 20. Juli 1944 nur deshalb nicht geteilt, weil sie genau die sozialen Dominanzpositionen innehatten, die im „Deutschen Reich“ dem „Führer des deutschen Reiches und Volkes“ vorbehalten war: die unangefochtene Befugnis zur Entscheidung über Leben und Tod.

Ich höre förmlich den Protest, den diese Behauptung bezüglich der „Westalliierten“ hervorruft, aber ich kann und werde die Bewertung der Handlungen anhand der Maßstäbe des „Zivillebens“ nicht ändern. Mord muß Mord bleiben und als solcher benannt werden dürfen, selbst wenn er Bestandteil einer wie auch immer gearteten „Staatsdoktrin“ sein sollte:

D-Day, er wird als der Tag gefeiert, an dem die „Befreiung“ Europas von der Herrschaft des „nationalsozialistischen“ Terrors seinen Anfang nahm. Ganz bewußt habe ich den Begriff des nationalsozialistischen Terrors mit den Anführungszeichen als „nationalsozialistischen“ Terror gekennzeichnet und nicht als „nationalsozialistischen Terror“. Wir müssen nämlich folgendes festhalten:

Auf dem „alten Kontinent“ hatte sich, was in Geschichtsschreibung und veröffentlichter Meinung ganz offensichtlich bewußt verschlabbert wurde und wird, lange vor Hitler der an Robespierre orientierte „Terreur“ breitgemacht. Der aber war nicht nationalsozialistisch, der Robespierreismus des frühen 20. Jahrhunderts segelte unter roter Flagge:

Hitler kennt jedes Kind, die Opfer seiner „Gewaltherrschaft“ werden jedes Jahr beschworen. Lenin gilt als der Revolutionär des 20. Jahrhunderts. Auch Stalin wird nicht nur in Rußland als „großer Staatsmann“ und „Befreier“ nach wie vor gefeiert.

Um Mao Tse-Tung ist es still geworden, aber niemand von denen, die mir vor mehr als dreißig Jahren die „Mao-Bibel“ vor die Nase hielten, würde heute zugeben, einem der größten Menschenschlächter der Weltgeschichte nachgerannt zu sein.

Politische Macht kommt aus den Läufen des Gewehre“, sagt Mao. – Fragen Sie mich bitte nicht nach der Fundstelle.

Die Nationalsozialisten haben den Begriff geprägt, aber das Phänomen nicht erfunden: „Vernichtung durch Arbeit“. Den „Führern“ der kommunistischen Weltrevolution war der Begriff „Vernichtung durch Arbeit“ ebenso vertraut wie dem „Führer“. Sie haben sich nur gescheut, das Kind beim Namen zu nennen. Man nennt das Kind eben nicht beim Namen, daran hat sich seit Jahrtausenden hat nichts geändert. Gegen diesen Grundsatz der Politik haben eigentlich nur die Nationsozialisten verstoßen. Vielleicht nur deshalb, weil der „Führer“ zu einfältig war, die Grenzen de „political correctness“ zu erkennen und einzuhalten. Im Gegensatz zu ihren „roten“ Brüdern waren die Nazis geradezu herzerfrischend offen im sprachlichen Umgang mit dem Terror, den sie veranstalteten.

Vernichtung durch Arbeit“, das war schon im alten Rom an der Tagesordnung. Unliebsame Zeitgenossen schickte man „ad metalla“ oder auf die Galeeren. Die Bleibergwerke waren ebenso „Vernichtung durch Arbeit“ wie die Galeeren.

Die Galeere blieb in vielen Teilen Europas bis in die Neuzeit hinein die Domäne der „Vernichtung durch Arbeit“. Galeeren waren schließlich keine Handels- sondern Kriegsschiffe.

Auf der Galeere treffen wir den Geist des Soldaten James Ryan wieder.

Es wird in der Geschichtsschreibung gern übersehen, daß die Galeeren als Kriegsschiffe noch andere Besatzungsmitglieder hatten, nämlich die Soldaten. Betrachtet man die Besatzung einer Galeere näher, so erscheinen alle Besatzungsmitglieder in irgendeiner Weise als „Arbeitnehmer“, die ihrer „Vernichtung durch Arbeit“ entgegensehen.

Seit der Herresreform des Marius waren die Legionäre Roms „Arbeitnehmer“. Nicht nur im Teutoburger Wald starben sie zu Tausenden an ihrem Arbeitsplatz. „Arbeitnehmer“ blieben Legionäre und Söldner bis zum Unabhängigkeitskrieg der USA. Die französischen Revolution, die zunächst auf Freiwillige setzte, hatte am Ende im Schlepptau die „Allgemeine Wehrpflicht“. Diese war der „billigste“ Weg, Massenheere auszuheben und Abschlachtungsorgien zu veranstalten, wie sie die Welt nie zuvor gesehen hatte.

Ich bin so dreist, die „Allgemeine Wehrpflicht“ und die „Vernichtung durch Arbeit“ in einen Topf zu werfen. Die „Allgemeine Wehrpflicht“ hat sich in der Geschichte nicht nur einmal zum „Völkermord am eigenen Volk“ gesteigert. Die Einführung der „Allgemeinen Wehrpflicht“ war das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ihre Aufrechterhaltung ist das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und zwar auch dann, wenn die Juristen, die den „Staat“ bezahlten Talar tragen, etwas anderes behaupten.

Vernichtung durch Arbeit“, damit haben sich die Mächtigen der Welt freilich nie zufriedengegeben. Man hat die Soldaten bis zum Umfallen mit Mordbefehlen überschüttet. Die Mächtigen sind dabei auf nur wenig Widerstang gestoßen, weil der „moderne Mensch“ offensichtlich über eine ausgesprochene Neigung zum Genozid verfügt.

Diese genozidale Tendenz läßt sich seit rund 7.000 Jahren in allen Teilen der Welt belegen:

Vernichtungsfeldzüge“, die gab es schon, als noch mit jagdtauglichen Waffen gekämpft wurde und Mann gegen Mann stand. Der berühmteste von allen dürfte der Feldzug der Griechen gegen Troja gewesen sein. Weniger bekannt sind schon die punischen Kriege der Römer, die am Ende zur Zerstörung Carthagos führten und Rom zur ersten europäischen Supermacht werden ließen.

Auch Gaius Julius, genannt Cäsar, ließ sich diesbezüglich nicht lumpen. Anläßlich seiner Gallienfeldzüge ließ er mehr als einmal ganze Landstriche entvölkern. Bei seinen eigenen Landsleuten machte er sich allerdings erst durch sein perfides Vorgehen gegen die Usipeter und Tenkterer unbeliebt, die im Frühjahr des Jahres 55 v. Chr. in der Nähe von Nimwegen lagerten.

Die ahnungs- und führerlosen Germanen, die im Lager ruhig ihren täglichen Beschäftigungen nachgingen und an nichts Böses dachten, wurden vom römischen Heer plötzlich überfallen und abgeschlachtet. Cäsar beschreibt dieses »Heldenstück« geradezu mit einem gewissen Genuß. Die römische »Humanitas« und Cäsars »Clementia« (Milde) werden besonders durch folgenden Satz ins rechte Licht gerückt: »Die übrige Masse der Frauen und Kinder – die Germanen waren nämlich mit allem Volk ausgezogen und über den Rhein gegangen – begann allerorts zu fliehen. Zu ihrer Verfolgung sandte Cäsar die Reiterei aus.« Es ist besonders bezeichnend, daß Cäsar nicht wagte, die Reiterei gegen waffenfähige Männer, wohl aber gegen wehrlose Frauen und Kinder einzusetzen. Wieder schließt Cäsar seinen Bericht mit der ausführlichen Schilderung der Niedermetzelung der feige überfallenen Germanen. (Alfred Franke, Rom und die Germanen, Herrsching 1986, S. 191)

Cäsars Vorgehen in dieser Sache ging damals selbst den römischen Senatoren zu weit. Cato der Ältere hatte rund 150 Jahre vor Cäsar noch die Meinung vertreten, Carthago müsse zerstört werden, Cato der Jüngere hingegen beantragte im Senat wegen des geschilderten Vorfalls die Auslieferung Cäsars an die Germanen.

Wie es damals am linken Niederrhein wahrscheinlich ausgesehen hat, zeigt ein Fund, in Somerset (Südwestengland), nämlich die Keltenstadt „Cadbury-Camelot“. Bei der Ausgrabung des Südwesttores wurden die Überreste von Kindern entdeckt. Diese waren auf jede nur erdenklliche Weise zerstückelt worden und die Leichenteile waren über den ganzen Torweg verstreut. Der Anblick muß dermaßen grauenvoll gewesen sein, daß einige der freiwilligen Helfer sich weigerten, hier weiterzuarbeiten.(Franke aaO, S. 60). – Täter waren auch hier römische Legionäre. Keine wilden Barbaren, sondern Soldaten der größten „Kulturnation“ der Antike hatten das Massaker verübt. Ich setze in diesem Zusammenhang als bekannt voraus, daß römische Soldaten sich ein Ding mit Sicherheit nicht leisten durften: Disziplinlosigkeit.

Kavallerie gegen Frauen und Kinder. – Wie oft mag sich dieses Muster seit Cäsar überall auf der Welt wiederholt haben. Die bekannteste Wiederholung dürfte das Massaker vom Sand Creek sein, als US – Kavalleristen die Frauen, Kinder und Greise eines Indianerdorfes niedermetzelten.

150 Jahre nach Caesar wurde in Rom eine Art „Holocaust-Denkmal“ errichtet. Freilich wurde es nicht der Erinnerung an die Opfer gewidmet, sondern dem Ruhm der Täter. Die Trajanssäule verewigt den Völkermord an den Dakern.

Bei Trajans Feldzug sollen rund Eine Million Daker ums Leben gekommen sein.

Jesus soll den Evangelien zufolge nach Ephraim gegangen sein. War er sich dessen bewußt, das Jahrhunderte vor seiner Zeitrechnung an den Jordanfurten ein Genozid stattgefunden hatte, der von Gott offenbar billigend zur Kenntinis genommen worden war?

Im 20. Jahrhundert grenzte man seine Mitmenschen über das optische Merkmal des „Judensterns“ ab. Die Gileaditer, die damals die Jordanfurten besetzt hielten, gingen noch perfider vor (Richter 12):

5.(…) Wenn nun die Flüchtigen Ephraims sprachen: Laß mich hinübergehen! So sprachen die Männer von Gilead zu ihm: Bist du ein Ephraimiter? Wenn er dann antwortete: Nein!

6. hießen sie ihn sprechen: Schiboleth; so sprach er Siboleth und konnte es nicht recht reden; alsdann griffen sie ihn und schlugen ihn an den Furten des Jordans, daß zu der Zeit von Ephraim fielen zwei und vierzig tausend.

42.000 Tote, nach „Feststellung der Personalien“ einzeln erschlagen.

Gedankenstrich“

Der älteste Beleg für einen „Vernichtungsfeldzug“ ist gut und gerne 7000 Jahre alt. Er wurde in Talkirchen gefunden. Talkirchen liegt in Baden-Württemberg, Der Knochenfund umfaßt 34 Skelette und weist auf einen Genozid hin. Dieser wurde überwiegend mit Steinäxten verübt und kostete wohl alle Bewohner eines Dorfes das Leben. Sie waren zwischen zwei und etwa sechzig Jahren alt. Bedenkt man, daß noch in der Jungsteinzeit die Horde oder das Dorf mit 25 –50 Individuen ein „Volk“ bildeten, ist das Ereignis von Talkirchen der älteste nachweisbare Völkermord der Weltgeschichte.

Der Talkirchener Genozid ist der älteste nachweisbare, aber mit Sicherheit nicht der älteste Völkermord an sich. Aber bereits ein nachgewiesener steinzeitlicher Völkermord ist Indiz dafür, daß der Genozid, das willkürliche und rücksichtslose Töten von Artgenossen, zu den Eigenschaften des “modernen“ Menschen zählt. Genozidale Tendenzen zeigen sich in der ganzen Welt, bei allen Völkerschaften, wie der Genozid der Hutus an den Tutsis im Jahre 1994 mehr als deutlich macht. Wie in Talkirchen kamen keine „modernen“ Waffen zum Einsatz, erst recht keine sogenannten Massenvernichtungsmittel. Man benutzte wie vor 7.000 Jahren zum töten das Werkzeug, das man „gerade zur Hand“ hatte. (Der Völkermord im Süden des Sudan war, als die Ursprünge dieser Zeilen entstanden, noch Zukunftsmusik. Aber, seien Sie einmal ehrlich, wer kümmert sich schon um unsere Mitmenschen im Sudan?)

Die Bilder aus aller Welt sprechen eine deutliche Sprache: Der moderne Mensch hat bezüglich seiner Reaktion gegenüber dem Sozialpartner die Instinktbindung verloren und ist nicht mehr in der Lage, auf soziale Not- oder Unterwerfungssignale instinktsicher zu reagieren. Das macht ihn für seine Mitmenschen so gefährlich.

Der „moderne“ Mensch ist damit in eine Lage geraten, über die man erschaudern könnte, er zeigt, so die Beweislage, eine ausgesprochene Neigung zum Genozid, zum Völkermord. Darüber hinaus ist eine generelle Tendenz zum „Ausrotten“ unliebsamer Lebewesen nicht zu leugnen.

Soweit es die Wahrnehmung des Mitmenschen als Mensch betrifft, befindet ich der Mensch gegenwärtig auf einem niedrigeren Niveau als Schimpansen. Schimpansen haben keine Tötungshemmung gegenüber Angehörigen fremder Gruppen, wohl aber gegenüber den Angehörigen der eigenen Gruppe. Der „moderne“ Mensch verlor auch die Tötungshemmung gegenüber dem Sozialpartner.

Mit dem Fall dieser Tötungshemmung wurden die Bewohner Bottlenecks in ein Dilemma gedrängt: Rücksichtslosigkeit gegenüber den Nachbarn ermöglichte ihnen den gewaltsamen Zugriff auf deren „Vermögen“. Andererseits bezogen sie als exogame Wesen ihre Frauen von diesen. Das ungehemmte Vernichten artgenossenschaftlicher Konkurrenz hätte also rasch zum Untergang der entstehenden Subspezies des Menschen geführt. Die „Bremsen“, die den selbsternannten „Homo Sapiens Sapiens“ daran hindern, wahllos seine Artgenossen umzubringen, sind kultureller Natur. Deswegen können sie auch, die Geschichte zeigt es, jederzeit gelöst werden.

Die langfristige Isolation unserer Vorfahren auf „Bottleneck“ begünstigte die „Entartungserscheinungen“, die uns heute noch zu schaffen machen. Konrad Lorenz bezeichnete dies einmal als „Verhausschweinung des Menschen“.

Zusammengepfercht auf einer Insel „gewöhnte“ sich zumindest ein Teil der Bevölkerung genetisch an eine überwiegend seßhafte Lebensweise.

Wer seßhaft ist, der muß, das ist unabdingbar, mit erhöhter Aggressivität seine Lebensgrundlagen gegenüber nomadisierenden Artgenossen verteidigen. Denn diese werden ebenso arg- wie verständnislos versuchen, die Nahrungsquellen der Seßhaften zu nutzen. – Auch dafür gibt es eine Fülle von Beispielen aus dem heutigen Afrika, ja selbst aus Indien. So traurig es ist, aber es fand eher ein „Verkampfhunden“ denn eine „Verhausschweinung“ statt.

Auf „Bottleneck“ nahm der „Kampf ums Dasein“ seinen Anfang, den Charles Darwin später zu Unrecht in die Natur projizieren sollte.

Als vor rund 8.000 Jahren die dem Australopithecus Superbus Procrustes eröffneten Lebensräume mehr als gefüllt waren, gewann die latent vorhandene Fähigkeit zur seßhaften Lebensweise die Oberhand. Nomanden wurden an den Rand gedrängt. Aus europäischer Sicht kann man mit Fug und Recht behaupten, daß rund um das Mittelmeer die Nomandenvölker in die Wüste geschickt wurden.

Es entstanden die sogenannten „Hochkulturen“, die den Ausgangspunkt für die Entwicklung eines auf dem Prinzip von Befehl und Gehorsam beruhenden „Staatswesens“ bildeten. Das wurde zur Anfangsbedingung für die Entwicklung des Militärwesens. Dieses wiederum gipfelt in der der bedenkenlosen Erfindung von Atomwaffen, Stealth-Bombern und vor allem darin, daß diese Waffen ebenso bedenkenlos eingesetzt werden wie sich geschaffen wurden. – Und man ist sogar noch stolz auf diese Errungenschaften der „Zivilisation“.

Zivilisation“ – was ist das eigentlich? – Das lateinische „civilis“ läßt sich sowohl mit „bürgerlich, den Bürger betreffend“ übersetzen als auch mit „herablassend“. – Schaut man sich in dieser Welt einmal um, findet die „Zivilisation“ eher in der letztgenannten Übersetzung ihren Ursprung. Herablassend sind vor allem die Dominanten. Die Subdominanten leisten unbedingten Gehorsam, weil sie nicht anders können, denn ihr Instinkt leitet sie. Im Grunde wissen sie nicht, was sie tun.

Die „Allgemeine Wehrpflicht“ ist die wohl schamloseste Ausnutzung des Gehorsamstriebs durch die Inhaber der obersten sozialen Dominanzpositionen. Auch die Neigung zur Selbstgefährdung wird von dieser schamlosesten aller Ausnutzungen erfaßt. Mit Einführung der allgemeinen Wehrpflicht kehrte sich die genozidale Tendenz der „Mächtigen“ gegen die „eigenen“ Leute. Das „Diskriminierungsmerkmal“, das diesen den Tod bringt ist die „Staatsangehörigkeit“.

Begangen wird diese Form von „Völkermord am eigenen Volk“ durch die befehlshabenden Offiziere, verübt wird er letztlich durch Soldaten, die Reisepaß und Soldbuch eines „feindlichen“ Landes in der Tasche haben.

Halten wir zum Abschluß fest:

Nicht einer der Männer, die am 6. Juni 1944 die Landungsboote verließen, stand unter dem Schutz der Verfassung des Landes, dessen Uniform er trug. Sie alle waren ihrer Menschenrechte beraubt und wurden von ihren „Führern“ ermordet. Sie wurden ermordet wie ihre Kameraden, die am 20. Juli 1944 versucht hatten, sich vom Joch des unbedingten Gehorsams zu befreien. Bis auf die letzten Gabelungspunkte ist für die Männer des 6. Juni und die des 20. Juli 1944 der Weg identisch: Sie haben Befehlen gehorcht. Und auch die Männer, die den Aufstand im Warschauer Ghetto anzettelten, hatten bis zu diesem Zeitpunkt den „Anweisungen und Befehlen“ der „Besatzungsmacht“ offenbar widerspruchslos „gehorcht“.

Nicht nur für mich, ich hoffe, auch für Sie ergibt sich aus dem oben Gesagten, daß die Verhaltensmuster „Gehorsam“, „Tauschen und Teilen“ sowie „Selbstgefährdung“ niemals wieder in der Weise zusammentreffen sollten, wie es damals geschah.

Dennoch geschieht all das auch heute noch, Tag für Tag, ohne daß sich jemand darüber aufregen würde. Es war halt immer so.+

Stellen wir trotzdem, Konfuzius folgend, die Namen und Begriffe richtig:

Jeder militärische „Führer“oder „Unterführer“ hat für das Wohlergehen der ihm anvertrauten Männer zu sorgen. Der militärische Sprachgebrauch ist älter als der Nationalsozialismus und wird unabhängig davon bis heute weiterverwendet. – und das ist gut so: Horde, Herde, Rudel oder Schar, alle tierischen Sozialgemeinschaften, bis hin zum Insektenstaat – sie alle sind Überlebensgemeinschaften, präziser gesagt „Aufzuchtgemeinschaften“. Wenn Lebewesen in einer Sozialgemeinschaft leben, ist diese im Evolutionsprozeß unabdingbare Voraussetzung für die Erhaltung der Art. Sozialgemeinschaften können, ganz im Gegensatz zu den „Sozialgemeinschaften“ des Militärs, niemals „Untergangs- oder Sterbensgemeinschaften“ sein. Bis zum Auftreten des „modernen“ Menschen folgten menschliche Horden unbedingt diesem Pfad der Evolution. Das ist aus den Knochen der Neandertaler unschwer abzulesen. Daraus folgt: wie ein Hordenführer der Neandertaler ist jeder Offizier oder Unteroffizier dafür verantwortlich, daß die ihm anvertrauten Menschen die Ausführung einer jeden Weisung unbeschadet überstehen! –

Gedankenstrich“

In diesem Zusammenhang ist es nützlich, an die Definition des Befehls zu erinnern, die jeder, der in der Bundeswehr gedient hat, auswendig lernen mußte:

Befehl ist die Anweisung zu einem bestimmten Verhalten, die ein militärischer Vorgesetzter einem Untergebenen mündlich, schriftlich oder in sonstiger Weise mit Anspruch auf Gehorsam erteilt.

Es dürfte unmittelbar einleuchten, daß es den Befehl „stirb!“ nicht geben kann. Kann es ihn individuell nicht geben, ist er auch für den Trupp, an den er gerichtet ist, mit Sicherheit nicht bindend.

Sollten Sie es überlesen haben:

Jeder militärische „Führer“oder „Unterführer“ hat für das Wohlergehen der ihm anvertrauten Menschen zu sorgen.

Und nun lassen Sie sich folgende Worte auf der Zunge, die bislang nur den Geschmack der Propaganda gekannt hatte, genüßlich zergehen.

Hat nicht jeder Mensch das Recht auf Notwehr? – Und wenn jeder Mensch das Recht auf Notwehr hat, hat dann nicht jeder Mensch das Recht, dem Notwehrberechtigten beizustehen? – Sowohl zivil- als auch strafrechtlich ist derjenige im Recht, der Notwehr zugunsten eines Dritten ausübt (Nothilfe).

Notwehr ist, so steht es in § 32 des deutschen Strafgesetzbuches, „die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen, rechtswidigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwehren.

Das Erteilen des Befehls, die Grenzen des eigenen Territoriums mit Waffengewalt zu überschreiten (Angriffsbefehl), ist ein gegenwärtiger, rechtswidriger Angriff auf Leben und Gesundheit der eigenen Leute und auf die Menschen, deren Rechte durch den befohlenen Angriff verletzt werden sollen.

Wer also einen Angriffsbefehl gibt, der stellt sich selbst außerhalb der Rechtsgemeinschaft, die alle Menschen nun einmal bilden. Nochmals: Wer einen Angriffsbefehl erteilt, schließt sich aus der Rechtsgemeinschaft selbst aus, wie jemand, der in Tötungsabsicht mit dem Messer auf Sie einsticht. Sticht jemand mit dem Messer auf Sie ein, dauert der „Angriff“ wenige Sekunden. Gibt ein „Führer“ einen „Angriffsbefehl“, kann die daraus resultierende Abschlachtungsorgie Jahre dauern. Damit bleibt der „Angriff“ im Sinne der Notwehr dauerhaft „gegenwärtig“. Folglich steht derjenige, der einen Angriffsbefehl erteilt, bis zum Befehl: „Feuer einstellen!“ außerhalb der menschlichen Rechtsgemeinschaft. Ihn zu töten, um das Töten zu beenden, ist nicht rechtswidrig.

Sie sollten, ich muß das hier einflechten, jedoch nicht versuchen, einem der „Mächtigen“ deswegen den Garaus zu machen, das könnte leicht in der Todeszelle oder, schlimmer noch, in Guantanamo enden! Denken Sie daran, die Mächtigen dieser Welt scheren sich einen feuchten Kehricht um das, was Recht ist. Sie benutzen die Gesetze zum Machterhalt, nicht im Sinne der Gerechtigkeit.

Das aber wiederum kann an den eigentlichen Verpflichtungen militärischer Führer gegenüber den ihnen Anvertrauten nichts ändern. Ich wiederhole:

Gibt ein „Führer“ einen „Angriffsbefehl“, kann die daraus resultierende Abschlachtungsorgie Jahre dauern. Damit bleibt der „Angriff“ im Sinne der Notwehr dauerhaft „gegenwärtig“. Folglich steht derjenige, der einen Angriffsbefehl erteilt, bis zum Befehl: „Feuer einstellen!“außerhalb der menschlichen Rechtsgemeinschaft. Ihn zu töten, um das Töten zu beenden, ist nicht rechtswidrig.

Nimmt man die Verpflichtung hinzu, die ein militärischer Führer nach dem oben Gesagten gegenüber seinen Untergebenen hat, folgt daraus die Pflicht des Offiziers, dem Vorgesetzten, der ihm einen Angriffsbefehls erteilt, die Pistole auf die Stirn zu setzen und abzudrücken.

Damit kommen wir zu der folgenden grausamen Einsicht:

Die Behauptung, mit der Invasion vom 6.6.1944 wäre die Befreiung Europas vom Joch des Terrors eingeleitet worden, wird weder den Opfern des 6.6.1944 noch denen des 20.7.1944 noch denen des Warschauer Aufstands gerecht.

Die „Helden“ des 6.6.1944 waren aus Gründen einer mehr als zweifelhaften „Staatsräson“ „Verbündete“ Stalins und damit dessen Helfershelfer. – Daß Stalin nicht ein Freund der Menschenrechte war, war den Herren Churchill, Roosevelt und De Gaullehinlänglich bekannt.. Dennoch lehnten sie einen separaten Waffenstillstand mit dem Deutschen Reich für den Fall der Beseitigung des „Führers“ ab.

Sie waren also bereit, ohne Wenn und Aber eine unbestimmte Anzahl ihrer eigenen Leute weiterhin in den Tod zu schicken.

Rund 50.000 davon verschlang allein der Hürtgenwald in der Nähe von Aachen.

Bei der „Befreiung“ Deutschlands vom Nationalsozialismus“ folgten sowohl Stalin als auch die „Führer“ der Westalliierten einer ganz simplen, und bewährten, wenn auch perfiden Strategie:

Schicke so viele deiner eigenen Leute in die Schlacht, daß es dem Gegner unmöglich ist, sie alle außer Gefecht zu setzen. – Man wollte den Sieg, ohne Rücksicht auf Verluste – und die gab es reichlich.

Und damit kommen wir zu einer noch grausameren Einsicht:

Es hätte ohne die Einführung der „Allgemeinen Wehrpflicht“ als Folge der französischen Revolution die Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts nicht gegeben.

Qualifiziert man die „Allgemeine Wehrpflicht“ als Völkermord an den eigenen Leuten, dann ist sie das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit, daß die Welt je gesehen hat.

Ein Verbrechen, das nicht enden will. Deswegen ist jeder Offizier, der einem„Wehrpflichtigen“ einen Befehl erteilt, der diesen in Lebensgefahr bringt, vogelfrei, er steht außerhalb jeden Rechts.

Erst recht außerhalb der Rechtsgemeinschaft aller Menschen stehen die „Inhaber der obersten Befehls- und Kommandogewalt“. Sie haben im Grunde nichts zu sagen und erst recht nichts zu befehlen, maßen sich aber die Befugnis an, ganze Armeen in den Tod zu schicken.

Ein Offizier, der angesichts dessen seine Untergebenen nicht im Sinne der Notwehr vor ihnen schützt, hat auf seinem Posten eigentlich nichts verloren. Wo einer nichts verloren hat, hat er auch grundsätzlich nichts zu suchen. Es sei denn, er entscheidet sich für das Wohlergehen seiner Untergebenen.

Aber es wird einstweilen keinen Aufstand der Offiziere und Unteroffiziere geben, weil die Tradition stärker sein wird als die bessere Einsicht:

In dieser Hinsicht unterscheidet sich der Primat „Mensch“ nicht von japanischen Rotgesichtsmakaken. ja nicht einmal von Bären und Graugänsen. Bären und Graugänse müssen verhungern, wenn sie nicht die Nahrung bekommen, die sie von Kindesbeinen an gewohnt sind. Die Tradition hat sie unfähig gemacht, das Notwendige später zu lernen. Wenn es Sie in eine unwirtliche Gegend verschlägt, kann es sein, daß auch Sie eher verhungern als ungewohnte Nahrungsmittel zu verspeisen.

Was Sie fressen, ist Ihre Privatsache, wen Sie umbringen jedoch nicht!

Vor diesem Hintergund können wir zum eingangs erwähnten Dialog zwischen Kain und Gott zurückkehren.

Soll ich meines Bruders Hüter sein?“

Ja, Kain, Deines Bruders Hüter sollst du sein; nicht sein Vormund und erst recht nicht sein „Vorgesetzter“.

Weil die Bibel diese Anwort unterschlagen hat, schreit die Simme des Blutes unserer Brüder und Schwestern immer noch von der Erde zum Himmel.


„Altersarmut“ ist vermeidbar – fragt den Neandertaler!

September 3, 2012

Rentensystem: Von der Leyens dramatische Altersarmut-Prognose – Nachrichten Politik – Deutschland – WELT ONLINE.

„Altersarmut“ – gab es die eigentlich immer schon? – Nein, sie ist eine Folgeeerscheinung der „Staatenentstehung“. – Und das nur, weil „der Staat“, wie er uns geläufig ist, eine Erscheinung darstellt, die der Biologe „parasitär“ nennt. – Im Gegensatz zur Symbiose nimmt der parasit, gibt aber nicht. – Und genau so verhält sich auch der sogenannte „soziale Rechtsstaat“. – Dessen kameralistische Haushaltswirtschaft wurde auch bei  Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika und in der französichen Revolution Eins zu Eins aus dem überwunden geglaubten Feudalismus übernommen:

Der Staat kassiert Steuern und vergeudet sie.

Wir haben in aller Welt jede Menge Politiker, aber selbst die „Politikwissenschaft“  hat nicht einmal eine nachvollziehbare Bebgriffsbestimmung des Begriffs  „Politik“.

Auch Nigel Calder hat es in diesem Zusammenhang nicht geschafft, woran schon die Philosophen der Antike, erst recht aber die der Mo­derne gescheitert sind. Selbst Politologen haben den Begriff „Politik“ nie inhaltlich bestimmt und abgegrenzt. Erlebt wird „Poli­tik” überall in der Welt als ungehemmt ausgeübte soziale Dominanz. Auf den Punkt gebracht wurde es von der nationalsozilistischen Pro­paganda: „Führer befiehl, wir folgen!” – Es heißt nicht: „Führer schreite voran, wir folgen”. Der „Führer” ist mit der bedingungslo­sen Unterwerfung unter seine soziale Dominanzstellung jeder per­sönlichen Verantwortung für die Geführten enthoben, ordnen die sich doch seinem Willen unter, welche Motivation auch immer da­hinterstehen mag. – Und wenn der „Führer” den Untergang befiehlt, dann geht man eben unter, koste es, was es wolle. – Das aber ist nicht Sinn und Zweck der sozialen Dominanz. Sie kann ohne Ver­antwortlichkeit für das Ganze nicht existieren. Die soziale Führungs­position muß immer an den „besseren Überblick” gekoppelt sein.

Deswegen muß vor Beginn der Arbeit an einem Verfassungsentwurf nach Artikel 146 des Grundgesetzes der Begriff „Politik“ eindeutig bestimmt sein:

 

Politik ist das Organisieren der Erledigung von Gemeinschaftsaufga­ben.

Eine andere Begriffsbestimmung von „Politik“ ist kaum denkbar. Sie  korrespondiert ebenso mit den natürlichen Grundlagen menschlichen Sozialverhaltens, wie auch die „Menschenrechte“ mit den gemein­schaftsbezogenen Grundbedürfnissen des Menschen in Beziehung stehen. Die „Menschenrechte“ sind keine „Erfindung“ der Philoso­phen des 18. Jahrhunderts, vielmehr begannen die gemeinschaftsbe­zogenen Grundbedürfnisse des Menschen im Zeitalter ihrer stärksten Unterdrückung seit der Antike sich wie eine Blaupause durchzu­drücken.

 

Die Gemeinschaftsaufgaben

Vergleicht man den „sozialen Rechtsstaat“, der als „juristische Per­son des öffentlichen Rechts“ getrennt von den Mitgliedern der „Soli­dargemeinschaft“ sein Dasein fristet, mit den „Staaten“, wie sie in der Natur vorkommen, stellt man rasch fest, daß die juristischen Per­sonen des öffentlichen Rechts keine Daseinsberechtigung hat. Ob Termiten, Ameisen oder Bienen, alle „Staaten“ im Tierreich dienen nur einem Zweck, nämlich der Aufzucht des Nachwuchses. Darin unterscheiden sie sich nicht von den vielfältigen Sozialgemeinschaften des Tierreiches, ob man sie nun Herde, Horde, Schar, Schule oder Rudel nennt.

 Agenda des „Staates“

An erster Stelle steht die „Aufzucht des Nachwuchses“.

Alle Kinder haben gegenüber der Gemeinschaft einen Anspruch auf Unterkunft, Verpflegung und freie Heilfürsorge. Sie haben einen Anspruch auf Bildung und Ausbildung.

Es ist klar, daß 80.000.000 Menschen sich nicht persönlich darum kümmern können. Also sind im erforderlichen Umfang die entspre­chenden Geldmittel bereitzustellen. Aufgabe des „Staates“ als Orga­niastor ist es, die erforderlichen Beträge auf die Gemeinschaft umzu­legen.

Wer meint, das wäre unmöglich, der sein daran erinnert, daß es dem „sozialen Rechtsstaat“ nie schwergefallen ist, den Soldaten das zu gewähren, was den Kindern zukommt.

Der Mensch ist – soweit ersichtlich – die einzige Tierart auf Erden, die Alte und Kranke in ähnlicher Weise pflegt wie Säuglinge und Kleinkinder. Die Versorgung der Alten und Kranken steht bei der Erledigung von Gemeinschaftsaufgaben daher an zweiter Stelle.

An dritter Stelle ist Gemeinschaftsaufgabe die Gewährleistung des ungehinderten Zugangs zu Wasser und Wärmequellen. Seit den win­terlichen Stromausfällen im Münsterland dürfte auch der ungehin­derte Zugang zur Elektrizität den Gemeinschaftsaufgaben zuzurech­nen sein.

Über die Rangfolge der übrigen Gemeinschaftsaufgaben läßt sich streiten, unbestreitbar ist jedoch ihre Zugehörigkeit zu den Gemein­schaftsaufgaben:

·        Schaffung und Freihaltung von Verkehrswegen für den freien Verkehr von Waren und Dienstleistungen,

·        Das Justizwesen zur Bereinigung von Streitigkeiten zwischen den Mitgliedern der Sozialgemeinschaft

·        Das Polizeiwesen als Instrument der Gefahrenabwehr im Sinne des preußischen Polizeirechts.[1]

·        Das „Versicherungswesen“ – Viele „versicherbare Risiken“ ent­puppen sich bei näherer Betrachtung als Gemeinschaftsaufgabe.

·        Dann kommt erst einmal gar nichts mehr

·        Am Ende steht die „Landesverteidigung“. – Sie ist für Deutsch­land aufgrund des Schengener Abkommens praktisch bedeu­tungslos geworden, denn die umgebenden „Staaten“ werden nicht versuchen, die Grenzen Deutschlands mit Waffengewalt einzureißen, weil es diese Grenzen nicht mehr gibt. Sie sind Ge­schichte. Im übrigen darf, sofern ein Vorhalten einer militäri­schen „Landesverteidigung“ für notwendig erachtet werden soll­te, diese nur nach Schweizer Vorbild organisiert sein. – Jeder hat sein Sturmgewehr zuhause im Schrank. – Die Unterhaltung eines „stehenden Heers“ ist nicht den Gemeinschaftsaufgaben zuzu­rechnen. – Jeder „waffenfähigen Person“, zu denen nach den neuesten Militärdoktrinen auch Frauen gehören, ein Gewehr in den Schrank zu stellen, reicht zur „Landesverteidigung“ voll­kommen aus. Immerhin hat die „Verteidigungsstrategie“ der Schweiz dieser eine seit 1840 andauernde Friedensperiode be­schert.[2]

 

Eine „Zentralgewalt” wird der deutschen Verfassung nach Artikel 146 fremd sein. Die „Zentralgewalt” war Folge der Entstehung der Nationalstaaten. Sie ist für ein funktionierendes Gemeinwesen nicht erforderlich. Der lockere Völkerbund der Germanen hat dem mit „Zentralgewalt” ausgestatten römischen Reich von der Varus­schlacht bis zu dessen Zusammenbruch erfolgreich die Stirn gebo­ten, ja selbst an dessen Untergang maßgeblich mitgewirkt. Auch das Heilige Römische Deutscher Nation kam ohne „Zentralgewalt” aus.

Gleichwohl wird man um eine „Zentrale”, die Gemeinschaftsaufga­ben koordiniert, nicht herumkommen. Allerdings darf diese keine „Macht” ausüben.

Die zu schaffende „gesetzgebende Körperschaft” hat die „Spielre­geln” menschlichen Zusammenlebens da aufzustellen, wo sie erfor­derlich und geboten sind.

Ein zweistufiger Aufbau des Gemeinwesens reicht vollkommen aus. Eine gesetzgebende Körperschaft, die sich auf das Notwendige be­schränkt, alle anderen Angelegenheiten werden von den Gemeinden erledigt.

Jeder kennt das vom Fußball her: Die Fifa stellt die Spielregeln auf, der Schiedsrichter setzt sie auf dem Spielfeld als Inhaber der sozia­len Dominanz durch.

Mehr braucht man eigentlich nicht.


[1]    Siehe Ernst Moritz Arndt, Verfassungen und Preßfreiheit

[2]    Siehe „Der Deutschen fünfte Chance”

Soweit der Auszug aus dem „Nievenheimer Manifest„.  – Es fußt nicht zuletzt auf den Knochen der Neandertaler, deren Skelette, so merkwürdig es klingt, darauf hindeuten, daß es sich bei den aufgefundenen Individuen um Personen handelte, die nach „bundesdeutschen“ Maßstäben als „Pflegefälle“ einzustufen wären.


Helden der Aufklärung

Juli 1, 2012

Helden der Aufklärung

Helden der Aufklärung (2/2) – videos.arte.tv.

Na, da bin ich doch mit meinem Nievenheimer Manifest gar nicht so weit von Voltaire und Diderot entfernt.  In diesem Zusammenhang eerstaunt mich nur, daß in dem Buch „Zugänge zur Philosophie 1“, das sich an Schüler wendet und als Unterrichtsmaterial an deutschen Schulen benutzt wird, diese beiden Namen nicht einmal auftauchen. – Findet in Deutschland wirklich „keine Zensur“ statt? – Oder bewahrheitet sich wieder einmal mein alter Satz:  „Wissen liegt auf der Straße, man muß sich nur danach bücken!“ ? – Dann muß man die Kinder darin unterweisen, wie man sich richtig bückt.


Papst, Augustinus und Cicero

September 22, 2011

Die Papst-Rede im Bundestag – 22.09.2011 Teil 1/2 – YouTube.

Ich bin zwar evangelisch und ausserdem Mitbegründer des Giordano-Bruno-Instituts für rechtswissenschaftliche Grundlagenforschung, dennoch spricht der Papst mir an manchen Stellen seiner Rede geradezu aus der Seele. An dieser Stelle sei nur auf seine Einleitung eingegangen:

Der Papst zitiert Augustinus, freilich unter Weglassung des lateinischen Originals:

remota iustitia quid sunt regna nisi magna latrocinia

Ohne Gerechtigkeit – was sind Staaten (Regierungen?) wenn nicht eine große Räuberbande.

Als mir vor Jahren das RoRoRo-Bändchen „Cicero der Staat“ auf dem Pfarrfest von St. Pankratius in Nievenheim in die Hände fiel, fiel mir bei Durchblättern dieses Zitat sofort auf. Ich war davon so begeistert, daß den einleitenden Halbsatz überlesen hatte und in der Folge das Zitat fälschlicherweise dem großen Cicero zuschrieb. – Hätte auch irgendwie gepaßt, denn immerhin war Cicero nach Caesars Tod zum Opfer der Prokriptionen Octavians geworden. – Octavian ist bekannter unter dem Namen Kaiser Augustus.

Jetzt, wo ich die Textstelle nochmals nachlese, scheint mir, daß der Papst zu Beginn seiner Rede nur wiederholt, was schon vor der Hinrichtung Jesu bekannt war:

„“Er ( Cicero) hatte ein lebendiges Wissen um das schicksalhafte Zusammnwirken von Macht und Geist in der Geschichte, daß Staaten ohne sittliche und geistige Grundkräfte auf die Dauer nicht existieren können. Über 2000 Jahre hinweg dringt eine Stimme zu uns, von Mensch zu Mensch, von Geist zu Geist. eine Stimme, die in manchem eine uns ungewohnte, im wesentlichen aber unsere Sprache spricht, weil sie die Situation des Menschen in ihrer Wesentlichkeit auszusagen sich bemüht. Anruf und Trost kann dieses Wort sein. Im Grunde vernehmen wir eine schlichte Lehre, die aber dennoch, wie die Jahrhunderte zeigen, schwer lernbar ist trotz ihrer Dringlichkeit: es ist die Lehre von der sinnerfüllten Selbstverwirklichung des Menschen in der politischen Gemeinschaft durch Gerechtigkeit. Mit Pathos hat davon Jahrhunderte später Augustinus gekündet, obgleich eer auch um die Bedeutung der Liebe zum Nächsten wußt, den Ruin des Staates vor Augen, dem Cicero auf durch die literarische Tat zur Dauer verhelfen wollte: rewmota iusatitia quid sunt regna magna latrocinia (civ IV 4) – Ohne Gerechtigkeit sind Staaten nur große Räuberbanden.

Auf die Hörenden kommt es an, die Wahrheit, auch die politische, soweit sie Grunderkenntnisse meint, die immer die gleichen beliben, ist da; der Entscheidung für sie oder gegen sie kann niemand sich entziehen.“ (Rainer Beer, in Marcus Tullius Cicero, Der Staat, Rowohlt 1967, 122)

Ich stimme mit dem Papst auch darin überein, daß der „Gesetzbgeber“ in der Lage ist, kraft seiner Normsetzungsbefugnis Unrecht in die Welt zu setzen. Ich gehe aber darüber weit hinaus, indem ich behaupte, daß mehr als 99% des in der Welt exisierenden Unrechts durch „den Gesetzgeber“ geschaffen  wird.


Crash laß nach! – Der Tod der Volkswirtschaftslehre

August 19, 2011

boerse.ARD.de : Abgabedruck lässt etwas nach.

Aber der Crash läßt nicht nach, weil die „Marktteilnehmer“ nichts anderes sind als Zocker. Die „Börse“ ist schlicht und ergreifend ein gigantischer Spielautomat.

Das ist wegen der die Börse umgebenden Propaganda nicht so offensichtlich, aber es ist schließlich auch nicht offenkundig, daß der Slogan

St Pankratius bleibt in Nievenheim!

  nichts anderes besagt, als

Mer losse d’r Dom en Kölle!

Die Kirche bleibt im Dorf, es ändert sich allein die Größenskala.

Die gegenwärtigen Turbulenzen an den Börsen waren zwar nicht plan- aber vorhersehbar. Ansatzweise hatte ich die damals (2000) absehbaren Konsequenzen der rezenten Form der „Zockerherrschaft“ grob skizziert:

Betrachten wir die belebte Natur als Fluß. Dieser nahm vor mindestens 3,5 Milliarden Jahren seinen Anfang. Erst bei einer Gleichsetzung von einem Millimeter für jedes Jahr gewinnt dieser Fluß ein vorstellbare Dimension. Liegt die Quelle 3,5 Mrd Jahre hinter uns, ist sie 3,5 Mrd Millimeter von uns entfernt. 3,5 Mrd Millimeter sind 3.500 Kilometer. – Etwa fünf Flugstunden; darunter kann man sich etwas vorstellen. Bei Stromkilometer 2.900 erscheinen die ersten mehrzelligen Organismen. Das Ende der Dinosaurier, die den Strom über 160 km beherrscht haben, liegt 65 km zurück. Vom letzten Neandertaler trennen uns 30 Meter, von Jesus Christus und Caesar zwei Meter. Napoleons Marsch gen Moskau liegt knapp 20 cm von uns entfernt, Hitlers Angriff auf die Sowjetunion 5,9 cm. Die Ermordung Kennedys hat einen Abstand von 3,7cm, die Ära Kohl begann 1,8 cm von der Gegenwart entfernt. Sie war so breit wie Ihr Daumennagel. Sie selbst haben Gelegenheit, durchschnittlich 7,5 cm in diesem Fluß mitzuschwimmen. Nicht eben viel.

 Wie gesagt, der Bundesadel setzt in seinem Verhältnis zu den Bürgern der Bundesrepublik zunehmend auf Deckelung und Repression. Repression des Staates gegen seine Bürger kann auf Dauer nicht gutgehen, denn Repression ist in der Geschichte letztendlich immer gescheitert. Immer! – Und zwar im Handumdrehen. Nehmen sie ein Lexikon oder Geschichtsbuch zur Hand: Die Sowjetunion erreichte eine Länge von 7,2 cm, der gesamte Ostblock brachte es auf gerade einmal 4,4 cm. Der „Eiserne Vorhang“ war von der ersten Öffnung der ungarischen Grenze bis zum Fall der Mauer nach 0,2mm bereits verschwunden, regelrecht weggesprengt. – Die Vollendung des Kommunismus durch Mao Tse-tung verlief nach wenigen Millimetern im Sande. Auch den islamischen Gottesstaaten werden nach wenigen Zentimetern die Puste ausgehen.

 Das alles ist auch nicht weiter verwunderlich, denn jeder Versuch des „Staates“, menschliche Schwächen kraft Gesetzes auszurotten, hat eine positive Rückkoppelung – und damit Chaos – zur Folge. Den Menschen werden Sanktionen angedroht, sollten sie das unerwünschte Verhalten zeigen. Nicht alle, mitunter nur ein geringer Teil, folgen dem „Gesetzesbefehl“. Die Folge sind härtere Sanktionen, da der „Staat“ sich offenbar nicht so recht durchsetzen kann. Als weitere Folge wird ein immer größerer Personenkeis diskriminiert, wenn nicht gar kriminalisiert. Der Apparat, mit dem die wachsende Insubordination bekämpft werden muß, bläht sich immer mehr auf.

 Die Beispiele reichen vom Falschparken über die Prostitution bis zum Rauchen. Verbote, wo man nur hinschaut. Ein Heer von Politessen ist unterwegs, Falschparker abzustrafen. Tausende von Überstunden bei der Polizei könnten abgebaut werden, wenn Polizisten nicht ständig dazu mißbraucht würden, „Temposünder“ zur Kasse zu bitten, und zwar genau an den Stellen, an denen ein Tempolimit durch keine Gefahrenabwehrfunktion gerechtfertigt ist.

 In diesem Zusammenhang bietet das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ ein geradezu phantastisches Beispiel dafür, daß unbegrenzte Möglichkeiten durchaus ihre Grenzen haben, und zwar sehr natürliche: Einen Säugling kann man trockenlegen, eine Nation aber nicht. Genau das war es aber, was in den Golden Twenties die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika mit der Prohibition beabsichtigte. Ich will das Thema hier nicht weiter vertiefen, aber es war eine der größten Herausforderungen an die Phantasie der Menschen. Schwarzbrauen, Schwarzbrennen und Schwarzmarkt waren die Folge. Diese wiederum hatten jede Menge Schwarzgeld im Schlepptau, weil nur der gut fährt, der gut schmiert. Der Staat und seine Gesetze aber hechelten eifrig hinterher. Teuer, und alles für die Katz! – Sollten dereinst Historiker und Informatiker interdisziplinär zusammenarbeiten, würde es mich nicht wundern, wenn in diesem Gewirr von Rückkopplungsschleifen der „Schwarze Freitag“ als zwangsläufige Folge solch staatlichen Irrsinns auftauchen würde.

 Dann aber wären „Schwarze Freitage“, wie der von 1929 in den USA, kein einmaliger historischer Vorgang, sondern das Damoklesschwert jeder Demokratie, die ihre Lektion noch nicht gelernt hat. Irgendwo im Dickicht von Gesetzen und Verordnungen, Absprachen und Schiebereien hängt es. Und wenn es fällt, ist die soziale Sicherung von Millionen Menschen im Eimer. – Es sei denn, das Sozialversicherungssystem ist nach dem ursprünglichen deutschen Muster organisiert und mit Lernfähigkeit ausgestattet.

 Ein System der sozialen Sicherung, das sich auf die Gemeinschaft aller stützt, kann nur dann lernfähig sein, wenn ihre Repräsentanten lernfähigkeit und -willig sind. Grundlage unseres Sozialsystems ist die Reichsversicherungsordnung; deren Entwicklungsfähigkeit hängt also unmittelbar von der Lern- und Anpassungsfähigkeit unserer Politiker ab.

Diese aber sind augenscheinlich nur insoweit lernfähig, als es ihren eigenen Geldbeutel angeht.Denn sie beweisen Tag für Tag, daß sie unfähig sind, sich mit den Fundamenten ihrer Tätigkeit und den Zielen ihrer Aufgaben zu beschäftigen.

 Menschliche Staatengemeinschaften sind eine relativ neue Erfindung der Natur. Im Strom des Lebens haben sie gerade einmal eine Länge von 8 Metern erreicht. Woraus wird ein Staat gebildet? – Aus Organismen, die gemeinhin als Menschen bezeichnet werden. Der Staat hat Organe, also muß er sich selbst als Organismus behandeln lassen. Sie sind ein Organismus, ich bin einer. Alle Ihre und meine Handlungen dienen eigentlich nur dem Zweck, die rund dreissig Billionen Zellen, aus denen Ihr und mein Körper jeweils bestehen, mit Nahrung zu versorgen. Welchem anderen Zweck soll daher ein Organismus namens Staat dienen, als dem, die Organismen, die ihn bilden, am Fressen zu halten? – Freilich nicht in dem Sinne, daß der Staat seine Bürger versorgen muß; er hat aber alles zu tun, was seinen Bürgern ermöglicht, sich selbst entsprechend der Wirtschaftskraft der Gemeinschaft angemessen zu versorgen.

 Aus dieser Warte hat der Staat also die Aufgabe, für das Wohlergehen seiner Bewohner zu sorgen. Staaten sind seßhafte Organismen, damit haben sie große Ähnlichkeit mit den Pflanzen. Auch die können ihren Standort nicht verändern.

 Der einzelne Mensch und auch Wirtschaftsunternehmen sind hingegen in der Wahl ihres Standortes einigermaßen flexibel, sie können als „Global Player“ relativ frei über den Planeten wandern und ihr Glück überall da versuchen, wo ihnen die Lebensbedingungen angemessen erscheinen. Unsere Politiker beklagen sich larmoyant darüber, daß die „Global Player“ das auch tatsächlich tun!

 Die relative Freiheit des einzelnen Menschen ist indes stark eingeschränkt. Um seiner Rolle als „Global Player“ gerecht zu werden, braucht er sehr viel Geld. Geld ist eine merkwürdig transzendente Form von Energie. Die aber wird ihm normalerweise nicht in die Wiege gelegt; die allermeisten Menschen müssen dafür schuften. Das wiederum bindet sie an ihren Standort, ihren Staat.

 Die Abhängigkeiten zwischen Mensch und Staat können wir daher annähernd in folgender Metapher zusammenfassen:

 Der Staat als seßhafter Organismus hat für das Wohlergehen aller ihn bildenden Organismen zu sorgen. Alle Repräsentanten eines Staates sind also gehalten, die Welt aus der Sicht einer Pflanze betrachten, die alle ihre Zellen am Leben erhalten muß.

 Die Organismen, aus denen ein Staat besteht, sind allerdings ziemlich wuselige und eigenwillige Tiere, die in erster Linie dem Augenblick, nicht aber der Zukunft verpflichtet sind.

 Das ist natürlich für jeden Politiker, der sich im Glanz seiner Erfolge sonnen möchte, ein grausiges Dilemma. Warum? – Wenn Politiker für mehr Eigenverantwortung des Bürgers bezüglich seiner sozialen Absicherung plädieren, verkünden sie ihr eigenes Versagen und offenbaren ihre Unfähigkeit zur Erfüllung der ihnen übertragenen Aufgaben. Denn der Mensch ist kein Lebewesen, das aus eigenem Antrieb seine soziale Absicherung betreibt; er verläßt sich auf andere, die das für ihn tun. Seit Urzeiten waren das die Kinder, die er reichlich in die Welt setzte. – Mit der hormonalen Empfängnisverhütung hat sich die Welt dramatisch verändert. Die Menschen, die in ihr leben, sind dennoch die geblieben, die sie immer waren. Von Alaska bis Feuerland, von Spitzbergen bis zum Kap der Guten Hoffnung. Von China bis Irland und von Indien bis Tasmanien. (Gerhard Altenhoff, der Bundesadel)

Im Feudalismus durfte nur der Landesherr und dessen Lehensleute ihre Mitmenschen ausbeuten. Mit dem Ende des Absolutismus, das mit der Gründung der USA seinen Anfang nahm, gab man jedem die „Freiheit“, sich als Ausbeuter zu betätigen. – Der Grundsatz der Privatautonomie, die „Vertragsfreiheit“ floß erst später in das Zivilrecht ein, hat aber bis heute den Durchbruch nicht geschafft. – Man erkennt es an den immer länger werdenden „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“, die umgekehrt proportional sind zur Bereitschaft des Verwenders, die eigenen Vertragspflichten zu erfüllen . – Mit anderen Worten: je länger und detaillierter die „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“, desto geringer die Vertragstreue.

In diesem Klima muß es immer wieder zu Turbulenzen kommen. Im Frühjahr 2005 war ich mir über das Sterben der Volkswirtschaftslehre klar und machte mir entsprechende Notizen, die ich unter Tod der Volkswirtschaftslehre abspeicherte.

 


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