Zivildienst vor dem Aus? | tagesschau.de

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Brauchen wir „Zivildienst“ oder brauchen wir nach rund 6000 Jahren eine Reformation der „Politik <!– @page { margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } –>“?:

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Politik ist das Organisieren der Erledigung von Gemeinschaftsaufgaben.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Auf diese Begriffsbestimmung haben mich übrigens die Kno­chen der Neandertaler gebracht, die der Planet fre­undlicherweise für uns konserviert hatte. Eine Reihe der geborgenen Skelette und Skelettreste gehört zu Individuen, die man heute als „Pflege­fall“ einstufen würde. Neandertaler kannten noch keine Pflegever­sicherung, dennoch wurden sie bis ans Ende ihrer Tage von der „Allge­meinheit“ der Horde offenbar rührend umsorgt. Der Neandertaler kannte weder Kranken- noch Renten- noch Pflegeversicherung. Er hatte sie nicht, weil er sie ein­fach nicht brauchte! – Sie glauben das nicht? – Dann lassen Sie sich einfach überraschen:


Die Neandertaler müssen deutlicher als alle anderen Geschöpfe vor ihnen empfunden haben, wie kostbar ein Leben ist, denn auf der fundamentalsten Ebene sind Begräbnisriten gleichbedeutend mit dem Wunsch, das Menschliche zu bewahren. Das Begraben besagt, daß irgendein wesentlicher Teil des menschlichen Lebens – man mag es Geist oder Seele nennen   nicht zerstört werden kann, son­dern nach dem Tode irgendwo anders in irgendeiner anderen Form weiterexistiert.

Dieser zunehmende Sinn für den Wert des Lebens spiegelt sich nicht nur in den Begräbnisriten der Neandertaler, sondern auch in ihrer Fürsorge für alte und behinderte Menschen. So war zum Bei­spiel der Mann von La Chapelle-aux-Saints längst über die besten Mannesjahre hinaus, als er starb. Sein Skelett läßt erkennen, daß er unter Arthritis litt und unmöglich noch an Jagden teilnehmen konnte. Selbst das Essen muß ihm schwergefallen sein, da er alle Zähne bis auf zwei verloren hatte. Hätte er zu einer früheren Zeit gelebt, hätte man ihn wahrscheinlich ausgesetzt und verhungern las­sen, nachdem er für die Gruppe nicht mehr von Nutzen war. Aber die Neandertaler ließen sich an­scheinend nicht von einer derart grausamen Logik leiten. Die Gefährten dieses Mannes versorgten ihn selbstlos mit Essen, vielleicht kauten sie es ihm sogar vor.

Auch die Funde von Shanidar lassen vermuten, daß die Neandertaler für Behinderte sorgten. Einige der dort gefundenen Knochen gehören einem 40jährigen Mann, der vermutlich durch Steinschlag getötet wurde. Die Untersuchung seines Skeletts ergab, daß ihm vor dem tödlichen Unfall nur ein Arm zur Verfügung gestanden hatte. Der rechte Arm und die Schulter waren verkümmert – vermut­lich ein angeborener Defekt. Trotz dieser erheblichen Behinderung erreichte er ein für einen Nean­dertaler hohes Alter. Seine Vorderzähne sind ungewöhnlich stark abgenutzt, was darauf hindeutet, daß er einen großen Teil seiner Zeit damit verbrachte, Tierhäute weichzukauen, damit sie als Klei­dung verwendet werden konnten, oder daß er seine Zähne anstelle des fehlenden Arms zum Festhal­ten von Gegenständen benutzte. (…) Auch der ursprüngliche Neandertaler aus Deutschland hat eine schwere Verletzung überlebt, sich allerdings nicht gut von ihr erholt: Die Knochen seines linken El­lenbogens waren so deformiert, daß er nicht imstande war, die Hand zum Mund zu heben; ob Mensch oder Tier für diese Verletzung verantwortlich war, läßt sich nicht feststellen (George Con­stable, Der Neandertaler, 1979, S. 101f)


Diese Feststellungen machen doch erschreckend deutlich, daß während der Eiszeit Kranke und Be­hinderte offensichtlich einen Stellenwert hatten, den man sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts ei­gentlich nur wünschen kann.

Es ist nicht anzunehmen, daß der Neandertaler die Fürsorge für Kranke und Behinderte erfunden hat. Angesichts seiner Lebensbedingungen hätte man aus heutiger Sicht eher das Gegenteil erwartet. Allein deswegen ist die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, daß bereits die frühesten Formen des Menschen ihre kranken und behinderten Gruppenmitglieder nicht einfach ihrem Schicksal über­ließen, sondern sich vielmehr ebenso intensiv wie um ihren Nachwuchs kümmerten.

Weil das so war und weil der heutige „Staat“ nicht einmal seine zum Krüp­pel geschossenen Solda­ten angemessen versorgt, finden wir die „eigentlichen“ Staatsaufgaben eher im Katalog der „ver­sicherbaren Risiken“ als im Grundgesetz.

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