Köhler, Wulff, Konfuzius und Plato

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christian wulff

der neue Geßlerhut

Die Bundesversammlung hat Christian Wulff auf den Schild gehoben.

So ist das eben mit den öffentlichen Ämtern; Konfuzius wußte darüber folgendes zu berichten:

Diese ehrgeizigen Streber, wie kann man mit ihnen zusammenarbeiten?

Solange sie noch kein Amt haben, ist ihre einzige Sorge, eins zu erhalten.

Ist ihnen das gelungen, ist ihre Sorge, es wieder zu verlieren.

In ihrer Sorge, das Amt wieder verlieren zu können, sind sie zu allem fähig.“(Gespräche XVII,15)

Ob Wulff „Bundespräsident“ oder nur „Analogpräsident“ der „Analogrepublik Deutschland“ ist, – darüber wird dereinst das Bundesverfassungsgericht entscheiden, wenn es mit dem einzigen Satz zur Begründung einer Verfassungsbeschwerde konfrontiert werden wird: „Das …gesetz ist nichtig, weil es nicht von einem Bundespräsidenten ausgefertigt und verkündet wurde.“ – – – Auf die juristischen Bocksprünge, die dann veranstaltet werden, bin ich gespannt.

Der 30.6.2010 hat jedenfalls gezeigt, daß man sich die Reise zu Konfuzius ins China vor der „Reichseinigung“ fast sparen kann; – eine Reise ins antike Griechenland reicht vollkommen, denn Platon hatte die Stellungnahmen unserer bundes-/analogdeutschen Politiker zur „Präsidentenwahl“ schon vor gut und gern 2.500 Jahren in wenigen Worten zusammengefaßt:

„Höre also das Gleichnis; es wird dir noch deutlicher zeigen, wie vorsichtig ich mit Gleichnissen bin. Das Verhältnis, in dem jene Tüchtigen sich zum Staate befinden, ist ein so schwieriges, dass sich nirgends ein einzelner Gegenstand findet, der ähnliche Zustände hätte. Man muß den Zustand aus vielen vergleichbaren Zuständen zusammenstellen, wenn man diese Männer verteidigen will, muß es also so machen wie die Maler, die Zusammensetzungen von Bock und Hirsch und anderen Tieren malen. – Denke dir, es ginge auf einem Schiffe oder auf vielen Schiffen folgendermaßen zu. Der Schiffseigentümer ist größer und stärker also die ganze Bemannung; er ist aber schwerhörig und kurzsichtig, und sein Verständnis für das Seewesen ist ebenfalls mangelhaft. Nun zanken sich die Schiffsleute untereinander, weil jeder meint, i´hm käme die Führung des Schiffes zu. Dabei hat aber keiner je die Seekunst gelernt, kann auch seinen Lehrer und seine Lehrzeit nicht nachweisen. Ja, sie erklären, diese Kunst sei gar nicht lehrbar, und wollen jeden in Stücke hauen, der sie lehrbar nennt. Sie stürmen also beständig auf den Schiffseeigentümer ein, er solle ihnen das Steuerruder in die Hand geben. Überredet ihn einmal ein anderer, so ermorden sie ihn oder werfen ihn über Bord. Haben sie dann den braven Eigentümer zahm gemacht, durch einen Schlaftrunk, durch Wein oder dergleichen, so stellen sie eigene Schiffsleute an, das Schiff zu lenken, und segeln nun, wie es bei solchen Leuten zu erwarten ist, unter Trinken und Schwelgen dahin. Wer sich beim Überreden oder Überwältigen des Schiffseigentümers geschickt erweist und ihnen behilflich ist, die Macht in ihre Hände zu bekommen, der steht als seetüchtig, als kundiger Steuermann und Kenner des Seewesens bei ihnen ihn Ehren. Wer kein Geschick dazu hat, wird unbrauchbar gescholten. Dabei wissen sie nicht einmal, dass ein wahrer Steuermann sich mit dem Jahre und den Jahreszeiten, mit dem Himmel, den Gestirnen, den Winden und überhaupt allem, was eben in sein Fach schlägt, beschäftigen muß, um wirklich ein Schiff führen zu können. Sie halten es gar nicht für möglich, dass man neben den Künsten und Mitteln, die man braucht, um sich zum Steueramt emporzuarbeiten, auch noch Zeit zur Erlernung der Steuerkunst hat. – Bei dieser Lage der Dinge auf einem Schiffe wird doch der wahre Steuermann von den Schiffsleuten entschieden für einen Sterngucker, einen Schwätzer, einen für sie unbrauchbaren Menschen erklärt?

Allerdings, sagte Adeimantos.

Ich brauche das Gleichnis wohl nicht auszulegen. Du siehst, dass sich die Staaten dem wahren Philosophen gegenüber ebenso betragen.

Ja, freilich.“  ( Plato, der Staat, 6. Buch IV, 488ff)

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One Response to Köhler, Wulff, Konfuzius und Plato

  1. RA Neldner sagt:

    „Auf die juristischen Bocksprünge, die dann veranstaltet werden, bin ich gespannt.“

    Um die Spannung ein wenig zu lösen: Es wird in der Entscheidung irgendwas in der Richtung „offensichtlich unbegründet“ stehen, falls es nicht schon an der Zulässigkeit scheitert.

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